Ausgabe 
9.7.1907 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Einrichtung;

Ker Ariede von Tilsit

Zum 9. Juli.

Die Schlacht bei Friedland, am 14. Juni 1807, sowie ille Ereignisse des Jahres 1806 hatten die Ueberlegenheit )er französischen Waffen so unzweideutig offenbart, daß man nicht erwarten durfte, das Glück werde dem Sieger enseits der Wtemel weniger günstig sein als diesseits. Der nächtige Korse stand wie einst Cäsar am Rubikon, und es var nicht an ihm, sondern an Kaiser Alexander von Rnß- and, die Folgen des Ueberganas zu erwägen.

Äm 25. Juni sand eine Zusammenkunft zwischen Na- ivleon und Alexander in einem Bretterbäuschen aus einem m Memelstrom verankerten Prahm statt. Der lieber- edungskunst Napoleons gelang es, den Kaiser von Rußland urch die Aussicht auf die Verwirklichung allrussischer Traume zu sich herüber zu ziehen. Vergessen war die weihevolle Stunde am Sarge Friedrichs des Großen in >er Nacht vom 3. zum 4. November 1805, vergessen waren ne Freundschaftsgelöbnisse in Memel! Sein Gewissen suchte Kaiser Alexander dadurch ^u beruhigen, daß er wenigstens in gutes Wort für seinen Freund und Bundesgenossen ein­

tritt des Reichstages einigt und diesem ein gemeinsames Programm vorlegen kann. An Bestrebungen in dieser Rich- tung fehlt es nicht. Am vorigen Sonntag hat in Köln eine Srtzung der Rheinischen Arbeitszentrale stattgefunden, oer diese Frage eingehend besprochen wurde, und am nächsten Sonntag wird in Berlin eine Hauptausschußsitzung stattsinden, die dann hoffentlich die notwendige Einigung brinaen wird. ö

Wohl nicht gairz ohne Einfluß auf die Berliner Ver­sammlung wird das Ergebnis der Kölner Beratung sein. Dort blieben die Anhänger des Ausbaues des Jnvaliden- gesetzes in der Minderheit. Der freisinnige Aba. Dr. Potthoff hatte in Köln einen Antrag des deutschen Werk­meisterverbandes eingebracht, der im wesentlichen olaende Forderungen ausstellt:

I. Es ist durch Gesetz eine allgemeinestaatlichePen- Nvns- und Hinterbliebenen.Versicheru ng der drivatangestellten einzuführen, die in ihrer Fürsorge l/S-g-, nur auf die Drbeiterschichten mit 3501200 Mk. Jahreseinkommen zugeschmttene Jnvalidengesetz hinaus geht. II. Die Angeftellten-Versicherung muß folgen­den H-vrderungen gerecht werden: 1. Der Versicherungs­pflicht unterstehen alle Privatangeftellten beiderlei Geschlechtes- -um minbeikn alle Angestellten, deren Jahresarbeltsvcrdienst 5000 Mr. Nicht überneigr; 2.. die Versicherungspslicht beginnt mit der Vollendung des 16. Lebensjahres!; 3. allen Versicherten, die aus einem die Versicherungspflicht begründenden Dienst Verhältnis austreten, ist die freiwillige Weiterversicherung zu gestatten; 4. falls eine Gehaltsgrenze festgesetzt wird, ist allen Angestellten mit höherm Einkommen, die f r c i w i l l i g e Selbst- Versicherung zu gcsijatten, fo lange sie das 40. Lebensjahr nicht überschritten haben; 5. die Beiträge werden je zurHälfte von den Angestellten und von ihren Arbeitgebern getragen; 6. das Reich leistet einen Zuschuß von 50 Mk. jährlich zu jeder Invaliden- und Altersrente, zum mindesten für diejenigen, die 10 Jahre lang, auf Grund gesetzlicher Verpflichtung, Bei­träge in den Lohnklassen IVIII geleistet haben; 7. die für eine Witwen- und Waisentwrsichernng bereitgestellten Reichs- mittel sind den Angestellten in demselben Maße wie den Av- beitern nutzbjar zu machen; 8. die Weiterversicherung der stellenlosen, die Kwnkensürsorge und die Hellbehandlung regelt sich gemäß den Bestimmungen des Invalidenversicherungs- Gesetzes ; 9. die Versicherungspflichtigen werden in 10 GehaltA- klassen eingekeilt; 10. die Lei st ungen der Versicherung sind (außer dem Heilverfahren): Invalidenrente, Wersrente, Witwen­rente, Erziehungsbeiträae für Waisen. Der Betrag der Renten und der Beiträge wird für jede Gehaltsklasse einheitlich fesb- gesetzt; 1*1. die Invalidenrente soll nach 40 'BeitragK- jahren 50 Pwzent des versicherten Einkommens betragen; 12. Anspruch (auf Invalidenrente hat, wer nicht mehr imstande ist, durch eine seinen Kräften und Fähigkeiten entsprechende Tätigtest,. die ihm unter billiger Berücksichtigung seiner Ausbil­dung, seines bisherigen Berufs und feiner sozialen Stellung, zugemmet werden kann, mindestens den Betrag zu erwerben, der ihm (auf Grund seiner Beiträge als Invalidenrente zu­stehen würde; 13. die Altersrente beträgt möglichst V3, min­destens aber \\ "des versicherten EinLmmens; 14. auf Alters­rente hat ohne Rücksicht auf Eriverbsfähiakeit Anspruch, wer das 65. Lebensjahr vollendet hat; 15. die W i t w e n re n t e be­trägt y« der Invalidenrente; 16. Anspruch auf Witwenrente hat jede Witwe eines Versicherten bis zur Wiedervlerheiratung; 17. die Waisen Unterstützung beträgt für einfache Waisen Vs und für Doppelwaisen % der Jrwalidenrente; 18. Anspruch auf Waisenunterstützung hat bis zur Vollendung des 16. Lebens­jahres jedes Kind eines verstorbenen Versicherten; 19. Witwen­rente und Waisenunter stutzung zusammen sollen % der Invaliden­rente nicht übersteigen; 20. den Versicherten ist ein größerer Ein­fluß auf die Verwaltung und Rechtsprechung als im jetzigen Invalidengesetze zu gewähren; 21. die Zugehörigkeit zu pri­vaten Versicherungseinrichtungen befreit vom Zwang in der

Preußeu bezeichnender sein, als gerade die Wahlrechtstrage. Unter Leuten vom Block herrscht krasse Meinungsv-rschiedeichcch Wahrend 'schreibt, daß allem Anschein nach gegen»

martrg im schoße der Regierung keine Neigung vorhanden sein dürst-, sich in eine Wanderung des Wahlrechts cinzulassen glaubt dieAoss. Ztg. ' versicheru zu können, daß die Vorar» beiten sirr em neues Landtagswahlgesetz bereits im Gange seien Ist nun das konservative oder das liberale Blatt zutreffend in- formiert? Es fällt schwer, zu glauben, Fürst Bülow loerde in ^^utchortung der im Herbst zu erwartende Wahlrechts frage der Linken lediglich die Notwendigkeit einer Reform anerkennen Lreie Notwendigkeit ist 'bereits regierungsseitig zugegeben wor­den. Man darf alfo wohl annehmen, der Ministerpräsident ^klaren oder durch seinen Vertreter erllären lassen, daß die Wahlrechtsreform nicht nur im Prinzip anerkannt, sondern durch entsprechende Vorarbeiten bereits so weit gefördert worden sei, daß die Zuweisung des Gesetzentwurfs an daS Parlament eine Frage kurzer Zeit sei.

Erwägungen und Erhebungen smd gewiß umständlich und langwierig, das wird auti) von liberaler Seite nicht in Abrede gestellt. Doch wenn der leitende Staatsmann eine der Bedeutung, der Angelegenheit entsprechende Energie nicht zeiat, dann i)t nicht einzusehen, warum nicht die Frage der Wahlrechtsreform von bestimmendem Einfluß auf die Neu­wahlen zum Landtag im Herbst nächsten Jahres werden sollte. >Die mögen fich immerhin noch unter dem bestehenden Drei- klassenwahlrecht vollziehen: die moralische Wirkung der Parole Wahlrechtsreform" wäre so unzweifelhaft, daß ein ansehnlicher Erfolg der unbedingt reformfrenndlichen liberalen Parreien mit Sicherheit erwartet werden könnte. Ueberraschend schnell ist es dem Fürflen Bülow gelungen, die Jahrzehnte hindurch als aussichtslos geltende Diätenfrage der Reichstagsabgeordneten befriedigend zu lösen. Wv ein Wille ist, da wird auch mit dem völlig unhaltbaren Dreiklassenwahlsystem in Preußen binnen kurzer Zell aufgeräumt werden können.

Auf jeden Fall liegt es im Interesse der Wahlreform, wenn die öffentliche Meinung sich möglichst oft und lebhaft mit ihr beschäftigt, mag es diabei auch nicht ohnegoldene Rullsichtslosig- keiten" innerhalb des Blocks 'abgehen. Sie sinderfrischend wie Gewitter" und we^en dem in Norderney Sommerrast haltenden Steuermann des StaatsschiffeS gewiß nicht ungelegen kommen.

jeeunb und Bundesgenossen ein- egte. Am 26. Juni erschien König Friedrich Wilhelm III. n Tilsit. Wie hatte Napoleon sich auf den Augenblick gefreut, wo er ihn, wie fast alle anderen deutschen Fürsten s getan hatten, demütig bittend vor sich würde stehen ehen! Er sollte sich aber täuschen. Voll Hoheit und ge- ragen von einem guten Gewissen, still aber bestimmt, raurig aber ungebeugt trat dec Erbe des Ruhmes' Fried- ichs des Großen vor ihn hin. Auch die edle Königin 'uife kam von Memel nach Tilsit, um für ihr Land zu -itten. Es war für sie, die von Napoleon früher beschimpft oorden war, ein schwerer Schritt, aber die Sorge um ihr geliebtes Preußenland trieb sie dazu. Aber umsonst opferte ie ihrem Lande ihren weiblichen Stolz; ihre Schönheit nachte aus den Emstorkömmling so wenig Eindruck wie »er edle Anstand, mit dem sie die höhnischen Vorwürfe »es Siegers zurückwies. r

allgemeinen Staatsverfichernng nur, wenn es sich um Kassen handelt, die von öffentlichen Körperschaften (Staat oder Gemeinden) oder von Berufsverbänden der Angestellten eingerichtet und ge­leitet sind, die der Aufsicht des Kaiserlichen Aufsichtsamtesl für Privatversicherung unterstehen, und die den Versiche-cten mindestens die gleichen Rechte und Ansprüche gewähren wie die staatliche Einrichtung; 22. cs sind Uebe rgangsvorschriften vor-

Am 9. Juli wurde der Friede von Tilsit geschlossen, in velchem Napoleon, wie ausdrücklich hervorgeyoben wurde, -em Könige von Preußennur aus Achtung für den Kaiser Iler Reußen" den kleineren Teil seines völlig verwirkten Staates zurückgab. Preußen mußte alle Befitzungen im vesten der Elbe mit Magdeburg ab treten, ferner mit Aus- tahme einiger Teile von Westpreußen auch das polnische >ebiet, dazu Danzig und Thorn; von rund 5700 Quadrat- nLilen sank es auf rund 2870, von fast 10 Millionen Ein­wohner aus 43/4 Millionen. Zu diesen Bedingungen trat erner die Zahlung einer noch nicht festgesetzten Kriegs- osten-Entschädigung hinzu, bis $u deren ratenweiser Ab- ragung französische Truppen entsprechende Teile Preußens esetzt halten sollten. Schließlich mußte Preußen sich ver­nichten, nicht mehr als 42 000 Mann Soldaten zu halten. vO war Preußen, von seinem Bundesgenossen schnöde im dtiche gelassen, zu einem kleinen Staate zurückgesunken, er abhängig war von den Launen des französischen .aisers und seiner Generale.

Mit den Beutestücken wurden Napoleons Bruder Je- Ome,' der König von Sachsen und der Kaiser Alexander on Rußland ausgestattet. JLrüme erhielt das aus den reußischen Gebieten westlich der Elbe gebildete Königreich Westfalen, mit der strengen Weisung, Frankreichs Vorteil cts im Auge zu haben. Die polnischen Landesteile bekam um größten Teil Friedrich Auguft als Großherzog von Warschau, und Kaifer Alexander scheute sich nicht, einen feil von Neu Ostpreußen, den Kreis Bialystok, anzunehmen.

Der Friede pon Tilsit bezeichnet den Zeitpunkt der iefsten Erniedrigung Preußens; und doch mischt sich in as Gefühl der Trauer, mit welcher das preußische Volk arauf zurückblickt, heute, nachdem ein Jahrhundert dar- ber vergangen ist, zugleich der lebendigste Dank gegen en Lenker der Staaten, denn von jenem tiefen Fall in- ritten unsäglichen Elends ging Preußens Wiedergeburt us! Es sammelten sich die Edelsten und Besten aus allen Sauen des Vaterlandes um das Königshaus, und fester och und inniger ward in jenen Zeiten des Unglücks ie Verbindung zwischen den Hohenzollern und dem preu- ischen Volke gescblossen. Ein neues Geschlecht erstand wie in Phönix aus oer Asche und scharte sich um den Thron, m, erfüllt mit patriotischem Geiste, dereinst in der Stunde er Entscheidung die Freiheit und die Ehre des geschändeten >aterlandes wieder aufzurichten. Nun das schwere Un- tück hereingebrochen war, begann man, seinen Ursachen achzusorschen, und fing an, einzusehen, daß man selbst um großen Teil es verschuldet hatte. Im innigsten An- hluß an das erhabene Königspaar, welches als Muster rürdiger Ergebung, geistiger und sittlicher Kraft voran- :uchtete, strebte das ganze Volk, sich eines besseren Ge- yicks für die Zukunft durch innere Umkehr wert zu machen, und so ist das Unglück von Jena und Tilsit, als der rquell der Wiedergeburt Preußens, unter Gottes gnädigem )eistand ein Segen für unser Vaterland geworden!

tur Krage der Kcnstoirsv»rstcheru«g für Urivat- angesteüte.

Es bestehen gegenwärtig zwei große Gruppen von Be- ! lissveremen, von denen jede einen anderen Weg vorschlägt, I in die lang ersehnte und dringend notwendige Pensions- ersicherung für Privatangestellte zu erlangen. Die einen , »ollen den möglichst weitgehenden Ausbau des bestehenden uvalidengesetzes, die anderen eine Sonderkasse. Erfreulich t es nun, daß die Bewegung zur Erlangung der Pensions- !ersicherung auch nach Verüssentlichnng der recht pessimistisch ehaltenen Denlschrijt des Grasen Posadowsky nicht zum ckillstand gekommen ist, aber Erfolg kann die Bewegung !och nur haben, wenn man sich noch vor dem Zusammen-

Au» Stadt und Land.

Gießen, 9. Juli.

** Gewerbebetrieb im Umherziehen. Es hat sich herausgestellt, daß ausländische Hausierer (Dalmatiner, Rumänen, Bulgaren und usw.) nicht selten Schmucksachen und Bijouterien im Umherziehen seilbieten. Es wird da­raus aufmerksam gemacht, daß § 56 Abs. 2 Ziffer 11 der G.-O. der Hausierhandel mit Schmucksachen und Bijouterien allgemem verboten ist und daß sich dieses Verbot auf alle Schmucksachen usw. ohne Rücksicht auf ihren Wert erstreckt. Den Polizeibehörden, sowie der Gendarmerie ist unter Hin­weis auf die erwähnte Vorschrift wiederholt eine geeignete Ueberwachung jener Händler anempfohlen worden.

** Die Gießener sreiwillige Feuerwehr hielt gestern abend eine Hauptübung am Turmhaus am Brnnd ab, der eine Detailübung der einzelnen Löschzüge aus Oswalds Garten vorausging. Bei dieser Gelegenheit überreichte Brand­direktor Wigandt im Auftrage des Prooinzialausschuffes der oberhejsischen Feuerwehren dem städt. Branddirektor Bau­meister Traber die Auszeichnung sür zehnjährige Dienstzeit. Herr Wigandt betonte dabei die Verdienste des Branddirektors um das hiesige Feuerlöschwesen und hob besonders hervor, daß das Verhältnis zwischen dem Branddirektor und der frei­willigen Feuerwehr stets sehr gut gewesen sei. Herr Traber sprach in herzlichen Worten seinen Dank sür ihn die völlig über­raschende Ehrung aus. Auch die Freiwillige Gail'sche Feuerwehr, die gleichzeitig eine Hebung abhielt, ließ durch ihren Hauptmann Lindenstruth Herrn Traber ihre besten Glückwünsche aussprechen.

* Ein Brotaufschla g wird, wie man uns mitteilt, voraussichtlich noch im Laufe dieser Woche eintreten. Die bedeutend gestiegenen Mehlpreise nötigen die Bäcker zu dem Auffchlag, der schon mehrfach erwogen, aber immer wieder aufgeschoben wurde.

** Die Krusesche Musikschule (Violinklasse) gab am Sonntag nachmittag in der Turnhalle an der Nord­lage ein öffentliches Konzert, das sehr gut besucht war. Die Ausübenden, Schüler im Alter von 1015 Jahren, zeigten außer der großen Technik in der Handhabung des Instruments auch reckt viel Begabung für Musik. Trotzdem das Programm durchaus klassisch war, wiesen die zu Gehör gebrachten Einzelstücke wie das Zusammenspiel der 25 kleinen Künstler hervorragende Leistungen auf, die den lebhaften Beifall der Konzertbesucher sanden. Muster­gültig war die Begleitung der 12 jährigen Grete Rosen­baum auf dem Klavier. Der Veranstalter des Konzertes, Herr Ehr. Kruse, wurde allsettig zu den Erfolgen seiner Lehrtätigkeit beglückwünscht und es wurde der Wunsch aus­gesprochen, er möge häufiger solche Schülerkonzcrte ver­anstalten. Der Ertrag der Veranstaltung war für wohl­tätige Zwecke bestimmt.

Preisgekrönte Sänger. Der von dem Bauerschen Gesangverein errungene 2. Preis in der I. Klasse auf dem Marburger Gesangwettstreit, 300 Mark und Diplom, ist in dem Schaufenster des Mitglieds Georg Todt, Plockstraße 9, ausgestellt.

** Stenographen--Wettschreiben. Bei dem am Sonntag in Bingen a. Rhein abgehaltenen Preis- Wett sch reiben des Hess.-Rass. Üllain-Rheingau-VerbandeS Gabelsberger Stenographen wurde in der Abteilung von 100 Silben in der Nttnute bei einer Beteiligung von ca. 100 Personen Herrn Max Wolff, Stenogr.-Gesellschaft Gießen, ein erster Preis, Herrn Karl Plank, Stenogr.-Gesellschaft

zusehen, die allen Angestellten den Eintritt in die Versicherung ermöglichen und die Interessen derjenigen wahren, die durch eine private Versicherung den Zweck des Gesetzes bereits erfüllt haben. III. Ter Hauptausschuß richtet an Bundesrat und Reichs­tag die dringende Bitte, gleichzeitig mit der bevor­stehenden Reform der sozialen Versicherung und Schaffung einer Hinterbliebenen-Fürsorbe auch die Pensions- und Hinterbliebenen-Dersicherung der Angestellten zur Durchführung zu bringen.

Die Kölner Versammlung hat diesen Antrag, wie er­wähnt, abgelehnt und nach derKöln. Ztg." folgenden Be­schluß gefaßt:Die Versammlung erblickt in einer be­sonderen Kasse die Möglichkeit für eine günstige Lösung der Frage der Pensionsversicherung für Privatangestellte; sie nimmt von den Vorschlägen des Herrn Dr. Potthoff Kennt­nis und hofft, daß durch sie die Möglichkeit gefunden wird, die Gesamtbewegung zu einem einheitlichen Ziele zu führen."

An den verabschiedeten Staatssekretär von Posa- dowskh sandte die Versammlung ein Huldigungstele- gramm.

politische Lagesscharr.

DerZankapfel" des Wahlrechts.

Die llinservativeKreuzztg." ist nichts weniger als erbaut da­von, daß die Frage der preußischen Wahlrechtsreform alsZank­apfel" unter die Blockparteien geworfen wird. Nach ihrer Mei­nung 'Marschiert Preußen am sichersten in Deutschlandvoran", wenn von einer Abänderung des Treiklassenwahlsystems über­haupt nicht gesprochen wird. Dieses Boranmarschieren erscheint freilich umso fragwürdiger, als auch die ch sis che Regierung, wie in der Frage der fakultattven Feuerbestattung, der die beiden neuernannten preußischen Minister zunächst ablehnend gegenübev- stehen, so in oadjen der Reform des Landtagswahlrechts! den nwdernen Anforderungen Zugeständnisse macht. Preußen ist in dieser Beziehung auch von demjenigen Bundesstaat überflügelt, dessen politische Rickstlinien bisher den preußischen im wesent­lichen parallel liefen.

Nichts Uäiiu für die Unklarheit der polllischen Situation in

Blatt L57. Jahrgang Dienstag 9. Juli 1907

Hit i Ai A M

und MW W W Br UMWr W W er / | W W III ^<«2.-^

icim.i:ivod)entlicf)bn5 H Wu, B6 fj W. H M JgL JH H M M H wr jahrl. ausschl. Bestätig.

»ÄÄ 11 JSKTÄSt

chluhs.d. Redaktion IIS iV? MM au$roarts 20 M-nmg.

Lerlag u.Expedition 51 - ». , Verantwortlich

MS General-Aitzetger für Gbrrhejftn MW

tJStÖw Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ,yuch- und Lteindruckerei. R. Lange. Redattion, Expedition und Druckerei- Zchlllstratze 7

............... Anzelgentell: H. Beck.