157. Jahrgang,
ylr. 214
Zweites Blatt
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Vrfchetnt tSgNch mit Ausnahme des SonntügS.
stundenlang auf der Kaiserstraße gewartet Hutten bie Suppe kalt werden ließen, und die liebe &
und lieber
Westpreußen völlig eingedeutscht werden. Sollte dem Polen- tum die Sprengung des festen Gefüges des preußischen Staates gelingen, so wird das Deutschtum nicht mehr um die Weichsellinie, sondern um die Oderlinie zu kämpfen haben.
Die „Siebener Famillenblatter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „tLrelrblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
AoUtrsche LcTgesßcyan.
Und die technischen Angestellten?
Der frühere Staatssekretär Gras v. Posadowsky hatte sich in einer Rede, die er am 9. März ds. Js. gelegentlich dec Beratung seines Etats im Reichstage gehalten hat, über die in Aussicht stehende Novelle zur Gewerbeordnung ge- Ülchert und dabei besonders erwähnt, daß den technischen Privatangestellten bei dieser Gelegenheit die lang ersehnte Verbesserung ihrer Rechtslage zuteil werden sollte. Im wesentlichen handelt es sich dabei um eine Gleichstellung mit den Handlungsgehülsen, für die bereits bei der letzten Redaktion des Handelsgesetzbuches eine wesentlich günstigere Rechtslage geschaffen worden ist. Die angekündigte Novelle ist nunmehr seitens des neuen Staatssekretärs dem Bundesrat unterbreitet worden. Sie enthält Bestimmungen über die allgemeine Einführung des zehnstündigen Arbeitstages, des Verbotes der Nachtarbeit für Frauen und über Arbeiterschutz- Vorschriften in der Heinmrbeit. — Der andere vom Grafen v. Posadowski; bereits angckündigte Teil ist von seinem Amtsnachfolger, v. Bethmann-Hollweg, herausgestrichen worden. Die Techniker sollen also wieder einmal leer ausgehen! Es ist begreiflich, daß die technisch-industriellen Beamten ob dieser Kunde recht skeptisch der zukünftigen Tätigkeit des neuen Staatssekretärs des Innern entgegensetzen, und es kann nicht laut genug betont werden, daß es durchaus nicht im allgemeinen StaatSintereffe liegt, wenn in den Kreisen dieser zahlreichen und so lange vernachlässigten Volksschicht durch die Ablehnung selbstverständlicher Forderungen neue Unzufriedenheit bervorgerusen wird.
Vom Kampf um die Ostmark.
Im schweren Kampf ringt in unserer Ostmark Deutschtum und Slaventum.
Dieses gewaltige Ringen des Deutschtums in unserer Ostmark auf nationalem, kulturellem und wirtschaftlichem Gebiete schildert in eingehender Weise ein soeben im Verlage von I. F. Lehmann in München erschienenes Buch, dessen Titel lautet: Preußen und Polen. Der Verlaus und Ausgang eines zweitausendjährigen Völkergrenzstreites und deutsch-slavischer Wechselbeziehungen von Alexander Wäber. (Preis Mk. 6.—.) Das Buch wird allen ein zuverlässiger Führer sein, die sich mit dem Stande des in unserer Ostmark entbrannten Nationalitätenkampfes vertraut machen wollen. Es legt auch die Gründe des Wachstums und der Erstarkung des Polentums klar und erfaßt den jetzt in unserer Ostmark geführten Kampf nur als die zeitlich letzte Phase, als den Ausgang deutsch-slavischer Wechselbeziehungen. Indem es zugleich eine Uebersicht über den Verlauf derselben gibt, geht es bis aus die ältesten Zeiten zuruck und weist nach, daß es sich in dem jetzt in unserer Ostmark geführten Kampfe im Grunde genommen nur um die Wiedergewinnung deutscher Erde, uralten deutschen Besitzstandes handelt. Denn zum Beginn unserer Zeitrechnung, ja sogar noch vor zweitausend Jahren — führt der Verfasser aus — habe das deutsche Stammland nach Osten hin sich bis zur Weichsel und sogar darüber hinaus erstreckt. Ueberall, an der Elbe, Oder und Weichsel, in den Donau- und Alpenländern, sind die Deutschen früher als Slaven gewesen. Der letzteren Stammland war aber um die Wende unserer Zeitrechnung im Flußgebiet des oberen und mittleren Dnieprs, der oberen Düna und des oberen Dons zu suchen. Bon dort haben sich die Slaven nach Westen ausgebreitet. Von diesen geschichtlichen Tatsachen ausgehend, wird die Legende der Slavisten von einer slavischen Urheimat, die angeblich von der Ostsee bis zur Adria hinabgereicht haben solle, zerstört. Nicht die Deutschen, sondern die Slaven sind Eindringlinge. Ehe slavische Laute in der Ostmark erklangen, sind die Länder längst Teile des deutschen Vaterlandes gewesen.
Jetzt liegt es am deutschen Volke, sein Werk weiter auszubauen und Sorge dafür zu tragen, daß Posen und
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion: 112. Tel.-Adru AnzeigerGießen»
Donnerstag 12. September 1907
> aa Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen
Universität^ - Buch- und Steindruckerei.
| H i H R. Lange, Gießen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 12. Sept. 1907.
** Ordensangelegenheit. Se. Königl. Hotz, der Großherzog haben dem Ritter und Edlen v. Oetinger, Kammerjunker zu Darmstadt, die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Fürsten von Bulgarien verliehenen OsfizierkceuzeS 4. Klasse des St. Alexander-Ordens erteilt.
** Warnung. Ein angeblicher Pcoseffor G. Keith , Harvey in England hat in letzter Zeit in verschiedenen Zeitungen unter der Ueberschrift „Schwerhörigkeit" Anzeigen erscheinen lassen, in welchen er zur angeblichen Heilung dec Schwerhörigkeit auf ein von ihm verfaßtes „Buch" hinweist, das kostenlos bei ihm zu haben sei. Dieses Buch dient lediglich dem Zweck, für eine „elektrische Gehörbatterie" des an- geblichen Professors Reklame zu wachen. Eine solche,Gehör- batterie" kostet 3 0 Mark und >st nach dem Urteil von Sachverständigen rr? Gehürleid^ völlig wirkungslos.: Vor dem Bezug derselben ist sch"n wiederholt von den Behörden und in der Fachpresse gewarnt worden.
** Aus dem Militär-Wochenblatt. Heuer,' Oberstlt. beim Stabe des Jnf.-RegLs. Prinz Kurl (4. Gr. Hess.) Nr. 118, unter Beförderung zum Obersten zum Kvm-: mandeur des 2. Oberrhein. Jnf.-Regts. Nr. 99 ernannt; Krause, Oberstlt. im Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Gr. Hess.) Nr. 118, unter Enthebung von der Stellung als Bats.-Kom- mandeur zum Stabe des Regts. übergctreten. v. Eckartsberg, Oberstlt. beim Stabe des Leibgarde-Jnf.-Rcgts. (1. Gr. Hess.) Nr. 115, unter Versetzung zu den Offizieren ä 1. s. der Armee mit Beibehalt seiner bisherigen Uniform zum Adjutanten des Präsidenten des ReichsmiliLärgerichts' und gleichzeitig auch zum außeretatsmäßigen militärischen Mitgliede des Reichsmilitärgerichts ernannt, v. Henk, Oberstlt. beim Stabe des Gren.-Regts. König Friedrich III. (2. Schles.) Nr. 11, in gleicher Eigenschaft zum Leibgarde- Jns.-Regt. (1. Gr. Hess.) 9fr. 115 versetzt. Sieb er g^ Major, aggreg. dem Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Gr. Hess.) Nr. 118, zum Bats.-Kommandeur im Regiment ernannt. v. Schaumann, Hauptm. im Generalstabe der Großh.
l Rohrbruch eingetreten war; wir können uns ja hier Helsen, da wir das städtische Pumpwerk sofort in Betrieb setzen können; aber ob alle angeschlossenen Gemeinden imstande: sind, sich in solchem Falle auf anderem Wege Wasser zu besorgen? Tas gäbe im Falle eines Brau des 5fe Aus si.chten.
Die neue Wasserleitung hat Friedberg zwar viel Dreck' und Löcher in den Fahrdamm gebracht, aber ihr verdankt die Stadt auch einen hübschen Schmuck, den neuen Wasserturm, der im Süden an der Ober-Wöllstädter Straße errichtet werden soll; wenn er nur erst fertig wäre und wenn nur be^i dieser Gelegenheit der alte auf der Burg hätte verschwinden können. Ein solches Ungeheuer, das das ganze Bild der Burg verunstaltet, verdiente wahrhaftig, eines gewaltsamen Todes zu sterben; namentlich jetzt, wo die Ehrenstraße von Masten und Tannengrünbogen von der Kaiserstraße bis ins Schloß führt, sticht der fade und nüchterne Bau um so greller von seiner teils modern freundlichen, teils mittelalterlich ernsten Umgebung ab. Aber es ist keine Aussicht, daß er fällt, zumal da die ebenso nüchterne B u r g k i r ch e neben ihm steht und ihm mit ihrem abbröckelnden Verputz und einer gewissen äußeren Baufälligkeit die Wage hält. Ter neue Wasserturm und das n e u e S ch w i m m b a d, das sind die beiden Bauten, die uns die Stadt zuerst bescheren wird, dann wird wohl die Kanalisation folgen, die viel, viel Geld kosten wird. Ein Glück nur, daß wir unser Oberhaupt wieder haben; eine Zeitlang war eS übel um uns bestellt, da nicht nur der Bürgermeister, sondern auch beide Beigeordneten sich in der Ferne erholten und wir als'herrenlose Leute hernm- liefen; es ging übrigens auch so ganz gut, die.herrenlose, die schreckliche Zeit war gar nicht so übel.
abspeisten, als daß sie auf die Freude verzichtet hätten, zum ersten Male die Großherzogin in Friedberg zu begrüßen. So gab's eine gewisse Enttäuschung, die aber durch die Ankunft unseres kleinen Erbgroßherzogs bald wieder ausgeglichen wurde; es war wirklich ein Vergnügen, zu sehen, mit welch glänzenden Aeuglein er um sich schaute, als er gegen Abend auf dem Schoße seiner ^flegenn durch die Straßen fuhr und mit ihrer freundlichen Nachhilfe den jubelnden Kindern mit dem Händchen zu winkte. Möchte auch ihm Friedberg so lieb werden, wie es dem leider al'zn früh und fern der Heimat verstorbenen Prinzeßchen ans Herz gewachsen war; jeder entsinnt sich noch gern der Tage, als es zum letzten Male unter uns weilte und zwanglos in die Läden ging, um sich Friedberger Andenken zu kaufen.
Jetzt wird es — abgesehen von der Anwesenheit Ihrer Königlichen Hoheiten — wohl wieder etwas stiller werden, nachdem uns die Einquartierung verlassen hat; Herrgott war das ein Leben! Tas wimmelte nur so von „Lanzen" aller Art, und wenn man's nicht von anderswoher schon wüßte, so könnte man immer wieder darüber in Staunen geraten, wo sie so schnell einen oder mehrere Schätze her hatten. Aber Spaß beiseite, die Stadt hat in diesem Manöver mal wieder
fanrrner entscheiden und nicht dec Vorsitzende der Prüfüungs'-' kommission.
Eine längere Erörterung entspann sich über die Frage der Einführung der obligatorischen Gesellenprüfung. Die Versammlung sprach sich für die Einführung^ der obligatorischen Gesellenprüfung aus. Ferner wurde als notwendig erklärt, daß für die Ablegung der Gesellenprüfung der Prüfungsausschuß zuständig sein soll, in dessen Bezirk der Geselle seinen ständigen Aufenthalt hat. Es wurde ferner die Forderung ausgesprochen, daß die Uebergangsfrist von der Gesellenprüfung zur Meisterprüfung von 5 Jahren auf 3 Jahre herabgesetzt werden soll.
Die Frage der Vergebung öffentlicher Lie-, fernngen und Arbeiten an Handwerker-Vereinigungen rief eine angeregte Diskussion hervor.
Ter Handwerkskammertag nahm zu dieser Frage folgende^ Resolution an: „1. Die Armee-, Marine- und Kllcmialver- waltungen mögen, nachdem sie einen Teil ihrer Alleren selbst^ anfertigen und auch der Industrie einen weiteren Teil derselben überweisen, dem Handwerk in gleicher Weise entgegenkommen;! 2. die staatlichen Behörden, wie z. B. die Post und Eisenbahnver-' waltung sollen dazu übergehen, ebenfalls ihre Arbeiten dem Handwerk, soweit angängig, zur Ausführung zu überweisen; 3. die Kommunalverwalttmgen sind anzuhalten, dem ministeriellen Erlaß vom 23. Dezember 1905 Folge zu geben und die kommunalen Arbeiten durch die einheimischen Handwerker und Ge-, werbetreibenden aussühren zu lassen. Dadurch würde man bcnj, Handwerkern ein besseres Verdienst zuführen, man würde ihre wirtschaftliche Stellung verbessern und ihre Steuerkraft erhalten." j
Neu auf die Tagesordnung gesetzt Gourde die Frage der L e hr-< lingshaltung du rchNicht Handwerker bezw. durch un-: selbständige Handwerker. Der Handwerkskammertag hält im Hin-' blick auf den Erlaß vom 15. September 1906 betr. die Haltung von Lehrlingen eine Aenderung der Gewerbeordnung für dahin notwendig, daß nur selbständige Gewerbetreibende zur Haltung von Lehrlingen und zuM Abschluß von Lehrverträgen berechtigt sein sollen. Der Handwerkskammertag beauftragt den Geschäftsführer in diesem Sinne bei den gesetzgebenden Körperschaften vorstellig zu werden.
Ferner gelangte ein Antrag zur Annahme, der die reichS-^ gesetzliche Regelung des Hufbeschlag wesens' fordert. — i Darauf wurden die Verhandlungen auf Mittwoch vertagt.
Deutsch-sozialer Parteitag.
S. u. H. Elberfeld, 9. Sept.
Der aus ganz Deutschland stark besuchte Parteitag wurde durch den Abg. Burckhardt eröffnet. Sodann gelangte der Geschäftsbericht des Parteisekretärs Rüffer, zur Besprechung. Nach oem Bericht ist die Zahl der OrtsgrccppeN in den letzten 10 Monaten um 60, die Zahl der eingeschriebenen zahlenden Mitglieder sehr stark gestiegen. Es folgte sodann die Beratung der vorliegenden 13. Anträge. Der erste betraf die Stellung zur bevorstehenden Aenderung des Landtagswahlrechts. Hierauf wurde folgende Resolution angenominen:
„Der christlich-soziale Parteitag erklärt das bestehende preußische Landtagsivahlrecht für r e fo r wb e dür f t i g , weil es inr Widerspruch zu dem Kulturzustand des preußischen Volkes flieht; weil es diele Volkskreise an der Vertretung im Landtage ausschließt. Indem wir u:is die Stellungnahme zu Reforn:- vorschlägen Vorbehalten, halten wir jetzt schon das geheime Wahlrecht für Urivahlen und WahlTnänner, sowie die Beseitigung des plutokratischen Charakters deS jetzigen Wahlrechts für eine unerläßliche Voraussetzung jeder komncenden WaWechtsreform." Landrat Schmidt begründet dann den Antrag des Kreises Wetzlar zur Abänderung der reichsgesetzlichen Bestimmungen über ländliche Unfallver- sicherungskosten, welche unerschwinglich genwrden seien. Der Antrag wurde den christlich-sozialen Reichstagsabgeordneten zur Erledigung iibergeben. Der Delegierte Postunterbeamte Schulz- Hagen bat um Unterstiitzung der Wünsche der Unterbeamten!, und führte dies ausführlich näher au§.
Reichstagsabg. Behrens sprach nachmittags über „Englische Vorbilder zum sozialen Frieden" und schlug folgende Resolution vor:
Der Parteitag ftirdert, daß durch Reichs'gesetz
1. eine vom Reichsamt der Innern ressortierende ständige Zentralstelle zur Pflege deS Friedens im Arbeitsoerhältnis geschaffen wird. Dieser Zentralstelle soll obliegen a) die kollektiven Arbeitsverträge (Tarifverträge, Tarifgenreinschaften usw.) zu sammeln, ein Register der Schiedsgerichte, SchiedsL)mmissionen, Einigungsämter usw. zu führen, b) wo Arbeitsstreitigkeitcn bestehen oder auszubrechen drohen, Ursachen der Differenzen zu untersuchen und Schritte zu tun, die die Zentralstelle behufs friedlicher Beilegung der Streitigkeiten für erforderlich hält, c) auf Ersuchen der beteiligten Unteimehmer oder Arbeiter eine oder mehrere Personen zu ernennen, die als Mittler oder Einigungsamt fungieren sollen, auf Ansuchen beider Parteien einen Schiedsrichter zu bestellen, d) Förderung aller Bestrebungen, die geeignet erscheinen, auf dem Gebiete des strllektiven Arbeitsvertrages! und des Einigungswesens, den Frieden zwischen Arbeitgebern und Arbeitern zu sichern und die Arbeitsstreitigkeiten beizulegen. Insbesondere soll die Zentrale mit Materialien und Rat solche Bestrebungen unterstützen. Auch soll es ihr freistehen, Anregungen zu solchen Bestrebungen zu geben.
2. dieser Zentralstelle zur Pflege des Friedens int Arbeits- verhältnis ein aus 14 'Personen bestehender ständiger Beirat, von denen 7 der Bundesrat und 7 der Reichstag wählt, angegliedert wüd, der die Zentralstelle in ihren Aufgaben unterstützt.
Die Resolution wurde einstimmig angenommen mit der Aenderung, daß in Abschnitt c) anstatt Unternehmer oder „Arbeiter" — Unternehmer oder „Arbeitnehmer" gesetzt wird.
8. Deutscher Handwerks- und Gewerbekammertag.
(Unberechtigter Nachdruck verboten.)
S. u. H. Straßburg, 10. Sept.
Nach einer Vorversammlung am gestrigen Mend, in der geschäftliche Fragen erledigt wurden, wurde der 8. Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag im Festsaale des Sängerhauses eröffnet.
IM Verlauf der Verhandlungen wurde über den Gesetzentwurf betr. Abänderung der Gewerbeordnung (sogenannten kleiner Befähigungsnachweis), gesprochen. Nach mehr als zweistündiger Debatte wurde eine Resolution der Wiesbadener Handwerkskammer mit vielerlei Zusätzen angenommen, tvvnach der deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag den Gesetzentwurf zwar dankbar begrüßt und ihm allgemein zustimmt, wonach aber zugleich auch einige Abänderungen des Gesetzentwurfes gewünscht werden. Di; Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen soll nicht, wie der Entwurf es vorschreibt, nach Anhörung der Handtverkskanrmern erteilt werden, sondern nur nach Zustimmung der Handwerkskammer. Vor Erlaß der Bestimmungen, die auf Grund des § 129 erlassen werden, sollen stets die Handwerkskammern gehört werden. Beschwerden gegen die Nichtzulassung zur Meisterprüfung sollen nur an den Vorstand der Handwerkskammern gerichtet werden können. Ueber die Zulassung zur Mmsterprüfun oll der Vorsitzende der Handwerks^
Kleines Feuilleton.
— Aus Friedberg, 10. Sept., wird uns geschrieben: „Tie Fahnen flattern hoch im Wind", das gilt eben so recht von Friedberg, dessen Manern unfern Landesfürsten umschließen. Freilich war die Zeit, die zur Schmückung der Stadt zur Verfügung stand, nicht gerade lang, und so sah sich die Stadtverwaltung gez-wungen, alles zum Straßenschmuck Benötigte telegraphisch auswärts zu b estellen, anstatt den hiesigen Kaufleuten den Verdienst znkommen zu lassen. So hat es zwar an Verstimmung nicht ganz gefehlt, aber einerseits hat die Bürgerschaft gezeigt, daß sie sich durch solche Kleinigkeiten ihre Freude an der Anwesenheit ihres Landesherrn nicht verkümmern läßt. Ter Schmuck der 5)äuser ist in allen Straßen, auch den vom großen Verkehr abliegenden, allgemein durchgesührt. Allerdings kann man die Frage, ob es nötig war, der im übrigen recht geschmackvoll ausgestatteten Ehrenpforte aus der Kaiserstraße das schöne Wort „Salve" aufzuhängen, wohl kaum bejahen; es gibt wenigstens genug Leute hier, die ihrem Großherzog lieber ein gutes deutsches „Willkommen" zugerusen hätten. Tas Zurufen war freilich sehr schwer, denn die Automobile, in denerr die Allerhöchsten Herrschaften am Montag um die Mittagszeit hier eintrasen, fuhren in einem Zeitmaß, daß einem das Wort im Munde stecken bleiben tonnte; viele haben überhaupt erst hinterdrein erfahren, daß sie Ihre Königlichen Hoheiten gesehen hatten, denn die Dichtigkeit der Schutzbrillen, Schleier uflv. der Allerhöchsten Herrschaften stand im gleichen Verhältnis zur Geschwindigkeit der Fahrt. Tas war natürlich besonders für die Damen schmerzhaft, die
zeigen müssen und hat eö gezeigt, daß sie inbezug auf Einquartierung viel leisten kann. Und man tat um so lieber alles für seine Soldaten, als sie ein paar recht üble Regentage durchmachen mußten und — wie z. B. das Reservistenbataillon der 168er — ziemlich matt hier eintrasen; jedenfalls gab es nicht gerade wenig Fuß kranke unter ihnen; hoffe'ntlich sind sie jetzt besser ans Marschieren gewöhnt als vor acht Tage;:. Ein Glück übrigens ist es, daß heute kein Militär mehr iu der Stadt ist; denil die u e u e S t a a t s w a s s e r l e i t u n g st r e i k t e heule morgen die liebe Familie kalt «ganz entschieden, weil, wie mau sagt, bei Nauheim ein


