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10.5.1907 Erstes Blatt
 
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Freitag 10, Mai 1907

Blatt

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157. Jahrgang

Nr. 108

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außer Sonntag*.

Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mtl dem herrschen Landwirt die Gieheaer Fantilien- blättet viermal tn der Woche betfltlegt un zweimal wöchentlich do Ktelsblon fflt den Kreti Sieben. Fernivrech-An- schluß s. d. Sredaktion IU Vertag u. Expedition hl Adresse für Depes^en:

Anzeiger Gießen.

Schweinefleischpreise

ein. Den Antrag Wtzler hoben wir bereits mitgeteilt, der trag Weil lautet:Die Stanzuter möge beraten, wie ist herrschenden Schweinesleischnot entgegenzutreten mib wie ist

Leute spät abends noch die Schule besuchen. Au der roeitnxn Debatte beteiligen sich noch zahlreiche Redner.

In der nach einer Erfrischungspause nachmittags Vr 2 Uhr fort» gesetzten Beratung über die Fvrtbildungsschulfrage betonte der Generalsekretär Oekonomierat Dr. Müller, daß bi* Land­wirte durchaus keine Gegner der Fortbildungsschule seien. Man sollte nur dafür sorgen, daß dec Unterricht durch eine zu­treffende Auswahl des Unterrichtsstoffes möglichst anziehend ge­staltet werde. Ein Antrag Walther wollte die Unterrichte- zeit auf 14 Uhr nachmittags gelegt wissen, die Kammer nahm aber schließlich den Antrag Hensel an, uvnach also der Unter­richt von 79 Uhr abends stattfindet.

Dann folgte die Beratung des' neuen Jagdgesetzes, über welches namens des Ausschusses Abg. Kühler Bericht er­stattet hat, der eine Reihe von Mänderungen beantragt. In der Generaldebatte wurde ivesentlich darüber Klage gefügt, daß die Wildschadencrsatzbestimmungeu für bie Landwirte sehr schädigend seien. Insbesondere wurde angeregt, die Re­gierung zu ersuchen, Vorschriften zu erlassen, die das Ab­schießen der Lapins mehr ermöglichten, welche sich in ganz Rheinhessen, bis Bingen hinauf und bis zur Pfalz sehr stark zeigten. Oberregierungsrat Dr. Heinrichs erklürtc hier­zu, daß diesbezügliche Weisungen bereits an die Kreisamter er­gangen feien. Im Art. 3 wird bestimmt, daß die Gemeindejagden aufmindestens neun Jahre" zu verpachten find. Die Kammer beschloß, dafür aufminDeftens sechs Jahre" zu setzen. Im Artikel 4 erfolgte die Streichung des ersten Absatzes:Der Wert einer Jagd ist vor jeder Verpachtung von der Obcr- sörsterei ab-uschätzen", weil die Versammlung der Meinung ist, daß der Oberförster nicht in erster Linie, besonders aber in dem wald- und obersürsterarmen Rheinhessen nicht, als der Ohne-Wetteres-Jagdvei ständige" anzusehen sei. Weiter rvurde die Streichung des Art. 8 beschlossen, da man die Bestimmung, daß s. r die Pachtung eines Bezirks nur drei Pächter znzulassen seien, als veraltet, unziveckmägig und schablonenhaft bezeich­nete und Widerspruch gegen die Behauptung der Regierung er­hob, diese Bestimmung habe sich seither bewährt. Weiter wird noch bestimntt, daß bei der fteihändigen Verpachtung nicht die Genehmigung des Kreisamts erforderlich sein soll, weil das ja dem Verwaltungsrecht der Gemeinde widerspricht. Ar­tikel JL8 des Gesetzentwurfs soll durch folgende Bestimmung ersetzt werden:Zur gemeinschaftlichen Pachtung oder Benutzung zusammenhängender Jagdgebiete oder Jagdbezirke töniun Ge­nossenschaften gebildet werden". Schließlich sollen die Ständo- fanrntern ersucht werden, der Großh. Regierung eine Fassung der Art. 13, 14 15 und 16 vorzuschlagen, die dahin zielt, daß , es den größeren örtlichen Vereinigungen (Genossenschaften) ermöglicht werde, Gemeindejagden zu pachten und die Jagd durch beauftragte Jagdverständige zu ihrem eigenen Besten aus­üben zu lassen. Die Kammer beschäftigte sich dann noch mit der Eingabe des deutschen Landwirtschaftsrats an den Reichstag, eine Herabsetzung der Zuckersteuer auf 10 Mark pro Doppelzentner eintreten zu lassen und stimmte dem Antrag bei. Zum Schluß wurden noch die Wahlprüfungen u. a. m. erledigt. Die Sitzung dehnte sich wieder bis nachmittags gegen 5 Uhr aus.

2lus Statt unt Land.

Gießen, den 10. Mai. Dom städtischen Vtranjchlag.

IV.

Straßenunterhaltung. Einnahme 7050 (0900) Mk., darunter Erlös aus Gras von Feldwegen 250 (200) Mk., aus der Kreiskaffe Vergütung für die übernommene Unterhaltung der innerhalb der Ortsdurchfahrten liegenden zlreißstraßenstreLm 3600 (4000) Mk., für leihweise Ueberlasiung der städtischen Sttaßen- walze sowie für Ueberlassung alter Pflastersteine usw. 500 (600) Mark, Ersatz für Wiederherstellung beschädigter Straßen 700 (600) Mk. Die Ausgaben sind auf 94 600 (93 690) Mk. fest-, gesetzt, nämlich Besoldungen der Straßenwarle 4550 (4550) Mk., Bedarf an kleingeschlagenen Decksteinen 18150 (20 020) Mk., Lahnkies und Basaltgrus für die nichtgepflasterten Fußwege 5700 (6010) Mk., für Sttastrichandarbeiten, welche die Straßenwärler allem nicht bewältigen können, und für Fuhr löhne 15 000 (16 000) Mk., Unterhaltung des Sttaßenpflasterü cinfchl. Beschaff- unb von 50 Kubikmeter Pflastersteinen 6500 (8450) Mk., Weg­fahren von Sttaßenabraum 6500 Mk., Fahren der Sttaßcn- ivalze und Wasserbedarf für das Begießen der Sttaßen 6050 (.6030) Mk., Unterhaltung der gewöhnlichen Feldwege und Durch­lässe 1500 (3000) Mk., bauliche Unterhaltung der Brücken und Stege 1000 (200) Mk., Umpflasterung der Westanlage 1600 Mk., Straßenbefestigung der Bahnhofstraße 16 500 (10 000) Mk., Straßenbeiestigung des Selterweges 10 700 (5000) Mk.

Straßenbeleuchtung ein fehl, der Unterhaltung der Laternen 39 000 (38 000) Mk. Ausgaben.

Oef fentliche Anlagen. Einnahmen 150 (170) Mk., Ausgaben 17 355 (21 510) Mk., darunter Besoldungen 3905 (880) Mark, Unterhaltung der Anlagen und Baumpflmrzungen üutcr» halb der Stadt 9000 (9030) Mk., Wasserbedarf zum Sprengen der s2Lnlagen und für den Teich in der Ostanlage 2600 (2600) Mk., Vermehrung der Bänke im Philosophenwald und in den An-, lagen 1500 (1000) Mk.

Brunnen. Wie im Vorjahr sind für den Wasserbedarf der öffentlichen Brunnen 3200 Mk., für ihre Unterhaltung unh Bemiss ichtigung 100 Mk. vorgesehen.

Bäche. Einnahme aus Pacht nnb EraSnutzung der Wiesecb, böschmegen 220 Mk., Ausgaben 2240 (2140) Mk., näntlich Räw, mung der Wieseck 800 (800) Mk., Unterhaltung der beiden Lahn^ wehre 500 (500) Mk., Kosten des Freibades 870 (800) Mk.

Kanäle. Einnahmen 50356 (15000) Mk., darunter Ge­bühren auf Grund der noch zu erlassenden Gebührenordnung! 50 000 (15 000) Mk. Ausgaben find 32 506 (28 514) Mk. vor­gesehen, nämlich für Reinigung und Unterhaltung sämtlicher Ka­näle innerhalb der Stadt 16 000 (13000) Mk., Betrieb der Klär­anlage 11000 (13 000) Mk.. Ausräumung ber Flutgräben 1300 (1008) Mk., Beschaffung eines Kranenwagens für die Kanal­reinigung 2000 Mk., Sohlbefestigung deS Hauptfluigrabens ine Neustadter Feld 1700 (1200) Mk.

Entwässerungsan st alten 160 (310) Mk. Ausgaben für Unterhaltung und Betrieb der Pumpstation.

** Po st-P ersonalnachrichten. Versetzt sind die Postassiitenten Börner von Aachen nach Büdingen, Bresch von Bad-Nauheim nach Aachen, Nessel von Mülheim (Nubr). nach Bad-Nauheim, Nott von Eschweiler nach Gießen, Rosen-, meher von Melle nach Nidda, Vöhl von Friedberg mich Heins­berg (Rheinland) und Weinberger von Büdingen nach Geilen-. kirchen-Hünshoven. Etats mäßig angestellt sind als Postsekretär der charakterisierte Postsekretär H o ch in Butzbach, als Postassistent Postanwärter Gut hier in Alsfeld. Er­nannt ist Postpraltikant Haag in Gießen zum Postsekretär. Angenommen sind die Real- bezw. Oberrealschüler Appe l, Senßfelder und Ulrich und die Schüler Möller unb, Beier in Gießen; als Telegraphengehülfinnen Kath. Dotzeu- rod, Johanna Kruse und (£nta Orbig in Gießen, Katharina^ Schütz in Friedberg; als Postagenten Landwirt Adam üt Rendel, Rechner Ebel in Münzenberg, Posthülfstelleninhabw Peter in Klein-Karben. Freiwillig ausgeschieden, ist Pvstagent Metzler in Münzenberg.

Oef f ent lief) e Lesehalle. Im April wurden. 2131 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Lite­ratur 1140, Zeitschriften 403, Jugendschrcsten 196, Bersdichtungen 53, Literaturgeschichte 7, Länder- und Völkerkunde 50, Kultur-, geschlchte 8, Geschichte und Biographien 72, Kunstgeschichte 13, Naturwissenschaft und Technologie 99, Heer- und Seewesen 9,. Haus- und Landwirtschaft 7, Gesundheitslehre 11, Religion unb: Philosophie 31, Slaatswisfenschast 19, Sprachwissenschaft 8, Fremd­sprachliches 5 Bande. Nach auswärts kamen 69 Bände.

X Pohl- Göns, 8. Mai. Gestern fand hier Bürger-, meister wähl statt. Der nunmehr seit 18 Jahren nn Amte befindliche Bürgermeister Konrad Schepp VIII. wurde bei starker Wahlbeteiligung mit 111 Stimmen wiedergewählt. Em Gegenkandidat war nicht aufgestellt.

^.Lauterbach, 8. Mai. Gestern nachmittag führ', ein Automobil der Firma Schepeler aus Frankfurt a. M.' am Bahnübergang des Bahnhofs »Lauterbach Neu* (Maarer Straße) einer Maschine der Vogelsberger Bahn in die Seite. DaS Auto wurde stark beschädigt und mußte mit der Bahn nach Frankfurt transportiert werden, während bie' beiden Insassen mit dem Schrecken davonkamen. All- gememe Erbitterung herrscht unter der hiefigen Bevölkerung wegen dem Verhalten der hiesigen Fleischerinnung. Trotzdem der Einkaufspreis für fette Schweine nur noch höchstens 48 Pfg. für das Pfund Schlachtgewicht beträgt, nehmen die Metzger immer noch 90 Pfg. für das Pfund Kochwurst, während man dieselbe in anderen Städten mit 70 Pfg. und noch billiger kaust.

B Büdingen, 7. Mai. Dieser Tage wurde hier in einer Versammlung, in der Dr. Strecker-Bad-Nauheim und Parteisekretär Kuhlmann-Darmstadt sprachen, ein linkSltberaler Wahlverein gegründet, dem sofort 50 Mrtglieder beitraten. . Gelnhaar, 7. Mvi. Irr unserer Gemarkung brach mfolge des heftigen Regenwetters und der bemut verbundenen Uebenchwemmung der Damm an dem vor einigen Jahren angelegtenIr, chterch. Die sämtlichen Karpfen schwammen balb auä dem reiche fort. Der Gemeinde erwächst, ein empfindlicher Schaden.

Ä 2luS dem Lemptale, 10. Mai. In den letzten Tagen zirkulierte in unfern Orten eine an den Landtag

üblen großen Schenkungen der Preise für Schweine und Schweine­fleisch, die die gesamte Schweinezucht und damit die Bolkser- nährung schiver schädigen, roirffant zu begegnen ?"

Köhler -Langsdorf begründet eingehend feinen Antrag, und tveist auf die gooyen Mißverhältnisse bezüglich der Fleischpreife hin. Er sucht dann nachzuweisen, daß eine sog. Fleischnot gar nicht vorhanden gewesen und die Klagen darüber nur leeres Geschrei gewesen seien. Für die hohen Fleischpreise seien nur die Metzger, nicht aber die Landwirte verantwortlich zu machen. Des Wetteren fordert der Redner die möglichste Beseitigung des Zwischenhandels unb die direkte Fleischabgabe an die Konsumen­ten. Am deutlichsten gekennzeichnet werde daS Verhalten der Metzger durch die Tatsache, daß nach einer Statistik des OeLo- nomierats .Dr. Müller das Schweinefleisch z. Zt. m Frankfurt 90 Pfg., in Darmstadt und Mainz 80 Pfg., in Worms dagegen nur 60 Pfg. lostet. Dagegen werde auf dem Lande nur ein Echweinefleischpreis von 50 bis 54 Pfg. bezahlt. (Hört, hört!) Leit auf die anderen Fleischsort en bezüglichen PassuS seines Antrages zieht Redner zurück.

Fritsch-Dilshofen bespricht feinen ähnlichen Arttrag und weist darauf hin, daß die Landwirte früher deut Metzger nur zwei Pfund Fleisch zuzugeben brauchten, während dieselben jetzt fünf Pfund Zugabe verlangen.

B a u e r-Ächmalmühle spricht sich gegen die Erhebung noch­maliger Fleischbcschaugebühren aus', wie sie jetzt in Hessen bei der Einfuhr von Fleisch in die Städte noch bestehe. Es solle für das Fleisch in Hessen dieselbe Freizügigkeit bestehen, wie in Preußen.

Breidenbach -Dorheim ersucht die Versammlung, den An­trag Köhler der zweiten Kammer gleichfalls in offizieller Weise mitzuteilen. Nachdem Oberregierungsrat Dr. Heinrichs der Stammet inbezug auf die Anregung des Vorredners die Unter­stützung der ^Regierung zugesagt hat, wird der AntragKohler einstimmig angenommen.

Die Versammlung nimmt darauf folgenden Antrag des Vor­standes an: Die Hauptversammlung wolle die Wahl folgender Sachverständiger nach Art. 8 des Gesetzes beschließen: 1. Geh. Hvf- rct Prof. Dr. Wagner -Darmstadt, 2. Prof. Dr. G isev ius- Gießen, 3. Landesöbinomierat Goethe-Darmstadt (diese Wahl wttd vorläufig ausgesetzt), 4. Abg. Dr. Web er-Konradsdorf, 6. Abg. Justizrat Dr. v. Brentano-Offenbach und 6. Lber- landstallmeisler v. W i l l i ch-Darmstadt. Die Versammlung be­stätigt bann die Wahl des Abg. Brauer als Mitglied ber Zentralstelle für die Landesstatistik. Zu Mitgliedern des deutschen Lmtdwirtschaftsrats werden Präs. Haas, Bähr-Hemhaag und Cetonomrcrat Lichtenstein, als' deren Stellvertreter die Herren Bauer, Köhler und Höhn gewählt. Zu Vertretern im Bezirlseifenbahnrat ernennt die Versammlung Haas, Walther, Hauffer, Bähr, Lutz und Schmidt -Gunters­blum. Zur Mttunterzeichnung von Urkunden nach § 53 ber Satzung wählt die Kammer Bürgermeister Hahn-HaAoch und Köhler -Langsdorf.

Der Antrag des Vorstandes auf Uebernahme der Einrich­tungen und des Vermögens des hessfichen Landwir tscha f ts- rates lautet:1. Uebernahme der angetragenen Einrichttingm und des Inventars, letzteres bewertet nach der Aufstellung vom 31. Dezember 1906 zu 9209 Mk., 2. Annahme des dem- itächstigen Restvermögens des Landwirtschastsrats", und wird einstimmig angenommen. Desgleichen erfolgt die Uebernahme der Einrichtungen und des Vermögens der landwirtfchaftlichen Provinzialvereine in Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen nach Antrag des Vorsllntdes.

Es folgt die Beratung der Anfrage des Großh. Ministeriums heS Innern, betr. die

Molkereischule in Lauterbach.

Bähr wendet sich entschieden gegen jeden Zuschuß an die Molkereischule und beantragt, zu beschließen, daß der von der zweiten Kammer schon bewilligte Zuschuß von 6000 Mk. wieder gestrichen und der Bettag dem Reservefonds^ zugefügt werde. Lutz-Elbenrvd bittet, da die Molkereischule für die Heran­bildung von RLolkereipersonal von großem Werte sei, derselben den schon bewilligten Betrag zu belassen. Bürgermeister El­ba ch i|t der Meinung, die Schule habe für Hessen wenig Wert; sie werde zumeist von Ausländern besucht und führe nur zur Ueberprvdu ktion von Molkereipersonal. M o g k-Grund-Schwal- herm bemerft, die Genossenschaft werde durch die Stteichung des Zurchunes nicht gefährdet werden. Bähr weist 'noch auf die von der Schule den Landwirten der bortigen Gegend be­reiteten Konkurrenz hin, Bürgermeister Jost stimmt ben Aus­führungen von Bähr und Mogk zu. Schließlich wttd der An­trag Bähr mit allen gegen eine Stimme angenommen und die Regierung ersucht, den Bettag von 6000 Mk. der Landwttt- fchaftskammer zur freien Verfügung zu stellen. Eine längere Debatte entfpuint >uh dann noch über einen Antrag He nsel- Dvrtelwell, bett, die

Verlegung der Unterrichtsstunden der obligatorischen Kort- bilduugsstbule

Der Anttag geht dahin, bie Regierung zu ersuchen, die UnterrichtsMtnde der obligatorischen Fortbildungsschule in den Landgemeinden auf die Abendzeit von 79 Uhr zu verlegen. Der Antragsteller begründet seinen Antrag damtt, daß die jetzige ungünstige Zett von 57 Uhr den kleinen Landwirten großen Schaden bereite; es gehe durch den frühzeittgm Beginn ein halber Tag verloren. Anton Schmitt I.-Bretzenheim wies da­gegen auf die große Bedeutung des Fortbildiingsichulunlerrichts am Nachmittage hin; eine Erweiterung liege sehr im Interesse der Landwirtschaft. Man könne nicht verlangen, daß die ju:

Aus dem Reichstag.

R. Berlin, 8. Mai.

Auf die'lange Bank geschoben" werden durch die Geschäfts­dispositionen des Parlaments alle Resolutionen, bie zum Etat bes R e i ch s s cd a tz a rn t s gestellt sinb. Darob gab es heut der Reihe ber interessierten Fr-ttlttnen nach ein ,,herzliches Be­bauern" unb den Ausoruck des Wunsches, baß sofort nach Zu- fammentritt des Reichstags im Herbst bie selbftverstänblich burch- weg wichtigen Resolutionen auf bie Tagesordnung gesetzt werden möchten. Es handelt sich u. a. um die Mühlenumsatz- unb Zucker­steuer und die Veteranenbeihilfen. Das int Zeichen der sommer­lichen weißen Weste stehende hohe Haus kam über diesen Ver­tagungsschmerz schnell hinweg.

Es zeigte sich auch nicht geneigt, eine Haupt- und Staats­aktion zu machen aus der P a r i t ä t s k l a g e, die im Interesse derStraßburgerevangelisch-theologischenFakul- tät Abg. Evcrling (nl.) erhob. Festgestellt wurde aber doch aufs Nachdrücklichste durch den Abg. Schrader (Fr. Vg.), daß ber Protestantismus nicht ber gleichen Fürsorge bei ber Lanbesregierung Elsaß-Lothringens begegne, wie ber Katholizis­mus, ja, daß in dieser Beziehung der Protestantismus zur Zett der französischen Herrschaft in Elsaß-Lothringen besser gefahren sei. Der Schatzsekretär Frh. v. Stengel erklärte kurz und bündig, die Reichsverwaltung habe mit der Sache nichts zu tun, und der reichsländische Kommissar Geheimrat Halley vertrat den nüch­ternen Rechtsstandpunkt.

Beim Etat der Zölle und Verbrauchssteuern gab es keine Zoll- und Steuer de batte. Nicht einmal über die in ber Ertragfähigkeit so stark überschätzte Fahrkattensteuer würbe ein Wort ber Kritik verloren. Für biefe Angelegenheit bezeigt das preußische Parlament unleugbar regeres Interesse, wie ber im Herrenhause gestellte Anttag auf Abschaffung ber lästigen Verkehrssteuer erkennen läßt.

So war schon nach kurzer Zett bie Reihe am Kolonial­birektor Dernburg, in Vertretung des Etats für Sübwest- a f r i f a. Das Zentrum steht noch immer mit einem Fuß im Schmollwinkel. Der Senior ber Fraktion Abg. Graf Hompesch wenn es eine Erklärung abzugeben gibt, tritt stets dieser greife Herr vor die Front tat kund und zu wissen, daß das Zenttum bei dem bie Schutztrupyenpräsenz betreffenben Etats- tttel, sich ber Abstimmung enthalten werbe, weil es von ber Not­wendigkeit einer solchen Belastung des Etats jetzt so wenig über­zeugt ist, wie in den denkwürdigen Dezembertagen. Das Prinzip ist jedenfalls gerettet, das Dekorum gegenüber den Zentrums- Wählern gewahrt, ein Schaden im übrigen nicht entstanden. Abg. Ledebour (Soz.) frellich, der als Mlonialkrttiker Bebel nach­gerade übertrumpft, ließ Herrn Dernburg keine Ruhe. Er rügte scharf die Deportation ber kriegsgefangenen Hottentotten nach der Haimchbucht, wo ein großer Teil einer Epidemie zum Opfer gefallen ist. Vergeblich suchte der Kolonialdttektor chm plausibel zu machen, daß nach Lage ber Dinge unb nach dem Urteil des Kommandierenden nichts anderes übrig blieb, als die Unterbringung an der Haifischbucht. Auch bie Versicherung, bie Regierung teile bas tiefe Bedauern über ben Untergang so vieler Gefangener, beruhigte Herrn Lebebour nicht. Er fand vielmehr, der Kolonialdtt. habe im herabsetzendem Ton von den Schwarzen gesprochen, worauf ihn dieser, sich nur an bie Sache haltend, ersuchte, erst selbst einmal tausend Kilometer im tropischen Attika ^urückzulegen unb bann fein Urteil äu fällen. Das war ber letzte Wortstreit in ber kurzen Sitzung. Als bie Abgeorbneten in ben lenzgrünen Tiergarten hinaustraten, lag er noch im Schein

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Aie tzeutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

Istsche LanöwirtschaftsKommer.

R.B. Darmstadt, 8. Mai.

Die heutige zweite Sitzung der Landwirtschaftskammer er­öffnete Präsident Haas um 9Vs Uhr. Nach einigen geschäft­lichen Mitteilungen wird von ber Versammlung folgendem An­ttag des Vorst-nibes »ugestimmt: Die Hauptversammlung wolle bie Bildung nachfolgender Immissionen beschließen: 1. für Wiri­sch a f t s p o l i t i k, Gesetzgebung, Landrecht, Landesverwalt".ng; 2. für Handel, Verkehr und Versicherungswesen; 3. für Bodenkultur, Bersuchswesen und Maschinenwesen; 4. iür Tier- ucht unb 6. für Obst-, Wein-, Gemüse- luib Gartenbau.

Nachdem die Mttglieder für diese Ausschüsse bestimmt sind, tritt die Versammlung in die Anträge bezüglich der