Nr. 105
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Anzeiger Gießen.
Erstes Blatt
Samstag 5. Mai 1906
156. Jahrgang
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Gretzener Anzeiger ■
General-Anzeiger w Verantwortlich für
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW
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Die Heutige Wumwer umfaßt 16 Setten.
Die Darmstädter Stichwahl.
Am Freitag abend gegen 11 Uhr erhielten wir folgendes Telegramm:
R.’B. Darmstadt, 5. Mai. Gesamtergebnis außer Griesheim: Stein 15510, Berthold 15728. Berthold mit über 800 Stimmen Mehrheit gewählt.
Spätere Telegramme lauteten:
Darmstadt, 4. Mai. In der Reichstagsstichwahl erhielt Drrthold (Sozialdem.) 16 598, Stein (natl.) 15 789 Stimmen.
Darmstadt, 4. Mai. Von den Einzelresultaten seien folgende angeführt: Darmstadt Stadt Berthold 6159, Stein 7699 Stimmen, Groß-Gerau 453 (418), Griesheim 870 (288), Bischofsheim 356 (289), Rüsselsheim 658 (275), Pfungstadt 719 (588), Konigstädten 95 (112), Eberstadt 727 (437), Arheilgen 626 (408 , Ober-Ramstadt 421 (388), Mörfelden 440 (89), Trebur 240 (223). (Die eiugeklammerten Zahlen bedeuten für den nationalliberalen Dr. Stein.)
Die Würfel sind gefallen. Der nationale Kandidat Dr. Stein hat seinem schweren Gegner, dem mm dem Wahlausschuß der Linksliberalen unterstützten Sozialdemokraten das Feld räumen müssen.
Es ist im Wahlkreise Darmstadt in den letzten Wochen nicht mit der für andere Nationen sonst vorbildlichen deutschen Ruhe und Sachlichkeit, sondern sckon mehr nach amerv- lanischem und österreichisch-ungarischem, ja orientalisch heißblütigem Muster gekämpft worden.
Der Ausfall der Wahl am 25. April hatte den erfreu-» liehen Beweis geliefert, daß es den bürgerlichen Parteien, wenn sie vereint marschieren, ein leichtes hätte sein müssen, den Sozialdemokraten aus dem Felde zu schlagen. So hatte fiel) das Bürgertum in Offenbachs-Dieburg zu einem geschlossenen Zusammengehen ausgerafft und war zum Siege gelangt. Die beklagenswerte Zersplitterung und vollends die durch keine sachlichen Gründe zu rechtfertigende maßlose Gehässigkeit im Wahlkampfe der beiden bürgerlichen Gruppen hat diesen Sieg vereitelt!
Die Wahlparole der.Vereinigten Liberalen hat die ganze politische Welt Deutschlands peinlich erregt und ist in der preis. Presse selbst fast allseitig scharf verurteilt worden.
Die theoretischen Motive der linkslib. Parteileittrng sind uns unverständlich, die Taktik unbekannt, aber u. E. durch nichts zu rechtferttgen, ganz und gar nicht durch die vorausgegangene beklagenswerte Erbitterung des Wahlkampfes. Denn niemals sollen in der Politik persönliche, sondern stets nur fachliche Gründe Einfluß, haben. Sonst geht die Würde verloren und die Achttmg, die man beansprucht. Wer sich deshalb, weil er durch Anhänger Dr. Steins sich persönlich beleidigt fühlte oder wer gar nur feiner Partei zugefügte Kränkungen übel nahm, dem Sozialdemokraten Berthold seine Stimme gab, der hat sich einer beschämenden Kleinlichkeit der Llussassung und Enge fdes .Horizontes schuldig gemacht, lind er hat obendrein feine Backe nach einer Seite yingehalten, von der ihm daS- selbe wie von der soeben haßerfüllt gemiedenen täglich in weti erhöhterem Maße zuteil wird. Stellt doch die „Freie Dtsche. Presse" alltäglich fest, wie die Sozialdemokratte den Freisinn mit gemeinen Schmähungen verfolgt.
Einigermaßen begreiflich wäre ja npch die Stellungnahme der nationalsoz. Führerschaft geweseih, wenn Berthold etwa von dem Kaliber Dr. Davids wäre, einer von den fanständig denkenden und vielseitig und gründlich gebildeten ..Revisionisten". Aber er ist ein Mann von dem Weit- und Scharfblick eines höheren tzausburschen, ein blutiger Ignorant, ein treuer Schildknappe der Mehring intb Konsorten, -ein Mensch der verächtlichsten Pöbettonart.
Von den Wählern Korells haben es freilich viele jso gemacht, wie vor einigen Monaten eine stattliche Anzahl (sonst liberaler Wähler in Eisenach. Sie haben einen ähnlich lwie m Eisenach rorgehenden Wahlvorstand im Stich geilassen. Dort, in Eisenach, handelte es sich nicht einmal um einen Nationalliberalen, sondern um einen krassen Antisemiten und dort hatte selbst der Vorstand der freisinnigen Volkspartei ui Berlin die Wahl des Sozialdemokraten als das geringere liebel empfohlen. Hier hatte niemand etwas gegen die Persönlichkeit des Herrn Stein einzuwenden. Seine bürgerlichen Gegner gaben sogar zu, daß die Sozialdemokratie „sich namentlich durch ihren nnfruchtbaren Radikalismus in vaterländischen Dingen die berechttgte Ab- ireigung in hohem Maße zugezogen hat". Darum war es, und nun gar für die Wähler und Propagandisten der Wahl -eines Geistlichen doppelt, unbegreiflich, den Sozialdemo-, 'traten, und obendrein noch em so überaus unbedeutendes ^Mitglied der Gesellschaft einem Manne von tadellosem Rufe 'in angesehener bürgerlicher Stellung vorziehen zu sollen. So forderten denn auch verschiedene Ortsgruppen der Links- 'liberalen zu nachhaltiger Unterstützung des Dr. Stein auf. Man beschuldigte die Parteileitung, daß sie ohne Fühlungnahme mit einem erheblichen Teile der eigenen Anhängerschaft die Parole ausgegeben habe, und zeigte vielfach lebhafte Unzufriedenheit darüber, daß man nicht zur Beschlußfassung eine allg. Wählerversammlung einberufen, sondern .in engem Kreise die Unterstützung Bertholds autokratisch dekrettert habe. Der Parteivorstand der Bereinigten Liberalen in Groß-Gerau beschloß, für den nationalliberalen' Kandidaten einsutreten, nachdem die nationalliberale Partei sich verpflichtet hatte, bei einer Stichwahl 1908 eventuell einen Kandidaten der Vereinigten Liberalen zu unterstützen.
Doch die Einsichtsvolleren unter den Karelischen Wählern haben der Stimme der politischen Klugheit und des politischen Taktes nicht zum Siege verhelfen können. Gewissenlose Agitatoren und auch ein Teil der linksliberalen Presse, namentlich >die in Frankfurt, stellte Dr. Stein als einen Erzreaktionär hin. Der Behauptung, daß er unter Umständen einer Aen- berung des Reichstagswahlrechts zustimmen würde, hat
Dr. Stein leider zu spat widersprochen. Aber einem allgemeinen gleichen und direkten Landtagswahlrcchte scheint er freilich nicht zuzuneigen. Wenigstens hat er in einer Wahlversammlung geäußert, daß, wenn in einem Parlament die bürgerlichen Parteien das Entstehen einer sozialdemokratischen Mehrheit befürchten müßten, e§ schon der Selbsterhaltungstrieb dieser Parteien gebiete, durch eine Wahlrechtsänderung die Gefahr der sozialdemokratischen Mehrheiten abzuwenden. Die „Kl. Presse" behauptete neulich, daß Agitatoren für seine Kandidatur die Konfessionsschule empfahlen, daß er fein Anhänger des unbeschränkten Koalitionsrechts sei, und auch in wirtschaftspolitischen Fragen auf einem Standpunkt stehe, den kein frei- gesinnter Mann teilen könne. Alles das sagte man ihm nach aus purer Liebe zu Berthold, ober vielmehr anS Haß gegen den Nationalliberalismus. Mag auch Dr. Stein allzusehr nach dem rechten Flügel der Nationalliberalen hinüberneigen, nach denen um Heyl, d. h. zu denen, die sich nationalliberal nennen, ohne eS zu sein, mag er mehr freikonservatio als nationalliberal sein, die Parteidisziplin hätte ihn doch immer im Lager und unter den Stimmen der Nationalliberalen gehalten, und das hätte keinen Bürgerlichen bis zur letzten Stundeunter seinen Gegnern lassen dürfen.
Die persönlichen Verfeindungen waren schließlich von einer Art geworden, daß unsere Anteilnahme an der Wahl sich immer mehr verminderte und daß wik unsere Berichterstattung wesentlich einschränkten, um nicht weitere Kreise allzu stutzig zu machen und dem Gedanken an eine große liberale Versöhnung zunächst in Hessen, die so schöne Anfänge in Gießen besitzt, ein vorzeitiges Grab zu graben. In Wahrheit eigentlich rein äußerliche Umstände haben die bürgerliche Niederlage verursacht und die Liberalen rechts und links werden nun die schwerwiegende Frage zu beantworten haben, wem die Verantwortung dafür zuzuschreiben ist und was im Jahre 1908 zu geschehen hat, was eine Wiederholung dieses beklagenswerten Wahlausganges ausschließt.
Der Ausgang dieser Wahl wird jedenfalls überaus weitreichende Wirkung nicht nur in Darmstadt und in Hessen, sondern im ganzen Reiche haben. In einer Zuschrift an die „Nat.-Ztg." aus Stuttgart wurde von einem Einfluß auf die bevorstehenden württembergischen Landtagswahlen gesprochen und versichert, daß weite Kreise der Deutschen (national- liberalen) Pattei Württembergs, die an sich (ebenso wie oolkSparteiliche Wählerschaft in ihrer großen Mehrheit) einem gesamtliberalen Bündnis gegen Bauernbund, Zentrum und Sozialdemokratie nicht abgeneigt waren, durch die Wahlparole der Vereinigten Liberalen in Darmstadt und deren Gefolgschaft aber zu anderen Entschlüssen gebracht werden würden. ES war auch zu beachten, daß der Linksliberalismus bei der bevorstehenden Reichstags-Ersatzwahl in Hagen auf die Stichwahlhilfe der Nationalliberalen ganz besonders angewiesen ist. Denn der freisinnige Kandidat in Hagen, Bürgermeister Cuno, wird von einflußreichen Zentrumsorganen als ein Gönner des Evangelischen Bundes bekämpft. DaS Ausbleiben einer wirksamen freisinnigen Unterstützung der Nationalliberalen in Darmstadt kann darum auch für den Freisinn in Hagen verhängnisvoll werden. Und die„L. N. N." drohten:
„In Dithmarschen verdankt der „Wadenftrümpstcr" H o eck sein Mandat ausschließlich der Wahlhilse der Reichspartci gegen den Genossen. Fort mit ihm! In der Stadt Danzig wäre 9)1 ommsen ohne den Sukkurä der Konservativen und des Zentrums niemals gewählt worden. Hinaus! In Parchim errang P a ch n i ck e den Sieg, weil ihm 5000 Wähler der Rechten zu Hilfe kamen. In die Wolfsschlucht! Straßburg konnte von Herrn Riff nur durch Zentrumshüse behauptet werden. An diesem Rifs wird fein Schifflem mehr scheitern. Herr Schrader ist von Dessau aus auf konservativen Krücken in den Reichstag gehmnpelt. Er wird sich nach diesen Krücken vergebens umschauen."
Das freilich sind ja nur leere Drohungen. Wenns ernst wird, besinnen sich die Räsonnenre doch noch. Aber der liberale Einigungsgedankc hat einen sehr bedenklichen Stoß erlitten, und der Gedanke an ein Wahlkartell des gesamten hessischen Liberalismus nach Gießener Muster kann nun ganz in die Brüche gehen. Die Erregung über diese in absehbarer Zeit ganz gewiß nicht überbrückbare Kluft in allen wahrhaft liberalen, gut bürgerlichen Kreisen ist gar groß.
Doch bis zum Jahre 1908 wird sie sich hosientlich gelegt haben. Es wird aber jeder immer noch ernsthaft an dem Gedanken der Möglichkeit eines dauernden Zusammenschlusses aller liberalen Gruppen für die Wahlen Festhaltende gar bald ans Werk gehen müssen, um das Seinige dazu zu tun. Wer immer wieder von diesem Punkte aus vorrückt und nach leisesten Anfängen immer neue und neue, kräftigere und kräftigere Vorstöße wagt, der wird die Zahl der Freunde dieses Gedankens ständig vermehren und endlich auch ans Ziel gelangen.
Sehr eigentümlich argumentierte nach der Stichwahl die Sozialdemokratie. Die Stimmenziffer der Linksliberalen nahm gegen 1903 um über 3800 zu und ein felyr qroßer Teil rührte, so meint sie, aus den Streifen der bisherigen sozialistischen Mittäufer her. Wenn ttotzdem die Sozialdemokratie nur 289 Stimmen verlor, so müsse sie Manen neuer Arbeiterwähler gewonnen haben. Es unterliegt jedoch keinem Zweifel, daß eine sehr große Anzahl von 1903er ländl. Wählern der Siattonamberalen, des Bundes der Landwirte und des Zentrums am 25. April nicht für Dr. Stein, sondern für Pfarrer Korell gestimmt hat. Sonst hätte Dr. Stein am 25. April mindestens 1000 Stimmen mehr bekommen. Der erhebliche Stimmenzuwachs der wahlberechtigten ist dabei besonders zu beachten. Jedenfalls also hatte von dieser Sette 'Pfarrer Koroll viel mechr An
hänger gefunden als von sozialdemokratischer, und die Beweisführung der sozialdemokr. Presse ist eine i'clyr durchsichtige und sehr vergebliche Bemäntelung des Stimmenrückganges ihrer Partei seit 1903 — auch im Darmstädter Wahlkreise wie im ganzen Reiche trotz der persönlichen Hilfe von Bebel und Molkenbuhr. Sieht doch die sozialdemokr. Presse selber mit Besorgnis — das Cffcnb. Abendblatt: brachte neulich eine Zusammenstellung von höchst pessi» mistischen sozialdemokr. Preßerörterungen —, der Zukunft der Partei entgegen. Sie erkennt selber sehr wohl, daß die Sozialdemokratie ihre Hauptstoß kraft, ein ständiges Ford, schreiten ihres Einflusses auf die Wählermassen verloren hat. Tie sich so oft wiederdolende Erscheinung des Iiückgangs der: sozialdemokr. Stimmen seit 1903 hat, so meinen manche sozialdemokratischen Publizisten, nicht zufällige, sondern^ generelle Urfadjen. Nur weiß man nickst recht in der Partei selber, welcher Art diese sind. Man meint, es sei in der Partei mit übertriebener Heftigkeit gegen eben erst gewählte Abgeordnete zu Felde gezogen worden, wodurch sozialdemokr. Wähler mit innerlich nicht gefesteter Ueberzeugung beben Im lich und irre wurden. Die jahrelang wettergel>ende bet* büternbe Auseinanbersetzung in der Partei beeinträchtigte stark die Agitationsfreudigkeit selbst waschechter Genossen. Und bann kam noch bie wunderschöne Geschichte beim Vorwärts. Das alles hat der Werbettaft der Partei Abbruch getan, und das sollten sich auch heute noch wie in den Tagen nach dem 25. April, trotz des chnen zugefallene« oder richtiger von gekränkten unklaren Köpfen in die Hände gespielten Darmstädter Mandats die Sozialdemokraten sagen.
Sehr richtig wurde in der „Hilfe" neulich ausgesprochen daß, wenn die Sozialdemokraten ihren einzigen wesentlichen Wahlsieg seit dem Dresdener Parteitag liberaler Hilfe verdanken, ein solches Ereignis auf den Größenwahnsinn der Sozialdemokratie ungeheuer ernüchternd e i n w i r k e n must'.!
Darmstadt ist bis 1898, wo cs Cramer, dem gemaßregelten sozialbem. ^Hofgänger*, in der Stichwahl zufiel, stets nationalliberal vettreten gewesen mit Ausnahme der Zeit von 1877 bis 1884, in der der Freisinnige Büchner das Mandat behauptete. Die Wahl Büchners war bekanntlich nicht, wie die „Voss. Zig." neulich m erstaunlicher Unkenntnis behauptete, „mehr eine Ehrung des großen Gelehrten, als ein politisches Bekenntnis, i Ludwig Büchner, der Verfasser von „Kraft und Stoff", ist niemals Reichstagsabgeordneter gewesen. Die gute Tante Voß verwechselt hier den bekannten Arzt und begeisterten Anhänger und Propagandisten der Entwicklungslehre und tine§ noch ziemlich unklaren Materialismus und Monismus mit seinem Bruder, dem angesehenen Pfungstädter Fabrikanten Wilhelm Büchner.
Aus Darmstadt wird un§ heute geschrieben:
Wenn auch das numerische Uebergewicht auf Seiten der Umsturzpartei geblieben ist, so haben die Unterlegenen dach einen geradezu glänzenden moralischen Erfolg errungen: Tie Sozialdemokratie hat den Wahlkreis, den sic noch vor drei Jahren glatt im ersten Wahlgang eroberte, diesmal nur noch mit Hilfe eines großen Teils von Stimmen bürgerlicher Wähler behaupten können, sie zieht nur auf den Krücken der-„Vereinigten Liberalen" wieder in den Reichstag ein.
Der Ausschuß der >dorelvvähler hat sich, wie behauptet wird, direkt in schärfster Weise an dem SVampf gegen die Nationalliberalen beteiligt, indem er den Sozialdemokraten seine Wahllisten zur Verfügung gestellt, und Wahlaufrufe — selbst von sozialdemokratischen 'Agitatoren mit Aufrufen und Stimmzetteln für Berthold — verbreitet haben soll, in denen alle Wähler Korells noch ausdrücklich zum „Kämpf gegen die Reaktion" aufgeprbert: wurden.
Das geringe Plus von etwa 800 Stimmen ist aber doch recht' klein gegenüber dem Wahlergebnis vom 25. April- Während' die Stimmen der bürgerlichen Wähler um über 5000 in die Höhe gingen, haben die Waffenbrüder etwa 3Va Tausend Stimmen verloren. Nicht minder ungünstig stelll sich das 2£b» stimmungscrgebnis für die Sozialdemokratie im Vergleich mit dem Stichwahlresultat im Jahre 1898. Damals erhielt der nativnattiberale .Kandidat 11 743 und der Sozialdemokrat 12 471 Stimmen, und bei der Wahl im Jahre 1905 siegte der Sozialdemokrat gleich im ersten Wahlgang mit 14147 gegen die von den anderen Parteien insgesamt aufgebrachten 13 394 Stimmen, darunter 8656 nationalliberale. Die Differenz in den Abstimmungsergebnissen ist also bei allen drei Wahlen annähernd die gleiche geblieben trotz der Abkommandierung der nahezu 6000 >torellslimmen für die Sozialdemokraten.
Die ärgerlichste Niederlage bei der Stichwahl erleidet aber nach unserem Dafürhalten die Patteileitung der „Vereinigten Liberalen". Sie hatte die Rechnung einfach ohne den Wirt gemacht, wie das Wahlergebnis beweist. Ta die Zahl der Wähler und der Arbeiterschaft seit der lehten Wahl um mehrere Tausend gewachsen ist, so hat auch die Sozialdemokratie einen ganz cr- klärtichen Stimmenzuwachs erhalten. Schlägt man diesen nur auf 1500, so würden bet der Vermehrung von 14 147 auf 16 600 höch stens n o ch 1000 Stimmen übrig bleiben, die ans den Reihen der Korellianer der Weisung der Parteileitung folgend zu den Sozialdemokraten über- getreten sein können. Ter weitaus größte Teil der ^Vereinigten Liberalen" hat erfteulicherweise die unpatriotische Parteiparole nickt befolg t, sondern ist, wie das Anwachsen der Stimmen für Dr. Stein von 10314 am 15 789 beweist, für den Zbandivaten der bürgerlichen Parteien eingetreten. "Sv haben die Kore ll Wähler auf das verwert- liche Ansinnen ihrer Parteileitung eine scharfe, aber gebührende Antwort gegeben die den verantwortlichen Führern hoffentlich für alle Zeiten die Lust zur V e r b r üd e r u u g mir der roten Internationale nehmen wird
Heer und Flotte.
• Tas neue Exerzierreglement für die Infanterie
ist, rote einer unserer Berliner Mitarbeiter meldet, vom. Kaiser in der Form des Entwurfs genehmigt morden.


