Ausgabe 
7.9.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. 210

137. Jahrgang

Zweites Blatt

Erscheint töglkch mit Ausnahme des Sonni^gS.

DieSiebener Familienblatter" werden dem ,Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Krtisbloti für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Derhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion:^^H2. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

Samstag tf. September 1907

. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen

8 Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

i 8k B R. Lange, Gießen.

Der Abg. Erzbergcr bedauert.

Berlin, 6. Sept. Die Ferien st rafkammer des Landgerichts I verhandelte heute als Berufungsinstanz über die Beleidigung-st läge Bennigsen kontra Erzberger. Abgeordneter Erzberger war in erster In­stanz zu acht Tagen Gefängnis verurteilt worden, weil er von Bennigsen in einer Broschüre den Borwurf des Amts- ^ihbrauchs zwecks persönlicher Bereicherung gemacht hatte. $ie heutige Verhandlung endete mit einem .Vergleich. E r z - her g er erklärte, daß er einen solchen Borwurf nicht habe machen wollen und nicht machen könne und ihn unter dem Ausdruck des Bedauerns zurücknehme. Erzberger über­nimmt die Kosten des Prozesses und verpflichtet sich, den Vergleich in derKöln. Ztg." und derKöln. Bolksztg." zu veröffentlichen.

Ein Anschlag gegen König Eduard.

Wien, 7. Sept. Gestern hat König Eduard seinen Aufenthalt in Marienbad beendet und ist nach London ab gereist. Tie Behörden in Marienbad waren vor wenigen Tagen vertraulich benachrichtigt worden, daß ein den revolutionären Kreisen bekanntes verdächti­ges Individuum von Paris nach Marienbad. gereist sei und man befürchtete, daß ein Anschlag gegen das Leben König Eduards geplant sei. Daraufhin wurde die Zahl der Geheimpolizisten um 20 Mann verstärkt. Ter König bewegte sich jedoch unbekümmert wie zuvor in der Öffentlichkeit.

Die Lage in Antwerpen.

Antwerpen, 6. Sept. Die Arbeit wurde heute morgen auf sämtlichen Schiffen ausgenommen mit Hilfe auswärtiger Arbeiter, deren Zahl etwa 3500 betrügt, die an Bord von der Seevereinigung gehörenden Schissen wohnen. Ter Präsident der Vereinigung hat mehrere Drohbriefe erhalten.

Im Hasen herrschte nachts vollkommene Ruhe dank dem ununterbrochenen Landregen. Das Feuer in den Holz­lagern schwelt nchh weiter, doch ist jetzt die Gefahr vorüber. Man glaubt, daß die anarchistischen Apostel der Propaganda der Tat die Brände anlegten. Die Polizei wurde gestern von der bevorstehenden Ankunft eines deut- schen und zweier französischer Anarchisten benachrichtigt. Tie anarchistischen Elemente werden scharf beobachtet. Im Hafenbecken La Eampine wurde ein Individuum festgenom­men, das versuchte, einen Holzstoß mit Petroleum in Brand zu stecken. Tie Versicherungs-Gesellschaften erklären, für den Schaden nicht aufkommen zu wollen. Nach dem Gesetz ift die Stadtverw altun g unter den vorliegenden Um­stünden, die den Charakter öffentlicher Unruhen tragen, für den Schaden verantwortlich. In einer Versammlung der Ausständigen erklärte der Sozialist Chapelle, Geldmittel seien genügend eingegangen, um den Ausstand vorläufig drei Wochen fortzusetzen. Auch weitere Zusicherungen von England und Deutschland lägen vor. 30 000 Brote wurden

Hessische Landesausstellung Darmstadt 1908.

Einen besonderen in sich abgeschlossenen Teil der Ausstellung wird das Arbeiterdorf bilden. Die Sache ist von dem Hessischen Zentralverein für Errichtung billiger Wohnungen in die Hand genommen und aufs glücklichste gefördert worden. Erfreulicherweise hat dieser Gedanke lebhaftes Interesse in den Streifen gemeinnützig gesinnter Interessenten gefunden, so daß der ganze zur Verfügung stehende Raum bereits vergeben und die Errichtung von sechs Arbuterhäusern gesichert ist, mit deren Bau jetzt begonnen wird. Es ist die Errichtung folgender Häuser geplant: Direkwr Wienkoop-Darmstadl baut für die Firma E. Heyl-Wonns ein Zweifamilienhaus, Architekt Georg Mctzendcrf- Bensheim ein ebensolches für die Firma Dörr u. Reinhart- Worms. Die Firma Dyckerhoff u. Söhne-Amöneburg läßt ein Doppelhaus durch die Darmstädter Architekten Mahr u. Mark­wort errichten, Fabrikbesitzer Wilhelm Opel-Rüsselsheim hat Prof. Olbrich-Tarmstadt zum Bau eines Einfamilienhauses gewon::en, für Fabrikbesitzer Cloos-Nidda wird Professor Walbe-Darm- stadt ein Einfamilienhaus bauen, für den Fabrikanten PH. Merkel in Talsheim der Architekt Jos. Niegs hier. , In einem der Häuser werden auch Modelle und Pläne guter hessischer Klein- wohuuugsbauten vorgesührt. Was nun die Häuser selbst be­trifft, so soll an ihnen in erster Linie gezeigt werden, daß auch beim Kleinwohuungsbau künstlerischem Empfinden Rechnung getragen werde:: kann, ohne Aufwendung höherer Kosten, als die vielfach übliche schematische Bauweise bedingt.

Tas Aeußere und Innere der zu errichtenden Häuser soll geschmackvoll ausgestattet, es soll aber auch dauerhaft und praktisch sein und sich den Lebensgewohnheiten der weniger bemittelten Volkskreise anpassen. Tie Anbringung von allerlei Zierat aus unechtem Material soll vermieden werden, Bau­werk und Inneneinrichtung vielmehr das Gepräge der Sach­lichkeit und Natürlichkeit tragen und dadurch überzeugend wirken. Das. Schwergewicht Wird auf die wirtschaftlichen Momente ge­legt.» Die Kosten für Haus und Möbel usw. sollen so bemessen werden, daß sie für minderbemittelte Personen, in erster Linie für Arbeiter, erschwingbar sind. Jedem Erbauer bezw. Architekten bleibt die freie Verfügung bezw. Betätigung seines Wollens unb Könnens überlassen. Es ist angenommen, daß unter Berücksichtiguiig eines 200 bis 300 Quadratmeter großen Bauplatzes, dessen Preis sich auf 1.50 bis 3 Mk. pro Quadrat­meter stellen soll, die Baukosten höchstenfalls 4000 Mk. für das Einfamilienhaus und 7200 Mk. für das Zweifamilienhaus betragen dürfen, so daß sich die Gesamtkosten auf höchstens 4500 bezw. 8000 Mk. belaufen. Das Einfamilienhaus soll mindestens drei Zimmer und Küche enthalten, auch bei den Zwei- samilienhausern soll möglichst jede Wohnung diese Größe haben. Die sechs Häuser auf der Ausstellung werden auch pollständig eingerichtet sein und auch hier soll wieder praktisch gezeigt werden, daß es sehr wohl möglich ist, dem unbemittelteren .Mann ein Heim gediegen und billig einzurichten, ohne daß zu der üblichen Ramsch- und Lagerware gegriffen wird. Die Gesamtkosten. der notwendigen Möbel für eine dreiräumige Wohnung sollen im Durchschnitt 600 Mk. betragen, wobei für die Küche 141 bis 190 Mk., für das Schlafzimmer 171 bis 216 Mk. und für das Wohnzimmer 200 bis 260 Mk. vorgesehen sind. Die Hersteller der Möbel müssen sich schriftlich verpflichten, zu kn von ihnen zu bezeichnenden Einheitspreisen jede in der Ausstellung etwa gemachte Bestellung auszuführen. Zur Erhöhung des Eindrucks sollen sämtliche Räume in einen völlig bewohnbaren Zustand versetzt, d. h. mit allen zu diesem Zwecke erforderlichen Einrichtungs- unb Dekorationsgegenständen versehen werden. Großer Wert löirb gelegt auf Vorführung von gutem unb billigem Wandschmuck. Gerade mit Hilfe des letz-

verteilt. Ehapelle ermahnte die Ausständigen energisch, sich jeder Ausschreitungen zu enthalten.

Antwerpen, 7. Sept. Ter Gesamtverlust bei dem Antwerpener Hasen brand beziffert sich auf 3 M i l l i o n e n Franken. .Hierfür ist die Gemeinde haftbar, weil Aufruhr herrscht. Viele Tampser, welche ursprünglich nach Antwerpen beordert wurden, laufen nunmehr ^otter^ dam an.

Die Lage in Marokko.

Auf die Nachricht hin, daß Mulay Hafid sich der im Zollamte von Mazagan lagernden 1700000 Patronen bemächtigen wolle, haben die Franzosen den Ort besetzt. Admiral Philibert meldet, daß der Anhang Mulay Hasids an Zahl zunehme. Unter diesen Umständen scheint Sultan Abdul Asis sich endlich zu einer entscheidenden Handlung aufrasfen zu wollen. Aus Fez wird nämlich gemeldet, daß Sultan Abdul Asis am 2. September abends die Gräber der großen Stadtheiligen und die Moschee Muley Jdrics besucht hat. Dies sei ein sicheres Zeichen dafür, daß der Sultan nach Rabat abreisen werde. Die Abreise soll auf den 7. b. M. festgesetzt sein.

DieKöln. Ztg." meldet aus Berlin: Die fran­zösische Regierung hat den Mächten, die die Akte von Algeciras unterzeichnet haben, eine Denkschrift überreicht, in der der Vorschlag entwickelt wird, als einstweilige Maßregel die Polizei in Marokko nicht wie vor­gesehen, durch Marokkaner unter französischem und spani­schem Kommando, sondern durchweg aus Franzosen und Spaniern zu bilden. Diese Organisation soll in Kraft bleiben, bis die weitere Entwicklung gestattet, eine Polizei entsprechend den Bestimmungen der Akte von Alge- ciras zu bilden. ______________

Das englisch-russische Abkommen.

Petersburg, 6. Sept. Der Karlsbader Korrespon­dent der Petersburger Telegraphen-Agentur meldet, daß der Minister des Auswärtigen, Iswolski, nach dem Früh­stück bei dem 'König Eduard mit diesem eine etwa halbstündige Unterredung unter vier Augen hatte. Den Gegenstand der Unterredung bildete das eng­lisch-russische Abkommen. Wenn der Inhalt der abgeschlossenen Konvention auch erst nach der Ratifikation bekannt werden wird, so könne man doch schon jetzt sagen, daß sie seitens der Mächte keine Beschwerden Hervorrufen und die AnlässezuMißverständnissenzwischen Rußland und England beseitigen werde. Die Konvention werde zweifellos der Befestigung des allge- meinen Friedens förderlich sein.

Aus Südwestafrika.

Berlin, 6. Sept. Nach einem vom Kommandeur der Schutztruppe für Südwestafrika, Oberstleutnant

v. Estorfs, eingegangenen Telegramm ist die Hottentotten­bande, die am 26. August die Pferdewache eines Tele­graphenpostens etwa 30 Kilometer südlich Hasuur erfolglos angegriffen hatte, in die Halahari zurückgekehrt. Ihre Stärke wird auf etwa 35 Mann geschätzt. Bis Mitte dieser Woche sollte die englische Grenzpolizei östlich Aries auf 100 Mann verstärkt sein. Die Offensive ist zunächst ein­gestellt, da am 29. August Boten de r bei Morenga befindlichen Bondelzwarts in Warmbad ein­trafen und um Frieden baten. Nach Mitteilungen dieser Boten sollen sich bei Morenga nur 70 Bondelzwarts, sein Bruder und einige Kafsernfamilien befinden; auch soll er nur über eine geringe Anzahl Gewehre verfügen. Sobald die Besserung der Lage sich bestätig!, wird man in der Zurücksendung der Heimtransporte fortfahren. Den Zeitpunkt hierzu hat sich der Kommandeur Vorbehalten, eerxw««- w--wvv3»'l,T,,g>"'* "" 111 »W,»^»»m 11 H.I.

Aus dem Zarenreiche.

Petersburg, 6. Sept. Die Ernennung Poli­canos zum Kriegsminister an Stelle des Ge­nerals Rüdiger, der sich durch seine jüngst geschlossene Ehe kompromittiert hat, steht bevor, ebenso der Rücktritt des Großfürst en Nikolai Nikolajewitsch von seinem Posten als Oberkommandeur. Sein Nachfolger soll der Generalgouverneur von Warschau, Skalon, werden. Großfürst Nikolaus bleibt jedoch Chef der Landesvertei­digung.

DerNowoje Wremja" zufolge erhält sich in Beamten­kreisen hartnäckig das Gerücht, daß S t o l y p i n als Minister zurücktreten und nur das Ministerpräsidium zu behalten beabsichtige.

Sosnowice, 6. Sept. Gestern abend wurde hier der Generaldirektor Kwasniewski von der Renardgrube durch sechs Schüsse ermordet.

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Sept. Staatssekretär Dernburg beab­sichtigt am 13. Oktober mit dem DampferPrinz-Regent" die Heimreise anzutreten und am 10. November in Berlin einzutressen.

Bamberg, 6. Sept. Der Senior des Metro - politankapitels, Domkapitular Josef Braun, ist im Alter von 81 Jahren gestorben.

Metz, 6. Sept. DieLothr. Bolksst." berichtet, daß, in der bereits mehrfach erwähnten Spionage-An­gelegenheit es sich um die Benutzung der neuen Rohrrücklaufgeschütze handelt und daß weitere un­tere Militärpersonen in Mitleidenschaft gezogen und die Untersuchung recht umfangreich werden dürfte. Die Be­ziehungen Kleins zu Schiawara werden hier militärischer­seits fortgesetzt bestritten.

teren läßt sich eine Hebung des Geschmacks erzielen. Man trifft in den Behausungen des kleinen Mannes selten wirklich gute, künstlerischem Geschmacke genügende Bilder, obwohl solche heutigen Tages recht billig zu haben sind, zu Preisen, die geringer sind, als diejenigen der schlechten Kupfer- ober Stahl- stiche, oder Oeldrucke, die man häufig antrifft, unb die weder geeignet sind, das Auge zu erfreuen, noch auf Herz und Gemüt wohltuenden Eindruck auszuüben. Reproduktionen von Meisterwerken der bildenden Kunst sind einschl. eines einfachen geschmackvollen Rahmens schon zu 2 bis 3 Mk. zu haben, bei größeren Dimensionen der Bilder zu 5 bis 6 Mk. In jedem Haufe wird eine Tafel ausgehängt, auf der die Baukosten, sowie Inhalt und Kosten der inneren Einrichtung im einzelnen verzeichnet werden. Die gärtnerische Ausstattung des umliegenden Geländes, sowie die Art der Einfriedigung bleibt den Beteiligten überlassen.

Aus diesen Zeilen sieht man also schon, daß hier nicht etwas geschaffen werden soll, was sich zwar sehr fchön auf einer Ausstellungmacht", in der Praxis aber kaum durchzu­führen ist, sondern das Arbeiterdörfchen der Ausstellung wird von wirklich praktischem Nutzen sein und gutes wirken, auch wenn die Ausstellung vorüber ist. Es wird Anregung bringen allen Interessenten am Kleinwohnungsbau, insbesondere den Architekten und Handwerkern, und es wird veredelnd wirken auf den Geschmack des Arbeiters, der hoffentlich auch die Aus­stellung recht häufig besucht!

Das 2. Heft derKunst unserer Heimat, Mit­teilungen der Vereinigung zur Förderung der Künste in Hessen imb im Nhein-Maingebiet", ist soeben erschienen. Die Notwendigkeit dieses Unternehmens angesichts der Ueberfülle ähnlicher, räumlich nicht so sehr begrenzter Zeitschriften erhellt auch aus diefeni Hefte nicht, obwohl Anerkennung für den Opfermut und die löblichen Bestrebungen nicht versagt sei. Der Gießener Professor Dr. W. Kinkel hat den Leitanfsatz geschrieben, betitelt:Der Mensch und die Kuiist". Er preist die Kunst als Trösterin, als Ablenkenn von den Bitternissen des Lebens, als Spenderin eines sicheren Gradmessers der Kultur, als Cffcnbarerin verborgenster Ziele, als Künderm des Unbegriffenen, als Klärerin der Gefühle, als Remigerm des Gemütes. Ter Gießeiier Privatdozent Dr. Ehr. Rauch spricht über Otto Ubbelohde, den vortrefflichen hessischen Künstler, den elfter des Griffels. Eine Anzahl geschickt ausgemahlter Repro- bufüouen Ubbelohde'scher größerer und kleinerer Werke gibt dem Hefte feinen besonderen Reiz. Anstelle von Alfred Bock's aus der NovellenfammlungHessenlust" bekanntem packendenNapoleon würde man freilich einen Originalbeitrag lieber sehen, lieber dieBurg Friedberg" unterrichtet Dr. Strecker; die Illustrationen dazu zeigen dieses uralten Bauwerkes poesievolle Romantik. Recht nett ist ein Aufsatz von Franz Como über .Oberhessische Töpfereien". Er erzählt unS vom Wiesecker Dtppelouis", dem strebsamen Töpfer Ludwig Keßler, diesemersten Keramiker unter den oberheff. Töpfern", von den Lauterbacher Meistern Leonhard Bauer und Schiebelgnth und von Hartmann Eßling in Alsfeld und ihrem durch des Darmstadter Malers Paul Haustein wertvolle Förderungen wesentlich gehobenen Schaffeii. Einige Proben davon sind abgedildet. Como läßt diesen Leistungen gar reichliches Lob zuteil werden. Was davon ab­gebildet wird, ist ja auch für diese schlichten Volkskünstler ganz anerkeimenswert. 'Mit Recht meint der Verfasser, daß die oberheff. Töpferei Zukunft hat; die Jrdentöpferei, die Majolckamanufaktur u. a. könne m hohe Blüte gebracht werden. 9lur stehe die Aus­bildung der Töpfer mit wenig Ausnahmen nicht auf der Höhe der Zeit.Eine keramische Fachschule wäre von großer Wichtigkeit und von großem Segen für Kunst und Handwerk". Gedichte von Otto Kindt, Bücherbesprechungen rc. bildenden

textlichen Schluß des Heftes, dem größere Bilderbeilagen augefügt' sind, darunter das den Gießenern wohlbekannte Grabmal für Fran Dr. Johanna Becker, geb. Noll, aus Sprendlingen auf dem neuen Gießeiier Friedhöfe.

Auf dem 10. Deutschen Historiker tage zu Dres-». den sprach Professor Lamprecht (Leipzig), wie uns berichtet wird, über die Ausgestaltung der Universalge­schichtlichen Studien im H o ch s ch u l u n t e r r i ch t., Der Redner bedauerte, daß die Universalgeschichte an den Universitäten keine richtige Vertretung finde. Alle Richtungen der Geschichte, die historische und politische und kulturelle würden berücksichtigt, nur nicht die universelle Seite. Ein Hochschullehrer für zeultur- unb Universalgeschichte würde wertvolle Aufgaben haben. Er müßte von der kolonialen Expansion der europäischen Völker ausgehen und nationale Siedelungs- und allgemeine S^ulturge- schichte behandeln. Er hätte die ganze Welt zu betrachten unb das Milieu fremder Shilturen zu schildern. Auf diese Weife würde er den jungen Akademikern zu einer allgemeinen Bildung ver­helfen, wie sie die jetzige Universität mit ihrer Fachwissen­schaft nicht geben kann. Leider werde viel zu wenig Gewicht daraus gelegt, den jungen Studenten allgemein zu bilden. Man begnüge sich damit, ihn mit Fachwissenschaft vollzupropfen unb ihm einige allgemein gehaltene Vorlesungen aufzuerlegen. Der erste Versuch eines kultur- und universalgeschichtlichen Seminars sei an der Universität Leipzig gemacht worden. Hier würde von. der nationalen Geschichte aus der Boden der allgemeinen Skultur- geschichte betreten. Hinzu kommen dann noch die Hilfswissen­schaften, nämlich Nationalökonomie, Soziologie, Rechtsphilosophie und Politik, Religionsphilosophie unb Ethik, Völkerpsychologie und Psychologie des Kindheitsalters. An der Kulturgeschichte des eigenen Landes müsse sich der Blick des Studierenden stärken; durch die Betrachtung der Kulturentwicklung anderer Nationen müsse er sich weiten. Besondere Aufmerksamkeit müsse der ia- panischen und chinesischen Kultur geschenkt werden, weil fie sich völlig ohne fremde Einflüsse entwickelt habe.

Kleine Theater- und Kunftnachrichten.. DiL vorjährige Theater-Saison in Mainz hat dem Theaterbirektor eine Reineinnahme von rund 40 000 Mk. gebracht. Ein solch hoher Getvinn ist bisher in Mainz noch niemals erzielt worden. Zum erstenmale seit der Herkunft des

am Donnerstag abend ein Könzert tm ^^chlosse W l l h e l m s - höhe seitens der Kasseler Hoftheater-Mitglieder vor der Kaiser- familie statt- Die Damen erhielten Broschen, die Herren Buseipq nadeln als Andenken- . .....

Demnächst begeht die berühmteste aller Universitäten bet muhammedanischeii Welt, die in Kairo, ihr Tausendjahrjubi^ laiim- In der Zeit, da diese Universität entftani), bildeten, sich in Europa erst die frühesten Anfänge unseres Unwersitatswefeiis, und zwar entstanden diese, wie B. die berühmte Hochschule von Salerno, gleichfalls unter arabischem! Einflüsse- Die Universität von Kairo ist in einer der ältesten Moscheen Kairos untergebracht und zwar bereits feit dem Jahre 988- Freilich die arabisches Wissenschaft ist längst erstarrt, weil sie sich aus der Zwangst haft der Theologie nicht zu befreien imstande gewesen ist-

* Sie drei Ordensarten- Ein hoher Herr, ein sehr hoher Herr, der viele Orden zu vergeben hat und deshalb ihren. Wert ganz besonders zu bewerten versteht, soll lautB- Z. a- M." im Gespräch mit einem feiner Intimen die Orden ebenso kurz wie schlagend folgendermaßen eingeschätzt haben:Es gibt drei Sorten von Orden: erbiente, erbten erte und er- dinierte!" - r r

Kinder m n n d. Eine Großmutter erzählt uns folgenden Scherz: Ein Büvlein, das die unterste Klasse der Vorschule be­sucht, kommt aus der Schule nach Hause und berichtet: ^Groß­mutter, morgen haben wir frei, weil Reseda n tag ist.