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Zweites Blatt
157. Jahrgang
Samstag 9. November 1907
Krlchttril ttgilch mit Ausnahme des Sonnktgl.
fHe wWf|fWtt FamiUendlStter- werden dem ,Nnze»«er^ otemial wöchentlich belgelegt. da- „XrdsMetl fth de« Kreis Siehrn" zweimal wöcheutUch, Der..^eistichr £unOwtrt" erscheint msnaUich einmal.
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General-Anzeiger für Gberheffen
Rotationsdruck und Verlag bei Vrühs^chea Unioetfuätl • Brich- unb 6tetnörudeteL R. Lange. Gietzen.
Redaktion, Expedition und Druckereir Eckrnl- strahe 7. Expedition und Verlag: 5L
9teöahion.e=3^112. TeU-AdruAnzttgerhieven.
Vereins zur Abhaltung von Wandervorträgen 200 Mk., von den Bezirlssparkasjen Gießen und Laubach 334,36 Mk., zurückempsangene Kapitalien 1400 Mk. Tie 2512,44 Mk. betragenden Ausgaben sehen sich u. a. zusammen aus: Aufwendungen für Wandervorträge 162,95 Mk. und für den landwirtschaftlichen und Haushaltungsunterricht 1626 Mk. Es verbleibt ein Kassevorrat von 166,88 Mk. Tas Kapitalvermögen betrug Ende 1906 1821,18 Mk. Ter Voranschlag für 1907 wurde in Einnahme und Ausgabe auf 2750 Mk. festgesetzt. Außer der Förderung des Vortragswesens sind namentlich Beträge für die Ausbildung von Lehrern für das landwirtschaftliche Fortbildungsschulwesen und für die landwirtschaftliche Koch* und Haushaltungsschule vorgesehen. Zu den letztgenannten Ausgabeposten bemerkt der Vorsitzende, daß man daran denken müsse, die Anstalt zu erweitern. Man eröffne jetzt den 3. Jahreskurs, und in jedem Winter könne man nur 3—4 Gemeinden besuchen, so daß es Jahrelang dauern werde, bis man alle Landgemeinden besucht habe. Sodann verlas der Vorsitzende den für den Fall der Auflösung des landw. Provinzialvereins vorgesehenen Statutenentwurf, da bereits früher beschlossen wurde, in diesem Falle als selbständiger Verein weiter zu bestehen. Der Satzungsentwucs lehnt sich eng an das seitherige Vereinsstatut an; als Jahresbeitrag ist eine Mark vorgesehen. Außerdem ist im Statut Vorsorge getroffen, daß eine Verbindung mit der Landwirt- schaftstammer und deren Organen besteht. Tas Statut wurde genehmigt und fvdann beschlossen, daß der Verein sofort neu ins Leben treten soll, wenn der bestehende Verein aushören sollte. Am Scl)luß der geschäftlichen Verhandlungen gedachte sodann der Vorsitzende des heutigen ersten Geburtstags des Erbgroßherzogs und brachte ein Hoch aus Seine Königliche Hoheit den Großherzog und den Erb- großherzog aus. Sodann hielt Professor Tr. Gisevius einen interessanten Vortrag über die Leutenot in der Land- wirtschaft, aus den wir noch näher zurückkommen werden.
NörchblchMM
Wir bitten die verehrlichen Vorstände von Vereinen, Kaficn usw., die ihnen s. 3. zur Ausfüllung zugestelllen pofttarien umgehend an uns zurückgeiangen zu lasten, da das Verzeichnis der Vereine etc. abgeschlossen wird, verspätet eingehende Aenderungen iönneu nicht mehr be- rüäfichtigt werden.
Verlag des Lietzener Adressbücher.
* * Der Kaiser kommt nicht. Nach Schlitz ist die offizielle Mitteilung gelangt, daß infolge veränderter Dispositionen S. M. der Kaiser zu seinem größten Bedauern verhindert ist, an den Vermählungsseierlich- feiten des 27. November teilzunehmen.
* * Landesuniversität. Pfarrer Leim 6 ach zu Münzenberg wurde zum Repetenten bei der theolog. Fakultät der Landesuniversität Gießen ernannt.
* * Dom Hessendenkmal am Bois d e la Eusse. Aus Anlaß verschiedener Beschwerden über den angeblich unwürdigen Zustand des Hessendenkmals am Bois de la Eusse hat der Vorsitzende des Hassiapräsidiums
Generalleutnant Hof ein Gutachten von drei höheren Offizieren, die das Denkmal letzten Sommer besuchten, eingeholt. Danach befindet sich das Denkmal in gutem Zustande. Ter das Denkmal krönende Löwe wird zurzeit aus besserem Metall erneuert Von einer Verlegung des Denkmals auf deutschen Boden kann leine Rede fein.
* * Verstorbene oberhess. Staatsbeamte. (2. Quartal 1907.) Am 12. August starb der Forstwart t P. Förster Wilhelm Heyer zu Hermannstein, am 13. August der ev. Oberpfarrer i. P. Karl Marguth von Michelstadt zu Ettingshausen, am 20. Aug. der Lehrer Jhs. Knaup zu Klein-Karben, am 30. Aug. der Weichensteller i. P. Karl Freitag zu Gießen, am 13. Sept, dec Bahnhofsvorsteher Rud. P l o ch zu Stockheim.
* * Pfarrpersonalien. Ernannt wurden Pfarr- assistent Frank zu Rimbach zum Pfarrverwalter in Hirsch- ' Horn, Pfarrverwalter Metzger zu Westhofen zum Pfarr- ajjistenten in Rimbach, Psarcverwalter R e i ch e r t zu Essenheim zum Pfarrverwalter in Westhosen. Gestorben ist der evang. Pfarrer i. P. Schlick zu Talsheim am 1. Oktober. Zur Wiederbesetzung werden ausgeschrieben die evang. Psarrstetle zu Altenschlirf; den sämtlichen Niedesel Freiherren zu Cisenbach steht das Präsentationsrecht zu; die evang. Psarcstelle zu Rothenberg; dem Fürsten zu Leiningen steht das Präsentationsrecht zu; die evang. Psarrstelle zu Fürfeld.
* * A n dem Orgelkurs, der unter der Leitung des Kirchenmusikmeisteis Professor Arnold Mendelssohn in der Zeit vom 16. September bis 6. Oktober in Darmstadt stattfand und wiederum von gutem Gelingest begleitet war, haben folgende Lehrer bezlv. Schulverwalter aus Oberhessen teilgenommen: Dotter von Alsfeld, Lehr von Rebges- hain, Metz von Hungen, Pauli von Bingenheim, Schmidt von Usenborn und T h ö t von Villingen.
* * Hessische nationalliberale Landes- Partei. Aus Beschluß des geschäftsführenden Ausschusses soll am Sonntag, 10. Nvv., im oberen Saale des Bahn- hosshotelS zu Darmstadt eine Sitzung des Landesausschusses mit folgender Tagesordnung stattsinden: 1. Neuwahl der ausscheidenden Mitglieder des geschästs- sührenden Ausschusses; 2. Organijationssragen; 3. Wahlen zum Landtag 1908.
* * Bezirtsverein O st. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich ist, besteht die Absicht, für den östlichen Stadtteil eine Bürgervereinigung zu gründen.
* * Arbeitsvergebung. Für die Anfertigung der Glaserarbeiten am Erweiterungsbau des Etettri- zitäts Werks sind 6 Angebote gemacht worden, die sich zwischen 382.75 Mk. und 2/8.01 Mk. bewegten. Den Zu- ichlag erhielt Gg. Schmitt, der der Wenigstsordernde war.
* * Aus der Gemarkung Schiffenberg. Tie: öffentliche Armenpflege erforderte in der Gemarkung Schiffenberg im Rechnungsjahr 1906 einen Aufwand von 302,02 Mark, die von den Steuerpflichtigen durch Ausschlag auf das gesamte Steuerkapital erhoben werden. Ter Prozent- ausschlag berechnet sich bei einer Grundzahl von 4386 Mk. aus 6,886 Pfg.
=■ Rödgen, 8. Nov. S. K. H. der Großherzog hat ! dem Bahnwärter in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Johs. Wagenbach zu Rödgen aus Anlaß seiner am 1. November 1907 erfolgten Versetzung in den Ruhestand daS Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Dienste" verliehen.
politijctye Tagc-scyarz.
Vize-Admiral v. Ahlefeld.
Tie „Nvrdd. Allg. Ztg." schreibt: Die über das mög- licherweise erfolgende Ausscheiden des Bize-Admirals v. Ahlefeld aus dem aktiven Dienst in uer Presse verbreiteten Gerüchte sind nicht zutreffend, insbesondere ist es unrichtig, die Angelegenheit mit der Duellfrage in Verbindung zu bringen. Vize-Admiral Ahlefeld hatte allerdings sich in einen Etikettekonflikt mit einem Marinebaumeister gesetzt. Dieser Konflikt ist aber, nachdem auf deut Beschwerdewege über den strittigen Punkt Klarheit geschaffen worden war, auf gütlichem Wege zwischen den beiden Herren beigelegt worden. Was Herrn Ahlefeld veranlaßt hat, feine Stellung zur Disposition zu erbitten, ist die gegen ihn ausgefallene Erledigung der Beschwerde des Baumeisters. Gegen den allgemein hochgeachteten und sehr verdienten Admiral liegt nicht daS Mindeste vor, was eine Stellung zur Disposition mit allen Ehren in Frage stellen könnte.
Die Novelle zum Borsenglsetz.
Tie wesentlichen Bestimmungen der gestern vom Bundesrat angenommenen Novelle zum Börsen- gesetz sind folgende: Das Börsenregister wird aufgehoben, statt dessen werden durch Gesetz diejenigen Personen bestimmt, die gültige Termingeschäfte machen können. Deutsche Anleihen sollen keiner Prospekte mehr bedürfen zur Lmsuhrung an der Börse. Dasselbe soll auch gelten für Kommunalschuldbriefe. Börsentermingeschäfte in Getreide unb in Mühlenfabrikaten bleiben verboten, ausgenommen für Landwirte, die eigene Erzeugnisse verlausen unb für solche in das Handelsregister eingetragene Kaufleute oder Genossenschaften, zu deren GeschästSbelrieb der Ankauf oder Verkauf von Waren dieser Art gehört.
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(hne Verschwörung gegen den Fürsten von Montenegro.
Der in Eettinje verhaftete Buchdrucker Rajtovits verriet nach längerem Verhör, daß in Belgrad eine Verschwörung organisiert worden sei mit der Absicht, durch Bomben die fürstliche Familie, alle Minister und sonstige einflußreiche Personen zu töten, woraus eine Bolksregiecung die Gewalt in die Hände nehmen sollte, bis aus Belgrad weitere Instruktionen eingetroffen wären. Najkovits erzählt ferner, der montenegrinische Student Bossovits zeigte ihm in Belgrad eine Hand voll Goldstücke und ermutigte ihn mit der Bemerkung, Gold sei genügend zur Verfügung. Uebrigens geht auch aus Briesen eines Mitschuldigen hervor, daß der Mordplan von Belgrad aus finanziert wurde. Es sollen mehrere dortige hostgestellte Persönlichkeiten bloßge- stellt sein.
S<aOt uuo Rtiaio*
Gießen, 9. Nov. 1907.
** Di e Hauptversammlung des landw. Bezirksvereins Gießen fand am Freitag nachmittag unter dem Vorsitz des Provinzialdirektors Geheimerat Dr. Breidert im Cas6 Ebel statt. Mie vom Gutspächter Klein- Hof Albach geprüfte Rechnung für 1906 wurde für richtig befunden und dem Rechner Weidmann Entlastung erteilt. Tie Einnahme betrug 2679,32 Mk., davon waren 193,37 Mk. Kassenvorrat, 465 Mk. Beiträge des landw. Provinzial- vereins, Kapitalzinsen 86,59 Mk., Beitrag des tßrooinäiab
Giesjenev Stadttheatev.
Der Barbier vou Sevilla.
Komische Oper in zwei Auszügen von Rossini.
Man staunt über die unverwüstliche Lebenskraft, die dem Meisterwerke Rossinis innewohnt, über seine Jugend- frische, seinen Melodienreichtum, feine Anmut. Noch heute, nach bald hundert Fahren ist der Barbier eine der beliebtesten Opern. Allen Wandlungen des musikalischen Geschmackes hat diese Oper stand gehalten, und unsere durch die moderne und allermodernste Musik verwöhnten Ohren lauschen den süßen Weisen Rossinis noch immer mit Entzücken. Wie oft hat man uns zu beweisen versucht, daß diese Oper unserm heutigen Musikempfinden nicht mehr genügen könne, daß es Rossini an Tiefe fehle, an Innerlichkeit und Empfindung; man hat uns glauben machen wollen, daß Rossinis Musik nur ein glänzendes Sprühfeuer sei und uns innerlich weder zu erwärmen noch zu bereichern und Lu erheben vermöge. Man hat uns vor allem den narrischen Text verleiden wollen und die derben Späße, die angeblich die Stimmung beeinträchtigten. Das große Publikum hat sich aber durch solche Argumentatloneit die Freude an diesem Werke nicht trüben lassen; es versenkt sich willig in die ausgelassene Karnevalsstimmung, die hier herrscht und hat seine Lust an den losen Streichen Figaros und an der Uebertölpelung des superklugen Doktors Bartolo. Es gibt in der ganzen Opernliteramr wirklich wenige Werke, die so einheitlich wirken und die Stimmung vom ersten bis zum letzten Tone f) harmonisch festhalten wie der Barbier von Sevilla. Die Oper ist in allen ihren Teilen wie aus einem Guß, und man merkt es ihr nicht an, daß fie gewissermaßen eine Improvisation war. Zu langem Ueberlegen hatten, wie man weiß, weder der Textdichter swch der Komponist Zeit. Nachdem sie sich erst einmal über den Stoss geeinigt hatten, gings ohne Säumen an die Arbeit. Aehnlich wie in der Zeitungsredaktion ging Blatt für Blatt noch naß aus der Hand des Dichters in die des Komponisten und ans der Hand des Komponisten in die des Notenabschreibers. In dreizehn Tagen war das Werk fertig, und so zeigt es sich auch hier wieder einmal, daß es nicht die schlechtesten Werke sind, die ein großer Künstler der Welt durch improvisierendes Schaffen schenkt.
Dem Gießener Th-caterverein gebührt der aufrichtigste Dank aller unserer Musil- und Theaterfreunde, daß er keine
Mühen und keine Kosten gescheut hat, um Rossinis unsterbliches Meisterwerk hier in Gießen von den besten Kräften aussühren zu lassen. Wenn etwas an dieser vom Oberregisseur Baldck inszenierten Aufführung auszusetzen wäre, so wäre es höchstens die allzugroße Korrektheit. Es klappte alles beinahe bis ins kleinste, aber eine gewisse Steifheit wurde nicht überwilnden. Tas mag einem Hoftheater wohlanstehen, aber wir hier in der lustigen Studentenstadt hätten ein wenig mehr Ausgelassenheit sehr gut vertragen können. Der „fatale" Dialog dieser Oper ist doch nun einmal da, und will man es, wie billig, mit dem Seeco-Rceitativ nicht versuchen, dann wird alte Zurückhaltung nichts helfen, dann muß man sich ganz von der eigenartigen Stimmung hlnreißen lassen und die Musik und den Dialog so weit als irgend möglich zu einem Ganzen verschmelzen. Mit anderen Worten: das rein Musikalische dieser Oper läßt sich im Grunde genommen nicht so seyr in den Vordergrund ziehen, daß dabei der Dialog zur Nebensache wird. Am Mannheimer Hoftheater scheint man in dieser Beziehung das Richtigere getroffen zu haben, denn der vortreffliche Bassist der Mannheimer Buhne, Herr Marx, der für den erkrankten Herrn Niechmann eingetreten war, ließ eigentlich als einziger auch den Humor voll zur Geltung kommen. Schon sein erstes Erscheinen auf der Bühne entfesselte geradezu Lachsalven. Dabei klang die Stimme tief und voll und schön. Die Arie int 1. Akte „Einen Doktor meines Gleichen fängt man nicht durch solche Lügen" war eine der besten Leistungen des Abends.
Die übrigen an der Ausführung beteiligten Kräfte waren bekanntlich alle vom Großherzogtichen Hostheater in Darmstadt, es waren ausnahmslos hervorragende Kräfte. Sehr sympathisch berührte da vor allem der weiche, glanzvolle Tenor des Herrn Wolf als Graf Almaviva; mit sicherer, müheloser Eleganz fang er namentlich die bekannte äußerst schwierige Cavatine des ersten Llktes, vor dem Fenster Rofines. Von außerordentlichem Wohtklange war ferner der Bariton des Herrn Weber als Figaro; nur das Schelmische im Wesen dieses Ciceros aller Barbiere hätte vielleicht noch um vieles deutlicher zum Ausdruck kommen können. Ganz glaubhaft klang es aus Rosines (Fräulein Suchanek) Munde nicht, als sie sang: „Ja, tausend Schelmereien und Neckereien hab' ich im Sinn". Aber die Stimme der Dame war jo rein und klar und die Ausführung der Koloraturpartien war so sauber und
| sicher, daß man auch an ihrer Leistung ebenso wie an denen der oben genannten von rein musikalischem Gesichtspunkte aus seine rechte Freude haben mußte. Recht wirkungsvoll war insbesondere der im zweiten Akte von Frl. Suchanek gesungene Walter von Venzano.
Von den übrigen Mitw^nenden sind noch namentlich hervorzuheben Herr Stephani (Basilio), Herr Raven (Fiorillo) und Herr Ungibauer (Offizier). Der Chor war tadellos. Das Orchester war unter der sicheren Leitung des Herrn Kapellmeisters Kittel ebenfalls sehr zu loben. Daß zu Beginn der Ouvertüre einige Unsicherheiten vorkamen, und daß das Orchester an einer Stelle etwas zu stark war, so daß die Stimme des Basilio vollständig gedeckt wurde, daraus kann man der musikalischen Leitung keinen Vorwurf machen, denn es ist bei einem solchen ersten Gastspiele in einem fremden Theater und bei der Unkenntnis der akustischen Verhältni)se dieses Theaters kaum zu vermeiden. Irgendwelche Beeinträchtigung des Genusses an der Ausführung selbst ist hierdurch natürlich feine»- wegs hervorgerusen worden, und es wird wohl kaum ein Besucher gestern abend das Theater unbefriedigt verlassen haben. Man mag über die Auffassung der Oper, der Art und Weise, wie man sie gestern aufgeführt hat, vielleicht anderer Meinung sein, aber man wird doch den Ernst und die Hingebung, mit der b^e Aufführung zu Ende geführt wurde, anerkennen müssen und mit dem Tante für das viele Schöne nicht kargen dürfen, das dieser erste Opernabend uns geboten hat.
Das Haus war anläßlich des Geburtstages des Erbgroßherzogs festlich beleuchtet. Der Beifall des Publi- tums war sehr lebhaft und steigerte sich am Schluß zum Enthusiasmus.
Nach Meinung einiger Theaterbesucher wäre der Applaus wohl noch enthusiastischer gewesen, wenn die große Masse des Publikums zunc Sck)luß nicht wieder so eilig den Ausgängen zugeströmt wäre, als könnte man nicht schnell genug zur Garderobe kommen. Dabei war die Au,,ührung so früh aus, schon um 91/2 Uhr, daß ein solches über- eiliges Hasten und Drängen in der Tat recht wenig berechtigt erscheint. Vor allem aber sollte man den Künstlern gegenüber, die ihr Bestes geboten haben — und namentlich wenn es Gäste sind — mit dem Dante für ihre Darbietungen nicht gar so sehr kargen.


