Ausgabe 
5.3.1907 Erstes Blatt
 
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Derblndimg mN v^n raschen und energischen Handbeivegungen- die an die Gesten Bebels erinnern.

t Staatssekretär Graf Posadowsky hielt heute den Augen­blick für gekommen, auf die in der Etatsdebatte geäußerten sach? lichen Wünsche und Beschwerden einzugchen. Mit der Recht- fertigung der Diskontpolitik der Reichsbank vcr- pwchte er verhältnismäßig am wenigstens zu überzeugen. Bitteren Tones sprach der Staatssekretär von den gegen seine Sozial- 'Politik gerichtetengehässigen und giftigen Angriffen", die ihn aber nicht irre machen könnten. Die Herren von der Rech­ten, denen diese Worte galten, blickten ziemlich verdutzt drein, während die Linke durch lebhaften Beifall dem Grafen dZosadowSk» gewissermaßen daS Vertrauensvotum er# neuerte.

Ten Höhepunkt der Sitzung bildete die Rede des Abg. Frh. V Hertling, der dennationalen" Katholiken im Wahlkampf sich zugesellte und deshalb das Recht nuf denEhrennamen" eines ZentrumsMannes, nach dem Urteil bahr. Zentrumskandidaten, verwirkt haben soll. Nun, nach seiner heutigen Rede dürfte Frh. b. Herkling aiuch jenen Kreisen alsrehabiliert" gelten. Er ließ die Zentrumssahne hoch ßar Winde flattern, so hock, daßder ui katholischen Volkskreisen sich regende Zug tiefen Mißtrauens" Menthalbcn in Deutschland und wohl auch jenseits der Reichs- orenzen zur Kenntnis genommen werden wird. Die Ermittelung der geheimsten psychologischen Gründe zur Auflösung des Reichs­tags war eine rhetorische Glanzleistung, und die takt. Geschicklichkeit des päpstlichen Vertrauensmannes feierte den höchsten Triumph tn dem Hinweis auf diePrätenswnen" der Nationallibcralen von 1878, die Fürst Bismarck scharf gegeißelt habe. Gegen die Liberalen brannte Frhr. v. Hertling ein satirisches Feuerwerk ab, beiläufig der junglibcralen Sturmkolonne gedenkend. WaS auch Fürst Bismarck dem Zentrum angetan, haben mag, so hat ers nach Frh. v. Hertling -^nie gekrankt, wie Fürst Bülow, von dem die Partei hören mußte, sie beweise das Gegenteil von nationaler Gesinnung. Darüber ist Frh. v. Hertling tief niedergeschlagen, darum sagt er eine verhängnisvolle Erschütterung der deutschen Volkseinheit voraus, denn der katholische Volksteil stehe einmütig zusammen und es sei Illusion, vonkonser­vativer Absplitterung im Zentrum" zu sprechen. Frh. v. Hert­ling erntete brausenden Beifall im Zentrum, auch als er erklärte, seine Partei werde keine Politik der Verärgerung treiben.Mau soll nichts verschwören", könnte man nach den diplomat. gefeilten Wendungen des Frhn. R Hertling beinahe sagen in Bezug auf die Möglichkeit einer Wiederverständigung des Zentrums mit der Regierung^ Gewisse feine Winke hörte man mehr zwischen als aus den Worten yerauS.

Abg. Dr. D a v i d-Mainz (S.) meinte, es sei dem Kanzler wohl peinlich, Zeuge zu sein derehelichen Szenen in den Flitterwochen des konservativ-liberalen Paares". Dr. D. sprach davon, daß Fürst BülowdienächsteReichstagSwahlalsKa nz- ler nicht mehr erleben werde. Sollte diese Prophr- tzeiung sich erfüllen, so würoe wohl die Freude nirgends größer sein als im Zentrum.

Deutsche» Reich.

Berlin, 4. März. Der Kaiser konferierte heute mit dem Reichskanzler und dem Unterstaatssekretär v. Tschirschty und begab sich später nach dem Justizministerium, uns den Vortrag des Geh. Justizrates Tr. Brunner über »das recht­liche Leben nach dem Tode bei den Germanen" zu hören und dann einer Einladung des Justizministcrs Dr. Beseler zum Frühstück zu folgen.

Der gestern abend beim Kaiserpaar zum Tee «geladene Professor Burg, der bisherige Inhaber der Rooseoeltprofesiur an der Berliner Universität, hielt dabei einen Vortrag über den amerikanischen Nationalcharakter.

DasMilitärwochenblalt" meldet: v. Moßner, ^General der Kavallerie, Gouverneur von Straßburg, ätLsuiiv deS Leibgarderegiments gestellt. Gaede, Generalleutnant, Kommandeur der 33. Division, Zunter, Generalleutnant, Kommandeur der 31. Division, v. Dresky, Generalleutnant, Kommandant von Metz, in Genehmigung ihrer Abschieds­gesuche mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt. Wänker von Danken sch weil, Generalleutnant von der Armee, zum Kommandeur der 31. Division, Blanguet, Generalmajor, Kommandeur der 2. Gardefeldartilleriebngade, zum Kommandeur der 33. Division ernannt.

Der Ausnahmetarif für Fleisch von frisch­geschlachtetem Vieh erhält mit Gültigkeit vom 10. d. M., zunächst nur für den Binnen- und Wechselverkehr der preuß. und oldenburgischen Staatsbahn und der Milttärbahn, den folgenden Zusatz:

Im Verkehr mit dem Auslande werden die mit direktem, weißem Frachlbrie'e aufgegebenen Sendungen auf den Strecken Ser unter II genannten Eisenbahnen mit den Perfonenzügen oder Eilgüierzügen zu den Frachtgulsätzen befördert, soweit die Ver­waltung nach den Betrlebsemrichtimgen und den Fahrplan­bestimmungen die Benutzung dieser Züge für zulässig erklärt."

Im Abgeordneten Hause ist zuni Etat des Finanz- mlnisteriuins ein Antrag der Abgg. Herold (Zentrum) und v. Pappenheim (Kons.) emgelaufen, der die Regierung ersucht, dahin zu wirken, daß bei Einführung einer Wertsteuer des Grund und Bodens in den Gemeinden für Grund- stücke, welche dauernd land- oder forstwirtschaftlichen Zwecken zu dienen bestimmt sind, nur der Ertragswert zugrunde gelegt wird.

Die Diätenzahlung für den neuen Reichs­tag ist jetzt so geregelt worden, daß jeder Abgeordnete am 1. März 600 Mk. und am Schlüsse der Session 1000 Mk. erhalten wird, für die dreimonatige Tätigkeit von Mitte Februar bis Mitte Mai also 2400 Mk. Die Januar- und Februarraten sind also dem Reiche erspart geblieben infolge der Auflösung deS Reichstags. Die Auszahlung an die neuen Abgeordneten erfolgte im Sinne des Diätengesetzes, das die genannten Ratenzahlungen für den 1. März, 1. April und den Schluß vorschreibt.

Die KorrespondenzInformation" hat gegen Bebel die Beleidigungsklage bei dem Amtsgericht Berlin (Mitte) erheben lassen. Bebel hat gegenüber der der Information" zugegangenen Nachricht von dem Sektgeläge derObergenossen" an Kaisers Geburtstag, dieIn­formation" alsdie Korrespondenz des Reichsverbandes zur Verleumdung der Sozialdemokratie", als dieKloake" be­zeichnet,aus der die gegnerische Presse schöpft".

Trier, 4. März. Die Regierung entzog dem kathol. Pfarrer Wegner in Sehlem die Ortsschulinspektion, weil er in der Schule den Kindern gegenüber sich in polit. Erörterungen erging.

München, 4. März. In der vergangenen Woche fanden Versammlungen der Zentrumspartei zu dem Zwecke statt, einen neuen Verein der Zentrumspartei ins Leben zu rufen. Dieser Verein soll hauptsächlich die akademisch gebildeten Elemente der Zentrumspartel aufnehmen, politisch schulen und für die Agitation mobil machen. Durch einen höheren Jahresbeitrag sollen die bisherigen mittleren Zen- trumselemente vom Beitritt zum Verein abgehallen werden.

Verfassung tu Mecklenburg!

Neu-Strelitz, 4. März. Der Großhcrzog ließ heute den Landrat zu sich bescheiden und teilte ihm mit, daß er beschlossen habe, int Anschluß an die vom Großherzog von Mecklenburg-Schwerin in Aussicht gestellte V er- fassungsvorlage dem Landtage eine Vorlage zur Aenderung der Verfassung von Mccklenburg-Strelitz zugehen zu lassen.

Schwerin, 4. März. Der Großherzog hatte für heute die sechs Landrüte seines Landes zu sich auf das Schloß befohlen und richtete an sie in Gegenwart des Staals- niinisteriums folgende Ansprache:

Als ich im Jahre 1901 die Regierung meines Landes über­nahm, hatte ich mir vorgenominen, in der Verfassungsfrage so lange keine Schritte zu tun, bevor ich ein Urteil über die be­stehenden Verhältnisse gewonnen hätte. Mehr und mehr bin ich der Ueberzeugung geworden, daß die jetzige Verfassung des Landes den berechtigten Anforderungen der neueren Zeit nicht mehr genügt, und daß es das Wohl meines Volkes erfordert, auf eine zeitgemäße Umgestaltung^ der­selben hiuzuwirken und somit das von meinem hochseligen Herrn Großvater, dem Großherzog Friedrich Franz H. begonnene, aber nicht zu Ende gebraujite Werk sortzuführen. Ich yabe deshalb schon vor längerer Zeit mein Staatsministerinm beauftragt, ein Gutachten über die Frage der- Reiormocduritigkeit der bestehenden Ständeverfassung vorzulegen. Dasselbe ist mir im vorigen Som­mer überreicht worden. Nach eingehender Prüfung dieses Gut­achtens bin ich in der Ansicht bestärkt worden, daß es an der Zeit ist, die Verfassnngsverhandlungen mit den Ständen wieder auszunehmen. Ich habe mich darauf zunächst des Einverständnisses S. K. H. des Großherzogs von Mecklenburg-Strelitz mit diesem Vorgehen versichert und nunmehr meinem Staatsministerium be­sohlen, die erforderlichen Vorlagen zu bearbeiten unö dieselben für einen im nächsten Jahre von mir einzuberufenden außer­ordentlichen Landtage sertigzustellen. Ich habe nun Sie, meine Hei.en Landräte, zu mir berufen, um Ihnen als den ersten von dieser meiner Entschließung Kenntnis zu geben. Dabei ge­be nie ich dankbar des langen gesegneten Zusammenwirkens von Landesherrn und Ständen zum Besten des Landes. Auch ver­kenne ich nicht, daß für alle, die in überkommener Tradition mit den ständischen Verhältnissen eng verwachsen sind, der Uebergang in den neuen Verfassungszustand nicht ohne Opfer und Ent­sagung geschehen kann. Da es sich aber um das Wohl des ganzen Landes handelt, hege ich das Vertrauen, daß Sie enbenso wie ich dazu bereit sein werden, solche Opfer auf sich zu nehmen, und gebe mich der Hoffnung hin, daß Sie demnächst, wenn meine Vorschläge den Ständen zur Beratung vorgelegt sind, mir Ihre Unterstützung gewähren werden. Möge diese meine Ihnen kund­gegebene Entschließung unter Gottes gnädiger Hülfe meinem ge- liebten Lande zum Segen gereichen.

LarLamenrtarisches.

Ein Wadlprotest ist and) gegen die Wahl des de utsd)-sozialen Abg. Herzog (1. Kassel) cingegaugen. Mit Entrüstung stellt das Lieberiuannsehe Organ fest, daß der Protest von Vertretern der Delitsd)cn Reformpartei er­hoben worden ist.

polifjfctye CagesSchau.

Englands türkische Absichten.

DieWelt am 'Montag" bringt folgende angeblich von unterrichteter Seite stammende Information:

Wie uns initgeteilt wurde, beabsichtigt die e n g l i s ch e R e-- gierung bei dein vielleicht noch vor Ablauf des Frühlings ein- tretenden Ableben des Sultans Abdul Hamid die Besitznahme verschiedener- Teile des türkischen Reiches, und zwar sollen hierbei die Häsen D s ch i d d a und H o d e i d a in Arabien in Frage kommen. England scheint zur Sicherung seiner Position in Aegypten also das Role Ate er­zürn Teil zu einem britischen Binnen m e e r ningeslalten zu ivollen. Eine Versländignng hierüber ist allein 9lnid)cine nach nut Frankreich und Italien schon anläßlich des Abkommens über Abessynien getroffen worden. Es ist nicht ansgeschlosjen, daß in diesen ZeUlauUen die Koweil'rage wieder (uifgerolit wud. Obwohl es den Anschem hm, daß die Tiplomaien der drei Lstmächle, A e h r e n t h a l, Bülo w und Iswolski, für das Ableben des türkischen Herrschers gewisse A b m achunge n unter einander getroffen haben, ist es doch nicht bekannt, wie die drei Kaiierinächle sich zu der m Aussicht genommenen Invasion der Weltmächte stellen werden.

Ausland.

London, 4. März. (Unterhaus.) Kriegsminister Haldane bringt em Gesetz zur Durchführung des Plaues ein, welchen er hinsichtlich der Errichtung einer Terri­torialarmee dargelegt hat, die die bisher bestehende Miliz, Ueomanry- und Freiwilligentruppen, in fid) auf­nehmen foll. Das Gesetz sieht Grafschaftsvereinigungen vor, zu deren Obliegenheiten die Bildung und die Verwaltung der Tcrritorialtruppen innerhalb ihrer Grafschaft gehören sollen. Die Vereinigungen sollen unter der Leitung eines Armeerates handcln, welcher für die Kontrolle und Aus­bildung der Truppe verantwortlich wäre. Das Gesetz enthält verschiedene Bestimmungen bezüglich der Bedingungen der Anwerbung, Ausbildung und Mobilisieiung, und gibt auch die Vollmacht zur Errichtung der sogenannten Spezial- kontingente. Der Minister sührt aus: Die Organisation einer wirklich starken zweiten Verteidigungslinie sei der denkbar beste Schutz gegen die auf die Einführung der Zwangsaushebung gerichtete Bewegung. Die Regierung würde an den Grundzügen des Planes festhaltcn; sie sei aber bereit, in eine Erwägung der Abänderung von Einzel­heiten einzutreten.

Paris, 4. März. In der Kammer vertraten heute Vigns und Chion-Ducrollct die Meinung, daß wegen der Unzulänglichkeit der Futtervvr rate auslän­discher Mais zur Ernährung der Herden erfor­derlich sei. Der Abg. Empereur führte die Sache der Landwirte, die außerordentlich unter dem Mangel an Futter­mitteln und infolge der Maul- und Klauenseuche des Viehes litten. Der Minister für Ackerbau, Ruau, bemerkt, die Verwaltung habe jede mögliche Erleichterung bei der Anwendung der Maßnahmen zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche wegen der schwierigen Lage der Landwirte gewährt.

Der Deputierte Lucien Hubert wird auf Einladung der deutschen Kolonialgesellschaft am 15. März in Berlin einen Vortrag über die Ziele der französischen Kolonialpolrtik halten, mit besonderer Berücksichtigung W e st a f r i k a s.

Madrid, 4. März. Der König von England ist heute abend hier aus der Reise nach Bad Viarritz eiu- getrosfcn.

Bern, 4. März. In Biel wurde der sozialistische Arbeitersekrelär Reimann zum Stadtpräsiden­ten gewählt.

Washington, 4. März. Der Abg. Randall hielt

furz vor oer Derragung' ves snrngrcjyes enfe MSVe gegen die jetzige Tarifpolitik. Er erörterte dabei seine am 12. Febr. im Repräsentanteuhause eingebrachte Resolution, in der Präsident Roosevelt ersucht wird, dem Hause mitzuteilen, welche Abmachungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland bezüglich des Zolltarifes getroffen seien. Randall verlas ein Schreiben des Staatssekretärs Noot, in welchem dieser erklärt, seit dem Abschluß des modus vivendi seien keine Abmachungen mit Deutschland getroffen worden. Nack) dem jetzigen Stande der Dinge würde der deutsche M a x i m a l t a r i f gegen die amerikanische Einfuhr am 30. Juni 1907 in Kraft treten, wenn nicht in der Zwischen­zeit etwas geschehe, um das zu verhindern.

Aus StaSt und Land.

Sprechstunden der Redaktion 111 Uhr von»., v27i/28 Uhr abdS. Gießen, den 6. Marz 1907.

Ruhestands-Versetzung. S. K. H. der Groß- Herzog haben den evang. Pfarrer Dr. Gust. Schöner zu Eschenrod auf fein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. März in den Ruhestand versetzt.

* * In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dem Großherzog am Samstag u. a. Kreisamtmann Kirnberger von Friedberg.

* * Zur Visitation und Firmung besucht derkath. Landesbljchof Dr. Siir je in in diesem Jahre die oberhessi- id)en Dekanate Friedberg, Gießen und Vitbcl.

" Aerztliche 'Mission Der Vor trag, den am Sonntag abend Missionar Sparch im JohanneSsaal über Aerztliche Mission" hielt, war aus allen Kreisen der Gemeinde sehr gut besucht. Ist doch auch ärztliche Mission unter uns nichts Fremdes, seil eine Tochter unserer Sladt einem Missionsarzt als Gattin nach dem fernen Sumatra gefolgt ist und durch ihren frühen Tod die allgemeine Teil- nal)ine geweckt hat. Man hat auch Verständnis dafür ge­wonnen, daß diese uneigennützige Arbeit der Aerzte im Dienste der Menschlichkeit etwas sehr Schönes ist. Wie not­wendig sie ist, das zeigte m beredten und anschaulichen AuS- jührungen Missionar Spaich ans seiner reichen Erfahrung in Indien. Ec schilderte das Elend, das Unwissenheit, Aber- glanbc, Geisterfurcht über die Kranken bringen, besonders and) das furchtbare Los der vielen Aussätzigen. In China ist es besonders das Laster des Opiums gewesen, daS daS Volk ruiniert. 9ln 800 Mijsionsärzte flehen bereits am Werk, darunter aber nur 18 Deutsche. Diesem Mangel will der Stuttgarter Verein für ärztliche Rtission abhelfcn. Er hat u. a. die Errichtung eines Instituts für die Heranbildung von Niissionsärzten m Tübingen angeregt. Schon 60 000 Rik. find dafür gesammelt. Es sind aber noch weitere 40 000 Lik. nölig. Herr Spaich bat and) um Unterstützung au8 der Ge­meinde Gießen. Pfarrer D. Schlößer ist bereit, Beiträge dafür anzlinehmen und zu vermitteln, auch laufende jährliche Beiträge für den Verein.

"Die zollbegünstigte Einfuhr von Zucht­tieren. Das Großb. Ministerium des Innern hat n. d. Dannst. Ztg." die Genehmigung zum zollbegünstigten Be­züge von Zuchttieren ausnahmsweise allgemein, jedoch unter Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs, aud) der Landwirt­schaf t s k a m m e r für das Grobherzogtum, sowie deren Aus- ld)üssen für die Provinzen erteilt.

* * Besitzwechsel. Das HauS des Forstmeisters Friedc. Bücking, Ludwig st raße 45, ging für 51000 Li. in den Besitz bcS Kaufmann Katz von Steinbach über, der seinen Wohnsitz hierher verlegen will. Der Kaufmann Julius Drei)fuß von Watzenborn kaufte für 26000 M. die Hofceite Steinstraße 69, bisher dem Reisenden Jak. Althaus gehörig. Dreyfuß wird seinen Wohnsitz nach Gießen verlegen.

"Hessische Vereinigung für Volkskunde. Ter dritte Liitgliederabend findet morgen, Liittwoch, 6. März abends 8'/^ Uhr, im Cafs Ebel statt. Professor Dr. Wünsd) ivird reden überDie Hexe des Theokrit." Tie Mit­glieder der Vereinigung werden die Gelegenheit gerne wahr­nehmen, Professor Dr. Wünsch, den verdienten zweiten Vor­sitzenden, vor seinem Weggang von Gießen noch einmal zu hören. Gäste (nur Herren) sind wie immer willkommen. (Siche Inserat.)

" 91 e u e 6 Stadttheater. Die gesamte Aus­stattung des Foyers wird laut Beschluß deS Vorstands vorn Thcatervercin gestiftet werden. Dazu gehören ein Lüster, vier Wandacme, zwei Marmorkamine mit Spiegeln, ein Büfett, ein Mittelsopha und eine Anzahl kleine Tische und Stühle. Die Kosten sind auf 3500 Li. veranschlagt.

# Die be kannte Berlitz-Schule, deren praktische Sprachnuterrichts-Liethode auch hier bestens bekannt ist, hält am nächsten Samstag eine Probe stunde ab, um Inter­essenten Gelegenheit zu geben, sich selbst von der Art der Unterrichtsmethode zu überzeugen.

Q Grün berg, 4. März. Heute weilte Kreisamt­mann Dr. Merck von Gießen hier und vernahm Zeugen über die Vorkommnisse bei der letzten hiesigen Bei- geordnetenwahl, gegen die Rekurs verfolgt worden tfl Hierbei soll es fid) herausgestellt haben, daß für die Zeche, die die Freunde und Parteigänger des Gewähtten nach der Wahl gemacht hatten in den betreffenden Wirtschaften über 240 M. bezahlt wurden. Ob sich sonst noch Unregelmäßig­keiten herausgestellt haben, ist bis jetzt noch nicht bekannt.

fj Friedberg, 4. Liärz. Die Automobilpost von hier nach Ranstadt und Staden, die noch nicht ein Jahr besteht, blickt auf ein so günstiges Ergebnis zurück, daß man schon jetzt an eine Erweiterung des Betriebs denken will. Die Einrichtung wurde bei ihrer Gründung über die Grenzen Hessens hinaus als Neuheit lebhaft erörtert. Da die achlsitzigen Wagen stets stark besetzt sind, so will man jetzt einen zwölfsitzigen Wagen kaufen. Während bisher täglich drei Fahrten nach Ranstadt und Staden slattfanden, sollen demnächst 4 eingerichtet werden. Außerdem sollen täglid) 4 Fahrten nach Ockstadt neu eingelegt werden. Die 2lutomobilpost hat bisher immer tadellos funktioniert und erfreut sich bester Sympathie.

Alsfeld, 3. Marz. Einen höchst wichtigen An­trag brachten zwei Gemeinderäte in der Stadivecordnedmsitzung bei Beratung der Geldbeschaffungsfrage für wichtige Bauten e in. Sie wünschen die baldige Einjührungder Wert­zuwachs steuer für die Stadt, mit der Begründung, diese SMkr 9Ww$ der jmanziell gerade nicht gut situiert^;