vermischtes.
* Vom Wetter. Am 8. August ist ein großer Teil der Provinz Schlesien von einem schweren Unwetter heimgesucht worden. Durch wolkenbruchartigen Regen und Hagelschläge wurde bedeutender Schaden angerichtet. In Medergiersdorf tötete der Blitz einen elfjährigen Knaben, in Teschwitz eine Frau und m Zedlitz ein zwölfjähriges Mädchen. — In Venedig herrscht eine derartige Hitze, daß in den Werkstätten der Arsenale die Arbeit eingeschränkt werden muhte. Solange die Hitze andauert, soll nur vormittags gearbeitet werden. — Aus St. Paul im Staate Minnesota wird berichtet: Heftige Orkane, begleitet von Regen und Hagelschlag, haben am Dienstag in verschiedenen Teilen der Staaten Minnesota, Wisconsin und Jova bedeutenden Schaden angerichtet. Tie telegraphischen Verbindungen sind überall unterbrochen. Tie Ortschaft Joica wurde fast gänzlich zerstört; hierbei wurde eine Person getötet und mehrere verletzt. In Mason City sind drei Personen getötet worden. In Pana wurden 2 Personen durch Blitz erschlagen.
Vom Eisenbahnunglück bei Tremessen ist heute folgendes zu melden:
Kurz, bevor der D-Zug Tremessen passierte, fuhr ein Güter- zug die Strecke entlang. Ter Lokomotivführer bemerkte die starken Schwingungen, als er das aus^ekosserte Gleis passierte und wollte den D-Zug 52 warnen. In Tremessen war aber kein telephonischer Anschluß zu erreichen. Ter Gütcrzug fuhr also bis G'ncsen weiter. Don dort aus wurde dann auf Veranlassung des Lokomotivführers sofort nach Tremessen telephoniert, daß der D-Zug nicht abgelassen werden solle. Es war «wer zu spat. Als s^ie Warnung ankam, war das Unglück geschehen. Tie nachträglich aufgesmwene Tote ist als Frau Diet aus Allenstein rekognosziert worden. —
Ueber das Ergebnis der Untersuchung, soweit eA bis jetzt vorkiegt, wird von gut unterrichteter Seite folgendes mitgeteilt: Gegen den Bahnmeister der Strecke Mogilno—Tremessen Bajor Ians Bromberg und gegen den Führer der ersten Lokomotive Vargel aus Gnescn ist das Verfahren eingeleitet. Beide sind sofort ihres Tienstes vorläufig enthoben worden. Bajor leitete die Oberarbeiten auf der in Frage kommenden Strecke, und es war seine Pflicht, dem hinter Thalsee ankommenden D-Zug 52 rechtzeitig d:as Signal zur langsamen Fahrt zu geben. Er behauptet, dem Bahnwärter dahingehende Instruktionen gegeben zu haben, und dieser erklärt denn auch, daß er beim Herannahen des Zuges mit einer roten Laterne hin und hergeschwenkt habe. Temgegeniiber sagt Vargel aus, daß er das Laternenzeichen nicht bemerkt habe. Neben dem katholischen Hospital sind die Opfer der furchtbaren Katastrophe gebettet; sie ruhen in vier kleinen weißgetünchten Zimmern auf einfachen Bahren. Wie furchtbar die Qualen der Opfer gewesen sein müssen, darauf weisen die grausamen Verletzungen hin, die alle Leichen cm den Köpfen tragen. Am schwersten verletzt wurde Fürst Bebatow aus Petersburg, auch der Körper des 15jährigen Kadetten Grafen Heinz von Kaiser'lingk zeigt entsetzliche Verstümmelungen. In der Hand des Knaben fand man eine Postkarte, die an seine Mutter in Mitau in Rußland gerichtet, und die davon Kunde geben sollte, daß die Fahrt nach Berlin glücklich überstanden war. Ter schwerverletzte Moritz Zciglin aus Petersburg ist seinen Verwundungen erlegen. Ueber das Befinden der übrigen Schwerverletzten, die im Krankenhause Bethesda liegen, wird folgendes mitgeteilt: Tie Verletzungen, welche die Herren Fleischhauer aus Breslau, Karl Hüeser aus Rudolfstätten und ein junger Mann aus Berlin, der seinen Namen verschwiegen wissen will, sind nicht unerheblicher Natur. Nach den Aussagen der Krankenschwestern ist der Zustand dieser Verletzten besorgniserregend.
Wie das Verb. Tgbl. erfährt, forderte der Kaiser einen Bericht iiber die Katastrophe, den der Geh. Baurat Janensch voni Ministerium der öffentliche:: Arbeiten ausgearbeitet hat.
Die Kaiserin har telegraphisch im Krankenhause über das Befinden der Verwundeten Erkundigungen eingezogen und sich eingehend Bericht erstatten lassen.
Tie Nachricht, daß zwei Schwerverwundete auf dem Transport nach dem Posener Tiakonissenhaus gestorben sind, bestätigt sich nicht; allerdings schweben sie in Lebensgefahr.
Tie Ausrüumungsarbeiten an der Unglücksstelle sind zur Zeit noch sehr im Rückstände. Auf dem Gncscuer Hauptbahnhose herrschen noch immer erhebliche Verkehrsstörungen. Auf dem Gnesener Eisenbahnamt haben bereits viele Personen Ersatzansprüche anmelden lassen.
gerichts ganz ohne Belang zu bleiben haben. Tas Reichsgericht hat also nur darüber zu entscheiden, ob in der Karlsruher Verhandlung gegen Hau, die mit dem „Schuldig" geendet ist, alle gesetzlichen und formellen Gesetzesvorschriften Beachtung gefunden haben, oder ob gegen sie verstoßen worden ist, sodaß eine Revisionsverhandlung nötig wird.
Für dieses neue Verfahren, wenn ein Revisionsgrund anerkannt wird, dürsten dann aber die neuen Tatsachen vielleicht von schwerwiegender Bedeutung sein. — Andererseits aber ist wohl mit Bestimmtheit anzunehmen, daß für den Fall, daß das Reichsgericht — was immerhin möglich sein könnte — die Revision verwirft, ein Wiederaufnahmeverfahren auf Grund der neuen Tatsachen stattfinden wird. Tie Möglichkeit der Wiederaufnahme bleibt der Verteidigung also immer noch, auch wenn ein oder mehrere Revisionsverfahren nötig werden sollten.
Tas Strafverfahren gegen v. Lindenau hat rein juristisch mit den: Hauptprozcß nichts zu tun. Wegen der Ermordung oder Tötung der Frau Molitor ist v. Lindenau nicht in Frage gezogen. Würde er es aber, als Täter, Mittäter oder wegen Beihülfe geschehen, so würde das ein eigener neuer Prozeß sein, dessen Ergebnis allerdings von großer Bedeutung für den definitiven Ausgang des Prozesses Hau fein könnte.
Newyort, 8. Aug. Tie Erregung, die sich der Bevölkerung infolge der zunehmenden Mordtaten bemächtigt hat, führt zu immer neuen Ausschreitungen. Gestern wurden 5 tzänzlich unschuldige Männer von erregten Volkshaufen auf eine leichthin gemachte Beschuldigung, daß sie Kinder angegriffen hätten, in grauenhafter Weise mißhandelt. Einem Mann Namens Gaston Kerchall, der im Sterben liegt, wurde der Schädel eingeschlagen und ihm 17 Dolchstiche beigebracht. Ein anderer Mann Namens Sogerato wurde von der wütenden Menge ohne lange zu fragen, an einem Laternenpfahl ausgeknüpft. Tie Polizei schnitt ihn noch lebend ab. Eine Anzahl anderer Männer wurden geschlagen und von Frauen mit Hutnadeln in der schlimmsten Weise zerstochen.
* Kleine Tageschronik. Die Frau des flüchtigen Pfarrers Kirchberg aus Büddenstedt (Braunschweig) hat sich dre Pulsadern durchschnitten und ist an der Verletzung gestorben.— Ein Raubinordversuch wird aus dem Harz gcinetdet. Ter in Treseburg wohnende Leutnant Lütte wurde bei Braunlage durch einen Revolverschuß, der aus ihn abgegeben wurde, lebensgefährlich verletzt.— Aus der Chaussee zwischen Stollberg und Chemnitz Nürzie bei einer Kurve em Automobil mit drei Insassen um. Ter Chauffeur Jllgen ist tot und em Dresdner Kausmann soll verletzt sein. — Zn der Mordasfäre von Monte Carlo tritt (vergl. Telegramme in unserer Nr. 183) jetzt die Wahrheit zu Tage. Wie ein Schreiben des Staatsanwaltes von Monaco an den Staatsanwalt in Marseille besagt, ist der Mörder Burker nur einer von den wirklichen Mördern, deni Ehepaare Goold, fingierte Person. Die Goolds, die auch Gold uiid Gould genalinl iverden, haben die Schweden in ihre Villa eingeladen und dort am Sonntag nachmittag ermordet, ihrer Juwelen beraubt, die Leiche dann zerstückelt und im Koffer bei Seite zu schaffen versucht.— Aus Valparaiso wird berichtet, daß 10 heftige Erdstöße wahrgenonnnen wurden. Unter der Bevölkerung entstand eine große Panik, da der Astronom Middleton eine Wiederholung der Erdbeben mit noch größerer Stärke voraussagt. Die Bevölkerung
Lindenau batte nach der Erklärung seines Verteidigers am Tage des Mordes um 5 Uhr 30 Min. auf Grund einer Antwort lauf eine Heiratsannonce ein Rendezvous in Baden-Baden, nicht »veit vom Ort der Tat. Er war aber früher dort und hat über eine halbe Stunde gewartet. Er ist in dieser Zeit von ibr^i Zeugen gesehen worden.
Es ist begreiflich, daß sich der Staatsanwalt der Person Les Herrn v. Lindenau versichern wollte, aber die Annahnie des Erpressungsversuchs wird erst durch den Brief, den Lindenau an Frl. Olga Molitor geschrieben hat, begründet werden müssen. Auffällig ist, daß Lindenau sich auch gleichzeitig mit einem Schreiben jn den Verteidiger Hau's, Herrn Dr. Dietz, gewendet hat, nicht bloß an das Fräulein, wie es sonst ein gewöhnlicher Erpresser gehalten hätte. Das Vorleben und die Umstände, unter denen Lindenau auf den Schauplatz dieses „Dramas eines Rechtsanwalts" getreten ist, haben ja nicht viel Einnehmendes, sodaß man sich leicht zu einem abfälligen Urteil bewogen fühlen kann und das Wort „Erpressung" sich einem fast auf die Lippen drängt. Sehr beachtenswert ist es aber, daß der Brief Lin- denaus an Frl. Olga Molitor keine Wendung enthält, die direkt darauf abzielt, sich Vermögensvorteile zu verschaffen. Ter Brief redet eine besonders für einen 64jührigen Mann merkwürdige Sprache, „hohe Töne", wie man zu sagen pflegt. Cs heißt darin unter anderem, daß er (Lindenau) durch die Verhandlung ^ne hohe Liebe zu ihr gewonnen habe; er biete ihr Herz und Hand an. Der Schreiber des Briefes gibt zu, daß er noch verheiratet sei, aber sich scheiden lasse. Und er versichert: diejenige Liebe sei die größte, die den Menschen auch liebe, selbst wenn er ein Verbrechen begangen habe!! Die Staatsanwaltschaft nimmt an, daß v. Lindenau am 6. November gar nicht in Baden-Baden gewesen sei. Demgegenüber ist Lindenau fest bei seinen Behauptungen geblieben, daß er an dem fraglichen Abend in den Lindenstaffeln gewesen sei, daß er die beiden Molitors kommen und den Schuß aufblitzen sah. Hau rönne nicht der Täter gewesen sein.
.. a W^o litor wurde vom Staatsanwalt Bleicher über dre Behauptungen Lindenaus vernommen. Das Resultat ihrer Konfrontation mit Lindenau war ziemlich negativ. Lindenau bleibt be: der Behauptung, Olga habe geschossen, was sie entschieden bestreitet. Sie will den Mann überhaupt nicht gesehen haben Die Staatsanwaltschaft hält sie für unschuldig und behauptet nach wre vor, Lindenau sei am 6. November gar nicht in Baden- Baden gewesen. Der Verteidiger Dietz hatte im Gefängnis eine lange Konferenz mit Hau über die Revision seines Prozesses
Hau ist nn Gefängnis von der Entwickelung, die sein Prozeß genommen hat, unterrichtet worden. Er nahm die Nachricht in der an ihm gewohnten ruhigen Art entgegen und sagte nur, es sei ihm leid, daß seine Schwägerin diese Unannehmlichkeiten erleiden müße.
®iecJLUwiftil^c Bedeutung der neuen Tatsachen.
^m Prozeß Hau kann von einem Wiederaufnahmeverfahren vor der Hand nicht die Rede sein, denn die Wiederaufnahme kann nur beantragt werden, wenn ein rechtskräftiges Urteil vorlügt. Es liegt aber bisher ein solches Urteil nicht vor, da bekanntlich die Reviswn beantragt ist. Erft inuß also der Entscheid des Reichsgerichts abgewartet werden. Dabei muß man nun aber sich auch darüber nicht täuschen lassen, daß die jetzt, nach dem Wahrspruch der Geschworenen in Karlsruhe bekannt gewordenen Momente für den .Spruch des Reichs-
•• Unfall. Gestern nachmittag kollidirte am L'mdenplatz (ein Junge mit seinem Fahrrad mit einem Automobil. ^Der Junge wurde vom Rade geschleudert und erlitt mehrere Hautabschlürfungen und Quetschungen, aber ungefährlicher Natur. Nach den Aussagen von Augenzeugen soll das Automobil ganz langsam gefahren sein und den Fahrer kein Verschulden treffen.
m Friedberg, 9. Aug. (Tel.) Fm nahegelegenen Qckstädter Walde wurde eine männliche Leiche gefunden, die schon längere Zeit dort liegen muß. Die Verwesung der Leiche und die Vermoderung der Kleider ist schon soweit fortgeschritten, daß die Persönlichkeit des Toten, der etwa 40 Jahre alt sein wird, nicht mehr festgestellt werden kann. Selbstmord scheint nach Lage der Sache ausgeschlossen zu sein.
□ Marburg, 8. Aug. In dem nahen Torfe Sterz- hausen brannte heute abend gegen 8 Uhr die vor sieben Jahren erbaute S ch e u e r des Landwirts Barth nieder.
h. Frankfurt a. M., 8. Aug. Oberpostdirektor Ge- beimrat Maier hat, wie die „Kl. Presse" meldet, gegen die Frankfurter „Volksstimme" Strafantrag wegen Beleidigung gestellt, weil dieses Blatt behauptet hatte, der Oberpostdirektor bevorzuge bei der Anstellung katholische ^Beamte. — Im Westend wurde gestern in der Guiolett- straße 17 durch eine zurückkehrenoe Tame zwei Einbrecher überrascht. Ter Dame, die um Hilfe rief, gelang es, den einen der Diebe festzuhalten, wodurch dessen Verhaftung bewerkstelligt weroen tonnte, während der andere entfloh. Ter Festgenommene ist ein gewisser Franz Götz aus Böhmen, der schon 25 Jahre Zuchthaus vei> ,büßt hat.
Wendungen im Ialle Kau.
Die Karlsruher Staatsanwaltschaft veröffentlicht in der „Bad. Presse" einen Brief des jüngsten Zeugen v. Lindenau, der an Olga Molitor gerichtet ist. Lindenau schreibt ihr, er habe gesehen, daß sie ihre Mutter erschossen habe. Er wolle aber schweigen. Diese Veröffenllichung erregt begreiflicherweise enormes Auffehen.
Laut amtlicher Bekanntgabe des Karlsruher Polizeiberichls handelt es sich bei v. Lindenaus Verhaftung um einen Er - .Pressungsversuch an Fräulein Olga Molitor.
Tie amtliche Bekanntgabe lautet:
Gegen den 64 Jahre alten verheirateten, zuletzt in Mann-1 heim wohnenden Karl v. Lindenau ist vom Amtsgericht Karlsruhe Haftbefehl unter der Beschuldigung des Erpressungsversuchs, der Beleidigung und Begünstigung erlassen worden. Der Haftbefehl wurde in Mannheim vollstreckt. Lindenau hat während, der Verhandlung gegen Hau an den Verteidiger desselben ein Schreiben gerichtet, in welchem er mitteilt, er habe sich am 6. November zum Zweck eines Stelldicheins nach Baden-Baden begeben, und sei Zeuge der Ermordung der Frau Molitor gewesen. Hau sei nicht der Täter. Wer geschossen habe, sage er nicht. Der Verteidiger möge dies zur Kenntnis der Geschworenen bringen. An die Staatsanwaltschaft kam ein solcher Brief nicht. Um dieselbe Zeit richtete Lindenau einen anonymen Brief desselben Inhalts an Frl. Olga Molitor, dahin lautend: er habe gesehen, daß sie ihre Mutter erschossen habe. Er versprach zu schweigen, versicherte sie gleichzeitig seiner Liebe und warb um ihre Hand. Er erbat sich Antwort in der Badischen Presse. In diesem Brief wird ein Erpressungsversuch und Beleidigung „verübt an Frl. Molitor" erblickt.
Das Resultat der Hausuntersuchung bei Lindenau war, daß /eine Mappe mit Schriftstücken und eine Zigarrenkiste mit Briefen beschlagnahmt wurde, die meistens Heiratsgesuche enthielten. Ter Verteidiger Lindenaus, Rechtsanwalt Tr. Gönner, wohnte der Haussuchung bei. Auch 7 Briefe bei Lindenau wurden geöffnet und beschlagnahmt. Lindenau sieht der Verhandlung ruhig entgegen. lieber feine Vergangenheit wird noch gemeldet: Er heiratete ein bürgerliches Mädchen aus Karlsruhe, wo er infolge von Hausspekulationen verkrachte. Die Ehe blieb kinderlos. Lin- -denau adoptierte später für 5000 Mk. ein Kind. Er ist in Karlsruhe unvorteilhaft bekannt.
Lindenau stellt natürlich den ihm von der Staatsanwaltschaft unterstellten Erpressungsversuch in Abrede. Auch soll er sich bei dem Verhör ziemlich arrogant benommen haben. Als ihn Staatsanwalt Bleicher als „Herrn Lindenau" ansprach, habe er geantwortet: „Für Sie bin ich der Freiherr von Lin- (benau."
flieht aus das Land. — Bei Z ü l ch o w (Pommern) entaleiste die Maschine und 9 Güterwagen des GnterzngeS 9277. Der Niaterial« schaden ist bedeutend. 6 Wagen sind zertrümmert, ein Schaffner ist verletzt. — In einem Torfe bei Landsberg a. d. Warthe erkrankle eine ganze Familie nach dem Genuß von Pilzen. Eine fteben- jährige Tochter ist bereits gestorben. — Nach dem Genüsse von Pilzen starben ferner in Leisnig (Könige. Sachsen) ein Tuchweber und sein Enkelsohn; eine Tochter ringt noch mit dem Tode. — Ein Gendarm erschoß beim Transport nach dem Gefängnis den fliehenden Tagner Wirtz aus Groß-Tettingen '(Mosel). — Am Gv l dkappel (Tirol) ist drau Berta Köpper aus Hamburg mit einem Führer von einem Schnee seid abgestürzt, wobei sie schwere Verletzungen erlitt. — Neulich wurde bei Ebersberg der Holz Händler Lang ermordet. Am 7. ds. Mts. zeigte sich dort der Mörder. Auf einen Gendarm, der ihn verfolgte, gab der Mörder mechrere Revolverschüsse ab, die den Gendarm am Unterleib schwer verletzten. Ter Täter floh hieraus in den Wald, fortwährend auf seine Verfolger Schüsse abgebend. Einen großen Hund, der ilM nachgel-etzt wurde, streckte er durch einen Schuß nieder. Am Abend wurde der Täter mit vier Schüssen tot im Walde aufgesunden. Bei ihm sand man gestohlene Wertsachen, 160 Mk. und einen zweiten Revolver. — In Oberhausen (Bayern) hat der geiftesschlvache Arbeiter Schäffhold seinen wehrlosen Vater erschossen. Vorher hatte er den Gutsbefttzer Maurer durch vier Revvlverschüsse lebcns- gefährlich verletz,
Märkte.
Gießen, 8. Aug. Viehmarkt. Bei dem am 6. und 7. August abgehaltenen Markte waren ausgetrieben 1682 Stück. Rindvieh, 494 Schweine. Der nächste Ntarkt findet am 20. und 21. August statt; an leljtercin Tage auch Krämermarkt.
ic. F r ii n t hi r i a. äJL, 9. Aug. (Orig.-Telegr. des „Gieß. Anz.") V i e h in a r k l. Zum Verkau'e standen 00 Kalber, 00 Schah n. Hämmel, 276 Schweine, 0 Ziegen. Schweine: 1. Qual. 70—71 Pf,, Lebendgewicht 55—55.05 Pf., 2. Qual. 70-00 Pf., Lebendgewichl 55.00-00 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg. Kälber 1. Qual. 00—00 Pf, Lebendgewicht 00-00 Pfg., 2. Qual. 00—00 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Psg., Schlachtgewicht 00—00 Psg. Schafe 1. Qualität 00—00 Pfg., 2. Qualität 00-00 Pfg, Geschäft bei Schweinen; Atarkt gilt, kein Ueberstand.
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GittZesanSt.
(Für Form und Inhalt atlcr unter DiCicr Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Als Amvohuer des südöstlichen Stadtteils pflege ich meinen Abendbummel so einzurichten, daß er mich zum Schluß durch die Moltkestraße führt. Stets wühle ich dabei den zwar recht mäßig breiten Fußweg entlang der Eisbahnwiesen, der den Vorzilg hat, den Ausblick in das Wicsccktal zu gestatten. Den herrlichen Duft der Wieselt kann man da unmittelbar in sich aufnehmen. Seit Jahren habe ich das so gehalten und auch gestern abend wieder. Von heilte ab werde ich diesen Weg indessell meibcn müssen. Denn durch einen gar kräftiger Rippenstoß bin ich gestern von einem Hydranten darauf auf« merksam geiiiacht worden, daß die Imfe Seite der Moltke. straße hiilfort für den Fußverkehr gesperrt sein soll. Man hat den Hydraliten genau mitten in den Weg gesetzt. Ich hoffe, daß ihn diese Zeilen veranlaffen werden, seiner Standplatz einen halben Nieter ivciter nach der Fahrstraße zu einzilnehmen. Andernfalls muffen eben die Spaziergänger an dieser Stelle die Fahrstraße benutzen._________________Z,
Gießener Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung für Hessen am Samstag den 10. August: Wechselnde Bewölkung. Gewitter. Warm. Südlichc Wiilde.
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Grigittal-Drahtmelüungen,
sd. Darmstadt, 9. Aug. Großes Auffehen erregt hier die Festnahme des Bauunternehmers Gg. Schäfer, in Firmc P. Simmermacher, hier. Schäfer hat sich selbst gestern abend bei der Staatsanwaltschaft gestellt und auch seinen Konkurs angc- meldet. Er gibt an, infolge Zahlungsschwierigkeiten Wechsel- fälschungen in Höhe von 40—50 000 Mark begangen zu haben.
Karlsruhe, 9. Aug. Es wird allgemein bestätigt, daß Olga Molitor stets einen 91 evolver bei sich getragen habe. Hau erhält im Gefängnis täglich Briest von Damen, die ihn ihrer Hochachtung versichern.
Nom, 9. Aug. Der italienifche Minister des Aeußem, T i 11 o n i, welcher sich gegen den 20. zum Gegenbesuch des Frei- Herrn von Aehrenthal nach den: Senunering begibt, wird gelegentlich dieser Reise von Kaiser Franz Joses in Ischl empfangen iverden.
Ai a d r i d, 9. Aug. Die Vertreter Spaniens überreichten deo Mächten eine Note, die mit der französischen Note bezüglich Casablancas fast gleichlautend ist. Spanien befindet sich hinsichtlich der Polizei in Casablanca mit Frankreich im Einverständnis unt ist bereit, die zwei vorgesehenen Jnstruktwnsosfiziere zu ernennen. — Spanien wird ein Truppenkontingent nach Casablanca entsenden.
London, 9. Aug. „Central News" meldet, daß die Be- s ch i e ß u u g von Di a z a g a n den größten Teil der Stadt in Trümmer gelegt und insbesondere fast das ganze Maurenquartier eingeäschert habe. Anstatt jedoch den Fanatismus der Stammesleute einzuschüchtern, entfacht die fortschreitende Zerstörung der Stadt ihn nur noch mehr. Ungeachtet der Melrntt- Granaten stürmten die Kabylen das Judenviertel und töteten vielt seiner Bewohner. Eine amlltche Erklärung ist noch nicht ein- getroffen.
London, 9. Aug. Am Strande der Insel Wight er kranker ein Offizier und drei Soldaten. In anderen englischen Seebäder» sind acht Personen ertrtlnken.
Belfast, 9. Aug. Gestern nachmittag kam es in eine' großen Mühle, die unter militärischem Schutz steht, zu Aus s ch r e i t u n g e n. Es wurde mit Steinert geworfen, brennend' Holzspäne an die Tore gelegt :c., doch konnte das Feuer gelösch werden, ehe größerer Schade»: eni|tanb.
Paris, 9. Aug. 9iach amtlichen Meldungen aus Tange' erflärten sich sämtliche Ai ä ch t e nut dem Vorgehe» Frankreichs bezüglich der Ereignisse in Casablanca ein verstande n. Es wird bestätigt, oaß die Ruhe wieder her gestellt ist.
T o u l o »t, 9. Aug. Tas Transportschiff Shamrock, daS m» Pferden nach Casablanca abgeheit sollte, hat Gegenbefeh erhallen und wird weitere Instruktionen abwarten.
Tanger, 9 Aug. Die Divtsion Plubitat ist vo'. Casablanca angekommen; die Ausschiffung wurde gestern nady mittag noch beendet. Ein voit dort elngetroffenes Schiff teilt mit daß bei seiner Abfahrt die Ruhe »viederhergestellt mar.
Tanger, 9. Aug. Mouclain marschiert an der Spitz' von 8 0 0 0 Mann nach M o g a d o r.
T a n g er, 9. Aug. Gestern versuchte ein Marokkaner die Frau eines C h r t st e »t zu töten. Er wurde jedoch a» der Ausführung der Tat verhindert und verhaftet. Ein Diploma erklärte einem Vertreter des Malin, daß Frankreich und Spame» 4 Sicherheits maß regeln f ü r d i e Europäer in alle» 4 Hafeustadtev getroffen hätten, bevor sie auf Casablanca vorgegange» 4 seien. . s \
Tanger, 9. Aug. Wie aus Casablanca gemelbct roirt < stehen eine große Anzahl Häuser in Flammen. Viel 4 Gebäude sind eingestürzt. In der französischert Zweigstelle der Ban 4 von Algeciras ist Geld entiuenbct worden. Ent Dolmetsche 6 des deutschen Konsulats, t ii r k i s ch e r Staats 4 an gehöriger, i st ermordet worden. Aia»i glaubt, da z seine Familie entführt worden ist.


