157. Jahrgang
Nr. 80 Viertes Blatt.
Samstag O. April 1907
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Rotator-druck und K^erlafl der Brühi'schen Unuhulitats - Buch- und Stemdruckerei. 9L Lang«, (Stegen.
Redaktion, Erpedttlon und Druckerei: Schul- strage 7. Expedition und Verlag. e=ggj 5L Redaktion:S-E l 12. Tel.-Adl^An-etgerGießen.
poütiicbc Tagesßcbari.
Tie nächsten Kolonialdebaltrn.
Von den kolonialen Forderungen, die zum Konflikt mit dem vorigen Neichstag führten, sind noch unerledigt das Staatssekretäriat für die Kolonien, dessen Bewilligung außer Zweifel fleht, und die Frage der Farmerentschä- digung. Eine Vorlage über letztere ist dein neuen Neichstag zwar noch nicht zugegangen, man nimmt indessen in parlamentarischen Kreisen als sicher an, daß diese Angelegenheit noch vor Beginn der Sommerpause zur Erledigung gebracht werden wird. Schönaus finanztechnischen Gründen empfiehlt es sich, die aus dem südweftasrikantscheii Feldzug resultierende Rechnung tunlichst zum Abschluß zu bringen, und überdies gebieten auch Rücksichten der Billigkeit, die Ansiedler nicht noch länger warten gu lassen auf eine Entschädigung, soweit sie ihnen durch sorgfältige Prüfung zuerlannt werden darf. Fünf Millionen sind bereits für diese Zwecke bewilligt und verteilt worden, eine weitere Forderung war vom Kolonialamt aus 10 x/2 Millionen veranschlagt. Wenn sie wieder eingebracht und überzeugend begründet wird — Gouverneur v. Lindequist steht für Auskunfterteilung dem Parlament zur Verfügung —, dann ist zu erwarten, daß über die viel- umstrlttene Entschädigungsfrage endlich die Akten geschlossen werden können.
*
China zur See.
.Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser!" Das Verständnis für diese Worte scheint nun auch in China an Boden zu gewinnen. Ter chinesische Kriegsminister geht mit dem Plane um, eine Flotte zu bauen. Eine Anzahl von Marme- sachverständigen hat alle an der Küste belegenen Provinzen auf ihre Häfen hin einer Prüfung unterzogen. Außerdem ist diese Angelegenheit Gegenstand eingehender Konferenzen mit den Großwürdenträgern des Reichs gewesen. Dabei hat sich denn die leidige Tatsache herausgestellt, daß sämtliche Häfen von Belang an der chinesischen Meeresküste sich bereits in den Händen der Ausländer befinden, und daß von wirklich guten Häfen kein einziger mehr vorhanden ist. Einzig und allem könnte noch die Pung- tscheng-Bucht, welche halb kreisförmig gestaltet wäre, allenfalls als geeignet in Betracht gezogen werden, um eine Flotte aufzunehmen. Vor einigen Tagen ist nun der zu-
ndnöige Gouverneur beauftragt worden, die Hafenverhätluisse dieser Bucht zu prüfen und Bericht zu erstatten.
Es ist vorläufig nicht daran zu denken, daß aus diesen Plänen des anscheinend ehrgeizigen Krieasrninisters etwas wird. Auch fragt es sich, ob die Mittel für den Bau einer Flotte von dem finanziell so stark geschwächten China aufgebracht werden können. Herrscht doch z. B. augenblicklich in einzelnen Provinzen des himmlischen Reiches eine derartige Hungersnot, daß Millionen von Menschen den Hungertod vor Wagen haben und die chinesische Regierung ist machtlos gegenüber solchen Zuständen. Bezeichnend und gewissermaßen als eine Ironie des Schicksals ist aber die Tatsache, daß ein Volk, welches noch vor wenigen Jahrzehnten alle Ausländer als weiße Teufel verfolgte und die Einwanderung verbot, welches sich heute noch in lächerlichem Stolz aus eine verzopfte Kultur fast allen modernen und europäischen Sitten und Errungenschaften gegenüber verschließt, jetzt vor die beschämende Erfahrung gestellt wird, nn eigenen Niesenreich nicht einmal über einen notdürftigen Hafen verfügen zu können, von wo es seinen Weg ins blaue Weltmeer nehmen kann.
«Anojug KUS dkl! 2tLUtkSk!l!isrktichr:u m tbikijkv.
Aufgebote.
März 27. Ludivig Größer, Schlosser in Klein-Linden, mit Margareie Raust dahier. — Bernhard Tcppisch, Bäcker dahier, mit Anna Elisabeth Luise Sieg'ried in Aßlar. — 28. Wilhelm Vieh- mann, Bureauaelml'e in Allendors a. d. Lahn, mit Anna Jung dahier. - 29. Wilhelm Heep, Hiittsbremser in Allendors a. d. Lahn, mit Marie Ruhl in Grebenhain. — April 1. Reinhard Peny, Straßenkehrer, mit Anna Schmidt, geb. Fuchs, beide dahier. — 2. Herbert Plehn, Rittergutsbesitzer in Josephsdors, mit Magdalene Bojsius dahier. — Wilhelm Rühl, Metzger, mit Friederike Rem- bald, beide dahier. — Konrad Sleinmüller, Steinhaner in Beuern, mit Anna Maria Kumps dahier. — 4. Adolf Walloth, Monteur, mit Helene Christine Hauche, beide dahier. — Karl Scharmanu, Metzger dahier, mit Kaiharme Elisabeths Hartmann in Grünmgen.
Eheschließungen.
März 30. Konrad Keuscher, Montagearbeiter, mit Elisabelhe Friedrich, beide dahier. — Karl Braun, Brauer, mit Anna Luise Valentin, beide dahier. — Jakob Ludivig Küchel, Monteur, mit Johanna Breunig, beide dahier. — Johannes Bohrmann, HüUs- bremser, mit Elisabelhe Schneider, beide dahier. — Johannes Becker, Ommbuskutscher, mit Amia Elisabelhe Günther, beide dahier.
Geborene.
März 21. Dem Schneider Seibert Möhl eine Tochter, Käthe Anna Gertrude Barbara. — 24. Tem Sekretär Philipp Scherl eine Tochter, Irene Marie Adolfine Käthchen. — 25. Dem Bau-
unle.ueymer u-iomn 'Jlbcnuomi em conn, ixuil Helmut Mutier, — 26. Tem Privatdozeulen Tr. Christian Rauch em Sohn, Jürgen. -- Tem Zimmermann Christian Staffel eine Tochter, Johanna Marie. — 27. Tem Tapezier Karl Wafienjchmldt ein Sohn. — Tem Tapezier Franz Bock eine Tochter, Luiie öennette Elisabeth. — 28. Dem Taglöhner Christian Pitz em Sohn, Karl. - 29. Tem Bäcker Gustav Henn ein Sohn. — Tem Jnslilnts- biener Karl Krebs eine Tochter. — Tem Fuhrmann Heinrich Dietz eine Tochter. - 30. Tem Schreiner Heinrich Hillgärtner ein Sohn, Heinrich Emil. — April 1. Tem Groszh. KreisamisgehnNen Louis Lenz ein Sohn, Ctto Heinrich.
Gestorbene.
März 28. Berta Mathilde Piafi, 1 Jahr alt, Seltersweg 32. — 30 Tr. Karl Ferdinand Reatz, 74 Jahre alt, Geh. Justizrat, Rord- Anlage 33. — April 1. Emil Bötticher, 52 Jahre alt, Buchhalter, Diezslraße 4. — 2. Marie Breiderl, 27 Jahre alt, Marburger Straße 14. — 3. Anna 'Diane Sauer, geb. Pieck, 73 Jahre alt, Neustadl 58. — 4. Jakob Eduard Rapp, Zugiührer i. P., Credner- slraße 31. — Kaeolme Ster, geb. Wagner, 74 Jahre all, Roon- l'trauc 34.
Arbeiterbewegung«
Berlin, 5. April. Der Verein deutscher Arbeit« geberverbände nahm ie der heutigen Ausschußsitzung eine Resolution an, m der dem Arbettgeberjchutzverbaud für das deutsche Öolzgewerbe in dem jetzigen Kampie volle Sympathie ausge- sprochen und beschlossen wird, die dem Verein deutscher Arbeit- geberverbäiide aiigehörigen Verbände und Unterverbäude zu einet tatkräftigen finanziellen H ü l s s a k l i o n auszuruien und die Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände zu ersuchen, be ihren Verbänden ebenfalls eine Unierstützungsattion zu Ohmfier deulschcii Holzgewerbes einzuleiten. Ferner'sollen die außerhall dieser beiden Zentralen flctieubeu Arbeitgeberorganljaiionen und Arbeitgeber auf die Bedeuluug des Kampfes hmgewieien und zur Unterstützung der kämpfenden Unternehmer gleichialls aiifgciorbert werden.
Dresden, 5. April. Die hiesigen Kleinunternehmer im Holzgeiverbe beschlosseii, die Aussperrung zii envetlerti. Bis gestern mürben etwa 6 0 Arbeiter ausgesperrt.
Buenos Aires, 5. Apnl. „La Racion" zufolge sind die Stationsvorsteher und das B a h irv e r s o n a l einschließlich der Mechaniker und 'Dionteure ui den Aus st and getreten. Auch die Telegraphenbeamten schlossen sich dem Ausstande an. Letztere verlangen eine Gehaltsaufbesserung von 45 °0, während die Bähnaugcstelllen 30 Prozent Gehaltszulage und achtstündigen Arbeitstag fordern.
UttiverKitäts-Nachrichten.
Kairo, 5. April. Tie Subskription zur Errichtung einet national-ägyptischen Universität Hal bisher die Summe von 1 3u0 000 Frs. ergeben.
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