tat 82—84 M
ÄanalisatiouHgebühren.
Voll Rechtsanwalt Raab, (Sieben.
Im Publikum besteht die Befürchtung, daß diese Frage von der Stadtvertretung m übereilter Weise zum 'Abschluß gevracht iv rben soll, da der slädt. haushalt durchberaten und iengelteUt werben müsse und man e§ vermieden habe, rechtzeitig die OesienUichkett
Arbeiterbewegung.
Wien, 1. April. Tie Schneider beichtossen in einer heute abgehaltenen Lerjanimlnng, morgen in den Ausstand zu treten. Ter Ausstand umiaßt 2bOu 'Meister und 35U0 Gehilien.
IMonialyoft.
Bei Alexander Tuncker in Berlin W. 35, Lützowstraße 43, erschien: Eduard Preuß, K o 1 o n i a le rz ieh»tag des deutschen Boltes. Leitende Ideen und Material. Tie Broschüre geht von dem Standpunkt ans, daß Bolt und Regierung nur dann als geschlossene Einheit wirken können, ivemt die Ziele und Aufgaben des Reiches im Volk verstanden werden. Demgemäß müflen die staatlichen Organisationen, vor allen» Schule und Armee, die Volks- massen 51111» Verständnis der nationalen Aufgaben in systematischer Weise erziehen, Hierfür werden praktische Vorlchläge und Gesichts- pimkie entwickelt.
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 2. Avril. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarttpreise. Weizen Alk. 19.00—00.00, Kurhessischer Alt. 19.00—00.00, La Plata Alk. 20.25—20.75, 51an,a§ Alk. 20.25—21.—, Roggen (hiesiger) Alk. 17.25—17.L0, Gerste (Wetterauer) Alk. 18.00—18.75, Franken- selder Alk. 18.50—19.—, Hafer 18.75—19.50, Alais Alk. 14.00—00.00, Weizenmehl 27.50—28.25, Dl. 00—00, 2. Qualität Alk. 25.25 bis Alk. 26.25, 8. Qualität Alk. 23.25—28.75, Roggemnehl 0 Alk. 26.50—27.00,1. Qualität Alk. 25.50—26.00, Weizenkleie Alt. 10.00 bis Alk. 10.50, Roggentleie Alk. 11.00—11.25, Alaiskeime Alt. 11.00 bis Alk. 11.50, Franken, Pfälzer, Ried Alk. 18.50—19.25. Alles per 100 itg. ab hier.
Literarisches.
— Die Garnisonsbewegungen in Mainz von der Nömerzeit an. Von Clemens Kissel. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Preis geheftet Mk. 1.50, in Kaliko gebunden Mk. 2.—. Mainz 1907. Verlag: Druckerei Lehrlings- Haus. Kaum eine andere Stadt Deutschlands hat eine so reiche Vergangenheit wie Mainz. Wichtige Episoden der Geschichte spielten sich in seinen Mauern ab, mächtige Eroberer von Cäsar bis Napoleon 1. benutzten es als Stützpunkt für ihre Eroberungen. Bisher war es nun als ein Mangel anzusehen, daß die Gar- nisonsbewegungen dieser geschichtlich so wichtigen Stadt noch keine umfassende Darstellung gefunden hatten. Diesem Mangel hat nun der Verfasser abgeholfen. Er gibt eine treffliche Darstellung der Garnisvnsbewegungen von den Römerzeiten bis zur Gegenwart. Dian merkt es aus jeder Seite, daß unser Autor schon jahrzehntelang die Lokalgeschichte zum Gegenstand eifrigen Stiv- diums gemacht foat» denn der Stoff, den er bietet, ist unvergleichlich sachkundig, umfasseird und instruktiv. Dabei hat er den ohnehin schon höchst anziehenden Stoss noch durch 90 treffliche Illustrationen bereichert. Die Schrift kann allen, welche sich für die Entwicklung des Militarismus in Deutschland und speziell von Mainz interessieren, bestens empfohlen werden.
Vermischte».
’• Tierkuren in alter Zeit. Ein Freund unseres Blattes teilt uns folgendes in seinem Besitz befindliche Rezept mit
Gur Maintzisches Recept.
.Vor Krankes Vieh ao 1682 den 19 Julii publiciret. Erstlich soll tuein Vieh alle morgen und Abend die Zunge wohl auß dem Maul gezogen und genau beschauet werden, ob mann unter oder ob der zungen gelbe, weiße oder schwarze Blattern gewahr werde. Im fall sich einige zeigen, sollen sie mit einem Von feinem silber gemachten inftrument, (welches oval und aus einer feite wie eine säge, auf der andern aber scharf schneidig gewacht scyn soll), wohl Verkratzt und ausgerieben werden, biß etwas Blut hernach gehet, alßdann die materie mit einem tuch, so ungebleicht und einmahlen genetzet worden, sauber außge- butzet, die zunge mit saltz n nd starkem weineßig gerieben, und endlich mit etwas Honig, damit es desto hender zusammen heile, überfahren. Im fall aber die zunge Keine Blattern jondern nur
Erziehung zur Wannt-asligkeit.
Ter vorzügliche, moderne Schulreformer Prof. Dr. Ludwig Gur litt in Steglitz bei Berlin, ein energischer Vertreter des individualistischen Erzichungsprmzips, weist darsauf hin, wie wir in England und Amerika lernen können, wie Männer hevangebildet werden: „nicht sowohl tfyurd> gelehrte Vorträge, durch den Anblick der großen Vorbilder in Athen und Rom, durch Stubcn- flciß, a!ls durch Körperkultur und moralisch-sittliche Zucht, die von klein auf besonders coen durch das Spiel geübt wird", während man bei uns die sittlichen Kräfie durch Itrenge Pflichtgebote stahlen ivollte ulnd auf alle llebergriffe harte Strusen setzte, ein geistiges Uebermag forderte, das die Gedianlen vor unnwralifchsen Abschweifungen bewahren sollte. Gurlitt beruft sich auf die Berichte des Realschuidireitors Fr. Kemönh in Pest an den österreichischen Unter» richtsminister. Ersterer machte seine Beobachtungen anläßlich der Weltausstellung in St. Louis 1904.^ Dann fährt L. Gurlilt fort: „Hier mitß auch einmal mit aller Schärfe ausgesprochen werden, daß die Schule mit ihren zu hoch gefajraubten Ansprüchen an die Nervenlrafi der Kinder die Hauptsaiuld trägt, ober doch bisher getragen hat an den Leiden der Selbstbefleckung, an der nach Auslage um euer Aerzte die Aiehrzayl der deutjtyjen Kinder (msanche Äerzte sagen ehoa 90 Prozent) kranken."
„SS-ir bürien dieser Karduialsrage nicht länger ausweichen. Sie wird von der Lehrerscha,t fast durchgehend falsch beurteilt und falsch behandelt. Daß die Urfsache in dem langen Sitzen auf harten Bänken, in der geistigen Erschöpfung und Ueberretzung infolge zu langer, geistiger Arbeit zu suchen ist, darüber hat Dr. Liebe sein unumstötzltch richtiges ärztliches Gutachten abgegeben. (II. Allgem. Erziehungstag, Wttmar.) Aus dem Spielpllatz, beim Ball- und Bar- laujspiele, beim, Wundern, Lindern und ^cmittschuhtauien wird die
'vermvgen ergibt sich am 1. Januar 1907 fflr die .Deutsche Turnerscbaft" eine Summe von 209 037,16 Mark.
•* Dom Großh. Hofe. Das Großherzogspaar »ahm am Karfreitag-Vormittag mit der aus Frankfurt a. M. zu Besuch hierhergekommenen Prinzessin Friedrich Karl von Hessen in der Hofkirche an der Feier des hl. Abendmahls teil. Am Abend besuchten die Herrschaften das Karfreitagskonzert deS Musikvereins.
** Bürgermeister Dullo bestätigt. S. K. H. der Großherzog haben am 28. März der am 7. März durch die Stadtverordnetenversammlung zu Offenbach erfolgten Wahl des Direktors des statistischen Amtes der Stadt Königsberg, Dr. Phil. Dndr. Franz Will). D u l l o zum Bürgermeister der Stadt Offenbach die Bestätigung erteilt.
** Lehrerpersonalien. Ernannt wurde der Provisor. Lehrer an der Taubstummenanstalt zu Bensheim G. Beringer zum Lehrer an dieser Anstalt unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer. Uebertragen wurden Lehrerstellen dem Lehrer Karl M e tz g e r zu Gambach an der Gemeindeschule zu Vilbel, dem Lehrer Wilh. Sch mehl zu Heisters an der Gemeindeschule äu Bruchenbrücken, den Schulamtsaspiraiiten Jak. Balz aus Westhofen an der Gemeindeschule zu Vilbel und Ernst Herbst Rus Gleimenbeim an der Gemeindeschule zu Maar.
** Hess. Oberlehrertag. Am 5. und 6. April findet in Friedberg die 22. Hauptversammlung des Hess. Oberlehrervereins statt. Am ersten Lage werden die Quecken, Kür- und Badeanlagen in Bad-Nauheim besichtigt, daran schließt sich in .Friedberg der Begrüßungsabend. Die eigentliche Tagung beginnt imt der Besichtigung der Sehenswürdig- kecken der Stadt, dann werden auf der nichtöffentlichen Versammlung neben geschäftlichen Mitteilungen zwei Vorträge gehalten: Oberiehrer H c r t f ch (Worms) spricht über „Die Ergebnisse der Umfrage über die Weihnachtszeugnis s e", und Professor Ritsert (Darmstad.) berichtet über das „neue hessische
über das die Gießener schon seit Jahren beunruhigende Thema zu hören. Zuverlässiges ist über die Absichten der Stadtverwaltung nicht zu erfahren, da man die verkehrte Parole des Gehirnhaltens ansgegeben hat, anstatt selbst auf die Gefahr, daß die Meinungen mit aller Kraft auf einander platzten, eine Klärung der Situation und Beunruhigung der Gemüter zu veranlassen.
Wiewohl ich an Ueberrumpelungen nicht glaube und überzeugt bin, daß man sich Zeit läßt und die schwierige Aiatene unter Zuziehung der breiten Oeffentlichkeit durchsprechen wird, daß man vorher insbesondere einzelnen Jnleressentengrlippen Gelegenheit gibt zu Wort zu kommen, sei e§ mir, als Angehörigem der 8fachen Gruppe, Hausbesitzer, Aiieler und Steuerzahler, also als Neutralem, gestattet, an die Stadwerorduelenversammlung die dringende Bitte zu richten, nichts zu überstürzen und die Frage lieber noch einmal einige Zeit zu verschieben. *
Als private Meinungsäußerung faffe^fnan den folgenden Hinweis auf einzelne, meines Erachtens in Betracht kommende Punkte auf, die »ch in der Elle nicht eingehend begründen kann. Man ivird im Hausbesitzerveiein nächstens Stellnng hierzu nehinen und soll man auch dessen Ailsicht hören, ehe man endgültige Beschlüsse faßt.
_ Ich halte es für recht, den Hausbesitzer zu belasten mit den Kosten der Kanalanschlüsfe von dem Haiiplstrang bis zur Grenze des Anwesens. Hierdurch würde schon em ansehnlicher Teil der Anlage- tosten gedeckt. Dies in Verbindung mit d. kostspieligen Anlage nnHaus, märe das Aequwalent für den Wegsall des Abfuhrs. Weiter die Hausbesitzer zu belasten, ist bei der bekannten schwierigen Lage des Hausbesitzes nicht angängig. In Gießen rentieren die meisten päiffer schlechter als mündelsichere Pagiere.
Dagegen fliehe man den Mieter zu den laufenden Kosten, ein- schließlich Amortisation, heran und zwar nach Prozenliätzen des 'DhenvenS, steigend bis nach teuren Wohnungen, also z. B. Wohn, ngen bis 100 Alk. pro Jahr ohne Beiträge, LOO bis 200 Alk. l°/0, 200 bis 300 Alk. 2%, 300 bis 500 Mk.3°/«, 5 0 bis 8u0 Mk. 4°/0, 8u0 bis 100U Alk. 5% usw. Den Hausbesitzer lasse man selbstschuldnerisch als Bürger hasten. Steuertechnische Bedenken tonnen hierbei nicht in Betracht kommen. Es »uirö doch Wasfer- geld, Gasgeld re. erhoben, es besteht die polizeiliche Wohnungs- meldepflicht, ferner Wohnirngsinspeknon.
Es wäre auch zu erwägen, ob man nicht den Einheitssatz des Wasfergelds etwas erhöhen könnte, »vie man es auch anderwärts dnrchgeiührt. Ein Piemiig Erhöhung bedeutet schon 4°/e mehr, dabei hat die Stadt aus vermehrtem Wasserverbrauch schon eine Mehremnahnie.
Ter Rest der Betriebs-- und Verzinsungskosten rc., könnte falls nötig, dann ans der Steuer bestritten werben.
tc. Frankfurt a. M., 2.April. (Telegr. Orig.-Bericht des .Gieß. Anz."). Amtl. Notierungen der heutigen Viehmarktpreije. Zum Verkaufe ftanben: 330 Ochsen, 54 aus Ceüerreidi. 23 Bulle»^ 0 aus Oesterreich, 0 aus Täuemark, 467 ßütje^Hpn, Stiere und Rinder, 0 aus Tänemark, 123 Kälber, 158 Scham und Hammel, — Schafe aus Oesterreich, 00 Ziegen, wurde für 100Pfund Schlachtgewicht Ochsen 1. iimarruu qz—o» utt., 2. Qual 71—77 Mk., 3. Quäl. 68—70Alk.; Bullen l.Qual. 72 bis 74 Alk., 2. Qual. 69—71 Mk.; Kühe 1. Qual. 73-75 Alk., 2. Quall 69—71 Alk., 3. Qual. 60- 62 Alk, 4. Qual. 00—00 Mk„ 5. Quoll 00—00Alk. Kälber: l.Qual. 100—104 Psg., Lebendgewicht 60—62 Pf^ -- Quall 94—99 Psg., Lebendgewicht 55—58 Psg., 8. Quall 00-00 Psg., Schlachtgeivicht 72—76 Psg., Schafe: 1. Quall 80—00, Dual. 76—78 Psg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Quall 57—58 Pfg., Lebdgew. 45.00—00.00 Pfg., 2. Lu. 55- 56V'g., Lebend- gew. 43.00—44 Pig., 3. Qual. 50—52 Pfg. Lebendgew. 00 Psg. Geschäft schleppend, Ueberjtanb unbeöeuteiib.
gh. Aus Ober Hessen, 1. April. Tie Nebenbahn Stockheim-Lauterbach erlitt bekanntlich in der letzten Zeit empfindliche Verkehrsstörungen durch Schneeverwehungen im oberen Vogelsberg. Zu manchen Zeiten mußten Tag für Tag zahlreiche Rotten Schneeschipper zur Freihaltung der Geleise aufgeboten werden. Hierdurch entstanden der Eisenbahnverivaliung »echt beträchtliche Kosten, ganz abgesehen von den vielen Verlegenheiten infolge gestörten Betriebs. Um dem zu begegnen, sollen die zumeist starken Verwehungen ailsgesetziei» Strecken durch Wellblech überdacht werden, sodaß die Züge an biefeit Stellen durch Tunnels führen. In gleicher Weise sind Geleisslrecken m den Vogesen nut bestem Erfolg gegen Verwehungen em für allemal gesichert worden. Auch tut die Rhönbahnen sind gutem Vernehmen nach dieselben Anlagen geplant.
)( M a r b u r g , 1. April. Edle Menschenfreunde hatten gestern im Stadtpark wieder ein großes O st e r e i e r s u ch e n veranstaltet, dem viele Zuschauer beiwohnten und mit den Kindern die Freude teilten.
sj M a r b u r g, 1. Aprll. Mit dem heutigen Tage tritt in der Leitung b er chirurgischen Univer, itätsklinik ein 'Wechsel ein, indem an Stelle des seitherigen Direktors, des Geh. Med.-Rats Prof. Dr. Küster als Nachfolger Prof. Dr. Küttner tritt. Aus diesem Aniag fand gejicrii in der Klinik eine kleine Abschiedsfeier statt, der das gesamte Personal, sowie zahlreiche frühere Assistenten des Geh. Rat Küster beiwohnten. Einer der letzteren, der Leiter des Magdeburger Krankenhauses, Prof. Dr. Wendel, schilderte in längerer Rede die Verdienste Küsters um die chirurgische Spezialwisseuschast und die Entwickelung der Marburger, Klinik, worauf Geh. Rat Küster herzlich dankte und einen wissenschaftlichen Vortrag über die Fortschritte der modernen Chirurgie damit verband. Das Personal überreichte ein Album. — Ernannt wurde der Kirchenhistoriker Lic. thcol. Dr. phil. Georg Wobbermin in Marburg zum ordentlichen Prosepor in der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Breslau.
** K leine M 11 f e i1 n it n - n r. r, s p s >' e n und den Nachbarstaaten. Jn Queckborn wurde die Witwe Al- r 1 einem R ad fahrer ü b e r f a h r e n und erlitt einen Armbruch. — Heinrich L e i h m a n n von M a u l b a ch wurde als Bürger m et st er dieser Gemeinde wiedergewählt und bestätigt.
Jugend Unsittliches vergessen und ihren Willen gegen jebe Bert suchung stählen. Die geistige Elastizität und körperliche TücÄigken der Amerikaner ist vor allem einer auf wissenschaftlicher Grundlage fußenden rationellen körperlichen Erziehung zuzuschreiben, vermöge welcher Idie gesunden Kinder zu gesunden Eltern heranwachsen und diese ebensolche Nachkommen zeugen". Als Kem6ny mit denselben Fragen an pmerikanische Schulmänner heranttat, „erschien ihnen die Sache neu und fast unbegreiflich; ein Beweis, daß sich ih^ Jugend der unserigen gegenüber in einem glücklicheren und gesün^ deren Zustand befindet." Was von der männlichen Jugend Ame-, rifad gilt, gilt auch von der weiblichen. „Körperkultur der Mädchen ist unerläßlicher Bestandteil der amerikanischen Aiädchenschui-n aller Stufen. An manchen Schulen wird sogar der Turnunterricht beiden Geschlechtern gemeinsam erteilt." Nach einem Feldzug gegen die akademische Trinkunsitte fährt Gurlitt fort: „Wir entsetzen und jetzt in Deutschland über zunehmende Unsittlichkeit und damtt hewb-, gehende Wehrlraft und Tüchtigkeit der deutschen Jugend. Ich glaube gern, daß die Groß- und yiabrifftäbte, das enge Zusammen, wohnen der Menschen, die nervenzerrüttenden Wirkungen des ge- räusck)vollen tragen» und Fabritlebens eine Versichrung zu Trunk und Unzucht begünstigen und daß die Kinder früher als sonst moralisch infiziert werden."
Welche Abwehr Haven wir gegen den Verfall der Sitten? Von dem Kamps gegen den Schmutz in Wort und Bild verspreche ich mir keine Wirkung. Meine Gedanken führen auf andere Bahnen. Ich kann sie hier nur andeuten: Waldschulen, Landers ziehungsheime, große öfientlick)e Spielplätze, Verlegung der Schulen ins Freie, eingeschränkte Stundenzahl, dafür körperliche Arbeit im Freien, allerlei maßvoll betriebener Spott, zumal kacke Bäder, Schioinrmen, Rudern, regelmäßig wiedeizkehrends Kinderfeste mit Wettspielen, Wetturnen, Massengesang,' sodunp Kinderwerkstätten, Pflege der Handarbeit, zunml der gärt« n e r i s ch e n, Halten von Haustieren, Ausstellung von Kinder> arbeiten — mit einem Worte: Steigerung des SchaffenstriebeK und damit Steigerung der Lebensfreude und des Selbstbewußtseins.
Tie Freude sucht den hellen Tag, weicht dem 'Niedrigen, Gei meinen und Duntten aus. In Lasterhöhlen herrscht kein Frol)sinn, sondern höchstens eine durch Alköhol angefachte scheue Wildheit.
Gurlitt tritt sodann ein jur eine Reform unseres ganzen sozialen Lebens; man sollte es den jungen Leuten ermöglichen, „eher zu etwas zu kommen", damit sie auch eher ans Heiraten denken könnten, wie. es vor 100 Jahren war und wie es in England heute noch ist, wo der Bursche von 17 Jahren bereits Zlusschau hält nach seiner Zukünftigen, die ihn dann in Zucht nimmt. „So kommt über die Jungiingchahve der poetisckie Hauch einer jungen und zulunits,rohen Liebe." „Will man ernstlich der ProstitutwN steuern, so muß man die jungen Männer früher zu Erwerb unb Stellung kommen lassen .... So kommt jebe Betrachtung zurück auf unsere nötige Erziehungsreform."
Le scbu ch". Tie Hauptverwmmlung beginnt mit Begrüßungen und dem Bericht des Vorsitzenden. Daran schließen sich zwei Vorträge, gehalten von Oberlehrer Gebhard (Friedberg) — „Ein Reichsamt für deutsche Sprache" — und Oberlehrer Krause (Worms) — „Was läßt sich auf dem Gebiete der Erziehung zur Hebung des Ansehens unseres Standes tun'?" Ferner erläutert Oberlehrer Hensing einen Leitsatz über die Leitung höherer Rtädchenschulen durch Frauen. Ein gemeinschaftliches Mttlagsmahl macht den Schluß.
** B e i den gegenwärtigen Preisen für Nah- rungs- und Futtermittel interessieren gewiß folgende, ans dem Jahre 1828 stammenden, Stadt und den Kreis Wetzlar an- gehenoen Preisangaben des „geschworenen Marktmeisters": ein Pfund Schwarzbrot 10 Pfennig, 1 Milchbrot von 4 Lot 4 Psg., 1 Pfd. Ochsenfleisch 2 Gr. 6 Psg., 1 Pfd. Kuhfleisch 1 Gr. 11 Pfennig, 1 Pfd. Schweinefleisch 2 Gr. 9 Pfg., 1 Pfd. Kalb- Ueisch 2 Gr. 2 Pfg., 1 Pfd. Hammelfleisch 2 Gr. — Pfg., 1 Scheffel Weizen 2 Tlv. 6 Gr. 8 Pfg., 1 Scheffel Roggen 2 Tlr., 1 Scheffel Gerste 1 Tlr. 15 Gr. 6 Psg., 1 Scheffel Hafer 1 Tlr.
— Bad-Nauheim, 30. Niärz. In der legten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung kam es zu einer heftigen Debatte über die Instandsetzung der Bahnhofsallee, durch die der Staat den Fernheizkanal gelegt hat. Zur Beseitigung der Löcher und Senkungen hat der Staat 250 Mk. geboten, wahrend die Herstellung nach fachkundiger Llussage 1000 Alk. kosten wird. Die Versanmilimg beschloß, vom Staat 1000 Mk. zu fordern und event. das Gericht anzuruscn.
-t> Friedberg, 1. April. Die ausgedehnte Liegenschaft der ehemaligen Geflügelzuchtanstalt (seitherigei Besitzer Ahrends) ist im Zwangswege versteigert und von Rechtsanwalt Thiele zu Frankfurt a. M. für 6000 Mk. erstanden worden. Welchem Zwecke das Amvesen nunmehr dienen soll, ist nicht bekannt. Der Betrieb der Geflügelzucht ist schon längere Zeit eingestellt. Inzwischen war zwar einmal der Plan aufgetaucht, nach dem eine auS Landwirten der Wetterau gebildete Gesellschaft daS Etablissement erwerben und mit einem dem seitherigen Betrieb ähnlichen Geschäsi weiterführen sollte. Dieser Plan ist aber, da neuerdings nichts mehr von ihm verlautet, offenbar fallen gelassen worden.
Q Bad-Salzhausen, 1. April. Ein geistig frischer Zug geht durch unsere ganze Gegend. Auch bei Vogelsberger wittert Frühlmgsluft und schickt sich an, durch eigene Tatkraft und Inanspruchnahme des Staates es den Bewohnern anderer Gegenden gleichzutun, den seitherigen Zustand der Gleichgültigkeit bbzuwersen und eine energische Heimpolitik zu beginnen. Auch in dem gewerbfleißigen Städtchen Schotten soll jetzt ein Verkehrsverein gegründet werden. Die Anregung des hiesigen Verkehrsvereins zui Erbauung einer Vollbahn von Frankfurt-Florstadt- Bad-Salzhausen-Ulfa über Rlücke, ober Alsfeld, nach Treysa, hat großen Anklang gefunden.
Der Kamps im Schneidergewerve.
Man schreibt un§:
Trotz des Ausspruchs des1. Vorsitzenden des frei-organisierten GehulsenverdandeS, daß die L ö h n e der Ataßschneiderei m manchen Oilen i o hoch getrieben sind, ivie es unter den augenblicklichen Berhäliiussen überhaupt möglich ist, sind allem n» dicjem Frühjahr an 38 Ortsgruppen des 90 Städte umfaffenben Arbeitgeberverbandes im Schueidergeiverbe neue Lohiüorderungen übermittelt tvorden. Sowohl die ungewöhnltch große Zahl biejer Bewegungen, tute auch die enormen, die Existenz des Gewerbes bedrohenden Älnspruche der G e h ü l f e n s ü h r e r zwangen die beteiligten Arbeilgebergruppen, eine einheitliche Führung des Abwehrkamp'es zu sichern, um nicht nur zum Wohle des Gewerbes, ionbern auch in» Interesse des kaufenden Publikums allen das 'Uiag der Berechtigung überschreitenden Forderungen entgegenzutreten. Zu diesen» einmütigen Vorgehen mahnte auch die Eriahrung, daß die Gehülienschast seit Jahren die Taktik anwandte, bei der Mehrzahl der in Lohnbewegung veuvicfencn Städte einen friedlichen Abschluß herbeiztiiühien, um dann den Kampf gegen die wenigen übrig gebliebenen Städte mit der ganzen Macht ihrer Gesamt- Organisation führen zu können und die Arbeitgeber dieser Städte uüolge ihrer Uebermacht ntederzuzwingen. Vlad) jahrelanger Un- läligteit auf organisatorischem Gebiet sind nun die Arbeitgeber dem Beispiel ihrer Arbeiter gefolgt; gemeinsam vertreten sie nunmehr ihre Interessen. Und toeiin auch in manchen, diesen berechtigten Bestrebungen sernslehenden Kreisen der Ernst dieses Vorgehens verkannt und salsch beurteilt wird, so rechtfertigen die Arbeitgeber ihr Streben durch den Hinweis, daß Streik und Aussperrung die gleichen Aiittel im Kampi der Parieren sind. Wie sich alltnählig die Oeffentlichkeit an Streiks der Gehulsen geivöhnt hat und diesen das Recht, ihre Lage zu ver- befjern, nicht beengen will, so möge sie auch in den Abwe h r ° maßregeln der Arbeitgeber ein berechtigtes Mittel zur Wahrung bedrohter U n t e r n e I) m e r = > nteresse n erblicken. Slichts anderes als die Anwendtiirg dieses geiuährleifteten Mittels bedingt es, daß die gesamte organisierte A rbei t g e b e r s ch a f t ihren bedrohten Kollegen zur Seite st e h t, um ihnen den nun Wochen währenden Kamps zu erleichtern und abzulürzen.
Indem sie dies tut, ist sie sich aber auch bewußt, daß seitens der Arbeitgeber das m ö g l» ch st e E n t g e g e n k o n» m e n den Gehülien überall bereits gezeigt und der bisherige Lohnsatz tu allen bestreikten Städten erheblich erhöht wurde. Zudem erklärten sich die Arbeitgeber noch bereit, nach Wiederauinahme der Arbeit etwaige Wünsche der Gehülienschast hmlichtlich der Erledigung örtlicher Angelegenheiten tunlichst zu würdigen und überall Tarifverträge abzujchließen.
Wenn trotz alledem der Friede nicht erhalten blieb und selbst direkt unbeteiligte Verbände in den Kampf verwickelt werden, so darf dieses freiiüilltge, unbedingte, solidarische Eintreten dieser Kreise als ein schlagender Beweis dasiir betrachtet werden, daß nur ichiverwiegende Gründe die Veranlassung zu solchen Schnuen geben konnten.
Soweit die Zuschrift. Tluch auf Gießen erstreckt sich wieder diese beklagenswerte Betvegung. Doch arbeitet hier ein Teil der Gehülfenschaft, Die organisierten Gehulsen sind hier ausgesperrt.
In Dresden sind etwa 1000 organisierte Schneider ausgesperrt. In Darmstadt wurde, obwohl eine Einigung erzielt worden war, sämtlichen Gehulsen in ben dem Verbände angeschlossenen Geschäften (das sind mit wenigen Ausnahmen alle) gelündigt.
e. Bezahll


