Dienstag F. März 190?
L 57. Jahrgang
Erstes Blatt
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stßtizmg M Sbei'försterei
Men iÜmgemvM i, den 6. März 1907 jmie u bis lä m lang, n-Licuiunev bis sm eii-LlaumieSbisllll ^ichien-DerdMugev >ituu, 58 Rm. Achten, M UA Z'tm. >ege- ^emerÄrenzeidaL .»^cheilholz, db W »»jtuu Liucheii-'^rugd ^en-Meu-tÜ-L-ünt
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leies ein Projekt, das meines WisienS schon einmal zur ^ed Friedrichs des Großen auftauchte. Sollte man nicht B. das Notariat, getrennt von Advokatur, als staatliche Institution, al8 Pflidttbehörde nut feften Bezirken gegen fireS Gehalt unD mit ausjchließtlchcm Anrecht des Staates aus die emgehLnden (gebühren einrichten können? . r , . ...
Wäre es nicht erstrebenswert, zur Vereinfachung der Justiz- orgauijation und Verbilligung der Rechtspflege die Eiuzetstaais- Justizverwaltungen unter weiterer Einschränkung der Landesgesetzgebung ganz in einem einheitlichen Retchsorgan au'gehen zu lassen, die Gerichlssprengel ohne Rücksicht aus Grenzpiahle durch gan- Teiiijchland nach wirtschastlichen GesichlSpunkten, mit Ructfichr aut das ausgebaute Eisenbahnnetz und anderer Verkehrswege ei«- zilricyten? Die geplante Erweiterung der Anitsgerichtszustandig- teit iviiide vielleicht eine stärkere eigene Vertretung der Recht-' litchendetl und dantit eine weitere Verbilligung, wahrscheinlich aber zinil Schadeti des Rechlsiveieus, bedeuten.
Tas wären greisbare und diskutable Vorschläge, die sich leicht im Sinn einer Reformierung der Rechtspflege überhaupt noch um weitere Anregiingen vermehren ließen, wie Adschasjung der Todes» strase, des Eides ic. .
Wenn der vernünftigere Teil der tiojtalbemotratie sich entschlicht, praktisch initzuarbeilen, das Erreichbare ms Auge zu iahen und statt verschwommener Ideen nut positiven Vorschlägen hervorziltreten, dann ist em Zujaimneu geben nut lintsbürgerlichen Varteien nur eine Frage der Jen. Tie ganz Radikalen mögen dann ihren Phantomen tueücr nachjagen und sich nut halber nr- beit nicht begnügen. Seiten möchte ich em Rezept verschreiben: Arn billigsten wird die Rechtspflege, wenn man sie ganz abschasst 1
Tas schönste Adeljräuiein besucht ihn nacytlicherivede m jetney Kammer. Sv steigern Ruhm, Fürsten- unü Frauengunst seutar Äcut, seinen Stolz, sein Mannesbewußtzem, sein StMtdesbLwußt- seiu. Eine Jntrigue bringt jäh den Sturz. ^aS Welsrauiem entschließt sich, einen Adelsjunler zu heiraten, aus daß des ^acren Sohu dereinst nicht eines Narren Namen trage. Mit einem Stoße bricht die Wolfnarr-Herrlichkell zusammen Der Spielmann erkennt, daß er nur ein Spielzeug gewesen, ein Leere?: Schmuck, mit dem die Fürsten prahlen; erkennt, rote man chm, dem ehrlosen Spielmann, reinen ^entewert .^mißt Unb wie die von ihm einst gezüchtigten Adligen mit der Temche ihn mißhandeln, aus freiem Matze, wie dem Narrur eS gebührt, wie sein Fürst das zuläßt, gibt Wolfnarr, nach langer moralischer Wrechnungsrcde, sich selbst den Tod
Tie biedere Naivität, mit der der klassische Fuhrmann
L) ens chel unserer Bühne seinen Tramalikerberu! aripaat, btt
Skrupellosigkeit, mit der das Technische inemandergesclMeitzt, dir
wuchtige Primitivität, mit der alte Voraussetzungen, alle psycho
logischen Umroanblungen gepackt sind, bntwassnen jede trcküche
Londe Ein Schwall markiger und gemütvoller Worte iirvmt von den Lippen des Heiden. Die Kunst der Schweigsamkeit ist dem Dichter Rittner nicht in die Wiege gelegt; zartesten Gefühle setzen sich um m tönende Worte. Die Persönlichkeit, die hinter diesem Werte fteljt, war es, die der Aui.uhrung ine Wethe geben tarnte. Der Eindruck, der Sutter den Figuren: des Stückes wurzelt.' hier hat ein einfacher, gerader Mensch ein bitter Erlebnis sich oom Herzen geschrieben. Die alte Phrase von Leuten, die ihre Feder „tu ihr Herzblut tauchen", roerUt fiar um zu Wahrheit Hinter allen nützen reell sich stsack VattneiMc Geradheit, mitlnersche Biederkeit, Rittnersche Schlichtheit, und eitel Lhinpathie für den Menschen gab miau den strömenden Wortm über Menschenwerr und Adelsdünkel, über Künstlertum und Neu.er> pack einen Adel, der auijeujub des Werkes lag. SUS tem heraus quoll auch wohl der rauschende B^ttall, der den Auto, überschüttele. Rudolf Rittner will seinem schauspieler, beruf entsagen, ober, wie er es ausfaßt: entkommen Mir verlieren mit ihm einen Menschendarsteiler, dem wir t.erc, starke, in aller Wucht noch crgreüenb schlichte ^ugrnbuckL camen. Taß er sich doch überwände und wieder tieunj&ycte zu leuue, verhaßten KHminrschLtulle!
gerade solche Partei« zufrieden zu stellen sind, bas weiß der Eingeweihte nur zu gilt. Jetzt ist aber doch noch ein Sicherheitsventil gegeben. Ist die Rechtsversolgung nämlich mutwillig ober aussichtslos, bann wird das Armeurecht nicht gewährt, oder wieder entzogen. Liefe Bestimmung wird aber nicht rigoros, foubevn sehr loyal und entgegenkommend gehandhabt. Und das Publikum weiß es garnicht, das roir Anwälte solche Armenprozesie ohne einen Pfennig Entfchädigung, oft mit namhaften Auslagen, führen. Der Staat bezahlt uns garnichts hierfür. Wenn der SUieiit sich das Armeiirccht frivol erschlichen Hai, und er iällt mit feiner Sache durch, ober bie Sache wird für ihn gewonnen, aber der Gegner hat nichts, bann erhält eben der beit. Anwalt auch nach Beendi- qunq des Prozesies garnichts. Tiefe Rechtspflege war bann für )ie Beteiligten, auch für ben Staut unb Prozcßvertreter vollständig .unentgeltlich". Int Effekt tft also auch heute schon cm großer Teil der Rechtspflege gerade für b^jenigeu bet Rechtjucheiiden, die nicht die Aiittel haben, unentgeltlich. . v r„
Wird mm auch dieser Zwilprozeß spater tm Prinzip und für alle Perjoneii unentgeltlich, wie sieht das Bild dmm ans? Ter Staat bezahlt die Zeugen und die Parteien riskieren weder Auflagen noch Hollen, üb die Rechtsverfolgung schikanös ist oder nicht, »st einerlei. Wenn da jemaiib b00 Mk. schuldig ist, wird er sich hüten, es zu bezahlen. Er wartet einmal ruhig ab, ob's dem Gegner, der unperjchämt genug ist, fein Tarlehcn znruckzuverlangen, gelingt, den Beweis zu führen. Jnr fchltinmsten Fall braucht er nur die 5uO Alk. zu bezahlen, Rofieu gidlS nicht, vielleicht hat cr noch die Zinsen biS zur Zahlung profitiert. Wegen jeder Lupalte wird prozept, und zwar selbsioerständlich durch alle Instanzen hm- Durch, beim auch sur bie germgften Lachen muß bann doch bas Reichsgericht noch ba fein, auch wenn dieses fo groß werden mützie, rote ute ganze Halbmillionenfladt Leipzig.
Ist jenmiiö mitzliedig, dann kann man thn durch fchikanow Prozesse zur Verzwelsluilg bringen, Abgeordnete können durch Parteigegner in andauernde Prozesse verwickelt werden und an Der Ausübung des Alandais dadurch vollslandig gehindert werden, alles ohne Kosten, ohne Risiko, ein fortgesetztes, harmloses Spiel.
Der Staat, ben jetzt schon bie Rechtspflege-allein in bem heuten Hessen huuderliaujeiide Mark — Zuschuß kostet, ber bann aber aus dec uneutgelilichcn Rechtspflege überhaupt feine Einnahmen halte, bezahlt trotzdem dann alles, auch bie nach Legionen nicmenhcitt zn° gezogenen Lareiibeifitzer. über Jollen bie auch aus ihrer Haut heraus und für den lieben Herrn Fiskus sich umsonst über andere Leute ärgern unb ihre Zeit verlieren 2 Woher bet Staat das viele Geld nimmt ? Wer wird denn jo neugierig Jein, das ist ja dann -Lache beS FmanznilitisierS, und Geld gibis ja dann wahrschemlich auch nicht mehr. Ja, bann 2 Ich denke, das alles sind »Gegemvarts - Forderungen. . *
Wie man nur so wüst träumen konnte. Im Wachwerden kehre ich nut Gedankenschnelle aus weltenfernen Ncbelgebiideu, bjc aber so trugkräftig waren, DaB man bie fchwersten Luuschlölier aus chnen auibauen konnte, nach imjerem Erbkiumpen mit Jemein Parasllen- gewirnmel zurück uub fehe zu meinem Erstaunen, dag die Erde immer noch nicht ein Kongreß von Heiligen oder eine uu|teDeluug uon Engeln ist. Für bie nächsie unabjeybave Zeit ist auch wenig Hosf- nung auf dieses Eben vorhanden. 9lun zu realen Verhälllulien 1 Ta sehen wir nun, daß auf dem Wege zu einer verbilligten Rechtspflege schon vieles geschehen tft unb andauernd wettere Erleichter- mißen angeflvebi werden. Mitte Januar 10U7 wurde aus Karlsruhe berichiet, daß dort »gemäß früheren Beschlußes der badt|chcn Auwaltskammer der Karlsruher Ailwattsvereui die Errichtung emer unentgeltlichen Rechtsauskunftsstelle für Unbemittelte im Ailwaliszimmer des Juslizgedäudes befchlosjeii Hal. Tort werden an naher zu beftinunenöen Tagen jeweils zwet Aiiwalte oon ö bis 8 Uhr abends für obigen Zweck zur Verfügung stehen. An ber Einrichtung beteiligen fidj sämtliche am Landgericht zugelasseiien Rechtsanwälte."
Ferner war Ende Januar lf. Js. zu lesen, baß aus Anregung eines Krelshauplnlamis tu Dresden eme »öffentliche, uupatteu’cl)c, lofienloje Rechtsaiiskuiülsslelle tue Jedermaun aus bem Volk ge- grünöet werden fall. An ben DorbeieuenDen Verhatiblmigeu beteiligen sich Vertreter ber borngen slädtischen Behörden, der Handels- und Gewerbekaminer, verschiedener Uitietneljmet- und Arbeiierverbäiide. In der Verwaliung dieser Ausluuftsiielle Jollen auch Uiiteriiehmer uni) Arbeiter paritäti(d) vertreten fern .
TaS sind dach positive Bestrebungen. Von s2liuegungen unb ■ Pläiieu solcher Art liest man aller Orten. Was soll inr Vergleich , dazu aljo »Uueiitgeltlichkeit ber Rechtspflege" heißen 2 Man stelle ; genau formulierte Forberungen auf. Soll etwa der Beruisrichler- : lianb verjchwllrben, der Anwaltssiand verstaatlicht werden. Lctz-
Äünftler-Äouzert.
Gießen, 5. März.
Im Neuen Saalbau stellten sich unS am Sonntag abend drei junge Künstler vor, zroet Sänger und ein Pianist. Das Programm war recht vielseitig und bot im grotzen und ganz« nichts Unbekanntes, iß, verschiedene recht oft gehörte sadjen waren darunter Das ist sür ben Künstler schon eine Erschwerung, beim jo legt man viel eher einen kritisclsen Ataßstiab an feine Leistung alS an das Dargebotene. .
Unter ben Liidern waren >L>chubert, Schumann und Wols vertreten, sowie Karl Loeroe mit einer seiner schönsten Balladen, dein allenglischen „Tom der Oieimer". Außerdem bürsten roir ■einige Szenen aus unseren besten Opern Höven, aus Webers „Freischütz", Wagners ,^LL>hengrin", das Liebeslied aus der „Wal-
Terlamation, die ohne zu sctzarie Atzentuiecung docy bewirkte, daß am Ende des Sjaales jedes Wort zu verliehen war.
Der drille Künitler, der Pianist, Herr I. Hahn, tit bekanntlich ein Einheimischer. Verschiedene seiner Darvitiungen waren uns dleseii Winter schon einmal geboten worden. . Ta- Brahms'sche Intermezzo ward von Herrn Hahn ausgezeichnet Liedergegeben. Dagegen konnte er in dem „esoirde de Vienne nicht Herrn Zilcher erreichen, technisch wohl, aber nicht in seinem Spiel. Von Chopin gab er uns ein Präludium und einen Ges-dur-Walzer. Zu dem schwermütigen Prsuche will der Ilalle Walzer schleckst pasien. Das ist ein eckst Cho putsche- ft mb, feine Tanzmusik, sondern richtiger Tan>. Recht aniprechend war auch das Scherzo von Mendelssohn. Herr Lahn itieit technisch votl- chmmen sicher. Dabei läßt cr die Unarten mancher Spieler, bie eigenen Variationen, fort. Nur mit dem Tempo müßte er etwa- sorgfältiger verfahren. ZuweUen rourbe er .denn gar zu hitzig. Auch stört es, daß während des Spiels sein Oberkörper jort- währenü in Bewegung ist. Der Künstler Halle die einzeln« Kompositionen eingehenv Jtubiert und lie richtig erjatzt. Nur fehlte ihm die rechte Ruhe für das öffentlick-e Auftreten, tote man siah. Dadurch benachteiligte er selost sein Spieü
Im ganzen war der Abend recyt ^enutzreich Der finanzielle Erfolg blieb Den Künstlern leider versagt, beim das Konzert war nur schwach besucht. Zu erkläreii ist das allerdings bei der Hochflut von Kviizerten unb ähnlichen Veranstaltungen, die ui Gießen gegen Ende der Saison mit einemmal hereingebrochen ist.
Rudolf Rittner als Dramatiker.
Per tztar tm Reichstag.
VIL
R. Berlin, 4. März.
Für den Abg. Erz berg er nahm bie Woche einen wenig günstigen Anfang. Der Pfeil, ben er in ber letzten Srsuiig gegen den Chef der Reichskanzlei v. 2 o e 6 e 11 entlaubte,Jaulte beute mit verstärkter Schwungkraft auf ben Schützen zurück. Es lag etwas wie ein Verdikt in Dein entschiedenen Beifall, mit dem Die konservativ-liberale Mehrheit bie Charakterisierung des. Erzberger sch en Verfahrens gegenüber den Unterhandlirngen mit Herrn d. Loebekl in ber Angelegenheit Püplau ausnahm. Der Ches Der Reichskanzlei wahrte gleichsam feine Ehre, berat eine von ihm niedergeschriebene Aktennotiz war vom Abg. Erzberger als unwahr bezeichnet worden. Da dieser heute in einem Zivilchen- ruf bei feiner Auffassung beharrte, zog Herr v. ~ocbdl em von Erzberger unterschriebenes und beeidigtes Schriftstück hervor, und an der Haiid dessen siellle er dem vereidigten den. unuereiDtgcen Erzberger gegenüber, bem Hause überlassend, wem von beiden es Glauben schenken wolle. Die Anspielung auf die bkolle des- Zentrumsmannes in dem jüngst verhandelten Pöplau-Prozetz war unser kennbar; bie Schärfe, die Herr v. Loebell in Den Ton seiner Worte fegte, tat ein übriges zur Erregung. Und die Fortsetzung des in seiner Art einzig dastehenden Streite» wird folgen.
Bei der Stimmung im Hause fara'ol bie Jungfernrede deS Wetzlarer Abg. Behrens (roirtfuj. 23er.;, des christlich sozialen Getoerkscha,tsmar.iif./, genüge lutaujtung, obgieid) Oerr BehrenK gewiß einmal zu den guten Revnern des Reichstags zöchlen wird. , _ ,_r
Stärkere Wirkungen erzielte Der polnische Heitzsporn Graf M i e l c z y n s k t. mit feinen Ausführungen Er griff Preutzens Regierung und Bchörden so heftig an, daß binueu einer halben Stunde zwei Ordnungsrufe vom Vizeprasidttiten Dr. Paasche über ben Grafen verhängt wurden. Wenn ber Polm Edelmann von dem Wunsch Preußens sprach, es möge in ber Ostmark zur Revolution kommen, damit mit SBatiengeroalc emgegni i cn werden könne, jo ist Das ein Produkt. sarmattiAw Phantasie. Jeder Kenner des Polentums weiß, was. von der Behauptung des Grasen Mielczynski zu halten ist, bie studierende polnische Jugend sei in heiliger Begeisterung für DLutschlanLs tlasiische Dichter entbrannt. Für französische Pikanterien rote da» zurzeit iu Berlin gespielte starke Theaterstück: „Haben eie nichts zu verzollen?" dessen Inhalt Graf Mielczynski erzählle mit einer matten Nutzanwendung auf bie konservativ-liberale „Paarung", scheint bei den Polen mehr Verständnis vorhanden zu fein. Graf Mielczynski gehörte einst einem preußischen Gardekürassier-Regt- ment als Leutnant an. Seine hell schiuellernde Redewetie mutz in Versammlungen von nicht geringer Wirkung auf die Hörer sein tu
: Jö8t^ l frei.
Man schreibt uns aus Berlin, 3. März:
Rudolf Rittners, des hervorragenden Buhuenkunillers (denen Bekanntschaft uns zu vermitteln der verdienstvolle Gtetzener Theaterverein im Begriffe sieht D. Red.) L-piellnannsbrama „N a r r e n g l a n z" wurde vom ^chitlertheater am Samstag au|- gesührt. Das Stück hüllt sich in Den Mantel des 16. ^hrlwnderls. Am Hofe eines Kurfürsten lebt Lklfnarr als, kurfürstlicher Lpiel- mann und Hofnarr. Hohe Stücke, hält sein Derr auf lernen Narren. Ruhm und Ehre bringt fein Talent dem Furflluhvfe. Mehr als Dichter ist diejer Narr: em stöber, edler AcLNich. S°gt jedem die W-hrhell. sLLM unb «
jenbetg.
[1383
Kre heutige Dummer umfaßt 10 Setteu. ;
RnentgeltlichLeit der Aichtspslege.
von Rechtsanwalt Raab m Gießen.
In einem ber jozialbeinokratijchen Wahl-Flugblätter erregte neulich bie fünfte ber .Gegeinvarls'-Foiberuiigeu mem befonberes fFachmleieffe. ,UneuifleUlid)teti ber Rechtspflege war ba zu lesen. , 21uf Den cvften Blick em be|ted)cnber Gebanke. Wariun sollte man nicht a. B. eme Gelbforderung auSklagen burfen, ohne wegen Un- pfänobairett des Schuldner» noch Kosten obenbrem zu erhalten? So einfach liegt aber bie Sache doch nicht. Sollte Nicht bie »Un* entgelttichleit Der Rechtspflege^ einer Ruß gleicherr, die man nach ^ujaglicher Mühe geknackt hat unb bereit Kein unbrauchbar, ober ,bie ioaav hohl tft 2 ,
Tas Wahlflugblatt faßte nicht, was mau unter jener „Oegen- ;warlL--Forderiina verstanden haben will und wie man fie m Die Uk$uUid)feU urnzujetzcn geben!i. Es tft also ber Phantafle bev gvoyie Spielraum gelosten, wie beim gerabe m foldjen uberucalen ,Po|iulateii ohne Pläzisieriing, losgelöst vom Bobeu des oiealen rind Lunächst Erreichbaren, ohne Skrupel über die finanzielle Trag- .weite der niagische Zauoer für die große Aiaffe der (Sieb auf en- uv.b ^triuflofcn liegt. Und doch gehören solche Fiageu felb|l für den beruiemäßig damit bcjdjättigicu zu ben ßtöüieu Pioblemeri. Jene ioUie man in erster Linie hierüber zu Wort kommen laflcn. Es ist aber bie Neigung leibet weit verbreitet, im Leben überhaupt, wie auch bei allen Parteien, daß metsiens Leute am längsten und lauieflen über bie Tinge reden, die sie am wenigsten verfteljen. In Den schwierigen Fragen, bie unser heutiger komplizierter Bvlks- ivirildjaflsmechaniSiiiuL und zu losen aufglbt, sollte man nur sehr norsichtig au Werke gehen uub bie organtiche Weilereulwidlung Über geiuQUjame Eingriffe, schmerzhafte Dpecatiouen unb gefährliche Experimente stellen. . r.
Beim Wort »Rechtspflege- denkt da» Publikum wohl m erster Linie an bie Behandlung von Strafjachen. Obwohl diese den kleinsten Ziveig der getarnten Rechtspflege darstellen, hat die große Diofie gerade für Strairechtswejen gropeS Jntereffe, größeres Ber- fiänoui». Durch ÜaienbeteiUgung ist dieser Teil deS Rechtslebens ibeionöcr6 populär geworben. Soll nun bie Strafrechtspflege voll- [länDig unentgelttich Jem! Tie Sache tft schon jetzt, meine ich, lehr einfach gelöst. Ist bet Angeklagte em armer Leusel, jo bekommt der Staat auch jetzt jdjon teme Enljchadigimg sur seine Hollen unb Auslagen. Dec Prozeß Hubbe kostete bem he|fi|chen 'Staate LausenDe Mark, dem HudDe nur — seinen Stopf, foult war DOn ihm nichts zu holem Wenii aber ein reicher Mann m Stonflifi nut Dein Geietz kommt, dann müBte ber nach jozialdemolratiicheni 3.«jipt auch unentgeltlich abgeuilcilt roerbeu unb bem Staate eiit- kuiüe hier eme Einnahme. Schließlich müßte man auch bie Geld- ,nraten abschaffen, die dem Staate immerhin einige Emiiahmen zu- rveuDen. Wo soll baö hinführen? Ideal ist eine Geldstrafe, wie überhaupt jede Strafe Doch nie, von der Roheit bev Todesstraie garnicht zu reden. Unschuldige Angehörige werden burd) Verdienst. embuBc und VerinögenSverlust immer mitgenofien.
Zur »Rechtspflege- gehört ferner das weite Gebiet der log. jreiwilligeii Gerichtsbarkeit (Siaufuerträge, Nachlaß- unb Ausem- cuideisetzuilgssacheii, Hypotheleuwejen ujw.). Soll and) bad uneiu» neltlid) sein 2 Sollte mau Nicht im Gegenteil bie zahlreichen Grund- slüds-Schtebungskäufe bet häufigerem Uinsatz unb grotzem Objekt jerft recht und progressiv besteuern, iwch viel stärker, als bisher f * 1 * * * ^Auch Verwaltungsstreitoerfahren, MilitärgertchtSbarkeit, Orrs- aerichts- und Standesamtsivejen, Konkursjachen ujw. gehören zur Stechispflege. Vor allem das große Gebiet der Zivilprozeßjachen. Soll auch hier alles kostenlos Jem? Wenn zwei Seftfadrikanteu einen Allllionenprozeß fuhren, weil der eine Konkurrent dem andern Doiiöirii, er habe zu Unrecht Jemen Sekt als den bei einer -Lchiffs- lauie penvendeteu auspojaunt, bann soll diejes Privawergniigen bie Aioci nichts kosten und das ganze Volk soll den Spaß bezahlen. Und uingekehrt: Sind nicht bet flemen Objekten die Gebühren des Gecichts und der Prozeßpertreter auch jetzt schon lächerlid) niedrig, so gilt ivie unentgeltlid) 2 Wer allerdings eme Akark euiklagt, unb bei Verlust ferner Klage, nachdem Zeugen hierüber gehört |uiD, die mud) nicht aus lauter Menjchelijreuudllchkeit srd) Itimöeulang uncnl- Seitiid) au§ Gericht stellen, das 10-, 20 fache und noch mehr im lergleid) zu fernem minimalen Interesse bezahlt, unb sich hierüber wundert, der gehört in eme andere Welt. Ist die Parier aber arm, dann wirb ihr schon heute bie RechtSverJolguug zunächst vollständig unentgeltlich gewährt. Weldjer Unfug geradezu nut Jem Armemecht heutzutage manchmal getrieben wird, und wie Jchwer
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Woche beigelegt und ■ W 'V V V v ßeüenprct»; lofal
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ZM General-Anzeiger für Gberheffen MW sibrrf« für D-p-ich-n: Rotationsbn(d und Verlag der vrühl'schen Univ.,Such- und Ltelndruckerei. B. lange. Bedattlan. «rpeditlan und Dräderet: rchulftratze T. Anzeiger Gieße«.
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TargeÄrten wurden unS diefe Sachen von Herrn The u r e r, Tetwrist vom Stadttheater in St. Gallen, und Herrn Ztmmer- 3n a n n, Baritonist aus Stuttgart. Herr Theurer verfugt über eine gute Tenorstimme. Sie hat metallenen Klang und rst autzerjt lästig und durchdringend, ddoch mehr wirkend kann ich sie mir frcilid) in einem akustisch gebauten Theater vorstellen; denn fu dieser Stimme gehört belebendes Spiel. Di-e Szene des Ma^ ins dem „Freischütz" wurde besser torgetragen als vor Drei Wochen von Herrn Aiöeller» der auch stimmlich Herrn Theurer nicht trreichte. Ebenso gefielen Siegmunds Liebeslied und Lohcngrtns -vralscrzahlung. Doch bei dieser wollte am Schlüsse die Stimme Dohl nicht mehr ganz auSreidxn. Die beste Wirkung erzielte Herr Theurer, roenn andere Stimmen seinem Tenor als Iomter» ■gruiib dienen, sodaß ec die Schärfe verliert, wie roir cs bei ben Juiciten sahen.
Derr Z immermann dagegen fonnte nicht )o gefallen. Seme Twnmlichen Mittel sind nicht schlecht, aber iwck) fehlt diesem Bariton >02 rechte Mark, der eherne Stiang. Auch war der Ansatz, be- ^ndcrs bei größeren Intervallen, zuweilen unrein. Die Lieder, 3bie er uns gab, waren so recht dazu angetan, ausdrucksvoll -gesungen zu werden, und ich glaube, daß Herr Zimmermann 'dazu fähig ist. Aber der Ausdruck kam ihm nicht von Herzen. Man hatte das Gefühl, daß Herr Zimmermann sich nur etwas mehr Mühe zu geben brauche, um bebeuteiü) Besseres i" leisten. Schromkem
^Was an ihm wieder recht anüenehm bytährte, war dte glänzende Kurjursten Gunst hall ex öüt llevermut ö^s aoci» ia .


