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13.9.1907 Zweites Blatt
 
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157. Jahrgang

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DieGietzener Familienblätter" werden dem ,Anzeiqer^ viermal wöchentlich beigelegt, das Krelsblfltt fQr den Kreis Giehcn" zweimal wöchentlich. Der..hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftraße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion.e^Aii2. Tel.-AdruAnzeigerGieszen.

Freitag 13. September 1907

▲▲ Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen t Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

I 8k H N. Lange, Gießen.

Aus Stadt und Land.

(Sie6en, 13. Sept. 1907.

** Ordensverleihungen. S. K. der Groß- Herzog haben zum 12. Sept. (Geburtstag, von Großherzog Ludwig IV.) vernetzen: das Ritterkreuz 1. Klasse mit der Krone des Verdienstordens Philipps des Großmutigen dem Major und Eskadronchef Selz am im Garde-Trag.-Reg. (1. Hess.) Nr. 23; die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse desselben Ordens dem Major Freiherrn Schenck zu Sch Weins berg im LeiLgarde-Jnfanterie-Neg. (1. Hess.) Nr. 115; das Ritterkreuz 1. Kl. desselben Ordens dem Major und Bataillons - Kommandeur Freiherrn von

Nr. 815 Zweites Blatt

Trschttnl täglich mit Ausnahme des SonnicigS»

' Brüssel, 12. Sept. Die Internationale Kon- fcren; für Lu ft s chi ffahr t wuroe heute hier eröfsuet. Die erste Sitzung beschäftigt sich mit Dem mathematnchen Studium De» Windes im Verhältnis zum lenkbaren Luftballon und mit der Einrichtung von meteorologischen Obiervatorien durch Lilftballons. Auch der Kongreß derGouttes de lait , das heitzt der Anstalten, die sich die Verteilung einwandfreier Much für künst­lich zu nährende Säuglinge zur Ausgabe gestellt haben, ist heute hier eröffnet worden. Vierzehn Staaten entsandten uele­gierte; de Vaux, Präsident des belgischen Nationaloerbandes luc Kinderschutz, wurde zum Präsidenten gewählt.

Der NordPolarfors ch erMikkcls en und einer seiner Gefährten sind in Bawson eingetrofsen. Sie berichten, Riß he von der Nvrdküste Alaskas aus mit dem Schlitten auf dem Eis 500 Meilen weit vorgedrungen sind. Lotungen ergaben leinen Anhalt dafür, daß sich nach Norden hin Land befinde.

Kleine Kunstchronik. Für das neue -rotadt- the ater in Lübeck hat der dortige Vürgerausschuß zur Beschaffung eines Fonds 320 000 Mk. bewilligt. Ein Stück, das in burlesker Form russische Kvrruptionszuuäiidc verspottet, Jon LehmannsU n g^e he u e r", ist von der Berlin : Zensur ver­boten worden. Siegfried W a g n er» , agiles St'erf Stern en gebo t", das im Monm llujuee ui <jci inburg eilte Uraufführung erleben soll, wird an zweiter .S.wtw cm AÜvü^rger MMthegtep M ^ens L.e.heu.,,

Laugermann und E r l e n c a m p und dem Hauptmann und Kompagnieches von der Osten in demselben Reg., dem Major NÜcker und dem Oberstabsarzt Tr. Wende im Jnfanterie-Neg. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116, dem Major und Bataillonstommandeur von Rode und dem Hauptmann und Kompagniechef Kortegarn irn Jn- fanterie-Leib-Reg. Großherzogin (3. Hess.) Nr. 117, dem Major Mackensen v. A ft f e l d beim Stabe des Leib- Tragoner-Reg. (2. Hess.) Nr. 24, dem Rittmeister und Es­kadronchef Freiherrn Schenck zu Schweinsberg im Garde-Dragoner-Reg. (1. Hess.) Nr. 23 und dem Hauptmann und Batteriechef Michelly im Großh. Artillerie-Korps, 1. Hess. Feld-Artillerie-Reg. Nr. 25; das billterkreuz 2. Kl. desselben Ordens dem Oberleutnant Herrmann im Jn- fanterie-Reg. Prinz Karl (4. Hess.) Nr. 118 und dem Garni­sonverwaltungskontrolleur in Darmstadt Henkel; die Krone,zum Silbernen Kreuz desselben Ordens dem Vize­feldwebel Gon ter im Jnfanterie-Neg. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116; das Silberne Kreuz desselben Ordens dem Stabshoboisten Hauöke, dem Unterzahlmeifter Zöl­ler, dem Feldwebel Knatz, dem Bizefetowebel Kratz und dem Büchsenmacher Krüger im Leiogarde-Jnfan- terie-Reg. (1. Hess.) Nr. 115, dem Unterzahlmeifter Kühl, den Vizefeldwebeln Birkenjeld und Reitz im Jnfan- terie-Reg. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116, dem Unterzahl­meister Sixdorf im 5. Hess. Jnfanterie-Neg. Nr. 168, dem Vizewachtmeister Hebbel im Garde-Dragoner-Neg, (1. Hess.) Nr. 23, dem Wachtmeister Baumann und dem Vizewachtmeister Theiß im Leib-Tragoner-Neg. (2. Hess.) Nr. 24, dem Unterzahlmeister Z a h n und dem Wachtmeister Büdinger im 2. Hess. Hetd-Artillerie-Reg. Nr. 61; das Allgemeine Ehrenzeichen dem Kasernenwärter Kopp old bei der Garuisonverwaltung Worms.

** Preußische Personalien. Dem Regierungsassessor Grafen zu Solms-Laubach wurde die kommissarische Ver­waltung des Landratsamtes im Kreise Lüchow (Neg.-Vezirk Lüneburg) übertragen.

** Gewerbesteuer-Fragen. Aus die Anregung des Darmstädter Vereins der Detaillisten, die gewerbliche Besteuerung auswärtiger Firmen, die in hessischen Städten einen größeren Kundenkreis haben, herbeizu­führen, wurde ihm die amtliche Auskunft, daß eine kommu­nale Gewerbesteuer mangels einer gesetzlichen Grundlage nicht in Ansatz gebracht werden könne. Aus gleichen Grün­den können Filialgeschäste nicht hessischer Firmen auch nicht zur staatlichen Einkommensteuer herangezogen werden. Stadtv. Götz-Darmstadt wird hierüber demnächst einen eingehenden Vortrag halten, zu dem alle hessischen Tetaitlistenvereine Etnladungen erhalreu sollen. Hierbei soll die Gründung eines Verbandes Hessischer Tetaillistenvereine angeregt werden.

Freundschaftsverhältnis. Für beide war die Kunst so heilig, daß sich diese Frau entschloß, dem nach einem klassischen Modell suchenden Künstler als solches zu dienen. Erne ge­feierte Schönheit also findet sich bereit, dem Künstler als Modell für eine im attischen Stil gehaltene nackte Skulptur zu sitzen.

So hatte denn Dannecker sein Modell. Des Jugend­gottes Braut, die von Theseus verlassene Ariadne, wühlte er sich zum Sujet. Sanft aufstrebend ruht die Gestalt mit zum Himmel gewandtem Blicke auf dem sie tragenden Panther. Tie Stirn ist mit dem bacchischen Diadem geziert, die Haare mit Epheu und Weinranken geflochten. . Auf dem ideal gehaltenen Kops und den lieblich-milden Gesichtszügen schwebt eine lyrische Trunkenheit. Es ist ein liebeglühendes Weib, das nach höheren Regronen hinaufstrebt und seinen Sternenkranz leuchtend vor sich sieht. Ter linke Unterarm stützt sich aus das Haupt des Tieres. Ein Teil des fliegen­den Gewandes, das nichts von den zarten reizvollen Formen verhüllt, ist in die Hand gefaßt. Die Rechte steht in leiser Berührung mit dem Rücken des Tieres. Der rechte Schenkel ist wie in natürlicher Schamhaftigkeit graziös über das linke Bein geschlagen; eine schwierige Stellung.

In den Herbsttagen des Jahres 1807 war das Werk beendet. Dannecker zeigte es seinem Landessürsten. Der aber blieb interesselos. Da tam ein Frankfurter Patrizier und Kunstkenner, der Freiherr Moritz v. Bethmann durch Stuttgart. Auch er besuchte Tanneckers Atelier. Er drang in den Künstler, das Modell in Marmor auszuführen. Im Jahre 1810 begann die Ausführung in karrarischem Marmor. Und 1814 wanderte nicht ohne Protest des Königs, der nun das Kunstwerk für sich beanspruchte, die Skulptur ins Ariad- neum des Herrn v. Bethmann, für 15 000 Gulden. In dem SiÄM W. t>U MMw MLWA. MWUlLoMK

Rücksicht daraus eintritt, ob eine gleichmäßige Befriedigung der Baugläubiger ersolgt oder ntzcht, eine Benachteiligung des zur'Vorleistung verpflichteten Bailhandwerkers gegen­über dem Baulieferanten und wünscht, daß der Vorrang der Bauhypothek von der gleichmäßigen Befriedigung der Baugläubiger pro rata ihre Leistungen abhängig gemacht wird. 3. Ter Kammertag erachtet mit Rücksicht auf die einschneidende Wirkung dieses Gesetzes in wirtschaftlicher Hinsicht vor Einführung der landesherrlichen Verordnung, durch welche die Geltung des Gesetzes für einen Gemeinde­bezirk eingesührt wird, die Anhörung der zuständigen Hand­werkskammer über die Bedürfnisfrage als ein dringendes Erfordernis.

Ter Antrag der Dortmunder Handwerkskammer wurde schließlich einstimmig angenommen, ebenso die Zusatzvor­schläge des Referenten Burkhard.

Zu dem Thema der Reform der Arbeiterversicherungs­gesetzgebung lag ein Antrag vor.

Nach längerer Auseinandersetzung wurde die Resolution Augsburg in folgender Form angenommen:Ter Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag vermag die Notwendig­keit einer Zusammenlegung der drei Arbeiterversicherungs­gesetze nicht anzuerkennen. Er ist vielmehr der Ansicht, daß die durch Reichsgesetz eingesührte staatliche Kranken-, Unfall- und Invalidenversicherung, abgesehen von gewissen Män­geln, denen jedoch auf dem Boden der bestehenden Organi­sation abgeholfen werden kann, im allgemeinen bisher ihren Zweck erfüllt und auch der organisatorische Aufbau derselben sich grundsätzlich bewährt hat."

Der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag nimmt bestimmt an: 1. daß bei etwaiger Reform der Ar­beiterversicherung den gewerblichen Genossenschaften das volle Selbstverwaltungsrecht erhalten bleibe, 2. daß den Or­ganisationen der Industrie und des Handwerks Gelegenheit gegeben wird, auf Grund ihrer Sachkenntnis und Erfahrung zu der in Ansicht gensommenen Reform Stellung zu nehmen, 3. daß die Bestimmungen des § 34 des Gewerbeunfallversiche­rungsgesetzes vom 30. Juli 1900 abgeändert werde, da die jetzigen Reservefondszuschläge den gewerblichen Genossen­schaften uiigerechtfertigt hohe Lasten auferlegen."

Darauf beschäftigte man fick mit der Frage der Aus­dehnung des Ueberweifungs- und Scheckver­kehrs im Handwerk. Zu diesem Punkte lag folgende Resolution vor:Ter 8. Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag begrüßt im Interesse der nationalen Volkswirtschaft, insbesondere aber vom Standpunkte der wirtschaftlichen Interessenvertretung des deutschen Hand­werks und reiner Geiwfsenschaften iuie für die Ausdehnung des Scheck- und Überweisungsverkehrs zu Zeit sich geltend machenden Bestrebungen, sowie das in Aussicht stehende Scheckgefetz. Er beauftragt den Ausschuß, bezw. dessen Kommisfion für Geld- und Kreditverkehr, das zur Auf­klärung der Frage vorhandene Material zu sammeln, zu sichten und für d ie Agitationstätigkeit der Kammern nutz­bar zu machen, sowie letztere in dieser Arbeit tunlichst zu unterstützen. Sollten sich hinsichtlich des Scheckgesetzes wider Erwarten Bestrebungen geltend machen, die eine Beeinträchtigung der Interessen des Handwerks und der Genossenschaften befürchten lassen, so hat die Kommission Hand in Hand mit den Handwerksgenossenschastsvebäilden eine erforderlich werdende Stellungnahme des Handwerks­und Gewerbekammertages vorzubereiten."

Tie Resolution gelangte einstimmig zur Annahme.

Nach Erledigung interner Angelegenheiten schloß dann der Vorsitzende Obermeister Plate (Hannover) die Tagung mit Worten des Tankes und indem er die Hoffnung aus­sprach, daß die Handwerker sich ihrer Pflicht bewußt sein müßten zum Wohle des deutschen Handwerks und des deutschen Vaterlandes zusammenzustehen und zu arbeiten.

Ter nächste Verbandstag findet in Breslau statt.

Ariadne.

Ein hundertjähriger Gedenktag. Von I. M. I u r i n e k.

Eine Skulptur, die nun hundert Jahre alt ist, hat in den Salons der Mäcene wie in den Zimmern des kleinen Mannes in den mannigfachsten Kopien Heim und Obdach gesunden; eine Skulptur, die ein ideal-schönes Weib aus einem Panther sitzend zeigt: Tanneckers Adiadne. In diesen Tagen könnte man ein hundertjähriges Tanne cker- Ariadne-Fest begehen.

Es war in den Septembertagen des Jahres 1807. In einem freundlichen Atelier am Schlohplatz in Stuttgart standen zwei Männer, vor einem soeben fertiggestellten Modell, tzosrat und Bankier Rapp und sein Schwager, Prof, v. Dannecker. Vor diesen beiden prangte auf dem Dreh­gestell, in noch feuchtem Lehm gebildet, des Künstlers Ariadne. Ter Name Dannecker hatte schon einen guten Klang. War doch gerade die Riesenbüste seines Freundes Friedrich Schiller vollendet und zur Ausführung bestimmt worden. Der damals 50jährige war auf dem Zenith seiner Künstlerlaufbahn angelangt. W. v. Humboldt, Uhland, Schel­ling, Rückert und andere, Gelehrte, Künstler und Staats- mänu'er verkehrten gern und ost im Atelier des Meisters. Freundschaft verband ihn mit Herder, mit Goethe und mit seinem Genossen von der Karlsschule Schiller. Kein Wunder, daß auch die Frauen dem Künstler Huldigungen darbrachten. Unter ihnen war es besonders eine J-rau, die Dannecker immer von neuem anregte, das Modell der Ariadne, Char­lotte Fossetta, geb. Munch. Als vollendete Schönheit und begabte Künstlerin kam sie, aus einer Mainzer Familie stammend, als Hosopemsüngerin nach Stuttgart. Tort ver- wählte sie sich mit dem Hofstukkateur Fossetta, einem ^ugendbekannten LMüMeM, M ^ntstantz M ÜUigeK

§ Ober-Ohmen, 12. Sept. Tie gegen die hiesige Gemeinderatswahl eingelegte Reklamation wurde als belanglos zurückgewiesen, und es bleibt bei der statt- gesundenen Wahl, wonach Johann Steitler II., Peter Brosr, I. K. Stein und Karl Rühl zu Gemeinderatsmitgliederii. gewählt sind.

Aus dem Kreis Alsfeld, 12. Sept. Nach einer früheren Verfügung des Großh. Ministeriums des Innern kann in Jahrgängen, in denen die Ernte durch die Ungunst der Witterung sehr verspätet wird, den Volks­schulen aus dem Lande acht Tage Notstandsferien bewilligt werden. Wenn jemals zu solchen Ferien Ver­anlassung vorlag, so ist das in diesem Jahre der Fall. Der Sommer war, wie allgemein bekannr, äußerst un­günstig, die Ernte verspätete sich deshalb um drei vis vier Wochen. Noch stehen Weizen und Hafer im Felde. Dazu kommen jetzt Grummet- und Kartoffeiernte<lvozu die Landleute ihre Kinder am allernötigsten int Jahre be- bedürfen. Tie Ernteserien sind meist abgelausen oder neigen sich ihrem Ende zu. Mithin wären Notstanosserien durch­aus begründet.

Vilbel, 11. Sept. Seit einiger Zeit steht die Stadt Frank­furt a. M. mit unserer Gemeinde in Unterhandlung wegen der Fortführung der elektrischen Bahn bis Vilbel. Nach verschiedenen Terrain- und Ortsbesichtiguugen ist die An­gelegenheit jetzt soweit gediehen, daß ein fertiger Veriragsein- wurf vor einiger Zeit dem Vilbeler Gcmeinderat vorgelegt wurde. Grundbedingung ist, daß die Gemeinde Vilbel die Gasver­sorgung an die Stadt Frankfurt a. M. aötritt, die dann ihrerseits die Gasleitung vom Gaswerk Eckenheim nach, Vilbel verlegt. Da diese Bedingung einen tiefen Einschnitt in das Selbftverwaltungsrecht der Gemeinde bedeutet, so ist es noch fraglich, ob >ie,. Regierung^hierzu, ihr^ Genehmigung^erUilr.~

1 um so von allen Seiten die unerreichte Feinheit und Formen- Schönheit bewundern;,u können. Rosenttcht strömte t;on roten herabgelassenen Vorhängen auf die Geliebte des Bacchus. Im neuen Museum sind diese Lichiesfekte weggelassen worden. , t«

Tausende und Abertausende, die als Fremde ui §rank- furt a. M. weilten, haben den Weg zu Tanneckers Ariadne gefunden. Der Zeiten Lauf hat dieses Kunstwerk uoer- dauert.

(LhristUch-sozialer Parteitag.

S. u. H. E l b e r f e l d, 10. Sept.

In der heutigen Sitzung fuhr man in der Beratung der Anträge fort.

Ter Antrag zur Förderung des Erzbergbaues wurde angenommen. 'Es wird beraten: Antrag der christlich-sozialen Versammlung in Merkenbach: Der christlich-soziale Parteitag richtet an das Reichsschatz­amt die Bitte, analog der Reichserbschastssteuer eine Vor­lage über: 1. Bergwerksertragssteuer dem Reichstag vorzu­legen. Von je 100 Tonnen Kohlenförderung bitten wir drei Tonnen in natura als Steuer festzusetzen, 2. eine Reichs­steuer aus geliehene Bergwerksgerechtsame." 1 wurde als Material den cyristlich-sozialen Abgeordneten übergeben, 2 einstimmig angenommen.

Ter Antrag aus Gose'nbach, der christlich-soziale Partei­tag wolle beschließen, die christlich-sozialen Abgeordneten zu beauftragen, im Reichstag auf eine baldige Ein- führungderWitwen-und Waisen Versicherung mit Reichsznschuß hinzuwirken.

Ter Antrag Essen, der christlich-soziale Parteittig zu Elberfeld wolle durch einen Beschluß gegen d ie Härten des Paragraphen 23 des preußischen Ei n kom­men st e uerg es etz es Stellung nehmen und den Haupt- Vorstand der Partei beauftragen, auf eine Abänderung des genannten Paragraphen hinzuwirken, wird einstimmig an­genommen.

Antrag Wetzlar. Ter Parteitag bittet die christlich- sozialen Abgeordneten bei der Regierung vorstellig zu wer­den, wie sie zu den vom Reichstag angenommenen Resolu­tionen betr. Veteranenbeihilfe, Wehrsteuer, Stellung ge­nommen hat. Bekanntlich hat der Reichstag in dieser Hin­sicht schon Schritte getan, der Bundesrat hat aber noch nicht Stellung genommen.

Antrag der Orts grupveTillenüurg. Der christ­lich-soziale Parteitag möge oie christlich-sozialen Abgeord­neten ersuchen, in Gemeinschaft mit den Abgeordneten der Wirtschaftlichen Vereinigung" dem Reichstage bei erstmög­lichster Gelegenheit eine Resolution dahingehend zu unter­breiten, daß bei gewerblichen Streitigkeiten (Streiks und Aussperrungen) in denjenigen Orten bezw. Kreisen, wo kein Gewerbegericht besteht, den Gewerbe­inspektoren bezw. ihren Stellvertretern das Recht emgeräumt wird, beide Parteien zu einer Sitzung zusaminenzurusen. Desgleichen müssen beide Parteien das Recht haben, bei solchen Streitigkeiten den Gewerbeinspektor bezw. seinen Stellvertreter zu einer Sitzung anzurufen. Durch sofort vollstreckbare Strafen sollen beide Parteien zum Erscheinen gezwungen werden.

Antrag Behrens. Ter christlich-soziale Parteitag wolle beschließen: Tie christlich-soziale Partei erblickt in den gelben" Gewerkschaften und ähnlichen Or­ganisationen (Vaterländischen Arbeiter-Vereinen) eine Schädigung der christlich-nationalen Arbeiterbewegung und dadurch eine indirekte Förderung der Sozialdemokratie. Sie kann deshalb eine Politik der Regieru.ng, die auf eine Förderung der gelben Gewerkschaften und deren Bestre­bungen hinausgeht, .nicht unterstützen; wird einstimmig angenommen.

Ter nächste Parteitag findet 1908 in Herford statt. Auch in Berlin soll für den Osten eine christlich-soziale Parteitonferenz demnächst stattfinden.

8. Deutscher Handwerks- und Gewerbekammertag. (Unberechtigter Nachdruck verboten.)

S. u. H. Straßburg, 11. Sept.

Tie Verhandlungen des Deutschen Handwerks- und Ge­werbekammertages wurden heute Lei zahlreicher Beteiligung unter dem Vorsitz des Obermeisters Plathe.(Hannover) fortgesetzt. Zunächst beschäftigte man sich mit dem Gesetz­entwurf betreffend die Sicherung der Bauforde­rungen. Im Namen der Tortmunver Handwerkskammer legte der Revner zu dem Gesetzentwurf üoer die Sicherung der Bausorderungen folgende Resolution vor: 1. Der Kam- mertag teilt die in den Kreisen der Sachverständigen neuer­dings scharf betonten Bedenren gegen die durch § 4 des Ent­wurfs gebotene unbeschränkte Möglichkeit zur Umgehung des Gesetzes, sowie die durch diese Ausnahme begünstigte Ausschaltung des mittleren und kleineren Baugewerbetrei­benden und hält daher die Beseitigung dieser Vorschrift für unbedingt notwendig. 2. Ter Kammertag erblickt in dem Um st ande, daß der Vorrang der Baugelderhypothek ohne