Mittwoch 1. Mai 1907
Die „Älefjeier ZamlNcndlätter- werden dem .Anzeiger^ viermal wöchenilich beigelegt, das „Krtisblati flU den Kreil Gictzen" jroeimol wüchentUch. Der „!}elft|d;e Laudwlrl" erscheint monatttch einmal.
Rotationsdruck und Verlag der vrübliche» UnwersuälS - Bnch- und Gtemdruckcret» Si. Sangt, ©lesen.
für Mainz und Umgegend, soweit diese bte Äuiyedung der Polizeistunde betrifft, nicht fta t t z u g e b e n".
Tie Sitzung wird darauf auf morgen vormittag vertagt.
Redaktion, Expeditton und Druckerri r Schrü- stratze ?. Expedition und Verlag: <a=SA# 5L Redaktion: 118. teL-Ölhu LntztlgeKLretz«.
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Ein AbrüstuugsNed,
„Vom Onkel (Sbuaib dem jungen Alfons vorgesungen"- bringt die „Jugend":
„Mer im Haag will mit beraten.
Der muß haben ein Gewehr, der muß haben ein Gewehr, Das muß er mit Pulver laden
Und mit einer Kugel schwer.
Weiter schaff' er sich oeizeilen
Linen schönen Lanzerkachn, einen schönen Panzerkahn, Daß er — (will, der Willy streiten!) -- Schießen und auch schwimmen kann!
Bübchen, merke dieses Lied, Denn ich gebe dir Kredit, Hopp, hopp, hopp
ließ er die Künstlerin telegraphisch dorthin bitten. Die junge Pariserin war etwas ängstlich, wie man ihre Arbeit beurteilen würde, da ihre Skizzen ihr nicht allzuviel halfen und da sie sich sehr an die zwei Photographien halten muhte, die der Kaiser selbst für sie aus einem ganzen Korb voll Porträte ausgesucht hatte. Tas Bild fand den vollen Beifall des Monarchen, der der jungen Künstlerin eine Brosche mit dem kaiserlichen „W" in Brillanten überreichte.
den Briganten ins Auge. Ja, Wilhelm, Du bist groß und Deine Güte zeigt ein Herz, das hart wie Stahl und doch so weich wie Kaimak*) ist. Allah möge Dich beschützen und uns mtt Dir vereinen. Dir gilt es gleich, reich oder arm; sogar dem einfachen Sulirnan Effendi, der nur ein Diener, gabst Tu die Hand. Jenes Wasser, das Tu unZ gebaut, es zeugt uns heute noch von Deiner Gnade, Deiner Großmut. Und wenn Dein Antlitz einst gen Osten ist gewandt**), dann wird man nicht allein rm Norden für Dich beten; auch bei uns, denen Du so gutes getan, wird man überall den Gebetsteppich aufrollen und für Dich beten. So soll es immer bleiben. Jschallah! (So Gott toUL)"
*) Schaum, Butter.
**) Wenn Du tot bist.
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lUchtcs Feuilleton.
— Ein Bild Kaiser Wilhelms im „Salon bes Artrstes Fran^ais". Im Großen Salon zu Paris tarnt man zum ersten mal ein deutsches Kaiserbildnis von französischer Künstlerhand ausgestellt sehen. Mademoiselle Geneviöoc Granger hat Kaiser Wilhelm nach der Natur auf einem großen Medaillon porträtieren dürfen. Das Bild des Kaisers, der die kleine Generalsuniform und die Insignien des Schwarzen Adlerordens trägt, ist vortrefflich gelungen, lieber die Sitzungen erzählte die Künstlerin, daß der Kaiser ein äußerst unruhiges „Modell" ist, das keinen Llltgenbttck stillsteht, sondern immer auf und ab schreitet, plaudert, lacht und es dem Künstler überläßt, wie er getreue Sttzzen für die spätere Ausführung machen kann. Mlle. Granger kam auf sehr eigenartige Weise dazu, den Kaiser zum „Sitzen" zu bringen. Sie befand sich zum Besuch beim Pastor von Kurzel-Urville (Lothr.); die Ankunft des Kaisers stand bevor, und man schmückte die neue Schule aus, die die Gemeinde der Munifi-enz des Herrscherpaares verdankte. Auf Bitten des Pastors leitete die junge riser Künstlerin die AussclMückung der Schule, und sie unterzog sich ihrer Aufgabe so, daß der Kaiser sich erkundigte, wer der Dekorateur gewesen und sich die junge Dame vorstellen ließ. Tie Künstlerin kann nicht genug die Liebenswürdigkeit des Kaisers und der Kaiserin rühmen; man habe sie geradezu verwöhnt mtt Freundlichkeiten. Der Kaiser habe ihr sehr gern die. Sitzungen bewilligt, während deren er sich von Paris viel erzählet: ließ. Mlle. Granger tollte im darausfolgenden Jahre dem Kaiser in Kurzel- lrville vorführen, was sie nach ihren Skizzen zustande- gebracht; da das Kaiserpaar tttoeffen in Straßburg blieb.
parlamentarisches.
Berlin, 30. April. Die Budgetkommrssiou des Reichstages erledigte in der heutigen Sitzung den Etat für Kiautschou. Bei den einmaligen Ausgaben fragt Erzberger, ob eine große Landsestung geplant sei. Staatssekretär v. Tirpitz erwidert, das liege durchaus nicht in der Absicht der Regierung. Es handle sich nur um den nötigen Schutz gegen etwaige Aufstände der Chinesen. Unter keinen Umständen werde bte Verwaltung weiter gehen, als
poltiifdK Tagesschau.
Deutsche bei poluischea GutSläufea.
In einem BetrugS-Prozeß, der soeben vor der Strafkammer inSchneidemühl gegen den p o l n isch e u Agitator und Aufkäufer deutscher Güter Martin Biedermann beendet wurde, sind skandalöse Drnge zutage gekommen. Länast wurde es beklagt, daß so viel deutscher Grundbesitz in der Ostmark in die Hände oon Polen überging. Die Polen bieten gute Preise und sind rasch entschlossene Käufer. Mit ihnen kaim die Ansiedlungs- kommission nicht Schritt halten. Aber man machte im Laufe der Zeit noch eine weitere Beobachtung: manches deutsche Gut wurde als an einen deutschen Besitzer verkauft gemeldet, und bald nachher stellte es sich heraus, daß in Wahrhett ein Pole der Käufer gewesen war. Die Seele dieser Transaktionen mit Hilfe vorgeschobener Personen, von „Strohmännern", ist Btedermann, der Höchstbesteuerte in Posen. Biedermann hat nun in der Sitzung einige Namen der von chm als Strohmann gebrauchten Deutschen genannt; diese Herrn seien zu ihm gekommen, einer sogar m Uniform, um sich für die Wolle anzubieten! ES sind gute, zum Teil bekannte adlige Namen, die sich für diesen unwürdigen Handel, den man kaum anders als einen Verrat am Deutschtum nennen kann, dem Angeklagten zur Verfügung .stellen. ,Hch wünschte nur", erklärte Biedermann bet feiner Vernehmung, „ich hätte all bie Millionen, um all den deutschen Besitz zu kaufen, der mir angeboten wird." Von Deutschen von Wang und Stand, die ihren Besitz verkaufen wollten, sei dte Bedingung des Vorschickens deutscher Persönlich keilen gemacht worden. Sehr beschämend für bie bcut- s ch e Sache, falls Biedermann wahr gesprochen hat.
Der Strafprozeß endete übrigens mtt der Frei- sprechung der Angeklagten.
Sm ganz echter Mehring.
Tie „Qeipz. Volksztg." fällt wuttchnaubertd über bat konservativen ALg. und ostpreuß. Landrat a. 2. Kreth her, der am Dienstag vor acht Tagen im Reichstag die plan* mäßige Besudelung des Andentens der Königin Luise durch die sozialdem. Presse brandmarkte:
„Ties räudige Mitglied des Kasfernkarlells behauptete, daß die Gestalt der Königin Luise von Preußen in den Schmutz gezogen wvrden seü weil die „Leipziger Volkszeitung" sie eine intrigante Person genannt habe. Der Kreth fügte hinzu: „Sie füllten sich schämen!", wofür er sofort die gebührende Züchtigung durch den Grossen Stadthagen erhielt. Würden wir den Kreth einen infamen Pasquillant-n nennen, ter dir Tribüne des Reichstags als solcher besudelt hat, so würde uns dies edle Glied des Hotlentottenblocks Dorrn Jnjurienrichter belangen, nach der heldenhaften (Sitte eben dieses HottrnwltenbloclS, und waS uns bann blühen würde, brauchen wir nach unseren Er- fahrikigen mit der Leipziger Justiz nicht erst barzulegen.
Seine Behauptung, daß wir Preußens edle Königin, die für j?ben Deutschen eine Heilige sei, aus drn Serien des Volkes reißen wollten, erledigt sich durch die einfache Tatsache, daß im Herzen des Volkes ganz andere Dinge leben, als Königin Luise, und daß, wenn die Dame, was möglich feilt kann, im Herzen des Kaffernkartells leben sollte, wir durchaus kein Bedürfnis haben, diese Anbeter von dieser Angebeteten zu, trennen. Sie gehören in der Tat zusammen. Wir würden eä deshalb auch verstehen und nichts dagegen einziuvenden hadnr, toenn das RaffernraricH eine lex Luise beschlösse, wodurch dir, Beleidigung dieser Lochseligen noch härter bestraft werden würde, als Vie Lästerung Gottes, des Sohnes und des heiligen Geistes."
Folgen längere Zitate aus Den Ergebnissen sozialdemokratischer „Geschichtsforschung", ab usum plebis frisiert. Die Art, wie bas sozialdemokratische Blatt hier seinen „Sau- herdenton" noch um einige Nuancen verstärkt hat, beweist, daß ihm die öffentliche Festnagelung recht schmerzhaft ge- wesen ist.
Kejstjche Zweite Kammer.
R. B. Darmstadt, 80. April.
Die zweite Kammer trat heute vormittag zu einer voraussichtlich nur kurzen Tagung zusammen.
Am Minislertische: Staatsminister Ewald, Finanzminister Dr. Gnauth, Minister des Innern Braun, Geh. Staatsrat Krug von Nidda, Ministerialräte Frhr. v. Biegeleben, Dr. Becker. „
Das £>au8 tritt sofort in die Tagesordnung em. Tie Vorstellung der Bürger ber Gemeinben Hofheim, Bürstabt unb Lampertheim wirb auf Antrag bes Abg. Seelinger bem zuständigen Ausschuß überwiesen. — Die Vorstellung des Winzervereins Gau-Bickelheim um Gewährung eines Darlehens aus der Großh. Lauptstaatskasse ruft eine Längere Debatte hervor.
Abg. Wolf beantragt bte Ueberweis-mg an ben Ausschuß und spricht bte Erwartung auS, baß bie Reai-rnng bas Gesuch um Stunbung bes Darlehens von 10 000 Ml. mid ber Zinsen auf 5 Jahre bewilligen werde. , m ,
Abg. Molthan führt aus, baß es sich gi-r um eine Nottage des Winzerstanbes l-andele: bie Grosch. R-gio-ung habe hier Gelegenheit, helfend einzugrciferr unb ihre Fürsorge für bie Winzer ju betätigen. ......
Miniper Braun weist auf bie Konseaumzen hm, bic eine Erfüllung bes Gesuches des Winzervereins n"ch sich ziehen würbe. Die Regierung habe auch schon verschiedene ähnliche Gesuche ab- gelehnt. Jedenfalls würde bie Sache erst eingehend im Ausschuß besprochen werden wüisen. Eine Stundung der Zinsen werde sich ermöglichen lassen. u m
Nachdem bie Abgg. Ulrich, Reinh-rt unb Wolf noch für bie Bewilligung des Gesuchs gesprochen, erklärt
Minister Braun, bie Regierung sei bereit, bie Zinsen zu stunden, bis her zuständige Ausschuß die Sache erledigt hat, wird die Vorstellung einstimmig an ben Ausschuß überwiesen.
Ten Anttog der Abg. Finger unb Gen., bte Jagb- vaffenpösse betreffend, wird gleichfalls dem Ausschuß überwiesen, ebenso die Vorstellung des Heinrich Schrick zu Bingerbrück um Aufhebung ergangener Strafbescheide, sowie ber Antrag deS Abg. Hauck, betr. Die Erbauung einer Nebenbahn von Groß-Zimmern nach Groß-Umstadt imb bic Vorstellung des Eisenb^HnkorniteeS Nichcn-Wimpfen wegen Erbauung einer normal] puriaen Eisenbahn von E p p i n - gen-Rich»n nach Wimpsen-Jagstfe lb. — Zur befini» timm Beratung kam bann bte Beratung berKreiSveterinör- unD Kreisveterinär-Assistenz-Aerste betreffend bte Neuregul'erung ihr-r Besolbungsverhaltnifse
Abg. Dr. Leidenreich beantragt als Berichterstatter namens deS Ausschusses, bie Vorstellung ber Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Es liege auch im Interesse ber Landwirtschaft, .daß die soziale Position der Petenten gehoben toerr-c.
Abg. Mo 11han bittet, dem Antrag keine Folge zu geben. Er sehe nicht ein, warum man jetzt, nachdem man alle Versuche zur Verbesserung der Besoldungsordnung abgelehnt, für eine einzelne Beamtcnkategorie eine Ausnahme schassen will. Es liege für die Regierung gar keine Veranlaffung vor, letzt für eine wettere Gleichstellung ber Petenten cinjutreten.
Abg. Wolf regt bie Frage an, ob eS nicht möglich wäre, ben KreiSveterinärärzten ihre Kompetenzen etwas zu erleichtern. Der Kreisarzt müsse oft stundenwett herbeigeholt werden, wo eS sich um Notschlachtung, Feststellung von Rotlauf rc. bandelt, während der Tierarzt oft nur wenige Schritte davon wohnt. Bei Zulassung des letzteren für diese allgemeinen Funktionen Interessenten viel Kosten erspart werden.
würde den KreiSvetcrinären eine große Menge Arbeit unb ben
Ter Untren auf Ueberweis ung „zur Berücksichtigung" wirb darauf nahezu einstimmig angenommen. — Ueber die Regierungsvorlage, betrefrenb bie Aktiengesellschaft „Mainkette" (wonach bie Regierung ermächtigt wirb, auf bie Rückerstattung ber gezahlten Garantiesummen gegen eine von ber Gesellschaft vor ber Genehmigung der beabsichtigten Fusion zu zahlende Abfindung von 30 000 Mk. zu geeigneter Zett zu verzichten) erstattet Ubg. Reinhart das Ausschußreferat. Nachdem i
rwg. Ulrich erflärt hat, daß man ja von ber Gesellschaft nicht mehr erlangen könne, man aber in Zukunft solche Abkommen nicht mehr abschließen dürfe, wird berAusschußantragein- ftimmig angenommen.
Die Regierungsvorlage, für bie Beschickung bet hes ] ischen Lande sausstellung im Jahre 1908 einen Bettag von bö 350 Mk. zu beroüligen, derart, bah bie Kosten ber von ber Regierung auszustelleiiden Innenausstattungen unb Mobiliar- beschaffungen schon jetzt zu Saften künftig noch zu bewilligender Raten bestritten werden, wurde einstimmig angenommen.
Zur Beratung gelangte dann die Regierungsvorlage, bett.
Die Wertzuwachssteuer, und in Verbindung damit die Vorstellungm ber Hausbesitzervereine aus Mainz unb Darmstadt.
Der Äusschußbcrichterstatter, Abg. Dr. Gutfleisch, hat darüber ein ausführliches schriftliches Referat erstattet unb empfiehlt bie Annahme des Gesetzentwurfes mit seinen 20 Artikeln nach ben Abänderungsvorschlägen des Ausschusses.
In dec Generaldäratte darüber betont zunächst
Abg. Ulrich, die gegenwüttige Vorlage bedeute eine Ver
schlechterung aegen den früheren Entwurf bei Regierung. Ei wolle feine Einwendungen dagegen nicht wiederholen, aber er müße un Interesse ber Gemeinben fein Bebauern herüber aus- «prechen, baß bie Vorlaae nicht in ber früheren Fassung zur Annahme gelange. Der Zweck vcs Gesetzes sollte hoch fein, ben Gemeinden eine ergiebige Einnahmequelle zu schaffen, jetzt fei bie» selbe aber erheblich abgeschwacht und man werde wohl schon in nächster Zeit zu Abänderungen schreiten müfsen, sobald man erst einige Erfahrungen damit gesammelt habe.
Minister Braun »videispricht der Behauptung, daß die neue Vorlage eine Verschlechterung Erstelle, im Gegenteil, sie sei eine Verbesserung, schon weil sie bte beste Auspcht habe, zum Gesetz erhoben zu werden. Der Minister bcleurfitct dann die einzelnen abgeäiiberten Bestimmungen bei Gesetzes.
Abg. Adelung meint, in bet erpen Kammer sei bic Wett- zuwachösteuer ats eine Vermögenskonsisi.ttion bezeichnet worben; wenn sich die Regierung jetzt den Beschlüssen der ersten Kammer anschiieße, so dürfe sie eigenllich überbau« keine (Stenern mehr annehmen.
A-bg. Ulrich erklärt, er halte die Annahme bes Gesetzes noch gar nicht für so sicher in der ersten Kammer, denn auch die jetzige Vorlage sei ja eine „VermtzgensiuniiSka^qn"; es sei gar nicht ausgeschlossen, daß bie erste Kammer b-c Regierung die Vorlage wieher vor die Füße wirst unb ba müssen wir doch erklären, daß wir da nicht mitmachen. Die Spetalation werde durch das Gesetz ganz fteiaelassen. Er müsse sehr bedauern, daß die Regierung so sehr ben Wünschen ber ersten Kammer gefolgt fei ~
• Abg. Dr. Fr enay erklärt, daß er mit fernen Freunden burdjaus aus der Grundlage stehe, auf bei bie Collage aufgebaut sei Es sei namentlich erfviderlich, baß das Spekulations- gcbiet Ni irgend einer Weise ben Gemeinden nutzbar gemacht werde, vielleicht auf ortsstatutarischem Wege. Er spreche dem Vorredner gegenüber bie Erwartung aus, baß auch bie erste Kammer bem vorliegenden GesetzenUvurs ihre Zustimmung geben
ALg. Dr. Osann erklärt, daß er daS Bestreben ber Regierung, einen von beiden (Stänbefammern zu akzeptierenden Gesetzenttvurf vvrzulegen, nur für durchaus zweckmäßig unb richtig halten kann. ES wäre, vvn Unheil, wenn sich bic Regierung auf einen einseitigen Standpunkt stellen würde; sie habe mit ihrem vermittelnden Standpunkt vollständig daS Richtige getroffen und gut bat an getan, auch bie Wünsche b*r ersten Kammer zu berücksichttgen. ES erscheine ja sehr populär, sich hier im Lause hinzustellen unb zu sagen: Was bif erste Kammer tut, geht u ns gar nichts cm! Damit könne man aber keine praktische Polttik treiben.
Abg. Ulrich wendet sich in erregter Weise gegen den Vorredner und dann gegen Die erste Kammer. Die Regierung sei zuerst mit bei zweiten Rammet übet die Vorlage einverstaden gewesen, und ba durfte sie sich nicht nachträglich ben Wünschen beS anber^n Hauses anschließen. , « ,
M>g. Dt. Gutfleisch wendet sich bann als Ausschuß- berichterflutter gegen bie einzelnen Ausführungen ber Vorrebner. Es würden sich zweifellos in der Praxis manche Fehler ergeben unb mancher LauSbe]itzer roerde durch die Maschen deS Gesetzes hindutchzuschlüpsen suchen, aber das Gesetz könne ja and) später einmal geandett werden.
Damit ist bie Generaldebatte erledigt und bie einzelnen Artikel werden bann nach ben Ausschußanträgen augenommcu. Nach her LesNnnnung deS Art. 20 tritt das Gesetz am 1. Juli 1907 in Kraft.
Eine Rückäußerung bei ersten Kämmet inbetreff der Vorstellung ter definitiv Angestellten Lebter an den höheren Bürgerschulen, KLrr die Gehalte ber seminariftstch gebildeten Lehret, bie von ber zwecken Kammer bet Regierung „zur Berücksichtigung" übergeben war, lautete auf Uebermeifung „zur Erwägung". Nachdem „
Minister Braun ine Begrifft „Berücksichtigung" unb „Erwägung" erörtert unb herauf hingewiesen batte, daß für bic Regierung bic Sache durch bie Beschlüsse beider Kammern über bie Lehrerbesoldungen erledigt sei, t m r
nahm die Kammer doch ben Eintrag des DuSichuß- betichterstatterö Mo11 han an, auf ihtem früheren Standpunkt zu beharren. Auch bezüglich ber Vorstellung her Kreisamtsgehilfen über ihre Gehalts- unb BesolbungS- verhältnisse beschloß bie Kammer Beharrung auf ihrem früheren Beschluß. — Eine längere Debatte entspann sich noch bei Beratung ber Vorstellung deS WirtevereinS für Mainz unb Umgegend, bett, bte
Aushebung deS Art. 228 deS PolizeistrafgcfetzeS.
Wg. Wolf beschwert sich über die ungleiche Handhabung über bie Feierabendstunte, und empfiehlt ihre Aufhebung, ebenso die Abgg. Adelung unb Kö hier, während bic Abgeordneten Breidenbach, Leun, Senßfelber unb Hauck für Beibehaltung sind.
Mg. Raab verlangt ebenfalls die Aushebung der mittelalterlichen Bestimmung, während .
Mg. Joutz als Bürgermeister bei der Aufhebung bet Feier- abenbftimbc gute Erfahrungen gemacht hat.
Die Kammer beschloß mit 18 gegen 16 Stimmen, „bie Großh. Regierung zu ersuchen, der Vorstellung des Wtttever^ins
— Ein türkisches Volkslied auf Kais er Wilhelm. Ueber „Entdeckungsreisen" in Konstantinopel plaudert in der „Elbinger Zta." ein Teilnehmer an dem Orientausfluge des westpreußisaM botanisch-zoologischen Vereins in unterhaltender Weift. Dabei schildert er auch den Kaiserbrunnen, den Kaiser Wilhelm vor Jahren der Stadt Konstantinopel geschenkt hat, und die große Beliebtheit, deren sich unser Kaiser bei dem türkischen Volke erfreut. Sogar ein „deutsches Kaiserlied" hat der Türke, und singt es nach einer sentimentalen, für unser Ohr monotonen Melodie. Ter türkische Text lautet in deutscher Uebersetzung: „Me- hemed Pascha stcuid in Stambul und erwartete die Eisenbahn. Seine Brust voller Orden geschmückt, zeigte, daß er einen Großen aus dem Abendlande erwartete. Und nicht mit Unrecht hatte er sein bestes Kleid angczogen. Denn ein solcher, wie der, den er erwartete, wird keiner mehr aus dem Abendlande kommet:. Schon viele abendländische Fürsten waren hier, aber keiner war ihm gleich. Er war ohne Furcht. Seiu Gesicht ttotzte gleichgültig den Scharen der Falschen, die gekommen waren, um ihn zu sehen. Hoch zu Roß satz er und schaute furchtlos
Nr. 101 Zweckes Blatt 157. Jahrgang
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General-Anzeiger für Oberhesien
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