Ausgabe 
10.5.1907 Erstes Blatt
 
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Mark.

Handel'

des

. . 121.20

Obcrschles. Eisen-Industrie 113.60

3?6 Portugiesen Serie I .

3%

. . 142.00

Tiirkenlose . -

. 97.10

Prince-Henri-Eisenbahn . 140.00

231.00

81.20

. 142.00

Blasse Lippen

4% Öesterr. Goldrente. . 41/, % Öesterr. Silberrente

129.20

114.00

233.75

213.00

134.25

209.60

230.30

23.00

146.60

209.50

. 231.00

Ungar. Goldrente Italien. Rente .

Laurahütte . . .

Nordd. Lloyd .

Berliner Handelsges Darmstädter Bank Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio-

Eisenbahn . Gotthard bahn . . Lombard. Eisenbahn Öesterr. Staatsbahn .

Harpener Bergwerk. Laurahütte - - Lombarden E. B.

Nordd. Lloyd . . .

Türkenlose .

95.70

84.35

95.60

84.20

93.75

4%

4?ä

Reichsanleihe do.

Konsols do.

Hessen Oberhessen

Elektriz. Lahmeyer . . . Elektriz. Schnckert . . . Esehweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paket!. Harpener Bergwerk. . .

4% Griech. Monopol-Anl.

4% äussere Argentinier

3% Mexikaner

4%°/0 Chinesen . . .

er als derjenige wiedererkannt, der öfters bei "der Ermordeten Besuche gemacht Hat und auch zu der kritischen Zeit in ihrer Wohnung gewesen ist. Wegen eines Sittlichkeitsverbrechens ist Naumann bereits vor drei Jahren vorbestraft. Nach anfänglichem Leugnen hat Naumann denn auch gestanden, daß er die Frau Roßberg mit einem Bindfaden erwürgt habe. Er habe aber nicht die Absicht gehabt, sie zu töten: bei dem Anblicke des Geldes, das Frau Roßberg ihm gezeigt habe, sei er erst auf >en Gedanken gekommen, die Summe sich anzueignen und die Frau unschädlich zu machen. Naumann bat seinen Angehörigen viel Kummer bereitet. Doch war er in seinem Handwerk sehr tüchtig, er leitete selbständig eine Schuhmachersiliale und Der*

. 157.90 133.65

. 229.30

. 171.50

. 173.20

. 144.75

. 208.60

igerichtet Eingabe, welche die Erschließung des Lemp- ItabeÄ tmb des weiter nördlichen Teiles des Kreises Wetzlar MM Gegenstände nimmt. Das Schriftstück hat eine große Zahl von Unterschriften erhalten. Handelt es sich hierbei doch nicht um Befriedigung de§ Verkehrsbedürfnisses, sondern mehr noch um eine Melioration diese? Gebietes. Dem Minister ist bereits eine Denkschrift von der Kreisver- waltrmg zugegangen, in der allgemein für Aufschluß deS abgelegenen, gebirgigen Nordteiles deS Kreises Wetzlar ein» getreten wird. Mit der jüngsten Bittschrift wird nun eine bestimmte Linie ins Auge gefaßt; nämlich die Erbauung einer Nebenbahn von Ehringshausen (Dill) aus durch unser Lemptal nach Gladenbach. Unserer Landwirtschaft und Viehzucht würde dadurch die Möglichkeit gegeben, ihre Erträge zu steigern und besser zu verwerten. Für die Nutzbarmachung der großen Waldungen und die Hebung vorhandener Bodenschätze (Eisen- und Kupfererze, Kramen- zelkalke, Phosphorit, Quarz, Kiesel, Jaßpis, Zinnober rc.) durch den Bergwerkbetrieb sind hier hinreichende Unterlagen geschaffen. Die Industrie wird sich beleben imb für viele Einwohner neue Erwerbsquellen abgeben. Wir hoffen zu­versichtlich, daß der preußische Staat, der bis heute noch keine Eisenbahn im Kreise Wetzlar gebaut hat die vor­handene Lahn- und Dillbahn sind von anderer Seite gebaut unferm berechtigten Wunsche bald willfahrt, zumal der Kostenpunkt einer Bahn durchs Lemptal bei dem überaus günstigen Gelände sich nicht hoch stellen kann.

|| Bechlingen, 10. Mai. Unser Ort zählt zu den abgelegensten des Kreises Wetzlar: nicht eine Telegraphen- leitung führt hindurch. Dies empfinden wir besonders unlieb beim Rufen deS ArzteS in Ehringshausen und dürfen wir daher auch wohl annehmen, daß die Oberpostdircttion Frankfurt, an welche sich dieser Tage liefere Gemeinde und Breitenbach mit der Bitte um Bau einer Telegraphen­leitung von KSlschhausen auS abzweigend nach hier, gewendet hat, unserem Wunsche entsprechen wird.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbar st aaten. Der Kriegerverein iu Saasen feiert am 16. Juni seine Fahnenweihe. DaS Bezirksfest des Kriegervereins­bezirks in Grünberg findet am 7. Juli in Atzenhain statt. Der Kriegerverein Eudorf feiert am 14. und 15. Juli seine Fahnenweihe. In Bad-Salzhausen tritt vom 13. Mm bis 30. September wieder eine Postagentur in Wirksamkeit. In Rendel wird eine Wasserleitung angelegt. Am 1. Juni wird zwischen Friedberg und Ockstadt Kraft­wagenverbindung eingerichtet. Das zu entrichtende Fahr­geld beträgt bei Benutzung innerhalr der Stadt 15 Pfg.; für die ganze Fahrt bis Ockstadt 25 Pfg.

99.30

99.80

94.10

102.75

67.60

68.60

91.50

93.40

94.00

3^70 3% 3^7° 3% 3H7» 3^7.

Aus Aad-Dauheim.

(Original-Artikel des Gießener Anzeigers.)

Wie rasch hat sich alles zum Guten und Schönen ge­ändert. Ende April bis in den Mai hinein stürmische Winde, kalte Regen, kaum ein Sonnenstrahl. Dann am 6. und 7. Mai die ersten wirklich warmen Tage und Nächte. Im April Unordnung überall, durch Lastfuhrwerk zerfahrene Wege und Rasenplätze, Trümmer, Grabenaufwürfe selbst noch auf der Terraffe, am Teichhaus, und mtn alles geglättet, sauber aufgeräumt, die Wege mit feinstem Flußkies überstreut. Wer hatte geglaubt, daß das alle? in so wenigen Tagen geschehen könnte. Es ist alles für die lang ersehnten Badegäste bereit, feiner derselben wird sich durch irgendwelche Unordnung be­schwert fühlen können. All die Neubauten, Neuerungen, Verschönerungen werden dem Badegast ein beifälliges ,AH" entlocken.

Und wie einsichtig war der Himmel wenigstens vom 6. Mai ab. Es grünt und blüht nach den paar warmen Tagen überall. Die Rasenplätze find tiefgrün, die Vögel jubilieren, die Amseln, die Drosseln mit ihren Flötenkehlen allen voran. Der niedliche Zaunkönig schmettert keck sein Lied herunter und hoch aus dem Tannengipfel gurrt in tiefen Tönen der Mann der sonst so scheuen Ringeltaube. Er hat auch alle Ursache dazu, denn in der Nachbarschaft brütet sie und wenn nicht alle Anzeichen trügen, liegen in den nächsten Tagen zwei mit gelbem Flaum bekleidete Junge im Nest, die den ganzen Tag die Schnäbel nach Futter auf­sperren. Dann beginnen die Vatersreuden und Sorgen.

Am Teichhaus ist der Platz wesentlich vergrößert durch eine Anschüttung. Die sonst viel umstrittenen Tischplätze.nahe am Wasser sind viel zahlreicher geworden. Die Flottille von Kähnen ist an* die eine Seite der Anschüttung gelegt, bequem für die Seefahrenden und nicht mehr lästig für die beschaulich an der Wasserkante Sitzenden.

Die Schwäne ziehen wie immer stolz ihre Bahnen au dem ausgedehnten Teich. Eine ganze Anzahl folgen imKiel- waffer eines Nachen, der von einer Dame gerudert wird. Eine andere fitzt am Steuer und füttert die Schwäne. Zu­dringlich recken einzelne die langen Hälse über den Bord des Schiffchens, um womöglich einen guten Brocken aus der Hand der Schönen zu erlangen.

Es ist dämmerig, ich sitze und träume. Das Wasser wird dunkler, man erkennt nur noch die weißen Schwäne und die hellen Kleider der rudernden Damen.

Es fällt mir ein, daß ich schon einmal in den Pfingst- ferten des Jahres 1865 hier saß. Wir kehrten von einer fröhlichen Spritzfahrt aus Heidelberg zurück nach Marburg. In Nauheim machten wir nochmals Halt, sahen den jungen Park mit den noch wenig Schatten spendenden Bäumen. Wir saßen in heiterster Stimmung am Teichhaus, zum Träumen hatten wir nicht Zett und Lust: groß und schön lag die Welt vor uns, so reich an Hoffnung.

Es ist ganz dunkel geworden. Da klingt eine weiche, klagende Frauenstimme über das stille Wasser: lang lang ist's her, lang ist'S her.

Ich erwache aus meinen Träumereien es ist dunkle Nacht, ich suche mein Quartier auf. Ja lang ist's her.

Ein bestialischer Frauenmord.

S. u. H., Leipzig, 7. Mai.

Vor dem Schwurgericht kam heute ein Raubmord zur Ver­handlung, der einen geradezu grauenhaften Einblick in die sitt­liche Benommenheit des Angeklagten tun ließ. Am 26. März wurde Frau Margarete Roßberg im Schlafzimmer ihrer Wohnung tot ausgefunden. Um den Hals war ihr ein starker Bindfaden geschlungen, der fest angezogen und am Bettpfosten befestigt Ivar, bis auf die Strümpfe war die Leiche völlig entkleidet, der Tod war offenbar durch Erstickung herbeigeführt worden. Zuerst glaubte man an einen Selbstmord der Frau Roßberg, aber die nähere Untersuchung ergab bald mit Gewißheit, daß hier ein Raubmord vorliege.

Frau Roßberg, die seit dem Jahre 1904 mit dem Markt­helfer Roßberg verheiratet war, war schon längere Zeit kränk­lich, was sie aber nicht gehindert haben soll, in Abwesenheit ihres Mannes Besuche anderer Männer zu empfangen. Zu schien gehörte auch der 21 jährige Schuhmacher Karl Otto Nau­mann, der am auf den Mordtag folgenden Tage verhaftet wurde, da sich der dringende Verdacht auf ihn lenkte, die Fran ermordet und beraubt zu haben. Man sand in der Werkslätte, in der Naumann arbeitete, in einem Versteck die aus» der Roßbergschen Wohnung geraubte Sparbüchse, auch wurde

Telefonische Kursberichte

Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie, Giessen.

Frankfurter Börse. 10. Mai. 1.15 Uhr.

. 175.80

. 133.80

Börse, 10. Mai. Anfangskurse.

50.20

85.75

. 65.10

. 97.30

:i(f)feit statt. Das Urteil lautete auf Todesstrafe.

4H7o rass.Staatsaul. 1905 4^°,0 japan. Staatsanleihe 4 $o Conv. Türken von 1903

Aktien:

Bochum Guss . . .

Buderus E. W . .

Tendenz: fest.

Berliner

Canada E. B.....

Darmstädter Bank . .

Deutsche Bank . . . Dortmunder-Union C. . Dresdner Bank . . .

Tendenz: schwach.

diente wöchentlich bis zu 30 _______

Tie Anklage vor dem Schwurgericht lautete auf Mord und Raub. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffcnt-

Gerichtssaal.

München, 10. Mai. In dem Beleidigungs-Prozeß D r. Karl Peters gegen die soz. M ü n ch e n e r Po st hat die beklagte Partei den Eintrag gestellt, den deutschen Kaiser als Z engen zu vernehmen. Ter Verhandlungstermin ist auf den 23. Mai festgesetzt.

Portugiesen III

lCird>lid>e Nachrichten»

Evangelische Gemeinde.

Sonntag den 12. Mai, Exaudi.

Hottesdienll.

In der Stadtkirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer S ch w a b e. Zugleich Christen­lehre für die Neukonfirmierten der Markusgemeinde.

Vormittags 97, Uhr: Pfarrer D. Schlosser.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthausgeineinde.

Am 2. Pfingstfeiertag Beichte und heil. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde. Anmeldung dazu vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

In der Johanneskirche.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler.

Vormittags 97, Uhr: Professor D. Drews.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannes- gemeinde. Pfarrer A u s f e l d.

Abends 8 Uhr im Konfirmandensaal der Johanneskirche: Versammlung und Bibelbesprechung.

Am 1. Pfingstfeiertag Beichte und heil. Abendmahl für Lukas- und Johannesgemeinde. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Am 1. Pfingstfeiertag wird nach allen Gottesdiensten eine Kollekte für die Hessische Luther-Stiftung erhoben, am. 2. Pfingstfeiertag besondere Kollekten für die Armen.

Katholische Gemeinde.

Samstag den 11. M ai 1907:

Nachmittags nm 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte.

Sonntag den 12. Mai, 6. Sonntag nach Ostern.

Vormittags von 67, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte.

, um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion.

, nm 8 Uhr: Die zweite heilige Messe.

um 97, Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 2 Uhr: Christenlehre; darauf Andacht.

Dienstag und Freitag abend um 61/, Uhr ist Maiandacht.

Israelitische Religionsgesellschaft.

Gottesdienst.

Sabbatfeier am 11. Mai 19 0 7:

Freitag abend 7.30 Uhr.

Samstag vormittag 8.00 Uhr. Predigt.

Nachmittag 4.00 Uhr.

Sabbat-Ausgang 8.45 Uhr.

Wochengottesdienst: morgens 6.00 Uhr, abends 8.45 Uhr.

und fing an ua? zu übergeben, indem es an seinen Hals deutete. Bei näherem Nachsehen sah man blutige Eindrücke. von Fingernägeln, woraus man schloß, daß der Dieb das Kind, um es am Schreien zu hindern, gewürgt bat. ,

Erst am andern Tag fonnte das Kind erzählen, daß der'fremde, als er eintrat und sah, daß es wach ist, ihm die Kehle zudrückte und etwas aus einem Gläschen in den Mund goß, das heftig brannte. Auch fiel auf, daß der sonst sehr wachsame Svrtzhund, der unter dem Bette lag, sich nicht geregt hatte und am andern Tage derart aussah, daß man glaubte, er ginge ein. Man sand alles durchstöbert und es fehlte eine Uhr mit Kette im Werte von 70 Mk. Gelegentlich eines zu Friedberg vorgekommenen Diebstahls in einem Hotel, wobei außer Silbergeschirr etwas Geld und Weißzeug gestohlen wurde, nahm man den Kellner L. 5?L aus Wehlheiden fest, der von Frankfurt aus mit dem hier in Bettacht kommenden Menschen den Diebstahl ausgeführt batte. Der Untersuchungsbehörde gelang es unter schwierigen Um­ständen, den sich damals' Schmidt nennenden Komplizen des A. als den zu Brücken in Waldeck geborenen 25 jährigen K. L. zu ermitteln, der aus dem Untersuchungsgesängnis zu Osnabrück entwichen war imb den man später auf Grund Steckbriefs in Geldern verhaftete. Trotzdem er mit Bestimmtheit erkannt worden ist, leugnet er die Diebstähle in Eudorf und Ober-Jossa, während er dm Friedberger zugibt. Das Gericht hatte keinen Zweifel an seiner Schuld bezüglich der anderen zwei Taten, zumal er eine Reihe von Vorstrafen hat und von mehreren Behörden verfolgt wird. In seinem Besitz fand man außer dem Einbrecherwerkzeug eine Anzahl gefälschter Papiere. Als die schwerste Tat wurde die in Ober-Jossa angenommen und hierfür 6 Jahre Zuchthaus an- gesetzt, für die in Eudorf 4 Jahre 6 Monate und die in Fnedberg 3 Jahre 6 Monate. Die verschiedenen noch zu verbüßenden Ge­fängnisstrafen von zusammen über 5 Jahre wurden in 3 Jahre 8 Monate Zuchthaus umgewandelt und diese Sttafen auf eine Gesamt Zuchthausstrafe von 13 Jahren reduziert; die bürgerlichen Elnenrechte wurden ihm auf 10 Jahre abgesprochen und auf Zulässigkeit der Polizeiaufsicht erkannt. Demnächst wird er sich in Hanau wegen Einbruchs und in Saarbrücken wegen Betrugs und Unterschlagung zu verantworten haben. Be­züglich des A. wurde wegen des in Friedberg verübten Dieb­stahls unter Einbeziehung früherer Sttafen auf eine Gesamt- gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Mo­naten erkannt. Hierbei wurde die Jugend mtb schlechte Er­ziehung, sowie der Umstand, daß er der Verführte war, straf­mildernd berücksichtigt, wahrend das Gericht bezüglich des L. der Ansicht war, daß das öffentliche Interesse es gebieterisch erheischt, derartige Elemente auf möglichst lange Zeit unschädlich zu machen__________________________________

Mattigkeit, verbunden mit Kopfschmerzen, Herzklopfen, Schwindel, Appetttlostgkeft, Verdauungsstörungen usw. sind oft ganz sichere Beweise für

Blutarmut und Bleichsucht

Um diese rasch, fWr unb auf angenehmste Weise zu beseittgen, trinkt man einige Wochen lang täglich Bioson, wodurch auch die Ausgaben für Kaffee, Tee und Kakao erspart werden. Was Bioson als Bluterzeugungs-, Krastigungs- und Nervenstärkungsmittel leiste^ das sieht man mrs nachstehendem Brief: Darmstadt, Kahlertsttaße 5, den 18. Februar 07. Wir haben bis jetzt ca. 56 Pakete,,Bioson mit Kakao" verbraucht und zwar hauptsächlich alS Frühstück für unsere drei Kinder. Dasselbe i|t - - vorschriftsmäßig zubereitet gerne von den Kindern genommen worden. Nur unsere Zweitälteste, welche den Kakaogeschmack überhaupt nicht leiden mag, ging weniger erfreut als die beiden Anderen zum Frühstücksrisch. Hauptsächlich haben wir es gegen Blutarmut und die bannt zusammenhängenden Begleit­erscheinungen, als bleiches Aussehen und große Müdigkeit, gebraucht und sind mit dem Erwlge insoweit auch recht zufrieden gewesen, als das Aussehen und die ursprüngliche Lebhaftigkeit sich gebessert bezw. wieder eingettellt haben. Daß wir mit Ihrem Bioson zufrieden waren, mag Ihnen be.en ien daß wir Ihr Präparat auch bereitsin unserer Familie, ui ;\ o. ji vc einer Schwägerin in Halle, empfahlen. Hochach- iungsvoll W. Gerhard!. Bioson ist in Apotheken, Drogerien usw. das Paket zu drei Mark erhältlich, welches für ca. 14 Tage ausretcht. b7t

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 7. Mai. Diebstahl und Betrug.

Kürzlich würbe der Dienstknecht I. F. von Eckelshausen wegen eines im Rückfall begangenen Diebstahls von der Sttaf- fammer zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Es stellte sich heraus, daß er um dieselbe Zeit eine Frau zu Hungen ver­anlassen wollte, ihm einen Arbeitsrock ihres Sohnes zu über- laffen. Als die Frau das Llnsinnen zurückwies, entfernte er sich, um kurz darauf wieder zu erscheinen mit der Behauptung, der Sohn habe ihm den Rock verkauft, worauf er ihm auÄ- gchändigt wurde. Vvn da begab er sich zu einem Kaufmann, dem er unwahrerweise angab, er sei vom Militär entlassen .worden; er habe Kleider nötig, die er, falls ihm solche auf Kredit verabfolgt werden, am nächsten Zahltag bezahlen werde. Auf Ghninb dieser Mgaben erhielt er von dem Kaufmann Kleider und Wäsche, womit er verschwand, ohne sich wieder sehen zu lassen. Weiter ist ihm der Diebstahl eines Paar Manschetten zur Last gelegt; doch in dieser Beziehung konnte eine Verurteilung nicht 1 erfolgen, da er den Diebstahl bestritt und es nicht ausgeschlossen erschien, daß die Manschetten durch einen anderen weggenommen worden sein könnten. Aiich bezüglich des Bettilgs zum Nack)- teil des Kaufmanns hielt man den Beweis nicht für erbracht, da nicht festgestellt werden fonnte, daß er beim Einkauf der Kleider schon die Absicht hatte, diese nicht zu bezahlen. Wegen des einen Betrugs erkannte das Gericht auf eine Gefängnis­strafe von 9 Monaten, die es in 6 Monate Zuchthaus umi- -wandelte und mit 3 Monaten in Ansatz brachte, was eine Ge­samtstrafe von drei Jtttzren sechs Monaten Zucht­haus ergab.

Eine erfolgreiche Berufung.

Gegen den Landwirt PH. Sch. von Nied er-Weisel war ein Strafbefehl ergangen, weil er die vor seiner Ho freite vorbeiführende Straße nicht gereinigt batte.. Er focht das seinen Einspruch zurückweisende Urteil des Schöffengerichts an, indem er gellend machte, daß, da der fragliche Platz keine Straße ist, er mithin zur Reinigung nicht verpftichtet sei. Das Berufungsgericht stellte durch Augenschein fest, daß zwischen der -Hofreite und der eigentlichen Sttaße em Gelandestreifen liegt, der nicht als ©träfe: angesehen werden kann, mithin die Polizei- Verordnung, welche nur von Sttaßenreinigung spricht, keine An­wendung finden kann. Das Urteil mußte hiernach aufgehoben unb auf Freispruch erkannt werden.

Ein schwerer Junge.

Am Morgen des ^.August 1905 fanden die Bewohner einer Wirtschaft zu Eudorf, welche die Nacht im zweiten Stock ,zu gebracht hatten, ihren Parterrestock in einem Zustande, der darauf schließen ließ, daß darin Diebe ihr Unwesen getrieben haben. Schränke und 'Schreibtisch waren durchstöbert unb an .Letzterem das Schloß durch Ausschneiden der Holzteile frei- gelegt. Es fehlten außer etwa 500 Mk. Bargeld verschiedene Wertsachen, darunter ein Portemonnaie mit einer Anzahl außer Kurs gesetzter Zwanzig Pfennigstücke und ein Champagnerbrecher. Die Frau des Wirtes lenkte den Verdacht sofort auf einen Radfahrer, her tags zuvor ihre Wirtschaft besucht hatte und dem Gelegenheit geboten war, die Frau zu beobachten, als sie Geld in ihrem Schreibtisch wechselte. Der Fremde erzählte, daß er Vvn Arolsen über Frielendorf käme und in seine Heimat in der Nahe von Hünfeld wolle. Die Ermittelungen waren vor­erst ohne Erfolg, bis ein Gendarm zu Grebenau nach einiger Zeit einen jungen Mann an hielt, dessen Signalement auf den Verdächtigen zu passen schien. Da wach dem Ausschreiben Verschiedenes auf den Angehalteiren nicht zuttaf, wurde er ent­lassen, ttDtzdem sich bei ihm von den außer Kurs gesetzten .Zwanzigpfennigstücken vvrsanden. Als man aber kurz darauf auf chem Abort, den der Arretierte während der Befragung durch den ^Gendarm benutzt hatte, den Champagnerbrecher fand, sah man den durch die Entlassung gemachten Fehler ein. Kurz darauf erschien derselbe Mensch in der Wohnung eines Maschinenschlossers izu Ober-Jossa, mdem er sich stellte, als sei er versehentlich -in das .Haus geraten, da er das an dem Hans angebrachte Schild für em Wirtshausschild gehalten habe. Schon in einer der folgenden Nächte wurde auch in diesem Hause ein Einbruch verübt. Die Frau des Schlossers bekundete, daß derselbe Mensch, den sie einige Tage zuvor in ihrem Hause gesehen hätte, in der fraglichen Nacht in ihrem Zimmer gewesen sei. Sie hat ihn, La in dem Zimmer ein Lickst brannte, genau erkannt: der Schrecken beim Anblick des Fremden habe sie aber dermaßen gelähmt, daß sie nickst in der Lage war, ihren im nämlichen Zimmer schlafenden Mann zu rufen. Sie wollte sich aus dem Bett begeben, fiel aber, einen Schrei ausstoßend zur Erde, 'wodurch ihr Mann wach wurde, worauf der Fremde von diesem verfolgt zur Türe hinausflüchtete. Bei seiner Rückkunft sand er das in: nämlichen Zimmer befindliche sechsjährige Söhnchen -im Bette sitzend vor; es fonnte keinen Laut von sich bringen

Bleiches Aussehen Müde Augen,