Nr. 11
scheint IL-Nch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „»leheuer ZamiUeadlLltrr" werden dem ,s21nieifler' viermal wöchentlich beigelegt, das '.Krtublatl für den KrtU Lietzen" zivctnlal wöchentlich. Ter „hefstjcht Landwirt" erlernt monatlich einmal.
Rotationsdruck und Verlag der Drühlfcherr UnwersuätS - Buch- und Kteinbrrickerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Scfiul- ftraue 7. Expedition und Verlag: bl.
Redaktioni^sS 112. Tel.-2ldru AnzeigerGteßen.
Zweites Blatt 157. Jahrgang Montag 14. Januar 1807
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oderhessen
5le veulige Dummer umfatzt 10 Setten.
schrieben:
Nachdem eS der freisinnigen Partei deS Wahl- 'kreises iZnedberg-Büduigen gelungert ist, in Herrn Oberlehrer - r. L. ' v. _ - - . . f. — X . fr fKl AtdV* hflrflH
politische Lagesschar».
LcrudurgS Reden.
In erweiterter Form sind unter dem Titel: »Ziel« punkte deS deutschen Kolonialwesens" soeben die beiden Vorträge, die der stellvertretende Kolonialdircktor Wirkt. Geh. Rat Bernhard Dernburg am 8. und 11. Januar vor Gelehrten und Künstlern bezw. Kaufleuten und In. dustriellen gehalten hat, im Buchhandel (Verlag E. S. Mittler u. Sohn, Bcrlir SW 68) erschienen. Dec lebhafte Beifall, den die Reden in den Versammlungen gesunden haben und die außerordentliche Beachtung, die ihnen un Jn- und AuSlande zu teil geworden ist, lassen ihre Herausgabe in einer durch erläuternde Anlagen und Zusätze ergänzten
Arr-land.
London, 12. Jan. Ein htttte erlassener Armeebefehl sagt über dre Kriegsorganisation der Feldarmee für den Dienst im A u s l a n d e, daß dieselbe aus einer Kavalleriedivision xu vier Brigaden, sechs Divisionen, „Armee- truppen" und aus dem für die Verbindungslinie erforderlichen Truppen bestehen soll. Die entsprechende Organisation für die reguläre Feldarmee in FriedenSz.-iten soll aus vier Kavalleriebrigaden, sechs Divisionen und Armeetruppen bestehen. Ter Ausdruck Armeetruppen bebeutei nach oem Armeebefehl Truppen aus solchen Einheiten, die einen Teil einer Ezpevitionsi'olonne bitden, aber nicht in die Organisation einer Kavalleriedivision, einer Division oder der Bev- vindungslinientruppen einbegriffen sind. .
Paris, 12. Jan. Mazor Drei) fus tvurde tn Saint Den^s, wo er in Garnison sich:, von einem Unbekannten auf der Straße üb erfüllen. Er wurde zu Boden geworfen und ch.n bas Kreuz der Ehrenlegion vom Waffenrock go
— In der Ministerratsschung tft eme Einigung erzielt worden betr. die Abschaffuna der ständigen Kriegsgerichte in Friedenszeiten und über die Grundsätze für Oie Organisation des Strafverfahrens. Der Mmifterrat nahm den Gesetzentwurf betreffend die Aufhebung der Strafkompagnien an. Die Vorlage sieht die Einrichtung von Korrektionsabteilungen vor, in welche die Militärperfonen einzurechen sind, welche sich chwerer oder gewohnheitsmäßiger Vergehen gegen die Disziplin schuldig machen, nachdem alle Disziplinarstrafen gegen sie erschöpft sind.
Aar Zöahtdtwcgung. '
Gießen, den 14. Januar 1907.
Die vereinigten liberalen Parteien des Wahlkreises Gießen haben am Samstag und Sonntag , wtedecnm zahlreiche Versammlungen abgehalten, in denen außer dem Kandidaten Kommerzienrat Heiligen st aedt, ; Veh. Iustizrat Prof. Dr. Schmidt, die Stadto. Kirch, Loder, Eichenauer und Gabriel, LandgerichtSral Wiener, Rechtsanwalt Kaufmann u. a. Herren aus Dießen sprachen. Am Sonntag war namentlich die Gegend von Grunderg und Mücke mit mehreren Versammlungen bedacht, deren zahlreicher Besuch auf daS gegen frühere Wahlen bedeutend gesteigerte Jnleresie der Wählerschaft auch in dieser Gegend unseres weit ausgedehnten Wahlkreises schließen ließ. Während eS letzte Woche in den Orten bei Dießen namentlich galt, die planmäßig in die liberalen Versammlungen verlegte maßlose Agitation der Sozialdemokraten zu bekämpfen, erfolgten in den gestrigen Versammlungen mehrfach heftige Zusammenstöße mit chrtstlich-sozialen und anliiemitischen Agitatoren. Da die liberalen Redner die ausgegebene Parole, den Wahlkampf sachlich zu führen, trotz mancher persönlichen Angriffe ihrer Gegner durchweg befolgten, gelang eS ihnen, manches Mißverständnis aufzuklären und auch in jener Gegend, die früher fast ganz antisemitisch wählte, größeres Verständnis für bie liberalen Bestrebungen und EmoeritändniS mit der Kandidatur Heyligenstacdt zu finden. Mancher Wähler, der sich bis jetzt von den ein- seifigen Darstellungen der deutschsozcalen Agitatoren aus Hamburg beeinflußen ließ, wird jetzt eingesehen haben, daß bit Liberalen und die „Gießener SUique* nicht so schlimm sind, wie jene Herren sie von Hörensagen schilderten, daß sie Verständnis und guten Willen für die berechtigten Foroer- ungen der Landwirtschaft haben und jedenfalls unserer Landbevölkerung viel näher stehen, als die deutschsozialen Herren an her Nordsee. Einen besonder« glänzenden Verlaus nahm die Abend-Versammlung in Grünberg, daS ja von jeher treu und fest zur liberalen Sache gestanden hat.
Am Samstag sprachen auch die Herren Mulch und Keck au« Llch in gut besuchten liberalen Wähleroersamm- bmgen in Münster und RöthgeS, ferner am Sonntag in Ohbornhofen.
Rentner Peter Güngerich in Grünberg, dessen Kan- d.batur für unseren Wahlkreis vor kurzem gemeldet wurde, ifr davon zurückgetreten und hat erklärt, daß er für den liberalen Kandidaten, Herrn Heyligenstaedt, eintreten werde.
Herr Oswald Riedel., der in einer Reihe von liberalen Wnh,Versammlungen zugunsten Heyligenstaedrs mit Erfolg ge- b^afrm hat, ist in Großen-Buseck von dem berufsmäßigen soztal- t-molratischen Agitator Beckmann öffentlich „Lüaner" geraunt worden. Herr R. hatte in Versammlungen rote auch in unserer Sii p von der eigentümlichen Art erzählt, wie die Versammlungs- freibeit von Sozialdemokraten gehandhabt wird. Ein Exempel hi ui konnte er aus eigener Erfahrung berichten. In Berlin halte er jüngst an einer Aroeiterversammlung teilgenommen, und als dort Stadthagen den Ausdruck „Freisinnige Hottentollen- bande" geschmaaoollerweise gebrauchte, da sei ihm die Bemerkung nuiähren: „Na da müßte man eigentlich mal ums Wort bitten.' Tc aber habe einer von rechts, einer von links und emer von frinteii getreten und geboxt, und so habe er schleunigst draußen 8 ^Daß diese nach der bekannten WahLtaktik Berliner Sozialdemokraten nicht anzuzioeifetnde Mitteilungen den Herren Soz'ak. diuolraten nicht angenehm sind, glauben wir gern. Herr Beckmann aber hat mit ber hinter dem Rücken des Herrn Riedel getanen Beschimpfung sich als ein würdiger Genoise ktadtHagens erwiesen. Er hat an jener Berliner Benammlung Linz gewiß nicht teilgcnoinmen, nimmt aber nicht den geringsten In stand daran, in» Blaue hinein vor einer auf Pikanterien lmcrnden Zuhörermenge mit den maßlosesten Krastausdrücken nach Siebtem Sozialistenrezept als starker Mann sich zu produzieren. Lian wird diesen Herrn hinfort natürlich nickst mehr ernst nehmen unb seine dem Me^ingschen Schimpfte^ ikon, alias „Lpz. Völlig.", nmommenen wirksamen rezitatorifchen Formeln eoenio delächem sie die plumpen Jongleurkunststücke üagabunbterenber Artisten.
Aus Bad Stau hei m, 13. Januar, wird uns ge-
Deutsche» Reich.
Berlin, 12. Jan. Der Kaiser konferierte heute mit dem Reichskanzler und empfing den neuernannten italienischen Botschafter Pansa in Antrittsaudienz. Später wohnte er einem Vortrag von Professor Buchst ein über orientalische Elemente in der griechischen Architektur bei. Der Vortragende legte in längeren Ausführungen dar, daß in einer ionischen Säule ein vornehmes, in sich abgeschlossenes Gebilde von orientalischer Abstammung, aber griechischer Prägung vor- liege. Dem Vortrage wohnten unter anderem Kultusminister von Studt und Kolonialdireklor Dernburg bei.
— Außer dem Exgouverneur v. Bennigsen hat nun auch der frühere Handelsminister v. Möller Strafantrag gegen den Abg. Erzberger gestellt. Erzberger hat in einer Broschüre behauptet, Möller habe Verbindungen mit den blutsaugerischen Landkonzessionsgesellschaften gehabt.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt:
Nachdem Preußen in feinem Etat-Entwurf die weitergebenden Einkommenverbesserungen nebst dem einmaligen Unter- stützungsfondtz für Unterbeamte hat einftdlen können, liegt jetf der Reichsverwaltung die ernste Pflicht der Prüfung ob, in welcher Weife sie den in Frage kommenden Reichsbeamten die gleichen Wohltaten schon für 1907 zuzuwenden vermöchte, und sie ist auch gewillt,' soviel an ihr liegt, bei dieser Prüfung ein für jenen Beamtengrad günstiges Ergebnis heroeizufuhren Was so. dann die Aendermig der P e n s io n s v o r f ch r i f t en der Zivilbeamten in Verbindung mit einer Verbesserung der Hinterbliebe nen-Bezüge anbetrint, so belinben sich derartige Gesetzentwürfe gleichfalls in der Ausarbeitung. Ebenso besteht endlich bei der Reichsverwaltung die Absicht, für du Klasje der mindestbesoldeten Beamten von 800 bezw. 900 Mk. bis 1200 Mk. für das Rechnungsjahr 1908 Einkommensverbesje- rungen vorzunehmen.
— Die „Mrdd. Allg. Ztg." schreibt ferner:
Die in Londoti erfolgte Veröffentlichung des Blaubuchs bett, die englisch-französische Kon v e n t i o n über die Neu- Öcbriben wird von einigen engiiichen und iranzoiischen Blattern mit Begier zum Anlaß genommen, abermals die Mär auszuttschen, daß deutsche Mach en sch asten bei dieser Frage mttgejpielt und zum schleunigen Abschluß der Konvention beigetragen batten, da zu befürchten gewesen sei, daß durch eine Verzögerung des Abschlusses Komplikationen hatten entstehen können, ^n Wirklich- kett hat Deutschland sich um die franzosisch-englijchen Verhand- Lungen gar ntai bekümmert, weil sie Eemtelci deuttcye Imereiien berührten. Welchen unmittelbaren Zwecken diese Hetzereien dienen sollten, wttd, wie schon früh«, io auch neuerdings suS
ir. Strecker einen Kandidaten zu finden, Hal sich diejer bereu aflfirt, im Laufe dieser Woche in einer öfiemüchen Wahter-Ver- fcmmlung sein Programm zu entrollen. — Seilens dcS Vereins bürgerlicher Parteien wurde gestern abend bestimmt, am Äittivoch eme Mitglieder-Versammlung abzuhallen, in welcher man wiederum für die Kandidatur deS Grasen O r l o 1 a entleiben wird.
In Butzbach sprach am 12. dS., abends, rote unS von
ou y o a cy jpeaa) am u»., uvmv», —— ----
ort geschrieben wird, vor geringer Zuhörerzahl in der Oorr'se ?n Gastmirtschast der sozialistische Palteisührer^ Göller uS Frankfurt in zweistündiger Rede. Zu Diskussionsreden m derer Partcivertreter kam es nicht, da solche nicht anwesend
i sein schienen.
Zn Mainz hat eine Delegiertensitzung der demo kra - -tischen Partei beschlossen, der Generalversammlung am nächsten Dienstag den Vorschlag zu unterbreiten, im ersten Wahlgang für len sozialdemokratischen Kandidaten Dr. David einzutteten. Das Idaucrn wir um so übhatter, als der liberale Kandidat ii>r. itigcnftccher auf dem linken Flügel der Nationalliveralm sicht. •4ie Äiainzer Freisinnigen haben bekanntlich seine Kandchattr zu unterstützen sich bereit erklärt. Die Demottaten, die jonit fal ulierall mit den von ihnen politisch doch kaum, imterjchäedenen ßieijinnigen gemeinschaftlich Dorgeljen, haben sich in ichrojsen ,üeßenia6 gestellt zu ihren nächsten politischen Freunden.
Die Verhandlungen der Herborner Freisinnigen rntt dem .Landesausschuß der Partei haben zu dem Resultat geführt, datz nun der freisinnigen Pattei für den 5. nassauischen Wahlkreis b^rborn-Dülenburg-Renuerod freie Hand getanen bat Die tyrei* irrigen haben daraus sehr vernünftiger Weise beschlossen, die Sonbibatur des nationalliberalen Dr. Lohmann nicht tue zu Unterstützen, sondern auch zu der ihrigen zu machen unö mit allem Eifer mrtzuhelfen, diesen Kandidaten in den iittchstag zu bringen.
Bremen so»denen öie Fähier der K a t y o 111 e n : die katholischen Wähler auf, für den Kandidaten der : Liberalen Hamann zu stimmen. Ebenso beschlossen in Osnabrück der Bund der Landwirte und die Mittel. andSocreinigung, darunter viele Katholiken, den nationalliberalen Kandidaten LandgerichiSdirektor von , Campe zu unterstützen.
Die .Köln. VolkSztg.^ nennt die Katholikenführer, die den Aufruf gegen daS Zentrum erlassen haben, .katholische Absolutisten*, die dem VcrfasiungSlebcn femd. elig oder fremd gegenübcrstehen. Ihr Auftreten fei irre, leitend und anmaßend. DaS Blatt erklärt, daß die Unter- zeichner des AufnlfeS gegen daS Zentrum zum Teil durch das Zentrum hohe Stellen erhalten haben und erwähnt als Beispiel den Oberpräsidenten v. Schorlemer. Ein bißchen katholischer Mauers raß, meint dieses ZenlrumSblatt, werde den Zen- r u m S t u r m nicht lockern.
Mil besonderen Schwierigkeiten ist die Wahl für die reifen* den Kaufleute verbunden, die durch ihren Beruf zum größten Teile von ihrem Tomizil ferngeljalteit werden. Es ist nun ivüufchenHwert, daß die Prinzipale ihren Reifenden die Gelegenheit zur Wahl gewahren und ihnen, wenn irgend möglich, naljclegen, iür biefen Lag ihre Tour zu unterbrechen und nach Hanse zurück- zukehren. ,,
Die „Rordd. Allg. Ztg.' schretbt:
De,n Bericht der.Boss. Zlg.' über Stichwahlen und die Wahl, beweguug in Baden eulnehmen wir die folgende Stelle: .Für die Stichmaljlen am 5. Februar haben wir in Baden auf das Zusammengehen deS Zentrums mit der Sozlal- d e m o k r a l i e zu rechnen. Daran ist heule nicht mehr zi> iroeileln. Zu einem offenen Bündnis braucht es babei gar nicht au kommen. Taü Zentrum wird tu den Wahttrelfeu, m denen die Lozlaldemosralie und der Liberalismus sich cmanöcr gegenüber- flehen, die Wahlemhaltung proklamieren, wohrngegen bie -Lozial- demokralie das Benn um im Kample gegen den Liberalismus unter- fluyen wird.* Auch dieser '-Weihung gegenüber mochten roir be- zweileln, daß eme derartige Protlamanon, welche das Zennum ftum Lckilevventrager der Lozialdemokratre machen würde, bet der Wahlencha't des Zemruins dnrchweg Folge finden würde. Für bie bisherigen Älmdettjeusparteien liegt aber in diefer Anküiidigung die üJiahnung, fchon bei den Hauptwahlen die 'Wann an die Urne zu bringen, damit durch siegreiche Emfche,düngen im ersten Wahlgang die Möglichkeit gegenteiliger Wahthulie zwifchen dem Zennum und den Soziatdeinokraten bei den Aach- wählen am ein Munmuin heradgedruckt wird.
Die ,9tordd. Allg. Ztg.* schreibt ferner unter der lieber- schrift „Sozialdemokratie und Religion*:
Wir haben vom nationalen Standpunkt mit Bedauern die mehttachen Meldungen verzeichnet, nach denen daS Zentrum beabsichtigen soll, in einer Reihe von Wahlkreifen der v o z l a l - deuiokratie durch Proklamierung der Siimmenlhallung den Sieg z u z u f ch a n z e n. Auch vom reltgiöfen GeIichtSpu,ikt au8 würde das Zentrum durch eine solche Taktik eme schwere Zumulung an seine Wähler stellen. Es bedarf nach der gaiuen Vergangen- beit der fozlaidemokrallfchen Panei keiner weiteren Darlegung, datz ich hinler dem Satz, Religion ist eine Prwatsache, die enlschiedenue Religio iiSfeindfchalt verbirgt. TaS ist durch die Aus- fprüche der sühreuden Sozlaldemokralen leicht zu belegen. Eure Reihe solcher Aussprüche finden wir im Katechismus der sozialdemokratischen Religion und Revolution zusammengestellt, darunter die folgenden: T,e Neue Religion Iür die Massen ili die Sozial- demokrane. Liebknecht 25. Ian. 1890. Aul religiösem Gebiet cr- flrcbt die Soziatdemotraiie den A1 h e i S m u S. Bebet 81. Marz 1881. Tas Chiifkemum und der LozraliSinuS stehen sich Qegemibev wie Feuer und Wasser. Volksstaat vom 9. Marz 1874. Dte christ - liche Kirche i ft ein t o 11 p h a n k a st i f ch e s Re 1 rgions - j n fi c m. VottSstaat 7. September 1870. DaS Chrisieutum ,li freiheitS- und kulturfeindlich. Bebel. Christentum und Soz,aliöinus (Seite 18). Wenn wir einmal den foziallslifcheii Staat haben, fo werden wir sehr leicht mit der Religion fettig werden. Protokoll deS Parteitages Halle (Seite 194). Zur Zeit, wo bie Sozialdemokratie herrschen wird, wird die katholische Kirche ein Märchen der Bergaugeuheii jein. Liebknecht 11. Januar 1883.
Betrachtungen englischer Blatter unzweutthajt klar- So tveists bie „Tribüne" auj die tiefe Unzufriedenheit bat, die in Austtalren wegen ber Konvention herrscht. Um nun bieie Verstimmuiig von England abzuwenben, wird sie auf Deutschland bmgelciitt
Karlsruhe, 14. Ian. Beim 7b. Stiftungssest des Ge- werbe-DereinS hielt der Großherzog eine Rede, in der er zum Schluß sagte: „23 t r müssen national sein im höchste» Sinne des Wortes, müssen erhalten, was wir erschasjen haben. Tas können wir ober nur, wenn mir treu bleiben allem, waL Wohl, Ehre und Größe des Reiches heißt."
Neues aus Nußlaud.
In einem $)onbfa>reiben an den Ministerpräsidenten Stolypin gedenkt der Zar zunächst deS Zeitpunktes der Ernennung dcS Ministerpräsidenten, dem die sckpvere Ausgabe zugefallen sei, die durch die revolutionären Umtriebe gestörte osfentliche Ordnung wieder herzustcllen. Im Lause von öVa Monaten habe es daS Kabinett Stolypin verstanden, — fährt daS Handschreiben fort — durch energisches Auftreten eine deutliche Besserung bin* ichtlich der öffentlichen Ordnung herbeizusühren, trotz des tollkühnen Auslretens der Revolutionäre und wiederholter Ucbeltaten zu dem Zw-ck«', die regierenden Kreise in Verwirrung zu setzen. Der Kaiser erwähnt sodann die Gesetzentwürfe, die daS Ministerium für die Dumatagung vorbereitet und die Maßnahmen, die von ihm als unumgänglich nötig noch vor dem Zusammen- treten der Duma verwirklicht worden sind. Er spricht dem Ministerpräsidenten Stolypin und dem gesamten Ministerium seinen Tank aus und gibt der Zuversicht Ausdruck, daß nach dem bevorstehenden Ansange der Tagung der Duma und deS ReichsrateS daS von Stolypin geleitete Ministerium dieselben Dienste zur Äussührung der kaiserlichen Pläne leisten werde wie bisher. Denn nur im Zujammenwirken der gesetzgebeiiden Organe mit der vom Kaiser ernannten Regierung sehe er ein Pfand für die cnblidje Orbnung unb Stärkung ber Kräfte des Staates gemäß den Bedürfnissen des zu neuem Leben berufenen Rußlands.
Unter dem Verdachte, an der Ermordung des Generalleutnants Pawlows beteiligt zu fein, wurden die Schreiber der Hauptinten- Daniur Kolotilow, Russanow unö Neumar verhaftet.
Einem Petersburger Telegramm zufolge soll eine Verschwörung gegen Gra s Witte entdeckt sein. Der Graf soll von den Revolutionären zum Tode verurteilt worden sein, aber zwei ihrer Emissäre unter seinem Fenster an ihren Photographien als solche erkannt haben.
In Petersburg übersielen Dewafsnete im Zentrum der Stadt ein Magazin und raubten bie Kassen aus. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen.
In Sewastopol wurde gegen den Polizeioffiziev Slawinski eine Bombe geworfen. Slawinski wurde vorübergehend betäubt, ist aber unverletzt geblieben. Seine Frau, ein Polizeisoldat unb ein 23ad/mann erlitten Verletzungen. Bei ber Versolgnng iker Urheber beß Anschlages warscn biese eine zweite Bombe; viele Revolverschüsse würben abgegeben. Infolge der Dunkelheit gelang es ben Verbrechern, zu entkommen.
Der Polizei ist es gelungen, in Riga einen „General" ber lettischen Revolutionsarmee zu verhaften. Der „General", der sich in Riga auf Grund eines gefälschten Passes aufhielt, ist der B a u e r E h r i st i a n B o t s ch, der anderthalb Jahre in der Brest-Llwwskischen Festungsurtillerie gebient hat. Er hat in zahlrrid^ii Orten „Volksmilizen" organisiert, mit benen er bie Gutshüfe übersiel und ausvmnderte. Unter 1 einem Kommando standen zeitweilig mehrere hundert Reiter und über 600 Mann zu Fuß. Charakteristisch für den „General" ist, daß er sich von einem Zeitungsphotographen an der Spitze seiner Truppen hod) zu Roß, den Säbel in der Faust, photographieren ließ. Besonderen Zulauf versd-asfte feinen Scharen eine uniformierte Musikkapelle, b;e bei keiner „Wafsentat" der Volksmiliz schien durfte. Botsch dürfte zweifellos erfchosse». , werden. . .


