fes die DewMgungen d2s Reichstages gestattete!:. Ser Etat wird dann unverändert g c n e I) m i g t. Bei der nun folgenden Beratung des Marrneetats fragt Leonart, tveshalb Lei uns die Schiffs Lauten 20 Prozent mehr rosteten als in England. 2er Staatssekretär antwortete, daß alle Marinen außer der englischen teurer bauten. Die Engländer rechnen aber die Kosten der Munition und Probefahrten nicht mit. Ein Vergleich sei deshalb schwierig. Auch seien die englischen Werften infolge der Auslandsbestellungcn b e s s e r g e st e l l t. Ter Marineetat wird schließlich bis zu den einmaligen Ausgaben aus- Ichlreßlich genehmig r.
Airche ititb Schule.
0 Marburg, 29. April. Gestern und beute wurde hier unter zahlreicher Beteiligrmg das I a h r e s f e ft der e v a n g. Kirchen chöreKurhessenS abgehalten. Bei Len Festgottes- diensten, welche in der Elisabeth- und in der reformierten .'Ärche stattfanden, wirkten die Kirchenchörc von Kirchhain, Treysa imb Frankenberg mit. Ein Familienabend im Museum war dem Gedenken Paul Gerhardts gewidmet. Leute früh fand zunächst eine Versammlung des Kantoren- und Organistenvercms und anschließend die Jahresversammlung der Kirchengesangver- eine statt. General-Superintendent Werner-Kassel bemerkte u. a., daß der Verband jetzt 31 Kirchenchöre mit 3200 Mitgliedern umfasse. Organist P a u l st i ch - Hanau machte m längerem Vortrag Vorschläge, wie man durch Gründung von Kirchen- und Knabenchören den Melodienschatz der Gottesdienste verstärken könne. Ein von ihm gestellter und von Kvnsiftorialrat Prof. Budde befürworteter und auch angeiwmmener Antrag wünscht Einführung von Gesangbüchern mit Noten. Die nächste Tagung soll in Kassel ftattfinden. An die Versammlung schloß sich ein geistliches Konzert in der reformierten Kirche.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 1. Mai.
*♦ Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Gerichtsassessor Paul Hartmann aus Langen unter Verleihung des Amtstitels „Finanzamtmann" zum juristischen Hilfsarbeiter bei "bet Hessischen Landes-Hypothekenbank ernannt. — Ernannt wurde der Amtsgcrichtsdiener bei dem Amtsgericht Ulrichstein, Jak. Delp, zum Amtsgcrichtsdiener bei dem Amtsgericht Bingen und der Vizewachtmeister im 2. Hessischen Dragoner-Regiment Nr. 24, Jak. Lichtenfels, zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Homberg.
**Für dieSitzung derStadtverordncten-Ver-- sammlung am Donnerstag, den 2. Mai. nachmittags 4Uhr, ist folgende Tagesordnung aufgestellt: 1. Mitteilungen. 2. Baugesuch des Th. Brück für Schiffenbergerweg. 3. Desgl. des Louis Müller für den Schiffenbergerweg. 4. Desgl. der Firma Bär u. Wetterhahn für die Bahnhofstraße. 5. Desgl. der Eisen- Lahnverwaltung für die Frankfurter Straße. 6. Desgl. des Georg Throm für den Wetzlarer Weg. 7. Desgl. der Firma Ernst Block für die Marburger Sttaße. 8. Desgl. des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege für die Jo- hannessttaße. 9. Einfriedigung einer Hofreite an der Wetzftein- sgasse. 10. Verkauf von Gelände am Hardtweg. 11. Beseitigung tcineal Schuppens auf der früheren Aktienbrauerci. 12. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen. 13. Einrichtung der jetzigen höheren Mädchenschule für Zwecke der Volksschule. ■14. Umzug der höheren und erweiterten Mädchenschule in den Neubau. 15. Teilung der Klasse 5 b. der höheren und erweiterten Mädchenschule. 16. Festsetzung der Kokspreise. >17. Erneuerung des Vertrags bezüglich Haftpflichtversicherung. 18. Das Oktroi von Ochsen und Stieren: hier: die Kündigung der freiwilligen Vereinbarung von 1894. 19. Vorlage der Rechnung und des Verwaltungsberichts für das Rechnungs- ;ähr 1905. 20. Gesuch des Ludwig Gräf dahier um Erteilung der Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb für Leihgefterner Weg 7. 21_ Desgl. des Georg Kuhl für Leihgefterner Weg 18. 22. Ärsgleichen der Wilhelm Kaltwasser Ehefrau für Sonnenftraße 29. 23. Desgll des Albert Rappmann für Walltorstraße 38. 24. Desgleichen des Karl Scharmann für Marburger Straße 34. 25. Desgleichen des Heinrich Schwarz zum Gaftwirtschaftsbetrieb für Urednerstraßc 34.
* Walpnrgis. Geifterspuk und Hexensabbat, Gruseliges und Unheimliches, menschenverderbender Zauber und geheimnisvolles Unwesen aller Art, zu Walpurgis in der Mainacht wim- melts und kribbelts davon. Von frühlingsfrohem Liebesglück jredete in grauer Vorzeit Wodans Brautfahrt, und um den Frühling einzuholen, fanden sich unsere Altvorderen zu symbolisch sinnigen Opfcrfestlichkeiten fröhlich zusammen. Besonders auf Bergen. Ein Stelldichein aller umwohnenden Völkerschaften war's. Da wurden jedoch die alten Heiden zur Annahme des Christentums genötigt, und Strafe drohte dem Rückfälligen. Und doch stießen sich die heidnisch-gottesdienstlichen Feiern nicht ausrötten. Ganz im geheimen wuc^rten sie üppig weiter. Bei Nacht und Nebel, bei Mondschein und Eulenschrei. Da mochten sich gewappnete Krieger wohl graulen, wenn sie beim Rascheln des Laubes um die Geisterstunde spionieren und auf unchriftliches Heidenwerk fahnden mußten. Und die alten Heiden waren schlau. Durch abscheuliche Teufelsmaskcn und groteske Mummerei schreckten sie ihre Aufpasser. Geflissentlich setzten sie die tollsten Schauergeschichten in die Welt, und so ward z. B. auch die wundersame Mainacht zu einem großen, gräßlichen Schreck- und Truggebilde. Wer sollte da durch genauere Nachforschungen sein Leben aufs Spiel setzen? Mit den Dämonen, mit Hölle und Teufel war ja Krals zu spaßen. Also, die germanischen Frühlingsopfer blieben wie vor, aber der Aberglaube der bekchrungswütigen Kriegsscharen mengte sich drein. Es entstand die Sage von der nächtlichen Brockenfahrt. Die Hainbesucherinnen, die Frauen, die in Gebüsch und Haag opferten, wurden zu Hägesen, zu den berüchtigten Hexen. Sie schädigen das Landgut, Feld und Flur. Sie äffen mit ihrem Meister, dem leibhaftigen Satanas, im scheußlichen Blocksbergrummel die christliche Messe nach. Sie treiben entsetzliche Zauberei an Mensch und Vieh, und erstatten in der Walpurgisnacht darüber dem Teufel Bericht. Kreuzdorn und gemalte Kreuze schützen vor ihrem Tun: auch Feuer und Lärm- trompeteu sind gut, und durch das Läuten mit geweihten Glocken glaubte man sie unschädlich zu machen. Noch heutigen Tages spuken solche abergläubischen Gedanken, zumal bei der Landbevölkerung. Die ost gar üble Witterung in dieser Ueber- gangszeit lockte die Leute noch lange nach Einführung des Christentums zu derartigen seltsamen Späßen. >Tenn nicht in wohliger Wärme, als lieblicher Bote linder Lüste erscheint meist der Mai, sondern er äfft uns oft durch beständigen Wechsel von Sonnenschein und heller Heiterkeit mit schaurigen Regengüssen und widrigen Winden, wie just in diesem Jahre. — Das großartigste Beispiel einer poetischen Ausgestaltung der Wal- puigteftimmiing findet sich bekanntlich in Goethes Faust.
i ** Die neue höhere Mädchenschule, dessen untere Räume bereits in Gebrauch genommen werden mußten, wird Anfang Juli gänzlich ihrer Benutzung übergeben werden. Tas dann frei werdende Schulgebäude am Asterweg wird so schleunig in seiner Einrichtung um gestaltet werden, datz mit Beginn des Winterhalbjahrs seiner Benutzung für die Volksschule nichts im Wege steht.
** Unsere Milsensohne klagen vielfach über Wohnungsnot. Sie erklären, der Besuch unserer Hochschule habe in dem nun begonnenen Sommer-Halbjahr sich so verstärk:, daß bequem gelegene Wohnungen für Studenten schwer zu haben sind und hierdurch viele gezwungen seien, weiter von den Gebäuden hmb Instituten ab Wohnung zu nehmen.
f Der Deutsche nnd Ocsterreichische Alpen - -verein umfaßt nach dem neuesten Bestandsverzeichnis grnen- doärtig 343 Sektionen mit 73 219 Mitgliedern; der Zuwachs seit Dem vorigen Jahre betragt 16 Sektionen und 5511 Mitglieder Anter den Sektionen weisen die höchsten Bestände auf: Sektion München 4449, Austria in Wien 3394, Berlin 3119, Schwaben in Stuttgart 1987, Dresden 1957, Nürnberg 1515 Mitglieder M Orte sind .Sitz von mehr als einer Alvenvercinssektion: Manchem
von 5, Berlin, Dresden, Nürnberg von je "4, Wien von 3, Darmstadt, Gießen, Graz, Innsbruck. .Krefeld,. Stuttgart von je 2. Mit seinen fünf Sektio"en stellt München im ganzen 63^9 Mitglieder zum Gesamtverein. — Im Großherzogtum Hessen und in unserer Nachbarschaft beft-ck-m folgende Sektionen: Mainz (592 Mitglieder», Darmstadt (288), Offenbach (207), Worms (200), Gießen fl37>, Oberhessen (112', Starkenburg (107): Frankfurt a M. -780', Hanau (181), Fulda (63), Marburg (73'.
** Ein Fleischer-Bezirkstag für beide Hesicn und Nassau findet am 5. und 6. Mai in Hersfeld statt. Auf der Tagesordnung für die am Sonntag nachmittag um 2 Uhr beginnenden Verhandlungen ftchen außer J>cm Jahresbericht und sonstigen Verbandsangelegenheiten u. a. Schlachthaus- und Kom- munalabgabengesetz, das Verhältnis zwischen Meister und Gesellen, die Sonntagsruhe, die Feststellung des <scblachtgewichts, Fleischbeschaugebühren und staatliche Schlachtviehversicherung, das Lehrverhältnis im Fleischcrgewerbe, Begründung einer Verbandszeitung u. a. m. Zu den Verhandlungen sind alle dem Bezirk- Verein angehörenden Innungen und Einzelmitglieder, sowie alle sonstigen Fleischermeister eingeladen. Auch die Gießener Metzger- iimung wird bei der Tagung vertreten sein.
** Eine Mahnun g an die schulentlassene Jug end. Wiederum haben die Volksschulen Zehntausende junger Menschen entlassen, die zwar geistig in den Fortbildungsschulen wcitergebildet werden, körperlich aber sich selbst überlassen bleiben. Und doch ist 'gerade diese Zeit auch körperlich von größter Bedeutung für die Entwickelung des Menschen. Noch sind Leib und Glieder bildsam und ftirmbar, gleichsam weiches Wachs in der Hand eines tüchtigen Erziehers. Jeder Mensch ist nicht nur seines Glückes Schmied, sondern innerhalb sehr weiter Grenzen auch Selbftbildner des eigenen Körpers. Dazu gehört aber mehr Willenskraft, als sie unsere schulentlassene, vielen äußeren Einflüssen ausgesetzte Jugend entfalten kann, sie braucht fortgesetzt Anregung und dauernde sichere Führung durch ältere, vorbildliche Leute. Hier setzen die Turnvereine mit Jugend- abteilungen und Jugendriegen ein, worin meist ältere Vorturner, oft Familienväter, sich der Jüngsten int Turnvereine annehmen. Regelmäßige, an das Schulturnen anschließende Turnübungen, straffe, wohlgeleitete Ordnungsübungen, Gesang vaterländischer und Volkslieder, Turnfahrten und Turnspiele, kleine Wettkämpfe im Freien, alles das ist geeignet, die erwachende Jugendkraft in die rechten Wege zu leiten. Deshalb sollten Eltern, Erzieher und Lehrherren ihre Kinder und Pflegebefohlenen recht bald einem tüchtigen- Vereine der vaterländischen Deutschen Turnerschaft zuführen. (In Gießen kommen hierfür der Turnverein und der Männer-Turnverein in Betracht.
"Vom Po st wesen im „freien* Amerika. „Zeit ist Geld* sagt ein englich-amerikanischeS Sprichwort. Die Poftverwaltung der nord-amerikan. „Frei*-Staatcn aber scheint diesen lebcnsklugen Satz nicht zu kennen. Uns liegt von einem seit Jahren in der nordamerikan. Hauptstadt Washington wohnhaften Oberhessen ein Schreiben vor, das im wesentlichen folgendes besagt:
Bei Gelegenheit meines letztjähriqen Besuches in der alten Heimat abonnierte ich ans den täglichen „Gießener Anzeiger" aus ein Jahr, zahlte 26 Mark, und es wurde mir der Anzeiger in wöchentlichen Paketen zugesandt. Vor einem Monat merkte ich, daß der U in i ch l a g zerrissen und einige Nummern fehlten: die zweite Woche empfing ich nicht eine einzige; die dritte Woche »ehlten drei Nummern und letzte Woche erreichte mich nur eine einzige Nummer. Ta die Umschläge zerrißen und markiert waren „Examined in Washington, D C.“, so vermutete ich, daß die Unregelmäßigkeiten auf dem hiesigen Postamt verursacht wurden. Ich begab mich gestern dorthin, brachte meine Beschwerde vor und beule morgen bekam ich schriftlichen Bescheid. Nach dem Erlaß des Postmeisters Barnes zu schließen, wird der Anzeiger deshalb nicht an den Adressaten abgeliesert, weilLotterie-An zeigen in demselben enthalten sind.
Unser amerikanischer Abonnent fügt das Original des Washingtoner Postamts-Bescheids bei. Sollte man es für möglich halten, daß die amerikan. Postbehörde ihrer Beamten gute Zeit vertrödeln läßt mit der unsinnigen Tätigkeit der genauen Untersuchung sämtlicher deutschen Zeitungssendungen? Ist es nicht unzweifelhaft, daß eine Reihe von Männern einer nützlicheren Beschäftigung entzogen wird, indem sie dazu angehalten werden, alle Lotterieinserate in den deutschen Blättern aufzustöbern'? Wir meinen, die deutschen Handelskammern sollten sich diesen Unfug nicht entgehen lassen und ihr Möglichstes tun, um einen ungehinderten Zeitungsverkehr nach Amerika zu bewerkstelligen. Alle Deutschamerikaner wüßten ihnen jeden falls lebhaften Dank, wenn ihre Bemühungen, was wir kaum bezweifeln, erfolgreich wären, scheints doch in dieser Beziehung in Amerika schlimmer zu sein als im viel geschmähten Rußland.
— In Amerika verstorbene Hessen. Jrel Gottschall aus Griesheim, zu New-Pork. — Frau Katharina Hamm, geb. Kuhn, aus Lampertheim, 73 Jahre alt, zu Chillicothe. — Frau Charlotte Lohr, geb. Gerhardt, aus Weinolsheim, 88 Jahre alt, zu Milwaukee. — Konrad Hofmeister, 92 Jahre alt, aus Monsheim, zu Kingston. — John Koch aus Rodheim, 81 Jahre alt, zu Waterloo.
X Leihgestern, 29. April. Bei der kürzlich hier abgehaltenen Wahl eines Beigeordneten, die infolge Ablehnung des seitherigen Beigeordneten erforderlich war, wurde der Zimmermeister Johs. Weller mit 144 Stimmen von 190 abgegebenen gewählt. Ter Verlauf der Wahl kann als sehr ruhig bezeichnet werden, wenn man an die Bürgermeisterwahl vor zwei Jahren denkt, bei der die Gemüter aufgeregt wurden und selbst Freunde und Verwandte entzweit wurden.
§ Aus dem Lemptal, 1. Mai. Unsere Grube „Guter Anfang" gehört zu den ergiebigsten des ganzen Bergreviers Wetzlar. Das spezifisch hochwertige Eiscngestein wird bis jetzt per Wagen zur nächsten Eisenbahnstation Ehringshausen (Dill) befördert. Da der.Achsentransport der Grubcnverwaltung teuer zu stehen kommt, so trägt sie sich mit dein Gedanken, eine Drahts eil- bahn nach dem Ehringshäuser Bahnhof zu bauen. Auch wird erzählt, daß die alte, nicht mehr zur Beförderung gebrauchte Seilbahn vom Georgstollen nach dem Bahnhof wieder in Betticb genommen und der Georgstollen bis zum Maschinenschacht der Grube „Hein'-ick'ssegen" sortgeführt werden soll.
0 , H u n g e n, 29. Avril. Die hiesige Molkerei blickt auf ein 13 jähriges Bestehen zurück. Ihre Mitgliederzahl ist fortwäljrend im Steigen begriffen und beträgt jetzt 507. Der Reingewinn int abgelaufenen Geschäftsjahr ist 7921,77 Mk. Die Gesamtmilchlieferung betrug 2 164 050 Kilogramm.
C) Laubach, 30. April. Die Telephonanlage nach Gonterskirchen, ab Straße nach Ruppertsburg, wurde in vergangener Woche vollendet; man baut eben über Lauter eine direkte Telegraphenverbindung nach Gießen, da die letzt bestehende über Grünberg zu stark belastet ist.
sc. Höchst ä. M., 29. April. Eine früher hier wohnhaft gewesene, von ihrem Menne ge'chiedene Frau kam am Freitag mit einem zweijährigen Kinde hierher, setzte es vor d:e T.r eines Hauses im Arbeiter heim der Farbwerke und v c r \ l; a d. Bei dem Sinb fand sich ein Brief, in dem md3<ici.i yj-tb:, der Sohn einer in dem Hause wohnenden öui.^.ic sei der Vater des Kindes; er möge sich seiner an- nehmen.
Universitäts-Nachrichten.
.— Die neue Universitätsaula in Kiel soll durch Ausschmückung mit einem monumentalen Wandgemälde zu einem wirkungsvollen Abschlüsse gebracht werden. Zur Gewinnung eines geeigneten Entwurfes wird ein allgemeiner Wettbewerb unter
preußischen und in Preußen lebenden anderen deutschen Künstlern? ausgeschrieben. In dem Bilde soll die schleswig-holsteinische Landschaft stimmungsvoll hervortteten. Abgesehen von dieser For- berntg und dem zu berücksichtigenden Umstande, daß die Aula auch zu evangelischen gottesdienstlichen Zwecken benutzt wird/ ind dem Künstler in der Wahl des Motives. keinerlei Schranken gezogen. Die Entwürfe nebst Zubehör sind bis spätestens 1. Nov. bei der Königs. 2kkademie der Künste in Berlin kostenfrei ein» '"liefern. Für die besten s^"t^'"'^fe werden vier Preise: 2000 Mk., 1509 Mk., 1090 Mk. und 500 Mk., zusammen 5900 Mk., ausgesetzt. Die Entscheidung über die eingegangenen Arbeiten und die Preisverteilung erfolgt durch die Landesfunftkommission._ Tie preisgekrönten Entwürfe können für den Besitz des preußischen. Staates in Anspruch genommen werden. Die übrigen Entwürfe werden den Bewerbern koftenftei zurückgesandt.
GerLchtssast^
Fl. Wetzlar, 28. April. Eine inte ress ante Beleidigungsklage wurde am hiesigen'S ch ö f s en g er i ch t verhandelt. Der Gewerkschaftssekretär und sozialdemokratische Vertrauensmann Hubert Joachim, hier wohnhaft, hatte in einer zu Wölfersheim in Oberhessen abgehaltenen öffentlichen Ver- ämmlung erzählt, der verstorbene Fürst Georg zu Solms- Braunsfels habe in Monte Carlo eine Million Mk. verspielt und, um nach Deutschland zurückkehren zu können, die Knavp- schaftskasse gesprengt. Unter Hinweis auf diese angebliche Verschwendung hatte Joachim dann von Hungerlöhnen der Bergarbeiter usw. gesprochen. Vor dem Schöffengericht bestritt Joachim, den Ausdruck „gesprengt" gebraucht zu haben. Er habe nur gesagt, der Fürst habe die Knappschastskasse „zu einem Darlehen in Anspruch genommen." Den tatsächlichen Wortlaut hielt nun das Gericht nicht für genau festgestellt, weil die Aufzeichnungen, des Gendarmen, der die Versammlung überwacht hatte, auch sonst vielfach abweichen von dem, was nach dem Angellagten gesagt woroen sein sollte. Aber selbst wenn Joachim beit. Ausdruck „sprengen" nicht gebraucht hatte, auch das, was er gesagt haben will, nämlich daß der Fürst die Knappschaftskasse zu einem Darlehen in Anspruch genommen hatte, wurde als durchaus unwahr erwiesen. Trotzdem wurde der Angellagte freige- sprachen, weil die Beschimpfung des Andenkens eines Verstorbenen nur dann (§ 189 Str.-G.-B.) strafbar ist, wenn sie wider besseres Wissen geschieht, wenn sie eine Verleumdung dar- stellt. Das aber konnte dem Anaeklaaten nickt nackaewiesen werden.
Göngesandr.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Ein Wort zur Handclskammerwahl!
„Wir haben feine Industrie in Gießen", ift^ein viel gesprochener Satz unserer Bevölkerung. Im äußersten Falle entsinnt man sich, bei etwas Nachhülfe, auf die hier ansässige Tabak- und Zigarren-Industrie. Nur wenigen sinü Gedankengänge über dm Wert unserer technischen Jndustrieen am Platze geläufig, deren Vertretung in der Gießener Handelskammer fehlt.
Das Braun st einbergwerk ehemals Fernie, die Eisengießerei und Maschinenfabrik des Kommerzienrats H e y l i g e n- staedt, das Tonwerk und Dampfziegeleien des Kommerzienrats Gail und die Metallwarenfabrik und Bauanstalt großer Bade- einrichtungen des Kommerzienrats S ch a f f st a e d t beschäftigen insgesamt ungefähr 2000 Personen und bieten demnach die Quelle des Unterhalts von 10 000 Bewohnern der Stadt Gießen und umliegenden Ortschaften.
Tie in diesen Industrien entstehenden Werte sind durchaus produktiv-wirtschaftlicher Natur und haben infolgedessen für unseren Bevölkerungsteil vielfach größeren Nutzen, wie reine Handel suntemehmungen.
Die Werteerzeugung dieser technischen Industrien dürfte, in der Höhe der Umsatzwerte, den der Tabak- und Zigarren-Jn- dustrie nicht unwesentlich übersteigen, und dennoch fehlt m. W. bis heute in der Gießener Handelskammer die gerechte Hinzuziehung dieser vvlkswirtschast.ich wichtigen Arbeitszweige unseres Volkes.
Woran liegt das?
Aeußerft wichttge Interessen dieser Industrien hätten ftaat-- licherseits mehr Berücksichtigung finden müssen, um den Wettbewerb mit anderen Industrie-Provinzen unseres Reiches ausnehmen zu können. In der Frage der Bahnftachten, Anschlüsse und überhaupt der allgemeinen Beförderung sind noch tief- einschneidende Prinzipienfragen in der Gleichbegünstigungstheoric zur Erledigung zu bringen, wenn unsere technischen Jndustrieen — auf die Dauer der Zeit — lebenskräftig bleiben sollen.
Tie bescheidene Zurückhaltung dieser Werke in dem geräuschvollen Zauber der Wahlen mag menschlich angenehme Seiten zeigen, — wirtschaftlich und insbesondere volkswirtschaftlich wäre es für unseren Kreis Gießen von größter Bedeutung, wenn die Handelskammer-Wahlberechtigten ihrer Pflicht gegenüber der Gesamtbevölkerung Rechnung tragen würden und den technischen Jndustrieen Sitz, Stimme und dirette Mftarbeit in der Gießener Handelskammer einräumten.
Im Gieß. Anz. schlug jemand im Eingesandt vor, die Oft- anlage nach Kaiser Wilhelm zu benennen, ebenso die Süd- anlage nach Großherzog Ernst Ludwig. Ich sage auch: Grünberger Sttaße bleibt noch lange Zeit die Grünberger Straße. Desgleichen bleiben im Volksmunde die vier „Anlagen", die vier „Schoore". Ich schlage vor, diese vier Anlagen, in Wirklich- feit ist es ja nur eine Anlage, diese ganze Sttecke „Ringstraße" zu nennen. Vom Selterstor bis Neuenwegertor „Ludwigsring", vom Neuenwegertor bis Marburgertor „Kaiser Wilhelmsring", vom Marburgertor bis Neuftädtertor „Ehattenring", vom Neu-- städtertor bis Selterstor den „Kronprinzenring".
dttin wohlauf zur ftöhlichen Taufe!
Teleionische Kursöericüte
des Giessener Anzeigers, mitgeteüt von der und Industrie, Giessen.
Frankfurter flSörse. 1. Mai. 1.15 Ubr.
3%e/o Reichsanleihe
95.651 Elektriz. Lahmeyer
3% do. . . 84.30 3>i0/e Kousols .... 95.50 3% do. . « . . 84.30 334% Hessen . . . 93.75
3%% Oberbessen . . . 94 70 4% Uesterr. Goldrente. . 99.35 4% 96 Uesterr. tSilberrente 99.80 4% Ungar. Goldrente . . 94.50 4% Italien. Rente . . . 102 55 3 96 Portugiesen Serie I . 67.50 3% Portugiesen „ III 6840 4)4% russ. Staatsaul. 1905 91.10 4^% Japan. Staatsanleihe 92.80 4 96 Gouv. Türken von 1903 94.50 Tiirkenloss 141.80 1% Griech. Monopol-Anl. 50 40 X% äussere Argentinier 86.25 «5% Mexikaner . . . 65.00
4 >s% Chinesen .... 97.35
Aktien:
Bochum Guss 227.50
Bank für Handel
. 128.20
Elektriz. Sohuckert . . 113 00
Eschweiler Bergwerk . . 232.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 199.00 Hamburg - Amerik. Paket!. 135.40 Harpener Bergwerk. . . 209.00 Lauraliütte 229.00 Nordd. Lloyd 122.10 Obeischles. Eisen-Industrie 111.00 Berliner Handelsges . . 155.50 Darmstädter Bank 132.40 Deutsche Bank . . . 228.00
Deutsch-Asiat Bank . . 171.50 Diskonto-Kom mauait . . 172 60 Dresdner Bank . . . 144J50 Kreditaktien 208.00 Baltimore- und Ohio-
EisenLann . . . 99.00
Gottnard bahn . . . . —.—
Lombard. Eisenbahn . . 22.70 Uesterr. Staats bann . . . 146.40
Prmce-Henn-Eisenbahn . 141.00
Buderus E. W . . . 120.50
Tendenz: ziemlich fest.
Berliner
Canada E. B. . - . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C.
Dresdner Bank . .
Tendenz: fest
Ifiörse, 1. Mai. Anfangskurse.
. 176.00
. 132.50
. 228.20
. 76.00
. 144.50
Harpener Bergwerk.
Laurabütte . .
Lombarden E. B.
Nordd. Lloyd . . .
Türk en kse .
209.25 . 228.80 . 22.60 . 122.00 . 141.10
Zelt deckeneSundheimerSStrapp
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