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Bestellung der eingegangenen Postsachen.
8. Lollar, &. Tlpril. Unser Ort hat sich im Laufe der letzten Jahre gewaltig verändert nnd vergrößert. Die Triebfeder hierzu hat unstreitig in erster Linie die Main- Weser-Hütte gegeben, auf der Hunderte von Arbeitern sowie ein gewaltiger Beamtenstab jahraus jahrein lohnende Beschäftigung finden. Damit steht in unmittelbarem Zu. samrnenhang das Aufblühen dec hiesigen Geschäfte, denn wir haben hier wirklich viele, die sich solchen der Stadt ebenbürtig zur Seite stellen können. Mit dem allgemeinen Aufblühen Lollars können aber auch die öffentlichen gemeinnützigen Werke nicht zurückbleiben, denen unsere Ortsverwaltung die größte Aufmerksamkeit zuwendet. Lollar ent- wickelt sich auch immer mehr als bedeutender Eisenbahnpunkt, neben dem gewaltigen Verkehr auf der Main-Weserbahn ist
edcbetnl täglich mit Ausnahme des Sonntag«.
Die .Fietzeaer tfamilienbiatter“ werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „KreUMatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Der ..kftliNche Landwirt erscheint monaUrch einmal.
Redaktton, LrvedMon und Druckerei: Schul- straße 7. Exoeditton und Verlag e=s»# t>L Äebaftton:e=^ 112. Tell-Adr^ An^eigerGretzen.
Gericht-jaal.
d Mainz, K. Apnl. Ter 22jäbnge Kanonier Johann Eb e r- Hardt aus Gießen von der b. Stomp, des Fuß-Arl.-Regt. Nr. 3 hatte sich am 18. März beim Gejchützexerzieren der Gehorsa ms- oer Weigerung schuldig gemacht. Ter Unteroffizier beiabt ihm eine Uebimg rascher auszuführen, darauf der Angeklagte erwiderte, er habe Zen genug hierziu Als der Befehl wiederholt wurde, gab der Angeklagte wiederum eine ungehörige Antwort und iührie den Befehl nicht aus Er wurde vom Gouvernementgericht zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt und sofort m Haft genommen.
Aus Stadt und Land.
Sprechstunden der Redaktion:
y, 12—1 Uhr öorm., Vs 7—i/s 8 Uhr nachm., (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag).
Gießen, 6. April.
" Vom Oberkonsistorium. S. K. H. der Groß- Herzog haben die zunächst kommissarische Bestellung des Kreis- amtmannö Dr. B e r n b e cf zu Darmstadt zum weltlichen Mit- glied des Oberkonsistonuins genehmigt.
— Erledigt ist eine mit einem evcmgel. Lehrer zu begehende Lehr er st eile an der Gemeindeschule zu Alten- Ichlirf. Rsit der Stelle ist Organistendienst verbunden.
+ Wieseck (Heffen), 5. April. Seit 1. April unser Ort eine vierte Postoecbindnng nach und von Gießen sowie eine vierte Ortsbestellung erhalten. Die Botenpost geht um 5 Uhr Nachm. hier ab und die damit beförderten, für Gießen bestimmten Briefe :c. gelangen noch am Abend in die Hände des Empfängers. Gegen 7 Uhr kommt die Post nach Wieseck zurück und auch hier erfolgt noch die
Heer und Flotte.
— DaS „Militär-Wochenblatt" meldet: General der Infanterie v. Hugo, kommandierender General des 13. Armee- korps, wurde in Genehmigung seines Abschiedsgesuches ;ur Disposition gestellt; General der Jnfant. v. Follow, Kommandeur der 29. Division, zum kommand. General des R3. Armeekorps, Generalleutnant v. Schickfus, General- ftabschef des Gardekorps, zi,m Kommandeur der 29. Division Ermannt. Generalleutnant Schubert, Gouverneur von Ulm, zu den Offizieren von der Armee versetzt, Gen.-Leutnanl i). Uslar, Kommandeur der 34. Division, zum Gouverneur von Ulm, Generalmajor v. Uechtritz, Romm. der 65. Jn-> santeriebrigade, unter Beförderung zum Generalleutnant, ziim ^pmmanbeur der 34. Division ernannt. Dem Generalmajor i). Salisch, Kommandant von Spandau, wurde der Charakter 113 Generalleutnant verliehen.
auf den beiden Nebenurecken Lollar-Wetzlar und Lollar-Londorf der Verkehr in fortwährender Zunahme begriffen.
----Ruttershausen b. Lollar, 5. April. Der Gesangverein „Eoncoldia* feiert am 28. Juli fein Fest der Fahnenweihe, die Vorbereitungen sind bereits im Gange. Die Fahne ist dem Fahnenlieferanten Hermann HiSgen jr. zu Lich übertragen worden.
- Darmstadt, 5. April. Tie Großherzoglichen Herrschaften mit Prinzessin Heinrich von Preußen begaben sich heute mittag im Auto nach Schloß Heiligenberq zur Feier des Geburtstages der Prinzessin Ludwig von Battenberg. Prinzessin Heinrich von Preußen wird nut Prinz Sigismund n. d. Darmst. Ztg. voraussichtlich mehrere Tage auf Schloß Heiligenberg Wohnung nehmen.
St. Bad-Nauheim, 4. April. Der Verband hessi- scher Jüngling Sv er eine begeht hier am 28. April seine Jahresfeier. Ter Bedeutung entsprechend, die die Jung- lmgsvereine auf geistigem Gebiet erlangt haben, hat auch ihre Ausbreitung und Zahl gerade in letzter Zeit außer- ordentlich zugenonimen und man darf eS als eine Frage nur der Zeit betrachten, daß sie in festgefügter Organisation unseren übrigen Bildungsoereimgungen sich emgliebern werden. Tie Zahl der Teilnehmer am Fest ist noch nicht feslgestellt, doch wird, den Erfahrungen der vorauSgegangenen JahreS- feste nach zu schließen, sowie unter Berücksichtigung der An- ziehungSkraft des hiesigen Platzes, die Besucherzahl weit über 600 betragen. Ta die oberhessischen Posaunenchöre, sowie die Posaunenchöre der hessischen JünglmgSoereme Mitwirken, dürfte die musikalische Ausstattung dcS Festes geradezu großartig sich gestatten. AuS dem Festprogramm wird interessieren: 9 Uhr: Musikprobe in der Taukeskirche; 10 Uhr: Festgottesdienst daselbst; 2»/, Uhr: Hauptversammlung in der Wilhelms- (alten) Kirche; 4 Uhr: Abmarsch zum JohamuS- berg; 4l/t Uhr: Feier daselbst.
stand über der Musik, die nichi viel £riginaütäi aufrvies, anspruchslos und heiter und leicht dahinfloß. Jedenfalls^ machten sich die Dariteller: die Damen Schacko, Gentner- ^Ucher und die Herren Schneider, Ge ntncr, Brinkmann, Steffens und Schramm um den Erfolg in frischer, i .otter Darstellung verdient. — „Susanna im Bade", eine burleske Pantomime von Hans Löwenfeld, nach einem vorhandenen Stoff, in schöne, zierliche Musik gesetzt, wurde von den Fräulein Tarriani und Herzog und den Herren Bir- ni k. Gar eis und Heeg er zu recht erfolgreicher Darstellung gebracht, die sich in beständiger Heiterkeit des Publikums mm- gab. Beide Werkchen leitete Kapellmeister Neumann und das Publikum zeigte sich sehr dankbar, durch mehrmaliges Hervorrufen der Komponisten, der teirstellenden Damen und Herren jowre des Frl. Gw ndo na, die die Burleske recht eifcttoon /tmtuburte und in Szene setzte. — Im Schausprelhauie gastterte gleichzeitig Herr Atdert Bassermann aus Berlin als -öieglcr mStein unter Steinen und fand sehr großen Beisall.
— Joseph Lister, der berühmte englische Chirurg, beging am 5. d. M. seinen 8 0. G e b u r t s t a g. Es ist jetzt 4k Jahre her seit der Gelehrte und Praktiker das a n t ise pt i i cye B e r- fahren einführte, fußend aus Forschungen und Entdeckungen deutscher und französischer Mediziner, hmsichtsich dec krankhaften Borqänge, welche durch kleine Lebewesen in Wunden hervvrgerujen werden Der „Lister"sche Verband hat daher seinen Namen. Lister erwies damit der Menschheit eine große Wohltat und hat sich den Anspruch aus unauslöschliche Dankbarkeit erworben, mag die ärztsiche Wissenschaft auf dem in Rede stehenden Gebiete auch einen Schritt weiter gegangen fein gemäß ter letzt maßgebenden Losung: „Nicht Heilung, lonbern Verhütung ter Krankheiten ist die Hauptaufgabe", und das anti|Cpti|d)e Verfahren, die Beseitigung der Wnndkrankheiten (Sepsis, durch das asevtiiche, Fcrnhattung dieser Krankheiten, ersetzt haben. Lister ,md in seiner langen Lauibahn reichlich die verdienten Ehren ..teil geworteli, und letzt gehört er zu den Lords. Er empiing an jeurem Ehrentage eine aus Aerzten und Gelehrten bestehende Deputtftion, die ihn beglückwünschte. Ueberans zahlreiche Blumenspenten und Glückwunschtelegramme sind aus allen Zellen der Welt eingegangen. — Die englische Arrzte,chaft tejchlvtz, eme Gesamtausgabe ter Arbeiten des Gelehrten zu oeranitatten.
Kandel.
VonderBerlinerBörse. Da Newyork bester. Rut\t meldeie, und eine internationale ®elberleid)terung zu konsialleren tft, so war die Börse bet Eröffnung recht fest, jedoch sehr full. In sich ist die Börje jo schwach, daß die Umsätze auf keinem Gebiete einigermaßen umfangreich waren. SDlontanatticii zeigten Steigerungen von l-l>/,°/o, Banken gingen */«—'/./, m die Hohe. Bahnen lagen ganz ruhig. Amerikaner tarnen an'angs wieder unter Parität, notierten aber im Verlauf etwas bester. tSci|en- tirdmer schlossen 197,40 gegen 195,60, Harpener 207,70, Balumore 99,40 gegen 96,60. Auch am Rememnarkt sah man Steigerungen um Bruchteile. _ , r, .
Buderussche Eisenwerke Wetzlar. Die gestrige ordentliche Hanploerjammlimg, in der 3140 Aktien vertreten waren, genehmigte den voroelegten Rechiiungsabjchluß >ur das Jahr 1906 und beschloß den IHemgeimnn nach den Vorschlägen der Verwaltung zu verteilen. Hiernach gelangt eine Dividende von 8 °/0, gegen 6 % im Vorjahre, sofort zur Auszahlung. Die ansicherdenden Tiitglieber des Auisichlsrals, die Herren Gustav Hueck in Elberfeld und Karl Buderus m Gießen, winden wiedergewählt. Wie aus den Mitteilungen des Vorstandes hervor- geht, bestätigen die Betnebsergebnisse der ersten 8 Monate dieses Jahres die Aussicht auf ein befriedigendes Erträgnis für das Jahr 1907.
- Ordensverleihung. S. K. H. dec Großherzog haben dem Hauptmann Keim im Generalslabe der Armee, seither im Leibgarde - Infanterie - Regiment (1. Größte Heff.) Nr. 115, da« Ritterkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps dcS Großmütigen verliehen.
•• GießenerVolkSbad. Im Marz wurden 8883 Bader verabreicht gegen 7303 im Februar 1907 und 8890 im Marz 1906 ober im Durchschnitt pro Tag 287 Bader gegen 261 im Februar 1907 und 287 im 'März 1906. Ter Bestich hat sich im einzelnen wie folgt verteilt:
Schwimmbad: 3667 Männer, darunter 972 zu 10 Pfg.,
„ 739 Frone. , 122 , 10 ,
Wannenbäder 1. Klasse 286 Männer, 110 Frauen, , 2. , 761 , 546
Dampf- u. Heißlnftbäder, sowie Massage -uf. 161 Männer, 21 Frauen.
Brausebäder 1. Klasse 84t Männer, 120 Frauen, , 2. , 1437 „ 196 ,
Tie Personenwage wurde von 180 Personen benutzt und daS Bad von 4 Personen besichtigt.
•• Anlagemiisik findet Sonntag den 7. April, vor- mittags halb 12 Uhr, in der Süd-Anlage statt. Der Spiel- plan lautet: 1. Ouvertüre zu .Die Heimkehr aus bei Fremde" von Mendelssohn. 2. Frühlingslied von ©ounoö. 3. Fantasie a. d. Oper /Mignon" von Thomas. 4. „Der Rhemströmer*, Acmcemarsch Nr. 4.
- Unsere RegimentS-Musik konzertiert morgen abend 8 Uhr im dienen Saalbau.
mit dem Oberkörper nach vorn gewendeten geharnischten Ritter auf nach rechts galoppierendem Roß. Das Haupt des Ritters deckt ein Helm mit geschlossenem Visir und,2 Buffelhornern Die Rechte des Ritters umschließt einen Lanzen,chaft tn der 9iate ter Spitze, während die Linke einen dreieckigen Schild mit ausgerichtetem Äwen vor die Brust hält. Dasselbe Löwenbild mit nach innen gerichteter Schwanz-spitze findet sich vorn und hinten an der Schabracke des Rosses. Der Charakter der Umschrift des Siegels (Sigisium civitatis Giezen) ent,pricht der Schrift, die für heraldische und ähnliche Zwecke am Ausgang des 13. Jahrhunderts angetoentet wurde. Clemens Kisjel, ter Vermsier des he,fischen Wappenbuches, ist ter Ansicht, es könne nicht zweifelhaft sein, daß dieses zweite Reitcrwavpen von einem ter ersten he,fischen Landgrafen, vielleicht von Hemrick; dem Kmde '.elbst, ter Stadt verliehen worden ist, denn wie der Ursprung die Stadtfieael von Alsfeld und Grünberg auf diesen Landgrafen zuruckge,uhrt wird, müsse dies auch für Gießen zutreffen. Kissel bemerkt, um seine Aniicht zu erweisen: „Ter Löwe im Wappen ist hessisch, ebenso siiid es die Büfselhörner, tenen nur die Blattstengtt fehlen um den Helmschmuck im siegel Heinrichs I., den auch das kleine Siegel von Alsfeld führt, zu gleichen "
Auch ter Verfasser des 189J enchienenen heifischen Wappenbuches tritt dafür ein, daß die Stadt Gießen, Die em herallnsch unrichtiges Wappen führt, das nicht einmal das älteste nachgewiesene Wappen ist, zu ihrem älteren Wappen zurückkehrm solle Von tem Siegel aus der Zeit der Tübinger Grasen müne man' absehen. Gießen sei seit 600 Jahren eine hessische Stadt und ein hessischer Landgraf habe ihr em ^ten Deuteten. Der Stadt wurde durch die Verleihung eine hohe Ehre zuteü, denn nur wenige Städte wurden derartig von ihrem Landesherrn au^- aezeichnct. In Hessen tersien außer Gie^n nur ,AlssUd, Marburg, Grünberg und Grebenstein ein solches Wappensiegel.sichren. Cs ist nicht nur eine Forderung dec Pietät, lontern gteickizellig auch eine Pflicht ter historischen Wahrheit, wenn die Ltadi Gietzen da^ Reiterwappen mit dem Landgrafen, oder m Anlehnung daran em neues Wappen an Stelle des jetzt gebräuchlichen annimmt.
Man schreibt uns au5 Frankfurt a. M., -1. April: Zwei mussiatische Einakter gingen heute mtt gutem, autzerem Erwlg sin Opernhaus in Szene. „Zierpuppen", mufikaluche Äv- nwdie nach Moliöres „Les präcieujes rwicules von piichard L a t k a, Dtusik von Anselm G ö tz l. Der fchone humvrijtiiche Tert
•* Eine Verlobung mit Hindernissen. In einem Orte der Wctterau sollte am 1. Oslerfeierlage eme Verlobung stattfinden. Alle Vorbereitungen naren getroffen und die geladenen Gäste saßen, m ihrer Rtitte das glückliche Brautpaar, in fröhlichster Slimmung beim Verlobungtzschmaus. Doch mit des Geschickes Mächten ist kein cro’ger Bund zu fiechten, und daS Unglück schreitet schnell; und zwar m Gestalt einer Schwiegermutter in spe, die unter allen Umständen den Bräutigam allein zu sprechen wünschte. Doch der Glückliche ließ sich in seiner Feitesstirnmung nicht stören und erklärte rundweg, er habe keine Zeit. Doch plötzlich stand ine resolute Frau inmitten der Stube und fragte, ob er ihre Tochter heiraten wolle, da er sie doch mS Unglück gestürzt hätte, auS dieser Heirat könne nie und nimmer was werden u. s. w. Zum Beweise ihrer Behauptung hatte sie ihre Tochter mitgebracht. Als man sich aber nach dem tapferen Bräutigam umsah, war er verschivunden. Er halte eS vorgezogen, vor der Allen die Segel zu streichen, und verließ im stillen den Kampfplatz. Wie man hört, soll er ohne Urlaubspaß seiner Auserkorenen auf unbestimmte Zeit tng Ausland gegangen sein, bis über die Sache GraS gewachsen sei.
AäS Kikßener SladtwapprN.
(Original-Artikel bc5 Gießener Anzeigers.)
Stadtverordneter Dr. Ebel hat jüngst in der Stadwerord- netenversammlung eine dankenswerte Anregung gegeben. Er regte an, an Stelle des jetzigen unschönen aus dem 16. Jahrhundert, der Zell des Niederganges der Heraldik, itammenten Wappens 'unfeter Stadt ein früher von der Stadt geführtes Reiterwappen wieder anzunehmen. In einem anfangs der 1890er Jahre erschienenen Artikel des Gießener Anzeigers: „DaS Gießener ^tadt- wappen" von Daniel, wird darauf hingewiejen, tetz das^ letzt geführte Wappen unserer Stadt schon im Jahre 12 /8 als Lieget Vorkommen solle, was aber nicht nur nicht bewie,en sei, sondern auch l-öchst zweifelhaft erscheint, weil das heraldijch Unrichtige am Wappen gegen dessen so hohes Alter spricht. Das „G als Ansangsbuchjtabe des Namens der )vtadt, soll diese selbst versiimbildllchen. Eine derartige Symbolisierung ist aber m älterer Zeit durchaus ungebräuchlich. Erst am Ausgang des Mittelalters erscheinen Buchstaben in bürgerlicheii Wappen. Tas jetzige Wappen ter Stadt ist erst bei Urkunde des 16. Jahrhunderts erhalten. Namhafte Heraldiker, die ; .q mit dein jetzigen Wappen unserer Stadt beschäftigt haben, sind sich darüber einig, baß es ganz und gar unheratdisch sei. Man ist sich aber wegen der richtigen Form ter Zeichnung nicht ganz einig und behauptet, datz das Wappentier ursprünglich em geflügelter Greif gewesen, aus dem dann ein Löwe geworden sei. ..
Das älteste bekannte Siegel ter Stadl ist ein Reiters i e g e l, kommt an Urkunden von 1248 und 1257 vor und ist tem Siegel des P.afigkafen Wilhelm von Tübingen nachgebildet. Es zeigt auf rechts guuditetem aaloppierendem Pferd einen Retter in voller Rüstung, dessen Rechte eine bewimpelte 2anse unb d.ssen Linke einen dreieckigen Schild hält. Unter dem Pserde ist eine herald.sche Lilie ' sichtbar. Kraft äußert in feiner Geschichte von Gieven, daß er glaubt, diese Lilie beziehe sich dwett aus Gießen, da sie im Verein mit dem Andreaskreuz auf tem Wimpel ter Lanze nur in den Siegeln der Söhne und des Enkels von Pfalzgraf Rudolf I., solange dieselben Gießen besaßen, zu finden ist. D.e Farben der Stadt waren iu jener Seit rot und grün, wie die Schnüre zeigen, an tenen das «siegel an ter Urkunde von 1237 hängt. Die Stadt Gießen führte noch ein zweites Reiters regel ähnlich dem ter Stadt Grunberg. Dieses Siegel, dessen Petschaft noch im Besitze ter Stadt ist, zeigt einen
politische Lagericha».
Die Steuerschlange.
R. Berlin, 5. April.
Reichsschatzsekretär Freih. v. Stengel bleibt, wie ter „Lokal- anjeiger" sich ausdrückt, „auf Wunsch der maßgebenden Instanzen" un Amt und wird also im Laufe dieses Sommers sich den Kopf darüber zu zerbrechen haben, mit welchem Steuer- äufett er im Herbst dem Reichstag nahen soll. Von der ganzen langen Etatsrede des Schatzsekretärs im neuen Reichstag fand nur die eine Bemerkung das allgemeine Interesse: daß einstweilen weitereSteuern nichter-forderlich fein würden. Vor den Wahlen hatte die „Nordd. Allg. Ztg." mit kraftvoller Bestimmtheit die auf Ernüchterung der Wähler berechneten Behauptungen oppositioneller Kandidaten in den „Bereich der Erfindungen" verwiesen, die Regierung, plane neue Steuern. Gegenwärtig aber bereiten andere Offiziöse die Oessent- lichkeit mit zarter Steigerung darauf vor, daß diese Erschließung von Einnahmequellen sich, leider, nicht vermeiden lasse. Aljo die Steuerschlange erhebt drohend ihr Haupt, und die Frage ist nur, auf wen oder waö sich dieses unpopuläre, Ungetüm stürzen wird? Bier und Tabak sollen es nicht sein; der W e i n dari esauchnicht fein, weil süddeutsche Staaten hier Einspruch gegen Verletzung verbriefter Rechte erheben können; Einkommens - und Vermögenssteuer von Reichswegen sind fast noch mehr als den Finanzministern der Bundesstaaten den Konservativen ein Greuel; aus der Börse läßt sich nicht »icl mehr herausholen — woher soll nun genommen werten, wenn die meisten Gebiete, auf denen etwas zu holen ist, unberührt bleiben müssen?
Die Wehrsteuer, des Abg. Dr. Arendt Licblmgsplan, wird ja wohl kommen, aber vermutlich hinsichtlich der Er- lragSsähigkeit dieselbe Enttäuschung bereiten wie die hundertmal verwünschte Fahrkartcnsteuer. Für eine Dividenden- Steuer schwärmen Agrarier, doch wäre auch in diesem Falle der richtige Zeitpunkt versäumt, denn die Zeit der fetten Dividenden scheint vorüber, nicht etwa, weil die glänzenden Aufträge der Industrie plötzlich aufgehört hätten, sondern, well sich die Betriebe mit sehr zu billigender Vorsicht auf weniger ge* ’egnete Jahre einzurichten beginnen und lieber aniauimcln, statt zu verteilen. So steht Herr v. Stengel vor Problemen, um Deren Lösung ihn keiner seiner Ministerlollegen beneidet. Fürst Bülow könnte daran denken, im Reichstag bei den Parteiführern sondieren zu lassen, welche Steuern am wenigsten Anstoß erregen. Doch würden die Freisinnigen wohl sofort direkte Reichssteuern als die allein möglichen bezeichnen, und die Konservativen ebenso entschieden jede Mitwirkung in dieser Richtung ablehnen, lleberhaupt ist es zweifelhaft, daß bei den Steuervorlagen, wie immer sie gestaltet sind, die konsev- vativ-liberale Mehrheit zusammenhält.
Zweites Blatt 157. Jahrgang Samstag 6. April 1907
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