str. «60
Zweites Blatt
Dienstag 5. November 1907
General-Anzeiger für Gberhesfen
2QKX1
OurNLt.^
Ten Vortrag des Herrn Gurlitt über die Gründe der Unxu«
J ™ vr/utiiit UVCL Ult niHOC oer Unzu-
friebenl)eU weiter Kreise mit der Schule habe ich leider nicht . "... i. Littn.'it hiotl nt ö । n klt.. X Cß :□ . r • ,
Das Ideal sei aber, daß jeder die Bildung erhalte, die er zu seinem Beruf brauche. So hat sich allmählich das
-taatsanwalt an seiner Seite jindet. Mir scheint es also,
die andere mehr chemische und andere Fächer Pslegte,
ÄSKWJ EKÄ
man
Handelshochschule in Köln sei verschieden von der in Frank-
ilschem Elend dieser Schrist
L 37. Jahrgang
Privilegs anzustreben, Parteilichkeit des Schüssengcrichts geschrieben wurde, scheint mir vollkommen unbegründet. DaS Gericht hat wohl die
** Gegenwart und Zukunft der Handelshochschulen. Heber dieses Thema sprach gestern abend im Hause des Kaufmännischen Vereins Herr Geh. Hojrat Prof. Dr. Goth ein aus Heidelberg. Redner schilderte, wie die Universitäten viele Jahrhunderte hindurch die einzigen höheren Bildungsanstalten gewesen seien. Aber der Lehrgang der Universitäten habe bestimmte Grenzen, er halle sich, von der Medizin abgesehen, frei von dec Praxis.
Bedürfnis nach höheren Fachschulen eingestellt, zunächst für den Techniker, dann auch für den Kaufmann. Hierin haben die kaufmännischen Vereine bahnbrechend gewirkt, indem
sie Fortbildungs- und Fachschulen einrichteten. Für die Mittelstufe waren damit bis zu einem geloissen Grad gesorgt. Tie kaujmännische Ausbildung darf hierbei aber nicht stehen bleiben. Für den Handel unserer Zeit ist es notwendig, daß er Fühlung halte mit dem Weltmarkt, während es früher genügte, wenn er nur den nächsten Kreis überblicken konnte. Mit diesen gesteigerten Ansprüchen an den Kaufmann stellte sich auch die 9tvtwendigkeit der höheren kaufmännischen Ausbildung ein. Die erste Handelshochschule großen Stils habe Köln. Redner schilderte eingehend das Entstehen und die Bedeutung dieser Anstalt und wies dann daraus hin, daß der Handel nicht überall gleichmäßig sei. Jeder Ort habe seine besonderen Bedürfnisse. Wie die einzelnen technischen Hochschulen ihre Besonderheiten hätten und die eine technische Hochschule besonders den Schiffbau,
trlctetni täglich mit Ausnahme bet Sonntag».
Die ..«Ikhrner ZamlttenblLtter- werden dem viermal wöchentlich be,gelegt, daü „Kretsblati Iß: den Kreis Liehen" zweimal wöch«"Urch. De: ..hessische Landwirt*' erscheint monatlich einmal.
Zuständen zuteil werden läßt, der Nachweis des ursächlichen Zusammeithangs zwischen Sittenlosigkeit, wirtschaftlichem und poli- ist so klar und zwingend gegeben, daß das Lesen für die sittliche und politische Erziehung unseres zu empfehlen ist. Dazu lernen unsere Jungen
lv e r b e k a nt m e r t a g s tritt am Donnerstag, 7. Nov , zu einer Sitzung im Neichstagsgebäude zu B e r l i n zusammen. Aus der Tagesordnung stehen u. a.: 1. Ausführung der Beichlüsse des Straßburger Kammertags, 2. Denkschrift betr. Abänderung der Neichsgewerbeordnung: a) die an die Kommission zurückgewiesenen Anträge, b) neu eingegangene Anträge, & Reichsgesetzliche Regelung des Hujbeschlag- Wesens, 4. Schädigung des Handwerks durch Kunstgewerbeschulen, 5. Volontäre im Handwerk, 6. Fabrik und Handwerk, 7. Fahrpreisermäßigung für Gesellschastsfahrten gewerblicher Vereine, 8. Besetzung der Kommissionen des Ausschusses. — Für die Abhaltung des 2. Hessischen Hand- werkertags ist Montag, 20. Jan. L I. vorgesehen. Er wird zu Gießen im großen Saale von Steins Garten stattjinden.
Deutsch ist, zur eingehendsten Lektüre sür 12—lö jährige Jungen . 'Mpfehlen. Eäsar ist eine geschichtliche Gestalt, an deren «: trotze ein Bismarck eben heranreicht. Und seine Werke als j zeecgnetes Mittel zur Einprägung lateinischer Sprachregeln vor - Jungen gebrauchen, die noch nicht hinter den Ohren trocken ' mb, das widert gerade den an, der Cäsar hochhalt und seine ' Schuljungen lieb hat.
Aber die sonstige lateinische Lektüre? Die bunten Bilder rn Ovios Metamorphosen, in verständiger Auswahl gelesen, er* ■ freuen jeden einigermaßen geweckten Jungen; sie geben auch ’ genügend zu denken, wenn man z B. bei der Schöpsungsge- chichle die Mannten religionsgeschichtlichen Parallelen oder bei r- jcr Erzählung von Niobe das religiöse Empsinden der alten . Völker zur Sprache bringt. An Ovid reiht sich Sallusts Eatilina. Das ist ja freilich ein Hincinleuchten in vielen Schmutz und Schlamm. Aber die kurze, straffe Verurteilung, die Sallust Viesen
furt und von der in Berlin. An der Berliner Handelshochschule Pflege man besonders die Beziehungen der Kaufmannschaft zur Selbstverwaltung, so daß sich dort geradezu eine Wissenschaft der Selbstverwaltung herausgebildet habe. Ter Großhandel, das Bankenwesen, die Industrie, sie erforderten alle ihre besonderen Kenntnisse. Redner betonte in seinen weiteren Ausführungen, daß der Unterricht in den Handelshochschulen demokratischer gestaltet werden müsse, als es bisher der Fall gewesen sei und teilte dann interessante Einzelheiten mit über die Einrichtung von Handelssachschulkursen in dem kaufmännisch hochbedeutsamen Mannheim. Wertvoll sei es, so bemerkte Professor Gothein, daß der Kaufmann Kaufmann bleibe und auf der Hochschule nicht Student spiele, wie das leider in Köln der Fall sei. Er erinnerte zum Schluß an das Wort Friedrich Liszts, daß es für ein Volk nicht sowohl auf den Reichtum ankomme, als viel mehr aus die Produktivkräfte, die diesen Reichtum schassen könnten. An den sehr interessanten Vortrag schloß sich eine längere Diskussion an, in der auch die Frage erwogen wurde, ob so etwas wie eine Handelshochschule in Anlehnung an unsere Universität hier in Gießen möglich sei. Prof. Gothein wies auf die Mannheimer Einrichtung der Fachkurse hin und meinte, daß etwas ähnliches, wenn auch im kleinen, in Gießen möglich sei. Tas wurde von anderer Seite, u. a. auch von Herrn Prof. Biermer bestritten.
** Der Turnverein Gießen hielt gestern abend im Gate Ebel seine ordentliche Hauptversammlung unter dem Vorsitz des 1. Sprechers Althoff ab, der zunächst den Bericht über das abgelausene GetchäftSiahr erstattete. Im Bericht wurde zunächst mit Genugtuung testgestellt, daß der Mittelrhecnkreis auch im vergangenen Jahr wiederum an Vereinen und Mitgliedern Angenommen habe Auch Oie Frauenableklungen um) die Zahl i er Zöglinge, jolme die Zahl der in beionbercn Abteilungen turnenden Schüler hat sich vermehrt. Sodann erwähnte der Bericht die der Ausbreckuug der deutschen -kurnsache ent- gegenuchenden Hindernisse, die Sportbewegung,. me Gleichgültigkeit der oberen Zehntausend und die aus pollnichen Gründen beruhende Gegnerschaft der sog. freien ^urner. Auch der Gau Hessen hat wiederum eine Vergrößerung zu verzeichnen, der größte Verein ist der Turnverein „Gießern Der Vorstand des Turnvereins erledigte d.e Ge,cha,te dev Vereins in 18 Sitzungen, in denen im ganzen 117 Beratungsgegenstände erledigt wurden. Der Verein zahlte am 1 Oktober 1907 62-5 Mitglieder, er hat seinen Veüand ungefähr behauptet. Gestorben sind die Mitglieder oean Hirdi, Hch. Scheich, Hch. Göcke und Theodor Vruct. Zu ihrem ehrenden Gedächtnis erhoben sich die Anwesenoen von den Sitzen. Der Verein beteck.gte sich beim Einzug des Kaisers sowie ferner des Großherzogpaares gclegeutlm) der Universitätsieier an der Spalieroiwung, bereu ^cuuua sein 1 Tnrnwart hatte, sowie am Up.iDer)itaiS|C]t durch turnerische Ausführungen. An den auswärtigen Turnfesten nahm der Verein mit Erfolg teil. Ter Sangerchor des Turnvereins nahm an allen Veranstaltungen innerhalb pes Vereins teil. Turuwarc Heuser beiiujieie, daß ber Turnbcjuch gut ju neunen km, an 9, Sticgcnabenben beieiluuen 1 tü) oi Li Turner ldurchfipn. 3a), an 4d Karaben- öen lze>ü (26;, während die Männerriege nut 3Jö (9) Turnern
se&enen fogenannten hcfjifchen Fragestücke scheinen mir roeber lUtadjlid; nach sachlich eine Verbesserung des ursprü-m- lrc^n Katechrsmus zu bedeuten Aber Gurlitt vergibt etwas md,t "srgellen durite. Tic Mängel dieses doch alls schon um ,eener Kurze wellen sehr empfehlenswerten Katechismus werden graßenterls gut gemacht durch seine über- eeftrte^ Volkstümlichkeit In diesen für Unser SprächgMhl ton,lCrn8T ^tf,rUnfCrsSS°Q1,f ,1Un feit faft 6lEI Jahrhunderten feine &ctligften Gefühle und Anschauungen wicdcrgesunden, und das Verständnis erbt sich tatsächlich von Geschlecht zu Geschlecht weiter. Aber der Unterricht in der Bibel. „Wir sehen in der Bibel eine Sammlung altjudiicher Literatur. Wie kommen nun unsere deutschen Kinder dazu, so etwas auswendig zu lernen?" Ich glaube das ganz kurz sagen zu können. Diese Sammlung altiudischcr Literatur — offenbar existiert das Reue Testa- ment Tür ^errn Gurlitt nicht — zeigt uns das Werden und Entstehen des Christentums. Tas Christentum ist aber eine Erscheinung von bedeutendem Gegenwartswert. Es gibt in deutschen Landen noch immer Leute, die dem Christentum den starken inneren Halt ihrer Persönlichkeit und die Kraft demü- ttQer, hingebender, selbstverleugender Liebe verdanke. Und
diese Besitztümer werden sogar höher geschützt als die wirtschaftlich nützlichen Kenntnisse oder auch die ästhetische Bildung, welche die Schule vermitteln soll. Damit aber diese Besitztümer unseren Kindern und Enkeln erhalten bleiben, deshalb führen wir die Jugend in jene alten Zeiten zurück, in denen zuerst diese Güter gewonnen wurden. Unser Volk wäre zu beklagen, wenn es leichtfertig die Quellen zuschüttete, aus denen ihm Jahrhunderte, ja Jahrtausende hindurch seine beste Kraft zugeslossen ist.
- Oskar Holtzmann.
Huröen über seinen F ozetz.
Einem Redakteur der „Morgenpost" gegenüber hat Hürden sich folgendermaßen geäußert: „Ich habe erst aus den Zeitungen erfahren, daß der Staatsanwalt in diesem Stadium des Prozesses einzugreifen beliebt. Ich persönlich würde, auch wenn ich es könnte, nicht das geringste dazu einzmrenden haben; denn die Staatsanwaltschaft wird sickjerlich dasselbe Bestreben haben wie ich, die Wahrheit festzustellen. Ich glaube auch nicht, daß meine Situation als Angeklagter jetzt ungünstiger gestellt ist; denn nunmehr werden alle jene Zeugen, die im ersten Verfahren vor Gericht nicht erschienen sind, im neuen Prozeß vor Gericht erscheinen müssen. Was die Frage des Eingreifens des Staatsanwalts anlangt, so möchte ich mir noch die Bemerkung erlauben, daß vom Standpunkte des wahrhaftigen Liberalismus gewünscht werden müßte, daß in allen Beleidigungsprozessen beide Parteien gleichgestellt s.ien. Es ist doch sicherlich nicht wünschenswert, daß irgend ein beleidigter Privatmann genötigt sei, sich selbst zu schützen, während ein General ober Beamter in gleicher Lage den
tRotartonSbrud und fkrlaq bet Br üblichen UnwersuälS . Buch, und «retnbtudeitk Ä. Lang«.
Redaktton. ExvedMon und tJrudrret: Schul- ftraBe ? (ferpebuion unt tierta0 bL «ebaftlon;e^ u-i leL-Blbu
frören können, weil meine Zeit durch Berufsarbeiten stark in ' Anspruch genommen war. Umsomehr hat mich das Referat ) n dem Leitartikel des Gießener Anzeigers Nr. 258 interessiert • 's nötigt mich aber, im Interesse der Sache, zu kurzer Er- fviderung. Ein. Mann, .der nun 19 Jahre in hiesiger Stadt, 23 Jahre im Großherzogtum im Schuldienste tätig gewesen i)t, der davon über 21 Jahre lang Latein, alte Geschichte ' mb Religion vor den venchiedensten Altersklassen unterrichtet i frat, dürste wohl berechtigt sein, zu den durch Gurlitt anfge-- h tun jenen Fragen zu sprechen.
Ich beginne mit dem Unverfänglichsten, dem Lateinunterricht, l! hier will ich mit einem Zugeständnis an Gurlitt anfangen, ckuch ich bedauere, daß Cäsar in Tertia oder auch Untersekunda ze:esen wird. Aber ich bedauere es ans einem anderen Grunde ; üs Gurlitt. Ich kann es kaum glauben — es gibt ja in der 1 ißelt freilich mancherlei Toren —, daß jemand die Cäsar- lektüredazu benutzt, um in Cäsar den Jungen das Muster • wahrer Vaterlandsliebe zu zeigen. Ich möchte da ein Mißver- 1 sländnis vermuten. Cäsar gibt die erste Beschreibung deutichen ; Landes und deutscher Sitte; er zeigt, was Kolonien wert sind ■ uni) wie sie gewonnen werden müssen, um dem friedlichen l handel freie Bahn, zu schaffen. So kann die Cäsarlekiüre . jur die Vaterlandsliebe junger Deutscher nutzbar gemacht wer- 1 )en. Aber ein Vorbild treuer Vaterlandsliebe ist Cäsar aller» 1 Dings nur in beschränktem Maß. Aber nicht deshalb möchte 'ich ihn aus der Tertia und Untersekunda verbannt wissen, f Mein Grund ist ein anderer. Die Berichte eines Wißmann und ii Peters über unsere Erwerbungen in Afrika, Bismarcks Ge- DanEen und Erinnerungen wirü niemand, obgleich das alles
gewiß nickst wertlos. , . f
Und nun zu der Tragödie das Satyrspiel. An unserer Schule wird für den ersten Lateinunterricht ein vorzügliches Elemen- • tarbud) gebraucht. Es stammt aus der Feder des £errn Professor • Dr. Gurlitt. . ., .
Ueber den Unterricht in alter Geschichte kann ich kurzer (ein. . Das Werden einer Weltmacht ans einer italischen Bauerngemeinde , ist ein Schauspiel, wie es sich nur einmal in der Geschichte vollzogen hat; und der Begriff des Raubstaates paßt nicht auf em ' Reich, dessen Rechtsbuch noch heute für die Kulturvölker vor- j bildliche, oft maßgebende Bedeutung besitzt. Das römische j Kaiserreich hat nicht bloß alles in sich au (genommen, was die Kultur der alten Völker Bleibendes geleistet hat, es hat auch die Erzeugnisse dieser Kultur bis in seine fernsten Provinzen, : ja über die eigenen Grenzen hinaus bringen lauen ; ich er- z innere an daS Saalburgmuseum und an die Gräberfunde bei 1 Gießen. Die Geschichte Roms vor PyrrhuS wird langst, we- -• nigstens von mir, nur ganz kurz behandelt, damit für die . früher vernachlässigte Kaifergeschichte Platz bleibt , Ich ^danre, 'daß für Geschichte dem Realgymnasium zwei wöchentliche I Stunden zur Verfügung stehen, bin aber mit Gurlitt bann. ein* 1 verstanden, daß jede Vermehrung der Stundenzahl ^rnnede 1 werden muß. Da ist es nun meine feste Ue.berzeugung, d ß i die Kenntnis der römischen Geschichte für den jungen Memchen d viel bildender und nützlicher ist, als etwa die deutscheeG n ) vor dem Interregnum. Ter Mutterboden unserer Kultur ist mehr dort als hier. . „ „ .
Und nun der Unterricht in der Religion. W ntsbeionbere H-Hisch-, Volksichule ali tfieo.»»‘M 3 t zeichnen, ist ein Zeichen nicrfmurbtger ülubetanj >e »<cnhen. hefsischeli Lehrer Dürften dieser Aussage kaum B ifall .. Toch mache ich auch hier gerne ein Zugeständnis.
tig, daß der kleine lutherische Katechismus a nQtf
eine uns heute undeutsch klingende Sprache red - - 6
mcnUich uon d-n jetesmal m -'»-m »roßen Satz jlÄ.taS“;s VS- Ä »M»- ' *) Ter Vortrag Gurlitts hat, wie iu,erwarten
diesigen L.hrerkreisen einen Sturm de Zuschriften aus dem rufen. Aus der übergroßen ^ulie von o
Lager der Gegner Gurlitts drucken wir für heute vorliegende ab.
Vernehmung einiger vom Grafen Moltke benannter Zeugen abgelehnt; es waren dies die Schwester und Nichte des Grasen Moltke, zwei Diener, ein Kammermädchen und ein Koch. Diese Personen sollten über Aeußernngen der früheren Gräfin Moltke vor, in und nach der Ehe bekunden. Das Gericht hielt diese Bekundungen für unerheblich, nachdem Gras Moltke die beschworene Aussage seiner früheren Gattin nicht sür unwahr erklärt hatte. Das Gericht hat ferner die Vernehmung des Vetters des Privatklägers abgelehnt, der über angeblich von mir gemachte Aeußernngen bekunden sollte. Da diese Aeußernngen das von mir Geschriebene weder mildern, noch verschärfen konnten, so hätte Die Vernehmung nichts zur Sache Erhebliches gebracht. Dagegen wurden alle meine Hauptzeugen, die über erhebliche Dinge aussagen sollten, vom ersten Gericht nicht vernommen: Fürst Bülow, Graf Hülsen-Häseler, Fürst Philipp zu Eulenburg, Herr und Frau v. Heyden, die Grasen Hohenau und Lynar, Frhr. Alfred v. Berger, Graf Reventlow, Dr. Liman usw. Wie da von einer einseitigen Benachteiligung des Grafen Dtoltke gesprochen werden kann, ist mir unverständlich. Die Angriffe gegen das erste Gericht halte ich aber auch aus anderen Gründen für ungerechtfertigt. Die Sache ist aus dem geordneten Dienstwege vor diesen Richter gekommen, und cs wäre eine einfache Verletzung der elementarsten Rechtsbestimmungen gewesen, wenn man sie ihm im Dienstwege entzogen Härte. Die Verhandlung rft meines Erachtens mit vollster Unparteilichkeit geleitet worden In manchen Artikeln verbirgt sich hinter vielen Worten, die gesagt werden, der Wunsch, man hätte mach meinem inständigen Richter entziehen, einen anderen Richter wählen, die Oejsentlichkeit ausschließen, die Beweismog- lichkeit abschneiden, und Herrn Harden verurteilen müsfen. Ob gerade die Presse die Ausgabe hat, für Me Art des Verjährens zu wirren, lasse ich dahingestellt.
Die neue Verhandlung gegen Harden wird, wie das B T" schreibt, vorausslchtüch vor der Lrtraskammer oa oes Landgerichts I «Berlin stattfinde.n. Als Vorsitzender wird der Landgerichtsrat Methner fungieren. Landgerichtsrat Methner war früher in Sprottau.
Aus Studt MiiO Land.
Gießen, 5. Rov. 1907.
** Ordensverleihung. S. St. der Groß. fietAOfl Haden dem Forstwart der Stommunaljor troartet tiinjiebel Förster Gg. H a d e r zu Markhaus bei Mes>el aus Anlast seines 50jährigen TtensljubiläumS am 3. 9iuocmbet das Silberne Kreuz des Wcrdienstvrdens PHUrpps de- Groß- „w«.n „„
-chusses jindet am Samstag, 9. d. M, nachm. 3V, llhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch des Jvhs. -L , o l, r aus E t j a um Erlaubnis zum Wtrtjchastsbetrteb. 2 Gesuch des Heinrich Bellas II. zu Gießen um Er- laubnis zur Vergrößerung seines Wirtschastsbetrrebes im Hauje Alicestr. 20. 3. Gesuch des Karl Valenttn zu Gießen um Erlaubnis zum Belrtcb einer schankwirtschast U” aTbTe^ferangelegenheiten. Ter Aus- schuß d-,s Deutlichen Handwerks- und ®e-
Volkes wohl zu empfchlen ist. Dazu lernen unsere Jungen meistens hier zum erstenmal ein wohlabaerundetes prosaisches Literaturluerl Oou bleibendem Wert als Ganzes kennen. Daß Oaä ein lateinisches Werk ist, hat den Vorzug, daß fremde | mb ferne Gegenstände den jungen Menschen bekanntlich immer 1 vjerft anzichen, weil er mit dem in der Heimat gegebenen zu früh J oertraut zu sein glaubt, wenn er auch keineswegs damit ver- ' traut ist.
: Auf Sallust folgt im Realgymnasium Cicero, meiftens eine
|i Rede, und zwar die über den Oberbefehl des Pompejus. Es ist 1 Liceros politische Jungfernrede. Ich bin mit Gurlitt der Meinung, daß es gut war, den fleißigen, aber mehr breiten als i tiefen Arpinaten etwas zur Seite zu stellen. .Die hübsche Aus- .> arbeitung einer schulmäßigen Disposition zeigt aber die ge- ; nannte Rede vorzüglich, und inhaltlich prägt sie sehr kräftig eine auch unferm Volk wichtige Lehre ein, daß Kolonien nicht festgehalten werden können, wenn nicht eine ftarke militärische Macht zu ihrem Schutze besteht. — Tann wird Vergil gelesen. Auch Gurlitt wird nicht bestreiten, daß der Eingang der Aneis, die Schilderung der Zerstörung Troias, Oie Erzählung von ) Didos Liebe und Tod, die Weissagung des Acchises vom Berufe Roms, die Episode von Ninus und Euryalus zu. den unver- : gäugtichen Perlen der Weltliteratur gehören; er wird nicht wünschen, ' diese Dinge nie, und zwar in ihrem lateinischen Tert, ge- : lesen zu haben. Wer das entbehren muß, ist um ein Erkleckliches ärmer, als wer es kennt. .. , „
An Vergil schließen sich im Realgvmnafium noch Livms ' und Horaz. Soll ich Horaz gegen Gurlitt verteidigen? Von ' Livius lesen wir den fttieg des Hanuibal. Das Ringen zweier großer Kulturvölker um Leben und Tod, em wunderbarer An- ' gri|i und eine wunderbare Verteidigung — eine folc^e tefture ist für die geistige Reife eines jungen Deutschen auch heute
n. Tic


