Ausgabe 
31.12.1906 Viertes Blatt
 
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Nr. 306 Viertes Blatt. 156. Jahrgang

Montag 31. Dezember 1906

QrKbetnl Lßli- mit tluBnahme beB Sonntags.

DieItHfitet gamlllenbiatter* werden dem ,flnACigei dermal rodrtienihch beigelegt. Ter CaeOelrF* ettdjeml aumaüid) emmaL

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Nedaktron, Txredtttan e. Druckerei > Gckni kKr Lei. 911. dL telegx^ flbt. 4 fflnjetga S'rtze».

Eeneral-Anzeigcr, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen.

Lchnce.

Durch den anhaltenden Schneefall sind die Vögel in große Not geraten. Sie kommen aus die Löse und auf die Fenster­bänke, um die von der Mildhcrzigkeit gestreuten Bissen aufzu- lesen. Ein Freund unseres Blattes in einem Gießener Vororte konnte auf dem Fensterbrett seiner Küche zwei Stare, die mit dem Auflesen von Brot- und Speckschnittchen eifrigst be­schäftigt waren, mit der Hand streicheln, so zahm hat der Hunger diese vor Kälte zitternden Vögel gemacht. Die Futter- Plätze genügen noch nicht in ihrer Zahl, weLhalb noch­mals allen Tierliebhabern und edcchenkcnden Menschen die Fütterung der hungernden Vögel warm empfohlen sei.

Tie Züge der Bieb ertalbahn blieben in diesen Tagen mehrfaeyim Schnee st e ck c n und erlitten beträchtliche Ver- spätungcn, obwohl sie sehr gekürzt waren und größtenteils mit zwei Masclnnen fuhren. Ein Frankfurter Automobil gerier zwischen G r ü n b e r g und Merlau auf einen falscl>en Weg und blieb in einer Schneewehe stecken. Nach großer Mühe ge­lang es den Insassen, mit Hilfe anderer Leute das Fahrzeug wieder flott zu machen.

Daß die Eisenbahn wegen des Schnees nicht mehr weiter kann, ist auch aus der Strecke Marburg.Kreuzt Hal jetzt nidyi selten. Am 28. d. M. entgleisten, wie uns aus Marburg geschrieben wird, infolge Schneewehen bei Vormwald 3 Wager, und bei einem anderen Zuge mußte bei Stift Keppel eine Hilfs- maschine geholt werden.

Auch die anderen heute gemeldeten Eisenbahnunsälle (vgl. dir Korrespondenz aus Friedberg in demVermischten" Teil) möge», auf Schneeverwehungen zurückzuführen sein.

Ein äußerst reger Schlitten verkehr herrscht in diesen Tagen. Ver dem hohen Schnee ist namentlich das Wild sehr Übel daran. ES leidet schwer an Hunger, Hasen unü Rehe kommen brs an die menschlichen Wohnungen. Jäger uuL Förster srnd im gesamten Vogelsberg eifrig beschäftigt, dem zahl­reichen Wildbestand Futter zu bringen. Man befürchtet ein niahtiu hastes Sterben der Rehe und Hasen wie in dem schneereichen Winter L8U5/96. Damals sand man im Frühzahr viele Ge­rippe von verhungerten Rehen und Hasen.

Nicht nur in unserer Gegend, sondern in fast ganz Nord- und Riitteleuropa ist der Schneejall ganz ungeheuerlich Auö allen Landen dieses weiten Gebietes kommen Nachrichten über erhebliä)« Verkehrsstörungen, Unglücksfälle, Erstarrungen re. In Rhein Hessen gibt es Zugverspätungen von stundenlanger Dauer.

Tie schottische Stadt Carlinte ist durch ungeheure

Schneemassen vom Verkehr vollständig abgeschnitten. In manchen Landesteilen Englands liegt der Schnee 6 Fuß hoch. Sämtliche Verbindungen sind unterbrochen. Vis jetzt sind zwölf Personen erstarrt aufgesunden worden. Die telegraphisü)cn Verbindungen zwischen Schottland und England sind vollständig gestört. Im Eovcntgarden in London stürzte das Dach eines Glashauses ein infolge der großen Sckinecmassen. 50 Per- sonen, die sich im Hause befanden, wurden mehr oder weniger schwer verletzt.

Auch in Budapest stockt infolge des kolossalen Schneefalles jeder Verlehr. Die gesamte Vudapester Garnison mußte zur Bewältigung der Sck-meemassen aufgeboten werden.

Sturm und Schnee wird auch aus ganz Spanien gemeldet; ebenso wütet an allen Küsten Spaniens ein heftiger Sturm, na­mentlich in der Meerenge von Gibraltar, wo mehrere Schisfe Havarien erlitten.

* Die Frau an der xetie. AuS Petersburg wird geschrieben: Vor IVs Jahren erhielt in Petersburg der Priester Tobrowotski eine einträgliche Stellung an der rufsischen Kirche zur Staatsbank zugehörig. Er befitzl eine Frau, d.e aoer niemand zu sehen bekam. Die Frau ist geisteskrank und darf natürlich nur in grötzter Ruhe und Zurüugezogcnhcit leben. Alle Be- laiinlcn bedauerten den armen Priester oa seines Familienunglüas. Tiefer Tage nun erhielt der Unter,uchungsricyt.r des Bezirts gerichtS eine Zuschritt, die das furchtoare Familieiigeheimnis oes Priesters Dobi.owo.ski enthielt: Ter Priester hält seine Frau >n seiner Wohnung angckcttct. Die Lvcigteit begas fich dacauih.n ui Vegleitung eines Pivchiaters in die Wohiiung des Prieftecs. vier bot sich ihnen ein furchtbares Bild dar. Am Ende der Wohnung in einem deinen Zimmer von Schmutz uno Unrat cuuetie ein weibliches Wesen an kurzer ftcite gefefieit. Die Untenuchung ergub, daß a,ouunvoiSti d.c Unglücklichen, die ut- iächlich feine Frau ist, nur zweimal täglich einen Horben Liter Milch reichte, fonst weiter niu,ts zu ih.er Nahrang. Im bet- ilosfenen Zahre halte er ein Bittge,uch an seinen Vorgesepren ge­lichtet um Unterstützung für feine lranke Frau, d.e er zwecks iLiholung in die Stnui schassen woltte. Ter Bitte war auch geioiilfahrt worden, doch hatte der ge.uiifenloie Priefter das Geld einfach zu eigenem Georauche eingeheimst, während die unglück­liche Frau weiter an der Kette sci-machten mußte. In feiner Abwesenheit futterte ein erkaufter Diener die arme Frau nach giivoHiner Art, d. h. einen Liter Milch pro Tag. Wie verlautet, fuhrt die Aecmste fd)on feit v.er Jahren dieses entießlidjc Leben an der Kette. Ungeachtet Uwes Unglücks und des menschen­unwürdigen Lebens ui das Gedächtnis der Frau ziemlich frisch, iie vermag zusammenhängend aus alle an sie gerichteten Fragen

Wer diese beiden Güter im Grossen will, der muss im Kleinen beginnen, bei den einfachen alltäglichen Dingen, die so unwichtig erscheinen und von denen doch unser Wohl und Wehe abhängt Hierher gehört z. B. ein durch­aus einwandfreies Hausgetränk, wie wir es in Kathreiners Malzkaflce haben. Der ausgezeichnete Gesundheits- und Genuss wert des echten Kathreiner wird von der Wissenschaft einmütig anerkannt. Seine Billigkeit und Aus­giebigkeit ermöglichen ferner eine täg­liche Ersparnis, die bei den heutigen teuren Zeiten doppelt beachtenswert ist Wer Kathreiners Malzkaflee noch nicht kennt, der beginne darum das neue Jahr mit einem Versuch, welcher Gesundheit und Wohlstand in hohem Masse fördern und zu dauerndem Segen gereichen wird.

tragen unser Glück

Gesundheit und Wohlstand!

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zu antworten. Gegen den unmenschlichen Gatten ist sofortige Untersuchung eingeleitet, während die Frau zeitweise in eine Nervenheilanstalt untergebrackst ist.

* Ein Dorsidyll. Ein blutjunger Bursche in einem Torfe bei Saarburg unterhielt ein rcgeZ Liebesverhältnis mit einer etwas älteren Dorsjclwnen, waS deren Eltern zu ver­hindern suchten. Ta, an einem Sonntag nachmittag, legten sich nun die Schwiegereltern ein wenig zur Ruhe, ein Wink, und die jungen Leute gingen in einen Schuppen, in dem die Schwcinc- ställe standen. Aber plötzlich erscheint die Mutter, und schnell össncte die Braut einen der S ch tv e i n e st e l l e, nahm den Schatz am Arm, drückte ihn in den Stall und schob den Riegel vor, während die Mutter sich zu ihrer Tochter in den Schuppen setzte. Die Schweine schnupperten an dem seurigen Freier von unten bis oben l-erum, der die Schweine durch Futztritte von sich abzuhaitcn fudjic; dadurch gerieten die Borstentiere in Wut und ftürzten sich auf ihren Femd. Auf diesen Lärm hin öffnete bic Mutter dcn Stall und gewahrte den Freier in einer bedrängten Lage. Sie ergriff einen Mistkehr- vcsen und schlug auf die Braut und dcn Bräutigam ein, daß cS nur so rappelte. Die,es Stelldicheins wird das Liebespaar gewiß noch lange gedenken.

(Scrid?tsfaaL

Die Strafkammer in Eellc verurteilte einen 13- jährigen Schulknaben wegen fahrlässiger Brand­stiftung zu einem Jahr Gefängnis.

Vom Kriegsgericht in Salzwedel wurde cm Unteroffizier d.s Ulaiieiuegmientä wegen Beleidigung durch anonymeBriese zu neun Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt.

Metcoiologisllre Beob.rchtnrrgen

der Station Gießen.

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Donnerstag, den 3. Januar 1907, vormittag- 9". Uhr bfflinnent», werden in den Waldungen der Siadl Gießen im Distrikt

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Zusammenkunft ist auf der Licher Straße an der 2. Schneise. Gießen, den 22. Dezember 19u6.

Großhcrz^ . - --rm.-i'-erei Gießen.

I. V.: Eurscbmann.

Belums non ÄeüWks-^ülkiViiüfAli önrdj Lefiilhe flutlta. Mjch 198?.

Zur Enthebung vor» VteujahrS-G ückwünscheu bei dem be- vsrsteheildea Jahreswechfel buten rvir, wie m den früheren Jahren, der hiesigen

Klelnkinder'Bewahranftalt

eine Gabe spenden und einem der Unterzeichneten' übermitteln zu wolle«. Durch Derösfentiichung der -kamen ver Geber im ^Gießener Anzeiger, noch vor JahreSlchlutz wird eS allgemein anerkannt, daß alle Genaiinien von Ltdst«ttuug der Neujat-rsbesuche, sowie von Zusendung von -tcujahrriarten befrert stad und ihrerseits beides nicht veaufprucheir. Zugleich luiro hierdurch der gcnaiiilnn WodUaugieilS- amiQli nut Liren nahezu 2uU Kinvrrn eine sehr wünschcnswerie Unter- statzunq zu teil.

Gießen, den 24. Tezember 1906. vM/lt

Direktor Doering. Pfarrer Guter. Kirchenrat Dr. Naumann.

Fabrikant Emil Lchmalt.

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Die Besichtigung der Pferde für Grünberg und Umgegend findet EamStag, den 5. Januar, von 10 Uhr, dahier statt. (Sammelplatz Gießener Straße). Die Besichtigung der Pferde von den Orlen der Rabenau findet Samstag, den 13. Januar, vorm. 10 Uhr, dahier statt. (Sammelplatz Gießener Straße). Auf § 21 des Statuts wird verwiesen.

Grunderg, den 29. Dezember 1906.

Der Direktor:

Georg Keil.

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