Ansprachen des Kaisers und des Zreichskanzters.
Berlin, 5. ft-cbr. Eine nach Tausenden zählende Menge zog auch heute in musterhafter Ordnung gegen Mitternacht zuni NeichSkanzlerpalaiS und brachte dein Fürsten Bülow unter Abünguug patriotischer Lieder begelitertc Ovationen dar. Ter Reichskanzler erschien. Tiefe Stille trat sofort ein, als der Reichskanzler etwa Folgendes sagte:
Ich bank Ihnen, nuine Herren, baß patrioiifdie Gesinnung Sic Wirderiim hierher geführt bat. ¥116 td) am IB. Dezember einen letzie.' Sippell an dcn isi.ichstag riditete, schloß ich mit bcu Worten, da; dic Ltcgicrnng ihre Pflicht tun wirb im B.ruanrn auf bae bnnfdje Boik Tiefes Vertrauen bat nicht getäuscht. Wa-Z bei bm Haiiptivahieii g sieg, bat unb Heine lei den Siichwahieu weitere schöne Ersoige errungen Hai, bas i|i der beutsche Geist,
Ter gekämpft bat allerwegen Ter noch kämpsi zu bieser Frist, Unb ber darum nicht erlegen, Weil er ja nnst.rbiich iii.
Wenn wir diesem beniichen Getue treu bleib en, wenn vor allem die benliche Jugend feslhäll an diesem Geist und sich mit ihm et» füllt, bann können nur rnmg und freudig in die Zukunft beb Vaterlandes bilden. Unb nun summen Sie mit nur ein in ben Rus ber Liebe unb bet Treue bis zum Tod: .Unser bnusches Vatcrianb, es leoc hoch!"
Btallfeud ertönte das Hoch auf das Balertaud. C al- blökten Hauptes sang die Menge: Tcutjchtaud, Teutschlaud über 4l lies.
Boiu ReichskauzlerpalaiS zog die Menge iunncr mehr anwachieiid, in größter Orduuug die Bjilheliustrage entlang und Uiilec den Linden zum königlichen Schlage.
Der Kaiser war kurz vor Mitternacht von dein Vor- trage, dein ec m dec Allgemeinen ElcktcizilalS-Gefells saft bei- geivohnt hatte, nach dein Schlot; zurückgckehcl. Es wurden ihm Unter den Linden van der dort zu Tausenden angesammellen Menge stürmische O v a t i o u e u bereitet. Tie Menge umdrängle die Kaiserlichen Aulomobile, die nur sehr langsam und voistchlig fahren kannten. AlS der Kaiser in das Schloß eingefahren ivar, sammelte sich die Atcuge in tadelloser Haltung auf der Lustgarlcuseite des Schlosses und stimmte das Flaggculied und die Wacht am Rhein an. Als dir Lieder verklungen waren, und nachdem die Taiijeude ivieder- holle begeisterte Huldigungen daigebracht hallcii, verlundele ein Marineoffizier, daß der Kaiser und die Kaiserili erscheiucii würden. In dec Zivischcuzeit zeigten sich am Mitlelfeuster des Schlosses die Punzen 2ldalbert und Auglisi Wilhelm, denen aufs 'Jteue .unter Absingiing patrioiischci Lieder Kundgebungen dargebracht wurden. Bald dataui erschienen die Riaseilaten, van minutenlang anhaltenden Jubel begrüßt. Tie Kaiserin winkte mit dem Tuche. Der Kaiser trat ganz an die Brüstung des MittclfcnsterS neben dem Schloßportal vor und hielt, nachdem er em Zeichen gemacht Halle, ivorauf lautlose Stille cinlrat, eine 91 nspräche welche, soweit sie von unten veriioulmeii werden konnte, etwa folgenden Wortlaiit hatte:
Silentium! Ich danke Ihnen, meine Herren, vom ganzen Herzen für die Huldigung, die Sie mir heute dargebracht habetr. Sie entspringt dem Bewußtsein, daß Sie Ihrem Valcr- lattde gegenüber Ihre Pflicht getan haben und das Wort unseres Reichskanzlers, das er zu Ihnen gesprochen hat, wayr wirb; Deutschland kann reiten, wenn e s wi 11. (Stür- misd-eö Bravo.) Ich l>abe die felsenfeste Ueberzeugung, wenn Wie bisher alte Stänoe, hoch und nievcig, alle Ko n i e i j i o n e n (stürm isd-er Beisall) einig zusammcnsteyett, bann werden tvir nicht nur retten, sondern alles nieberreiten, was s i ch uns entgegen st ellt. (Stürmische Hurrarufe.) Und nun will ich schließen mit bcdii Worte, daß itnjcr großer Dichter Kleist in seinem „Prinz von Homburg" gesprod-cn hat, als Kottwitz dem Großen Kurfürsten oegenübertritt:
Was lünuncrt uns die Regel, nach der der Feind sich schlägt. Wenn er nur nieder vor uns mit allen feinen Fahnen sinkt. Die Regel, die ihn schlägt, das ist die höchste.
Die Kunst jetzt lernten wir, ihn zu besiegen, Unb sind voll Lust, sie ferner noch zu üben.
Deswegen foM dies nicht b.oß eine augenblickliche, vorübergehende patriotische Regung sein (Rufe: Nein! Nein!), sondern ein felsenfester Entschluß (Rufe: Jawohl !), auch ferner auf diesem Wege zu beharren.
Brausende Hurrarufe und der Gesang der Rational- hi;mne ertönten in dec klaren Wmternacht, während die Majestäten und die Prinzen immer ivieder die Menge grüßten. Gegen 8/t 1 Uhr zogen sich die Majestäten zurück. Nur langsam zerstreute sich die 9)lcnge.
Tas offiziöse ,W. T. B.* gibt die Rede folgendermaßen wieder:
Meine Herren:
J.H danke Jbncn von ganzem Herzen für die schöne Huldigung, die Sie uns dargebracht babeu. Sie einipringt dem Gesnht, baß Sie stolz sinb, Ihre PNicht gegenüber dem Baicrlanbe getan zu haben. Wad) den Womit unfcriS SlanjitiS lönnen Sie reuen, unb Sie nxrbcn nteberrrtleli, was unü enigegei.stthi, zumal wenn alle Stanbe unb alle Konfessionen feit unb eiliuiüitg zufammenhalte». Lassen Sie biese Feurstunbe nicht als cüie Welle pauwiischcr Begeisterung verrauschen, sonbern bkibeu Sie fest bei ber eingelchiagenen i;aon! Id) schließe mit dem Lichterwort unseres großen Klein ans feinem „Prinz von Homburg", wo ber alte Koiiwth 311111 Großen Kurfürsten etwa sagt: „Was kümmert Dich die Regel, nach der ber Feind fid) schlägt, wenn er nur geschlagen roiib. Die Kunst j pt lernten wir, ihn 311 besiegen, und sind voll Luu, sie fnrber nod) zu üben!"
Die große landwirtschaftliche Woche.
Unberechtigter plarhbrucr bereuten.)
S. u. H. Berlin, d. 4. Febr.
In '.mmiit;lbarcm Anschluß an die Reichstagswahl-Campagne treten diesmal die beiitfcycn landwirtschafliicheu Crgaiuiationcn ou der großen „Landivertscha.t.ichcn Wou-c" in Aeriui zusam> inen, die alIayrUa) dem Leben und Trewen in der pteichShaitpt- Itabt ein ganz besonderes Gepräge verleiht. Mit jedem Jahr ist die politische und wirtichaftlicije Bedeutung biciec agrarifchen Zusammenlumte gewachieu und neben dem „Ientcalverbanb beutidjer Induftrietlec" und dem „Deutschen Handeistag" stehl heule die „Landiviitichastiiche Wocl-e" als gleiajberedjeigter unb flteici) machtvoller oa.tor im Vordergründe des allgemeinen In. tercffcs.
äßie immer, so wird auch diesmal die Generalversammlung des Bundes der Landwirte das Hanptereignis der „Landioirt- Ichiiftlichen ' bilden, schon wen dazu mehrere taufende von Landwirten ans .allen 2eilen des Reiches in Berlin encheinen, uiCC "Birt.is Bnsu^, der tr^dstwucllen Tagungsitatie des Bundes - d^r Landwirte, ui einer imposanten Busammen-
?‘?u.ll|w ,uuü Forderungen der deutm-en Landwirifaiaii zum Ausdruck zu bringen.
Nachdem die Wahren den konservativer Parteien und der „Wirtfchait.ichen Beremtgung", die sich in erster Lmte bie Für- btiung der .djrarifcijcn Interessen angercgen fein lauen einen grogcn Zuwaci.-s an Prandaten unb Stimmen unb damit einen öteg bco schuhzoiuicrifchen Prinzips georacht liauen, für das b^r Bund feit feinem Besieh en eingetreten isi, so dan man dem ^erlauf der Generaiveriami.irung diesmal inet ganz -bcnmBereni ^ntcreffc entgegeiifcljcn.
Gin zweiter Umsiand, der der Vnndestagnng diesmal ein vefotideres Relief der leiht, ist bie Wiederwahl des laugiahrigen
Bundesvorsttzendcn, Dr. Roesicke tm Streue ffatiersiautcrn uno seines Direktors Tr. Diederich Hahn, die beide in der General- Versammlung als Sieferentcn austrcten werben. Ebenso steht die Wiederwahl des weslpreußischen Bundessührers, Kammerherrn von Öldenburg-Ianusckwu, außer Zweifel. Der Bund hat also recht, wenn er die diesjährige Tagung mit ganz besonders freudigen Gefühlen begeht, die, wie verlautet, diesmal soaar durch den Besuch des neuen Landwirtschasis-Ministers von Arnim-Criewen gekrönt werden soll. Dazu hatte sich nicht einmal Herr von PodbiclSki bereit gesunden, obwohl er an fast allen übrigen bedeutsameren Lersammlungen der großen „Landwirtschaftlichen" teilzunchmen pflegte.
Uiimiitcibur un die Bundeshanptversammlnng schließt sich in den Tagen vom 11. bis 15. Februar die Hauptversammlung ber deutschen La nd.oirtimasts-Gesellfu-a 11 an, die ihr LnarUer in ber Philharmonie in ber Bernburgersiraße auif'chlagen wirb. Ihr wird ber SrlwnprUiz präsidieren, der seit einigen Jahren dcn früher vom Prinzen Heinrich innegehabten Vorsitz führt. Im Gegensah zur Generalversammluiig des Bundes ber Landwirte, wo Herr von Llbenburg-Iannsck)>au über „Dcimatspolitik und Slvlouial- politik" und der Chefredakteur der „Deutschen Tageszeitung", Dr. Oertcl-Bcrstn, über „bie endgültige Siegelung der deutschen Handelsbeziehungen zum A u s l a n d e" Iprechen wird, beschädigt fiu) die Deutsche Laird.v.rlichaits-Gefell- ichajt ausschließlich nut wirtschaftlichen Fragen. Jur Erörterung liehen hier u A.: die Kultur des Marschlandes, die Klima- unb Wcitcrl'undc, bie technische Spiritiisoor.oectung, d.e Forderung der Milchwirtschaft, des Obst- und W.inoaues, der Fisaterei usw.
In zwei üi.entlicheu Ertrügen, bcC in der Lechtusu-en Hochschule zu Cyanvitenburg aogeha.ten Werden sollen, w^ro nian sich icrncr mit der Anweiidung bet elektrischen Krast in ber Landwirtschaft bcfchä, lagen.---Cine dritte be.
iX’uif'anic Tagung iiineryutb der gr^cn Landwirtschaitswoche bilbel die Geiieralversammlung der Steuer- und Wirt- 1 ch a s t s r e f 01 m e r , die am 12. Februar int Architelllnhans zu Berlin zusammentritt. Sie Wirb sich mit den W.rtüngen unserer sozialpotithch-en Geiepgedung, deren Bereuisachung, der 'uxtüligung un ihren Skostcn usw. bcschästigen. Einigen weiteren Ereignissen d.c lanowiitsa-aitlichcn Woche, d.r unllangreichell Tagung des b e u t s ch e n L a 11 d w i r t s ch a f t s r a t cs und der Hanptvcr- I a m m l u n q des Preußischen Landes-Oekonomic- Koltcgiums haben die di c i chs t a g s w a h l e n eine zesi.ichc Berschicbung gebracht, so daß diese beiden Tagungen erst im Lause des März ftQ.tlinben werben. In Bezug aus ihre Bedeutuiig flehen jedoch diese beiden Tagunge.i ooenan, da der deutsche Lanbwirifu-a.tSrat die offizielle Berctetung der deutschen Land- ivirtfchaft aiS solcher bedeutet und das Lanbes-Oekonomie-Stot- icgium bcu wifsensckxisllicheii Betrat des Preugischen Land.virt- schufts-Drinisterinms budot. Nameick.ich die testete Tagung harte lid) bisher saft alljährlich des Besuchtes des deutschen Skaifers zu eriieucn.
W>t werden über die einzelnen Versammlungen fortlaufend beridjun.
Aus S»aot un*? auno.
Gießen, den 6. Februar 1907.
** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Vahnhofsvcrwaltcr in der Hessisch-Preußischen Cifenbahngcmcin- sdsiist PH. K r e ß zu Laubad) auf sein Nachjud-en wegen gesdüväch- ter Gesundheit in den Ruhcftand verseht und ihm die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Der dritteder akademischen Vorträge wird am Freitag abend in der großen Aula des 5kollcgiengebäudcs statl- jinben. Professor Dr. Kaiser wirb über „D i e Tätigkeit der Vulkane, unter besonderer Berüdsid-tigung dcö Vesuvs und der Montagne P e l 6 e" spred-cn. Lichtbilder Werden den Vortrag erläutern.
** Warnung vor ausländisd)en Serienlos- g c s e l l s ch a s t e n. Neuerdings find „Zertifikate" der „I nter- nationalen Vercinsbank" zu Kopenhagen zum Maule angeboren worden. Diese haben das Aussehen von Wertpapieren (Losen) unb sind ebenso wie solche mit Litera und Nummer bezcichiiet. $11 Wirklichkeit sind diese „Zertifikate" jedoch weiter nichts als Prospekte, in denen zur Beteiligung an einer Serienlosgesellschaft aus die Dauer eines Jahres an,gefordert wird, wodurch dem Tcilnchrncr gegen Zahlung von 60 Mk. in zwölf Monatsraten Vioo-Gewiilnanteil an zwölf im Laufe des Jahres angeblich zur Geivinnziehung gelangenden Serienloscn zugcficherl wird, und dic Quittung über die erste Monatsrate mit 5 Mk., ivelck-e nad) Unterseidjuuiig des Bestellscheins bei Empfangnahme des „Zertifikats" zu zahlen ist. Die zwölf Serienlose, an denen ber Spieler angeblich mit V100 beteiligt wirb, sind in dem „Zertifikat" nur der Gattung nach bezeichnet, cs ist ausdrücklich Vorbehalten, daß, wenn eines dieser Lose „nid-t oder zu schwer sollte beidjaiit Werden können", dafür ein anderes Serienlos im gleidjcit Nominalwerte angeschasst weroen darf. Im übrigen enthätt das „Zertifikat" bie bekannten, teils unwahren, teils zur Irrcsührung geeigneten Empfehlungen ber Serienlosgesell- schast („außerordentlick) große Gewinnchancen", „absolut jidjctc Treffer") unb bie Angabe, baß der Teilnehmer „schon bei einem einzigen günstigen Tresfer ca. 4800 Mk. in bar erhält." Wer seine Monatsbeiträge nid# zahlt, „g e h t aller Gewinnansprüche verlustig, ohne jedod) seiner Zahlungsverpflichtung entbunden zu sei n". „Ein Austritt während der vertragsmäßigen Spieldauer ist unzulässig." Erfüllungsort ist Kopenhagenk Vor dem unlauteren Geschäftsgebaren von Serienlosgesellsd-aftcn ist fdjioii wiederholt gewarnt worden. Bor der Internationalen Vereins bank in Kopenhagen." sei hierdnrd) ganz besonders gewarnt!
** N 0 he Menschen. Von einem Augenzeugen geht uns folgende Mitteilung zu: Der Anklebec der Plalattafeln war gerade im Begriff, an die Tafel im Selters weg ein neues Plakat anzukleben und mußte zu diesem Zwecke das Plakat „Wählt Mtuiiuii" verdecken. Zwei daherlommcnde anständig gekleidete Männer forderten dcn Ankleber auf, die betreffende Stelle frei zu laiicn, der Anklcber, seiner Pflid# getreu, will nun bodj das Plakat anklcbcn, es blieb aber beim Versud), beim einer ber Männer schlug mit bem Stock bas Plakat herunter. Er hatte aber bamit noch nicht genug, er schlug auch nod) auf ben un- hijulbigcn Ankleber los. So gesd)ehen am 5. Februar 1907 in Gießen.
"DieGießenerStubentenbes Forst faches statteten unter Führung bes Prof. Weber, denen sich die Hörer für ^otanii und Pharmazie der hiesigen Hod#chule mit Qbcrmedizinal- rat Pros. Hepl und Pros. Dr. Schenk augeschlossen halten, am Samstag dem Etablissement der Firma Conrad Appel, Samen- handlung uui) SltciiQanftalt in Darmstadt einen eingehenden Besuch ab. Unter der Führung des Beschcrs Sbommerzicnrat Heyn und einiger Angestellten der Firma nahmen die Herren Einsicht von den anerkannt multcrgüliigcii Klengansialten, sowie der öieini- gungoabteiiungcn, die die mannigfaci-sten Masd/inen für die Bc- arbeitung und Herrid#uug der Walb-, Gras- uno Äiecfümercien ^ll. .uo^c^ Betrieb enthielten -u-nd ein intercs,antes Bilb ber -Lätigtcii sowie Lciftungofähigieit der Firma boien. Dieses, soioie noch eine Anzahl anderer prakus^cr Be^.riebseinrid#ungen, wie eigenes Geleise, dcLrij^ie Linst- uni) Telegraphenan.agtn, haupl- )äu)Ud) aber auch bie Abteilung ber fr^uo.anoisnsiin Waldsamen und der reichhaltigen orotisn-cn Pskanzeniammlungen nebst der Keim- unb Untersun/ung^auftalt für Sämereien faiioeit bie gc= ceü>te Anerlenttung uno üen vollen Deua.l der tieiuojer. Nun) bcc Iticfiuitigung |olguui bie BdUihLp bet Eiiuapung bes
Derrn Mmmerzienrar Dcyn zu einem gcmuutaien yufQmmenfeui in edst studentischer Weise, wobei ber Firmeninhaber bie Reihe der Ansprachen eröffnete und ein Hock) auf die akademische Jugend unb die anwesenden Professoren auSbrachte.
[J Die gefesselte akademische Freiheit. Aus Marburg schreibt man uns: Mitglieder der Durschenschan „Arminia" veranstalteten heute einen ulkhaftcn Umzug. Voran sing ein Musikkorps, das allerhand fennmentale Lieder spielte, dann folgte ein von Scharwächtern geleiteter Wagen, dessen oührcr, ein Scharsrickster, einen mit einem großen S gezeichneten roten Mantel trug. In einem großen Käsig erblickte man eine mit Mct.cn beladene weißgekleidete Gestalt mit einem Lordeerkranz auf ixent Haupte unb auf einem großen Schild ftano zu lesen: „Liberlas academia!" „Henkersknockst", „Rictzter", ein „Geistlicher" sowie die übrigen Studenten bildeten dcn Schluß des Zuges, der eine Anspielung darauf sein sollte, daß man gesterfl einen „Karzcrumzug" nid# gestattet hatte.
-k. Oppenrod, 5. Febr. Unser feicheriger hiesiger Lehrer Wien ist nad) Watzenborn versetzt worden und wir bekamen einen anderen Sck-ulverwallcr, der erst kurzllu.) vom Lehrerseminar abgcgungcii ist. Herr Wien ist ein tüchtiger, fleißiger uno streb- lamcr Mann, sodaß ihn die hiesige Gemeiiide ungern scheiden sicyll
M ö r l e n b a d) L O., 5. Febr. Eine traurige Nachricht burd/cdte heute früh uiif'mi Ort und mit ihm die ganze Umgegend^ Der Landwirt Ioh. Gölz I., 08 Jahre alt, harte mit der 30 Jahre alten Elise D ö r s a in, Tochter des Johannes Dvr- sam 11., ein Liebesve rhä 11nis, das sich infolge verschiedener Begebenheiten, wie gegenseitige Privatkiagen (eine sold-e soll noch gegenwärtig anhängig sein) usw., zerschlug. Gölz verfolgte gestern abend seine frühere Geliebte bei einem Liusgange auf der Straße bis in ihre Wohnung und hier bradste er ihr mit einem Messer zwei b is drei Stiche m den Rucken bei, an deren Folgcii die Bedauernswerte verschied. Nad) der Tai hat ber Möcber in ber Wirtschaft Berg in Fürth i. O. übtr» nadstet unb ist seit heute früh, noch ehe bie Tat in der hiesigen Gegend näher bekannt geworden, verschwunden. Gölz konnte bis zur Stuiidc nod) nickst verhaftet werden. (Darnist. T. A.)
Kassel, 5. Febr. Der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau, Herr von Windhciin, ein Korpsbruder des Kaisers, hat bei einem Festmahle jüngst dec Meinung 9(u§» druck gegeben, daß bas deutsche Bürgertum in Zukunft weniger kritisieren und seiner 9iegiernng niehr'Ber- lrauen entgcgenbuingen solle. Unseres Erachtens sind ber* artige Mahnungen von solcher Stelle, jo gut sie and) gemeint icin mögen, nicht recht zweckmäßig, da sie 511 Mißdeutungen Anlaß geben können. Es gibt eine berechtigte und eine ten- deliziöse Kritik. Tie letztere ist verwerflich und bedancclich, bie elftere aber notwendig unb nützlich und mit der echten und auf richtigen Monarchcntieue durchaus vereinbar.
Gtestcncr Slraftaminer.
)( Gießen, 5. Februar 1907. Gin Zuchthausstreit.
Zwei zurzeit im L a u b e § d u aj t ij a u f e Marien schloß untergebrad'.tc Gefangene, der Küfer G. D. aus Biebelsheim und der Landwirt I. F. W. aus Wackernheim, gerieten in dem gemeinsamen Arbeitssaal, wo sie mit Arbeiten zur Hcr- Heilung von Ko 1 fern beschäftigt waren, aus geringem Anlaß mit- einander in Streit. Der eine schiwpste den andern „meineidiger Schuft" und dieser erwiderte nut „Mörder". Schließlich warf D. mit einer Eisenplatte, die er als Unterlage halte aui W. t mb dieser warf zurück. Er wurde nun von D. verfolgt und sie bearbeiteten fiaj gegenseitig nut ihren Werkzeugen,- der eine halte eine schwere eherne Unterlage und der andere feinen Arbcilshammcr. W. schlug seinen Gegner mit dem Dammer derart auf den Hinterkopf, daß der Hllmmerfticl zerbrach, worauf biejer mit ber ehernen Nictplatte den anberen zu Boden sdstug, d.iß er kampfunfähig wurde. Beide hatten crljcbud# Verletzungei baVongeuageii; der cine hatte untcri anderem den Ellenbogenx Inödjci abgefprengt. vkad^Hellungen der Verätzungen un Lazarett, hallen sie fick- vor dem Sajöf,cngerickst Vutzban) wegen gegen« Zeitiger Körperverletzung zu ueranworten, das sie zu j 9J£ 0 n a t e n Gcsängnis verurteilte. Wahrend D. sich bei bem Urteil beruhigte, erhob W. Berufung und berief fid) auf Notwehr. Er gab an, fein Gegner haoe zuerst mit dem Cifen- stück geworfen, worauf er ziirüugewor,en um ihn von sich ubzu- haltender habe nach einem Auffehec rufen wollen und fei von D. verfolgt und abermals angegriffen worbeir. Schließlich fei er auf den Tisch gesprungen und haoe ihn mit dem Ehensiück mübergeschlagen. Die Bernehinung zweier Sträslinge, die als Zeugen auf traten, ließ kein Zivehel, daß tatsächlich 9'kot.vehr vonag, weshalb es die Straikainmer te,reinbete, daß bas SdwnengendH ocr Notwehrsragc nicht näher getreten ist. Das Urteil wurde, insoweit es den Angeklagten W. verurteilt Halle, aufgehoben und cs trat Freisprud) ein.
Eine Freundestat.
Der Tienstknecht G. od). aus Lb...Hausen bei Wetzlar bette hier mit einem Bahnarbeiter aus Wiesest ui mehreren Wwtichaiicn gezecht. Sie gingen vom Branntwein über Bier zum Wein über, ois der Bahnaroeiter in einer Wirtschvift mit Tamenbedienung auf dem Soja sststief. Sch. nahm das von seinem Zed)geiwsscn in dem Hausflur untcrgcbradjtc Fahrrad unb ent,ernte sich damit später fand man bas nod) saft neue Rad verrostet im Felde bei Lützellinden. Es wurde gegen ihn wegen. Diebstahl irn Rückfälle Anklage erhoben. Er teftritt nid;t das 3rab weggcnommen zu haben, doch will er nicht wissen wo er mit demselben hingefahren ist Mit dem Verlaßen dec Wirtschaft fei ihm jede Erinnerung ge- idjwuiibeit; wo er die Nad;t zugebradst hat, will er nickst meyr wisfCli. AuS dem Umstande, daß er das Rad nicht für sich vcr- wertete, schloß dus Gericht, daß iym d.e Absicht der rechtswidrigen Äneiguung gefehlt hat. Da es an einem zur Verurteilung er* loröeilidjcii Tatbesianbsmerimal fehlte, mußte Freifprechung ciutrctcn.
Gin Vergleich.
Der Gastwirt G. F. hatte gegen den Landwirt H. F. III Vurg-Gemunden wegen Beleidigung Privatl'lage erhoben, weil burdj ihn das Gerücht verbreitet luocben war, er hatte in unerlaubten Beziehungen zu einer im genannten Dorje wohnende» Frau geflandeu. Er hatte dieses zw<ir nickst ausdrücklich gesagt, dod) wurde cs aus feinen Gebärden gefolgert. Das Sd)öffengcriäsi verurteilte ihn tnefcrljalb wegen Beeidigung zu 20 Nrk. Geldstrafe, wogegen er Berufung erhob. Aus Bor,d)lag des Straifam« mervorfitzenden verglichen fid) die Parteien baijin, daß der Ange- klagte die bcu Gegenstand ber Anklage birbenöc Aeußerung unter dem Ausdruck des Bedauerns als unwahr zurüanahm unb fidi verpflichtete die sämtlichen Kosten zu tragen. Der sträger nahm hieraus seine Silage zurück, womit auch die Strafe in Wegfall tüiimit. Te.s Gcriclst stellte folxinn das Verfahren ein.
Tic Mcirttprcise für XSieij unb Frucht
und
bic Gießener Fleisch- unb Brotpreise
am 4 Februar 1907.
Höchste Schtachivieypicife ui (j v tt 1111 ü r 1 a. M.
Ilcijchpreise in Gießen
Cchsen
Kälber Schweine
50 Kg. Schlachtgewicht b'3—87 l'(f.
,Kg.Scl)tachtgew.lO0—104P'.
' 66-00 „
Zg. 82-88 Pfg.
_ 80-84 , */, , 86-90_,___
Getreldepieise in Wl annhe 1 in
Brolpretje ui Gießen
Boeizeu luu Arg. iu uu uu.uu w.r. pvcibt’ioi 2 ug. 54 'Hig.
Roaaen 1UU Sig. 17.1Ö—UU.UU tiJit, l^chwarzvcvt L tlg. dö psg
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