Erstes Blatt
157. Jahrgang
Donnerstag 13. Jnm 1SV7
monatlich 65 Pf.: durch die Post Ack.L—viertel» fährt. auSfchl. Bestell-. Annahme von Lurttg« für die Zage4nummtr bis vormittags 10 Ufoc. ZeilenpreiS: lokal IbPf^ auswärts 20 Pfennig. Verantwortlich für den polü. und augern. Teil: P. Witiko: für »Stadt und Jlonb* und .DerichtSfaal^: Ernst Heß-, für den Sin- zeigenteil: Da»5 Beck
Bezugspreis: monatlich75Pf^viettrl» jährlich Mk. LLO; durch
Nr. 136
Erscheint täglich .
außer Sonntag». aSrMv
WGietzenerAnzeiger
SM General-Anzeiger für Oberhessen
' «“ seiner «"tzcn."' Botatiottsörud und Verlag der vrühl'Ichen UnIv.Guch- und Ltelndruckerel. R. lange. Heöaftloit, «kpedilion und Druckerei: Schulftratze 7.
Aie Einigung des -Liberalismus.
R. B. Darmstadt, 12. Juni.
Der neue „Nationalverein", der im März d. I. von einer größeren Anzahl Münchener Liberalen der ver- schiedenen Parteischattierungen gegründet wurde und seine Tätigkeit allmählich auf ganz Deutschland auszudehnen sich bestrebt, trat gestern pibend mit einer vom hiesigen Jungliberalen Vereine arrangierten Versammlung zum erstenmal in Hessen an die Oefsentlichkeit, wobei es auch zu lebhaften Erörterungen kam. Zunächst hielt der Generalsekretär des Nationalvereins, Dr. Ohr-Tübingen, ein längeres Referat über die Begründung und die Ziele des Ver- eins, der sich die Einigung aller Liberalen in Deutschland zur Aufgabe gestellt hat. Der Referent betonte, daß von den Tagen der Neichsgründung bis heute der Liberalismus in einer Periode des Rückschritts sich befunden habe und froh fei, wenn er seinen Besitzstand bei den Wahlen behaupten könne; es habe auch'besonders unter der älteren (Generation eine gewisse Skepsis platzgegriffen; man meine, daß der Liberalismus sich überlebt habe und den andern Parteigruppierungen gegenüber weichen werde. Demgegenüber beginne der LiberalismuK gerade in der jüngeren Generation wieder neu zu erwachen und eine Einigung der verschiedenen Schattierungen zu erstreben. So wie im Zen- trum neben dem schlesischen Hochadel der Arbeiter Giesbert und der radikale Dr. Heim stehe, so müßten auch im Liberalismus die verschiedenartigen Elemente zusammenarbei- ten, geeinigt durch die Erkenntnis, daß nur ein geschlossenes Auftreten desselben etwas Positives leisten kann. Der Referent erläutert dann des Näheren die Aufgaben des Liberalismus und betont, daß derselbe aggressiv austreten und sich besonders gegen das Zentrum, dann aoer auch gegen die Reaktion und die Konservativen richten müsse.
Nachdem in der Diskussion Finanzamtmann Bang el und Staatsschuldbuchführer Henrich sich für die Bestrebungen des Nationalvereins ausgesprochen, führt Reichs- tagsabg. Dr. Osann u. a. aus: Auch den National- liberalen wurde eine Einigung außerordentlich erwünscht sein, er selber sei ja nur durch das Zusammengehen älter Liberalen in den Reichstag gekommen. Er habe sich aber durch die Ausführungen des Referenten noch nicht überzeugen können, daß auf dem von ihm geschilderten Wege eine Einigung zu erzielen sei. Er habe in diesen Ausführungen zweierlei vermißt: Einmal, daß der Nationalverein die wirtschaftlichen Fragen ganz außer acht lassen wolle, und dann seine Stellungnahme zur Sozialdemokratie. Er habe scharfe Grenzlinien gegen das Zentrum und die Konservativen gezogen, nicht aber gegen die Sozialdemokratie. Die letztere habe doch jetzt tni Reichötag wieder gezeigt, daß bei ihr von einem Revisionismus keine Rede ist, und Männer, wie Dr. Müller- Meiningen und Haußmann haben in der schärfsten Weise im Reichstag gegen dieselbe Stellung genommen, sodaß es hier ein Zurück nicht mehr geben kann. Er erinnere auch an die empörende Behandlung Prof. Quiddes durch die Sozialdemokratie, die ja auch gegen Haußmann agitiert und gestimmt habe. Was könne nun der National- ve rein in Hessen für eine besondere Bedeutung erhalten? (Zuruf: Wahlrecht!) Ganz recht, bei der Wahlrechtsvorlage, aber er finde unter dem Aufruf des Nationatvereins auch einen Mann, der vor nicht langer Zeit daS direkte Wahlrecht als einen zweifelhaften Gewinn bezeichnete. Im übrigen solle man abwarten, wie sich die Natcoualliberalen zur Wahlrechtsvorlage stellen würden; sie werden bezüglich der beantragten Verfassungsänderung Schulter an Schulter mit den übrigen Liberalen stehen. (Lebh. Beifall.) Es sei richtig, die große Macht des Zentrums im Reiche zu bekämpfen, aber in Hessen habe es nicht die Bedeutung; auch brauche man seinen Einfluß auf die Schule nicht zu fürchten. Man dürfe nicht vergessen, daß es auch liberale Katholiken gebe, wie ja die jüngste Wahl des bahr. KaplanS Grandinger beweise. Wenn der Hess. 2lbg. Dr. Schmitt nicht gerade Katholik wäre, so wäre er sicherlich ein liberaler Mann, sogar e in guter Demokrat. Wenn man den Kampf gegen das Zentrum wolle, so sollte man vor allem auch gegen die Sozialdemokratie kämpfen, in der wir unfern größten Feind sehen müssen. Der Wähler wolle nicht mehr Worte, sondern praktische Arbeit und Taten, und auch eine Einigung des Liberalismus werde nie durch ein Zusammengehen mit den Sozialdem traten, sondern nur auf dem Boden einer praktischen Politik erreicht werden. (Lebh.
Beifall.)
Ref. Dr. Ohr entgegnet, der Nationalverein muffe alle Parteipolitikausschließen, um nicht irgend einen Flügel der Liberalen zurückzustoßen; auch die wirtschaftlichen Fragen schließe er aus. Die badischen Nationalliberalen tämpften Schulter an Schulter mit der Sozialdemokratie, im Norden seien wieder die Freisinnigen gegen dieselbe. Es werde die Zeit kommen, wo die Liberalen mit den Sozialdemokraten gehen, aber niemals mit den Klerikalen. Die konservativ-liberale Paarung werde bald zerbrechen und wo ständen dann die Liberalen? Der Verein werde die Parteien besonders bei den Wahlen durch Flugblätter unterstützen. Der Verein wolle einen praktischen Weg beschreiten und zwar dadurch, daß er eine neue starke liberale Aera einleite. (Beifall.)
Realgymnasiallehrer Kahl meint, die Ausführungen des Referenten müßten den Beifall jedes liberalen Mannes finden; das Ziel müsse die Einigung aller Liberalen, einschließlich der Nationalliberalen fein und, wenn dies nicht erreichbar, ohne die Nationalliberalen.
Pfarrer Korell betont: Er hätte gewünscht, daß die
Are Oeufige Kummer umsaßt 10 Seiten.
drei lib. Parteien in Darmstadt gemeinsam die Versammlung einberufen hätten. Er habe Geh. Rat Prof. Dr. Mittler, also einen über den Parteien stehenden Mann, als Ein- berufer aufzutreten ersucht, derselbe habe aber abgelehnt. Er verstehe, daß Abg. Dr. Osann als Parlamentarier mit gewissen Bedenken der Sache gegenüberstehe, so wie Friedrich Naumann. Die Not, die Enge des politischen Lebens werde aber zu einem Zusammenschluß treiben. Man werde dahin kommen, wie in England, trotz politischer Gegensätze nebeneinander zu gehen, wobei vollständige Freiheit für jede Partei erhalten bleibe. Bei der Stellung zur Sozialdemo, kratie handle es sich um eine Frage der politischen Taktik. Ebensoweig wie die Nationalliberalen unter allen Umständen gegen das Zentrum gingen, könne man von den Linksliberalen verlangen, daß sie unter allen Umständen gegen die Sozialdemokratie gehen sollten. Die heutige politische Lage sei ähnlich der von 1859 bei Gründung des alten Nationalvereins. Der neue Verein werde befruchtend auf das politische Leben in Deutschland wirken und niemand in feiner persönlichen politischen Ueberzeugung behindern; der Parteiwille werde sich schließlich dem Großen, Allgemeinen unterordnen müssen. Wir wollen aber keiner Partei irgendwie schaden, sondern bei der dem- nächstigeii Zusammenlunft in Heidelberg uns gegenseitig aussprechen und über die Einigungsfrage diskutieren. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Dr. Osann führt darauf aus, die Erklärungen des Referenten und des Herrn Korell hätten ihn nicht überzeugen können, sie hätten auf feine Frage über die Stellung zur Sozialdemokratie feine Antwort gegeben. Der Einigungsgedanke sei ihm sehr sympathisch, er habe schon seit 1898 dafür gewirkt und seine Partei gehe auch im Landtag fast stets mit den Freisinnigen zusammen; er lasse sich in seiner liberalen Ueberzeugung selbst vom Abg. Dr. Gutfleisch nicht übertreffen. Die Wählerschaft verlange positive Arbeit und da sei ein Zusammengehen mit der Sozialdemokratie zurzeit vötlig ausgeschlossen.
Dr. Becker-Sprendlingen weist darauf hin, daß der Nationaloerein ins Leben trete in dem Moment, in welchem Dr. Barth nach Amerika ging. Aus den Druckschriften und dem Bericht des Referenten habe er bisher etwas Politives nicht bemerken fönnem Das Kind, das von unfriedlich zusammenlebenden Eltern geboren werde, dürfte doch unglücklich dran sein. Es sei unmöglich, wirtschaftliche Fragen aus dem politischen Erörterungsbereich des Vereins auszuscheiden. Außer den Handelsverträgen rc. gebe es auch eine große Anzahl wichtiger wirtschaftlicher Fragen, zu denen der Verein Stellung nehmen müsse, wie z. B. bei der Privatbeamtenverficherung. Der Referent erkläre auf der einen Seite, daß der Verein nicht in das Parteileben eingreifen werde, auf der andern Seite aber will der Verein Wahlprogramme und Kampfmittel für die verschiedenen Parteien ausstellen. Wenn nun in Darmstadt eine Einigung bei den Wahlen nicht zustande kommt, bann wenden sich alle Parteien an den Nationalverein und verlangen immer einer gegen den andern „Kampfmittel" . (Heiterkeit.) Der Redner betont zum Schluß, er stehe der neuen Gründung neutral gegenüber und wolle abwarten, was aus dem neugeborenen Kinde werden wird.
Nach Mitternacht stellt der Vorsitzende fest, daß noch sechs Redner zum Wort gemeldet sind. Nachdem bann noch die Herren Kahl, Justiziar Gallus, Dr. v. Rothenburg unb Henrich gesprochen, schloß nach einem Schlußwort bes Referenten Dr. Ohr die Versammlung um halb 2 Uhr morgens.
Nachwort der Redaktion:
Bei dieser sehr bedeutungsvollen Versammlung waren ii. E. am erfrenllchflen die von echt liberalem Geiste getragenen Ausführungen des nat.-lib. Darmstädter NeichStagSabgeord. Dr. Osann. Der Geist der Versöhnlichkeit, der aus seinen Worten sprach, wird in allen liberalen Kreisen des Landes wohltuend empfunden werden, und jo haben wir doch noch die Hoffnung auf eine Einigung des Liberalismus, wie im Reiche so bei uns in Hessen. Der Abgesandte bes neuen Nationalvereins, Dr. Ohr, aber hatte doch auch ganz recht, indirekt vor einer schroffen Stellungnahme gegenüber der Sozialdemokratie zu warnen. Die Bekämpfung des Ultra- radikaliSmus geschieht durch den Liedertschen Neichsverband schon in einer dem Ziele keineswegs zuträglichen Schärfe, unb wenn nun noch der Nationalverein in dasselbe Horn stieße, dann wäre u. E. der Sozialdemokratie weit mehr genützt als geschadet. Alle Scharsmacherei halten wir für ver- derblich und darum sollte es die Aufgabe des Nationaloereins mit der Zeit werden, nicht nur die Liberalen zu versöhnen, sondern einen versöhnlichen Geist allen Parteirichtungen gegenüber zu bezeugen unb namentlich in der Form Maß und Ruhe zu bewahren, alle ausfallende Polemik dagegen zu vermeiden und in seinen zu begründenden Landesorgam- sationen diesen Geist großzuziehen und zu fördern nach besten Kräften, wo aber sich Abweichungen davon bemerkbar machen, sofort mildernd einzugreifen. Unter solchen Voraussetzungen erfüllte der neue Nationalverein eine sehr bedeutsame Mission; er würde bann nicht mir dem gesamten Liberalismus, son- dem bem ganzen deutschen Parteigetriebe ganz unschätzbare Dienste leisten, die der allgemeinen Anerkennung nicht entbehren würden.
Ziemlich pesiimistisch allerdings äußern sich die ,N.hess. Volksbl.' Sie schreiben am Schluß ihres Referats:
Die Ausführungen her einzelnen Redner — insonderheit die bet Herren Osann unb Korell — wurden von der Versammlung mit starkem Applaus ausgenommen und es schien bereits, old ob die letztere in der friedlichsten unb einmüNgsten Weye ver
laufen sollte, als Herr Realgymnasiatlehrer Mahl das Wort nahm, um auf einen zweifellos jeder absichtlichen Spitze entbehrenden Hinweis Dr. Osanns zu reagieren, in welchem daran erinnert war, daß in den Tagen der Reichsgründung gerade die nationall. Partei sich in liberalen und nationalen Fragen als besonders verläßlich erwiesen habe. Da die Auslassungen des Herrn Kahl bem Charakter einer Zurechtweisung ziemlich nahe kamen, fühlte sich unser Reichstagsabgeordncter wohl nicht ganz ohne Recht in seinen Empfindungen verletzt . so daß er den in den Worten des öernt Kahl enthaltenen Vorwurf mit einer Schärfe zurückwies, die alsbald einen erregten Ton in die bisher erfreulich sachlich verlaufene Debatte brachte. Hieraus dürste es sich auch erklären, daß Herr Dr. Osann auf die Ausführungen des Herrn Korell, die unserer Ueberzeugung nach ebenfalls keinerlei persönliche Spitze gegen den Reichstagsvertreter unseres Wahlkreises enthalten sollten, erregter antwortete, als es bei kühlerer Temperatur der Versammlungsluft sicherlich der Fall gewesen wäre. Bedauerlich ist es jebod) im höchsten Grade, daß die Atmosphäre gerade in diesen Momenten der gefährlichsten Expansion in unverkennbarer Absicht noch durch Zwisck>enruse, die darauf berechnet sind, die Redner zu reizen, noch explosiver gesteigert wurde, so daß der Schluß der Versammlung dem ob- lektiven Beobachter nicht gestattet, mit allzu optimiststchen Hoffnungen weiteren gemeinsamen Verhandlungen zwischen den „Vertretern des Gesamtliberalismus" entgegenzuschen. Wenn schon einfacher, völlig oberflächlicher Meinungsaustausch, bei bem die besonderen taktischen Fragen der einzelnen Parteigruppierungen überhaupt nicht erwähnt werden, zu einem so hitzigen Anf- einanderplatzcn ganz geringfügiger Gegensätze und ostensivcr Her- vorkehrnng rein persönlicher Momente führen konnte, so muß sich dem ruhigen Beurteiler unabweisbar die Ueberzeugung auf- brängen, daß es mit bem so heiß ersehnten Zusammenschluß aller liberalen Elemente von der fernsten Rechten bis zur fernsten Linken, mit jener stolz verkündeten Einigung des Liberalismus auf dem Boden dieses neugegründeten Nationalvereins trotz der edelsten Absichten vorläufig noch gute Weile hat. Das ist betrüblich, konnte aber nach Lage der Dinge — vorzugsweise in unserem Wahlkreise — kaum sonderlich überraschen.
Nun, Darmstadt ist ja nicht ,bie Welt", unb was bort nicht gelingt, gelingt hoffentlich an recht vielen anbern Orten. Unser Gießen geht ja in bieser Beziehung mit bestem Beispiele voran. Ein Hauptverbienst daran hatte freilich der verstorbene vortreffliche Stadtv. Kirch. Doch nach unserem Dafürhalten wird es auch nach seinem Tode unter den Liberalen Gießens verständige Mämier genug geben, die den Ausgleich zwischen den liberalen Richtungen hier mit Takt und Klugheit aufrecht zu erhalten wissen werden.
Sehr vernünftig ist eine Zuschrift an das „Tarmst, Tgbl/ Sie lautet:
Die Versammlung zur Gründung eines National-Vereins am hiesigen Platze hatte sehr interessante Momente. Die Haupt- difiercnzpunkte, die bei den Ausführungen der Redner der nationalliberalen Partei und denen der freisinnigen Parteien zutage traten, betrafen die Stellungnahme gegenüber der Sozialdemokratie. Dem aufmerksamen, sonst aber ganz unbeteiligten Zuhörer wolle es hierbei scheinen, daß die Gegnerschaft der genannten Parteien zur Sozialdemokratie ganz die gleiche sei, nur scheint die Behandlung der Frage bei den verschiedenen Parteien auch eine verschiedene zu sein. Während die Vertreter der nationalliberalen Partei den Kampf gegen die Sozialdemokratie proklamierten, wollten die Vertreter der freisinnigen Parteien auf die Mitglieder der Sozialdemokratie einzuwirken suchen, daß dieselben den Liberalismus unterstützten und sich nach und nach dazu bekennen würden, das deutsche Vaterland über alles zu stellen. Ein Redner der natio- nalliberalen Partei richtete an Dr. Ohr die Frage: ob auch Mitglieder der Sozialdemokratie in den Natio- nal-Verein ausgenommen werden, woraus Herr Dr.Ohr antwortete, wenn diese Mitglieder sich zum Programm des National-Vereins bekennen würden, dann stünde deren Auftrahme nichts im Wege. Bei dieser Erklärung ertönte von nat.-lib. Seite der Zwischenruf: „Dann sürd es keine Sozialdemokraten mehr." Mit diesem Zwischenruf hat der Herr selbst das Rezept geliefert, wie die Sozialdemokratie zu behandelnist, um von ihren extremen doktrinären Ideen abzukommen. Nicht durch blinden Partei daß wird dies Ziel erreicht, sondern einzig und allein durch Zusa mmen- arbeiten x wobei den Sozialdemokraten Gelegenheit geboten wird, sich zu überzeugen, baß nur gemeinsame Interessen wert sind, von allen liberalen Elementen in liberalem Sinne behandelt zu werden, daß aber die Sonderinteressen nicht zum Wohl Oer Gesamtheit dienen, vielmehr nur dazu beitragen, die Parteien, die derartigen Sonderbestreoungen huldlgen, zu isolieren. Wird der Sozialdemokratie durch die Tat dies tlargclegt, so wird nach und nach auch die bessere Einsicht bei derselben Platz greifen.
Bis dahin dürfte die Gegnerschaft zur Sozialdemokratie bei den sog. bürgerlichen Parteien die gleiche sein — möge es auch dahin kommen, daß die Mittel zur Behandlung dieser gegnerischen Partei die gleichen sein werden in dem angebeuteten Sinne, bann wird und muß eine Besserung der jetzigen Verhältnisse ganz sicher eintreten zum Wohl unseres geliebten Vaterlandes.
Politische Tagesschau.
Die Friedenskonferenz
tritt an diesem Samstag im Haag zusammen, die ursprünglich schon zur gleichen Zeit bes Vorjahres tagen sollte, aber immer roieber hinausgeschoben würbe. Der Verlauf ber ersten Konferenz zeigte, baß ber Gebanke eines bauernben Weltfriebens noch auf Jahrhunberte eine Utopie bleiben wirb unb baß die Völker trotz aller Schiebsgenchte boch, wenn es an ihre Ehre geht, nach wie vor zum Schwerte greifen. Aus diesem Grunde darf man auch ber neuen Friebenskonferenz nicht mit großer Hoffnung entgegensehen; schon bas Vorspiel war wenig erfreulich, ba nicht viel daran fehlte, baß ber englische Vorschlag auf Verminberung ber Rüstungen zu einem Konflikte führte, wie ja auch die Beratung bieser Frage auf ber Konferenz selbst burch ben freiwilligen Ausschluß Deutschlanbs einen rein platonischen Charakter haben wird. Wie man bamals bem Vorschläge des Zaren bas Nebenmotiv unterschob, baß Rußlanb auf


