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3.11.1906 Viertes Blatt
 
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Samstag 6. November 1606

Nr. 259

156. Jahrgang

Viertes Blatt.

Eichener Anzeiger

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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe»

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Redaktion, Expedition ».Druckerei: SttmMr.A, Tel. Nr. 5L Te1egr.-Adr.: Anzeiger Girtzsa.

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einiger Häuser mit Kleinwohnungen bedeutet aber in der Regel schon einen verhältnismäßig erheblichen Fortschritt im Wohn­ungswesen an den betr. Orten, weil dadurch vermehrte Wohn- gclegenheit und die Möglichkeit geschaffen wird, minderwertige mit belferen Wohnungen zu vertauschen. Ferner wurde mehrfach die Beobachtung gemacht, bajj die Besitzer von Mietwohnungen beim Begin,: der Tätigkeit einer Baugenossenschaft sich veranlaßt gesehen haben, die Mietwohnungen ivieder in einen guten und brauchbaren Zustand zu setzen. Auch hat die Gründung von Bau­genossenschaften mehrfach die Privatbautätigkeit veranlagt, dem Kleinwohnungsbau größere Aufmerksamkeit zu schenken, z. B. in Butzbach. In anderen Orten, wie Homberg a. d. O. und Nidda, stockte die Bautätigkeit in Kleinwohnungen vollständig und es ist hierin erst durch das Eingreifen der Baugenossenschaften Ab­hilfe geschaffen worden,

Die Verkaufspreise der von den Bauveremen crnditctcn Häuser sind an den einzelnen Orten außerordentlich verschieden. Es hängt dies von der Grütze der Häuser, dem Bodenpreis, den - Matcrialicnpreisen, Löhnen usw. ab, bei denen große Verschieden­heiten beftetyen. Der Verkaufspreis eines Einfamilienhauses (be­stehend aus 34 Zimmern und Küche) stellt sich auf 280t) Mark (in Astheün) bis 10 000 Mark (in Darmstadt), der des zwei Wohnungen enthaltenden Hauses (23 Zimmer nebst Küche, zweite ebenso große Wohnung im Kniestock auf 6000^11000 Mark. ES ist dabei zu beachten, daß in fast allen Fällen zu den Häusern noch ein Garten von 150 bis 200 Quadratmeter gehört, die Häuser solid gebaut sind, und ihr äußerer und innerer Ausbau vollständig fertiggestellt ist, so bar-. den Käufern hieraus keine weitere Ausgaben erwachsen. Berücksichtigt man, dass die Haus­eigentümer einschliesslich der Tilgungsquote von 3/i oder 1 Proz. der Kaussumme für Verzinsung, Reparaturen usw. auszubringen haben, so ist leicht zu berechnen, daß ihre Aufwendungen ver­hältnismäßig niedrig sind. Dazu kommt, daß fie mit der Zeit schuldenfreie Besitzer deS Hauses werden, ein hübsches Gärtchen zur Verfügung bleibt, in dec Regel ein kleiner Stall vorhanden ist und vor allen Dingen, daß sich die Familien in den guten Wohnungen auch wirklich wohl fühlen können.

Auch die Bauvereine, die nur Mietwohnungen vauen, find bemüht, sie zu möglichst billigem Preis zur Verfügung zu stellen. Sie sind hierzu umsomehr in der Lage, als sie neben ihrem gemeinnützigen, nicht auf Gewinnerzielung gerichteten Zweck in der Regel über verhältnismäßig billiges Baukapital verfügen. "Nach einer Zusammenstellung aus 9 Orten sind die dreiräumigen Wohnungen durchschnittlich 2490 Mark, die vierräumigen 60140 Mark billiger als Wohnungen in Privathäusern.

nachstehende Zahlen mitgeteilt: Bis Ende 1905 waren 408 (336) Häuser errichtet und zwar 107 (92) Einfamilienhäuser, 185 (160) Zweifamilienhäuser, 25 (25) Drecfamilienhäuser und 91 (59) Häuser für 4 und mehr Familien. Der Gesamtherstellungswert der Häuser betrug emschließlich Grund und Boden 4 947 520 (4 073 649) Mark. Von den Hausern mären 143 verkausi bezw. mit Kaufanwartschaft vermietet, und 265 nur vermietet.

Friedberg 134). Unter den übrigen Vereinen sind einige im Ver­hältnis zur Mitgliederzahl sehr bedeutend, z. B. Homberg a. d. O. und Lauterbach. In der Höhe des Geschäftskapitals steht obenan der Spar- und Bauverein Mainz mit 20o 800 Mk. Die Ballgesell­schaft Lollar hat 50 000 Mk. Geschäftskapital, der Bauverein Friedberg 38 800 und der Bauverein Lauterbach 31500 Mark. Soweit die Bauvereine bereits Gewinne erzielen konnten, haben sie 34 Proz. Dividende verteilt. Die Reservefonds sind in aus­reichendem Maß, in mehreren Fällen erheblich über den gesetz­lichen Mindestbetrag hinaus verstärkt worden. Die Höhe des gesetzlichen Reservefonds betrug Ende 1905 bei den Baugenossen­schaften Friedberg und Gießen 4073 Mark, gleich 111/2 Proz. bezw. 2616, gleich 25 Proz., des eigenen Geschäftskapitals. Einige Bauvereine haben neben dem gesetzlichen Reservefonds noch einen Hilfsrcservesonds gebildet, der zur Sicherstellung des Unter­nehmens naturgemäß erheblich beitragt.

Ueber die Bautätigkeit der hessischen Bauvereme seien

wurden von 1037 Familien bewohnt, die bis auf 26 zu den Minderbemittelten im Sinne des Wohnungsfürsorgegesetzes ge­hören.

Die Bautätigkeit der oberhessischen Vereine stellt sich wie solgt: Alsfeld: 2 Ein- und 4 Zweifamilienhäuser, vermietet an Minderbemittelte, Gesamtherstellungtzwert 32148 Mk. Durchp- schnittsmietpreis 138153 Mk. für 3 Räume in Privathäusem 150180 Mk.), 204 Mk. für 4 Räume (235 Mk.).

Butzbach: 4 Einfamilienhäuser, verlaust oder mit Kauf- antoartfclyaft vermietet an Minderbemittelte. Gesamtherstellungs- wert 18 050 Mk., Verkaufspreis 4500 Mark, Mietshöhe in Privat- häusern 300400 Marr.

Friedberg: 6 Ein-, 13 Zwei- und 5 Drei-Farnilienhäuser. Gesamtherstellungswert 219 325 Mk., 20 Häuser verkauft, 4 nur vermietet, Kaufpreis des Einsamilienhauses 4700 Mark, des Zwei­familienhauses 811 000 Mark. Durchschuittsmietpreis 210 (in Privathäusern 320) Mark für 3 Räume und 250 (340) Mk. für 4 Räume.

Gießen (Baugenossenschaft des evang. Arbeitervereins): sr Ein- und 6 Bier- und Mehrfamilienhäuser. Gesamtherstellungs­wert 430 881 Mark. 37 Häuser verkauft oder mit Kaufanwart- schaft vermietet, 6 nur vermietet. Durchschnittlicher Verkaufs­preis des Einfamilienhauses 7000 Mark. Durchschnittsmiels- preis für 3 Räume 200 (280) Mk., für 4 Räume 250 (340) Mk.

Homberg a. d. Ohm: Ein Haus für 2 Familien im Herstellungöwert von.6500 Mk. verkauft.

Lauterbach: 8 Einfamilienhäuser, Gesamtherstcllmigswert 320 000 Mk., Verkaufspreis 4000 Mk., durchschnittlicher Mieipreis für Privatwohnungen 165 Mk. für 3 Räume und 240 Mk. für 4 Räume.

Lollar: 18 Mehrfamilienhäuser mit (schätzungsweise) 100000 Mark Gesamthersteilungswert. A n 45 Familien ver­mietet. Mietpreis 144 (192) Mark für 3 Räume und 180 (240; Mark für 4 Räume.

Nidda: 4 Zweifamilienhäuser zu 42 000 Mark Herstellungs­kosten, nur vermietet.

Schotten: 2 Häuser im Bau begriffen. Zn Hungen hat die Bautätigkeit noch nicht begonnen.

Gebaut haben 1905 u. a. die Bauvereine zu Butzbach, Hom­berg a. d. O. und Nidda. Bei Würdigung der Bautätigkeit der Vereine ist zu beachten, daß es sich in _ fast allen Fällen um kleinere Orte handelt und deshalb von umfangreichen Bauten während eines Jahres nicht die Rede sein kann. Die Errichtung

Ate ZSoynungssürjorge in Kessen, in.

Es sind im Berichtssahr wiederum zahlreiche Verhandlungen geführt worden, die die Aufnahme der Wo hn u n'gsf ürso rg e durch Gemeinden ober gemeinnützige Bauvereine, die Durchführ­ung dieser Wohnungsfürsorge, die geschäftliche Einrichtung ber Baugenossenschaften, die Geld- oder Grundstücksoeschalimig be­trafen. Uebemll wurde sich bemüht,. den geltend gemachten Wünschen Rechnung zu tragen und Ij-dfenb und fördernd einzu­greifen. In den weitaus meisten Fällen war diese Tätigkeit von Erfolg begleitet. Namentlich muß gesagt werden, daß auch die Gemeindebehörden der Wohnungsfrage immer größere Aufmerksamkeit zuwenden, obwohl das ablehnende oder nicht entgegenkommende Verhalten einzelner Gemeindeverwaltungen die Ausnahme der gemeinnützigen Wohnungsfürsorge verhindert, bezw. die Tüt gkeit der betreffenden Bauvereine recht schwierig gemacht bat. Weieutlich für die weitere Ausbreitung der Wohuungsfursorge- bestrebmigen war wiederum die Tätigkeit des Ernst Ludwig-Ver­eines, Hessischen Zentralvereins für die Errichtung billiger Wohn­ungen, dessen ©dyriften, Versammlungen und sonstigen Veröffent­lichungen, die allgemeine Aufmerksamkeit immer wieder auf die Wohnungsfrage hinlenken und ihr immer mehr neue Inter­essenten gewinnen.

Die Zahl der Bauvereine ist inzwischen auf 40 ge­stiegen und in mehreren Gemeinden schweben Verhandlungen wegen Gründung von Baugenossenschaften. Von den vorhandenen gemeinnützigen Bauvereinen sind 2 Attiengesellschaften, 2 Gesell- fdjaften mit beschränkter Haftung, 2 redjteiäbige Vereine und 34 . eingetragene Genossenschaften mit beschränkter Haftpflicht. In Ober Hessen bestehen gemeinnützige Bauvereine in Alsfeld, Butzbach, Friedberg, Gießen, Hungen, Homberg a. d. O., Lauter­bach, Lollar, Nidda, Schotten und Schlitz. Bei Gründung der neuen Bauvereine sind wieder Angehörige aller Stände beteiligt gewesen, namentlich ist die Anregung zu den Gründungen teil­weise aus Arbeiterkreisen, teilweise aus den Kreisen der Arbeit­geber hervorgegangen. Bemerkenswert ist, daß in mehreren Fällen Gewerbevereine den Anstoß zur Gründung gegeben haben. Auch in diesen Fällen sind die Gewerbevereine auf durchaus gemeinnütziger Basis erridjtet worden, es sind nicht etwa nur Gewerbetreibende, sondern in der Mehrzahl auch sonstige Per­sönlichkeiten (Arbeiter und Angehörige anderer Stände, die die Sache aus gemeinnützigem Interesse durch ihre Mitgliedschaft unterstützen wollen) beteiligt.

Die Entwickelung der Bauveretne ist außerordent­lich verschieden. Ausschlaggebend ist dabei in erster Linie die Art der Leitung, ferner lommt in Betracht, ob die Genosseufchaft zahlkräftige Personen zu ihren Mitgliedern zählt, welche Stellung die Gemeindeverwaltung der Genossenschaft gegenüber einnimmt usw. Bei der MehrzahL der Bauvereine ist die Entwickelung und die Gestaltung der finanziellen Verhältnisse sehr gut, einige Vereine haben die Erwartungen, die auf sie gesetzt werden konn­ten, sogar weit übertroffen. Bei einer allerdings nur recht ge­ringen Zahl von Bauvereinen ist die Entwickelung freilich recht mühsam gewesen und ihre Stellung erscheint aud) jetzr noch wenig gefestigt. Hier hat in der Hauptsache die unfreundliche Stellung- iiahme der Gemeindeverwaltungen daS Hindernis gebildet. Die Vaiivereine hatten insgesamt 2555 (im Vorjahr 1792) Mitglieder; davon waren 1438 (1792) Minderbemittelte und 1117 (900) Kge Personen. An Geschäftskapital waren 1 219 495 (1 032 965) : gezeichnet und §59 706 (809 495) Mk. eingezahlll Die aufgenommenen Anleihen beziffern fid) auf 3 448 448 (3 054 978) Mark. Der Zinsfuß der von den Bauvereinen aufgenommenen Kapitalien beträgt durchschnittlich 3^2 Proz. Die Tilgungsquoten betragen in der Regel s/4 Proz. (bei der Laicheskreditkaffe) und 1 Prozent (bei der Landespersicherungsanstalt).

Sieben Vereine zählen mehr als 100 Mitglieder (Gießen 105,