Der Stempeltarif
LR. Darmstadt, 6. Nov. Ter „Rechtskonsulent" Weißbinder I u l i ns Fr e i t a g in Neu-Isenburg war tm Schröpfen einer HUeiiliit nicht blöde und zog sich nach Erhebung eines tm Auftrag jener gelieiid geniachteii Erbteils von 126 Du. aiißer der jhnr geivährlen BergutiNig von 8,50 Mk. 60 Mk. ab. Er rvill sich damit herauöreden, daß die Klientin auf jene 60 Mk. verzichtet habe. Dies wirb diirch die Zeugin ividcrlegt. Der niehrfach vorbestrafte 'Angeklagte wurde ivegcn Uiiierschlagung und Betrugs zu 4 At o n a 1 e n Gefängnis verurteilt.
Berliii, 8. Nov. In iveitercn Lcrlaitfe des Moltke-Harden- Prozesses wird, wie die N. Z. hört, Herr Justizrat Dr. Sello den Nebeiikläger Grafen Moltke vertreten.
vermischtes.
* Aus Würzburg wird gemeldet: Nach einer aus München hier eingetroffenen Meldung steht anläßlich der neuesten päpstlichen Enzyklika eine gemeinsame Erklärung der katholischen Universitätsleh- rerdeutscherZunge in den nächsten Tcogerr bevor.
* * Der Raubmörder von Berlin. Als dringend verdächtig am 26. den Aussehen erregenden Mord, beziv. Verbrechen an drei Kindern ünr Hellen Tage im Nordosten von Berlin verübt zu haben, wurde einer Berliner Korrespondenz ziisolge der Buchdruckerachilfe Paul Minow ermittelt. Der Manu ist ein Epileptiker. Er kam Anfang September in die Irrenanstalt Herzberge. Hier sprach Minow von den erwähnten Verbrechen und brachte Tinge itnd Einzelheiten vor, die bisher unbekannt waren und zutreffend erschienen. Die Kriminalpolizei nahm eine Ortsbesichtigung vor, welche die Mitteilungen Minows und den dringenden Verdacht be- 'tätigt haben sollen.
* 11 e6er die Stiftung einer Studentenmutter zu Gunsten der Universität Erlangen wird der
f&fc erstklassige Leistungen stehen hohe Preise rn Aussicht, gleichzeitig ist jedem Besucher Gelegenheit geboten, durch das veranstaltete Prersschießen ein wertvolles Tier zu ge- töünum. Das Äusstellungslokal ist bei Gastwirt Moo_,.
s) Marburg, 8. No». Die Stadtverordneten beschwuen, »wch vor Weihnachten in einigen Hauptverkehrsstraßen dcrLtaor elektrische Beleuchwng emzuUhrrn.
. (. Aus dem Wohratal, 8. Nov. Die Stadt Rauschen-
fezq' fat sich bereit erklärt, das zum Bau der Wohrotalbah erforderliche Gelände gratis zur Verfügung zu stellen.
Univer?itcits-NaehrichtLN»
- Ter Ordinarius für Botanik in Straßburg, Professor Dr. Graf Hermann zu Solms-Laubach, wird nut dein Ende des Wintersemesters aus Altersrücksichten m den Ruhestand treten.
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 8. November.
Unerlaubte Iagdausubung.
Einem hiesigen Jagdpächter, gmg e,1J . .
Lefehl über 30 Mk. unter der Anschuldigung zu. daß er -'ne ms jetzt unermittelte Person zur u n b e r echt t gte « 3 9 Ausübung ongeftijtel hab-. Aus feinen ®m ptu« »am« dem Schöffengericht zur Verhandlung, baß ^stellte, ->aadgcblet geklagte Pächter der Anneroder Jagd ist, die a r dai jfl £ der Gemeinde Rödgen grenzt. Eines M'ttagS irnv origen Herb t sah ein Forstwart, wie zwei Äger die Strecke deS A g g einem Hunde abgingen, und gewahrte, wie der e „eracb- schoß, der über die Grenze lies und dort l'egen büeb. Nach vergeb lichen Versuchen, den Hasen durch seinen Hund. holen m lasst st der 'läacr weaaeeilt und kam alsbald mit einem dritten anam, dem e/die Stelle, wo der Hase lag, beschrieb, wo rarst der Mann hu,lief und den Hasen holte. Ms der ^or st wart die Leute amre, eilten üe nach der Straße zu und fuhren mit einem dort yallenoen 'SBogen in der Richmng nach ließen. £et Forstwart hat m dem Anaeklaaten den Jager, der dem Manne, der den Hasen holte, die Stelle wo der Haje lag, beschrieb, erkannt. In dem zweiten Jager vermu'tete er den Bruder des Angeklagten und in dem l f
Kutschcr. Alle Bemühungen, die Per,on des, der den Hasen geholt hak, 'estzustellen, blieben ohne Erfolg. Der Forstwart blieb ab« trotz aller Unschuldsbeteuerungen des Angeklagten dabei, daß er. es war, welcher dein Mann, der den Hasen holte, die stelle beschrieb. TaS Schöffengericht kam zur Verwerfung des Einspruchs, da nicht annehmen konnte, daß zwei fremde J^ger oni hellen Tage mit einem Jagdwagen auf das Gebiet des Angeklagten gehen. C lührte aus, in dem Umstand, daß der Angeklagte den Hasen nicht selber holte, sei deutlich zu erkennen, daß er sich bewußt war, etwas Unerlaubtes zu tun. Wenn nun der Mann sich des Jagdvergehens schuldig gemacht hat, fällt dem Angeklagten die Anstiftung zur Last. Der Angeklagte erhob Berufung und bestritt, von der Angelegenheit auch nur das geringste zu wißen. Er bezweifelte die Richtigkeit der ^Angaben des Forstwarts, da ihm dieser feindlich gesinnt i)r. Ausfallend sind jedoch die verschiedenartigen Angaben des Angeklagten und der Umstand, daß sein Bruder die Aussage verweigert hat, so- wie die Tat ache, daß er sich nicht bemüht hat, den Jagdfrevler zu ermitteln. Wie daS Schöffengericht, so hielt es auch das BerwungS- gericht für richtig, in seiner Gesamtheit Augenschein an Ort und Stelle einzunehmen, auf Grund dessen kein Zweifel an der Schuld des Angeklagten blieb. Daß Urteil fand seine Bestätigung v «nit der Maßgabe, daß nicht Anstiftung, sondern Mittäterschaft „
Begründung zum _
Hessischen Oberlandesgerichts, eine ( eiaenen «Hosreite nicht erforderlich fei. hrr
Anwendung des Gesetzes über beit Urkunden st emp ^da nuf= Arnkel I des Gesetzes bestimmt, daß b‘e P«UviifeI läßt
geführten Urkunden stempelpstichiig 7‘S . ^uligteil
erkennen, daß der Stempel die Abgabe für enie bei nnmr-^atigteu der Behörde, die Ausstellung einer U^tinde und die a vo gehende behördliche Tätigkeit, sein soll. Es kann g:u, dann eine Stempelpflicht vorliegen, wenn zu «n Zweck eine solche Urkunde aiie-gefie lt wird bezeichnet unter Str. 34 als stempelpstichUg die zu öffentlichen gegen Bezahlung statlstndenden Darste: g> :
Belustigungen. In welchen Fallen abec eine ^llaubll,Y^et u 3 slattzufinden hat, bestimmt nicht das Gesetz über- den. Urk"udeii stempel und der Stcinpeltarli, sondern die Gewerbeordnung. I den Fällen wo eine behördliche Erlaubnis erforderuch ! , bedarf es mithin auch keines Erlaubnisscheines und deshal ) keiner Stempelabgabe. Die Staalsanwaltschait focht das .Urte l an und die Strafkainnier kam zur Verurteilung de^ 21"geklagten zu der im Strafbescheid angesctzten Strafe. D« der Angeklagte den Betrieb zum Zwecke des Erwerbs m seiner Hof reite eröffnet hat,ist er zur Entrichliing der Stempelabgabe verpflichtet gewesen.
vorliegt.
Der uuentschulbigte Feuerwehrmann.
Der Maurer W. H. von V i l b e l erhielt wegeii Uebertreliing der Feuerlöschordnung einen Strafbefehl über 2 Mark, gegen den er Widerspruch erhob. Vor dem Schöffengericht brachte er vor, er sei an dem lag rot vor der Uebung der Pstichtseuerwehr, zu der er vorschriftsmäßig geladen war, von seinem Arbeitgeber ent- laßen worden. Als er abends nach Hause kam, fand er eine Karte vor, auf der ihm von einem Meister in Heddernheim Arbeit angeboten wurde. Er wollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, zumal er für etne oroße Familie zu sorgen habe und sein Verdienst infolge der trägen Bautätigkeit in diesem Jahr schlecht war. Er .ließ sich deshalb durch einen Kameraden bei dem Feuerwehr- kommandanlen entschuldigen, der dann auch den Angeklagten, m seinem an das Kreisamt eingereichten Bericht, als diirch ^geschäftliche Verhinderung" entschuldigt, bezeichnete. Das Kreisamt, welches von dem Grundsatz ausgeht, daß Privatangelegenheiten vor öffentlichen zurückzustehen haben, verlangte Bestrafung, aber das Schöffengericht gelangte zum Freispruch, indem es den Angeklagten als genügend entschuldigt erachtete. Auf Betreiben des KreisgmlS, das eine höchstrichterliche Entscheidung wünscht, erhob die StaaiSanwaltschaft Berufung; sie stellte aber selbst den Antrag auf Zurückweisung ihrer Berufung, da es dem Aiigeklagten zum mindesten an einem subjektiven Verschulden fehlte. Das Berusungsgericht kam zur Bestätigung des Urteils, indem es ausführte, daß das Gesetz über die Feuerlöschordnung im allgemeinen von genügender Enl- schuldigung spricht; eS werden vorherige und nachträgliche anerkannt.
Bei mtimmg5DEd.i=.tn5d,w
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beicheid über 12 Mark zugehen, weil cr cl’JflElieJnLk] Hofreue in Betrieb gesetzt hat, ohne diedazii er ordet l ch euey einznholen. Er trug gerichtliche Entlchclbum « g seiner seine Freisprechung, da er eine Erlaubnis zmn
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Damit entfällt auch die der
Qtg.z/ berichtet: Ein vor einiger Zeit in Erlangen Der-' ftorbenes älteres Fräulein, das seinen Lebensunterhalt durch Nähen und Vermieten von StudLutenbuden gewann, hat ein kleines Vermögen hinterlassen und testamentarisch Bestimmungen über dessen Verteilung getroffen. Unter anderem fielen der Erlanger Universität 10 000 Mark zu, beren Zinsen zu Stipendien an Studenten verwendet werden sollen. Tas wäre nichts Besonderes. Bemerkenswert aber ist die Bestimmung, es seien in erster Linie solche Studenten zu berücksichtigen, deren Väter im Lauf der Jahre bei der Erblasserin gewohnt hatten. Was alles spricht aus dieser kurzen Klausel! Welche Erinnerungen mögen die Seele der Alternden durchzogen haben, als sie dieses Legat aussetzte, und wie zeugt die Gabe von den vielleicht altfränkischen aber umso herzlicheren Beziehungen, die in der kleinen bayrischen Universitätsstadt noch immer zwischen Bruder Studio und den Philistern bestehen. Vielleicht erinnert sich mancher draußen im Reich der ^Verstorbenen: sie hieß B. Münzer.
* Kleine Tageschronik. Ein schwerer Unglücks» fall ereignete sich im Altenbecker Tunnel bei der regelmäßigen Revision, die vermittelst eines Profilwagens vorgenommen wurde. Es gerieten die Beamten aus die Drähte der außer Betrieb gesetzten elektrischen Leitung und erlitten durch Wstreisung und Absturz schwere Verletzungen. Geh. Regierungs- und Baurat Kattowski aus Kassel wurde am Kopf erheblich verletzt, der Bahnmeister Ohms und Diätar Fandet aus Altenbccken erlitten gleichfalls schwere Verletzungen. — Am Freitag sind in Boppard die Töchter des verstorbenen Gymnasialdirektors nach Genuß von Tee plötzlich gestorben. Der Vorfall wird aus ein Versehen des Dienstmädchens bei der Teebereitung zurückgeführt. — In Gleiwitz wurde als Opfer der Kälte der Maurer Milotto erfroren tot ausgefunden. — Wie der „Standard" aus Madrid meldet, ereignete sich inOber- Aragon ein Erdbeben. Zahlreiche Männer wurden umgeworfen und deren Insassen unter den Trümmern begraben. Das Dorf Torre Laribera wurde gänzlich vernichtet. Andere Dörfer in der Umgebung wurden teilweise vernichtet. Die Bevölkerung der ganzen Gegend lebt unter freiem Himmel, da sie sich nicht in die Häuser zurückwagt. Durch Regen und Kalte unden die Einwohner furchtbare Qualen. — Die Untersuchung in Sachen der Dampfte s se le x p lp s i 0 n aus dem Schulschiff „Blücher" hat die Nichtschuld Der Besatzung ergeben. Die mutmaßliche Ursache der folgenschweren Dampftesselexplosion ist das Versagen eines Ventils. — Bei Paris in der Seine ist eine Blech kiste gefunden worden, die in eine von Ende Mai 1905 datierte Zeitung elngewickelt war. Die Zeitung enthält die Veröffentlichung des Programms der Festlichkeiten, die in Paris anläßlich des Besuches des spanischen H e r r sch er p a a r e s stattfanden. In der Kiste wurden sehr gesäyrliche Spreng stosse gesunden. — Aus den von Ueb e r s ch w em m un g en heimgesuchten sü d f ranzös. Landesteilen lausen fortgesetzt Meldungen über Unglücks- sälle ein. Zahlreiches Vieh ist ertrunken und viele Häuser sind eingestürzt. In Marseille ist ein Gi Witt er von äußerster «geftißieit niedergegangen, bei dem ein ganzer Stadtteil unter Wasser gesetzt wurde, so daß die Feuerwehr zur Rettung der Bewohner aufgeboten werden mußte. — Bei dem Heimwege aus Brilon (Sauerland) erfror der Schuhmachermeister Engelmann aus Unsuln. Er war angetrunken, hatte sich ermüdet hingesetzt und wurde vom Tode überrascht. — Das „Berl. Tgbl." meldet aus Newyork: „Lusit ania" brach auf ihrer letzten Fahrt den bisherigen Rekord, da sie den Ozean in 4 Tagen 18 Stunden und 40 Minuten durchquerte und eine Durchschnittsleistung von 24.35 Knoten erzielte. — Der älteste ehemalige deutsche Korpsstudent, Pastor Bassewitz, ist an seinem 99. Geburtstage in Goldberg in Mecklenburg ver- fchieden.
Koöert Klom.
(Zu seinem 100. Geburtstag.)
Eine Tragödie fürs Kindertheater demokratischer Kindsköpfe. Mit folchen Worten und entsprechender Geberde tun heule nicht wenige historische Klugkoser das ganze Jahr 1848 mitsamt seinen besten Atännern ab.
Es gehört nicht geringe Tartüfferie zu solchem flachen Urteil oder blöden Kinderglaube an sich hervordrängende systematische Geschichts- falscher. Freilich wer ist heule noch imstande, das Jahr 1848, jenen so erhebenden und zugleich so wehmütig stimmenden Abschnitt iinserer deutschen Geschichte, ganz zu verstel-en und zu würdigen? Vor neun Jahren, als sich unsere Micke rücllvärts lenkten auf jene denkwürdigen Ereignisse, die sich 50 Jahre zuvor in unserem ^aterlandc abspielten, da warm von den bekannteren einstigen Mitgliedern des ersten deutschen Parlaments noch cls am Leben. Zehn von diesen sind in dm letzten neun Jahren gestorben, in btn letztm Tagen erst der frühere Kurator der Universität Halle, Geh. Rat zr. Schrader, der ein Alter von 90 Jahren erreicht hatte, und unter den Lebenden weilt wohl nur noch der 91 jährige l>roi. Dr. vscpb in München als letzter von Lenen, die selbst mckringend und schließlich mitduldend dm Todeszuckungm der Aatwnalverw.imnlung beigewohut habeir. Dvch wer von uns dm Vorzug, besitzt, Achtuudvieräiger gekamtt zu haben, wer da trmleu bunte an den Quellen des Geistes, der 1818 aus ix>r deutschen Erde l-crvorbrach der rechnet das wohl mit zu dem Betzm unb Größten, was ihm das Leben bringen konnte. Verdau leit mir boa* jenen Männern mit die schönsten Gedanken, dte m uuy lcomdig imd. Darin aber erkennen wir die zeugende^-rast des Jahres 1848. ... - **
ist das Jahr 1848 für alle, die nicht daran den Maß- stao irres eigenen heuten Geistes legen. Eine spätere Zeit ^I-'N l,G)t ‘II^ n^1)r J° lebendig fühlen wie wir,
vrVV." • lener Zett begetllerungsvolle Jünglinge waren Uy Abglanz von der eigenen lebendigen Jugenk- ..ning aus dm -ebensweg gegeben haben. Die Slaudarte wnes Zahrcs trug an der Spitze ihrer Im >^lprinDf u Aru^ld->e Einheit. „Im Frühjahr 1848", so erzählt uno Ludwig ^rau, der selbst in der vordersten Reibe d.r S. i..nncr und.Drangcr jener Zeit gestanden lyat, „ging em Ctc । l 1111 (Stibeoeu bur.ij die deutschen Lande, b.ifj alle Throne zitterten unb alle Ketten klirrten, und die deutsche Einheit war ^xgi-'soronung aller Vaterlandssreunde". Und nicht mit Un- äau'-'mnnn s der demokratische Reitlsstagsabgeordnete Kmirad ES «MS” " " «»»<»«--»> *,«».
SM-LHME kämpfer b.c deM'ckm i>inT h c,- "" ?u-ig vorsturmenden Vor- »aterlanbe, das obmEMa h»„ lauterster Liebe zuni deutschen höhnt am Boden lag, ui cbier ^dbfHoi^r 9V ')tatl0.ncn ver- Ucbci-1d)iuanOf vvn reinemVbc U an Begeisterung, ut kühnem und Blut dm ÄSÄ; unter Transetzung von walten zu beseitigen, beei cnm üe «L rn bote,L Diese Ge- datz, au die Stelle der uJi fbncit J ^n<V^19 bcr Hoffnung, Re-.eru«°nc bie neu
Erhalter der üfseutlichm Ordnung würde setzen können. Diese vermeintlichen Landesverräter erstrebten keineswegs anarchische Zustande. Im Gegenteil: sie waren nicht einmal Republitaner, sondem in ihrer weitaus überwiegenden Mehrzahl monarchisch 'gesonnen.
Auch von Iiobert Blum, desseit 100. Geburtstag auf den Jc?;o^?üeinbcr dieses Jahres fällt, und dem am 9. November 1848 die österreichische Regierung das' Leben nahm, wissen wir langst, daß er von monarchischen Gesinnungen erfüllt war, dav er wül/rend seiner gesamten politischen Vetätigimg aufgewühlte Vollslcidenschaftm stets zu dämpfen sich bemühte, daß er ein Manu war von unbegrenzter lodernder Liebe zu seinem beutschm Vaterlande. Sein Leben war Line Kette tiefsten Elends bitterster Kümmernisse. Den Hungerjahren seiner Jugend folgte die nutzlose Lehrzeit, anfangs als Goldarbeiter, dann als Gelb- ateßer, spater eine lehrreiche Tätigkeit als Angestellter eines Straßmbeleuchtuugstechuil'ers, bis er als Theaterdiener in feiner Vaterstadt Kvln und endlich als Kassierer und Sekretär des Leipziger ^tadtthcaters und Inhaber einer klemm Verlagsbuchhand- lung snr sm) und die Seinen das Notdürftigste zum Leben ver- diente. Um aus den Leiden seines Seiend nur Ein io es hervor- ^uheben, fei erwähnt, daß et in fernem dritten Lebensjahre in- S von Nasem zeitweise erblindete und nach Wiedererlangung des Augenlichtes zeitlebens schwer unter der Schwäche seiner Augen mfiren10^ haßV5°n ,tn srühsten Kindh-its- als oKeßdiener seine verwillvete l'Nutter unb seine kleine Schwester zu ernährm sich bemühte, daß er seine erste Frau au, der Hochzeitsreise durch den Tod verlor, haß er von feiner aI§obeiQ^^r seiner Gattin betrachtet unb wurde Blum der dilettantische .^^.^uthotischen Kirche, die Range begründet 5)€wCSa,^rei" tTat uns der Bühne des politischen gebens inder Rolle eines Glaubenshelden auf. Er und ferne Jalbaß das einzige Mittel, das in tieme ^thargie versunkme deutsche Volk zu elektrisieren nock lmnier die Religwn war. Und so glaubte cr denn, im Mantel rcrormierten Katholizismus Leben und Bewegung'm die verdaten Massen bringen zu können. Damals schon aeaen 4°Jr des vorigen Jahrhunderts sähen^in den einstigen großen liberalen Abgeordneten,
n C^Cn -^t^beau. Als dann im August 1845 bie Qeiö= lunoci7^"Är^ 7 da war es Blum, der bei Vvlksvcrsamiw^ lungcn, aus feuern MarÜplatz, im Schützen Hause rastlos die Dras m .ermahnte sich friedlich zu verl-alten. Jebcn um'LM- m?Iitiritoennn&febfö" S’1’1“1? bie-^,,fcr mibbttftanöenen ;1 • 1 orV?can den offenen Gräbern der Getöteten
Mn^auch Stotat Blum ^chttldlose in den Stronv des Verderbens hinabzieht Und nr<?
fep&OB TMA w. * m. X» «ÄWÄift
Körperbau zeugten für die Kraft unb die Gesuirdheit des Maw- ncs." Tie Stimmführer des deutschen Liberalismus aber erblickten in denv Leipziger Theaterkassierer ihren Talletzrand.
Zwei Jahre daraus gehörte er nicht nur dem deutschen Vorparlament als Vizepräsident an, sondern er befand sich auch unter denen, die, wie Wilhelm Jordan in seiner viel zu wenig gekannten, wissensgewaltigen „Temiurgvs"-Dichtung berichtet, „. . . umdrängt von festlichem Gewühl, Von allen Glocken feierlich umtönt. Begrüßt von allen Fenstern uiu> Manen, Umweht von ries'gen s chrvarzrotgolduen Fahnen, Tas Haupt entblößt, ein langer Zug von Paaren, Mit auf dem Wege nach Sankt Pauli waren."
Blum wurde, nachdem er offen erklärt hatte, er wolle die J Republik für den Gesamtstaat, ohne daß jedoch dadurch die; monarchischen Verhältnis'se der. Einzelstaaten berührt wurden, Fäh- j rer der Linken, des „Deutschen Hoss". Seine Parlamentärs-' scl-e Tätigkeit zeigt H711 uns heutigen, die wir gern einmal in. der Mollatschen Sammlung der „Reden des ersten deutschen Par-; laments" blättern, als einen der klarsten und zugleich tempera- \ mentvollsteii, sortreißendsten Redner jener Versammlung erlauch- \ ter Geister.
_ Tie Entsendung der vier Angehörigen der Linken des Frank-; furtcr Reichstages neben den zwei offiziellen Kommissaren des i Parlaments zur Oktoberrevolution nach Wien sehen wir heme i allerdings _ als völlig unnötig, ja wohl nicht mit Unrecht als ] einen verfehlten, etwas großtuerischen Schritt Ser Frankfurter« Demokratie an. Und die objektive Geschichtsschreibung hat fest i gestellt, daß Blum, allerdings in der besten Absicht, zur Beruhe c aung der Gemüter, aber doch auch gleichzeitig zu il-rer Ent-i slammung, in den Strudel der Wiener Agitation sich gestürzt; uno zum Widerstande gegen die Regierun-gsgewalt ermuntert i ^ut, wahrend Julius Fröbel und Moritz Hartmann, bet Dichter C Pfaffen Maurizius", weit vorsichtiger sich 8 verhielten. Als dw Wiener Regierung nach der Farce einer stund- • rechtlichen GLtichtsverhandlung auf Befehl des Fürsten Windifch-1 graö unb auf besonderes Betreiben des Batons Hübner, des ^nsiigen Leipziger Gegner Blums, Len gefürchteten Frankfurter Demokraten in der Morgenfrühe des 9. November 1848 erschießci> S JÄ bie Ermordung des Fürsten Lichiwwskr.
r Aenencks Äu^swalkd. Sie hat ja später diesen Urteilt selber schwer bedauert, aber bis heute hat die Stadt, gestattet, daß dort beim großen Volksmarme ein einfaches Denkmal gesetzt werde. 1
c . "Zch sierbe für die Freiheit des deutschen Volkes. Möge Einer eingedenk ^ sein!", svaren seine letzten r nmS deutsche Baterlanb ist feiner eingedenk gcbliebn ।
ftJta bleiben alle Seit. Es wirb in ihn J
ftetö erbhebtn euren Mann von ungewöhnlicher Seelenaröße. toDtic3 5Ur Förbetung des ^olks
^'Sbaltnng ber r^lksrechte. Wilhelm Zimmermann bhL Hohenstaufen, nannte Robert Blun
wir den VoWmännern bet neueren Zeit", uni
SaitÄ zu, tvenn er dem in bet Wienei s
-OTigtttCTMu Geendeten nachrief:
-Bvlk unb Freiheit liebte Keiner Selbstvergeßner, treuer, reiner 4>at es Keiner je gemeint."
Paul Witiko.


