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4.9.1906 Zweites Blatt
 
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Rr. 207

General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe«

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiebener Zamilienblätter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck unb Verlag der Bru hl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

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Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.

Zweites Blatt L 56. Jahrgang Dienstag 4. September 1806

Gietzener Anzeiger

Prolog zu Mannheim.

In einer der letzten Nummern des sozialdemokratischen gentralorganS sind die Anträge zunl sozialdemo­kratischen Parteitag in Mannheim veröffentlicht worden. Sie sind sehr reichhaltig, drehen sich aber meist um die drei Hauptpunkte: Bericht des Parteivorstandes, Presie und Massen­streik. Der angehäufte Zündstoff zeigt sich bereits in den Anträgen und namentlich in Bezug auf die Massen streik- frage wird der Parteitag eine harte Nuß zu knacken haben, um so nlehr, als gerade in letzter Stunde durch eine Indis­kretion seitens eines sozialdemokratischen Mitgliedes ein anar­chistisches Blatt in der Lage ist, ein gewerkschaftliches Geheim­protokoll zu veröffentlichen, aus dem hervorgeht, daß die Mehrzahl der sozialdemokratischen Gewerkschaften in der Theorie für den Maffenstreik, in der Praxis aber durchaus dagegen ist. -*>

Die Frage dieses Kampfmittels, das die Extremen so gerne als den einzig richtigen Weg zum großen Kladdera- datsch und zum Zukunftsstaat anpreisen, wird wohl zienllich leidenschaftliche Erörterungen in Mannheim Hervorrufen, man hat sich auf eine Neuauflage des Dresdener Jungbrunnens gefaßt zu machen, denn die Streiter sindgeladen", wie man zu sagen pflegt, und die Meinungen werden hart genug auf­einanderplatzen. In den Anträgen zum Parteitag spricht sich freilich die Mehrheit der Antragsteller für den Generalstreik aus, aber das hat unter den gegebenen Umständen nichts oder doch nicht viel zu bedeuten. In jenem gewerkschaft- ichen Geheimprotokoll steht zu lesen, wie die Gewerkschaften selber über die Sache denken. Genoffe Silberschmidt sprach die allgemein gebilligte Ansicht aus, daß, wenn einmal ein Objekt vorhanden sei, das die aufzuwendenden Opfer lohne, der Frage der Machtprobe nähergetreten werden muffe. Schon um den ewigen Aussperrungen seitens der Unternehmer mit Erfolg entgegentreten zu können. Nun wurde aber die Frage aufgeworfen, wer eventuell mit dieser Machtprobe zu beginnen hatte, und darüber stürzte das ganze Massenftreik-Karten- haus ein.

Der Vertreter der Textilarbeiter, Genoffe Schmid, erklärte einfach, mit den Textilarbeitern könne ein solcher Kampf nicht ausgefochten werden. Man ging zu den Metallarbeitern, die doch einen sehr großen Teil der organisierten Arbeiterschaft tmsmachen. Aber deren Vertreter Schern: bemerkte kurz und bündig, die Metallarbeiter müßten es ablehnen, als Versuchs- faninchen für die übrigen Gewerkschaften zu gelten. Und schließlich kam man so weit, daß von der Inszenierung eines Massenstreiks allgemein abgeraten wurde. Mit Recht, wie uns dünkt, denn unter den heutigen Umständen wäre ein Maffenstreik das grüßte Unglück, das die Arbeiterschaft über­haupt treffen könnte. Sie sind bei aller straffen Organisation nicht in der Lage, die Unternehmer aushungern zu können, sondern würden einfach selber ausgehungert werden. Welch ungeheueres Elend durch eine solche Machtprobe über die deutsche Arbeiterwelt heraufbeschwören werden müßte, liegt auf der Hand. Von dem Schaden, den die Industrie erlitte, wollen wir gar nicht erst reden.

Die Gewerkschaften sind also in geheimer Beratung zu ungefähr dem gleichen Resultat gekommen, wie Bebel ur­sprünglich, daß der Maffenstreik nicht zu propagieren sei. Als Bebel aber diesen Satz aussprach, da hatte er die Gewerk­schaften zu Gegnern und der bekannte Kampf zwischen dem Parteiführer und seinem gewerkschaftlichen Gefolge war um des Kaisers Bart, da ja auch dieses Gefolge nach reiflicher Ueberlegung zu der Ueberzeugung kam, in der sich Bebel merkwürdigerweise wankend machen ließ. Es wird nun Sache des Parteitages sein, die Ansichten über den Maffenstreik zu klären, und da wird es nicht ohne Blitz und Donner ab­gehen, schon damit der Schein nach außen hin gewahrt bleibt. Damit könnte man eventuell gleich den Bericht des Partei­vorstandes verbinden, der sich wohl auch um die Massen­streikfrage wesentlich drehen wird.

Ein gesondertes Kapitel ist der Frage der sozialdemo- kratischen Presse eingeräumt und man darf wohl erwarten, daß der ganze Vorwärtsskandal noch einmal brühwarm vor das Forum der Genossen gebracht wird. Denn bte hinaus­geflogenen Sechs haben sich wohl einst geduckt, werden aber jetzt einige Genugtuung haben wollen und der Parteitag wird sie nachträglich, da cs nichts kostet, wohl gewähren. Ueber den Ton, den sozialdemokratische Blätter gegeneinander anschlagen, soll auch debattiert werden vielleicht erhält Herr Franz Mehring da§ Referat hierüber. Das kann ganz besonders interessant werden, wenn Paul L, der sicher wieder am Präsidium sitzen wird, den Sauherdenton, den Mehring kultiviert, auch in der Debatte einreißen läßt vermutlich ergibt sich eine nennenswerte Bereicherung des deutschen Schimpfwörterlexikons.

Der Mannheimer Parteitag muß schon sehr klärend in Sen Reihen der Sozialdemokratie wirken, sonst geht e§ berg­ab. Das verkennen auch die einsichtsvollen Genossen selber nicht, die seit langem ihre warnenden Stimmen hören lassen. Die Partei ist heute in sich selber uneins, denn sie marschiert heute ohne ersichtliches Ziel. Der Glaube an den Zukunsts­staat ist erschüttert, man wagt diesen ZicklmstSstaat ja nicht einmal mehr als AgllationSmaterial zu verwenden, rmd außerdem fragen sich viele Genossen, ob man, dieses idealeren Zieles bar, nicht am besten getan hätte, sich den Wegen der Revisionisten anznschlleßen, die Erreichbares verlangen und positive Politik treiben wollten. Der Revisionismus ist nicht tot, er hält sich nur vor dem Donnerkeil der Unentwegten verborgen. Vielleicht feiert er gerade in Mannheim eine fröhlicheUrständ" der Sozialdemokratie und dem deutschen Parteileben überhaupt könnte das durchaus nicht zu Schaden Bereichen,

politische Tagesschau.

Nene Steuervoriagen.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Tw Sitzungen des Bundesrats werden erst Ende Sep- tember oder anfangs Oktober wieder beginnen. Aüßer den sozmlpolitischen Gesetzen über die Rechtsfähigkeit der Berufs- Vereine und die Sicherung der Bauhandwcrkerforderung wur­den von Vorlagen, denen der Bundesrat die letzte Form zu geben habe, noch die Novelle zum Börsengesetz genannt. Merkwürdigerweise sind bei dieser Aufzählung in der Presse dre neuen Steuergesetze ganz vergessen worden. Man soll nicht meinen, daß nach Annahme der Steuervorlagen im Ma: d. I. das Reich nun im Golde schwimme. Tas ist kemesweas der Fall und das Gegenteil macht sich bei der Etatsaufstellung sehr fühlbar. Wie erinnerlich, hatte das Reichsschatzamt den Fehlbetrag der komnrenden Jahre im Be- harrnngözustand aus 230 bis 250 Millionen IRark berechnet. Tie Steuerkomuiission hatte auf Grund sorgfältiger Erwäg­ungen und Berechnungen zugeben müssen, daß mindestens 200 Millionen Mark beschafft werden mufften. Nun haben aber Kommission und Plenum durch ihre Vorschläge und Be­schlüsse nur einen Betrag von etwa 180 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Es wird also daran gedacht werden, auch die vom Reichstag in der Form von Resolutionen ge­wünschten Steuern, vielleicht die Wehrsteuer oder auch die Mühlenumsatzsteuer ihrer Verwirklichung näher zu führen. Zugesagt ist bereits die «Abänderung der M a i sch- raumsteuer, deren nachteilige Folgen für den Reichs^ fiskus durch das 'Ansteigen des technischen Konsums an Spiritus immer fühlbarer werden. Auch über diese finanz­politischen Pläne wirch sich der Bundesrat in Kürze schlüssig machen.

Die Parteien und die Landarbeiter.'

In den Kreisen der Lgrarkonservativen bemerkt man mit Verdruß, daß die anderen Parteien der Arbeiterfrage auf dem Lande erhöhtes Interesse zuwenden. So ist z. B. dieKreuzztg." in Harnisch gebracht durch den Vorschlag des Verbandsvorsitzenden der katholischen Arbeitervereine Süd­deutschlands, die letzterer: möchten bei der Organisation der Landarbeiter sich hilfreich betätigen. Tas dem Zentrum sonst so freundlich gesinnte Blatt rät den katholischen Ar­beitervereinen, die Sorge um die Organisation der Land­arbeiter getrost der Landwirtschaft selbst zu überlassen, denn die katholischen Stadtarbeiter hätten genug zu tun, um ihre eigenen Interessen zu Oertreten. Dieser Einwand kann natürlich nicht durchschlagend sein für eine Partei, die für Förderung jeglichen Arbeiterfchutzes eintritt. Das Zenttum verhehlt füij gewiß ebensowenig, wie irgend eine andere Partei, daß bei den eigenartigen Verhältnissen auf dem platten Lande die Sozialreform dort nicht in demselben Mäße fortschreiten kann, ttne in der Stadt. Mer das Zentrum ist sich wohl gleich anderen bürgerlichen Parteien der Pflicht bewußt, an seinem Teil mirzuwirken an der Besserung der Lage der Landarbetter, eben mr Interesse der Landwirtschaft, deren DLangel an heimischen Arbeitern erst schwinden wird, wenn die Leute der sozialen Ver- günsttgunaen teilhaftig werden, deren sich die industrielle Arbeiterschaft erfreut, und dazu gehört in erster Linie das volle ungeschmälerte Koalitionsrecht.

Ter abweisende Standpunkt ist nicht recht verständlich, grabe bei derKreuzztg.", einem Blatte, das bei jeder Ge­legenheit auf die sozialdemokratische Agitation warnend aufmerksam macht. Die Verhandlungen des Mannheimer Parteitags werden erkennen lassen, wie die äußerste Linke bemüht ist, unter den Landarbeitern Anhänger zu gewinnen. Sollten die bürgerlichen Parteien demgegenüber die Hände in den Schoß legen? Ist es nicht im Gegenteil richtiger, daß auch von bürgerlicher Seite den Landarbeitern soziale Fürsorge bekundet wird? Be- der heutigen VerkehrSent- wickelung und Zeitschriftenverbreitung ist es wohl ausge­schlossen, daß die Landarbeiter nicht Kunde erhielten von den politischen Begebenheiten. Der westpreußische. Agrarier Abg. v. Oldenburg erzählte zwar einmal im Reichstage, das landwirtschaftliche Gesinde motte, nicht viel wissen von den modern-sozialen Wohltaten; eine seiner alten Hofgänger- innen wäre erkrankt, aber nicht zu bewegen gewesen, ins Krankenhaus überzusiedeln oder eine Badekur zu gebrauchen. Solche Ausnahmen mögen vorkommen, aber die alte Gene­ration, der sie anzugehören pflegen, ist im Aussterben. Aüch die Regierung macht nicht Halt vor berarttgen Vor­urteilen, sie wird bie obligatorische Krankenversicherung binnen kurzem auf die Landarbeiter ausdehnen.

T.e Sozialreform schreitet unaufhaltsam auf das platte Land vor, ebenso unvermeidlich erweitert sich der politische Gesichtskreis der dortigen Arbeiter.

Ans Stabt und £anö*

Gießen, 4. Sept. 1906.

Eisenbahnlinie Gießen-Queckborn-Lau- b a ch. Stadtverordneter Kirch als Vertreter der Stadl Gießen, Bürgermeister Krämer-Steinbach als Vertreter der in Betracht kommenden Landgemeinden und KreiSarntmann Dr. Merck als Vertreter des Kreises Gießen hatten an: SarnStag bei dem Finanzminister Exz. Gnauth eine Audienz, um ihn für das Projekt einer direkten Eisenbahnverbindung Gießen -Queckborn- Laubach zu interessieren. Nach mehr­stündigen Auseinandersetzungen, bei denen besonders darauf hingewiesen wurde, daß zehn Ortschaften durch eine Verwirk­lichung des Projektes des so sehr nötigen Eisenbahnanschluffes teilhaftig werden würden, gab der Finanzminister den Herren zu verstehen, daß er persönlich dieser Eisenbahnverbindung sehr sympathisch gegenüberstehe. Der Unterredung wohnte der Dezernent für Eisenbahnwesen Ministerialrat Dr. Seiffart bei.

* Goldene Hochzeit. Ein seltenes und schönes Fest wurde am verflossenen Sonntag in unserer Stadt begangen. Landrichter i. P. Karl Bott und seine Ehefrau Sophie, geb. Fresenius, feierten in außerordentlicher körperlicher und geistiger Frische ihre goldene Hochzeit. S. K. H. der Groß­herzog ließ sein Bildnis mit eigenhändiger Unterschrift und

huldvollem Schreiben dem Jubelpaare übermitteln. Möchten den: ehrwürdigen Paare noch recht viele gesunde und frohe Tage beschieden sein.

* * Gießener Volksbad. Im August wurden 9520 Bäder verabreicht gegen 12867 im Juli 1906 und 10170 im August 1905 oder im Durchschnitt pro Tag 307 Bäder gegen 415 im Jul: 1906 und 328 im August 1905. Ter Besuch im einzelnen hat sich ivie folgt verteilt:

Schwimmbad: 3741 Männer, darunter 587 zu 10 Psg., 1582 Frauen, 484 10

Wannenbäder 1. Klasse 287 Männer, 103 Frauen, < 2. 668 603

Brausebäder 1. Klaffe 765 Männer, 126 Frauen, 2. ., 1235 279

Dampf- u. Heißluftbäder, sowie Massage zus. 111 Männer, 20 Frauen. Tie Personenivage wurde von 280 Personen benutzt und daS Bad von 2 Personen besichtigt.

* * Ein führun gS kurse in bie soziale Hilss- arbeit. Jrn Oktober beginnen in Frankfurt a. M. bie Cinführungskurse in bie soziale HitsSarbeit, die gebildeten jungen Mäbchen unb Frauen Einblick in bie einzelnen Ge­biete der sozialen Arbeit gewähren und bie Gelegenheit bieten, bie in Frankfurt so reichlich bestehenben gemein­nützigen Einrichtungen unb Bestrebungen tcnneii zu lernen unb sich bie für eine Mitarbeit nötigen Kenntnisse anzu­eignen. Neben her praktischen Unterweisung in Säuglings­pflege, Hilfe im Kindergarten, Besichtigungen gemeinnütziger Anstalten, Armenbesuchen unb Mitarbeit bei einzelnen Ver­einen, sinb theoretische Unterrichtskurfe in (Äesundheits- lehre, Bürgerkunbe, Fröbelscher Beschäftigung und ein Vor- tragszyllus eingerichtet. Letzterer behanbelt bas Thema Armenpflege unv Sozialpolitik. Tie einzelnen Fächer sinb auch allein zu besuchen, ebenso toirb' bei ber praktischen An­weisung auf besondere Neigung unb verfügbare Zeit Rück­sicht genommen. Eine berartige Ausbildung ist für junge Mäbchen eine gute Grundlage für ben späteren Beruf der Hausfrau unb Mutter unb ermöglicht zugleich durch vollste -Ausnutzung weiblicher Beanlagung eine befriedigende Tätig­keit im Interesse des Gemeinwohls. Nähere Auskunft und Anmeldungen Börsenstt. 20, I. Stadibund. Montags und Mittwochs von 10 bis 12 Uhr.

** Friedberg, 3. Sept. Die 18 5 6 au§ dem Lehrer­seminar zu Friedberg entlassenen Abiturienten treffen sich <im 15. September zu Friedberg im Hotel Trapp zur gemeinsamen Feier dieses Jubiläumstages.

X Gonterskirchen, 2. Sept. Für die hiesige ein­klassige Volksschule war die gesetzlich bestimmte Zahl der Schüler (80100) schon mehrere Jahre überschritten; gegen­wärtig beträgt die von einem Lehrer unterrichtete Schüler­zahl 116. Die auf den 1. Oktober beabsichtigte Errichtung einer zweiten Schulstelle wird ermöglicht durch die Er­bauung eines zweiten Schulhauseö in unmittelbarer Nähe des alten, da§ im oberen Stockwerk eine geräumige Lehrerwohnung, im unteren einen großen Schulsaal enthält. Zur heutigen Einweihung hatte sich unser Dörfchen fest­lich geschmückt. Um 2 Uhr bewegte sich ein stattlicher Fest­zug durch die Straßen des Dorfes. Vor dem alten Schul- hauS hielt Lehrer Blank, der schon 21 Jahre die Lehrer­stelle hier versieht, eine Ansprache, an die sich ein unter seiner Leitung van den Schülern gesungener ChoralBestehl du deine Wege" anschloß. Die Festrede hielt sodann der OrtSpfarrer Hohgräve, der das WortKommet, denn es ist alles bereit" zu Grund legte; Redner gedachte auch deS heutigen SedanStageS, von dem man sagen könne, daß wie einst am Tage von Königgrätz die preußische Schule, an ihn: die deutsche Schule und ihre Einwirkung auf den Deutschen nicht unwesentlich zum Siege der Truppen beigetragen habe. Hierauf überreichte Kreisstraßenmeister Sommerkorn-Lau­bach den Schlüssel zu dem neuen Schulbau an Bürgermeister Lind, der ihn mit dem SinnspruchDie Lehre bleibe fromm, treu und recht" empfang und an den Vorsitzenden der Kreis- schulkommission, Geh. Regierungs-Rat Schönfeld, übergab. Letzterer richtete an die Schuljugend Mahnworte und schloß mit dem Wunsche, daß allezeit echte, brave Bürger aus der Schule hervorgehen möchten. Darauf fand eine eingehende Besichtigung des SchulhauSneubaus durch die Festgästc, unter denen wir u. a. noch den Kreisschulinspektor Feuerbach- Schotten wahrnahmen, statt. Der Neubau steht an der Orts­straße nach Laubach zu, auf einer freigelegten Stelle, neben der alten Schule; er ist nach den Plänen des BauratS Diehm- Gießen unter Leitung des Kreisstraßenmeisters SoinmerEorn ausgeführt mit einem Kostenaufwand von ca. 30 000 Mk. Diesen Betrag bringt unsere Gemeinde, welche durch die nahe chemische Fabrik FriedrichShütte in letzter Zeit bedeutend an Wohlstand gestiegen ist, allein auf. Auf einer Marmorplattc an dem in modernem Styl, welcher sich an die Bauart der Wohnhäuser deS Orts geeignet anschließt, gehaltenen Neubau sind der derzeitige Bürgermeister, Beigeordnete u. s. w. ver­zeichnet. Im unteren Stock birgt daS HauS einen mit neuen Substllien auSgestatteten geräumigen Schulsaal, während der zweite Stock, zu dem em besonderer Aufstieg führt, die Lehrer­wohnung enthält. Mit der Einweihung deS Schulbaus ver­bindet die Gemeinde das Kirchweihfest. Namentlich hatten sich auch aus den benachbatten Orten Gäste in großer Zahl eingefunden.

h. Frankfurt a. M'., 2. Sept. Ter Verband ber Brauereien von Frankfurt uni> Umgegend Ijat gestern nachmittag in einer Sitzung folgenden Beschluß einstimmig gefaßt: Der Verband beschließt, daß die Brauereien trotz der Msatzverminderung vorerst ihre Bettiebe im Interesse ihrer Arbeiter tunlichst aufrecht erhalten. Die Frage der BetriebSeinsttllung und der Arbetterentlassung soll zu er­neuter Beschlußfassung für bie Tagesordnung einer auf den 6. September anberaumten Versammlung gesetzt lveröen.

t Kirchh ain, 1. Sept. Ter Maurer Ehr. Vaupel von Wohra stürzte dort von einem Dach und erlitt solch chwere Verletzungen, daß seine Uebersührung iu die Mar­burger Klinik nötig würbe.