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Montag 31. Dezember 1906
L 56. Jahrgang
Drittes Blatt
Nr. 306
(Erld)ein! tSgllch mit Ausnahme deS Sonntag».
Nedaktton, Expedition u. Truckern: kchulllr.7. 2eL Nr. 51. Lelegr.-Adr. r Anzeiger Gießen.
Die „Gießener $amlllenbiatter* werden dem ,yn,geiget viermal wöchentlich beigelegt Ter „heffifche CanörolM“ erfcheuu monatlich einmal.
Glchener Anzetger—■ •........-
General-Anzeiger, Amir- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen.
politische Lagesschan.
Auch der „Verband dcutfcher Hochschulen" wirb zu den Re i ch s la gSw a h l en m einem Aufruf Stellung nehmen. Unter anderem führt er aus:
.Zeigen wir durch die Tat, wem unsere Sympathie gilt. Wir erfüllen ja nur unsere Pflicht, wenn wir von unserem Rechte (Gebrauch machen. Tcnu es ist das gute Recht des Studenten, m l l z u iv i r k e n, wenn das Vaterland ruft. Lder tollten die, die jeden Tag und jede Liuude freudig bereit find, fürs Vaterland zum letzten tiange anzulreicn, nicht das Siecht haben, in eine, so rein vaterländischen Frage, die gänzlich unabhängig ist von dem verschiedenen Standpunkt der Paitcien, für das Vaterland Partei zu ergreifen! Wir verurteilen cs, das haben wir ja schon oft genug betont, wenn junge Studenten sich schon die Wen durch eine Parteibrille ansehen wollen, sich schon vor den Kaircn einer Partei spapnen Iahen, besonders, wenn das organisat. geschieht. Wir verurteilen das ohne tlincksicht darauf, wie die Brüte geschlissen oder der Karren angestrichen ist. Hier aber handel, es sich nicht um nationale Streitfragen, nicht darum, mit welchem nationalen Glauben jemand selig werben oder das Vaterland glücklich machen will; hier handelt eS sich um den Kampf aller national gesinnten Elemente gegen d i e inneren Widersacher d e S Deutschen Reiches^ deutscher Alt und deutscher Sitte. Ta nüizukämp.en ist unsere Pflicht, wenn anders wie das „Teutfch- in unserem Namen nut Siecht führen wollen. Kommilitonen des Verbandes Tenucher Hochschulen! TaS Vaterland ruU die Treuen unter seinen Söhnen. ES fleht viel ani dem Spiel; es geht nicht mehr um tue Zolle und Steuern, es geht um die Ehre des d e u t f ch e u 91 a in e n 6. Tie Eiuscheidung ifi abhängig von wenigen Sitzen im Parlamente; alio auf jede» Mann, aui lebe Stimme kommt es oiu Trum fei leinet lässig, lasse leinet einen Säumigen unuuigecüilelt/
Sozialdemokraten als Arbeitgeber.
Ein Vorgang, der vortiesslich beleuchtet, rote Sozialdemokraten a l 8 Arbeitgeber denken, wird von dem Organ des Buchdruckerverbandes berichtet. Es handelt sich dabei um eine giüßere Parteidruckerei, deren Personal durch den Mund der Bertcauenslente einige Einwendungen zu den Beschlüssen der Geschäftßführerkonferenz der Partei- brncfercicn machte. Ta erklärte der Vorsitzende der betreffen* ben Presjlommisl'ion, ein ziel- unb klassenbeivusiles SJlilgheb des DtaiirerverbandeS: Die Löhne der Angestellten des Partei- geschäsls dürsten nicht zu hoch werden, daran wäre ec als QJhlglici) des ÄtailreroerbandeS besonders interessiert; denn dieser lasse im Partelgeschäst viele Slrbeiten Herstellen; wenn nun die Löhne der Buchdrucker zu hoch wären, dann würden die Drucksachen für seinen Verband zu teuer 1 Tas Buchdriickerblatt bemerkt zu diesent Bekenntnis:
»Nach dieser. . Logik müßten wir den Maurern eigentlich einmal ganz gehörig au, den Mop< spucken, denn nur durch d »e Begehrlichkeit terüllaurcr werden dochdieMielen so teuer! TaS ist doch die Konsequenz Ihres Standpunktes, mcht wahr, Genosse H. k"
Decselbe ziel- und klassenbewußte Vorsitzende der Preß- kommission vertrat auch betreffs der A t t e rS z u l a g e n Höchst kennzeichnende Anichauungcn. Fälschlich behauptend, daß man in bürgerlichen Geschäften die Leute einfach vl)inau5» schmeiße*, wenn sie alt würden, meinte nämlich jener ,(Se- nosse*: er könne nicht verstehen, daß tn Parleigeschäften die älter werdenden ^Arbeiter noch Zulage verlangteiil So sieht die Arbeilersreiindlichkeit eines soztaldemolratischen Slrbeit- gebers anS.
Grcucltaicii in Kamerun.
Im Anschluß an die Acußerungen Bebels im Neichs- tage wirb dem „Vorwärts" geschrieben:
„Tcr Fall Dominick, von dem das Kolonialamt nichts roiffen wollte, dürste wahrscheinlich erwiesen werden. Wenige Tage nach der Debatte am 4. Tezembcr machte em höherer Kolonial- beamtet gegenüber drei Reichsiagsabgeoidneien das Zugeständnis, daß die Schiitziruppe unter dem Befehl des LberlentnantS Tommick einige fiinfztg Binder in St ö r b c g e bu n b e » und die 9tachligallschnellen Himmler habe schwimmeii lassen, wobei sie s a in t 11 ch e r t r a n k e n. Tie 9lamen des betreffenden Kolonial- beamten und der AeichslagSabgeordneten werben im nächsten ZtetchS- tag öffentlich mitgcteilt werben/
Warum nennt man die Namen nicht sofort? — Furchtet man etwa, daß die Eingaben des sozialdemokratischen Blattes widerlegt tverden können? Tas (Äanze macht den Eindruck, als sei es eine Wahlente.
In einer Zuschrift von fünf Kameruner Kaufleuten an die Hamb. Nachr. heißt es:
Wie grauiam Schwarze sein lönnen, mögen folgende Dorfälle illustrieren: Ter Kauimaim 8i. wurde von den „armen unschuldigen Negern", wie Bebel sagte, vergiftet, nut stump ' e n 3)t eifern zerschnitten, verstümmelt und bann, n o ch lebend, in einen Ämeisenhaufen geworfen. Vom Kaufmann H. wurden nach einem Martyrium lleberrefte nicht mehr Dorgemnben; nicht zu sprechen von seinen -ahlreichen schwarzen Arbeitern! Kaunnann W. würben Hände und Füße zer- f ch n 111 e n , er selbst erst dann nach langer Zeit ermordet. Leiber sind damit bie rohen Gewalttätigkeiten der Schivarzen nicht abgeschlossen. Ten beharrlichen Anklägern wen wir zu: „Geht bou) ielbft nach Afrika, seht Und) an Crt und Stelle alles selbst an * Gar manches würden sie bann anders beurteilen, als sie eS jetzt tun. Wir offen, daß der neue Reichstag, statt sich mit unbewiesenen Behaupiimgen unb .Enthüllimgen" zu beschäftigen, der Negierung die Diiuei gewähren wirb, um unserer Kolonie Kamerun die Biege zu ebnen, daß nicht nur der dort ansässige Kaufmann und Missionar tu ineolicher Wene feine Arbeit tun kann, fonbern auch die deutsche Industrie und damit der deutsche Arbeiter durch unb für bic Kolonien lohnende Beschäftigung finbet.
ALrche und Schule.
Fulda, 2U. Dez. Aus der heule siattgehabtcn Bischof Swa hl ging der Regens deS Priester-LeminarS, Dc. Josef Damian Schmitt, als gewählt hervor. Schnitt! rourbe 1858 zu Llarbach (Kreid Fulda) geboren. Nach 91b- solviecung deS Gymnasiums zu Fulda studierte er in Würzburg unb Rom Philosophie und Theologie. Nachdem er sich in beiden Fächern den Doktorgrad erworben hatte und 1882 zum Priester geweiht worden war, kehrte er in seine Heiinat- diözese zurück. 1882 wurde er Kaplan in Buttlar, 1887 Stabkaplan in Fulda. Dazwischen wär er Aumünier zu
Banffe in Belgien. 1889 wurde er Professor der Philosophie am Priesterseminar zu Fulda. 1895 Regens deS Priel ler- seminars, 1890 Tompräbendat, 1899 Kapitular der Fuldaer Kathedrale. Seit 17 Jahren leitet er als Präses die „Mariarnsche Bürger- unb Junggesellen-Sodalität zu Fulda.
Danzig, 29. Dez. Ter von 220 Vertretern ans über 1OO Lehrervereinen beschickte we st preußische Provinzial- Lehrerta g nahm nach einem Vortrage über die BesoldungS- frage der VolkSschnllehrer eine Resolution an, die zum Aus- drrick dringt, daß dec Ministerial-Erlah voni 4. 'Mai ein Hindernis für bie Erfüllung der berechtigslen Lehrerwünsche in Stadt und Land bilde. Der Lehrern,angel und bie Land- flucht könne durch ihn nicht beseitigt werden. Die Versammlung erwarlet, daß im Adgeordnelenhause auf die baldige Beseitigung diese? Erlasies dingewirkt wird.
Aus S.aSt uito Luno.
Sprechsiunben der u^CuG.t i — i i..?r ver ;i., 1 »7—V28 llhr abds Gießen, den 31. Dezember 1906.
„Prosit Neujahr!" schallt es mit dem mitternächtigen Glockenschlage aus ben Straßen unb Plätzen unb in allen Häusern, wb im Familienkreise oder in lauteren ölsentlicheit Zirkeln bcr Augenblick der Jahreswende gefeiert wird. Es ist doch ein merkwürdiges Gefühl, daß gerade mit diesem Glockenschlag der Kalender einen dicken Strich unter das alte Jahr macht und für das neue Jadr eine frische weiße Sorte in seinem Wettbuch aufschlägt. Die alte Seite ist mit allerlei krummen und groben Schristzeichen bedeckt, von oben bis unten, und sie sagen uns, was das alte Jahr an Frohem und Trübem gebracht IM. Wohl die wenigsten lieben es heute, am Silveflcrabend bei sich felbn zu Nate zu gehen, baS 00m Zeitengriffel vollgeschriebeue alte Fahresblatt prusend zu überschauen unb Zeile fur_ Zeile mit ruhigem, nachdenklichem Sinn zu lesen. Die atterineisten schlagen hastig dieses Lebensblatt um unb jubeln dem unschuidig-weivcil neuen Blatt entgegen nut Lussa und Prosit, mit Gläserfchwenken unb allerlei Kurzweil, wie sie sich im Volk zur Silvefternacht herausgedudet hat. Das sind die 3u!un,t5irol?en, bie Lebens- tufligen. Das alte J^hr h^t mit Kerzenschimmer unb Wechnachts- zauber Abschied genonunen; wir wollen ihm nicht gram sein und ins neue Jahr mit guten Hoffnungen unb Wünschen ein» treten. Wenn ber Mensch auch nicht vom neuen Jahr bie Er. lüliung alles dessen verlangt, waö in seines Busens Diese an Plänen unb Entwürfen schlummert, zum mindesten will er fröhlichen Herzens ins vergnügte neue Jahr hineinsteigen. Die ttabitionellen Siwesterspeisen unb -Getränke werden ihn auch diesmal erfreuen. Ungezählte Gläser Silvcsterpunsch--doch
wir wollen den Punschgedanken jetzt noch nicht zu Ende denken. Nur dec Wnusch soll sich daran anschließen, daß niemanb mit allzugrvßem Jammer ben Neujahrstag begrüßen möge. Keinem wünschen wir ein vorzeitiges Ruhebett im Freien. Der Silvefler- trubel wird mit feinen Späßen und seinem harmlosen Schnickschnack allen Philistern wieder ein Dorn im Auge fein. Wer aber Spaß versteht, dem ist bie Jahreswenbe ein vergnüglicher Augenblick unb er löst gern für bieie Nacht die Bande „frommer Scheu". ,Ln diesem Sinne", so würbe der vergnügte Zeitgenosse feinen Toast beenden, „wünsche ich Ihnen allen ein fröhliches neues Jahr! Prosit Neujahr 1 907!"
•’ Silveiier heißt bcr heutige letzte Tag des Jahres im Kalender; danach hat die Nacht vorn LI. Dezember zum 1. Januar ben Namen Siloeiiernacht erhalten. Silvester hießen drei römische Päpste, von denen der erste dieses Älamens vom Jahre 314 an ben Stuhl Petri innehaite und am 31. Dezember 835 starb. Er wurde heilig aeiprochen, und die Kirche feiert sein Gedächtnis am 31. Dezember, dem Silvettertage. Tie darauf folgende Ätacht wurde tin M ttel- aller zu Ehren des »Heiligen* durch allerlei .Muninienschanz unb Kurzweil' gefeiert, bie meist den Schluß kirchlicher Feste bilbettn. Al« erster Tag des JahreS wird gegenwärtig fall in allen christlichen Ländern der 1. Januar gefeiert, den mir als Beginn des bürgerlichen JahreS von den äiümcin über- kommen haben. Llnßer ihm waren im Mittelalter noch andere Anfangslage deS JahreS gebräuchlich, zum Beispiel bei 25. Dezember, der Geburtstag Chntti, an dem auch bie da- maligen deutschen Kaiser als ÄteujahrSlag noch bis in die zweite Hälfte deS 16. Jahrhunderts bei Ausfertigung von Urkunden festhlelten. Zu derselben Zeit ließ man in Frankreich daS Jahr mit dem Osterfeste beginnen, dessen Feier auf den elften Sonntag nach dem Vollmonde nach der Frühlings- Tag- und Ätachtgleiche festgesetzt war. In England war noch vor 150 Jahren der 26. März a(5 Jahresanfang gebränch- lieh. Tie Kopten, die egyptischen Christen, beginnen noch jetzt ihre JahreSrechnung mit dein 1. August; bie syrischen Christen beginnen sie mit dem 1. September und die Nestorianer oder armenischen Christen mit dem 1. Oktober deS Julianischen Kalenders. Immer aber würbe schon im Altertum ber erste Jahrestag festlich begangen. Bei den Juden begann dar Jahr mit dein 1. Tischri, der meist in den Monat September fällt. Ta der 9!eujahrStag dnrch Troiiipeten- oder Posaunen- klang verkündet wurde, hieß er auch Trompeten- ober Posaunenfest. Wie wir eS zu Ostern zu tun pflegen, be- schenkten sich die Perser am NcujahrStage mit Eiern. Tie alten Römer opferten an diesem Tage ihrem Janus, Nen- jahrSwüniche und dleujahrSgcschenle waren bei ihnen besonders für RkagistratSpersonen üblich. Aeimere Bürger beschenkten iich gegenseitig mit Früchten, wie sie Feld und Garten Voten, die reicheren warteten dagegen einander mit edleren Gaben auf, doch hatte auch jeder Klient seinem Patron am ReujahiStage ein Geschenk zu bringen. Später forberlen die Kaiser d.eien Tnbiit für sich ausnahmslos von allen Bürgern gioms. Tie alte Sitte des Schenkens am Nenjahrstage Hal sich bisher bis zu ge,v,ssem Grabe bis in unsere neueste Zeit hinein erhalten, wobei wir nur an die Halloren nut ihren Schlackwürsten erinnern wollen. Die Chinesen feiern ihr Reujahr nach dem Neumonde, während bie Sonne im Stern- bilbe „Wassermann« steht, wa§ zwischen dem 20. Januar unb 18. Februar ber Fall ist. Ebenso wurde es bis zum Jahre 1872 tn Japan und bis 1892 in Korea gehalten. Tiefe beiden Staaten nahmen jedoch von da ab den NcujahrStag deS Gregorianischen Kalenders an.
P. Schlitz, 30. Dez. An dem neurenobterten Hinter
tür m e wurde vorgestern ber Schlußst e i n (Die ca. 15 Ztt. schwere Svrtzk) aufgesetzt. Zugegen waren säst samtlickst: PUlglieder deS Gräflich Görtzsck^n HauseS, die höheren Gräflichen Beamten, der Leiter deS Baues sowie sämtliche Handwerker, welck^e daran gearbeitet haben. Um 2 Uhr ertönte von der Plattform deS TurmrS der Ehoral „Ein feste Burg ist unser Gott", auSgesuhrt von bcr Ttadtkapelle. Tann ergriff Graf v. Görtz daS Wort zu einer kurzen Ansprack^e, in welcher er allen denen, welche bei dem Bau bcfdjäftigt waren, seinen Dank auSf'prach. Hierauf gab er dem Steine, in welchem außer einem Dokument ein Satz Geld sowie eine Flasche 1906er Wein cingesck)lossen sind, die üblichen drei Stellen Mörtel. Der Choral „Nun danket alle Gott" schloß die Feier.
Frankfurt a. M., 20. Dez. In der Deethovenstraße wurde ein verdächtiger Gasgeruch wahrgenommen, ber die Veranlassung dazu gab, den Schachtkanal der Gasleitung zu unter* suckzen. Mit einer Oellampe leuchteten Arbeiter im Schacht nach ber defekten Stelle, als plötzlich eine Explosion erfolgte und ein Sckrachtdeckcl in bic Lust flog. Ein Unfall ist aber nicht vorgekommen.
Homburg, 30. Dez. Ter Kaiser ließ dem Landrat 0. Marx ein präck)tiges Ä i l Weihnachtsgeschenk übermitteln. Es zeigt ben nach der Enthüllung des
Landgrafendcnkmals auf dem ^^^Äber Marxschen Villa sich mit jhrem Eigentümer unterbält.^B^Ä^nbanbigc Widmung des Kaisers unter dem Bilde lautet: „^Woegründung des Ofsi- ;iers°Genesung§heims. WiiWn."
p. Aus dem Kreise Wetzlar, 30. Dez. Noch einige schöne B 0 1! ssi11en umspielen in unserer Gegend ben Wechsel oer Jahre, bie zumeist den Vorzug haben, baß sie ziemlich irei sinb von dem Aberglauben, dem wir bei ben Volksfitten anderer christlicher Festtage nock- östero begegnen. Im allgemeinen wird bei uns bad neue Jahr recht würdig a .gcfangcn. Äußer oer männlichen Jugend, die bas „Zwölischtagen" auf bcr Kirchen- uhr beim Glase Bier erwartet, uni bann fo schnell als möglich zum Glockenstrange zu eilen und zu läuten, findet man bie übrigen Leute zu Hause im trauten Lampenschein vereint. Die Bibel ober bas Gesangbuch liegt vor ihnen. Diese werden vielfach, sobald bcr erste Glockenschlag vom Turm ertönt, aufgefdilagen und in dem Spruch resp. Lied, worauf der erste B^.ick fällt, das Schicksal für bas kommende Jahr herauszulefen versuch!. Ein Fall ist mir in Erinnerung, bei dem biefe Prophezeiung in Erfüllung ging. Eine Frau schlug ein Stcibelieb auf iiiib hat auch^wirklick) oas nächste Neujahrsläuten nicht mehr gehört. Ein Teil ber ftimir begabten Burschen geht während des Läutens von Laus zu Haus und singt einen Neuiahrschoral. Die Gratulation, bie ein Bursche im Namen feiner Kameraden ausspricht, kämet übereinstimmend in vielen Kreisorten:
Profit Neujahr l
Gottes Segen immerdar. Fried' uno Freud' ,ür diese Zeit Und die ewige Seligkeit!
Der größte Lell ber Einn ihme für diese Ständchen wird gewöhnlich von ihnen noch in derselben Nacht „vergessen" unb „vertrunken". Das leidige Neujahr5schießen finbet man trotz Einschreitens der Polizei noch in fast sämtlichen Dörfern. Daß bie Bäume teär/rcnb des mitternäch.igen Geläutes mi.t Strohseilen umwickelt werden, damit sie i;n Herbst mehr Obst haben, sieht man jetzt kaum noch. Am Neuiahrstage gehen in vielen Orten oes Kreifcd bie Kiirbcr, bekleidet mit ihrem besten Anzüge, zu ihren Paten, wünsckwn ihnen ein gutes neues Jahr unb erhalten dafür daS übiiuje Pattngefchenk: oJ Psg., Aepfel, Nüsse und Konfekt. In anderen Orten bringen dieses Geschenk bie Paten ihren „Pett.erchen" oder „Gedchen" ins $)au5. — In einzelnen dieser Sitten liegt zweifellos eine schone Poesie, wenn auch von Derber, ungelernter Art und sotten diese deshalb mit Bedacht ge- pflegl werden.
gpidplaK der tcrriniqtcn Jrauhfurter Skabtthelürr, Operuhan».
Dienslag ben 1. Januar, nachrnuiags halb 4 Uhr: ^Sneewittchen.- Abends 7 Uhr: »Tiefland.- Mittwoch ben 2. Januar, nachmittag» Haid 4 Uhr: „Sneewittchen/ Abends 7 Uhr: „Tie innige Witwe/ Tonnersiag den 8. Januar, abends 7 Uhr: .öidelio/ Freitag den 4. Januar geschloffen. SainStaa den Januar, uackun ttags halb 4 Uhr: „Sneewittchen/ Abcnd« 7 Uhr: .Tie lustige Wuwe/ Sonnnig den 6. Januar, nachmittags halb 4 Uhr: „Sneewittchen/ Abends 7 Uhr: „Josef und seins Bruder/ Alonlag den 7. Januar, abends 7 Uhr: „Zar und Ziminei-mann/ Tienstag den 8. Januar, abends 7 Uhr: „Tie nifiige Wuwe/
Schauspielhaus.
Dienstag den 1. Januar, nachmittags halb 4 Uhr: „TaS Blumenbooi." Abends 7 Uhr: „Uriel Aeosta/ Dlittwoch den 3. Januar, abends 7 Uhr: „Tie Jungttau von Orleans/ Tonnersiag den 8. Januar, abends halb 8 Uhr: „Hufarenfieber/ Jreuag den 4. Januar, abends 7 Uhr: „Husarenfieber/ Sams- tag den 5. Januar, abends 7 Uhr: Zum ersten Dia le: .IL l e k 1 r a/ Hieran': Zum ersten Male: .Der L y k l 0 p/ Lonntag den 6. Januar, nachmittag« halb 4 Uhr: „Em idealer Waue.* Abends 7 Uhr: „Eletira/ Hierauf: „Ter Cytlop/ Dioiuaq den 7. Januar, abends 7 Uhr: „Husarenfieber/
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