Ausgabe 
5.12.1907 Erstes Blatt
 
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Donnerstag 5* Dezember 1907

157. Jahrgang

Erstes Blatt

General-Anzeiger für Oberyessen

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nach Darmstadt erfolgte nnt Sonderzug Konzertes.

** Der Petitions-Ausschuß mer hat am Mittwoch auch den Rest

Die Rückkehr Schluß des

takt bleibt, um eine Verständigung über die Dinge der inneren Politik hcrbeizuführen.

TieVo l si f a-e Ze itu n g" schreibt: Die Hindernisse lie­gen nicht so sehr bei den Parteien, wie bei den Mitarbeitern des leitenden Staatsmannes. Vcrtäusig werden sich die Hoff­nungen des Zentrums nicht erfüllen. Es gibt keine innere Krise mehr. Tie Geschäfte drs Reicl)stages wie des Reiches stehen nach wie vor unter dem Zeichen des Blocks.

Die Freisinnige Zeitung schreibt: Es bleibt vieles von dem Vorwurf aus dem Abgeordneten Paasche sitzen. Daß ausgerechnet der zuckersüße pfmulnenweime Paa)a,e am TEn.tag den Kriegsminisler von Einem in erncr fast duscht epperisa) zu nennenden Weise attackierte, um Herrn Maximilian Harnen unter die Arme zu greifen, erklärt sich nicht nur vielleicht nach der persönlichen Seite daraus, daß der Sohn des Abgeordneten Paasche mit der Tochter des Abgeoroneten Witting verlobt ist, sondern auch daraus, daß Herr Pachte Mitglied d.s A^fsichts- rates der Nativnalbank von L-eutschland ist, an berat Spitze Herr Witting steht. Es geht eben nichts über so ein Bißchen persönliche Eliguen-Wirtschaft.

Der Vorwärts schreibt: Es ist eine bizarre Laune der Geschichte, daß gerckde die Nationalliberalen sobald schon gegen­über der selbstherrlichen Bureaulratie in eine ähnliche Lage geraten sind, wie zur Zeit bie Zentrumspartei durch den Zu- samnlenstoß zwischen Dernburg uub Raren. Tou) mag es to men wie cs will: WaS soll man halten von der Lebensfähigkeit dieses Blocks, der bei dem ersten Versuch, seine Attionsühigieit zu betätigen, in solche Katastrophen hineingetrieben to.rb?

fältel uiermal in bei '^od)t betgelegi und #veimal rvdchentltd)bn9 Ikekblah Iüi 6tn Kreis

Aus Stabt und

Gießen, 5. Dezember 1907.

Vom Großherzogl iche n Hofe. JI. ft St. HH. der Großherzog und die Großherzogin fuhren am 'Mittwoch vormittag lm Auto nach Wtainz und nahmen um 1 Uhr bei Provmzmtdirektor Gehcimerat Jrhrn. v. Gagern das Mittagessen ein. Um 6 Uhr abends nahmen die Herr­schaften bei Geheimerat Dr. Strecker den Tee und besuchten hierauf das ftonzert der Mainzer ,£iebertafel*, bei dem

zeigt hat. Die Blockparteien werden nicht umhin können, sich die Frage vorzulegen, ob ein Abgeordneter, der so eigenartige Ansichten von guter parlamentarischer Tradition betätigt, das Vertrauen gerechtfertigt hat, das ihn in das Vizepräsidium

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wünscht.

DieDeutscheTageszeitung schreibt: Es muß mit aller Schärfe ausgesprochen werden, daß Herr P a a s ch e in dieser An­gelegenheit einen auffallenden und bedauerlichen Mangel an Beobachtung guter parlamentarischer Sitten ge- Die Blockparteien werden nicht umhin können, sich

berief.

Die Tägliche Rundschau meint, daß durch das Ver­trauensvotum, das heute dem Reichskanzler von allen Block­parteien gegeben werden soll, der Schaden wieder not­dürftig repariert wird. Sicher aber bleibe ein Riß bestehen. Wir können dem gestrigen Vorstoß des Herrn Paasche keine andere Deutung geben als die einer Hilfsaktion für den ihm verwandtschaftlich na he st eh enden Harden, von dem er auch sein briefliches Material bezogen hat.

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L °>" ^~ct Rotafiott$br«e und Verlag 6er vrühl'schen Unlv.-Vuch- un» Steinbrutferet R. tauge. Redaktion, Expedition und Drudereb rchulftratze 7. etw oornitäluflv lu Llt)te

ständigen Arbeiten erledigt und also für die bevorstehende Kammertagung vollständigreinen Tisch" gemacht. Es wurden heut nur noch drei Berichte über Hundesteuer­beschwerden der Herren Schmidt II. zu Holzhausen, Schneider III. zu Morbach und König zu Wolf verlesen und genehmigt. Der Müller König ist seit langer Zeit in der Kammer als Beschwerdeführer über ihm von der Behörde angeblich zu Unrecht abverlangte Hundesteuer bekannt und dürfte demnächst sein zehnjähriges Jubiläum als Hunde­steuer-Reklamant feiern. Der Ausschuß genehmigte schließ­lich noch den Bericht über die Beschwerde des Landwirts Winter zu H o ch - W e i s e l inbetresf der bei ihm ausgesühr- ten Feldb erein igung. Der Ausschuß hatte kürzlich eine Okularinspektion bei dem Petenten vorgenommen und seine Beschwerden als richtig anerkannt; nachdem aber das Schiedsgericht in der Sache sein Urteil gefällt hat, sieht er sich nicht mehr in der Lage, eine anderweitige Entscheid düng herbeizusühren.

** In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dem G r o ß h e r z o g am Mittwoch u. a. Pfarrer Pichou von Wickstadt.

** Aus dem Militär-Wochenblatt. Brun­ner,^. im 1. Ob-er-Elsäss. Jns.-Regt. Nr. 167, kommandiert zur Dienstleistung beim Großh. Hess. Train-Bat. Nr. 18, in dieses Bar. versetzt.

Erledigt wird am 1. Januar die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehr er stelle an der Gemeinde- schule zu Ober-Klingen. Mit der Stelle ist Organisten­dienst verbunden. Dem Fürsten zu Löwenstein-Wertheim- Rosenberg steht das Präsentationsrecht zu.

** D i e L e h r e r i n n e n g e h ä l t e r. Tas Großh. Mini­sterium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheitcn,^ Hal n. d.Frkf. Ztg." einen Gesetzentwurf ausgearbeilet, wonach die Gehaltsvezüae sämtlicher hessischer Lchrerinnen mit Wirkung ab 1. April 1908 aufgebcsstrt werden sollen. Der dafür erforderliche Betrag ist bereits im neuen Staatsvoranschlag vorgesehen.

** Eine Sitzung des Provinzial-Ausschus- s e s findet Mittwoch, den 11. ds. Mts., nachmittags 31/2 Uhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. Klage des Ortsarmenverbandes Storndorf gegen den Orts­armenverband Liederb ach wegen Unterstützung der Kinder der Johs. Roth Eheleute. 2. Klage des Ortsarmen­verbandes Sontra gegen den Ortsarmenverband Friedberg; hier Zahlung der Auwaltskosten. 3. Rekla­mation gegen die Bürgermeisterwahl zu Allerts­hausen.

** Das bereitsangekündigte Wohltätig­keit s k 0 n z e r t, das ui Form einer E i cy e n d 0 r f f - F e i e r am nächsten Sonntag in der neuen Aula der Universität stattsindet, hat, wie aus einem uns vorliegenden Ausruf hervorgeht, das Interesse und die Unterstützung weitester Kreise gesunden. Die Spitzen der Behörden, Universität, Schule und Bürgerschaft haben sich vereint, um bedürftigen Schulkindern mit dem Ertrag des Konzerts eine Weih- nachtSsreude zu bereiten und ihnen insbesondere Kleider und Schuhwert zu spenden, und jie werden, wie wir unsere Gießener Lennen, sich nicht vergeblich au sie gewandt haben. Die Anregung zu der Veranstaltung ging vom Gießener Lehrersängerchor aus, ihm schlossen sich bereitwilligst Mit­glieder der von Lehrern geleiteten Gesangvereine Con-

Berlin, 5. Dez.

DasBerliner Tageblatt" erführt über die Konferenz zwischen dem Für st en von Bülow und den Block­parteien: Fürst von Bülow ließ vor 1 Uhr die Parteiführer im Reichstag m sich bitten und erklärte, ohne auch nur mit einem Worte den Fall Paasche zu erwähnen, daß ihm die Uneinigkeit innerhalb des Blocks das sJi e g i e r c n unmöglich mache. Er Deutete dann mit klaren Worten an, daß er »genötigt sein könnte, dem Kaiser seinEnt- l a s s u n g s g e s u ch zu übersenden. Nur dann, wenn die Blockparteien ihm unzweideutig ihr Vertrauen ausdrückten, könne er bleiben. Nachdem der Reichs­kanzler eine Ansprache an die Parteiführer gehalten hatte, ver­ließ er den Reichstag. Um 5 Uhr vereinigten sich dann, nachdem die Fraktionen zunächst getrennt beraten hatten, die Tel e- gierten der Blockparteien zur gemeinsamen Be­ratung. Es wurde beschlossen, daß heute bei Beginn der Neichstagssitzung Die geplante Kundgebung stattsinden sobe. Na- mens der Konservativen wird der Abgeoronele von N 0 r m a n n erklären, daß seine Partei an der Blockpolitik festhalten und möglichst alles bermdt.cn wolle, was die Blockparteien trennen könnte. Tann wird namenS der Nationalliberalen der AbgeorD- nete Bassermann eine ähnliche Kundgebung abgeben, woraus namens der f reif innigen Parteien wahrscheinlich der Abgeord­nete Wiemer sich 'den Vorrednern anschließen wird.

DemBerliner Lokalanzeiger" zufolge hat noch gestern abend eine Besprechung zwischen dem Kriegsrnmister von Einem und dem Abgeordneten Paasche statlgefundcn. Die Unterredung klang in die B^riicherung aus, daß man mit den Empfindungen der langen gegenseitigen Freundschaft voneinander scheide, da man überzeugt sei, daß jeder von seiner Stelle aus loyal gehandelt habe.

Zur gestrigen Krise schreibt dieKr e uz z eitu n g": Es hieß schon, der Block sei gesprengt; das brauap aber vorläufig doch noch nicht befürchtet zu werden. Vielleicht ist es sogar eine gute Lehre f ü r die Nationalliberalen, die nunmehr wahrnehmen müssen, daß das barsche Auftreten nicht dazu an­getan ist, weder moralische noch materielle Eroberungen zu machen. Die konservative Fraktion hat, wie wir erfahren, keinen Anlaß gefunden, dem Block und dem Reichskanzler gegenüber ihre Stellung zu ändern, da sie an dem Ausbruch der Krise keine Schuld tragen.

DieP 0 st" schreibt: Es ist nun unbedingt nötig, datz die Blockparteien sich ohne Verzug auf der ganzen Linie sowohl über die akuten sachlichen Fragen wie übet das gegenseitige Ver­halten zu einander einigen und diese Einigung kann mit einigem guten Willen wohl gelingen. Der Zusammenschluß,der Blockparteien istbisjetztnichtenggenuggewesen. Es wäre vielleicht die Bildung eines B l 0 ck a u s s ch u s s e s er­

es richtet sich aber niajt an die Nationalliberalen und gilt nicht Dr. Paasche, sondern dem Block in seiner Gesamt­heit. Fürst Bülow hatte zu heute mittag die Führer der Blockparteien zu sich gebeten und ihnen erklärt, d a d ie not- wendige Einigkeit unter den Parteien des Blocks nicht vorhanden sei, könne er eine er- prießliche Arbeit nicht erwarten und werde er nicht mehr mittun. Die Parteiführer erbaten und erhielten ein Moratorium, eine Galgenfrist von 24 Stunden. Nach der Rede des Kriegsministers sollte die Blockmehrheit die Sitzung des Reichstags vertagen und bis morgen die Krise innerhalb des Blocks zum Abschluß bringen denn um eine solche handelt es sich nach den Erklärungen der Parteisührer hauptsächlich, nicht um unlösliche Ncei- nungsverschiedenheiten zwischen Block und Regierung. Der Reia.)skanzler hat mit aller Bestimmtheit erklärt, falls bis zum Beginne der morgigen Sitzung die Einigung nicht erzielt ei, werde er d i e K 0 n s e q u e n z e n 5 i e he n. Das Weitere ist aus dem Verlaufe der heutigen Plenarsitzung bekannt.

Um 5 Uhr traten bann die Biockführer zu einer gemein­samen Verhandlung zusammen, als deren Ergebnis morgen zu Beginn der Vtenariitzuug der Block dem Kanzler eine einhellige Vertraue nskunogebung bereiten wird. Ob dann der Abgang des Herrn v. Rhein­baben oder vielleicht auch eines anderen Ministers die jo notwendige Solidarität innerhalb der Regie­rung außer jeden Zweifel rückt, wird m-n von einer nahen Zukunft erfahren.

Die Germania schreibt: Tie äußeren Begleitumstände der Blockkrise sind so ungewöhnlich, daß sie in der ganzen politischen und parlamentarischen Geschichte des deutschen Reichstages keinen Präzedenzfall finden. Möge der Reichskanzler einstweilen seine Block-Hofsnungen noch nicht ausgeben, sondern Trost darin finden, daß es in der parlamentarischen Sprache auch noch das Wort Uinfall gibt. Wir werden vielleicht darüber Näheres erfahren.

TieN a t i 0 n a l - Z e i t u n g" sag,: Man kann den Na­tionalliberalen die Schuld dafür, daß es so weit kam, nicht tu Die Schuhe schieben. Dem Zusammenstoß zwischen dem,Kriegs Minister von Einem unD Paasche ist eine viel, zu große Be­de u t u n g beigelegt worden. Es handelt sich da höchstens um eine Episode. Uni aber in Zukunft euic Wiederholung solcher Zwischenfalle auszuschalten, halten wir es für uiibcbiugt not­wendig, daß nicht nur zwischen den Blockparteien untereinander, sondern auch zwischen die,en und der Regierung eine engere Fühlung als bisher angebahnt wird. Es genügt nicht, daß der Reichsianzler die Herren einzeln zu sich nach Norderney bestellt hat, sondern daß er dauernd mit ihnen in Kon-

Ale Heutige M,mmer umfaßt 14 Seiten.

Stlmmuugsöäv aus Dem Reichstage.

Berlin, 1 Dezember.

Die Krisis.

Herr Gröber, der feit einigen Tagen auf der vordersten Zentrumsbank saß, den Hohn und Spott, den er über den Block aus^ugießen gedachte, in feinen mächtigen Bart hinein- läck-elnd, ist um den schönsten Teil seiner Rede gekommen. Die Krisis, die feit Eröffnung des Reichs­tages den Block latent umschwebt, ist zum Aus­bruch gekommen. Die Gewitterwolke, die mit der gestrigen Rede des Wg. Paasche gegen den preußischen ziiiauzminister und den Kriegsminister plötzlich schwarz viohend am Horizont des Reichstags aufzog, ist geplatzt. Unbestimmte Früchte schwirrten schon lange vor Beginn Der heutigen Sitzung in den Wandelgängen. Es hieß, der gieichskanzler habe erklärt, nicht mehr mitzutun und Block uiib Antiblock sich selbst zu überlassen; andere fügten hinzu, ec hätte den Nationalliberalen das Ultimatum gestellt, ihren Führer Dr. Paasche in öffentlicher Re ich s- tLgs-Sitzung zu desavouieren, und diese hätten es abge­lehnt. Eins war sicher. Vor Eintritt in die Tagesordnung oder als erster Redner in der Fortsetzung der gestrigen Verhandlung würde Herr v. Einem das Wort nehmen, um auf den Angriss Dr. Paasches zu antworten.

Brechend voll waren die Bänke des Hauses, das Publi- 6am, das ja stets erst die Tribünen stürmt, wenn am Tage vorher etwas los war, hatte die Bedeutsamkeit der gestrigen Vorgänge anscheinend nicht erkannt, einzelne Tribünen hären nahezu leer. Und bis zu Beginn der Sitzung, die der Präsident Gras Stolberg pünktlich mit dem akademischen V iertel zu eröffnen gewöhnt ist, auch die Bundcsratstische. Wit dem Glockenzeichen des Präsidenten betreten die Ver­treter der verbündeten Regierungen die Estrade des Bundes­rats. Der Zteichskanzler ist mdjt dabei, aber als erster der ÜTiegSminifter v. Einem, üne Blässe im Gesicht, die heute hohl nicht allein ein Symptom seiner schmerzhaften Krank­heit ist. Rasch ist eine Rechnungssache erledigt, und der Präsident verkündet den Wiedereintritt in die Etatberatung Uno erteilt Herrn v. Eine-u das Wort.

Eine Beisallssalve der Rechten nach der anderen be- gCeitete seine Worte, die er vielfach in Form einer Anrede an Dr. Paasche kleidete, den er für feinen Freund gehalten habe. In welchem Umfange die Vorwürfe des national- überalen Abgeordneten berechtigt waren, inwieweit es zu- tcisft, daß der verantwortliche Kriegsminister nicht infor­miert wird über das, was die Spatzen von den Dächern pfeifen und was in kriegsgerichtlichen Verhandlungen vor­geht, ließ sich nicht mit Sicherheit feststellen. Eine Ver­kettung zufälliger Umstände, die Krankheit des Kriegs- Ninisters, die ihn, wenn seine Anwesenheit nicht unbedingt erforderlich ist, selbst in diesen Tagen dem Reichstage fern- halt, ein offensichtliches Mißverständnis bei. seiner Unter­redung mit Dr. Paasche, scheinen die Geschäfte des Antiblocks nitzubesorgen. Mit außerordentlicher Spannung folgte alles seinen ihm offenbar aus dem Herzen gehenden Wor­ten. Als er mit der Aufforderung geschlossen hatte, daran nitzuhelsen, daß das Geschwür aus dem gesunden Körper der Armee und der Nation ausgebrannt werde, folgte dem tosenden Beifall der Rechten einen Augenblick Friedhofs­stille. Dann verkündete der Präsident in geschäftsmäßigem Tone, daß die Abgeordneten von so und so den Antrag aus SertagungdesReichstages gestellt hätten. Er stellte bie Frage der Abstimmung und erklärte den Antrag mit großer Nöehrheit sür angenommen.

Da brach es los. Schreiend, lachend, heulend fuhren Sozialdernok-.rnten und Zentrumsleute von ihren Plätzen auf. 20 Stimmen verlangten gleichzeitig das Wort zur Ge­schäftsordnung. Die persönliche Bemerkung des Dr. Paasche g, gen den Kriegsminister wird noch ruhig an- getjört Seine Erklärung, der Reichstag sei die Stätte, an der das Rechtsbewußtsein des Volkes zum Ausdruck gebracht werde, schnei.vet der Präsident, die Geschäftsordnung in der - Hand, ab. Dann melden sich die tertii gaudentes, Herr Singer und Herr Spahn, Herr Bebel und Herr Gröber. Der L Präsident hat eine Vorschrift der Geschäftsordnung, die iei: beim alltäglichen Vorgänge der Sitzungsoertagung unbe- k achtet bleibt, übersehen unö hierin haken die Antiblockleule int ein. Sie verlangen zunächst die Unterstüyungssrage für den o? Dertagungsantrag und fragen bann nach den Gründen. Dem 3- niaendlick-en Führer der sreisinnigen Volkspartei, Dr. Wie- mer, eignet noch nicht bie Ruhe bes abtoägenben unb zurückhaltenden Politikers. Seine unbestimmte Andeutung u( von hochwichtigen politischen Vorgängen von denen den Unterzeichnern des Antrags, also dem Block, Kenntnis ge- b. worden fei, rüst einen Sturm hervor, unb bie Erklärung, bie nach ihm Herr Bassermann abgibt, daß man ledig­lich den Wortlaut der Rebe bes Kriegsministers abtoarten wolle, verbessert die Situation nicht, sondern macht ben Antiblock nur um fo mißtrauischer unb erregter, was ist bie Kamarilla! ruft Singer unb bann glatten sich bie Wog^ ber Erregung. In namentlicher Abstimmung wirb §crcn Singer bestätigt, baß der Block immer nod) bie Kejr^ beit bes Reichstages bedeutet. Dann strömen die u04 Ab­geordneten aus dem Saale, um sofort in den Fraktions- Ammern des Reichstages bie folgenschweren Ereignisse beraten Die ®ruc£erei des Reichstages begmrtt ober aiiaeärengt zu arbeiten, um ben im hohen Hause versammelt bleibenden Fraktionen bie Rebe des Knegsmi- aus den Fraktionszimmern, unb sie tragen eilte Mitteilung in bie Wanbelhalle, bie bie Sage grell beleuchtet. Es bestätigt sich danach, daß der Kanzler ein Ultimatum gestellt hat.

* 4körn. sten'sprech-An-

Muh si d. Redaktion NS le verlast u Expedition 5|