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9.11.1907 Erstes Blatt
 
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Nr. 264

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Den» G'ktzenei Anzeiger rveiben m» Wechsel mit be;n t?eff!fd}tn Landwirt bie Siebener Zainilien- blötter viermal tn bei Lwche beiqeleßt und tvetmal loddieiilltd) bas Kreisblatt füi den Kreis Klehen ^emlvved)-'Jln- MihiBl b. ihehnfnon 112 fae'ldg u Expedition 61 ttbirfie tfir Develchen» flnifteet «tcßcm.

lgnct)m« ee* Anzeige» füi die laqesnunuiiez bti vormittags 10 Uhr.

Erstes Blatt LS7. Jahrgang

Samstag 9. November 1907

SenerAAMger für Oberhessen

Kofcflonsbnitf und üe-Iag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und SleindruSerei. B. Lange. Reöaftion, Lspedition und vruSerri- SHniftraß, 7.

Bez u eetsr monatltd)76 viertel- jährlich 'JJH. 2.20, durch Ab ho le- u. Zweigstellen monatlich 65 t$L, durch die Post Mk.2. trtertel- fährt auSjcht BesteUg. ßeilcnpreift: lokal 16 auLivärts 20 iSteiintq.

Verantwortlich tüt den polnischen Teil:

Anderlon, ^eutUe- ton und .VerniijchteS^ P Wnlko. füi , Stadt u. Land" undLenchlS- iaal" (£. Heß, tüt den Auzeigentei! £> Beck.

pie s-cuUge Plummer umfaßt IG Seiten.

Denttrhe» Reich.

Berlin, 8. Nov. Der Kaiser und die Kaise­rin traten heute abend um 111/4 Uhr ab Potsdamer Bahn- Hos die Reise nach England an.

Die von Der deutschen Kaveltelegrammgesellschast verbreitete Nachricht von einem bevorstehenden Rücktritt oes Gouverneurs von Samoa Dr. .Ao l s entbehrt, wie die N. Z. seststellen konnte, jeder tat­sächlichen Grundlage. Veranlassung zu diesen Gerüchten hat wohl ein Gesuch um einen kurzen Urlaub gegeben, das der Gouverneur wegen Wiederausbruchs seines alten Gicht- leidenS eingereicht hat.

Wie dieBois. Ztg." hört, wird der Deckungs- bedars des Reiches im neuen Etat aus etwas über 100 Millionen Mark zu veranschlagen sein, wenn die Mittel, die zur Ausbesserung der Beamtengehälter dienen sollen, in diese Summe mit hineingerechnet werden. Die Vor­lagen, die zur Deckung des Mehrbedarjes dienen sollen, werden erst später als der Etat an den Reichstag gelangen, dessen Durchberatung im Bundesrate jetzt begonnen hat.

DerBert, Lokalanz." meldet aus Flensburg: Die städtischen Lcollegchn nahmen mit knapper Majorität die W e r t z u w a ch s sieu e r, zunächst im Prinzip, rück­wirkend bis 1897, an.

Hummelshain, 8. Nov. Der heute über das V e - finden des Herzogs von Sachsen-Altenburg ausgegel>ene Krankheitsbericht lautet:Der gestrige Tag und die letzte Nacht sind befriedigend verlausen. Die Zeichen des Katarrhs gehen zurück, gez. Thiele." Da nach dem bisherigen Verlaus der Krantheit des Herzogs irgendwelche Störungen der Rekonvaleszenz nicht zu er­warten sind, werden regelmäßige Krankheits­berichte nicht mehr ausgegeben.

Gmunden, 8. Nov. Der Herzog und die Herzo­gin von Cumberland sind nach Schloß Gelbensande in Mecklenburg abgereist.

Ausland.

Wien, 8. Nov. Wie b»eN. Fr. Pr." meldet, ist die Re k 0 n ft r n 11 i 0 n des Ministeriums abgeschlossen. W0 h a n f a übernimmt das Handelsministerium, Eben­hoch das Ackeröaumiicksierium, Geßmann wird Minister ohne Portefeuille mit der Anwartschaft auf das zu er­richtende Ministerium der öffentlichen Arbeiten. Pechka wird deutscher, Pruschet tschechischer Landsmannminifter. Der Leitungs-Ausschuß der deutschen Parteien erklärte sich im Prinzip für die Annahme des Ausgleichs.

London, 8. 9tov. Die Beilegung des Konfltt- tes zwischen den Eisenbahnge seit schäften und den Angestellten wird von beiden Parteien mit großer Bejriedi.gung aufgenommen. Der Handelsminister Lloyd George hat aus oiejem Anlaß zahlreiche Glückwuusch-Tele- gramme erhalten.

Der Times wird aus Teheran depeschiert, die Lage dort sei ernst. Der S ch a h w e r d e d e r M i t- schuld an den jüngsten Ruhestörungen beschuldigt. Man spreche von seiner Aosetzung, fürchte jedoch eine russische Intervention. Das Parlament beschloß gestern nationale Freiwillige in das Heer aufzunehmen. In Schiras und Astrabat sei die Lage jetzt ruhiger.

In Casablanca lanueie ein aus Rabat kommen­des deutschesSchiffmitdrei französischen De- serteuren an Bord. Die Behörden verlangten deren Auslieferung an das französische Expeditionskorps. Der Kapitän verweigerte jedoch ihre Herausgabe.

Washington, 8. 9iov. ©taatdie^reiar Root kündigte an, daß der amerikanische Gesandte im Haag, David Jayne Hill, als Nachfolger Charlemagne Towers

zum Botschafter in Berlin ernannt werden wird. Hill war früher stellvertretender Sekretär im Staatsdeparte­ment. Er besitzt große Erfahrungen im diplomatischen Dienst und spricht sließend deutsch. _________________

Hccr uirö Liorre.

X Berlin, b. Nov. biioc uidjc-, Monats tritt hier unter Vorsitz des kommandierenden Generals des 18. Ar­meekorps Exzellenz v. Eichhorn eine Kommission zur Beratung eines neuen F e l d d i e n st r e g l e m e n t s zu­sammen. Durch Kabinettsorore des Kaisers i)t unter anderen zum Mitg liebe dieser Kommifston Generalmajor v. Lin­den au ernannt worden, der bekanntlich ein Buch über den Bureni.rieg versaßt hat, das der englische Minister Brodrick als das beste Werc über jenen Krieg bezeichnete, und das aus Veranlassung des Kaisers von Japan in die japanische Sprache übersetzt wurde. Generalmajor von Lindenau, der auch an der Ausarbeitung oes neuen Exerzier­reglements hervorragend beteiligt war, wird jedenfalls bei der Ausarbeitung eines Regl. menls für den Felddienst einen bestimmenden Einfluß ausüben.

Aus Srcrde mtO Land.

Glegc ii, U. Nov. 1907.

** V 0 m Weingesetz. Wie btcDarm,».. Ztg." mit* teilt, fand gestern in Darmstadt unter dem Vorsttze des Ministerialrates Dr. Usinger zwischen Negierungsvertretern sowie Vertretern des Hess.scheu Weinbaus und Weinho-ndels eine Besprechung über den wesentlichen Inhalt des den Bunoesregierungen zugegangenen vorläustgen Ent­wurfes e ines neuen Weingese^es statt. Das Ergebnis der Besprechung dürste zur Gärung der Sachlage wesentlich beigetragen und aletchzeckig beachtenswerws Material für die am 12. November zu Berlin im Neichsamte des Innern statt, indende Beratung des Entwurfes geliefert haben.

** Der Finanzausschuß der zweiten Kammer tagte am Freitag üormitnag ohne Regierungsvertreter. Es wür­ben zunächst die Nachweisung über die Staatseinnahmen und -Ausgaben, sowie die Rechnung der Landes^reditkaf,e lur lb01/u2 erledigt. Dann wurden die Nebenoahnantrage der Aogg. Haas und Wolf beraten. Der Antrag Haas geht dahin, Eroßh. Re­gierung zu ersuchen, noch im Laufe des gegenwärtigen Land­tags einen Gefehentwur, oorzulegen, durch den der Ausoau der 'Nebenbahnstvecte Fürth-Reichelsheim auf Staaisiosten in Aussicht genommen wird und ferner: Gcoßh. Regierung zu er­suchen, in Gemäßheit des § 18 der Kvnzeisionsurkunde für die Bahn Reinheim-Reichelsheim diele Sweae vom Ok­tober 1908 an in Staatsbetr.eo zu nehmen und die hierzu erfor­derlichen Verhandlungen chsoatd emzuleiten. Der Ausschuß nahm beide Anträge an, ebcn.o den Antrag Wolf, die Regceruirg zu ersuchen, den Bau einer Bahn von Undenheim nach Arns he im zu übernehmen. Weiter wurde noch die Vor­stellung der Gemeinde und der Bürgermeisterei Hsedders- h e i m um Errichtung eines Steuerkommissariats daselbst vom Ausschuß einstimmig abgelehnt. Ta am nächsten Dienstag wieder der Sonderausschuß für die Revision der Verwaltungsgeseve feine Beratungen ausnehmen wird, dem auch Mitglieder oes Finanz- aussck-usies angehören, so vertagte sah der letztere bis zum 19. November.

** Anlagemusik (Volkskonzert) wird morgen vornrittag 111/2 Uhr mit folgender Speelfolge ftattjinbeu: 1. Ouvertüre zur OperNorma" von Bellini; 2. Maritana, Walzer von Döllinger; 3. Jntrodultwu und Ehvr aus Lohengrin" von Wagner; 4. Armeemarsch Nr. 208 von Voigt.

** Aus dem Bureau des Stadttheaters wird uns geschrieben: ?)tochmals sei au, die morgigen zwei Vorstellungen hingewiesen, die große Anziehungsrrast auszuüben scheinen; namentlich die Abendvor^etlung, der zu Schillers Geburtstag hier noch nie gegebeneFies ko", erregt weitgehendes Interesse. Auf zahlreiche Anfragen sei hier bemerkt, daß Carl William Büller nur ein einziges Mal und zwar mit seinemRegistrat 0 r auf Reifen" am 13. Nov. gastieren wird.

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** ElnenHeileren Abe» d" veranstallel der Boelraqs^ meift er llnd Hlunorisr Oskar Klein am 14. November in Sterns ßinricn im Verein mit der VoUraqc-Lo»»brene Fräulein Ada 'DlavceU und dem Piaillsten Herrn A. wlischel. Ter Hlinlor des Heren Oskar Silem ist höchst liebenslvürdig uub biudiaus dezenl- iamtliäi. Die Presse äußert fiel) über bicfeu elegaiuen Salon- pmnoriüeii in Lobererbebungen:Wer Hcrril Oslar Stiem gehört 1)01, baii iuol)l lagen: Ra, heute habe ich eimnal gründlich gelacht!" Es jagt dies mehr als bogenlange Knuten. Jn'oiqe emgegaiigener Verpstlchlnngell tonn Herr Okar Klem mir einen Abend geben.

= He uchelheirn, 9. Nov. Sein 2öjähriges Arbeitsjubiläum feierte der Arbeiter Ludwig Rinn von Heuchelheim, der die lange Reihe von Jahren ununter­brochen in Tag- und Nachtschicht in der Chemischen Fabrik von Georg Throm in Gießen in Arbeit steht. Seine Mit- arbeuer überreichten ihm durch den Werkmeister ein kleines Geschenk und beglückwünschten ihn. Ter Jubilar dankte gerührt für die Ehrung und das Geschenk.

ch Großen-Ltnven, 8. vtov. Gestent wurde der ncuernannte Hauptlehrer Bach in Beifem des Kreisschul- infpeltors, Schulrat Kleinschmidt, des P,arrers Schulte und der Lehrer in sein Amt eingewiesen.

+ Abend st ern, 8. Nov. Telegraphenarbeiter sind gegenwärrig damit befchäfligt, das Tetegraphennetz der Srrecke LvrlarWetzlar zu ergänzen. Dadurch fallen die Hauptliuien LollarGießen und GießenWetzlar entlastet werden. Bei dem Aufsteilen neuer Telegraphenstangen machte man in diesen Tagen einen eigentümlichen Fund; es wurde nämiich amGleiüerger Schacht" ein noch wohl erhaltener M e n s ch e n s ch ä d e l zutage gefördert. Wann und wie er in die dort lagernden Schutthaufen gelonimen ist, läßt fiel) schwerlich ausklären. Es ist nicht ausgeschlossen, daß er seit dem Bahnbau 1877/78 an jener Stelle ver­scharrt gelegen hat. Tie Polizei hat den Schädel in Ge­wahrsam genommen.

5h. Dar m ft a b t, 8. Nov. Zu Ehren des 25 jährigen Prosefsoren-Jubiläums des Geheimen Hofrats Prof. Tr. Kitt le r an dem elektrischen Institut der Technischen Hoch­schule fand heute abend ein Fackelzug statt, an dem sämtliche Korporationen und Fachabteilungen mit fünf Mu,iilorps teilnahmen.

R. B. D a r m st a d t, 8. d^ov. Der Verband der slranken- kassen und Gemeinden als Träger der Krankenversicherung im Großherzogtum Hessen beginnt, dem Beschluß der zweiten ordenlrichen Mitgliederversammlung nachkommend, mit dem ersten Jnstruktionskursus im Versicherungs- wesen am Sonntag, 17. Nov., in Darmstadt im Sitzungs­saale der Zentralstelle für die Gewerbe.

R. B. D a r m jx a b t, 9. Nov. Anläßlich bes gestrigen Geburtstages bes Erbprinzen ließ bie Großherzogin in ber Kinderschule, deren Protektoren sie tft, für jedes Kind Geschenxe verteilen; jede Mutter erhielt 1 Psd. Kaffee. Auf das vom Oberbürgermeister M o r n e w e g ii6er­mittelte Grücxwunsch.elegramm ging ivlgenoes Tan tteie- g r a m m ein: Wir h-aben mit aufrichtiger Freude die treuen Wünsche der Stadt Darmstadt entgegeugeuommen. Ueber- mittein Sie bitte unsern wärmsten Dank. Ernst Luvwig. Eleonore.

= Rodheim a. d. Bieber, 8. Nov. Tie Herbst- kontrollver sammln ng wird . hier in der Turnhalle des Gastwirts Kremers am Donnerstag den 14. 97ovember nachmittags 21/9 Uhr für die Mannschaften aus den Orten Bieber, Crumbach, Fellingshausen, Frankenbach, Haina, Königsberg und Rodheim abgehalten.

O K r o f d o r f, 8. Nov. Ter vor Jahresfrist gegründete Geflügel- und Kaninchenzuchtverein wird am 16. und 17. November seine zweite L o k a l s ch a u abhalten.

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Die zrunstaussteUung im Turmhause.

Gießen, 9. Nvv. 1907.

Unsere gesamte Landschaftsmalern peht seit etwa 15 Jahren im wescntlick-en auf einem ziemlich festen Standpunkt. Sie geht meist darauf aus, daß bie unverfälschte Natur roiebergo «eben, nichts ^tenneuswertcs dazuwnrpvniert und davon roeggo lassen, die Poesie v^r augenblicklichen Atmosphäre aber mit feüum Geiste und eigenem Sinne na.chempfuriden werde. Freude an der Farbe, eilige ix nbed Studium der Luststimmung, Einfachheit, um nicht zu sagen ^Nebensächlichkeit bes Aeotivs, sind im übrigen noch immer bie wesentlichen Merkmale bec Landschaftsmarecei. Völligen Verzicht auf Staffage Itiftiete erst die Laiwfchajlsmaierei, als sie den Ivrifchcn Naturchavakter in entsprechender Beleuchtung zur Geltung zu bringen trachtete. Es gibt heute längst feine edlere" ober wenigeredle" Landschast, fern Stück Acker, das vom Maler verachte! wird. Die Freude an ber Lichtwirkung benimmt vornehmlich feine Ntotive. Besondere Freube haben unsere Land- schailer an den nüaneenreichen, lilablasfen und milchigblauen Tonen der Dämmerung. Die Perspeknve ist weit und ]ein, bas Gegenstänblickx ganz in Farben ausgelöst. Joh. Lipp mann aus Offenbach hat unter feinen fieben zur Anstellung gebrachten Stücken, die er zum, größeren Teile aus dem herrlichen Oden- Walde Ijolte, ein fehr hüofchcs Abendbitd solcher Art (Pastell). Auch feine übrigen Bildchen, mit Ausnahme des einzigen arg unruhigen oberckalienifchen, haben biefclbc treuherzig anheimelnde Stimmung; sie atmen alle bie wohltuende Ruhe des deutschen Waldes und zeichnen sich vor anderen vorteilhaft aus durch die empfindsame Ausgeglichenheit, das Ineinander, nicht Nebenein­ander bet Farben. Dieses harte Nebeneiimnder zeigen bie den Lippmannfchen Stücken gegenüber hängenden Landlchasten von W. Winkler in Idstein; nur dasAnzielxnde Wetter", das einer reiferen Periode des Schaffens des Kün/jXlers anzirgehöreu scheint, macht eine rühmliche Ausnahme.

Auch n)u£ sonst noch an Lanoia-aitlichem da ist, vermag vmn Nicht lüiiberlid) hoch einzuschatzen. Erwähnung verdienens von M. Kunz m BonnDie Allee" in ihrer breiten Anlage, ihren falten Tönen, inrer labenden Düsterheit: das kcaitvoll wuchtige RheinbildAm Siebengebirge" von P. P. Müller aus Werlau; ein paar zart getonte, fein und sicher geschaute Aquarelle und die Lüchtigen Feberseichnungen unb Raderungen

von Ludwig Nees in Viersen, beffen Oelvilder dagegen sehr erhebliche Mängel zeigen; dieCteinblöcke an der Ostsee" von H. Grafe, bie in ihrer to^en Nüchternheit boch eine imposante Wirkung ausüben vermöge der schlichten Aufrichtigkeit ihres Farbentones.

Ganz prächtig ist das kleine BildchenAbendruhc" von A. Poll, das in seiner volksüedhaften Einfalt an Thoina er­innert: ein auf blühender Enzianwiefe hockender Knabe, ein Bild vollkommenster, rührendster Ursprünglichkeit.

Ein guter Zeichner ist der Münchener M. Rentel, doch ganz im Banne noch jener Zeit, da man keine Licht- und Luftnüancen kannte. Mehr der Kuriosität halber, zu nennen find das Trvptichon vom Weinsberger Kemerhause, das jetzt ein aktuelles Interesse besitzt nach dem Tode seines langjährigen Bewohners, des greisen Poeten und Poetensohnes, und die zwei Landschasten von dem Maler und NeiehSlagsabgeordneten B i n d e w a l d; derMorgen im Buchenwald" mit den zwei sehr überilüssigen Rehen ist ja nicht ganz ohne Meriten.

Ein leider stark ber Manieriertheit verfallener, dennoch bedeutender Künstler, von erstaunlichem Raffiment, ist Fr. S t a s- s e n in Berlin. Seine gezwungene Kom-positionslreuzabnahme" wirkt faszinierend durch seinen Lichleffekt. DenJ>ü|ieren Abend- himanel durchbricht nur ein schmaler Meldstreif Sonnenglut, unb dessen durchdrmgender, intensiver, fingerbreiter Strahl fegt sich wundersam lichtfrvh mit außerordentlicher Slühnheit^ auf die ver­sammelten (Jkflalten, die Schulter Petri unb bas lichtblonde Haar Johannis, namentlich aber auf den oberen Teil der ichwarzen Gewandung unb die Stirn der über bie Leiche ihres Sohnes sich beugenden greifen Maria. Alles in allem ein Gemälde von illustrer inaierifdxr Technik. Der bockshornigePan" des­selben Künstlers in feiner naiven, sonnenbrandbraunen Adams­selbstgefälligkeit unb plumpen rustikalen Schwerfälligkeit ha! an­dere Vorzüge, zeigt weniger künstliche Stilisierung, größere Un­gezwungenheit, kraftstrotzenden Humor einsamer Grö'ße.

Prof. P. Andorsf aus Frankfurt hat ein paar kleine Straßenbilder aus der Goethestadt hergefchickt, von denen int>e5 nur eines Ermahnung verdient, ber originell geschauteKnüppel- hos".

Bon den beiden großen exotischen Landschaftsausschnitten, die Theodor p. Stein aus Weimar sandte, zeigt derBusch­

brand" seltsame, aber ganz überzeugende Lichtreflexe in bunt schillernder Wiesenwildnis.

Unter den Stitleoen ist weitaus das vorzüglichste die Pfirsich- bowle von Hildegard Lehnert in Berlin, ein Eßzimmerge­mälde von vornehmer Ruhe, weich und zart in den Farben, in der Auffassung von geschmackvoller Gediegenheit, die noch ge­hoben wird durch die würdige Altertümlichkeit des 5tahmens.

I. FrankesHerbstblätter" in etwas plumper Vase kommen bei ihrer ungünstigen Placierung nicht recht zur Geltung, zeigen aber eine schöne Einfachheit und wohlgefällige Feinsarbigleit. Tie Rosen von Ottilie Kowarzik in Gießen zeichnen sich aus durch leichte Anmut und duftige Weichheit.

Ismael Gentz in Berlin endlich hat drei seiner Kunst- genoffen, Eugen Bracht, Walter Leiickkow und Willy Hamacher, geistvoll charakterisiert auf einem Black Papier in Blei fixiert. Den ersten sehen wir, jn würdevollem. Patriaechenbarl, mit seinem großen Künstlerauge (das andere ist wach Malerart zuge- fnifielt) kühl und scharf und spöttisch vor sich schauen; der zweite zeigt uns sein eUvas dekadentes, durchgeiickgtes Antlitz und ber dritte sein breitbehagliches Genießerproiil, in dem die Bewunt- derer seiner Kunst niemals den ausgezeichnetsten Schüler Schön- lcbcrs erkennen würben. -o.

Die erst seit Sonntag ausgestellten Bilder bleiben, wie uns geschrieben wird, nur adjt Tage, einschließlich zweier Sonntage, ausgestellt; von da ab findet wieder ein Wechsel der Gemälde statt. Die in der Ausstellung ausgelegte Lenbach-Mappe kann noch bis zum 31. Dezember irur von Mitgliedern des Knnstvereins zu geringem Preise bezogen werden.

K l e i n e C h r o n i k a u 3 Run ft und W i s s e n s cda i t. Aul Veranlassung des Wurtt. Goelhebundes hielt am 7. d. M. zu Stuttgart überTas beiuiche Volk und das illleer im Laiöe ber Geschichte" Professor Tr. F. R a ch f a h l aus Gießen eine Vocks- uorleiung. Ter ivanifche Regieruiigsanzeiger meldet, bau König Alphons XIII. dem e cl) a n | p i e l e r Fernando Aiendoza die Würden einesGrafen BcUazole, Grafen von Lalamg und 'Di a r q u i s von Fontanar" erteilt habe. Mu jedem der beiden Grafeiuuel ist ber Rang eines Granden erster Klasse verbunden.