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12.6.1907 Erstes Blatt
 
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Nr. 135 Erstes Blatt 157. Jahrgang Mittwoch 12. Ium 1907

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S~ General-Anzeiger für Oberhe fen mh « <ür Devekcken- V ' .Gerichtssaal'-. Ernst

Anzeiger Gießen. Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vllch- und Stelndruckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulftrahe r. ^iqenteil^Ha^s B^eck

Are üeutige Kummer umfaßt 10 Seite«.

politische Lagesscha«.

Streiflichter auf die wirtschaftliche Lage.

Zu heute Mittwoch ist der Zentralausschuß der Reichsbank zu einer Sitzung zusanimenberufen. Die Hoffnung ist aber unbegründet, daß eine Herabsetzung deS Reichs­bankdiskonts in Frage komme. Der gegenwärtige hohe Satz bleibt also bestehen und wird bis zum Ablauf des Jahres nur noch eine Veränderung nach oben hin erfahren. DaS sind recht unerfreuliche Aussichten für Handel und Industrie, die seit so langer Zeit unter den teuren Gcldverhältniffen leiden. An eine andauernde Wieder» belebung der Börsen ist unter diesen Umständen nicht zu denken, ebensowenig an die Verbesserung dec wirtschaftlichen Lage, die, wie sich mehr und mehr zeigt, viel von ihren. Glanz verloren hat. Die Aufträge sind nicht mehr in Hülle und Fülle vorhanden, wie vor Jahresfrist; das müffen viele industrielle Betriebe zugeben. Geblieben sind aus der Glanzperiode die teuren Preise, die der Verbraucher für Waren und Leistungen fast jeder Art zahlen muß, Preise, die vielfach, wie beispielsweise beim Fleisch in gar keinem Verhältnis zu der tatsächlichen Situation des Marktes stehen. Auch die Höhe der Kohlenpreise, die schon jetzt für den Winteraufgebaut' werden, erscheint nicht gerechtfertigt. Wenn Kohlen-Knappheit herrscht, warum wird dann die Ausfuhr von Kohlen so außerordentlich gesteigert? Das ist doch eine auffällige Erscheinung. Die überall geltenden teuren Preise müssen nun allmählich auf ein erträgliches Maß znrückgeschraubt werden. Bekanntmachungen aus den verschiedensten Gewerben haben in der Hochkonjunktur das Publikum verständigt, daß durch Verteuerung der Preise für Rohmaterial rc. ein Aufschlag unumgänglich geboten sei. Die Oeffentlichkeit hat dem Rechnung getragen. Auf der anderen Seite können die Verbraucher erwarten, daß ein Sinken der Rohmaterialpreise, das vielfach bereits wahrnehmbar ist, auch eine entsprechende Verbilligung der Ware oder Leistung herbeiführt.

Eine Uebersicht über die Verluste in den hauptsächlichen Börsenwerten gibt baßBerl. Tagebl.* Die Kursrück­gänge eines halben Jahres, von Anfang Januar bis jetzt, sind zum Teil erschreckend groß. Unter anderem ist die 3x/2°/0 Reichsanleihe von 98,20 auf 93,70 zurückgegangen, die 31/2°/o Berliner Stadtanleihe von 98,60 auf 94,40, drei- prozentige Konsols haben fast 4% eingebüßt. Besonders erheblich sind die Kursrückgänge auf dem Bankenmarkt und dem Montanmarkt: 12, 15 bis zu 22 Prozent I Man kann angesichts solcher Rückgänge nicht ohne Besorgnis die Entwicklung der Tinge int kommenden Halbjahr ms Auge fassen.

Der Bund der Landwirte

hielt am 7. ds. Mts. in Tüsseldorf eine Bundesoersammlung ab, in der als erster Redner Bundcsdirekwr Abg. Tr. Hahn sprach. Ten Parteien gegenüber, so führte Dr. H. aus, wahre der Bund die Parität, er gehe mit den gemäßigten liberalen Parteien und dem Zentrum in Fragen des Verbandes gern zusammen. Aber mit dem linken Flügel des Liberalismus und der Sozialdemokratie könne der Bund der Landwirte nie und nimmer zusammen arbeiten. Tr. Hahn drückte feine Freude über die Haltung des Reichskanzlers aus, der wieder zu der Bismarckschen Politik zurückkehre, die auch die Zustimmung des Bundes finde. Wir befänden uns jetzt in Zeiten einer wirt­schaftlichen Hochkonjunktur, aus der aber nur Industrie und Handel den Vorteil zögen, während für die Landwirt­schaft so gut wie nichrs abgesallen sei. Es sei un­wahr, daß eine ungebührlt che Bereich er ung der Landwirtschaft <a u f Kosten der übrigen Bevöl­kerung stattgefunden habe. Redner stellt die Frage, wem die Industrie diese glanzende Lage verdanke. Nicht die Jw- dustrie habe sie aus sich selbst geschaffen. Bei aller Aner­kennung der Tüchtigkeit unserer Ingenieure und unserer Finanz­leute, ohne die Gesetzgebung der letzten 30 Jahre, besonders die Bismarcksche Schutz- und Zollgesetzgebung, wäre die In­dustrie nicht auf diese Höhe gekommen, habe sie nie die glänzenden Gewinne erzielt und den Arbeitern die Löhne zahlen können. Und wem verdanke sie diese Gesetzgebung? In erster Linie den parlamentarischen Vertretern der Wahlkreise. Tie Erstarkung der wirtschaftliü)en Tätigkeit beruhe aber in erster Linie auf der starken Aufnahmefähigkeit des Inlandes, veranlaßt durch das starke Vertrauen, das der deutsche Landwirt in die Zukunft setze. Würde die Lage der Industrie lediglich von dem Export abhängen, so könne sie nicht so vertrauensvoll dec Zukunft entgegensetzen. R-dner verteidigt dann die Kolonial­politik des Bundes der Landwirte. Er erörtert ferner eingehend die Stellung des Bundes zum Zentrum. Tie Mitwirkung dieser Partei bei dec Zollpolitik könne der Bund nicht entbehren, und deshalb werde er auch einen Sturm gegen das Zentrum als solches niemals mitmlachen, wenn die Lockung von linker Seite auch noch so groß sein würde. Bei Besprechung der Zukunftshofsnungeu drückte Dr. Hahn die Hoffnung aus, daß das Zentrum im nächsten Winter wieder seine alten Bahnen in nationalen Fragen wandern werde. Er besprach dann das Dörsengesetz, das lediglich der Großindustrie und dem .Großkapital Vorteil gebracht habe. Während die Landwirtschaft, bei der bisherigen Börsengesetzgebung wesentlich in einer Desenfiostellung sich befunden habe, werde sie jetzt zu einer Angriffsstellung über­gehen müssen. Redner verlangt dann Ausfuhrzölle auf Kohlen und Kali im Interesse der Landwirtschaft und der Erhaltung des landwirtschaftlichen ,Arbeiterstandes und schließt mit der Aufforderung, zum weiteren Ausbau der Organisation der Land­wirtschaft int Interesse des Staates, der Nation und des Volkes. Nach Tr. Hahn sprach der Landtagsabg. Pfarrer Heckenroth, der heroorhob, daß die wirtschaftliche Lage in erster Linie auf die gestärkte Kaufkraft dec Landwirtschaft zurückzusühren sei.

Ungarn.

Vierzig Jahre sind es jetzt, daß Franz Joseph sich die ungarische Königskrone aufs Haupt setzte und in Erinnerung an jenes Ereignis finden jetzt in Budapest große Festlichkeiten statt, zu deren Teilnahme der greife Monarch nach der Hauptstadt Ungarns gekommen ist. Damals waren schwere Kämpfe voran­gegangen, die zu dem Ausgleich geführt haben, ter noch heute bie wesentliche Grundlage des Verhältnisses zwischen den beiden Reichshälften bildet. Aehnlich wie damals ist auch heute die Situation, sodaß man das Jubiläum nur mit gemischten Gefühlen feiern kann. Oesterreich war durch den Krieg mit Preußen ge­schwächt und Ungarn nutzte die ganze Situation nach Kräften aus, um sich beträchtliche Vorteile zu sichern. Dieselbe Taktik hat man auch von magyarischer Seite gegenüber Oesterreich ver­folgt, wobei den Ungarn die verworrene innere Sage Cisleitha- niens zu statten kam. Tie ungarische Reichshälfte war im Laufe der Jahre mehr und mehr erltarkt, bei den Magyaren war das Selbstgefühl eingekehrt, mit Energie wurden die übrigen Volks­stämme niedergehalten, auch das Teutschtum, obwohl die ganze Kultur Ungarns es diesem zu verdanken hat; durch dieses rück­sichtslose Vorgehen warf man sich zum Herrn der Sage auf, und so kam es, daß man Oesterreich die Bedingungen diktierte. Ein Stein nach dem anderen von dem gemeinsamen Bau bröckelte ab, der Kaiser sfth sich genötigt, eine Konzession nach der anderen zu machen, ja, die deutsche Armeesprache ist berschiedentlich be­seitigt worden und es fehlt nicht viel, daß man über eine rein ungarische Armee verfügt. Hierauf schien man aber mit Ent­schiedenheit binarbeiten zu wollen, um, wenn es einmal zum Aeußersten kommen sollte, einen kräftigen Rückhalt an Der Armee zu besitzen. Es steht außer Frage, daß Ungarn auf das Ziel lossteuert, sich vollständig von Oesterreich loszureißen und höchstens, wie früher Schweden und Norwegen, durch eine Personalunion verbunden zu sein. Tie enorme Mehrheit, welche nach dem Sturz des Kabinetts TiStza die Kossuthicrner erhielten, spricht Bände. Auch auf wirtschaftlichem Gebiete machen sich die Unabhängig­keitsbestrebungen im weitesten Umfange geltend, sodaß die Aus­gleichsverhandlungen seit DLonaten nicht zum Abschlüsse gelangten, und« welche jetzt erst wieder ausgenommen werden sollen. Selbst für den Fall, daß eine Einigung zustandekommt, wird diese nur provisorischen Charakter tragen, intern eine Frist vereinbart werten toll, nach Ablauf welcher Ungarn selbständiges Zollgebiet wird. Von der wirtschaftlichen zur politischen Trennung wäre dann aber nur ein kleiner Schritt. Tritt man doch jetzt schon mit neuen Forderungen auf, namentlich auf verwaltuugsrechtlichem Gebiete, welche Ungarns Selbständigkeit noch weiter erhöhen würden. Schwere Kämpfe werten daher in ter Folgezeit nicht aus­bleiben, zumal int österreichischen Reichsrate die schärfsten Wider­sacher ter ungarischen Gelüste über eine ganz bedeutende Majorität verfügen. Würde Ungarn aus einer größeren Selbständigkeit Segen erwachsen, so Eönitfe man diese Bestrebungen sympathisch begrüßen, namentlich wenn man die Gewißheit hätte, daß trotz größerer Autonomie ter Bestand ter Donaumonarchie nicht er­schüttert würde. Aber das gerade Gegenteil ist der Fall. Die Korruption ist in Ungarn bedenklich eingeriffen und würde noch größere Dimensionen annehmen und der Staat würde von seiner heutigen Höhe binnen kurzem beträchtlich herabsinken, ganz ab­gesehen davon, daß Ungarn in einer internationalen Politik gar feine Rolle spielen könnte. Man treibt jenseits der Leitha ein gefährliches Spiel, das sich eines Tages bitter rächen könnte.

Budapest. 8. Juni. Anläßlich seines Krönungsjubiläums hat der Monarch eine Amnestie für 164 Personen erlassen, die wegen Majestätsbeleidigung ober wegen Verbrechen, die infolge sträflicher Unüberlegtheit, drückender Not und momentaner Leiten- schgst begangen worden sind, Strafe verbüßen.

Ans SxaOt uno nano.

Gießen, 12. Juni 1907.

"Im Landwirtschaftlichen I n st i t n t der Landesuniversität ist auch in diesem Jahre wieder unter Leitung des Prof. Dr. GiseviuS ein Kursus für Lehrer eingerichtet, die den naturkundlichen Unterricht in der Fort­bildungsschule unter besonderer Berücksichtigung der Landwirtschaft zu erteilen haben. Der Kursus wird zurzeit von 14 Teilnehmern aus dem Kreise Gießen besucht.

* Anti-Alkohol-Unterricht. Der .Deutsche Verein abstinenter Lehrerinnen' hat an die Schulabteilung des heff. Ministeriums den Entwurf einer Stoffverteilung für einen stufenmäßig geordneten Anti-Alkoholunterricht in der hessischen Volksschule gesandt und zugleich die dringende Bitte ausgesprochen, diesen Entwurf allen Schulen des Großherzogtums in Stadt und Land zur Darnachachtung zuzusenden.

"DerEisenbahnunfall auf derEltviller Kleinbahn. Der an Pfingsten vorgekommene Eisen­bahnunfall auf der Kleinbahnlinie Eltville-Schlangenbad, bei dem bekanntlich mehrere Gießener verunglückten, ist von dem Regierungspräsidenten in Wiesbaden und der Eisenbahn­direktion Mainz, zum Gegenstand einer eingehenden Unter­suchung gemacht worden. Sie ist, wie man hört, nunmehr abgeschlossen und hat etwa folgendes ergeben: Die Betriebs­mittel der Kleinbahn entsprechen den Vorschriften. Die Loko­motiven sind mit gut funktionierenden Luftdruckbremsen versehen und jeder Wagen hat eine starke Handbremse. Der Oberbau und die Schienen sind in ordnungsmäßigem Zustande, so daß also in den Betriebsmitteln eine Ursache des Unfalls nach keiner Richtung hin gefunden werden kann. Mithin kann nur dem Personal des Zuges die Schuld an dem Vor­kommnis zugeschrieben werden. Der Lokomotivführer, der seit einigen Monaten im Dienst ist, gibt an, daß er schon öfters au der Unglücksslelle mit der gleichen Geschwindigkeit gefahren sei, ohne daß ihm diese zu groß erschien ober sich ein Unfall ereignet habe. Er habe auch an dem betreffenden Tage vorschriftsmäßig die Luftdruckbremse angezogen und jedenfalls die an jener Stelle vorgeschriebene Geschwindigkeit von 10 Kilometern nicht überschritten. Die beiden Schaffner, die sich an der gefährlichen Stelle im ersten und dritten Wagen befanden und die Bremsen anziehen sollten, erklärten, dies getan zu haben. Damit im Widerspruch steht aber die

Tatsache, daß der erste Wagen offenbar durch die Wucht der beiden nächsten Wagen aus den Schienen geschleudert worden ist. Die Maschine, die ohne Dampf und gebremst fuhr, entgleiste nicht. Der Unfall ist nach Ansicht der Auf­sichtsbehörde nur so erklärlich, daß der Lokomotivführer zu schnell fuhr und die beiden Schaffner, stark mit Fahr­kartenverkaufen beschäftigt, jedenfalls etwas spät oder erst im letzten Augenblick an die Bremsen gingen. Tie ganze 9(n- gelegenheit liegt in Händen der Staatsanwaltschaft zu Wies­baden, die entscheiden wird, wer von den Beamten wegen fahrläffiger Transportgefährdung zu bestrafen ist.

-f- Ettingshausen, 10. Juni. Am 30. Juni be­geht der GesangvereinKonkordia' sein 25jähriges Stiftungsfest, verbunden mit dem ersten Bundesfest deS Volkssängerbundes Chattia, dem die Vereine auS Saasen, Reiskirchen, Lindenstruth, Hattenrod, Harbach, Gobelnrod, Bersrod, Albach, Beuern und Ettingshausen an­gehören. AuS Anlaß des 25jährigen Bestehens haben die Jungfrauen dem Verein eine Fahnenschleise gestiftet. Das Fest wird das größte werden, das von jeher hier gefeiert worden ist, haben sich doch bis jetzt schon 25 Gesangvereine angemeldet.

X Butzbach, 11. Juni. Auf die beiden Preis­ausschreiben deS Vereins für ländliche Wohlfahrt-, Heimat- und Kunstpflege sind eingelaufen 17 Gedichte und 5 Erzählungen; die preisgekrönten Gedichte kommen am 16. Juni in der Festhalle zum Vortrag. Zum Harmonila- Preisspielen haben sich 15 Spieler gemeldet. Zu den Gesang» aufführungen hat ebenfalls eine größere Anzahl von Mädchen die Mitwirkung zugesagt. Endlich sei noch hervorgehoben, daß z>vei Blumenreigen stattfindcn. Der Vorverkauf von Eintrittskarten zur Festhalle zu 1 Mark hat heute begonnen. Nach außen sind Karten durch Gustav Vogt in Butzbach zu beziehen.

0 Laubach, 11. Juni. Das dreitägige Aus- schußfest begann am letzten Sonntag. Der erste Tag brachte dem Festplatze zugleich den Besuch der 700 Aus­flügler des Eisenbahnvereins Friedberg, so daß sich der ver­fügbare Raum als zu klein erwies. Bei herrlichem Sommer­wetter bewegte sich am Montag ein langer Festzug unter Begleitung zweier Musikkapellen zum Schloßhofe, wo An­sprachen des Grafen Wilhelm und des Schützen-Haupt­manns Siegfried, sowie daö übliche Musikständchen er­folgten. Am Nachmittag konzertierte die nahezu vollzählige Kapelle des Ulanen-Regiments Hanau mit großem Beifall unter Leitung ihres Musikdirigenten Urbach im Gasthause zum Schützenhofe. Die Besucher des JuxplatzeK. wurden durch einen Gewitterregen vom Festplatze vertrieben. Ge­schossen wurde um den vom Grasen gestifteten Hammel, soivie um die zwölf angekauften Gaben sehr lebhaft. Glücklicher Hammelsgewinner blieb Spenglermeister Herb en er. Heute schließt das Fest wie gewohnt mit Tanzvergnügen und Volks­belustigungen.

§ HäckerSdorf (Kr. Schotten), 10. Juni. Erst unsere Zeit bringt auch den kleinen Orten Festlichkeiten, an die sie früher nie dachten. Und gerade diese kleinen Orte feiern ihr Fest mit einem freudigen Impulse, mit einer fröhlichen Be­geisterung, die nichts weiß von Stumpfheit und Ueberdruß und die einen wohltuend berührt. Ein solches Fest feierte gestern und heute das kleine, weltabgeschlossene, aber recht idyllisch gelegene Höckersdorf, das Fest der Fahnenweihe seines Kriegervereins. Die Ausschmückung der Häuser und Dorfstraßen verrät schon, mit welcher Begeisterung man für das Fest sich rüstete. Nicht nur vergänglichen Festschmuck hatte man den Häusern gegeben, nein, sie waren meist neu renoviert. So gönnte man den biederen Höckersdörfern von Herzen das echte Festwetter, das gestern wie heraus- geschält aus dem seitherigen Wechsel der Witterung herrschte. Im recht schönen Festzuge schritten 26 Vereine; drei Reiter in Husarenuniform eröffneten ihn. Auf dem schon her- gerichteten Festplatze begrüßte der Vereinspräsident Kameraden und Festgäste, ebenso Bezirkspräsident Pfannstiel von Ulrichstein. Dann folgte die Weiherede durch Pfarrer Bieler von Babenhausen. In begeisterter Art stimmte man in die HochS auf Kaiser und Großherzog am Schluffe der zünden­den Ansprachen ein. Tann nahm baS Fest seinen weiteren, recht schonen Verlauf. Den Höckersdörfern wirb es un- oergeffen bleiben.

X Aus bem Vogelsberg, 11. Juni. Die Auto? und Motorräder sieht man gar nicht mehr selten; sie be­fahren die Hauptstraßen fast alltäglich. Wo solche durch Ort­schaften führen, da wird neuerdings oft von den Motor­rädern ein Tempo angeschlagen, das der Sicherheit deS Ver­kehrs Hohn spricht. Tas Fahrrad ist längst auS einem Sport- ein Verkehrsmittel geworden. Aber gerade jetzt liebt eS besonders bie Jugenb, am Sonntag das Verkehrsmittel wieder zum Sportmittel zu machen, indem sie durch die Orts­straßen rast, als seien diese eine Taunus-Nennstrecke im kleinen. Ta dieses unqualifizierbare Rennfahren durch die Straßen keineswegs gefahrlos ist, so wäre es angebracht, daß die Polizei überall diesen Berufsfahrern etwas schärfer auf Nummern sähe.

Vom Taunus, 9. Juni. Die Weiterführung dec Hochtaunusbahn von Königstein nach Schmitten scheint gesichert, nachdem die Kleinbahngesellschaft 60 Prozent und die beteiligten Gemeinden 40 Prozent der Kosten zu