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v»l. , auf Sah 4 Absatz 1 bei Eilands, u. Lurnralz )er hierzu freund iichsi ein Der Vor»land.
Gerichts- oder Amtshausc, einem Schulhause solches a
viel anders, als wenn Derr
„Amtsrichter Müller" mit diesen zwei Worten am Barett aut»
politische Lagesscha«.
Tie Verteuerung der ersten klaffe.
In dein Organ deS Bundes der Landwirte lesen wir: Eine weitere Verteuerung und Steigerung der Abwanderung auL der ersten klaffe wird die Tarifresorm bei den dentfchen Ersen- bahnen am 1. Mai ohne Zwerfel zur Folge Haden. Der Sag rur die Toppetrerse wird delarrnllich von 12 auf 14 Pfg. für das Stile- Nieter erhöht. Dazu kommt noch, daß infolge der Teilnng der Rnctfahrkarlen in zwei einfache Karlen die Reichssteuer zweimal zu enirichlen ist. Bei den hohen Sätzen für bie erste Klasse sind hohe Steuersätze bald erreicht. Die Steuer wird so in vielen Fällen aul das Doppelte gesteigert. Zum Beispiel kostet eine Rüdiahr- karte erster Klasse von Berlin nach Straßbiirg jetzt 105,10 Mk.,
Englische Blätter wollen wissen, der Bernd), Den aie Kaiserin-Mutter von Rußland bem Londoner Hose abgeslaltet hat, habe auch dazu gedient, die Lerheiratnng des zweiten Sohnes her Kaiserin, deS Großfürsten Michael Alcxandrowitfch, jüngeren Bruders des Zaren, mit einer Stichle deS britischen Künigspaares, der Prinzessin Viktoria von Schleswig-Holstein vorzudereilen. Tie Prinzessin ist die älteste Tochter des Prinzen Christian von Holstein aus feiner Ehe mit der Prinzessin Helene von Groß, britannien, einer jüngeren Schweiler des Königs Edward \ II. Von ihren beiden Bindern fiel dec eme, Prinz Christian Viktor, im Burenkriege, der andere, Prinz Aldert, sieht in preußischen Diensten als Rittmeister bei? Potsbamer Leib- garde.Hufaren, uiib ihre Schwester, bie Prinzessin Luise Auguste, war an ben Prinzen Aribert von Anhalt vermählt; von ihm geschieben, hat sie ihren Mädchennamen wieder angenommen. Tie Prinzessin Viktoria vollendet im nächsten ilionate bereits ihr 37. Lebensjahr. Ter Großfürst Michael Alexandrowiisch tll aber fast neun Jahre jünger als die Prinzessin. — Im übrigen ist die Prinzessin Viktoria ebenso ivie ihre Mutter, bie Prinzessin Christian, eine in England |\()t populäre Erscheinung, bie selten bei einem Wohltätig- leilssesie fehlt. Sie ist bekannt für ihre Katzenliebhaberei und hat ihren vierbeinigen Lieblingen in bem Parke des Wohn- ntzeS ihrer Eltern eme richtige, mit allein Komfort ansge- stattete Katzenoilla eingeuchlet. — Es wirb adzuwarten fein, ob das VeiloblingSgeriichl sich bestätigt.
Zu dieser Frage äußert sich ein Mitarbeiter des Türmers (Verlag von Greiner und Pfeiffer, Stuttgart) sehr drastisch wie folgt:
Dienstmänner und Leute ähnlicher Wirkungskreise tragen die Angabe ihres Berufes an der Kleidung, nebst einer Nummer für ihre Person. Der Gerichtsbote ist durch seine Uniform hinreichend gekennzeichnet; aber die Amtsrichter find an ihrer Tracht nicht mehr zu unterscheiden. Will man wi,sen, welcher von ihnen ettva der Herr Amtsrichter Müller ist, so muß man schon den Boten fragen, und er wird sagen: Der Derr dort mit dem Vollbarle, oder wie er sonst aussieht.
Ich meine, mit Werken der Kunst sei es hinsichtlich ihrer Würde das gleiche. Der Maler schreibt auf seine Bilder nicht, roaS sie darstellen, und auch seinen Namen bringt er nicht rote eine Firma an. Hingegen unter auflageweise hergestcllte Drucke wird beides regelrecht gesetzt; aber auch hier fertigt man die wertvolleren ersten Abzüge vor der Schrift.
Noch niemals ist es den Menschen in den Sinn gekommen, <rn der Frontseite von Kirchen deren Namen in Finneiuchrift pnzubringen; und auch Paläste jeder Art haben von jeher, als sozusagen Individuen der Kunst, diese natürliche Hochachtung genossen — bis auf unsere Zeit,, welcher sie abhanden sekommen ist, Niemals bat man an einem Rathause, einem
Neues aus Rußland.
In Petersburg drangen am 5. b. M. 12 mit Revolvern bewaffnete Leute in ein Postamt, befahlen, baß niemanb sich rühren solle, besetzten bie Ausgänge, bemächtigten sich des in der Kaffe befindlichen Geldes im Betrage von 597 Rubeln und entflohen. Emern Beamten gelang es, 1800 Rubel dadurch zu reiten, baß er sie in seiner Tasche verbarg. Man weiß nicht, wer bie Uebeltäter gewesen sind.
ohne Steuer alfo 97,10 Alk. Rünuig wird man für bie Doppel- reife ohne Steuer 113,80 Mt. zu entrichten haben. Dazu kommen 16 Mk. Steuer, sodaß bie Reise insgesamt 129,30 Mk. beträgt. Am 31. Juli v. Is. haue eine Rückfahrkarte erster Klasse nach Straßburg 97,10 Alk. gekostet. Innerhalb der Zeit von neun Monaten wird also diese Reise um mehr als 82 2)11. teurer. Tie Steigerung beträgt fast ein Drittel des ursprünglichen Fahrpreises. Tie große Mehrzahl von Reisenden, die lucht erster Klasse fährt, pflegt kern Jnterefie an diesen Verhältnissen zu haben. Tie Elsen- bahnoerivaltung und bie Allgemeinheit hat aber em sehr lcbhasteS Interesse daran, wenn ein erheblicher Teil deS Fuhrparles i m m c r weniger ausgenutzt wird. Ter Eijenbahnverivallung e>u- gehen durch bie Abwanderung in die niederen SUafien erhebliche Einnahmen, ohne daß das Reich einen großen Nutzen davon hätte.
6ine Rede deS Ministers v. Möller in Amerika.
Ter frühere preußische HandelSnunmer v. Möller hat bie erste Gelegenheit in Amerika, wo er im Auftrage bes Kaisers zur Teilnahme an ber Feier bev Pittsburger Universität eingetroffen ist, bazu benutzt, um einer wirtschaftlichen Annäherung zwischen Deutsch l an b unb ben Vereinigten Staaten bas Wort zu reben. Tie Feitlichseiten für bie beutschen Delegierten zur Carnegie-Feier begannen mit einem Tiner, bas Generalkonsul Bünz gab, um bie deutschen Gälte mit ben amenfan. Behörden und angelegenen DeutiH-Anierikanern bekannt zu machen. Bet dieser Gelegenheit legte Herr v. Möller bar, wie sehr ben beutschen Kaufmann baS zögernbe Eingehen Amerikas auf die Wünsche bezüglich bes Handelsvertrages oer- stimnien müsse, um jo mehr, da biefcr Kaufmann weniger Die Beseitigung bes Tingley-Tarifs als jene ungerechtfertigte Handhabung des Tarifs wünsche, welche es ihm unmöglich mache, bie Kosten feiner Exportware genau und somit reell zu berechnen. Diese ohne Umschweife gemachte Erklärung fand doch großen Beifall, weil sie mit unanfechtbarer Begründung vorgebracht wurde. Ebenso überzeugend sprach Möller über bie Notwendigkeit ber beutschen 1000101^^0^» liehen Zölle. Er schloß mit einem Hoch auf Roosevelt.
Deutsche» Reich.
B e r l i n, 5. April. Der K a i f c r hatte zur heutigen Abend- tafel den Fürsten von Monaco geladen.
— Der preuß. „Staatsanz." verössentiicht eine Bekanntmachung des Landwirtschaslsrninisters, nach welcher die Einfuhr lebender Wiederkäuer, Schweine, Milch, Nahm, von frischen uiu) frisch gesalzenen Hauten, frischen Hörnern, Klauen der Wiederkäuer, frische Klauen der Schweine, von tierischem Dünger, unbearbeiteter Wotle, Haaren unb Borsten aus Belgien und den Niederlanden verboten ist. Das Verbot erfolgt auf Grund des Gesetzes betreffend ine Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen. Gestattet bleibt Die Einfuhr überseeischer roher Wolle, die die vorgenannten Lander nur im Wege des unmittelbaren Durchgangverkehrs berührt.
— Als den technischen 9lat, der den Kolonialdirektor Dern- burg auf seiner Reise in die Schutzgebiete begleiten wird, bezeichnet man den Regierungs- und Baurat Balzer aus ber Kolonial-Abteilung. .
Essen, 6. April. Die Hauptversammlung des Vereins deutscher Eisen- und Stahl-Industriellen nahm einstimmig einen Beschluß an, wonach sie die Veranstaltung von Weltausstellungen als überlebt bezeichnet und nur Provinz» und Fachausstellungen als berechtigt erachtet. Die Versammlung verwarf entichieden den Gedanken einer We l t» ausstellung in Berlin im Jahre 1913.
Dresden, 5. April. Der konservative Verein forderte in einer heute abgehaltencn Versammlung nach einem Bortrage des Oberbürgermeisters Beutler eine Ergänzung des Programms der deutsch-konservativen Partei. Ter Verein wünscht u. a. die Beibehaltung des gegenwar- tigenReichstags-Wahlrechtes und denAusbauder sozialen Gesetzgebung.
München, 5. April. Der Zentrumsführer Dr. Schädler soll jüngst in einer Veriammlung gesagt haben, aus den jetzigen heillosen politischen Verhättnisien sei nur dann eine Rettung möglich, wennderRcichskanzlcr im Sommer krank werde und beim Wiederzusammentritt des Reichstages ein anderer Kanzler im Amte sei.
Zur Huu^ersupt in Ruülirud.
N. C. Es |mb immer dieietben Bilder, dlejetben Schilderungen aus den Hungeidouein, Wiede»Iwlungen über basfeibe Tema: puiiger und Berzwelftung. Aus allen herzzerreißenden Klagen, die zu uns herilbe»d»iugeii, hort man immer wieder Denselben Aolschrel Heraus: .Wir haben alles auigezehrl, was miizuzehrei» war!" Der Vevolliiiächligte der allg. X'anö|cl)a<t9organi|ation in Uia, Graf P. P. Tolstoi, der 297 Hilngerdouer in 13 Wolosii befucht hat, registriert eine ganze Anzahl Dörfer, die s e i l z m e i Al 0 n a t. e n nichts v 0 m Verpiteguugsgetreibe geIe h e n haben. »Alles, was verkäuflich ivor," Ichrclbt der Bevollmächtigte, ,i|t verkamt; alles, was zu verzehren war, ist aulgezehrt. Um den 'preis der Paul hat man Kühe und Werde verlaust. Jetzt ist der ivabce Hunger eingeiieien. Ta lern Brot mehr vorhanden ist, tueiben Eicheln, Melde und allerlei Quark gegehen. Alan ißt einmal täglich, ohne satt zu werden, m einigen Familien auch nur einmal* m mehreren Tagen." Das sind Schilderungen, die sich immer wiederholen, die aber nicht genug wiederholt werden können, obgleich die Feder zu ichivach ist, dos Eleiid zu Ichilderu, tute es wirtlich ist. Bor biejer grauenvollen Wirklichteu verblaßt icbe Schllderuug. »Es i|t nichts mehr zu verzehren- — »bas Stroh von den Dächern bev füllen ist als Liehiutter aul- gebraucht” — »Epidemien beginnen zu grassieren" — »die Veipflegunqshülfe reicht nicht aus" — und junger überall, un- gemutcr Hunger . . . Es ist jchiver, noch euvas be|onders Eharolte- rijtiicljcs aus den gleich erichütiernd jchrnerzlichen 91ot|ta>>dsberichten herauszufuideu. »Tie Armut", heißt es in einer Schilderung aus Alingrclieii, »ist unbeichreibllch. Tie vor Hmiger abgezehrten Kinder machen den Eindruck lebendiger Alurnien. Ihre Beivegungeli stud innfliiun, bie Augen leblos, die Kleider zerriffen” . . . Aus dem Siamaraicheu wird bas Elend 1 n einer Bauernh utte geichildert: »Inder kaltenHütie drängt sich die Familie zuiammen; nue find mir noch in Kleiderietzen gehüllt; die tUluuec liegt krank am dem ungeheizten Oien, öliemanb ift da, um euvas zu kochen 00er zu baden, und es ist ja auch nichts dazu vorhanden, ^er Baier jagt: „3d) will schon gar nicht mehr m bie Huue gehen. Tie Kinder bitten um Brot, unb es gibt dod) nichts zu eßen !
Eine weitere Meldung aus Satiiara berichtet davon, wie bie Bauern, um ihr letztes Buch zu bewahren, ihren Nahrungsbedarf am em Minimum befchrauken, nur um etwas faules -Stroh oder anderes tmzuretchendes Biehiutter taufen zu können, unö das ld)led)t genährte Bieh krepiert doch. Unb die Faniilic ijungert. Uebcr die Schimerigkeuen, mit denen die Landjcha'ten bei den iiiappen Alittelii der Berpflegungshille zu tärnpfeu haben, gibt cm Bericht aus bem Kreist Kainyjdml (Gouv. oatatoiu) eine Lor- stellimg. Tas Landschaitsamt dieses St reif cs hatte 841-00 JibL, die von der Regierung zur Berpflegungshme augewtejen waren, zu verteilen. Es konnten nur die m äußerste Not geratenen Hungern- öen berüdfiditiflt werben. Tas L'andschaftsarnt zog nur Denjenigen Leit der Bevölkerung m Betracht, ber ohne Hille bem völligen Hunger unb ben nut ihnen verbundenen Ertränkungen preisgegeben war. Alle, bie sich noch irgendwie jelbiibehelicn können, bie noch etwas zu verkaufen hatten, wurden aus bem Verzeichnis der Verpflegten gestrichen. Unb doch, trotz dieser grau|omcn CiivarmS- rüdsichteu, reicht für ben Kreis Kamyidim bie angeroieiene Stmune nicht aus unb bas üanbidjaüsami steht sid) genötigt, um weitere 123 OOO Rubel nachzusiichen. .
Auch manche Kuriosa sinken sid) in ben ernsten Jictiianbsbc- richten. So hat die Registrierung ber Notleidenden unter Den Altgläubigen eines Tories tut Ntshnt dloiugorobjdjen aöerglaubiiche
treten müßte?
Man komme mir nicht mit ber als Ausrede üblich gewordenen Phrase: der nwderne Verkehr erfordere es so. Tie Einwohner eines Ortes kennen ihre öffentlichen Gebäude wie ihr eigenes Haus und bedürfen keiner solcher Ausichciften auf ujnen. Dem Fremden, der zum erueitinoi es au„uchen null, hebt sich das Gerichtshaus oder Posthaus schon von weitem von den gewöhnlichen Wohnhäusern _ ab,^ und wenn er so nahe herantommt, daß er eine große Lchnst oben an ihm zu lesen vermag, kann er auch eine etwa neben der Tür aufgehangte Tafel erkennen, welche ihm anzeigt, daß er am geluchten Crte ist. Nur so ist das Bauwerk >elber etwas für sich, die erste Vorbedingung jedes ästhetischen Wertes.
Bei den romanischen Völkern ist dies noch in Kraft. — Ein anderes ist es natürlich um W e i he 1 n s ch r i f- ten uiid überhaupt solche, die m i t I nh a l t u n dFa >, ung aus dem Gedanken des Werkes hervorblühen gleich sonstigem Schmucke. ... . - ,
Auch die Inschrift Teatro, welche häufig tu kleineren Liadten Italiens an der Frontseire des Theaters, vrangt, muß man hierher rechnen, wenn man sie rechr verstehl: >ie ?^t.<Jeine oder Reklame — das weiß man ja, Hatz e$ das Theater
----- n n I Gerichts- oder Amtshausc, einem Schulhause solches angebracht. I Sollen öffcUtliche Ktöäude Inschriften haben? Aber ist dies für ein seineres.Gefuhl, welches jedes Werk gern 0 0 als ein Wesen für sich aussatzi, viel anders, als wenn Herr
ist —, sondern der ungemein lebhafte Lokalpatriotismus der Italiener hat sie anbringen lasten: Unser Theater.
— Desiree Artöt de Padilla t. Im Älter von 72 Jahren ist in Berftn an dm Folgen einer A l inddar m - entzutidung Tcfrrbe Artöt de Padilla,gestoroen, bie einst mit ihrem Ruhme bie Wett erfüllte. 1635 zu Paris geboren, wurde sie 185o auf W.rmi»a|jung Meperbeers an die Grolle Oper in Pc.ris ena. giert. Als Mez'esopraniiiin begann sie ihre Buhnen» .auibuyn, '.uayrend |te sp.tter in den höchsten oopranpartien Triumphe feinte. Sie ging bann nach Jtauen uni) -.ahm jVater Lin fefies Engirgemciit iueyr un, sondern beichrüntte sich ans Gast- ,viele, die u,.r attentyaiben die geölten Ee.oige einbrachie.t gezauberte nicht minder durch die Darstellung, wie dueu) die Schönheit der Stimme unb bie oollenbete Memerschau des Gesanges Jah-rzehnte hindurch blieb jie ein Liebling des Berliner ^vfes, bis sie sich 1884 von der Bühne zuruckzog, um stch jcttuK dem Ges..ngunterricht zu widmen. Im Jahre 1368 ver- icbte jich die Jtunitlcim nut dem jromponisten Dschaiwwsky, aber der LicoesbimD löite such nach kurzer Zeit, unb 1669 vermählte stcp De,ttee Ärtat mit dem 1 panischen Bartumuten Pa- Dilla y Rauws, der vor einigen Monaren geitoroen ist. -Ohre Begabung hat sich auf ihre Tochter Toia vererbt, £>te zu den Deiiecteyien Mitgliedern der Komumen Oper zu Äori'.n gehört. Die Leiche wurde nach Gotha übergeführt, wo jic verbrannt werden iolL
pie heutige Fummer umfaßt 16 Seiten.
Schatten bommerder Krcigniffe.
ES ift erstaunlich, mit welcher Zähigkeit und Stonjequen; bald bon London, bald von Paris au» internationale „Streitfragen" aus- Tapet gebracht und derart um Deutschland herum gruppiert werden, daß dieses nicht umhin kann, zu notorilchen, wenn auch durch Üyre Tendenz gekennzeichneten Unrichtigkeiten immer wieder Stellung zu nehmen. So wird die Oeffenttichkeit, aus deren nationale Leidenschaft man rechnet, an die „Allerwelts-Aktivitat" Deutschlands gewöhnt und in stetem Mißtrauen gegen diese Macht erhalten. Wäre es nur die englische und die französische Sen sa t ion s presse, die sich an solchem Treiben beteiligen, io konnte man die Sache auf sich beruhen lassen. Wenn aber Blätter, deren Beziehungen zu den leitenden Persönlichkeiten in London und Paris ioeltbefannt sind, bei jeder Gelegenheit und mit Geivalt Deutschland in den Vordergrund schieben und ge» will ermaßen als dasjenige politische Element darstellen, mit dem sich in Güte zu verständigen die anderen Staaten ihre liebe 91ot hätten, so ist das ein für den Bestand der internationalen Verträglichkeit nicht unbedenkliches Verfahren.
Der der französischen Regierung nahestehende „Temps" verkündete, wie wir meldeten, mit gesuchter Selbstverstiuidiichkeit, Deutschland habe sich einerseits in Marokko, andererseits über Bagdad mit Frankreich und England zu verständigen, dafür würden der d-utschen Poittik im Orient Konzessionen gemacht werden. Tatsächlich hat Deutschland weder das eine nötig, noch bedarf es des andern. In Atarokko ist sein Ziel, daß Frankreich niemals freie Hand im Sultanat bekomme. Im Orient sttebt Deutick^ land nur größtmöglichen Einfluß auf den Handel an und muß hierbei allerdings s.ch mit Energie dagegen wehren, daß Enaland die Behern:schung des ganzen Orienthande»s und seiner Vertthrs- straben an sich reißt. Dalstn aber würde es kommen, wenn Teutich- (anb die letzte Teilstrecke der Bagdadbahn von Bagdad bis Kvweit als „engltidie Jntevestenftrede" anerkennen und sich mit einer englischen Kontrolle darüber einverstanden erklären würde.
Als bas Bagdadvahnprojelt Gestalt gewann, ist die den Engländern von Deutschland angebetene Beteiligung abgeleljiit worden. Von einer „Fernbattung" Englands kann also nicht die Rede (ein, ebenioioenig davon, daß Deutschland beabsichtige, am Persischen Golf „Fuß zu fassen" im Sinne des LanderwerbeS. Diele gefliijentlich verbreitern Darstellunaen sollen wohl nur dazu dienen, Deutschland eines llloyalen Verhaltens zu bezick). Ligen, für England das Vorrecht berzuleüen auf den Bau der Teilstrecke Kvweit-Vagdad, und am Ende die deutsch-turkiiche Jn- tercssengemeiliichast in Mißkredit zu bringen oder gar zu sprengen. Tic gegen Deutschland treibende Kraft ist boc allem der indiiche Staattsekretär Lord Curzon, der dem britischen Handel das Aeo- nopel in ganz Sud^oestaften zu sichern trachtet. Jetzt, nachdem in erster Linie deutsches Kapital unb deutsche Arbeit bas Bagbad- balyuprojelt zu einem ansehnlichen Teil ausgcsuhrt haben, erhebt man Einspruch durch Feststellung der 9totiDeni>igEcit, (ich nut England zu „verständigen", d. I). die engli|che uiid sranzöiiime Presse eröifnet in aller Seelenrui-e, daß nur bei Jnttrnationali- lierung des Unternehmens eine Fortsührung bis zum Pcr|i,chen Goli durchführbar erscheine. t _ rr,.
Tas 9iccot ist aui deutscher Seite m Gestatt der Konzsiswn, doch es wäre gegen eine finanzielle Beteiligung Englands an dem Bahnbau auch fetzt nichts einzuwenden, da sranzoiiicheS Kapital gleichfalls beteiligt ist an dttsem rein wirtichafllichen Unternehmen. Aber nach den Erfahrungen^ m Marokko kann man jicl) eine Vorstellung machen von den 'Schwierigkeiten, eine allgemein besricd.gende Form für die SnternatLonaUi ierung der Bagdadbahn zu füllen. Deutschland d-rf sich aus der führenden Stellung nicht vervrängen. las «en, im eigenen Jntereife und m Rücksicht auf die Turlei. England aber wird zweifellos für |ia) den überragenden Ein.luß in Anspruch nehmen wollen Tie Streitt frage ist jedenfalls aufgeworfen, und da der Bau der Bahn noch Lange nicht bis Bagdad vorgeschritten ist, bleibt hinreichend Zeit, gegen Deutschland alle Heoei in Bewegung zu setzen.
Mit Geplänkel in der Presse fangt es an, Intrigen gegen ben deutschen Bot.chafter in Konstantinopel folgten, in der offiziös inspirierten „Körn. Ztg." wurde der engliiche Vorwurf als lächerlich bezeichnet, Deutsa)land wolle sich in Kieinaften zum Schaben fremder Interessen betätigen: vielleicht ist die Zeit des diplomimischen 9»otenn-echfelS und der Tag einer Bagdadbahii-Kon,erenz nicht allzu fern, denn die Friedensversainmlung im Haag wird am Lauf der Dmge wohl nicht viel ändern.
Nr. 80 Erstes Blatt 157. Jahrgang Samstag 6. *007
a,scheint täglich »wwf A Ak jflk. 'VEff o mok ultet)75neU
außer Sonntag». äÄÜ' ▼ CNy |Q ▼ jährlich Mt. 2.20, durch
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