Ausgabe 
4.9.1906 Zweites Blatt
 
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IS. deutscher evangelischer Kirchenvereinstag.

Schleswig, 3. Sept.

Der 19. deutsche evangelische Kirchcngesang- dereinstag wurde gestern nachmittag 3 Uhr im Ratyaus- saale zu Schleswig durch den stellv. Vorsitzenden, Oberkonsistorial rat D. Flöring - Darmstadt eröffnet, dlnwcsend waren u. a. Generalsuperintcndent D. Kaftan-Kiel, Kirchenrat D. .Herold-Neu­stadt (Bayern), Professor Tr. Hielscher-Schwelm (Wests/>, Dekan Petzold-Brackcnheim (Württemberg), Superintendent Rothert-Nien- burg (Hannovers Musikdirektor Schmidt-Rothenburg a. T., Propst Stoltenberg-Schleswig.

Aus dem von dem Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht sei das folgende mitgeteilt: Der Bestand des Evangelischen Kirchengcsang-Vereins für Deutschland bat sich gegen das Vor­jahr nicht wesentlich verändert: er umfasst 22 Landes- und Provinzialvcrcine und 6 Einzelvcreine mit etwa 1600 Kirchen- und 400 Schülerchören. Neu beigetreten ist der Kirchenmusikvcrein zu Schwerin. Eine Reihe von Kirchenbehörden und Synoden hat es auch im vergangenen Jahr an tatkräftiger Unterstützung der Kirchengesangvereinssache nickt fehlen lassen, und auch die Eise­nacher Konferenz deutscher Kirckenregierungcn hat bei der Ver­handlung über die Nebengettcsdienfte der Wirksamkeit der Kirchengesang-Vereine zur debung des gottesdienstlichen Lebens anerkennend gedacht. Der Bericht geht sodann auf die von den einzelnen Landes- und Provinzialvereincn gefeierten Jahresfeste sowie auf die, hervorragenden Vcreinsmitgliedern im vergangenen Jahre zuteil gewordenen Ehrungen näher ein. DasKorrespon- qenzblatt" des Vereins hatte im letzten Jahre ein finanziell günstiges Ergebnis zu verzeichnen. Von der in 2500 Exemplaren gedrucktenDenkschrift über den 18. deutschen evangelischen Kirchen­gesang-Vereinstag in Rothenburg" sind 2183 Stück verkauft worden. Außerdem wurde die Denkschrift an sämtliche Kirchen- und Kultusbehörden zur KenntnisnalMe übersandt. Das Kon­sistorium der Provinz Sachsen hat infolge der auf dem vorjährigen Kirchengesang-Vereinstag gefaßten Resolution in der Provinz eine Umfrage veranstaltet, welche Stiftungen zum Zwecke der Ausbildung der Schüler höherer Lehranstalten in der Kirchen­musik gemacht worden sind und noch jetzt dafür Verwendung finden. Men Kirchenregierungen wurde für das bekundete In­teresse und Wohlwollen wärmster Dank zum Ausdruck gebracht. Den Vorsitz im Vorstand des Zentralausschusses, der sich nach wie vor der Führung und Unterstützung durch seinen hochverehrten Mrenvorsitzenden Geheimen Kirchenrat D. Köstin-Cannstatt erfreut, bat im Oktober v. I. auf Wunsch der Vorstandsmitglieder Herr Oberkonsistvrialrat D. Flöring-Darmstadt stellvertretend über­nommen.

Die Jahresrechnung schließt mit 1317,76 Mk. in Einnahme und 1028,81 Mk. in Ausgabe ab, also mit einem Kassenbestand von 288,95 Mark. Die Herausgabe einer Denkschrift über die Schleswiger Tagung wurde beschlossen, ebenso die Fortsetzung des Vereinskatalogs.

Der Kirchengesangvereinstag im Jahre 1907 wird in Stutt­gart gefeiert und damit das Jubiläum des 25 jährigen Be­stehens des deutschen Gesamtvereins verbunden werden. Dem Vorstande des Zentralausschusscs und besonders Oberkonsistorial- rat D. Flöring wurde auf Antrag des Kirchenrats D. Herold warmer Dank für seine Tätigkeit ausgesprochen, und die Sitz­ung sodann nach zweistündiger Dauer geschlossen.

Abends 8 Uhr fand im Rathaussaale eine Begrüßungs­versammlung statt, die einen sehr angeregten Verlauf nahm. Namens des Festausschusses und der Gemeinde SchleÄvig begrüßte Propst Stoltenberg mit herzlichen Worten die Erschienenen. Die Reihe der Begrüßungsansprachen eröffnete in geistsprühender Rede Generalsuperintendent D. Kaftan- Kiel als Vorsitzender des Provinzialvereins zur Pflege kirchlicher Musik in Schleswig- Holstein, der zugleich die Grüße des Deutschen evangelischen Kir­chenausschusses zum Schleswiger Feste übermittelte. Namens des Vorstandes und des Zentralausschusses' des Evangelischen Kirchen­gesangvereins für Deutschland sprach Oberkonsistvrialrat D. Flö­ring- Darmstadt, der die patriotische Seite des Festtages, des Tages von Sedan, anklingen ließ, im Auftrage des bayrischen Landesvereins Kirchenrat D. H c r o l d , als Vertreter des würt- tembergischen Vereins Dekan Petzold. Zwischen den einzelnen Reden erfreute der Schleswiger Lehrergesangverein unter Leitung des Kontors Ehlers die Versammlung durch prächtige Lieder­vorträge.

Vermischte».

* Berlin, 1. Sept. Gestern abend machte der Motor- Ballon des Herrn v. Parseval auf dem Uebungsplatze des Luftschiffer-Bataillons in der Tegeler Heide abermals einen Aufstieg, der in Gegenwart des Generalleutnants v. Werneburg technisch zwar erfolgreich verlief, aber mit einem sehr traurigen Unglücksfalle endete. Rach Beendigung der Fahrt wurde der Ballon wieder in die aus Wellblech hergestcllte Ballonhalle zurückgebracht. Bei dem Schließen der Schiebetüren der Halle geriet das Söhnchen des Waffenmeisters Priesecke des Luft­schiffer-Bataillons, welches ungesehen in der Schiebetür ge­spielt hatte, zwischen diese und die Hinterwand der Halle, wobei ihn: der Schädel völlig eingeklemmt wurde. Der Knabe war sofort tot.

"Dresden, 1. Sept. Der hiesigen Kriminalpolizei ist heute früh die Verhaftung zweier Falschmünzer aus Berlin gelungen. Der eine ist ein 21 Jahre alter, mehrfach vorbestrafter Kaufmann, während es sich bei dem anderen um einen ehemaligen Hypothekenvermittler und Bade­meister aus Potsdam handelt, der bereits einmal wegen Ver­ausgabung von falschem Gelde bestraft worden ist. Das Falschmünzerpaar hatte sich in Berlin, wo sich beide nach ihrer gleichzeitigen Entlassung aus einer Strafanstalt kennen lernten, zusammengetan und sich bald darauf nach Leipzig, Chemnitz, Freiberg und Dresden begeben, wo sie überall falsche Einmarkstücke in Massen in oen Verkehr brachten. Die Falschmünzerwerkstätte wurde in einem Dresdener Hotel ge­funden, wo beide logiert hatten. Der Hypothekenvermittler spielt im Gefängnis den wilden Mann.

"Interlaken, 1. Sept. Im HotelJungfrau" hat heute mittag während der Table d'hote eine etwa 22jährige russische Dame einen Herrn durch mehrere Revolvcr- schüsse getötet. Das Opfer ist ein Rentier aus Paris Namens Charles Müller im Alter von 75 Jahren. Müller verstarb nach einer Stunde. Die Russin wurde sofort ver­haftet. Bei der Untersuchung erklärte sie, sie sei beauftragt, den früheren russischen Minister Durnewo zu töten, verweigerte aber jede weitere Auskunft. Die Dame war vor vier Tagen in Begleitung eines älteren Herrn hier cingetroffen; sie ließen sich unter dem Namen Herr und Frau Stafferd einschreiben. Ersterer verließ gestern das Hotel und sagte, er wolle einen Ausflug in die Berge machen.

"DaS Loch in der Hosentasche. Diebe sollen keine Zerrissene Taschen tragen, sonst geht es ihnen wie dem Miffetäter, der jetzt in Paris abgefaßt wurde. In dem Hause des bekannten Sportmanns Thorne wurden einige Repara­turen an Kaminen vorgenommen. Die Arbeiter waren einige Momente unbeobachtet und benutzten die Gelegenheit, einige wertvolle Gegenstände verschwinden zu lassen. Dec Kammer- diener des Hausherrn bemerkte den Verlust sogleich, sagte auch den Arbeitern den Diebstahl auf den Kopf zu, die aber empört ihre Unschuld beteuerten. Als sie das Haus verließen, folgte ihnen jedoch der Diener unbemerkt. Plötzlich sah zt,

tote emer der vermißten Gegenstände einem Arbeiter langsam aus dem , rechten Hosenbein herausrutschte; i der. Diener las die kleine Kostbarkeit auf. Auf demselben Wege verließen auch die anderen Gegenstände die Hose des Mannes. Als der Kammerdiener alle Gegenstände bei einander hatte, ließ er die Diebe verhaften.

Gerichtssaat.

R. B. Darmstadt, 3. Sept. Wegen K i r ch e n d i e b st a h l s hatte sich heute vor der Ferienstrafkainmer der 1884 in Böhmen geborene Kellner Ernst Bock zu verautivorten. Er hatte sich im Juli d. I. gelegentlich einer Kindtanse in der katholischen Kirche zu Offenbach scheinbar sehr eifrigen Bußübungen hingegeben und sie so lange ausgedehnt, bis er allein int Gottesbause war. Dann begab er sich zu dem Opserstock. Da er ihn aber nicht erbrechen konnte, versuchte er durch mit Leim bestrichene dünne Stäbchen ein Geldstück nach dem andern herauszuangeln. Der Kirchendiener, dem das Gebühren des angeblichen Büßers sckoit vorher aufgesallen war, kam aber hinzu und veranlaßte die Verhaftung des Misse­täters. Er ist auch dringend verdächtig, vor einiger Zeit einen ähn­lichen Diebstahl in der Kirche ausgeführt zu haben, doch konnte in diesem Falle nicht der bestimmte Nachweis seiner Täterschaft erbracht werden. Da aber der Angeklagte schon mehrfach vorbcstrast ist und nach den bei ihm ausgesundcnen Kirchenverzeichnisseit zu ur­teilen, sein Handwerk gewerbsmäßig zu betreiben scheint, wurde er zu einer Zuchthaus st rase von zwei Jahren verurteilt. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde weiter gegen den in Dieburg wohnenden Schuhmacher Georg Adam Sauer, gebürtig aus Unter-Schönmattenmag verhandelt, der jahrelang fortgesetzter schwerer Sittlichkeitsocrbrcchen gegen die eigene über 14 Jahre alte Tochter angeklagt und geständig war. Der unnatürliche, schon 54 Jahre alte Vater wurde git fünf Jahren Zuchthaus u n d zehn I a h r e n Ehrverlust verurteilt.

München, 1. Sept. Das hiesige Landgericht verurteilte den Oberdruckcr im Kricgsministerium Seidl, der einem Kandidaten der Rechtswissenschaft gesprächsweise in einem Gasthause Mit­teilung von einer Prüfungsaufgabe machte, ohne allerdings einen pekuniären Vorteil zu haben, wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses zu z c h n M a r k G c l d st r a f e. Der Rechts­kandidat hatte seinerzeit mehreren Kommilitonen von seiner Wissenschaft Kenntnis gegeben, und das hatte zu der Aufsehen erregenden Aussetzung der Prüfung noch am Prüfungstage geführt.

ICuuff und Wissenschaft.

Berlin, 2. Sept. Im Südwesten der Stadt wurde gestern unter der Direktion des früheren Wiener Hofschauspielers Max Garrison eine neueVolksoper, dasLortzing-Theater, mit einer vortrefflichen Aufführung von Zar und Zimmermann eröffnet. Die erste Vorstellung bedeutete einen erfreulichen künst­lerischen Erfolg.

Köln, 1. Sept. Dem hiesigen Arzte Dr. Otto Schmidt ist es angeblich gelungen, den E r r e g e r d e r K r e b s kr a n k- heit in einem besonderen Schimmelpilz zu züchten, der auf Pflanzen vegetiert und dessen Uebertragung auf Tiere bei diesen echten Krebs hervorruft.

Heidelberg, 2. Sept. In der wissenschaftlichen Sitzung zur Eröffnung der ärztlichen Studienreise, die heute vormittag um 9 Uhr in der medizinischen Klinik stattfand, machte nach der Eröffnungs- und Begrüßungsansprache Geh. Hosrat Dr. Fleiner die Mitteilung, daß soeben Geh. Hosrat Professor Dr. V i e r o r d t an einem Herzschlage in der Ambulanz der medizinischen Klinik gestorben sei. Die Sitzung, in der Professor Dr. Vierordt einen Vortrag halten wollte, wurde demHeidelberger Tage­blatt" zufolge abgebrochen. Der Verstorbene stand im 51. Lebens­jahre.

In der letzten Stadtratssitzung wurde lautHeidelberger Tageblatt" ein Schreiben des Finanzministeriums mitgeteilt, nach welchem der Groß her zog auf die Vorstellungen des Heidel­berger Stadtrates das Heidelberger Schloß betreffend nicht die Ueberzeugung zu gewinnen vermocht habe, daß ein öffentliches Preisausschreiben ein geeignetes Mittel darftelle, die Lösung der Frage der Erhaltung des Otto-Heinrich- Baues zu fördern, und daß er deshalb davon abseyen müsse, die Bitte des Stadtrates in weitere Erwägung ziehen zu lassen. Im übrigen werde die Großh. Regierung der Erhaltung dieses Baues in seiner gegenwärtigen Gestalt, soweit und solange dieses sich als möglich erweise, nach wie vor ihre täti g c Fürsorge widmen.

Turin, 2. Sept. Der Bühnendichter G-iuseppe Giacvsa ist in Parella gestorben.

Sport.

(m.) Am Sonntag standen sich auf dem Trieb die 1. Mannschaft des FußballklubsViktoria" und die zweite Mannschaft des Gießener F. C. von 1900 in einem Wettspiel gegenüber. Trotzdem Viktoria durch einen Marburger Spieler verstärft war, siegte der Klub von 1900 mit 5:0. Halbzeit 2:0. Das Spiel fand vor einer großen Zuschaucrmenge statt und nahm unter der Leitung des Herrn Bürck einen schönen Verlauf.

Baden-Baden, 1. Sept. Gro ßer Preis von Ba­den-Baden. Gvldpokal des Großherzogs und 50 000 Mark. Es liefen 7 Pferde. Erster: Hautbois: zwischen Hammu- rabi und Festino totes Rennen. Totalisator: Sieg 65 zu 10; Platz: 18, 20, 13 zu 10.

Arbeiterbewegung.

Königsberg, 1. Sept. Die ausständigen Speich er­arbeit er haben sich heute zum größten Teil wieder zur Ar­beit gemeldet. Die ebenfalls im Ausstand befindlichen $ treibeträger haben in einer heute an die Arbeitgeber ge­richteten Zuschrift um die baldige Festsetzung eines Zeitpunktes zum Zwecke der Aufnahme "ber Einigungsvorschläge ersucht.

London, 1. Sept. 11 000 in den Kohlenbergwerken von Wales beschäftigte Arbeiter haben infolge der Weigerung der nicht organisierten Arbeiter, dem Bergarbeiterverbande beizu­treten, die Arbeit niedergelegt und 10 000 weitere Ar­beiter haben die Absicht funogegeben, aus demselben Grunde ebenfalls in den Ausstand zu treten.

B u d a p e st, 2. Sept. Als heute trotz eines behördlichen Verbotes die ausständigen Arbeiter der Petrosenyer Koh­lenbergwerke im Komitot Hunyad eine Vers ammlung abhielten und auch auf die Aufforderung der Behörde nicht aus­einandergingen, wurde Militär requiriert. Dieses trieb die Menge mit gefälltem Bajonett auseinander, wobei mehrere Personen verwundet wurden, zwei davon lebensgefährlich. Die Ruhe ist wiederhergestellt.

Sandel rind Verkehr, Volkswirtschaft.

Deutsche Schiffahrtsaktien. Die beiden Haupt­schi ffahrtsaktien bewegten sich in der letzten Zeit recht träge, sodaß ein zwar recht langsames, aber stetiges Weichen der Kurse zu beobachten war. Dies wird nun u. a. auch darauf zurückgeführt, daß die australische Regierung beschlossen hat, in Zukunft der englischen Flagge eine wesentliche Begünstigung zuteil werden zu lassen. Es würde dies für die deutsche Schiffahrt einen schweren Schlag bedeuten, weil die den Verkehr nach dem jüngsten Erdteil vermittelnde Flotte von dort nicht die nötige Rückfracht erlangen könnte, ohne die der Besuch der australischen Häfen völlig un­rentabel werden würde. Ja, es würde der Verkehr dorthin über­haupt in Frage gestellt, weil eine Durchquerung des Ozeans ohne den erforderlichen Ballast unmöglich würde. Die Ham- burg-Amerika-Linie hätte unter einer solchen Maßregel stärker zu leiden als der Norddeutsche Lloyd. Eine allgemeinere Bedeut­ung aber würde dieser Vorgang auch noch in anderer Hinsicht gewinnen. Er zeigt deutlich, daß die Idee der unionistischen Politiker Englands, die man in letzter Zeit als eingeschlafen zu betrachten sich gewöhnt hatte, zu neuem Leben erwacht ist. Als Chamberlain das Kolonial-Portefeuille übernahm, schreibt die ,,Berl. Morgenpost", verstand er cs, zur Vorbereitung und Erleichterung der heute unter dem NamenChamberlainismus"

bekannten Handelspolitik den Zusammenschluß der australischen Kolonien zu dem 1901 ins Leben getretenenCommonwealth" mit gemeinsamer Zollverwaltung durckzusetzen. Das war der erste Schritt auf dem Wege zu dem Ziel, alle hauptsächlichen Nahr­ungsmittel und Rohstoffe innerhalb des britischen Imperiums in einem Umfange zu erzeugen, daß Greater Britain mehr als jeder andere Staat die Bedingungen eines geschlossenen Handels- staates zu erfüllen vermöge. Die Durchführung dieser imperialifti- scheu Idee soll nunmehr von der australischen Regierung um etliches gefördert werden.

Frankfurter Brauereien. Dieser Tage gab die Bin- ding-Brauerei bekannt, daß der Absatz wesentlich höher als i. V. war. lieber die Dividende könne jedoch angesichts des Bier- boykotts keinerlei Mitteilungen gemacht werden. Die Frank­furter Brauerei-Gesellschaft vorm. Heinrich Henninger u. Söhne erzielte einen Absatz von 214 344 Hektoliter gegen 209 616 Hekto­liter im Porausgegangenen Jahr. Die Brauerei Stern Att.-Ges. Frankfurt a. M.-Oberrab _ hatte einen um etwa 6000 Hekto­liter größeren Absatz als i. V. Eine Dividendenschätzung (i. V. 13 Proz.) muß jedoch fürs erste abgelehnt werden.

Märkte.

Gießen, 4. Sept. Marktbericht. Auf heutigem Wockenmarkte kosteten: Butter pr. Pfd. 1.201.30 Mk., Hühnereier 1 St. 89 Psg., 2 Stck. 0000 Pfg., Gänseeier 0000 Psg., Enteneier 0 Psg., Käse vr. Sick. 68 Pf.,' Käseinatte 2 Stck. 56 Psg. Erbsen p.Psund 22Pfg., Linsenp. Pfund 32Pfg., Taubenpr.Paar0,8Öl,00Mk., Hühnerpr.St 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stüä 1,802,20 Mk., Gänse vr. Psd. 0000 Pfg., Ochsenfleisch pr. Psb. 8086 Psg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfuno 8082 Psg., Schweine- fleisch pr. Pfund 8094 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 8084 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 6080 Psg. Welsche per Pfund. Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,008,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,008,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepfel per Pfund 15 bis 20 Psg., in Körben 00 Psd., Nüsse 100 Stück 0000 Psg., Birnen per Psd. Mk. 0.000.00, Kirschen per Psd. 0000 Pfg., Weißkraut per Stück 1530 Pfg., per Zentner Mk. 0.000.00. Marktzeit 71 Uhr.

GBleichenbach, 3. Sept. Der heutige Schweine­markt war mit Ferkeln und Einlegschweinen mittelstark befahren, etwa 180 Stück waren ausgetrieben. Die schwächere Zufuhr hatte ihren Grund in dem schönen Grummetwelter, welches die Käufer und Verkäufer auf die Wiesen führte. Die Preise für 10 Wochen alte Ferkel waren gegen frühere Märkte etwas geringere; 45 bis 48 Mk. waren gängige Preise für schöne Ware, mit 100 bis 115 Mk. wurde _ das Paar Einlegschweine bezahlt. In kurzer Zeit waren die Bestände, zum Teil von Händlern, aufgekauft.

Eingesandt.

(Für den Inhalt der unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Nachdem endlich die lange ersehnten Ruhebänke mit der Aufschrift,,Nur für Erwachsene" in den Anlagen aufgestellt wor­den sind und ältere Leute hoffen durften, dann und wann ein Stündchen in freier Luft sitzend zubringen zu können, scheu diese sich bitter in ihren Erwartungen getäuscht.

Ich ging gestern gegen 5 Ulhr auf die Suche nach irgend einem schattigen Plätzchen auf der Anlage: aber was fand ich? Vom Walltor an, die ganze Ost- und Südanlage entlang, war jede neue, mit oben erwähnter Aufschrift versehene Bank be­setzt mit großen Leuten und Kindern, die teils besetzte Kinder­wagen geschoben hatten, teils schon laufende Kinder unter ihrer Aufsicht spielen, ließen.

Besagte Erwachsene scheinen die Aufschrift auf den Bänken falsch zu verstehen; sie selbst nehmen die Bänke ein, stellen die Kinderwagen vor sich und lassen mehrjährige Kinder rund um im Sande spielen. Ich fand aber auch ganze Bänke voll Kinder zwischen 814 Jahren, die sich nicht regten, mir Platz zu macken, als ich suchend umher ging. Beide Kinderspielplätze auf der Ost­und Südanlage waren dagegen nur schwach besetzt.

Ich, und mit mir gewiß noch viele Bewohner unserer Stadt, bitte die Polizei, , doch gütigst ihr Augenmerk darauf richten zu wollen, und diese Bänke für Erwachsene ohne Kinder frei zu halten. Auch Eltern mit nur einem Kinde sollten ge­zwungen sein, sich auf dem Kinderspielplatz aufzuhalten. Man braucht noch lange nicht kinderfeindlich gesinnt zu sein, um das Spiel der Kinder störend zu empfinden, wenn man hinausgeht, um ein wenig Erholung zu schöpfen.

Was ich schon in vielen großen Städten str e n g st e n s vom Publikum habe beobachten sehen, muß auch hier erreicht werden. Der Dank der älteren Leute, die sich schon lange auf diese Sitz­gelegenheit freuten, wird gewiß nicht ausbleiben.

Gießen, 4. Sept. 1906.Ein müder AIter.

Die Marktpreise snr Bieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 3. September 1906.

Höchste Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M.

Fleischpreise in Gießen

Ochsen

Kälber Schweine

50 Kg. Schlachtgewicht 8587 Mk.

7, Kg.Schlachtgew.98 102 Pf.

V2 79-00

7, Kg. 80-86 Pfg.

7, 8084

V, 86-90

Getreidepreise in Mannheim

Brotpreise in Gießen

Weizen 100 Kg. 18.75-00.00 Alk.

Roggen (neuer) 100 Kg. 16.2500.00 Mk.

Weißbrot 2 Kg. 54 Psg. Schwarzbrot 2 Kg. 50 Pfg,

$pvlplaK drr verrirngten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Dienstag den 4. September*):Der Freischütz." Mittwoch den 5. September, abends 6 Uhr:Der Ring des Nibelungen." 2. Tag.Siegfried." Donnerstag den 6. September:Manon." Freitag den 7. September: Festvorstellnng.Samson und Dalila." Samstag den 8. September:Fra Diavolo." Sonntag den 9. Sept.:Carmen." Montag den 10. September, abends 6 Uhr: Der Ring des Nibelungen." 3. Tag.Götterdämmerung."

Schauspielhaus.

Dienstag den 4. September*):Der Kaufmann von Venedig." Mitttvoch den 5. September:Kabale und Liebe." Donnerstag den 6. September, abends halb 7 Uhr:Faust." 1. Teil. Freitag den 7. September:Der Weg zur Hölle." Samstag den 8. Sept.: Mamsell Nitouche." Sonntag beit 9. September, nachmittags halb 4 Uhr:Der Helfer." Abends 7 Uhr:Mamsell Nitouche."

') Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Meteorologische Beobachtungen

_________der Station Gießen.

September 1906

Barometer auf 0° reduziert

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der Luft

Absolute

1 Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

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25,0

14,7

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Bed. Himmel

3. 9"

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