Ausgabe 
11.1.1907 Zweites Blatt
 
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wählen liegen bisher nur Einzelresultate vor, welche auf daS Gesamtresultat keinen Schluß gestatten. Soweit als jetzt ersichtlich ist, hat sich die Volkspartei fast überall gut be­hauptet. Die Sozialdemokratie hat in Ulin und Tübingen etwas nachgelassen, dagegen in Heilbronn sich auf gleicher Höhe behauptet. Das Zentrum hat seine Stimmeilzahl in den voriviegend katholischen Bezirken durch die starke Agitation noch erheblich gesteigert. Die Deutsche Partei ist im allgemeinen zurückgegangen, dagegen scheint der Bauernbund auf ihre Kosten ge- wonnen zu haben.

Tübingen, 10.Jan. Der akademische Senat hat den Prof. v. Rümelin zum Vertreter der Universität in die Erste Kammer gewählt.

Leipzig, 10. Jan. Der ärztliche Bezirksoerein be- schloß, in,Hinblick auf die jetzige Lebensmittelteuerung, seine Mitglieder aufzufordern, die Aerzteh on o rare 311 erhöhen, mit rückwirkender Kraft auch für 1906.

rLoLonialpoft.

Professor Kl a cr tj ch aus Heidelberg hielt aus dem wissen­schaftlichen bt 0 n g r e b A ustraliens zu Adelaide einen Vortrag über seine ethnologischen Untersuchungen unter den S ch iv a rz e n im n 0 r d w estl r chenAu st ra l i e n. Er bestätigte Dr. Roths früheren Bericht übet die Mißhandlung der Eingeborenen und sagte, die Beziehungen zwischen den Weiße,! und den Schwarzen seien nur mit dem schrecklichen Zustand der Dinge in Tasmanien zwischen 1820 und 1830 vergleichbar, der mit der Ausrottung der dortigeil Schivarzen endete. Er >var Zeuge, wie Gesangene in Wyndham ankamen, die 300 bis 400 Meilen mit Ketten nm den Hals reisten.

Aus tuio suiiw,

s Sprechstunden .........1 .. . öoLrn... 1/$8 Uhr abds.

Gießen, den 11. Januar 1907.

** Landes-Universität. S. K. H. der Groß­herzog haben den außerordentlichen Professor an der Uni­versität Leipzig Dr. Otto Jmmisch ziim ordentlichen Pro­fessor in der philosophischen Fakultät der Landes-Universität mit Wirkung vom 1. April 1907 ernannt.

*' Auszeichnungen. S. K. H. der Groß Herzog haben dem Landgerichtsdirektor bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen Dr. Karl Bocken he im er aus Anlaß seines am 10. d§. Mts. stattsindenden 50 jährigen Dienst­jubiläums das Komtutkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen und dein Lehrer an den Ateliers für angewandte Kunst Albin Müller zu Darm­stadt den Charakter alsProfessor" erteilt.

** Personalien. S. .l. H. ber Großhcrzog haben den Kreisarzt des Krelsgesundheitsamtcs Dieburg Mcdizinal- rat Dr. Hermann Tannenberger auf sein Rachsnchen unter Anerkennung seiner langjährigen, treuen nnc erspricß- lichen Dienste in den Ruhestand zu versetzen und ihin die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Uebertragen wurde dem Schul­amtsaspiranten Usinger aus Mittel-Gründau die Lehrer­stelle an der Gemeindcschule zu Elbenrod.

** Eine Sitzung des Provinzialausschusses findet am Mittwoch, 16. d. M., vorm. 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Wirtschaftsbetrieb des Adolf Nuppel zu Schwalheim ; hier Antrag auf Konzes sionsentzieh- ung. 2. Klage des Th. Beck Hard und Genossen zu Frankfurt am Main gegen die israelitische Religionsgemeinde Vad-Nauheim. 3. Wasserversorgung der Gemeinde Nieder-Breidenbach.

** I n der P r i v a t b e l e i d i g n n g s s a ch c des Rechts­anwalts Grünewald gegen den Notar Ernst Metz-Nidda hat die Strafkammer Verhandlungstermin auf Montag, 2 8. Jan., angesetzt und hierzu einen ganzen Tag in Aussicht genommen. Interessant dürfte sein, daß über den Schreiber der Briefe und Gedichte an die Gattin des Ingenieurs Gutmann, die in der Verhandlung vor den Schöffen eine Rolle spielten, jetzt ebenfalls Klarheit geschaffen ist. Ter Graphologe Grabow-Berlin hatte in einem Privatgutachten, das er für dcrrn Gutmann gefertigt hatte, Derrn Grünewald als den Schreiber der Liebesbriefe re. bezeichnet. ES hat sich herausgestellt, daß die Schriftstücke von einer Dame herrühren, die dies auch zngestanden hat. Heber die Gutachtertätigkeit des Schulrats Grabow im Prozeß Grüne­wald-Metz ist von hier aus bereits dem Verteidiger der Frau Kracht in Lemgo, Justtzrat Brand in Herford, Mitteilung gen'.achl worden. Wenn es wahr ist, was Grabow hier vor Gericht be­hauptet hat, daß auf sein Gutachten hin Frau Kracht verurteilt wurde, ist wohl ein neues Verfahren zu erwarten.

** In d er Strafsache gegen die Vorstandsmitglieder der Gießener Sterbekasse, in der das Schöffengericht auf Freisprechung erkannte, ist von der Staatsbehörde Berufung verfolgt worden. Die Straslammer hat in der sozialpolitisch höchst wichtigen An­gelegenheit Termin zur Hauptverhandlung auf den 2 0. I a n u a r aügesetzt.

** Militärische Gedenkfeier. Auch in diesem Jahre läßt das R e g i m e n t K a i s e r W i l h e l m Nr. 116 am 14. Jan., dem Tag von Briare, die Kriegergräber auf dem alten Friedhof schmücken. Den Rekruten werden die Gräber unter Hinweis auf die Taten ihrer Väter gezeigt. Ein Teil der Offi­ziere des Regiments aus dem Feldzüge 1870/71 ist am Samstag, dem 12. d. Mts., mit dem Offizierkorös zu einer einfachen Gedenk­feier vereint.

** V c i vielen Militärpflichtigen besteht die An­sicht, daß sie sich nach ihrer Aushebung noch bei einem Regiment freiwillig melden können. Dies ist eine irrtüm­liche Ansicht. Nachdem der Betreffende ausgehoben ist, wird die Erteilung eines Mcldesa>eins in den seltensten Fällen genehmigt. Es sei deshalb darauf aufmerksam gemacht, daß junge Leute, die ihrer Dienstpflicht als Freiwillige zu genügen beabsichtigen, sich bis 31. März unter Vorlage ein.3 Führungszeugnisses der Orts­polizei und der Einwilligungserklärung des Vaters (oder Vor­mundes) bei dem zuständigen Kreisamt einen Meldescl^ein erwirken müssen. Mit diesem Meldesck-ein versehen, haben sie sich bei dem Truppenteil, bei dem sie eintreten wollen, zur ärztlichen Unter­suchung zu melden.

~ ie kürzesten Tage sind nun vorüber. Die Zeit, in der uns dec Sonne Licht am kärglichsten zugemessen wurde, liegt ivieuer hinter uns, und von Tag zu Tag steigt nunmehr unser Zentralgestirn höher am Himmel empor und verweilt immer länger über unserem Horizonte. Arn Neujahrstage erfolgte der Sonnen­aufgang gegen 811 Uhr, der Sonnenuntergang kurz vor 4 Uhr. Am 31. Januar gehr das Tagesgestirn schon um 7;!/4 Uhr auf und erst gegen 4ft Uhr unter; wir haben dann bereits neun Stunden Tag. Das Zunehmen der Tageszeit beginnt im Januar beiderseitig. Haben wir dazu mildes Wetter, wie in den letzten Tagen, das eher an den Frühling, ivie an die strenge Winterkälte gemahnt, dann ist das Menschenherz gleich voller Hoffnungen auf bu- kommende Frühlingszeit. Rauhe, trübe Witterung Anfang Januar läßt dagegen die Zunahme des Tagestickstes kaum bemerken, weil

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MrchLiche Nachrichten.

Evangelische Genicindc.

Sonntag nach Epiphanias, den 13. Januar. Hottccdienst.

In der Stadtkirche.

Vorntittags 972 Uhr: Proiessor D. D r ew s.

Vormittags 11 Uhr: Kmderkirche kür die Alatthänsgemeinde.

Pfarrer Krau s.

In der Iohanncskirche.

Vormittags 91/, Uhr: Pfarrafsisleut Steiner.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannes- gemeinde. Psarrassislent Steiner.

Abends 5 Uhr: Piarrer Kraus.

Freitag, den 18. Januar, nachmittags 4 Uhr, im Lukassaal: Missionskranz der Lukasgememde.

Ter Anhang geistlicher Volkslieder zum Gesangbuch ist er­schienen und kann vorerst bei den Kirchendienern zu 20 und 25 Pfg. bezogen werden. Bei den Buchbindern sind außerdein auch im«, gebundene Exemplare, aber ohne Noten, zum Emtegen m d« Gesangbuch zu haben.

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LSiriverSStäts-rLachrichten.

Der neue preußische Kultusetat «ordert für die Universttät Marburg Errichtung eines Ersatz-Ordinariats je in der Medi­zinischen und Philosophischen Fakultät.

Professor en schäft und A n t i - D u e 1 l ° 2 i g a. Unlängst versandten die Professoren v. Ainira-Atünchen, Backhäusern Hannover, v. Becbmann und Brentano-Aiüncheu, Lavand-Straßburg, Lipps-Aiünchen, Osthoff - Heidelberg und Schaefer - Darmstadt ein Rundschreiben au ihre Kollegen auf allen deutschen Universitäten und Hochschulen, worin sie diese unter Hinweis au' die Antinomie des Duells in unserem Gesettschafts- und Rechtsleben, zur Ctelluiig- nähme im Sinne der Anli-TueU-Liga aufforderten und betonten, daß die Liga ausschließlich der Privilegierung des Zweikamp'eS in Oitte und Recht entgegenarbeitet. Em Verzeichnis der der Liga bereits angehörenden Proiessoren enthalt die Otameu von 78 deutschen Hochschullehrern. Im Prinzip haben die neuen Ehrengerichtsver- orduungen für die Offiziere des deutschen Heeres und ihre praktische Durchführung den Weg zu solchem Vorgehen geebnet.

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Anerft uiiO

lieber d i e Sprache der Poesie sprach Geh. Hofrat Prof. Dr. Behaghel aus Gießen im Allgemeinen deutschen Sprachverein zu Berlin. Er führte aus: Bei Betrachtung des Themas müsse man sich nicht fragen, iu i e die Sprache des Dichters beschaffen sei, sondern warum 11c so und so, anders wie die der Prosa rede. Das Forscheii über dichterisches Schaffell habe fest- gcfledt, daß dichterische Produkte stets in einem mehr oder minder starken Zustand der Erregung erzeugt werden, wobei die Ucber- legimg zum Glätten und Feilen der äußeren Form mit beitrage, aber vorher nie beeinflussend aus die Entwicklung des poetischen Werkes mitgewirkt habe. Tie Sprache des Dichters trägt den Stempel der Leidenscha't und verineidet das Nüchterne, Pedantische und abstrakt Belehrende der Prosa. Bei der Dichtung thront im Gegensatz zur Prosa die Losung: Beiordmuig undnicht Unter­ordnung der einzelnen Ausdrücke, Worte und Silben. Tie Erschei- nnng der Wiederholung beherrscht besonders die Sprache des Dichters, iiameiitlich die Poesie unkultivierter Völker. Vor allem spielt bei Dichtungen die Empfindung des Sprechers eine große Rolle. Tas ganze Dichten ist eure lebendige Verkörperung des Geschauten, und unbewußt greift der Poet nach Ausdrücken hoher Spannung. Bei allen dichter ischen Erzeugnissen wird man auch finden, daß sie mehr nn Vanne des Rhytvmu2 wie ui dem der Rennuigung stehen.

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Ter PostdampserFinland" derRed Star Linie", in Antwerpen, ist laut Telegramm am 9. Januar wohlbehalten in New-Pork angekommen.

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Ach, liebe Krau Müller, nun raten Sie mir! Mein Mann ist ärgerlich, daß ich meinen -Husten gar nicht los werde und ine recht wohl bin. ^di soll J-aps ächte Sodener Akineral-Pastillen nehmen, und ich weih nicht, wie dre und und wie sie schmecteu. Und helfen sie denn auck wirtlich? Wirtlich, ö-rau Meyer, Fays achte Sodener Hellen: ne schinecten augenehni, wirken promot, man kann sie bequem und überall anwenden und sie ueröerben nicht wie all das Zuckerzeug den Magen. Ihr Mann hat ganz recht: ^ie niusscnFays achte Sodener" nehmen. Die Schachtel tostet nur 85 Pfg. und ist in jeder Apotheke, Drogew und Attneralwasserhaiidlutig ertzäulich. hv*

vermischtes.

'Von seiner Ehefrau ermordet. Aus Prag rnirb berichtet: In einem Hause der Vorstadt Weinberge wurde der 70 Jahre alte Buchhalter Wilhelm Schulz, welcher dort mit seiner 60 Jahre alten, zeitweise nicht ganz normalen Gattin Marie wohnte, in seinem Bette tot atlfgefunden. Ta die Leiche Zeichen eines gewaltsamen Todes zeigte und Hallt­abschürfungen, sowie Blutlinterlausungen am Halse bemerkt wurden, ordnete der städtische Arzt die Ueberführung in das pathologische Jnsiitut an. Bei der Obduktion wlirde fest- gestellt, daß der Tod dlirch Erstickung erfolgt ist. Den Mord hat zlveifellos die Gattin des Schulz in einem Anfalle von Wahnsinn verübt; sie wurde in die Landesirrenanstalt über- geführt.

' Das Observatorium des Aetna teilt mit, daß das Wied er er wachen der vll lkailisch en Tätig­keit de§ 2(etna zu bemerken sei. Vor Ende des vergangelien Jahres habe man bemerkenSiverte Ausbrüche, dichten Ranch lind Aschenregen wahrgenoilimeii. Der Herd dieser Erschei­nungen ivar der Mittclkrater. In den ersten Tagen des Jahres 1907 sah man bei Abend von den am Fliß des Aetna gelegenen Gegenden au5, daß der Rauch des Aetna durch rötliche Lichter gefärbt war, die entweder auf die Ver­mehrung der glühenden Stoffe oder auf die Alisbrüche im Innern des Kraters zurückzliführen sind. Ta die Beamten des Observatoriums wegen der Schneeverhältnisse nicht an den Krater gelangen konnten, ist cs augenblicklich nicht möglich, weitere Einzelheiten über die Naturerscheinung zu erhalten.

* Kleine T a g e s ch r 0 n i l In P i 112 b u r gplatzte infolge em er Explosion in den Slahliveiken von John Laughlin ein efbmcljo'cu. Von 35 an dem C'en arbeitenden Leuten wurden drei getötet und sieben schwer verletzt; von dein Verbleib der anderen Leute ist nichts bekannt. Alan befürchtet, daß sie m den ausfließenden Massen des gejchmolzenen Metalls verbrannt wor­den sind.

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trübes Wetter mehr verkürzt, als der Minuten-Unterschied in der Zunahme der Tageszeiten beträgt.

Butzbach, 10. Jan. Der Heizer Anton Lemp aus Langenhain, der am Städtischen Elektrizitätswerk beschäftigt ist und ab und 511 auch Montagearbeiter! daselbst verrichtet, war gegen Abend damit beschäftigt, in der Nähe des Ostbahnhofes an einem Holzmast ein Leitungskabel zu befestigen, als der Mast am Erd­boden plötzlich glatt a b b r a ch, den Lemp aus einer Höhe von etwa 8 Metern mit sich herabreißend. Lemp erlitt am ganzen Körper starke Quetschungen und besonders an Kopf und Arm schwere Verletzungen.

O Bad-Nauheim, 10. Jan. Die Gesamtfrequenz des Bades im Jahre 1906 betrug 2 7 9 1 1 Kurgäste, wovon 19 238 Deutsche und 8673 Ausländer waren. Von den letzten entfallen auf Afrika 77, Amerika 1138, Asien 32, Australien 10, Belgien 219, Bulgarien 2, Dänemark 73, Frankreich 175, Griechen­land 8, Großbritannien 1048, Holland 448, Italien 66, Luxem­burg 20, Norwegen 48, Oesterreich-Ungarn 1046, Portugal 9, Rumänien 72, Rußland 3778, Sckstveden 170, Schweiz 194, Ser­bien 5, Spanien 31, Türkei 2. Bäder wurden insgesamt 403 433 abgegeben und zwar wurden gefertigt: 366 785 in den staatlichen Badehäusern, 22 964 im Badehause des Konitzkystifts und 13 684 im Elisabethhaus.

Darmstadt, 9. Jan. Hier starb nach kurzem Kranken­lager im Alter von 65 Jahren der frühere Frankfurter Rechts­anwalt Justizrat Dr. Friedrich Otto Ponfick. Er war viele Jahre Vorsitzender des Frankfurter Gefängnisvereins. Vor einigen Jahren hatte er seinen Wohnsitz hierher verlegt.__

Telefonische Kursberichte

Giessener Anzeigers, mitgete-lt von der Bank fllr und Industrie. Giessen.

Frankfurter Börse. 10. Januar. 1.15 Uhr.

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der Angeklagte in leidenschaftlichster Weise von dem Verhältnis zu dem Mädchen allerlei Mitteilungen machte. Der Vater geriet in heftigen Zorn: er riß einen Revolver von der Wand und drohce damit das Mädchen niederzuschießen, roenn es ihm nicht den Namen des Verführers nenne. Das Mädchen weigerte sich, den Namen des Angeklagten zu nennen; erst bei der Untersuchung durch einen Arzt gestand das Mädchen diesem den Namen ein. Vor Gericht bestritt der Angeklagte, sich an dem Mädchen ver­gangen zu haben, die Beweisaufnahme fiel aber zu )einen Un. gunften aus. Dtzr Gerichtshof verirrteilte ihn zu drei Monaten Gefängnis.

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Märkte.

th. Gießen, 10. Jan. In dieser Woche belief sich der Auftrieb auf unserem Viehmurkt auf ca. 950 Stück Groß­vieh etwa 180 Stück Kälber und 400 Schweine. Schon der Vormarkt zeigte starke Nachfrage nach guter Milchware, die sich am Marktlage selbst noch derartig uerfterfte, daß infolgedessen Milchkühe nur zu sehr hohen Preisen zu haben waren. Das Geschäft in fetten Rindern und fetten frühen war von der mangelnden Kauflust ungünstig beeinflußt. Trotzdem hielt sich der Preis noch ziemlich hoch, wenn auch die anfänglich geforderten Preise nicht erzwlt werden konnten. Man horte allgemein die Klage, daß auf dem Lande bte Produzenten von Fettoieh im Verkauf sehr zun'ickhalttn und lieber die Tiere stehen lassen, wenn ihneit die geforderten hohen Preise nicht gezahlt werden. Das Geschäft in Kalbern war üoeraus flott unl> leohaft, weil Frankfurter und Wiesbadener Aufkäufer großen Bedarf hatten und jeden nur annehmbaren Preis anlegten. Der Schweine­markt, bei dem Vieh aus Preußen immer iwch ausgeschlossen ist, leidet unter dem Mangel an Konkurrenz. Unser früher bedeutender Schweinemarkt sinkt immer mehr zum unbedeutenden Provinzmarlt hcrab, dem die Käufer mehr und mehr fernbleiben, weil sie nicht mehr finden, was sie suchen, und es nickst zu einer gesunden Preisbildung kommen kann. Es wurden ver­kauft: Milchkühe pro Stück 1. Qualität 475550 Mk., 2. Qual 400460 Mk., 3. Qual. 325380 Mk. Gehandelt wurde pw Zentner Schlachtgewicht: fette Rinder 1. Qual. 7578 Mk., 2. Qual. 7374 Mk., fette Kühe 1. Qual. 7173 Mk., 2. Qual. 6970 Mk. Kälber 1. Qual. 7278 Mk., 2. Qual. 6569 Mk., 3. Qual. 5864 Mk. Die Preise für Ferkel und Springer konnten als Norm nicht in Betracht kommen. Nächster Aiarkt am 2 2. und 2 3. Januar d. I. Es findet fein Krämer- martt statt.

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Hessen . .

Oberhessen .

Katholische Gemeinde.

Samstag, den 12. Januar 1907:

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 llhr: Gelegenheit' zur heil. Beichte.

Sonntag, den 13. Januar 1 907:

1. Sonntag nach Epiphaniei Vormittags von 6/2 Uhr an: Gelegenbeit zur heil. Beichte.

v ' um 7 Uhr: Tie erste heil. Aiesse, vor und in dei selben- Austeilung der heil. Kommunion.

, um 8 Uhr: Tie zweite heilige Aiesse.

um 91/? Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachinittaas um 5'\ llhr : Ghnücnlebre : daraus Andacht

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Abends 5 Uhr: Siehe Johanneskirche.

Abends 8 Uhr im Matthänsiaal: Vereinigung der konsir- mierten männlichen Jugend der Alattbausgememde.

Dienstag, den 15. Januar, nachmittags 4 Uhr, im Matthäus- saal: Frauenmissionsverein.

Donnerstag, den 17. Januar, abends 8 Uhr, im Matthäus- saal, Bibelstunde. (Offenb. Johs. 5i. 12, 13.)

Pfarrer D. Schlosser.

Gcrectztssacsi.

Eine romantische Liebesgeschichte zwischen einein sehr ungleichen Liebespärchen fand vor dem Berliner Straf­richter ihren Abschluß. Vor der siebenten SuaUammer des Land­gerichts I mußte sich der Eisenbahnbureaiigehülse Emil Lemm unter einer sehr heillcu Anklage verantworten, die einen Llusschluß der OeffenNichkeil erforderlich machte. Die Ehefrau des Angeklagten betreibt seil längerer Zeil eine Schneiderstnbe. um einen Zuschuß zu dem Einkommen ihres Ehemannes zil haben. Vor etwa einem Jahre brachte der Kriminalschutzniann SL icme damals 14 jährige Loch ter, die eben erst aus der Schule entlassen lvordeii mar, zu der iyrau L., bei der sie die Schneideret erlernen sollte. Ter Aii- gcklagte beschäsligte sich von Aniang an nut dem für fein 9llicr stark enllvictelleu 'Mädchen mehr, als es nölig war. Mil der Zeit eiilstand zlvlscheil dem 38 jährigen Manne und dem 14 jährigen 'Mädchen em Liebesverhälliirs. Ter voll einem förmlichen Taumel ergriffene Mann überschüttete das Kind mit einer Anzahl Liebes- brieien, m denen er die körperlichen Vorzüge und Eigenschailen des Plädcheus in einer fast vergötternden Weise schilderte und es anflehte, ihm ihre Liebe zu schenken. Diese Liebesgeschichte setzte sich hinter dem Rücken der Ehefrau L. fast ein Jahr fort. Ernes Tages sah der Vater des Mädchens aus dessen Kleid einen Bries hervorragen. Es war einer der Lteöesbriese, in denen

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