'S. K. H. dem Großherzog eine Geldprämie verliehen worden.
•* Auf ein fünfzigjähriges Bestehen konnten am ,1. April d. I. zwei hiesige Geschäfte zurückblicken, nämlich die Firmen Wilh. Rudolph und Ernst Challier (Rudolphs Nachfolger). Wir lesen darüber in der Zeitschrift „Musik- Handel und Muükpflege^:
Die Firma Ernst Challier (Rudolph's Nach?.) in Stieben kann am 1. April d. I. auf eine 50jährige fruchtbringende Tätigkeit zu- rückblicken. Wie manches andere, gleichaltrige Unternehmen ans der Mitte des vorigen Jahrhunderts, ward auch diese Musikalicn-- handltmg von keinem Fachmann begründet, sondern es war ein intelligenter Musiker, Heinrich Rudolph, welcher schon als Mitglied- der Sladikapelle mit Instrumenten nebenbei gehandelt batte, der am 1. Avril 1857 eine Musikalien- und Jnsfriiiuentenhanblung eröffnet. Als Heinrich Rudolph im Fabre 1867 verstarb, führte seine Frau, eine tüchtige, geschäftskundige Dame, mit ihrem, damals noch minderjährigen ältesten Sohne Wilhelm, das Geschäft dis zum Jahre 1879 weiter. Am 1. Januar 1879 übernahm cs der Sohn unter der Firma Wilh. Nubolpl>»unb führte das Keschä't, das sich bereits lebhaft entiuiddt hatte, zu hoher Blüte. 2lm 1. November 1887 wurde das Geschäft geteilt, den Klavierbandel behielt Wilh. Rudolph, das Mlisikalielt- und Jnstrnmcntengcschüst (ohne Klaviere) fünfte Ernst Challier sen. aus Berlin, und wählte die noch heute gültige Firma Ernst Challter iRudolvh's Nach'.). Seit 20 Jahren ist Ernst Challier sen., der seinen Sohn Ernst Challier jun. vor einigen Jahren als Teilhaber aithmbm, Besitzer der Firma. Geachtet von seinen Mitbürgern, geschätzt von seinen Kollegen, bie ibn Kantate 1906 durch Wahl zum Ausschußnuicstiebe des Deutschen Musikalienhänbler-Vereins besonders ehrten. Durch seine lerikalischen Arbeiten hat sich Ernst Challier sen. wo demsche Musik gepflegt und gelaust wird, ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Entstanden ist sein lexikalischer Verlag, dessen Loiähriges Jubiläum Ernst Challier sen. 1906 feiern konnte, aus ganz kleinen Anfängen, so eigentlich aus Liebhaberei. Mit dem Dovpelhandbuch der Gesangs- und Klaviermusik <14 Bogen start) begonnen, dem das Verzeichnis komischer Duette und Terzette, das Spezial-Handbuch und anderes folgten, sein Haupt- m d Lebensivcrk ist aber das aus fünf Teilen bestehende „Lexikon des Liedes", das die gesamte Liederliteratur in sich vereinigt. Der erste Teil dieses Lexikons allem, der Grobe Liederkatalog das einstimmige Lied, weist mit seinen 11 Nachträgen 2043 zweispaltige Seiten au*.
** Vierzig Einjahrig-Freiwillige sind am 1. April beim hiesigen Infanterie-Regiment eingetreten.
*• Blinden-Konzert. Tic beiden blinden Virtuo'en, G. Franke (Klavicr)-Hannover und Gust. Probst (Bioline)- Braunschweig geben unter Mitwirkung der Konzert- und Oratoricnsängerin Frl. Lina Schneider (Soprau)-Berlin am 18. April er. im „Reuen Saalbau" ein Konzert. Diese Künstler besitzen Kunstscheinc für höheres Kunstinterefse und es geht ihnen ein sehr guter Ruf voraus. Tas Programm ist ein Gewähltes. — Eine Dame und ein Herr haben sich gütigst bereit erklärt, den Verkauf der Eintrittskarten mittelst Subskriptionslisten zu übernehmen. Der Reinertrag dient zur Unterstützung der blinden Künstler.
? Burkhards, 9. April. Gestern fand in einigen Distrikten der hiesigen Forstwartei eine Holzversteigerung statt, bei der folgende Durchschnittspreise erzielt wurden. Buchenscheitholz 1. Kl. 6 Mark, Buchenscheitholz 2. Kl. 5 — 5,50 Mark und Stockholz 3 — 3,60 Mark, Stamm- reiser 2 — 2,30 Mark, Astreiser 0,80 Mark für den Raummeter. Die Versteigerung war gut besucht.
•’ Oppenrod, 9. April. Unser mit Beginn des neuen Schuljahres hierher versetzter neuer Lehrer Hedderich wurde gestern von dem Vorsitzenden des Schulvorstandes Pfarrer- Barth von Großen-Buseck in sein Amt eingeführt. Innerhalb der letzten zwei Jahre ist Herr Hedderich bereits unser vierter Lehrer, da seine Vorgänger Repp, Wien und Ohl nur kurze Zeit hier tätig waren. Man hofft allgemein, daß der neue Lehrer längere Zeit hier bleiben wird, da der ständige Wechsel für die Kinder keinesweas vorteilhaft ist.
Schöffengericht Gießen.
Gießen, 9. Astral.
Wie es gemacht wird.
Im Mai 1906 las ein Landwirt in Eisberg in den Nheinlanden ür dem Duisburger Anzeiger, das; eine Reihe gutgehender Wirtschaften in Gießen zu verkaufen wären. Diese Annoncen gingen von einem hiesigen Agenten aus. Daraufhin begab sich der Landwirt nach Gießen, nachdem ein Briefwechsel vorausgegangen war, um sich die Wirtschaften anzusehen. Man einigte sich schließlich über eine Wirtschaft im Großen Steinweg hier. Der Kaufpreis sollte 58 000 Mk. betragen. Als Anzahlung wurde das Haus des Käufers in Asberg zum Preise von 1600 Mk. in Anschlag gebracht. Bei dem Verkaufe wurde dem Käufer zu- aesichert, daß in der Woche 4—5 Hektoliter Bier und ca. 100 Liter Schnaps verzapft würden. Außerdem sollte das Haus jährlich ca. 1800 Mk. Miete einbringen. Diese Zusicherungen hatten den Käufer zum Kaufe des Hauses veranlaßt. Er merkte jedoch bald, daß diese Angaben unrichtig waren. Denn er konnte in der Woche nur ca. 2 Hektoliter Vier und fast gar keinen Schnaps verzapfen. Durch Anftage bei der Brauerei stellte er nun fest, daß auch der frühere Wirt in der Woche nur 2—3 Hektoliter Bier verkauft habe. Außerdem waren ca. 1300 Mk. Hypotheken- rinsen, die auf dem Hause lasteten, verschwiegen worden. Unter diesen Umstanden rentierte die Wirtschaft zu dem Preise von 58000 Mk. nicht und der Verkauf wurde wieder rückgängig ge-> nracht. Der Angeklagte, der bestritt, sich einer strafbaren Handlung schuldig gemacht zu. haben, wurde wegen Betrugs zu einer Geldstrafe von 100 Mk. cd. 20 Tagen Gefängnis verurteilt. Cs kam in den letzten Jahren häufiger vor, daß unerfahrenen Leuten aus dem Nheinlande Wirtschaften in Gießen zu stark übertriebenen Preisen verkauft wurden.
Ein Messerheld.
Am Abend des 27. Januar d. I. kam in eine vielbesuchte Wrrt,chast auf dem Setterswog ein junger Bursche, der stark angetrunken war. Er "fing mit den anderen Gästen Streit an, schlug mit dem Stock auf die Tische und verübte einen derartigen Skandal, daß sich der Wirt veranlaßt sah, ihn gewaltsam hinauszutun. Er verbrachte ihn bis vor die Türe Der Wirtschaft; es war dabei Niemand zugegen. Als er wieder in den Wirtssaal zurüaging, ßemerite er dort, daß er einen nicht ungefährlichen otid) in die Seite erhalten hatte. Nach dem Gutachten des behandelnden Arztes ging die Wunde, die mit einem scharfen Instrument vermocht sein mußte, bis auf die Nistste. Wenn der vstia} einen Zentimeter hoher oder tiefer gegangen wäre, so wäre die Verletzung jedenfalls, eine lebensgefährliche gewesen. Da der ungetlagte a.u,- das Bestimmteste bestritt, ein Messer bei sich icljabi -und bannt gestochen zu bauen und auch lein sonstiger Zeuge oorhan^en war, wurde die Verhandlung vertagt, nm den behandelnden Arzt selbst zu hären.
Beleidigung.
. Januar d. I. hatte ein hiesiger Geschäftsmann mit
d.r Inhaberin eines Kalen - lwarcnge-chäftes geschäftlich zu tun Gr erklärte dabei, pe könne froh fein, daß fie nicht von 'den Kaufleuten Z. hier N u m e gekauft hätte. Tenn S von hier der von ihnen Nü.le geliefert erhalten hätte, habe diese ihnen wieder zur Verfügung stellen müs.en, da sie ihm von seinen Kunden zuruelgebracht icortxn j.ien. <12 Kaufleute Z., denen d.c^e Aeuße- xungen zu Ohren tarnen, <\-n?jcn darum Privatklagc wegen Beleidigung. Da der Ang. i.'.; t: mast nau fomite, daß die dem Kolonialwarenhäudler vs. gelieferten r-ie schlecht waren und auch angenommen wurde, daß iym das Gegenurtefl bekannt war, wurde er lücgeii Beleidigung zu einer Geldstrafe hon HO ML. ti). IQ Tagen Gefcurgnts verurteilL.
Tierquälerei.
In der Bahnhofstraße schlug am 19. Dezember V. I. ein Fuhrmann eines hiesigen Spediteurs ein Pferd, das den Magen nickst zu ziehen vennochte, mehrmals heftig mit der Peitsche über den Kopf, sodaß die Passanten stehen blieben. Er wurde wegen Tierquälerei zu einer Geld st rase vo n 8 M k. ev. 6 Tagen Haft verurteilt.
Berlin, 9. Avril. Wegen Betruges gegen die Orlskranken- kasse der Kaufleute, sowie schwerer llrkunden^älfchung hatte, sich aeftern der praktische Zahnarzt Tiburtius vor dem hiesigen Schwurgericht zu verantworten. Der Angeklagte hatte nach Annahme der Anklaae der Kasse zu hohe Liauidationen eingcrcicht. DaZ Gericht sprach den Beschuldigten von der Anklage des Betruges fr?i und verurteilte ihn wegen einfacher Urknnben- f a l j ch u n g zu 2 Wochen Gefängnis.
— Pfälzische Weinsälscher vor G e r i ch t. In Frankenthal verurteilte die Strafkammer den Neustadter Weinhäudler Deutsch wegen Weiinälschnua zu einem Moiiat Gefängnis, den Neuslädter Weinkomniissionä'r Krämer wegen Bei- hül'e zn 15 Taaen Gefängnis. Beide erhielten ferner eine Geldstrafe von 500 Mk. ober weitere 15 Tage Gefängnis. — In Landau verurteilte bie Strafkammer den Weinbändler Kerth von Birkweiler iveaen Weiistälsebnug zu sechs Al anal en Gefängnis und 1500 'Mark Geldstrafe, wegen Beihülfe ben Kanimaun Steinmauer von Ebenkobeii zu vier Monaten Gefängnis und 1500 Alk. Geldstrafe und den Kanfmann Sch w a rz s elf 1 l b von Kaiserslautern zn einem Monat Gefängnis unb 500 Mk. Gelbstra'e.
Neue S ch n e l l f a h r v e rs u ch e werden int nächsten Monat auf der Ctaatseisenbabustrecke B e rl 1 n - S a n g e r s h a n s e n stattsiuben mit einer Fahrgeschwindigkeit bis zu 110 km in der Stunde.
— G e p ä cks eh e in e werden vorn 1. Mai ab nach 91 uf- h,e b u n g d es F re i g e p a cks auf den v r e u ß 1 s ch - hessischen 2 1 a a t s e is e n b a h n e n cmqciührf. Es sind (Gepäckscheine, denen die Bestimmungsstation, die Wegevorschrist und ber der Ent'ernung entipyeccciibe Frachtbetrag au'gcdruckk sind. Der neue Geväcktarü enthält 15 Zonen, und zwar je nach der Entfernung von 25 Kilometer bis r.n 800 Klm. Es kosten z. B. bis zu einer Entfernung ooit 25 Klm. 25 Kstoaramm-Genäck 20 Pfg., 50 Kilogr. 40 Psg., 75 Kilogr. 60 P»g, 100 Riloor. 80 Psg., 125 Kllogr. 1 Alk., 150 Kilogr. 1.20 Mk., 175 Kilogr. 1,40 Alk. und 200 Kllogr 1,60 Alk., bei Enl- fcrnimgcn (iS 50 Klm. betragen bie Sätze .5 Psg. für 25 Kilogr., bis 2 Alk. für 200 Kilogr., bei Gntfernungeu bis 100 Klm. 50 Psg. bis 4 Mk., bei Entternunacn bis 800 Klm. 4 Mk. bis 32 Alk. lieber 800 Klm. Entfernung kosten 25 Kilogr. 5 Alk., 50 Kilogr. 10 Alk., 75 Kilogr. 15 Alk., 100 Kilogr. 20 Mk., 125 Kilogr. 25. Alk., 150 Kilogr. cO Alk., 175 Kilogr. 35 Mk. unb 200 Kilogr 40 Mk.
Lass-wirtschasS.
Landwirtschaftliches ans der Provinz Hessen- Nassau. Die gesamte staatliche Farstfläcbe der Provinz beträgt zurzeit 261 197 Hektar, wozu noch fast 400 000 Hektar nicht dem Fiskus gehörige Waldungen kommen. Mit dem Llmfong seiner Waldungen überhaupt unb seiner Ctaatsforsien int besonberen Helft die an Flächeninhalt so kleine Provinz Hessen-Nassau mit an der Spitze der preußischen Provinzen. Seit dem Jahre 1867 haben die Staatsforsten einen Zuwachs von 1000 Hektar erhalten, denen ein Abgang von 18 000 Hektar gegenübersteht, so bas; der Bestand seit jenem Jahre erheblich znrückgegangeu ist. Im letzten Jahre gab es einen Zugang von 250 Hektar unb einen Abgang von 390 Hektar. — Die letzten Frülfjalfrs-Holzversteigerungen l;aben in den verschiebenften Gegenden Knrhesfens eine abermalige Preissteigerung um 10 bis 15 v. H. ergeben. 4 Kubikmeter Bnctzenscheit- holz kosteten 30 bis 36 Alk., die gleiche Menge Bnchenkiiüppel 20 bis 26 Alk. unb 20 Kubikmeter Bnchenastreis 10 bis 14 Mk. — Das hessische Hanptgestük Beberbeck hat zurzeit einen Bestand von 5 Hauvlbeschälern, lOODhitterfhiten, 306 jungen Hengsten unb Stuten. Es erfordert einen staatlichen Zuschuß von 206 820 Mk. BergleichS- iveife sei angeführt, daß die beiben größeren Hauptgestüte Tra- kelmen und Grabitz besitzen 15 bezw. 10 Hanptbeschäler, 350 beziv. 190 Mntterstutcn, 1247 bezw. 509 junge Hengste bejiv. Stuten. Ter Zuschuß belän’t sich auf 577 40 beziv. 303 972 Alk.
** Kaniuche 11 auf der Ausstellung der Tentschen Landwirtschafts-Gesellschaft zu D ü s I e l d 0 v f. Mit der 21. Wanderausstellung der Deutschen Lanbivirtichaits-Gesellschaft, die vom 6.-11. Juni ds. Js. in Düsseldorf ftatifinbet, ist auch eine Ausstellung von Kaninchen verbunden. Der Schluß des Amnclde- terfuind ist auf den 15. April festgesetzt, so daß Interessenten um» gcljenb die Anmelbepapiere von der Hanplstelle der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft tu Berlin SW. 11, Dessauer Straße 14, einforbern müssen. Tas Preisausschreiben für Kaninchen enthält insgesamt 36 Klassen und ist in die Abteilungen Belgische Riesen, Englische Widder, Aiigorakaninchen, Silberkainnchen, Französische Widder, Russische Kauiiichen, Holländische Kaninchen, Black and tan und Blue and tan, Japaner, Verschiedene Kaninchen (englische Schecken und deiitsche), Schlacht-Zuchtianincheu unb Schlacht- kaninchen gruppiert. Die Hohe der Preise sind für Belgische Riesen 9 Alk., 6 Alk. und 4 Mk., für Englische Widder, Angorakaninchen, Silberkainnchen und Jranzösiiche Widder 8 Alk., 5 Alk. und 3 Alk. unb für die anderen Gruppen 6 9)1 f., 4 Alk. und 2 Mk. Tie Preise merben nach der Anzahl der Anmeldungen bemessen, und zwar so, baß auf je 4 Nummern in einer Klasse em Preis ausgesetzt wird. Bei weniger als 4 Nummern in einer Klasse steht ein Preis zur Verfügung. Außerdem sind van anderen Vereinigimgen Sieger-- und Ehrenpreise gestiftet.
AuersL UN- Wsfkn$d?afL
— Dem Barttonisten Feinhals, einem geborenen Kölner, ist von der Münchener Hoitheatermtendauz eine Gesamtgage von 36 000 Alk. nebst vierinonatlichem Urlaub gewährt worden, damit er in München bleibt.
NnZvertzitäLs-Nachrichten.
— Sie soziale Herkunft ber Studenten. Einen interessanten Aufsatz, in dem man erfährt, wieviel Studenten in Preußen den väterlichen Beruf ergriffen haben, wie viele von Baiern nut akademischem Beruf abstamnien unb wieweit bie Ergänzung ber Beamtenstetleii nucberum ber Beaintenwett gufällt, veröffentlicht Prof. Tr. Hans Paalzom in ber Berliner Akabem. Wochenschrift. Dem Aufsatz ist eine überaus lehrreiche Tabelle beigegeben. Der Verfasser resümiert bas Ergebnis seiner Forsch» iiugcii wie folgt: Die Stubenieuschaft ergänzt sich aus allen Kreisen der Bevölkerung, vesonbers and ben mittleren. Tie Söhne von Vätern, bie akabemische Bilbung genossen haben oi:er diesen gesellschaftlich gleichstcheri, machen noch nicht ein Viertel ber Gcsaint- zahl aus- Tie akademischen Berussarlcn erhalten fort unb fort aus nichtakademischen Kreisen eine starke Ergänzuiig unb auf diese Weise frische, unverbrauchte lllervenkraft — eine aufficigenbc L^lasseii- bewegung, die an sich gciviü ciircuhch ist, weil sie von Dem wirtschaftlichen und geistigen Fortschritt unseres Volkes Zeugnis ablegt. Aber auch bie Schattenseiten dieses sozialen Prozesses sind nicht zu verkennen. Auf faft allen Gebieten des akademischen Stubmms zeigt sich eine Ueberiüllmig, die hauptsächlich dadurch herbcigesührt wird, daß junge Leute aus deii eiiveibenbcn Stäuben sich zu den gelehrten Beriiien drängen; eine Vermehrung dcS gelehrlen Proletariats ist die Folge. Während so die mutteren Schichten von Jahr zu Jahr mehr Sohue zur Umoerfität fcincken, sind auf der anderen ^Cite^ die ben akabemischeii Bernfen 'Jlugchöiigcn häufig genötigt, ihre Söhne einer gewerblichenTaumen ,u,u!;rcn. „Dieser logialc Kicislaui ist", wie der Veriasjer nicmt, „bei uns in Preußen cm zu schneller. Tie etubiereiiben ans gebildeten Familien fmb m erster Lime berufen, die guten Trabitiouen fort.-npflänzen, eine Holge unb freie Liebe zur Wissenschaft, cm reges Bewußtsein für die pflichten beS Gelehrtensiandes. Sie fmb aber numerisch zu ichivach, um sieh die aus auderen BevÖlkerungsschichieu lommenbeii Elemente zu assimilieren, unb ein unfreies Banausentum, baä den ^bvus nur als eine Quelle des Gelderwerbs oder allenfalls aesell-
fchaftlichen Einflusses betrachtet, hat in früher ungekannlem Maß« um sich gegriffen. Diese Entwicklimg ist für bas Wohl unb bas Ansehen der gelehrten Bernie entschieden von Nachteil."
— Tie an den Universitäten von Wien, Prag, Innsbruck unb Graz bestehenben katholisch^n Stubcnten- 0 c r b t n b 11 n g c n sinb, wie von klerikaler Seite verlautbart, in ben Kartcll'verbanb der katholischen Stubentciiüerbinbimgc-.t 2 entfchlanb s aiügcnommcit ivorben ; ans diesem Anlaß findet am 22. April in Wien ein Festkommers statt, womit große klerikale Teinoiistrationen beabsichtigt werben. Es sollen alle katholischen Stubcntcnucrbinbungcn Deutschlands Vertreter entsenden.
Kandel
— Konkurse in -Hessen, lieber das Vermögen des Johann 91 d a m Ke rz / Maler- und Tünchenneister in 9?? a i n z, Alleiuinhaber bet Firma Abam Ker; da leibst, iv.urde nm 20. Alärz, nachui. 4 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Tr. Prob ft zu Mainz ivurbe zum Konkursverwalter, ernannt. Kon- knrs'ordcrimgcn sinb bis ;um 4. Mai bei dein Amtsgericht Alain; gnzlimelden. — Neber das Vermögen des Schuhmachers Johann K11 z iii Wörrstadt unb den Nachlaß seiner veijtorbcr.cn Ehe- fron Eliiabetha geb. Namb in Wörrstadt wurde am 22. März, vorm. 10 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Kaufmann Philipp Al c r g c l in Sulzheim wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkurs'orberungeii sind bis zum 15. April bei Dem Amtsgericht Wörrstadt anzumeldeü —lieber das Vermögen des Ferdinand Erkrath, Scbuhwnrenhnnbter zu M ii hlhci m am Main, ivurbe am -6 Alärz, vorm. 113/4 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt 2r. 91 i ch e l e r in Offenbach a. M. wurde zum Konkursverivaltcr ernannt. Koukursiorbernngen sind bis zum 24. April bet dem Amtsgericht Offenbach auzmnelden.
— Plut u s. Kritische Wochenschrift für Volkswirtschaft unb Finanzwesen (Herausgeber: Georg Bernharde Inhalt vom 14.Heft des vierten Jahrganges: Weltschmerzen; Kalifricde. Vom Bankier Emil Wechsler-Berlin; Trust oder Kartell? Bon G. B.; Revue der Presse; Borsenkritik; Propheten; Bankbeamte als Arbeitgeber; Rheinische Kreditbank; Christliche Wirtsvölker; Gedanken über den Geldmarkt. Von Silva; Aulworien des Herausgebers; AuS Fabrik und Werkstatt (Porzellan); Chefs und Angestellte; Neue Literatur ; (Scneraluerfninmlungen. (Abonnements einschließlich der Pli'.tns-Alerktafel, die alle Ereignisse der kommenden Woche rechtzeitig signalisiert, vierteljährlich per Post und Buchhandel Alk. 3.50. (Charlottenbnrg, Goethestr. 69.)
Erngejan-L.
Für Form und Jnhm. . . ... .r Rubrik stehenden Artikel
übernimmt die Redatt ' .. ' cum gegenüber keinerlei
Verantwortung.)
Zur Kauaksteuer.
Die letzten Beschlüsse der Stabtoerordneten Gießens haben unsere Stadt m ein wahres Kriegslager verwandelt. Hausbesitzer unb Mieter, bie bisher friedlich und aufs beste nmciimiiber auskamen, sind plötzlich zu schroffsten Gegnern geworben unb bekämpfen einander nut Erbitterung. Und doch sind beide auf cmnnber angewiesen und sollten g c in c 1 n i n m c Sache machen in der Kaual- ftcucnrage. Wir alle haben Vorteil von der Kanalisierung, Mieter wie Vermieter. Wir haben ivertvollcrc Häuser, wertvollere Wohn- itngen. Was vielen von uns mißfällt, ist nur die beabsichtigte Maßnahme ber Stadtverwaltung, gewisse Kreise ber Bevölkerung in unverhältnismäßiger Weise zu belasten zu gunsten einer kleinen Minderheit.
ES ist irgendwo, wie man hört, der Gedanke neuerdings aufgetaucht, ausgleichendere Gerechtigkeit walten zu lassen, indem man sich entschließt, die Kanalsteucr nach dem Brandverfichcrnngswcrle unb dem Flächeninhalte der (Sruiibftücfc zu bemessen unb Die Bewohner der Häuser auf biesen Grunbstückeu nach dein 9) li et werte zu besteuern. Tadiirch würben z. B. die Inhaber von Mietwohnungen in Häusern mit Gärten vesonbers schwer betroffen werben, gleichgültig, ob ber Mietkontrakt sic von Der Benutzung Der Gärten a u S s ch 1 i e s; t oder nicht 1 Das wäre wiederum durchaiis verkehrt und müßte zu neuer Erregung führen. Es wäre eine sozialpolitisch wie h yg ionisch verwerfliche Maßnahme »md würbe z. B. dazu führen, das; bie durch Vorgärten verzierten Straßen von Alietcm fortan uflht mehr wie bisher bevorzugt würben. Jeden mit Glücksgütern nicht sonderlich Bedachteir würde die Kanalsteuer davon abhatten, eine solche Wohnung zu juchen, bie schon heute teuerer ist als eine Wohiiuug ohne Vorgarten. tiärten aber verschönern nicht nur jedes Stäbtebilb, sondern sind hygienisch für jede Stadt von größter Wichtigkeit, und febc Siablverwaltling jollle darauf bedacht fein, jedermann die Freude an einem Miet-Gartchen oder auch nur an einem Stncklein davon nach Straften zu erleichtern 1
Tic einzige gerechte Besteuerung ist die nach der Einkorn m c n st e u e r. Es sollte em bestimmter Zuschlag zur Einkommensteuer für die Deckung ber KanalisierungSuukosteii erhoben werden. Tie starken Schultern sollten in erster Linie mit den Lasten belegt werden, bie sich notwendig machen für Maßnahmen zu Gunsten der Allgemeinheit, zu Gunsten der ganzen Stadt!
Tie Hauptiuteresseuteii an ber Kanalisation aber sind unb bleiben doch bic wohlhtuicvtcn Besitzer größer und vornehmer Häuser, bie sich der Vorteile der Kanalisation am meisten erfreuen, während die kleinen Leute sie vielfach für überflüssig halten unb nur als eine unbequeme pekuniäre Belastung empfinden. 2er begüterte Teil ber einheimischen Bürgerschaft also ist vor allen anderen berufen, die Kosten zu tragen. Am wenigsten ober das nach den Beschlüssen ber Stadtverordneten im Verhältnis am meisten belnftete Staats- unb Privatbeamtentum, bas hier doch nur vorübergehend zu Gaste ist unb nur vorübergehenb bie Vorteste ber Kanalisation zu geiiießen in ber Lage ist.
Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank fUr Handel und Industrie. Giessen.
Frankfurter Börse. 10. April. 1.15 Uhr.
Reichsanleiho
4% Öestcrr. Goldreutti. .
3% Portugiesen Serie I .
3% Portugiesen
III
161.00
26 80
143.20
136.30
3% 3^°;' 3% Wlt 3 >6°/,
■6 Oesterr. Silberrente Ungar. Goldreute . . Italien. Bente . . .
do. Konsols do. Hessen überliessen
4* '5 ?, 4üä
4 ?6 :
Elektriz. Lahineyer . < . Elektriz. Schlickert . . . Esch weil er Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paket!. Barpener Bergwerk. . . Laurahutte >ordd. Lloyd Obeischles. Eisen-Industrie Berliner Handclsges . .
Darmstädter Bank Deutsche Bank . . .
Deutsch-Asiat. Bank . .
Diskonto-Kominandit. . .
Dresdner Bank . . . Kreditaktieu Baltimore- und Ohio-
Eisenlahn .
Gotthard bahn . . . .
Lombard. Eisenbahn . * Oesterr. StaatsDahn , . . Priucc-Henri-Eiseubahn .
96.55
85.30 96.65 85.30 95.00
9510
99.75
99.80
94.70
4%°l0 rnss.StaatsanJ. 190o 4/i “ n japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1 uuü Türkenlose 1% Griech. 3Ionopol-Anl. 4% äussere Argentinier . 3% Mexikaner . . .
4>uü/0 Chinesen . . . .
Aktien:
Bochum Guss Buderus E. W . . .
Tendenz: fest.
220.20
121.00
67.40
68.10
9120
93.75
93.90
140.00
50 00 86-20 6550
98.00
129.00
113.85
231.00
199.30
138.30
208.50
224.50
127.80
110.50
158.50
133.00
230.00
170.00
172.90
146.00
208.30
Üieriiner Börse, 10. April.
Canada E. B 176.20 Darmstädter Bank . . . 132.70 Devtsche Bank .... 230.00 Dortmunder-Union C. . . 75.10 Dresdner Bank . . . 145.50
Tendeiu. fest.
Anfangskurse.
Harpener Bergwerk. . . 208.50
Laurabiitte .... 223.60
Lombarden E. B. ... —
Nordd. Lloyd 127.60
Türkenlose . ... —
sS7Zeltdeckene Snndheimer&StrQpp


