Nr. 126
Kolitijche Lage-sehatt.
Tie bayerischen Laudtagswahlea.
Wir erhielten heute vormittag solgende Drahtnachricht auL München:
9lad) den bisher vorliegenden Meldungen wird sich der neue bayr. Landtag folgendermaßen zusanrnrensetzen: Zentrum 99 (bläßer 102), liberale 2ö (23), freie Bereinigung 19 (20„ Sozialdemokraten 20 (12) Atandale. Ertedigie 'Dlanbalc des früheren Landtages 2. Im ganzen 163 (gegen lo9) Mitglieder.
Erscheint lL-Nch mü Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener Zmnllienblittler- werden dem /jln-etger' viermal wöchentlich beigelegt, da« '.Lreirblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Wieder hatten diesmal Zentrum und Sozialdemokratie in mehreren Wahlkreisen, wie z. B. in GermerSheim-Berg- zabern, Bündnisse geschlossen und so ist denn die Zahl der Sozialdemokraten erheblich größer, die deS Zentrums aber ein wenig kleiner geworden. Die Wahl des liberalen Pfarrers Grandinger in Nordhalben, die mit nahezu 2000 Stimmen Mehrheit erfolgte, erweckte großen Jubel. Em Fackelzug mit Musik wurde dem Gewählten dargebracht, der eine Ansprache an die Menge hielt. Unter den Liberalen befinden sich 2 von der deutschen Volkspartei. Die bekannten Parteiführer sind, abgesehen von Dr. Geiger, wiedergewählt worden. In Bamberg 2, wo verschiedeneZentrumSkandidaten ausgestellt waren, wurden Freiherr v. Malsen und Saffirt, beide vom Zentrum, gewählt. Der soz. ReichStagSabg. Ehrhardt und Dr. v. Haller sind zweimal gewählt. In München wurden 8 Sozialdemokraten gewählt, nämlich Dollmar, Müller, Timm, Ed. Schmid, Franz Schmitt, Auer, Pickel- mann, Roßhaupter; außerdem 4 Liberale, nämlich Schön, Löweneck, Dr. Quidde und Dr. Günther. In Nürnberg sind von 6 Mandaten 5 von den Sozialdemokraten erobert worden. In Fürth wurden 2 Sozialdemokraten gewählt, in Erlangen der Sozialdemokrat Freiherr v. Haller, welcher auch in Nürnberg durchdrang. Er nimmt die Wahl in Erlangen an. In Hof siegte der Liberale Dr. Müller-Meiningen, in Würzburg ivurde ein Block- und ein Zentrums-Kandidat gewählt, in Bayreuth 2 Block-Kandidaten, ebenso in Hof-Stadt und Hofland. In Ludwigshafen wurde ein Sozialdemokrat gewählt, in LudwigShafen-Land desgleichen. In Kaiserslautern drangen 2 Sozialdemokraten durch. In der Rhempfalz sind biS jetzt gewählt 4 Sozialdemokraten, 7 Liberale, 3 Bündler und 2 vom Zentrum.
Die weitere Beratung der Justizreform.
Notattonsdruck and vertag der Brüh lachen Universität»»Buch» and CtembrucfcTtL 9L Lange. Lietzen.
Redaktion. Expedition and Druckerei' Schul- stratz« 7. Expedition and Vertag i fcu» 6L Rebatttoxue^Slia. tcL-ttbu;
Hamann rc. ~ _
Nachdem die englischen Journalisten von der Orangerie in Potsdam aus das Mausoleum Kaiser Friedrichs besucht hauen, kehrten sie am Abend nach Berlin zurück.
Jin tfönigl. Opernbause zu Bertm land heute abend die F e st v o r st e l l u n g zu Ehreii der euglischeii Journalisten statt. Gegeben wurden Nicolais .Lustige Weiber von Windsor". Tie Tarslctter, unter ihnen nameiitlid) Knüpfer als Falstasi und ^rau Herzog als Frau Fluth, ernteten reichen Beifall.
Bezüglich der Unterhaltung des Kaisers mit den Journalisten ist noch zu berichten, daß der Kaiser auch aus seinen Besuch bei Lord Lonsoale und Sir Johns Tuun zu ipvechen kam. Er erklärte, er billige sehr daS System der kleinen Landeigentümer in Yorkshire und West-'Noreland und sei bestrebt, dieses System in Deutschland zu fördern. Solche Leute gaben gute Soldaten. Don der jcbiQ.cn englischen Regierung, sagte der Kaiser, kenne er nur den Kriegs mimster Haldane.
Ter Londoner „Daily Expreß" veröffentlicht eine Aeußerung, die der Reichskanzler Fürst Bülow gegenüber dem Vertreter dieses Blaues bet der Reise der englischen Journalisten, Farthing, gemacht hat. Als Fürst Bülow erfuhr, daß Farlhmg deni Re- dallionsslabe des »Daily Expreß" angehöre und ihm die Ver- dreilmigsziffer des deutschfeindlichen Halb-Pcnny-Blaltes genaiinl winde, bemerkte er: „Ihr Blatt muß also eine große Ltachl besitzen. Ich ivünjche, daß Sie emsehen sollen, daß leötrmann in Deutschland, vovi Kaiser bis zum Mau in the Streeta von freundschaftlichen Gesühlen j ü r E n g l a ii d e r s ü l l t ,st. Fürst Bülow spricht, wie Farthing hervorhebt, ein tadelloses Englisch, fast ohne Accent.
Zu den weniger L«sichtsreichcn Erwartungen, die an den Besuch der englischen Journalisten geknüpft werden, gehört die auf Besserung der Handelsbeziehungen Deutschlands zu Kanada. Ueber die Grenzen Großbritanniens hinaus wird die Friedensfahrt der Redakteure nicht forrwirten, uiib es wäre schon erfreulich, wenn die liberale Prelle Englands sich ins Zeug legen würde dafür, daß "das zwifchcn dem Jnselveich selbst und Deutschland seit Jahr unb Tag bestehende Handelsprovstorium durch einen Tarifvertrag ersetzt werde. Dieser Angelegenheit har seltsanierweise kein Toastredner gedacht, obwohl von der Be- rufuiig des Ministeriums Eampbell-Baitnermann Nicht nur eine politische, sondern auch eine handelstwlittsche Wandlung erhofft wurde. Kanada ist die britische Kolonie mit dem ausgeprägtesten Selbstgefühl, in ihrer Staatsverwaltung läßt sie sich jedenfalls nicht im mindesten leitend der Londoner Tresse beeitv Fussen. Wenn die kanadische Regierung den Zollkonstitt Mit Deutschland beenben wollte, dann käme die Entschließung nur aus eigenem, u. a. wohl aus dem Wunsche, die Einwanderung beut’cher Landarbeiter zu begünstigen.
Nach langer Zeit hört inan etwas von der Justrzreform. Tas heißt von einem Fortschritt in dieser Angelegenheit. Geschrieben worden ist unendlich viel über das Thema, imd ebenso hat es im Reichstag an gründlichen Darlegungen Nicht ge ehlt über die Mängel des deutschen Straf re chts. Rach den Antworten zu schließen, die der Staatssekretär des Rerchsiusttz- antts Tr. Niebcrding erteilte, firn) die Mängel nicht gar so arg Tr. Nieberding sagt es zwar nicht direkt, aber es klingt durch fast alle feine Reben hindurch: Mit dem Bestehenden läßt sich ganz gut auskommen. Nuv keine besondere Eile mit Neuerungen! Bon diesem Standpunkt aus lehnt der Staatssekretär entschieden ab, daß irgend eine Frage des Strafrechts unter der Begründung, daß sie dringlich sei, vorweg, noch vor der allgemeinen Justizreform, gelöst werde. Dabei stellt der Entwurf über die Em- schrckikung der Majestätsbeleidigungsprozesse gleich em Beispiel dar, daß "pudj )etzt schon Strafgefc!. Paragraphen abgeändert, gemildert werden. Es ist nicht einzusehen, weshalb Nicht eine Reihe anderer Bestimmungen, über deren Unhaltbarkeit sich m der Praxis der Rechtsprechung längst Uebereinstimmung ergeben hat, mit ebensolcher Beschleunigung nachgeprüst und verbessert werden lömtten. Die Liste dieser Forderungen weiß jeder Jurist auszustellen. Auf die verheißene „große" Justizreform wird die Oeffentlichkeit abermals Jähre und Jahre zu warten haben. Am Montag nehmen in Bersin unter Teilnahme von Vertretern aller Bundesstaaten „weitere" Beratungen über die Justizreforni ihren Anfang. Hatten bisher die Juristen das Wort, die der Regierung ein h ichst 'umfangreiches Material von Vorschlägen lieferten — die Vorschläge der «trafprozeßkommission sind, wie erinnerlich, in vielen Einzelheiten, besonders als zu wenig den Interessen des Angeschuldigten Rechnung tragend, angegriffen worden —, so haben nunmehr die Bundesstaaten sich darüber zu erklären, was ihnen annehmbar und unannehmbar erscheint. Es liegt also an den Regierungen, die Justizreform in Einklang zu bringen mit den zur Genüge bekannten Wünschen nach einer volkstümlichen Rechtspflege unter möglichst umfänglicher Beteiligung des Laicnelements. Wenn auch die Früchte leider noch lange nicht reifen, so sind gerade die grundlegenden Beratungen von großer, entscheidender Bedeutung.
Ausland.
Paris. 31. Mai. ^Teputtertentammer.) Ribot (Republikaner- befürchtet, daß oei der Entlassung des ganzen ^ahi> ganges 1904 am 25. September von der Armee nur das 1 >*> rippe Übrigbleibe. Es sei vorzuziehen, hier in zwei stufen vorzugehen und auch dann würben sich noch zahlreiche U^cl- släiide ergeben, besonders hinsichtlich Der Aufrechterhaltung cec normalen Verhältnisse in den Kavallerieregimenteru. j..ont.r schloß: „Wenn wir Gesühlspolttik treiben wollen, baicq werden wrr sicherlich nicht unsere Stellung in be,& Welt behaupten können." (Beifall.),
Die englischen Journalisten und der Kaiser.
Potsdam, 31. Mai.
Deute früh trafen die englischen Journalisten mittelst Sonder- zuges von Berlin hier ein, um als Gäste des Kaisers der FrÜhjahrS-Parade über die Truppen der Garnisoii beizuwohnen. Hier warteten Hof-Equipagen der Herren und brachten sie nach dem Stadtfchloß, wo man auf der Sch ogrampe Plätze für sie reserviert hatte, die für die Besichtigung der Parade besoiiders günstig waren. Als der, Kaiser beim Abretten der Fronten den Standort der Journalisten passierte, begrüßten ihn diese jnit einem dreifachen Hipp Hipp Hurra, wofür der Kaiser freundlich dankte, Nach der Parade wurden der Part von Saus- souci und die königlichen Anlagen sowie das neue Palais und die Orangerie besichtigt. Rach dem Lunch, der den Journalisten in der Orangerie auf Veranlasiung des Kaisers serviert wurde, e-.scksten auch der Kaiser selbst zu Pferde. Er rut an btt eng- lischen Gäste heran und ließ sich einzelne der Herren vorstellen, ytu Wilson wechselte der Kaiser einige Worte über den Hamburger Hafen. Dann wandte er sich an verschiedene Mitglieder deö ’l'uniitced und verabschiedete sich schließlich von den englischen Gästen mit den in englischer Sprache gesproßenen Worten: „Ich hoffe, daß es Ihnen hier
wo hl gefällt. Seien Sie mir in meinem Lande und in meinem Hause willkomme n." Dem Vertreter eines Yorkshire-Blattes gegenüber bekundete der Kaiftr eine cm- geh.nde Kenntnis der landwirtschaftlichen «5er- hält nisse jener Gegend. Zu einem anderen der cngliidjen Gäste bemerkte der Kaiser, es wäre von großem Nutzen, wenn auch andere einflußreiche 9)tänner Englands nach Deutschland kamen^ Tas würde sehr viel dazu beitragen, ein besseres Einverständnis zwischen beiden Völkern anzubahnen.
Jtadj Schluß der Vorstellung vegaoen sich die englischen Journalisten zn einem ihnen zu Ehren veranstalteten Souper beim britischen Generalkonsul Dr. von Schwabach, wo bereits eine auserlesene Gesellschaft ihrer mattete. Unter Anderen waren anwesend: Minister Graf von Pofadowsky, von Rheinbabeii und von Bethmann-Hollweg, Staatssekretär Tern- burg, die Unterstaatssekretäre von Mühlberg und von LoeRll, der britische Botschafter Sir F. Lascelles, Geh. Legatwnsrat A.r.
Deutsche» Reich.
Berlin, 31. Mai. Der Kaiser hatte kürzlich die Mitgliedschaft der Gesellschaft des American Groß o f §onor, die aus Personen besteht, die von einer Regierung die Rettungsmedaille erhalten haben, angenommen und sandte jetzt der Gesellschaft sein gerahmtes BildruH mit eigenhändiger Unterschrift.
— An der Informationsreise der Marinck nach Kiel werden u. a. teilnehnten die ReichLtagisabgg^ Dr. Arendt, Bassermann, Eickhoff, Erzberger, Fischbeck, Frhr. v Gamp, Dr. Hagemann, Liebermann v. Sonnenberg, v. Lie^ bert, Dr. Mommsen, Dr. Müller-Meiningen, Gras Oriola, Dr. Paasche, Frhr. v. Richthofen, Dr. Semler, Siltart, Dr. Spahn, Speck, v. Staudy, Storz, Frhr. o. Thümfeld, Vogk Hall und Winckler. w .
— Der französische Botschafter sprach gestern im Auswärtigen Amte vor und teilte dem Unterstaatssekretär von Mühlberg die Grundzüge des Abkommens zwischen Frankreich und Japan mit.
— Wie die „B. Z." erfahren haben will, steht dis Besetzung einzelner höherer Regierungsämter mit Persönlichkeiten liberaler und freigesinnter Rich-, tung nahe bevor. Es sollen Minister und Reichsbeamte ernannt werden, durch welche die schon lange geltend at* machten politischen Forderungen der linken Parteien befriedigt werden. (?)
— Wie der „Boss. Ztg." aus guter Quelle mitgeteiifc wird, sind alle Bundesstaaten, die für das WesergebieL in Betracht kommen, mit der Einführung der Schiff-, fahrtsabgaben im Sinne der preußischen Regierung einverstanden. Ablehnend verhalten sich Baden, Hessen, Sachsen und Hamburg. Bezüglich der Fürstentümer Reuß, Sachsen-Altenburg und Sachsen-Weimar ist eine Erklärung noch nicht erfolgt. Mit den Auslandstaaten Holland, Schweiz, Frankreich und Oesterreich-Ungarn werden Verhandlungen nur eingeleitet, wenn der preußische Antrag hn Bundesrat zur Annahme gelangt.
Schwerin, 31. Mai. Die braunschweigische Abordnung, bestehend aus dem Staatsminister Dr. von Otto, Geh. Justiziar Semler, Oberbürgermeister Rettemeyer und Gemeindevorsteher Kleie, ist heute abend hier eingetroffen und wird sich morgen nach Schloß Mligrad geben, wo sie vom Herzog Johann Albrecht em- pfaTSeim, 31. Mai. In einer Festsitzung des Bürgerausschusses, welche die Jubiläumsoeranftal- tungen einleitete, wurden der ehemalige bad. Staats- minister Eisenlohr, Kommerzienrat Kari LadenburA Major a. D. Seubert und Prosejsor Wilhelm in Leipzig zu Ehrenbürgern ernannt. Dem Oberbürgermeister Beck wurde die goldene Jubiläumsmedaille verliehen. Der Festsitzung folgte ein Festakt im Nibelungen-Saal des Rosengartens. Anwesend waren: das Grotzher^ogspaar, das Erbgroßherzogspaar, Prinz Max mit Gemahlin. Hosschcu- spieler Ludwig und Putscher sprachen einen Prolog, woraus ein 400 Mann starker Sängerchor eine Hymne sang. Ansprachen hielten Oberbürgermeister Beck, und Professor Walter, stlaniens der Universität Heidelberg überbrachte der Prorektor der Universität die Glückwünsche und verlieh dem Oberbürgiermeifter Beck die Würde als Dr. honoris causa.
Zaren-Reisen.
Es ist die Rede von geplanten Auslandsreisen des Zaren. Rom und Kopenhagen werden genannt. Rom ist schwerlich das Reiseziel. Allerdings ist Nikolaus II. dem König Viktor Emanuel, der ihm als erstem unter den Herrschern Europas die Antrittsvisite abstattete, noch immer den Gegenbesuch schuldig. Doch es hat nicht den Anschein, als erübrigten sich jetzt die Bedenken wegen der persönlichen Sicherheit des Zaren in Italien, die ihn vor einigen Jahren seine bereits programmatisch sestgelegte Reise dorthin „in zwölfter Stunde" äbsagen ließen. Glaubhafter ist die Meldung, der Zar beabsichtige eine Fahrt nach Kopenhagen und eine Begegnung mit dem Präsidenten der französischen Republik in der Stadt am Sunde. Es wäre ohne Zweifel an der Zeit, daß wieder erquickender Tau aus die ziemlich verschmachtete Blume der russisch- französischen Allianz fiele. Gar zu lange schon ist Nikolaus II. der Republik oder deren verantwortlichen Repräsentanten femgeblieben. Ter Rausch der Begeisterung des französischen Volkes über das Bündnis mit Mßland gehört sreilich der Vergangenheit an, aber die Empfänglichkeit für den politischen Reiz einer Begegnung des Zaren mit Dem Präsidenten der Republik ist darum im französischen Volk nichl erloschen. Das umsoweniger, als Liußland aus dem Wege ist, bei England einen Stein ins Brett zu bekommen. Der unbegrenzte Respekt Frankreichs vor der überlegenen Staatskunst Englands ist jedenfalls dem russ. Kredit förderlich, dem politifchen wie dem fincniziellen, und die Frage des Geldbedarfs Rußlands braucht, weil sie nicht zur Diskussion steht, keineswegs als von der Tagesordnung abgesetzt zu gelten. Es sei nur daran erinnert, daß zur Durchführung des neuen russischen Flottenprogramms von der Admiralität rund eine Milliarde Rubel verlangt wird, wogegen der Finanzminister Kokowzew „zunächst" keinen Einspruch erhoben hat. Vermutlich hält er die Situation für hinreicüend geklärt, um dem Gedanken an eine neue Auslanösanleihe Raum geben zu können.
Es steht jedensalis nichts im Wege, daß der Zar seine Dispositionen für die Resie ms Ausland trifft. Fast zwei Jahre sind verflossen, eit er die letzte Begegnung mit einem befreundeten Herrscher harte, nämlich mit Kaiser Wilhelm in den finnischen Schären. Damals war guter
Die Beweisaufnahme im Prozeß Pövlau wurde brüt: fortgesetzt Die Zeugenvernehmung wurde nur einmal inter ss.mi, als ber Angeklagte an den »ofrat Wohlenberg die Frage richtete, ob er widerrechtlich über eine Ordensangelegenheit, die gehei.n war, nach außen hin Mitteilung gemacht habe. Staaisanwatt Lindow erklärt diese Frage für unzulässig. Der Gerichtshos belchließt aber, die Frage zu stellen. Hofrat Wohleiiberg weigert sich erlt, biese Frage zu beantworten, da er seines Eraclstens dazu die Genehmigung nickst besitze, wird aber vom Voisitzenden dahin belehrt, daß dieser Aeigernngsgrund nickst gelte. Der Zeuge könne nur bann die Aussage verweigern, wenn er sich schuldig glaube. Wohlenberg gibt darauf zu, daß er über diese Angelegenheit gesprochen habe, er habe aber feine Kenntnis der Sache nicht in amtlicher Eigenschaft erhalten. v fll £ .. . .
Zu dem Fall M a n n en b er g richtet der Verteidiger an den Hofrat Gragert eine Reihe von Fragen, um zu beweisen, datz die Angelegenheit Kannenberg bekannt war, als Poplau die angebliche Indiskretion beging. Ter Zeuge bestätigt das, ebenso, datz Pövlau in Sachen Keim nicht eines bestimmten Aktenstückes bedurfte. Hofrat Michalski bekundet, daß die Akten Kannenberg Nicht als geheim behandelt worden waren. Auf Antrag des Angeklagten beschließt der Gerichtshof, den Kriminalkommissar Walter, der Pöplau im Auftrage des Auswärtigen Amtes überwachte, oder überwachen lieh, zu laden mit der Aufgabe, denjenigen Krnnmal- schutzmann anzugeben, der ihn bei seiner Beobachtung unterstützte. Der Verteidiger bemerkte, Pöplau besinde sich in einem Zustande dec Nervosität, und daß er nur noch durch Medikamente auirecht- erhalten werden könnte. Infolgedessen wird die Verhandlung vertagt. Aus das Bemerken des Vorsitzenden, daß iux£ keine Genehmigung zur Aussage für den Reichskanzler, den Staatssekretär Dernburg usw. eingeganaen fei, erklärt der 4$erteiöiger, [eine Antwort sei zwar auch eine Antwort, er werde sich aber nicht dabei beruhigen. Mchste Sitzung Dienstag.
Rat teuer. AurljentiiawS noer Den Verlauf der zwn.crenz von Björkü ist nicht bekannt geworden, doch als Akt der Freundschaft steht fie fest. Vielleicht liefert der Zar erncs Tages den Beweis, daß er die deutscherseits damals bekundete Gesimiuna in Erinnerung hat.
Der Besuch des deutschen KaiserpaareS am dänischen Hose wird in der Zeit vom 5. bis 8. Jult erwartet. ___
Ein gerichtliches Rachspicl zrnn Uolonial-Dkandal.' VL
Berlin, 31. Mai.
Aen «Heiden Süd-Zbest-AfriLa5.
Wie siebzig dem deutschen Heere Ter Sieg frischen Lorbeer wand, Ihr kämpftet für Deutschlands Ehre In fernem wildem Land.
Ihr trüget da jede Entbehrung
Geduldig Mann für Mann Und schufet der Welt Belehrung, Was cm Deutscher leisten kann.
Von Süd-West-AfrikaS Helden
Und wie sie gestritten dort, Wird fernen Zeilen noch melden Gar lange Bild und Wort.
Und die da so manchen beroeinen, Zum ieofte bedenket, es ruht Auch unter Asrikas Steinen Für Kaiser und Heimat sich gut Daß wir auch im Gießener Kreise Sticht find deS DankeS bar, Den Hinterblieb'nen beweise Recht reichlich der Bazar.
H a n S K ö t t s ch a u, Hauptmanii nn Jnf.-Reglnient Kaiser Wilhelm.
Zweites Blatt 1S7. Jahrgang Samstag 1. Juni 1907
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Sberheffen


