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07/06/1907 Drittes Blatt
 
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Freitag 7. Juni 1907

Drittes Blatt

Nr. 131

157. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

RotattonSdruck und Verlag der Brühl'ichen UnwersitälS - Beech- und Stetndruckerei.

R. Lange, Dießen.

DieSiebener ZamiNenblStter" werden dem /Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für ven Kreis Siehen" zweimal wöchentlich. Derhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Redaktion, Expedition and Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag i 6L

Redaktion: 112. Tel.'Adr^An»eigeriLteßen-

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Wenn man eine Zeitlang täglich Bioson trinkt. Schon näch wenigen Tagen merkt man, dass die Kräfte sich heben, wie aus nachstehendem Bericht ersichtlich ist. __ä----------------

Christliche Bücherkolportage.

Aus Kreisen der oberhess. Geistlichkeit wird uns geschrieben:

In der neuesten (Juni-Juli) Nummer der Monatsblätter für innere Mission steht ein Artikel, der für weitere, besonders ländliche Kreise unserer Provinz von Interesse ist. Da aber btc Blätter nur in kleinerem Kreise gelesen werden, so sei das Weient- liche der hier gemachten Mitteilungen an dieser stelle zur Aul­klärung bekannt gegeben. Es handelt sich um die chrtsittchc Bücher- kolportage und wir betonen von vornherein, baß unsere Sorte nicht persönlich verlesen sollen, sondern nur der guten L>ache dienen sollen Seit langen Jahren wurde diese Bücherkolportage vom Herborner Kolportageverein aus betrieben. Nun beabsichtigt man, diese bei uns in Hess en in die eigene Hand zu nehmen und eine eigene Buchhandlung zu gründen, ^re Grunde hierzu sind etwa folgende: Der ganze Arbeitsgewinn,, den be­sonders in Oberhesfen die Kolportage bringt, geht jur um er Hessen verloren und fließt nach Herborn. Dazu haben unsere hessischen Inneren Missionsarbeiter keinerlei Emsiuß aus den Geschäftsbetrieb, der von Herborn aus geleitet wird. Unterstuven und helfen dürfen wir, aber nicht mitreden und mittaten j,as ist gewiß schon unerträglich, wenn man weiß, daß em nicht ge­ringer Teil des Vermögens des Nassauer blolvortageverems aus Oberhessen stammt. Aber cs kommt noch mehr dazu. Wahreird der Herborner Verein m Oberhessen gute Geschäfte macht, hat er in Rheinhessen diesen geschäftlichen Erfolg nicht gehabt, Folge davon war nicht die, daß er dort um der guten --acht willen weiter arbeitete, den Gewinn m Lberfcnen aus den Ver­lust in Rheinhessen anrechnete, sondern daß,er dort btc Kolpor­tage ganz einstellte. Für die Innere Mission umeres Landes mußte es aber em Anliegen fein, auch Rhelnheen zu versorgen.

Pfarrer D Schlosser, der die Verhandlungen zuerst führte, fand anfangs volles Entgegenkommen. Man sah in nassauischen

Kreisen das gute Recht Hessens ein, wenn es sich auf eigene Füße zum Nutzen der guten Sache stellen wollte. Man hielt bte eventuelle Lostrennung für berechtigt und wünschte alles Glück für die selbständige Arbeit. Aber bald kam cs anders. Als man die Kolporteure ersuchte, die Bedingungen anzugeben, unter welchen sie in die hessische Arbeit eintreten wollten, fand man wenig Entgegenkommen. Ter Vorsitzende des Nassauer Vereins, der die erwähnten Wünsche ausgesprochen hatte, legte sein Amt nieder, der Verein beschloß, die gewinnreiche Arbeit in Oberhesfen sich nicht entgehen zu lassen. Daß er damit den Anfängen in Hessen Schwierigkeiten macht, ist selbstverständlich. Aber noch unichöner und unchristlichcr scheint die Art zu sein, wie er dies nach An­deutungen der Mitteilungen des Vereinsgeistlichcn Schlosser tut. Im hessischen Werbeaufruf war gesagt worden, baß man die Arbeit nachm o b e r n - g e s ch ä s t l i ch e n P r i n z i v t e n" ein­richten wolle. Wenn man nun aus eigener Erfahrung weiß, daß das Wort m o d e r n auf gewisse Leute wirkt wie das rote Tuch auf geiüiffc Tiere, so begreift man, daß man die moderne Theologie dahinter witterte. Ob es ehrlich ist, modernen Geschäftsbetrieb und moderne Theologie so gleichzusetzen, mag jeder anständig denkende Mensch beurteilen. Tatsache aber ist, daß der hessische Landesausschuß, dessen Mitglieder überwiegend derpositiven" Richtung der Theologie (orthodox) angeboren, einmütig beschlossen hat, in Hessen selbständige Arbeit zii treiben, und daß er dazu nicht nur das Recht, sondern nach den dargelegten Umständen auch die Pflicht zu haben glaubt. Wir wünschen ihm die siegreiche Ueberwindung aller offenen und noch mehr aller heimlichen Gegnerschaft. Beide werden ihm zu Teil werden. Wir wünschen ihm die Unterstützung aller rechtlich denkenden evangelischen Christen, die sich darauf verlassen können, daß unsere hessische Innere Mission nicht im Dienste einer theo­logischen und kirchlichen Partei steht und stehen wird, sondern daß sie dem evangelischen Volke dienen will. Aber das muß mithelfen. Und, nun es jetzt weiß, wie die Sache steht, wird es auch mithelfen, daß das gute Werk Fortschritte macht, und es wird sich nicht irre machen lassen, wenn man die Arbeit, die man ihm getan werben soll, verdächtigt. Es kennt noch sein achtes Gebot!

vermischter.

* Berlin, 6. Juni, zev Weueioiger des zu drei Monaten Gefängnis verurteilten ehemaligen Geh. expedierenden Sekreta- rials-Assistemen Pöplau, Rechtsanwalt Bertram, wird im Auf-, trage seines Klienten gegen das landgerichtliche Urteil Revision einlegen. Ein schweres Verbrechen, das in seinen Einzelheiten noch der Aufklärung bedarf, ist heute am Schleswiger Ufer verübt worden. Tas Waschmädcheu Ida Maschke hatte in einest Wäscherei bis tief in die Nacht hinein gearbeitet und gegen 1 ;2 Uhr den Heimweg angetreten. Nach ihren Behauptungen traten cm Schleswiger User plötzlich zwei unbekannte Männer auf sie zu, und während sie der eine fest umschlungen hielt, raubte ihr best andere die Taschen aus. Als sie sich zur Wehr setzen jvollte, wurde sie von den Räubern emporgehoben und in bie Spree geworfen. Auf ihre Hülferufe eilten mehrere Passanten hinzu und retteten sie mit Hülse des Rettungskahns. Tie Polizei ist bemüht, den Raubansall aufzuklären.

* Ter neueste Eisenbahnunfall. In der vorletzten Nacht fuhren infolge Losrrennung eines Teiles eines von Brand nach Roteerde (Rheinland) fahrenden Güterzuges mehrere Wagen infolge ftarfen Gefälles auf den vorderen Zugteil. Ter Hülfs- bremfer Zennis wurde getötet, ein anderer Bremser schwer ver-, letzt. Sechs Wagen sind total zertrümmert. Tie Untersuchung darüber, wer den Unfall verschuldet hat, ist entgleitet.

* Das Abenteuer eines Hochtouristen. Seit Pfingsten wurde i>er Wiener Hochtourist Emil Ascher vermißt, der auf die Raxalpe gestiegen war. Jetzt endlich ist er gefunden worden: er lag hilflos auf der Kareralm auf der Rax und wurde in das Karl Ludwig-Schutzhaus gebracht, wo er, der Pflege sehr bedürftig, noch daniederliegt. Ascher erzählte, als man ihn fand, er habe Fieber und Hunger; denn er habe feit drei Tagen keinen Bissen in den Mund bekommen. Auf der Rax habe er sich in der Gegend der Kareralm, etwa eine Stunde vom Karl Ludwigs- Hause, verstiegen. Er sei in die Felswände geraten und habe sich nicht mehr ausgekannt. Stunde um Stande verstrich jedoch, ohne daß die Befreiung gekommen wäre. So oft er versuchte, weiterzugehen, habe er alsbald innehalten müssen, weil er an Wände ober Absturzstellen kam. Schließlich habe er verzweifeln müssen, ohne fremde Hilfe den Platz verlassen zu können, und habe sich nicht fortgerührt drei Tage und drei Nächte langt . . . Wiederholt habe er Hilferufe ausgestoßen, sie verhallten utw gehört. So saß l^der lag er da int Freien, gequält von den Un­bilden des Wetters und gepeinigt vom Hunger. Das einzige, was er sich nehmen tonnte, war Wasser, das in der Nähe aus einer Quelle strömte, und das er in seiner Flasche auffing. Sein Touristensack sei leer gewesen. Cr wurde immer müder und erschöpfter und damit sei ihm die Hoffnung auf Rettung immer mehr geschwunden. Am Nachmittag gegen 3 Uhr habe er wieder um Hilfe gerufen. Diesmal mit Erfolg: ein Bauernbursche tauchte bet ihm auf, der ihn in daS Karl Ludwig-Haus brachte.

* K1 e t n e T a g e s ch r o tt i i. In Ober kaff et (Rhein!.) äscherte cm Fetter elf Häuser ein, wodurch 15 Familien obdachlos wurden. Einem Wemgutsbesitzer wurden 23 000 Liter Wein ver- uichlet. Eine 73jährige Frau erlitt aus Schreck einen Schlaganfall und starb. Tte Bewohner konnten mit Mühe das nackte Leben retten. Oberpräsident Freih. von Schorlemer traf an der Brand­stelle ein. In der Rheinischen Fabrik in Mülheim am Rhein erfolgte eine schwere Kesselexplojton. Ein Arbeiter wurde getötet, zwei wurden schwer verletzt. Ter Materialschaden ist be­deutend. In B o m b e ck erschoß der Landwirt Schemann einen Einbrecher, der in seine Scheune einzudringen versuchte. Lei Danzig wurde aus dem Küstendampser .Fridjof" der Matrose Paul Luna aus SDlentel durch eine vorzeitig explodierende Granate getötet. In Budape ft hat sich der Journalist Bekosey aus Gram Darüber, daß ein Blatt ihn des Plagiats beschuldigt hatte, eine Kugel in die Brust geschossen. Im sterbenden Justandö wurde er tu em Kranleulmus gebracht.

im Zirkus Albert Schumann, der sie bis zum Schlüsse beiwohnten.

Langenschwalbach, 5. Juni. Gestern nachmittag trafen der Grvßherzo g und die Großherzogin von Hessen nebst Gefolge hier ein und stiegen imHotel Metropole" ab, wo der Kaffee eingenommen wurde. Nach einem mehrstündigen Aufenthalte erfolgte gegen 6 Uhr die Rückfahrt.

** Kleine Mnreil >ina t. essen und den Nachbarstaaten. J>l einem Garten in Gau-Algesheim wurde eine Spargel gestochen, welche 185 Gramm wog. Der seitherige Chefredakteur der Offenbach erZtg. Beer wird seine fernere Tätigkeit bem Reichsverband gegen die Sozialdemokratie widmen. Im Kreise Friedberg erhebt den geringsten Prozent­satz an K o m m u n a l ft e u e r n die Gemeinde K l e i n - K a r b e n mit 27 Proz., den höchsten die Gemeinde Boden rod mit 218 Proz., Butzbach ist mit 93, B a d - N a u h e i m mit 123, Friedberg mit 95 Prozent ausgeführt. Eut interessanter Altertums- f u n d ist, laut ,Tl. Tgbl.", in Kastel im Gasthaus ,Zu ben drei Königen" gemacht worden. Beim Abreisen eines uralten Herdes in der Küche fand man in ihm eingemauert eine größere, reich gezierte Eisenplatte mit einer Darstellung der Hochzeit zu Kanaan. Die Figuren sind gut erkenntlich; dagegen müssen Jcchteszahl und Inschrift erst vom Rost befreit werden. Tie Platte Dürfte ein Alter von mehreren hundert Jahren Haben.

Abonnement im neuen Gießener Stadttheater.

In dem heutigen Anzeigenteil ist die Einladung zum Abonnement auf die erste Spielzeit im neuen Stadttheater enthalten. Sie ist so zeitig crlässen worden, weil die Einwohnerschaft in den Juliwochcn durch die Vorberei­tungen zum Univerfitülsjubiläum stark in Anspruch ge­nommen sein wird, und nach demselben sehr viele ver­reisen werden. Zudem wird die erste Verteilung der Plätze und die Befriedigung ailer in Bezug auf den Platz ge­äußerten Wünsche eine besonders schwierige und zeit­raubende Arbeit fein, die deshalb von den Mitgliedern der Theaterkommisfion und Herrn Direktor Dteingoetter gemeinsam übernommen ist. So wurde den Spendern des Baugeioes femerzeit versprochen, daß ihren Wünschen in Bezug auf Plätze weitestgehende Berücksichtigung zuteil werden sollte, und dieses Versprechen soll jetzt und in Zu- iunft auch gehalten werden. Vielleicht entschließt sich wegen dieses nicht zu unterschätzenden Vorteils mancher noch jetzt, eine Spende für den Theaterbau in Aussicht zu

stellen.

Zu den beiden Abonnementsabenden Dienstag und Freitag ist noch der Mittwoch hinzugetreten. An diesem Tag beginnt die Vorstellung nicht, wie an den beiden anderen, um 8 Uhr, sondern schon um 7 Uhr. Dieser frühere Beginn wird gar vielen angenehm sein, die es vor­ziehen, zeitiger zu Bett zu gehen, also namentlich wohl älteren Leuten. Er ist aber auch gewählt worden mit Rück­sicht auf den zu erwartenden Theaterbesuch aus der Um­gebung Gießens. Um diesen zu befördern, haben bereits Verhandlungen mit der Eisenbahndirektion in Frankfurt tattgefunden behufs Einlegung passender Züge nach Schluß )es Theaters, mindestens am Mittwoch und am Sonntag; ie werden hoffentlich von Erfolg gekrönt sein.

Um das Abonnement zu erleichtern, sind die Preise ehr niedrig gestellt worden. So kostet z. B. ein Platz in >en mittleren Reihen des Parketts pro Vorstellung 1.28 Mk. (einschließlich Garderobegebühr), während der Kassenpreis (einerlei ob Tages- oder Abendkasse) 2.25 Mk. ist. Kann oder will mau nun seine Karte an den betreffenden Abend nicht benutzen, so lost man einen Gut­schein für.20 Mark, so daß die Karte dann immer erst auf 1.48 Mk. kommt. Ter Preis bleibt damit noch unter demkleinen Preis" des Platzes (1.50 Mk.). Bei kleinen Preisen und außer Abonnement wird am Sonn­tag abend gespielt werden. £ie sog. Tutzendkarten sind in Wegfall gekommen. Besonders billig sind, um auch weniger Bemittelten einen regelmäßigen Besuch der Vor­stellungen zu ermöglichen, die Preise im 2. Rang gestellt. Hier kann auf die Plätze in den beiden ersten Reihen abonniert werden zum Preise von 12.50 Mk. für die 21 Vor­stellungen des Vollabonnements. Es kostet also eine Vor­stellung nur etwas weniger als 60 Pf. (gegenüber 1 Mk. Kassenpreis).

Teilabonnements (auf 7 aufeinanderfolgende Vorstel­lungen) zu nehmen, empfiehlt sich nur zu zeitweiser Er­gänzung eines Vollabonnements. Denn sie sind verhält­nismäßig viel teurer als diese.

Auskunft über alle das Abonnement berührende Fragen zu geben, ist nicht nur Herr Ehallier, der die Aus­gabe der Anmeldeformulare und den Verkauf der Pläne übernommen hat, bereit, sondern auch alle übrigen Mit- glieder der Theaterkommission.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Frankfurt a. M., Oberrad, den 17. Februar 1907. Nerven­schwäche, chronische Tarmschwache 2c. hatten mich zur vollständiger Erschöpfung gebracht. Als alle Nahrungsmittel vom Stagen ab- aelebnt wurden, nahm ich 1 Pfund Biofvn innerhalb 8 xqgen. 5chon nach 4 Tagen konnte meine Verdauung wieder arbeiten, tat foürte förmlich nach und nach eine neue Blutwelle tm Orgamsmus. Bom 8. bis 15. Tag nahm ich wieder 1 Pfund Bioson, weiches nur aenüqte, da ich nun alle neutralen Speisen vertrug. . Feyt konnte ich meinen Korver weiter kräftigen, indem ich Gymnawk anwandte. Tie'es, hat mtch bis heute zu einem kräftigen Mann gemacht. Hochachtend 1 Ludwig Schimmel, Buchhandlung. Bwfon nt in Apotheken, Drogerien ui'w. das halbe K^lo-Paket zu 3 Mark erhältlich, welches ca. 14 Tage ausretchi.

Aus Stadt und ranö»

Gießen, 7. Juni 1907.

* S. D. der Fürst von Solms-Hohensolms- Li ch, der bekanntlich das Protektorat über den Südwest - asrika-Basar zu übernehmen die Gewogenheit hatte, hat, wie wir hören, sein Erscheinen zu der am Samstag statt­findenden Eröffnung des Basars in bestimmte Aussicht ge­stellt. Ob auch I. K. H. die Frau G r o ß h e r z o g i n zu den Festlichkeiten erscheinen wird, ist noch nicht beftimmt.

* Personalnachrichten. S. K. H. der Groß- Herzog hat den Verzicht des Oekonomierats Bürger­meisters Ernst W e r n h e r von Nierstein auf die Rechte eines lebenslänglichen Mitgliedes der ersten Kammer der Stände angenommen. Am 5. Juni wurde der Direktor der technischen Lehranstalten in Offenbach a. M., Professor Hermann Schurig auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Oktober in den Ruhestand versetzt und ihm in Anerken­nung seiner langjährigen treuen Dienste das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Dem Fabrikanten Karl Opel in Rüsselsheim, Mitinhaber der Firma Adam Opel in Rüsselsheim, wurde der Charakter als Kommerzienrat erteilt. Ter provis. Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Wöllstein, Lehr- amtsassess. Ludw. Schimpf wurde zum Oberlehrer an dieser Schule ernannt, der Landgestütssouragemcister K' üchler unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Juli ab in den Ruhe­stand versetzt und mit Wirkung vorn gleichen Tage ab der Vizewachtmeister i. P. Reuschling zu Schönberg a. d. B. zum Landgestütsfouragemeister ernannt. Das Ehren­zeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde ver­liehen dem Peter Wenzel zu Heubach. Entlassen wurde am 1. Juni der Lehrer an der Gemeindeschule zu Zell- Hausen, im Kreise Offenbach, Georg Müller auf sein Nach­suchen aus dem Schuldienste. Dem Amtsrichter in Fried­berg Wießner wurde der Charakter als Amtsgerichtsrat erteilt. Die Regierungsbaumeister Heinrich Koch aus Alsfeld und Clemens Behle aus Frankfurt a. M. wurden zu Eisenbahn-Bau- und Betriebsinspektoren in der Hessisch- Preuß. Eisenbahngemeinschaft mit Wirkung vom 1. April an ernannt. Am 5. Juni wurde Peter Marzellin Stadler aus Seligenstadt zum Schreibgehilfen bei dem Steuerkom­missariat Seligenstadt ernannt. Erledigt sind zwei mit evangelischen Lehrern zu besetzende Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Raunheim, Kreis Groß-Gerau, und die Stelle des Forftwarts der Forstwartei Auerbach, Ober­försterei Bensheim.

** Das nächste Schwurgericht wird nur über zwei Straftaten zu befinden haben. Es wird verhandelt werden: Montag, den 10. Juni, vormittags 9U Uhr, gegen den Former Ludwig Zecher, den Schuhmachergefellen Lud­wig Stephan und den Maurer Friedrich Grölz, alle von Staufenberg, wegen Körperverletzung mit töd­lichem Erfolg; bte Anklage vertritt Staatsanwalt Reuß; die Verteidigung wird für Zecher von Rechtsanwalt Klaren­aar, für Stephan von den Rechtsanwälten Grünewald, Leun und Fischer und für Grölz von Rechtsanwalt Mendelsohn geführt werden. Dienstag, den 11. Juni, vormittags 9 Uhr, gegen den provisorischen Verwalter der Klinik sür pshchiscyc und nervöse Krankheiten, Finanz-Aspirant Adam Ferdinand Dönges hier wegen Verbrechens im Amte. Die Anklage wird ebenfalls von Staatsanwalt Reuß vertreten. Als Verteidiger fungiert Justizrat Windecker von Friedberg.

** Der Gern Hard tusche Zither- und Mando­line n ch o r unternimmt am nächsten Sonntag den 9. Juni einen Ausflug nach Bad-Salzhausen, wo er ein Konzert geben wird. Da Salzhausen mit seinen anmutigen Park- Anlagen einen recht angenehmen Ausflugsort bildet, so dürften sich auch noch weitere Freunde des Vereins und der Zithermusik' aus Gießen der Fahrt anschließen.

(k.) Bad-Nauheim, 6. Juni. 40 Jahre sind es in diesen Tagen her, daß das Amt Bad-Nauheim, die kur- hesfische Enklave, durch Staatsvertrag zwischen Preußen und Hessen dem Großherzogtum Hessen formell einverleibt wurde, nachdem es bereits 1866 bei Anektierung Kurhessens Hessen zugeteilt worden war im Austausch gegen das sog. Hess. Hin­terland, das den Kreis Biedenkopf umfaßte und von Gießen aus in einem schmalen Streifen dem Biebertal folgend über Rodheim, Königsberg führte und sich über Gladenbach bis Biedenkopf, Battenberg und Vöhl erstreckte. Das Amt Bad- Nauheim umfaßte die Orte Bad-Nauhecm, Dorheim, Rödgen und Schwalheim und gehörte zum Kreise Hanau, wohin auch die Rekruten zur Musterung gingen. In jener Zeit kam Neuheim als Bad kaum in Betracht, auch zählte es nur etwa die Hälfte seiner jetzigen Einwohnerschaft. Der Aufschwung Bad-Nauheims zu seinen jetzigen Weltruf hat sich erst unter der Fürsorge der hessischen Regierung voll­zogen, die schon in den 70 er Jahren die Wichtigkeit der Nauheimer Quellen und Sprudel erkannte, die Bad-Nauheim zu seiner jetzigen Blüte gebracht haben.

Wo r ms, 6. Juni. In der 2omr e st aur i e r u n g s- frage beschloß die heutige Stadtverordnetenversammlung, einen städtischen Kostenbeitrag von 20 000 Mark bedingungs­los zu bewilligen. Dagegen willigte si^ nicht in den Aus­tausch der dem Westchor angelagerten Schule der englischen Fräulein, die der Domgemeinde gehört, gegen die der Stadt gehörigen, vor der Südseite des Domes liegenden Muthschen Häuser. Durch diesen Beschluß wird die Um­gestaltung des Domes nach den vom Kunstrat gebilligten Plänen der Bauleitung für absehbare Zeiten unmöglich gemacht. Heute starb hier der Lehrer i. P. Theodor Grünewald, der sich eines großen Ansehens erfreute. JJn der ganzen Umgegend war Grünewald besonders in Jägerkreisen geschätzt wegen seiner großen Fertigkeit, die verschiedenen Arten Wild kunstgerecht auszustopfen. Manche von ihm behandelte Jagdtrophäe ziert rheinhefsische und pfälzische Jägerhäuser. Grünewald erreichte ein Alter von nur 63 Jahren.

Frankfurt, 6. Juni. Der Großherzog und die Großherzogin von Hessen, die Landgräfin Clodwig von Hessen-Philippstal, Graf Wilhelm zu Solms-Laubach, Prin­zessin Dorothea zu Solms-Lich, Gräfin zu Soüns-Laubach, .Gräfin Stolberg u. a. besuchten gestern die Gala-Vorstellung

Was gibt dem Schwachen Kraft und neuen Lebenssaft ?

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