Ausgabe 
8.5.1907 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt.

157. Jahrgang

Mittwoch 8. Mai 1907

Nr. 107

Erscheint täglich mit Ausnahme beS Sonntags.

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v. Mk.1.10 ab

M Teilzahlung kauft man reell, gut und billig bei J. JTT1AO, Giessen, Plocksirasse 14-16

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3000

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche« UnwerfrtätS - Buch- und 6teuibnideteL R. Lange. Gießen.

Die ^Siebener ZamllienblStter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Kretsblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Terhessische Landwirt' erscheint monatlich einmal.

Zollfrei! Muster an Jedermann!

Seidenfabrikt. Henneberg, Zürich.

Turnfest erwartet man 40- bis 50 000 Teilnehm Amerika werden Turner man schätzt ihre Zahl c : kommen.

Aus dem K'rei se Wetzlar, 8. Mai.

Redaktion, Exvedttion unß Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^s> 6L Redaktion:^^112. TeL-Adr^ AnzetgerDießea»

Mit Plan der Stadt, Karte der Umgebung, Eisenbahn-Verkehrskarte, Thcaterplan. 4 Aquarelldrucken, 12 Vollbildern und zirka 200 Text-Illustrationen in künstlerischem Zweifarben-Umschlag.

Ueber 20 Bogen Text. Weber 300 Seiten stark.

Vorzugspreis bis nach der Festfeier nar Eina Hark

Luxus-AuSgabe auf Krmstdruckpapier hochfein gebunden Mk. 5.

Inseraten - Annahme nur noch bis 12. Mai.

Verlag von Emil Roth in Giessen Marb^erstr-

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesjen

Im Laufe des Monats Juni erscheint in meinem Verlage:

Wegweiser Universitätsstadt Giessen und ehre Umgehung.

Giessener Verkehrshandbuch

ihnen die bekannten Orte und Feste auch für die Folgezeit als geheiligte Stätten und gewohnte Zesttage erhalten blieben. In der Umgegend von Gießen sind solche Orte in großer Zahl vor­handen, und jedem Ausflügler wird am Himmelfahrttage die Wahl schwer werden, welchem unter den herrlichen Platzten er diesmal den Vorzug geben soll. Soll >r heute den Ähijfenberg, Staufenberg, Gleiberg oder Vetzberg wählen, soll er Dünsberg, Stoppelberg, Hohe Warte oder Hangelstcin besuchen, ober bleibt er in der Nähe und lenkt seine Schritte nach dem Philosophenwald oder nach den herrlichen Waldungen der Lindener Mark? Jeder der genannten Orte wird am Himmelfahrttage seine Besucher haben, und jedem Ausflügler wünschen wir einen vom Wetter begünstigten freudigen Himmelfahrttag. B.

** DieLebensrettung" in der Wieseck spielte sich nach der Schilderung eines Tellnehmers wie folgt ab: Wir fuhren, nachdem wir die Wieseck bis zur Gartenstraße für schiffbar be­funden hatten, von unten her an das Wehr des Elektrizitäts­werkes. Ta Hochwasser herrschte, gewährte das mächtig herunter strömende und schäumende Wasser einen so reizvollen Anblick, daß wir es uns nicht versagen konnten, in den unruhigen Schaum hineinzufahren. Längs des Wehres hatte sich ein mächtiger Stru­delgraben gebildet, in den das Boot trotz aller Anstrengung: plötzlich seitwärts hineingeworfen wurde. Auf den Grund ge­stoßen, schlug es um. Da alle fünf gute Schwimmer sind, war mit Ausnahme des Strudels feine Gefahr vorhanden. Einer geriet beim Austauchen unter das Boot. Erst als dieser befreit war, schwammen wir vom Wehre ab, wobei dann wohl einer in der Nähe des Ufers angekommen, an der von einem Arbeiter gehaltenen Stange landete.

**ZumBierkrieg. Am vergangenen Sonntag machte sich in manchen umliegenden Orten der 'Streif der Biertrinker be­merkbar, denn die Lokale, die nun 4 Zehntel Liter für 12 Psg. ausschenken, mürben äußerst spärlich von den Einheimischen be­sucht, und die Wirte würden ein schlechtes Geschäft gemacht haben, wenn nicht das prachtvolle, warme Wetter viele Gießener aufs Land geführt hätte, die den boykottierten Wirten einigermaßen Ersatz für den Ausfall der Tageseinnahme brachten. Der Bier- krieg wird mit solchem Nachdruck geführt, daß die Srteifenden bei etwaigen Geschäften mit dem Wirte sich mit kleinen billigen Schnäpsen begnügen und auch Wochentags die Lokale meiden. Die Wirte aber, die den alten ehrlichen hessischen Schoppen noch zum alten Preise von 12 Pfg. verkaufen, erfreuen sich eines starken Zulaufes. Darüber aber, daß einer der Bierstriker sich etwa einemEnthaltsamkeitsverein" angeschlossen habe, hat man bis jetzt noch nichts vermelden können. Eine eben ost gehörte Redens­art Lautet:Was, sofzch Penning füm Schuppe?! Dr Wert soll sei Baier selwer drinke!"

** Al koho l und Volksgesundheit. Dm nächsten Samstag, 11. Mai, abends 8 Uhr wird die hiesige Loge Lahn- burg des neutralen Guttemplerordens einen öffentliche Vortragsabend in der Turnhalle veranstalten, an dem der als guter Redner (so neuerdings von Marburg her) bekannte Derr Dr. meb. TineS aus Kassä überAlkohol und Volksgesundheit" sprechen wird. Der Standpunkt des Guttemplerordenö, d. h. der ber vollständigen Abstinenz, ist ja für die Allgemeinheit noch keinesfalls als unbestreitbar richtig anerkannt. Aber mag er immer das Ideal dieser kleinen Kämpferschar sein, ein Ideal wird bekanntlich nie verwirkliktz, sonst ist es eben kein Ideal. Und es kann und wird unserem noch sehr unter der Herrschaft der Trinksitten stehendem Volke gar nichts schaden, wenn es Männer und Frauen über sich gewinnen, jeher Spur Alkohol zu entsagen, um anderen so ein 2&rbüb zu sein und am eigenen Leibe die Erfahrung zu zeigen, daß vÄlige Abstinenz nicht stumpfsinnig macht, nicht Asketen erzieh, sondern gesunde, lebensfreudige Men­schen schafft. Jedenfalls ist das gewählle Thema sozial wichtig, 'gewissermaßen aktuell, weshalo ein lebhafter Besuch dieses Vor- ttages zu wünschen ist Ta die Loge dem Politisch wie kon­fessionell neutralen Zweige des Guttemplerordens angehört, ist eine über allen engen Schranken stehende objektive Dar­stellung ber Frage zu erwarten.

** Studenten- und Schülerherbergen im Taunus. Neuerbings hat sich der Taunus klub den Be­strebungen, die ftubierenbe Jugend zu mehrtägigen Fußreisen in den deutschen Mittelgebirgen durch Gewährung freien Nachtlagers mit Frühstück nebst Preisermäßigung für Mittag- und Abendessen anzuregen, angeschlossen. Zu diesem Zweck sind im Taunusgebiet: zunächst Studenten- und Schülerherbergen in Arnoldshain i. T., Oberreifenberg i. T., Altweilnau i. T., NiederselterS i. T., Esch im Taunus, Burgschwalbach L T., Katzenelnbogen i. T., Miehlen im Taunus und Braubach a. Rhein eingerichtet worben; die Gründung weiterer Derbergen an anderen Plätzen ist in Aus­sicht genommen. Gleiche Herbergen bestehen bereits an 206 Orten anderer Mittelgebirge, u. A. im Riesengebirge, in der sächsischen und böhmischen Schwaz, int Böhmerwald, in ber Eifel, in ber schwäbischen Alb usw. Die Rektorate und Direktionen der im Taunusgebiet vorhandenen Hochschulen und höheren Schulen sind gebeten worden, die Anforderung und Ausgabe der zur Benutzung aller Herbergen gültigen Ausweiskarten gütigst zu übernehmen. Durch den Betrieb der Herbergen erwachsen den Touristeitvereinen recht hohe Kosten, die sie aus ihren Mit­gliederbeiträgen nur zum kleineren Teile decken können. Auch der vom Taunusklub Frankfurt a. Main in seinem Budget vor-

Aus SraSt und Land.

Gießen, den 8. Mai. Dom städtische» Voranschlag.

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Gewerbeschule und Ortsgewerbeverein. Ein­nahme 50 Mk., Ausgabe 2080 <2340) ML, darunter 1000 ML Zuschuß für die Gewerbeschule.

Aliceschule. Einnahme 100 ML, Ausgabe 870 (820) ML Oefsentliche Feierlichkeiten 11000 (1500) ML, darunter 10 000 ölf. für die drille Jahrhundertfeier ber Landes­universität.

Ten kmäler. Ausgabe 880 (750) ML und zwar für Unter- hallung des Liebigdenkmals und des Heyerdenkmals 280 (150) Mark uiib für Unterhaltung des Kriegerbenkmals einschließlich des Masserbebarss 000 (600) ML

GemeinnützigeZwecke. Insgesamt sind hier 15 024,40 (13 139,40) Mk. vorgesehen unb zwar an Betträgen für: Llein- kmoer-Bewahransralt 300 ML, Elisabeth-llleinllnderschule 100 i (0) ML, Allg. Verein für Armen-- mtd Krankenpflege für die Säuglingsfürsorge 350 (0) ML, Oberhess. Geschichtsverein 300 (200; ML, Kunstverein zur Wiederherstellung ber Bilder ber alten Ratsherrn 100 ML, Kaufmännische Fachschule 800 ML, Lehrer- Witwen- und Waisenkasse 100 ML, Betrieb des Tl-caters (vor­sorglich) 3000 ML, Omnibusgesellschaft ständig 3000 ML, etwaiger Ausfall im Geschäftsbetrieb derselben 4000 (3000) ML, Lesehallq- r ereilt 1025 (.950) ML (einfdjL Gebäudeunterhaltung), Verein Mathildenstislung für Oberhcsfen 10 ML, Mice-Frauenverein für F-rauenbildung und Erwerb 8,60 ML, Unterstätzungskasse ber hessischen Lanbes-Jrrenanstalten 100 ML, Ernst Lubwig-Verein zur Errichtung von Arbeiterwohnungen 100 ML, Verein zur Unter­stützung entlassener Sträflinge 25 ML, Hess. Lanbespserdezucht- vEin 3 ML, Errichtung eines Rettungshauies für Hefsen-ÄLassau 10 ML, Verein zur Beschäftigung Arbeitsloser 20 ML, Hess. Vereüttgung für Volkskunde 20 ML, Hist. Kommission für Hessen und Waldeck 50 ML, Verein für bic Lahnkanalisierung 10 ML, Germanisches 9cational-Museum in Nürnberg 25 ML, Verein zur Förderung der Blindenbildung 50 ML, Verein für Knabenhand­arbeit 15 ML, Verband der Hülfsschulen in Deutschland 5 ML, Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger 30 ML, Verein zur Förderung des Wohls der 2lrbeiter 25 ML, Zenttaloereiu für das Wohl der arbeitenden Klassen, Deutsches Zentralkomller dur Errichtung von Heilanstalten für Lungenkranke 50 ML, Für­sorge für Lungenkranke, Gehalt der Krankenschwelter 400 (0) ML, Deutscher Samariterbund 14,80 ML, Verein für öffentliche Gpund- l>eitspilege 6 ML, Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft 20 ML, Deuts cl>er Hülfsvercin in Paris 50 ML, Deutsche Heilstätte in Davos 20 ML, Gleibergverein 100 ML, Vogelsberger Höhenklub 10 ML, Westerwaldklub 10 ML, Unterhaltung des alten Schlosses cinscAießlich Heizung und Gasverbrauch 750 <400) ML

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** Himmelfahrttag. Wie mächtig ergreift doch die herrliche Frühlingszeit das Menschenherz! Seid gegrüßt, ihr lieb­lichen sonnigen Tage, die der Lenz uns schenkt nach langer, kalter Winterszeit! 3ioch hat die Natur ihren vollen bräullichen Lchmuu. nicht angetan, noch strahlt sie nicht in dem reichen, mit Millionen Blüten gezierten Gewände, noch kommen als ungebetene Gäste einzelne stürmische Tage mit Regen- und Hagelschauern; aber '-schon hat der Lenz gesiegt und haucht seinen allbelebenden -Odem über das sprossende Grün ber nach langem Winterschlaf waeder erwachten Erbe. Aus dem hellgrünen Grase hat sich Matzliebchen vorwitzig hervorgedrängt und schaut sehnsüchtig nach fernen Ge­spielen, den Vettchen, die nun auch ganz versteckt hinter Hecken vnb Tüschen mit ihren lieblich buftenben blauen Wpfchen ihm freundlich zi-nicken. Die fattgelben Ranunkeln, bte süßduftenden TtLnvOi - ub bic auf schwankendem Stiele im Winde wiegenden rosa i vaeD-ucoten Anemonen haben sich hinzugesellt und bieten io als Erstttnne ber Flur bem suchenden Auge ein farbenreiches, HebM Die Sonne mit ihrer belebenden straft bringt auch

in bi*" r.iqü.'n Ritzen und Spalten ein und ruft aus ihren füllen bic ..än und Mfep zum lustigen Spiel und Tanz, und loch über ihnen int blauen Aether flattert die Lerche und ruft dem Bauer ihrSpitz' bic Schar" zu. Wer wlll bei all der Lust und Fröhlichkeit noch länger fäumen? Der Sauer, ber Äanb- to-rfrv der Arbeiter, sie alle wollens einmal in Ruhe genietzen, unb spüren die göttliche Allgewalt, die all den Zauber ^rvor- gebracht. 5ient Tag ist dazu fo geeignet wie ber vtimnelfehrttag. Wen die Berufsgeschäfte ober häusliche Verpflichtung nicyt ans Laus fesseln, ber gclft heute hinaus in Gottes schöne Statur unb atmet Wonne int Ärnse lieber Freunde unb guter Marner oben. Wir gel-en wohl nicht fehl, wenn wir diesen Brauch bis in die heidnische Vorzeit zurückführen und ihn mit den Frühlings,esten unserer Vorfällen in Beziehung bringen. Meist sind es biei-lben füllen Orte, die am Himmelfahrttage ausgesucht werden, sie, die schon seit den ältesten Zeiten dazu auserkoren waren. JDlan weiß, mit welch zäher Anhänglichkeit unsere heidnischen Vorfahren an ihren Opserftätten und Versammlungsorten sesthielten und mit welch kluger Berechnung die ersten Missionare den geweihten Orten ihr Ansehen zu bewahren suchten. Sie brauchten nur den Bergen, Wäldern unb Hainen, sowie ihren heidnischen Festen eine tariere christliche Bedeutung unterzuschieben, unb bic Bekehrten entsagten ihren heidnischen Irrtümern umso lieber, ie gewisser

gesehene Betrag ist der voraussichtlich zohlleichen Beanspruchung gegenüber nur mit einem kleinen Bruchteil ausreichend. Des­halb beabsichitgt ber Taunusklub, sich an die für WvhlsahrtS- beftrebungen so oft und in hochherziger Weise betätigte offene Hand wohlwollender Gönner zu wenden und hofft auf diese Weise die fehlenden Mittel aufzubrmgen. Beiträge zur Unterstützung des gemeinnützigen Unternehmens werden von der Verwattungs- kasse G. m. b. H. Frankfurt a. M., Hochstraße Nr. 23 p. (Fern^ sprechanschluß 3417 angenommen.

--- Aus dem Ohmtal, 7. Mai. Mit dem Sitz in Obev- Ofteiden hat sich eine WassergenoffenschaftOhmtal-, genossenfchaft" gebildet, die die Entwässerung von Grundstücken, in den Gemarkungen Ober-Ofleiden, Gontershausen, Haarhausen, und Nieder-Ofleiden sich zur Aufgabe gestellt hat.

x Vom Taufstein, 6. Mai. Endlich wird eS piit der' Erbauung des Bismarckturmes ernst, der schon vor Jahren' für den höchsten Berg des Vogelsbergs beschlossen wurde, stächst» Woche beginnt Bauunternehmer Winn-Gießen mit der Herstellung der Fundamente, nachdem gegenwärtig bic letzten Lieferungen und Transporte vergeben werben. Letztere machen am meisten Schwierigkeiten, erfordert doch ber Materialtranstvrt von Ilbes­hausen bis zum Taufstein für den Wgggvn 100 Mk. Der Turm wird vollständig aus Basalt, ber am Jtaufftein in Masse liegt,, erbaut und erhält eine Höhe von 21 Meter, lieber bem Ein­gang wird ein Bronzerelief Bismarcks angebracht. Der Baupreis des Turmes kommt auf ca. 18000 ML Die Grundsteinlegung, findet kurz nach Psüigsten statt, die Vollendung und Einweihung soll um den 1. Oktober erfolgen.

Worms, 6. Mai. Auf einen von Worms nach Horchheim heimkehrenden Kaufmann wurde in der Nacht auf den 5. Mai ein Raubmordversuch verübt. Der Uebersallene wurde be­täubt und seiner Barschaft beraubt. Der Räuber, der beit Be­wußtlosen in den Straßengraben geworfen hatte, beabsichtigte nach derFranks. Ztg." anscheinend durch Oeffnen der PulSaderp dessen Tod herbeizn führen, worauf eine am linken Unter and befindliche Schnittwunde hinzuweisen scheint.

Frankfurt a. M., 6. Mai. Bekanntlich findet im nächsten Jahre in unserer Stadt bad elfte deutsche Turnfest statt.., Städttscherseits ist man eifrig an der Arbeit, die geplante Festha11 e bis dahin fertig zu stellen, da sie bei dieser Verawi ftaltung zum erstenmal benutzt lverden soll. Die Festhalle, big dauernd für die Abhaltung größerer Feste, Ausstellungen usw. bestimmt ist, wird nach bat Plänen des Professors v. Thiersch gebaut. Die Halle an sich wird 1548000 ML Eoften, die Kosten für sämtliche Anlagen sind auf 4 Millionen berechnet. Zu dem

meisten christlichen Feste, so fnüpfen sich auch an den Himmeli fahrtstag in unserem Kreise einige Sitten unb Ge­bräuche. So wollen einige Mten behaupten, baß die Kräuter,, die man vor dem Aufgang ber an dem Himmelsahrtstase besonders majestättsch empvrsteigenben Sonne Pftücke, eine große Heilkraft besitzen. In der Hüttenberger Gegend hält man bat Ameisenspiritus, ber an diesem Tage gewonnen wird, für den besten zum Einreiben bei rheumatischen Leiden. Eine mit Brannt­wein gefüllte Flasche wird eine zeitlang am Himmelsahrtstage in einen Ameisenhaufen gestellt und wenn sich genug ber fleißigen Arbeiter darin erläuft haben, den Sommer über bis zum Ge­brauch der Sonnenwärme ausgesetzt. Ein alles Mütterchen er- zähll, ihreEllen" (Eltern) hätten immer gesagt, daß 'die Butter, bie man am Himmelfahrtstage stoße, sehr heilsam sei, aber salzen dürfe man sie nicht. Bohnen solle man nicht in ber HimmelfahttS-« Woche setzen, auch keine Gurken legen, es würden sonst vielefalsch" blühen. Sehr zu raten sei dagegen, dies beim Einlänten des Himmelfahrtsfestes, also am Abend vorher, zu tun.

§ Katzenfurt a. d. Dill, 8. Mai. Um ein Haar wäre bie hiesige Synagoge ein Opfer des Feuers geworden. Die Ur-, fache war glimmeuber Ruß, der sich in einem Kamin befand, das, noch Holzkelle nach der einen Selle enthielt. Rechtzellig wurde ber I Brand noch entdeckt und gelöscht. In derselben "Nacht gegen, 11 Uhr entstiegen dem Kamin abermals Flammen, doch tonnic wiederum frühzellig genug die berellstehende Spritze größeresti Schaden verhüten.

Biedenkopf, 6. Mai. Beim Rangieren eines Güterxuges' auf Bahnhof Hartenrod der Strecke jINarburg-Herborn tarnen1 drei Güterwagen ins Rollen und konnten nicht mehr an- gehalten werden. Sie durchliefen in dem starken Gefälle bie Station Endbach und rasten mit zunehmender Geschwindigkeit dem von Gladenbach herkommenden Perfonenzuge entgegen. Zum Glück konnte Station Wommelshausen twch rechtzeitig tele­phonisch benachrichttgt werden, sodaß der dortige Beamte die Durch»> brenner kurz entschlossen in ein Nebengleis leitete, wo sie. mit großer Wucht entgleisten. (Rh. K.)