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12.1.1907 Drittes Blatt
 
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Marke auf der Sohle.

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Seit über 40 Jahren unerreicht.

Der große Unterschied!

Gerstenkaffee

* ist kein

Malzkaffee"

und Malzkaffee noch lange kein

Kathreiners Malzkaffee".

Denn der echteKathreiner* ist nach dem Urteile der wissenschaftlichen Autoritäten nicht nur in bezug auf seinen Gehalt ein in jeder Hinsicht vollkommener .Malzkaffee^, sondern besitzt vor allem allein unter sämtlichen Erzeugnissen seiner Art einen wür-zigen, vollen, kaffeeähnlichen Wohlgeschmack. Man verlange in den Geschäften deshalb ausdrücklich nur den echten »Kathreiners Malzkaffes' und achte scharf daraus, daß man diesen auch wirklich erhält und keinen anderen. Gerade in der neuesten Zeit ist hier doppelte Vorsicht geboten. Die untriiglichen äußerlichen Kennzeichen des echten .Kathreiner" sind: Geschloffenes Paket in seiner bekannten Ausstattung, Bild, Name und Unterschrift des Pfarrers Kneipp als Schutzmarke, und die Finna: Kalhreiner's Malzkaffee-Fabriken.

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Samstag 12. Jannnr 1907

Drittes Blatt

157. Jahrgang

Nr. 10

Erscheint täglich mit Ausnahme de4 Sonntags.

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Nachbar st aaten. In Wiesbaden starb im städtischen Kran­kenhanse im dllrer von 36 Jahren nach 17jähriqem Krankenlager ein Architekt, besten Körper, namentlich die Muskeln, an einer lang­samen, aber beständig zunehmenden Versteinerung litt, so daß er zuletzt mumifiziert erschien, völlig unbeweglich war, nur die Angen- beweaung deutete auf Leben. Der Mann konnte zuletzt nur noch mit flüssigen Speisen ernährt werden.

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UEBIfis

FLEISCHEXTRACT

leisten bei Verschleimung, Husten u. Heiserkeu unschätzbare Dienste.

RotationSdnuk nnb Verlag der Brübl'schen UniversuälS - Buch- und Sleindruckerei. R. Lange, Gießen.

Die«tehener Lamilienblätter" werden dem »Anzeiger^ viermal wöchentlich beigeleqt, das Kreisblatt für den Krds Sietzen" zweimal wöchentlich. Terhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Ständige Knnstgcwerbe.AuSstelluug in Gießen gegenüber dem allen Schloß. An dieser Stelle wurde vor einiger Zeit ein Artikel gebracht, der das verehrte Publikum darauf aufmerksam machte, daß man nicht nötig habe, seinen Bedarf in Möbeln etc. auswärts zu decken, dies umsomehr, als nicht nur die damals ge­brachten Anerkennungsschreiben, sondern auch die hiermit veröffent­lichten zur Genüge dartun, in welcher Weise man bet der hiesigen Möbelstrma Th. Brück bedient wird. Herr Gerichtsrat G. in B. schreibt: Erbitte Rechnung über alles. Insbesondere ist die Polste­rung zum neuen Bett sehr gut ausge'ührt. Ersuche ferner die vor 20 Jahren gekaufte Matratze, die sich sehr gut gehalten hat, um­zuarbeiten etc. Herr v. D. in W.: Teile ergebens! mit, daß ich die Möbel gestern erhalten habe. Die Liderung ist zu meiner vollen Zufriedenheit ausgefallen etc. Frau Prof. Z. Die für meine Tochter Frau Dr. E. von Ihnen nach unseren Wünschen entroorfenen und angefertigten Wohnungseinrichtungen haben sowohl im Entwurf ivie in der Ausführung unsere volle Anerkennung gefunden usw. Nicht nur die teuersten Einrichtungen bis 6000 Mk. und höher, sondern auch Zwei-Zimmereinrichtungen, Wohn- und Schlafzimmer mit Küche zu Mk. 280. sind ausgestellt. Ganz besonders preiswerte; ruhig modern gehaltene Wohnungseinrichtung ist zu emviehlen für Mk. 1740., bestehend aus Herrenzimmer, eiche geräuchert, Schreib­tisch, Büscherschrank, Tisch, Chaiselongue, Speisezimmer: Büffet eiche gebeizt, Ausziehtisch, 6 Stühle, Divan, Salon mahagonidunkel poliert: 1 Sofa, 2 Sessel, 1 Ueberbau, 1 Calonschrank, 1 Salontisch. Schlafzimmer: Satinnußbaum oder eiche beliebig gebeizt: 2 Bett- > stellen, engl. Spiegelschrank, 2 Nachttische, 1 Waschkomode weiß: Marmor mit Kachelspiegel, 2 Stühle, 1 Handtuchständer, 2 Patent­matratzen, 2 Kapokmatratzen, 2 Keilkiffen. Tie Ausführung ist in bester Chiaütät gedacht. Einsichtnehmen von den behaglich modern gehaltenen Zimmereinrichtungen, die in 10 Schaufenstern und groben Ausstellungsräumen anigestellt sind und jedem Geschmack Rechnung tragen, ist ohne Kauioerbindlichkeit jedermann gestattet.

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Redaktion, Ervedition und Tntderei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 61.

Redaktion: e-^112. Tel.-Adr^ AnzeigerGießen.

Gießen, den 12. Januar 1907.

- Akademische Vorträge. Wegen Erkrankung des Professors Dr. Kaiser kann der auf Mittwoch den 16. d. M. festgesetzte Vortrag vorerst nicht stattfinden.

" Kunst verein. Die gegenwärtige reichhaltige AuS- stellunq, die über 160 Bilder aufzuweisen hat, wird voraus­sichtlich nur noch acht Tage so verbleiben, am 21. d. MtS. wird wieder ein vollständiger Wechsel der Gemälde vor- genommen; eS sei daher nochmals auf die interessante Aus­stellung hingewiesen.

* Hebet die Hexenprozesse in der ehemaligen Grafschaft Hessen-Bingenheim spricht Rentamtmann Schäfer morgen Sonntag im Vortragsabend des evang. ?lrbeiter- Vereins, beginnend 81/, Uhr im VereinSsaal der Herberge. Zutritt ist für Jedermann frei.

Unsere R eqimentSmusik konzertiert morgen nachmittag im Neuen Saalbau.

Nasenepidemie. In Hessen ist in neuester Zeit durch Schulärzte und Pädagogen bei der schulpflichtigen Jugend eine auffallend zahlreiche Erkrankung an .adenoiden Wucherung«n* festgestellt worden. Wie verbreitet das auf Cprechocrmögen, Atmung rc. störend einwirkende Hebet ist, mag daraus zu erkennen fein, daß unter 2238 auf Wucher­ungen im Nasenrachenraum untersuchten Schulkindern 7,8 Proz.

Knaben und 10,6 Proz. der Mädchen gefunden wurden, denen der Nasenlustweg verlegt war. Jost drei Viertel Knaben waren hierdurch schwerhörig geworden.

Besitzwechsel. Der Rentner Ludwig Lull in

Allendorf a. d. Lda. erwarb das Anwesen deS Kaufmannes Johannes Müller, Großer Steinweg 9, für 22000 Mk.

"Der Finanzausschuß der 2. Hess. Kammer hat in seiner Sitzung am Freitag die EtatS b era tu n g wieder um ein bedeutendes Stück gefördert und namentlich hie noch rückständigen Kapitel deS AuSschttßberichterstatters Abg. Molthan erledigt. Die einzelnen Etatspositionen boten zu Beanstandungen keinen Anlaß. In der nächsten Woche feilen hauptsächlich der Justizetat, über den Abg. Dr. Gut­fleisch referiert, und die dem Abg. Reinhardt überwiesenen Kapitel zur Durchberatung kommen, worauf dann die ge­meinsamen Beratungen mit der Regierung erfolgen. Der Finanzausschuß hofft seine diesmaligen, durch den umfang­reichen Nachtragsetat wesentlich vergrößerten Etatsberatungen b -3 Mitte Februar vollständig beendigen zu können. Im Seniorenkonoent besteht die Absicht, wenn irgend möglich, die Kammer noch in der ersten Hälfte deS Februar zur Ab­haltung einiger Plenarsitzungen einzuberufen. Wie ver­lautet, dürste bei dieser Gelegenheit auch eine Festsitzung zu Ehren deS Kammerpräsidenten Geh. RegierungSrat Haas arrangiert werden, der am 9. Februar fein zehnjähriges Präsidentenjubiläum begeht.

X ® r ün tngen, 12. Jan. Bei der am 10. d. MtS. abgehaltenen Vorstandswahl der israel. Religions­gemeinde Grüningen-Hotzheim wurde Adolf Heß in ©rüningen zum Vorstandsmitglied gewählt. Das seit­herige Vorstandsmitglied Siegmund Engel unterlag.

Le. Langenhain i. H., 11. Jan. Hier kam auf der Rückkehr von einer Metzelsuppe der Landwirt und Metzger L. Werner in der Dunkelheit vom Wege ab, fiel in die mitten im Dorfe gelegene sogen. Weed'e und ertrank. Jetzt wird man den .Brunnen wohl zudecken". Die .Weede^, ein Wasserbehälter, stand offen.

Io. HerSfeld, 11. Jan. Hier werden seit einigen Tagen die 21jährige Tochter Marie der Metzgerwitwe Schmidt und der 7jährige Stiefsohn deS Schlossers Freund vermißt. DaS Mädchen hatte in der letzten Zeit Spuren von Geistesstörung gezeigt. Man glaubt, daß es sich em Leid angetan hat. Für den Verbleib des Jungen fehlt jeder Anhaltspunkt.

Frankfurt, 9. Ian. Im Hauptbahnhof iah ein Herr aus dem Fenster eines eben eingetroffenen D-ZugeS und fragte den Stationsbeamten, wie lange er Aufenthalt in Frankfurt habe. .Eine halbe Stunde*, lautete die Antwort. Dem Beamten fiel die prachtvolle Brillantbusennadel auf, die der Fragesteller trug. Als er noch über deren Wert nachdachte, stürzte der Herr in größter Aufregung auf ihn los und erzählte, soeben sei ihm seine Nadel gestohlen worden. Beim HerauSgehen au8 dem Wagen hätten sich zwei Herren an ihn herangedrängt und einer von ihnen hätte ihm mitten im Gedränge die Nadel ouS der Krawatte ge­zogen. Da seine beiden Arme mit Gepäck beloben waren, konnte er nur um Hülfe rufen. Inzwischen war aber der Dieb verschwunden. Auch die sofort benachrichtigte Polizei fand ihn nicht, und so hatte der Reisende einen Verlust in Höhe von 3000 Mk. zu beklagen.

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Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Vcrmifcbtes.

Der Kaiser und die Erzellenz. Folgende Anekdote erzähl derInf.": Eine neugebackene Erzellenz, die den Monarchen auf einer fbrr le'tt.m Reifen begleitete, war zur kaiserlichen Tafel befohlen und befestigte gemäch­lich nach Altväter Art die am Soa^f?. Alles bebte

über diesen Verstoß gegen höfische Sitte.' Der Kaiser war gerade mit dem Lesen eben eingelaufener Nachrichten be­schäftigt. Plötzlich blickte er auf. sah auf die E'zellenz und sagte lächelnd:Sagen Sie, lieber $., ivoll^n Sie sich denn noch heute rasieren lassen?" Eine brausende Heiterkeit wurde durch diese Worte ausgelöst, und die E' zellenzrüstete ab".

* Ein Bürgermeister-Konflikt in St. Jo­hann hat zu einer ernsten Krisis im Stadtverord- neten-Kollegium geführt: acht Stadtverord­nete haben ihre Manoate in die Hände der Bürger­schaft zurückgegeben. Das bedeutet für die Bürgerschaft neue Erregungen. Die Mehrheit des Kollegiums hat sich in einen Gegensatz zu der An icht weiter Kreise der Bürger­schaft gesetzt, die in öffentlicher Sitzung zu erkennen ge­geben hat, daß sie in dem Verhalten der Beigeordneten Klein und Dr. Muth eine Verletzung des Bürgermeisters erblicke und daß sie das Verhalten der Mehrheit nicht billige, die ein nur bedingungsweise gestelltes Entlassungs- Gesuch des Bürgermeisters genehmigte und damit den lang- lährigen ersten Berwaitungsbearnteu der Stadt ohne wei­teres verabschiedete. Nach dem Vermittelungsantrag, der die Gegensätze überbrücken sollte und der bei den Vorbesprech­ungen einstimmig und vorbehaltlos unterschrieben worden war, sollte das Entlassungsgesuch des Bürgermeisters ab­gelehnt werden, nachdem man Kenntnis davon erhalten hatte, daß er gesonnen sei, noch im Amte zu verbleiben. Der Bürgermeister hatte erklärt, daß er bei Annahme dieses Anträge? wieder in fein Amt zurückkehren werde: auf eine telegraphische Anfrage hatte er jedoch geantwortet, daß er sich weiteres Vorbehalte. Auf diese Klausel hin ist der Ver- mittelungsantrag vertagt worden. In der letzten Sitzung der Stadtverordneten ergab die Abstimmung jedoch, daß die Mehrheit gewillt war, mit dem Bürgermeister zu brechen, ihr Antrag wurde mit 14 gegen 9 Stimmen angenommen und damit die endgültige Entlassung des Bür­germeisters ausgesprochen. Nach der Bekanntgabe dieses Ergebnisses trat eine allen wohl unerwartete Wendung ein. Der Beigeordnete Schoenemann, der eindringlich die Mehr­heitsgruppe zu dem Ausgleich ermahnt hatte, gab die Er­klärung ab, daß diettiefgehenden Meinungsverschiedenheiten im Kollegium die Jnteresjen der Stadt St. Johann schlver schädigen, ihm die Ueberzeugung gebracht hätten, daß ein dem Wohle der Bürgerschaft dienendes Zusammenwirken der Stadtverordneten nicht mehr möglich sei: und aus diesem Grunde müsse er die weitere Verantwortung ab­lehnen und sein Mandat in die Hände feiner Wähler zurück­

legen. Dieser Erklärung schlossen sich sofort noch sieben andere Stadtverordnete an, die gegen den Antrag der Mehr- btttSgruppe gestimmt hatten. Die Herren verließen unter diesem Protest den Saal, während der zurückbleibende Teil der Stadtverordneten über die Pension des Bürgermeisters beriet, die auf 8230 Mark bemessen wurde.

* Was manche Frauen sich für Mühe geben, um zu einem Manne zu kommen, das ist, so schreibt man uns au5 Berlin, oeinahe zu schmeichelhaft für das häßlichere Geschlecht. Dar da eine Frau S. nach 20 jähriger Ehe von ihrem Ehemanne verlassen worden vor etwa 20 Jahren und feit dieser Zeit hatte sie von dem Ungetreuen nichts wieder gehört. Das konnte jedoch ihrer Liebe und Treue nichts anhaben, und immer schwebte ihr sein Bild vor Augen, bis sie ihn vor etlichen Monaten in einer der weniger verkehrsreichen Straßen Berlins plötzlich zu er­kennen glaubte. Mit ausgebreiteten Armen stürzte sie auf iljn zu, aber leider fand sie kein Entgegenkommen, vielmehr eine recht energische Zurückweisung, indem sich ihr der be­treffende als ein Herr I. vorstellte; er sei wohl verheiratet aber beileibe nicht mit ihr und deshalb verbitte et sich usw. Damit kam er jedoch schön an; die resolute Dame er­klärte ihn kategorisch für ihren Gefangenen, Pardon, für ihren Gatten, verfolgte ihn bis zu seiner Woh­nung und zeigte ihn schließlich bei der Staatsanwaltschaft wegen Bigamie an. Auch dann änderte sie nicht ihren Sinn, als die Nachforschungen der Kriminalpolizei unzweifel­haft ergaben, daß Herr I. das unglückselige Opfer einer Verwechslung ist und ihr wirklicher Gatte schon vor drei Jahren das Zeitliche gesegnet hat. Unentwegt beschritt sie den Zivilklageweg und demnächst steht in der Sache Termin an, wozu ein großer Zeugenapparat von beiden Seiten auf- geboten worden ist.

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