Ausgabe 
29.12.1906 Zweites Blatt
 
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Samstag AN. Dezember 1906

Zweites Blatt

Nr. 305

Gießener Anzeiger

Erscheint tftglid} mt! Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Redaktion. Expedition »u Druckerei: Schulst?. 7.

Tel. Nr. 5L Telegr^Sldr. r Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Brüh lieh« UnwersuälSdruckerei. R. Lange, Dreßen.

DieStehener Kamtlienblötter- n>erden dem ^Anjreigei otermal wöchentlich dergelegt. Der ^hesstiche CanöwUr* erichemi monatlich einmal.

156. Jahrgang

Man schreibt uns aus

P. W,

erblickt.

Einzelne Szenen schienen gestern darauf

Mimisch freilich hat Herr K. noch viel zu lernen. Aber ernste Strebsamkeit, Tüchtiges zu erreichen, ist vorhanden und wird ihre Erfolge nicht verfehlen. Herr Bakof da­gegen hatte sich wieder einmal, wie das so bei ihm geht sein Bräsig und sein Sherlock Holmes sind ihm unver­gessen arg vergriffen. Er stellte keinen biderben Land­edelmann und alten Haudegen, sondern einen Schlag von Schweinedoktor dar, der in Viehtreibern Honoratioren

fein, die vom Zentrum verlangte Bindung nuf eine bestimmte Truppenzabl abzulehnen und für die Kriegführung freie L)andzu forbevn. Andererseits bestand die Kleinlichkeit der Zentrumspolitik eben in dem Mißtrauen, das sie der Reichsregierung für die Behandlung der Dinge in Südwestafrika und den kolonialen Fragen überhaupt eutgegenbrachle unb durch die Abstimmung am 13. Dezember beknndete.

Am 25. Dez. sind im Außenhafen von Lüderitzbucht bei einer Ueberfahrt nach der Guffiisbay infolge Kenternd eines Segelbootes ertrunken: die Unteroffiziere Felix Lemmen, Robert Schmidt und Fritz Goldmann sowie der Reiter Richard Glaubte.

Vom preußischen Parlament.

R. B e r l i n, 28. Dez.

Die bald nach Neujahr beginnenden Verhandlungen des preuß. Abgeordnetenhauses versprechien interessant zu werden. Zunächst die Etatsdebatte, in die die Reichstags-Wahlbewegung kräftig hinein* spielen dürfte. Dann liegen (wie wir gestern schon meldeten) pro­grammatische Anträge der Nationalliberalen vor, die eine Handhabe bieten zurPrüfung" des Fürsten Bülow in Bezug a.if ktrte durch den Bruch mit dem Zentrum bekundete Geneigt­heit, der Regierungspolitik einen liberalen (Ein* schlagzu geben. Der für diesen Zweck geeignetste Antrag betrifft die Forderung einer Wahlrechtsreform in Preußen. Grade weil er sich von dem zurzeit aussichtslosen Verlangen des ReichS- tagswchlrechts für die preußische zweite Kammer fernhält, darum sollte der Ministerpräsident Fürst Bülow zu Konzessionen an den Liberalismus bereit sein, nötigenfalls selbst gegen den Willen der Konservativen, der Freunde des Zentrums in Preußen. Fürst Vülow wird es in der Hand haben, durch Zusicherung einer volkstümlicheren Politik in Preußen die Wahlbewegung in einem großen Teile des Reiche« zugunsten der Regierung zu beeinflussen.

Fassen wir das Gesagte noch einmal kurz zusammen: keine Partei hat das Recht, den Kaiser alS zu ihr allein zu- gehörig zu bezeichnen, keine hat Anlaß, ihn als,ihren prin­zipiellen Gegner anzusehen. Jeder Partei, die sich an posi­tiver nationaler Arbeit beteiligen will, streckt der Kaiser die Hand gleich weit entgegen. Und damit fällt jeder Sck)ein einer Berechtigung, die Person des Kaisers in den Wahl­kampf hineinzuziehen. X-

Heer und Flotte.

Im Juli dieses Jahres wurden lämttiche Truppenteile rnch Bezirkskommandos zum Bericht darüber aufgefordert, ob die W a h l zum Reserve-Offizier den VezirkSkommandoS abzunehmeq und den aktiven OsfizierkorpS zu übertragen sei. Wie uns heut« geschrieben wird, hat aus Grund dieser Berichte jetzt daS Krieg«* Ministerium davon Abstand genommen, daS Wahlverfah­ren zu ändern. Die Bezirkskommandos und die OsfizierkorpS des Beurlaubtenstandes haben also nach wie vor darüber zu be­schließen, ob ein Offizier-Aspirant der Reserve oder Landwehr zum Reserve- oder Landwehr-Offizier in Vorschlag gebracht wer­den soll. Den Grund zu der Einforderung jener Berichte bildeten, Vorkommnisse bei einigen Bezirkskommandos, die von Aspiranten, welche während ihrer Universitätszeit studentischen Verbindungen angehörten, eine Stellungnahme zur Duell­frage verlangt hatten. Das Kriegsministerium hat aus dis Unzulässigkeit einer solchen Frage hingewiesen, hält sie außerdem auch für ganz überflüssig, da Studierende doch nicht zu Reserve­offizieren in Vorschlag gebracht werden dürfen, weil sie im all­gemeinen keine gesicherte bürgerliche Lebensstellung besitzen. Haben sie diese Stellung aber erlangt, so sei es, wie jetzt bestimmt worden ist, ganz gleichgültig, ob sie während ihrer Stu­dienjahre einer schlagenden ober nichtschlagen- ben Verbindung angehört hätten. Da die Reserve­offiziere den Bestimmungen der ehrengerichtlichen Verordnungen unterworfen sind, die der Offizier-Aspirant vor seiner Wahl kennen muß, so erscheint eine solche Frage auch überflüssig, weil der Aspi­rant, will er nicht mit diesen Bestimmungen in Konflikt kommen, die Konsequenzen aus ihnen ziehen muß. Es ist ein schönes Zeichen des Vertrauens, das der Kriegsminister in das richtige Gefühl für Kameradschaft der Offiziere des Beurlaubtenstandes setzt, daß er I trotz entgegengesetzter politischer Strömungen ihnen nicht das Vor-

Der Kaiser unb Die politischen Parteien.

Berlin von beachtenswerter

R. B. Darmstadt, 27. Dez. Das neueZugstück" von Kad^lburg und SkowronnekH u sa r en f i e b cr" erlebte heute abend am hiesigen Hoftheater feine Erstausführung. Die Ver­fasser haben die seinerzeit vielbesprochene Krefelder Affäre von den Tanzhusaren zum Vorwurf ihres Stückes genommen, und mit gesundem Humor bühnenwirksam ausgestattet. Das Husarenregi­ment in Jackschekow an der russischen Grenze wird nach Kirchdorf abkommandiert. Sind die Husaren glücklich aus dem langweiligsten aller Nester herausgekommen, so ergreift die weiblichen Kirch­dorfer jung und alt ein wahres Husaren- fieber, wobei es natürlich nicht ohne Verlobungen mit den komischsten Szenen abgeht. Das Stück unter geschickter Regie d^s Herrn Hacker wurde auch hier sehr beifällig ausgenommen. Der Autor, Herr Kadelbnrg, war bei der Ausführung zu­gegen und wurde mit Hervorrufen ausgezeichnet. Das Groß­herzogspaar wohnte der Ausführung bei und applaudierte lebhaft.

Aus Berlin wird uns geschrieben: Unser neuestes Theater, oder vielmehr Theaterchen, heißt Figarotheater. Es trägt diesen Namen, weil es etwas ganz besonderes sein will, eine Art Pariser Pslanze, die man auf deutschen Boden versetzt hat. Immerhin kann man annclymen, daß sie hier recht gut gedeiht, denn da draußen am Kurfürstendamm, wo der neue Musentempel sein Heim im Sezessionsgebäude aufgeschlagen hat, wohnt hierfür das geeignete Publikum, modern, Unterhaltung«-- bedürftig und vor allem äußerst zahlungskräftig. Der Zuschauer raum ist im ausgefallensten sezessi?nisi ischen Stile dekoriert und es wird hier an kleinen, elegant gedeckten Tischen gesessen: man kann teure Weine trinken, recht gut speisen und sich dabei an theatralischen Genüssen delektieren. Natürlich pflegt man auf der Bühne vorzugsweise das pikante französische Lustspiel, und es kommen darin oft Witze vor, daß ein Husarenwatmeister darüber rot werden möchte. Allein das Publikum von Semn WW. goutiert nun einmal -dergleichen Dinge, na, und bie höheren Töchter wird man ja woht ins Figarothetter nickst mitnehmen. Die gehen ins Schauspielhaus, ins sogenannte Komtessen, tratet, wo sie augenblidlia) Matlowsky als Wallenstein anschwärmen können. Im übrigen geht es jetzt in unseren Theatern ziemlich ruhig her.

politische Tagerschan.

Die Wahlen und die Studentenschaft.

Im Auftrage des AuSschtisieS der Kieler Studenten­schaft versendet die dortige Burschenschaft Teutonia einen Aufruf, in dem es u. a. beißt:

.Wir deutschen Studenten betrachten es nicht als unsere Auf­gabe, in rnrteipolitilcbe Kämpfe e i n j n a r e i f c n. Wir ,üblen uns zu unerfahren und ungeschult hierzu Aber der Kampf, der in den nächsten Wablen unser Vaterland dnrchtoben wird, trägt einen vorwiegend nationalen Cbarakter. Da müssen alle nationalen Sliä'te und mit ihnen die deutsche Studentenschaft zusammensiehen. Für die deutsche Idee des kommenden Kampfes einzutreten, kann uns niemand verwehren. Hierzu stud gerade wir, bie wir bem Haber ber Parteien, in bem zu leicht über Fraktionsbestrebungen bas Vaterlänbische vergessen wirb, noch >ern stehen, tn erster Linie berufen. Dreierlei müßt Ihr tun, beutsche Stubenten! Ihr geht jetzt in Eure Ferien; bort werbe ein jeber in seinem Kreise, so gut er kann, für bie beutsche Lache. Ans ben Ferien znruckgekehrt, kommt zusammen auf allen beutfchen Hochfchnlen unb Akademien und laßt von Euren Versammlungen ben Ruf in bie beutfchen Lanbe bringen: Deutsche Vlanner, vergeßt über allein Haber bie nationale Seite des Kampfes nicht. Aber hiermit, beutsche Stubentenschaft, kann Deine Aus­gabe nicht erfüllt sein. Stellt Euch in ben Dienst ber nationalen Parteien am Wahltage unb vorher bei aller Kleinarbeit, bie man Euch zuweilen wird unb die besser unb wirkungsvoller geleistet roirb von Euch al« von be­zahlten Kräften, bie nur mit halbem Herzen bei ber Arbeit sind. Deutsche Stubenten, zivar roirb es unter Euch viele lässige unb gleichgültige geben, bie oll ba» Geschehene nicht au« ihrer Trägheit herausgebracht hat. Diese müssen aufgerüttelt roerben. Von allen nationalen Verbäuben auf beutfchen Hochschulen unb Akabemien erwarten wir, baß sie sich mit ollen Kräften ber großen Sache roibmen roerben. Wenn so alle Kräfte sich regen, kann ba« große Werk nicht Icheitem. Dieser Au'aode Dich anzunehmen, ist, beutsche Slubentenschast, Deine heilige Pflicht 1*

Zur Unterwerfung der BsndelswarU.

Die ,Rorbd. Allg. Ztq.^ schreibt:

Rach alter Geroohnheit bemttzen einige liberale Blätter die erfreuliche Nachricht von ber Unterwerfung ber BonbelswartS al« Anlaß, ber Reichsregierung in ben Rücken zu fallen. In einer bieser Preßänßerungen (un Berl. Tagedl. D. Red.) roirb bie Recht- Fertigung bcS Zentrums wegen feiner Haltung am 18. Dezember unternommen, wie sie kein ZentrurnSrnann besser zustanbe gebracht hätte. Die Tatsache, baß sämtliche liberale Abgeorbnete in ben entscheibenben Abstimmungen fest zur Regierung stauben, roirb mit ber Ausrebe zu beseitigen versucht, baß sie von ber Regierung über bie Sachlage in Südroestasrika im unklaren gehalten roorben seien. Zn Wirklichkeit hat die Negierung die Sitnation auf dem Kriegs­schauplatz nicht verschleiert; sie hat die Möglichkeit eines schnellen Endes des Aufstandes durchaus in Berechniing gezogen und ronr daher auch durch die letzten günstigen Nachrichten keinesroegs über- rafcht. DieNordd. Allg. Ztg/ zitiert dann die Ansführungen des Oberstleutnants Kuhl in der Kommission am 7. Dezember und fährt fort: Ebenso erklärte der Kommandetir der Schutztruvpen, Oberst- lentnant Qnade, tags zuvor: Tatsächlich liegen aber die Verhältnisse auch so, daß die baldige Riederroerfung des Aufstandes zu erhoffen ist und ich kann nur noch hinzufügen, daß nach ben mir zugegan- qeuen Nachrichten Oberst Deimling an bieser Hoffnung ganz besonbers sesthält. Gerabe biese Möglichkeit beS balbigen Abschlusses ber kriegerischen Operationen mußte ein Grunb mehr für bie Regierung

unser an <___

lassen. DaS große unb wichtige Fach,, für das er hier ver­pflichtet worben ist, füllt er nicht aus, und das Rollengebiet, .....-7- ----- - . _ ,

auf bem er sich bewähren könnte, bas des korrekten Pedanten, weifen, ob es ihm an feuriger Leidenschaft überhaupt ge- ist so beschränkt, daß ein Theater vom Range deS unseren un- bricht oder nicht. Einzelne Szenen schönen gestern daran möglich eine besondere Kraft dafür halten kann. Es ist dankens- binzudeuten, daß eS ihm nicht daran fehlt, so daß also wohl wert, daß für den Gast, der in der nächsten Spielzeit daS nur seine Auffassung von der gestrigen Rolle ihn zu ihrer Fach der ersten Helden auSfullen soll, gerade eine Rolle Unterdrückung nötigte. Seine äußeren Mittel laßen nichts ausgesucht wurde, die dem Gießener Publikum vom Februar zu wünschen übrig, fern Organ ist etwas hart und spröde, 1905 her durch Bauer au§ Frankfurt bekannt ist und die aber starke Intelligenz und künstlerisches Feingefühl, woran diesen hervorragenden Darsteller im vollen Glanze seiner es ihm nicht zu fehlen scheint, sind mehr wert als der sinn- Kunst teiqle. Sieben Bauer also halte sich der neue Herr liche Zander einer wohllautenden Stimme. Seme Bewequnqen

-u behauptenI Ein schwerer, sehr schwerer Stand, in einer haben ein kleine? Elmas an Theatralischem, das ledoch nicht

toroienqen und verzwickten Rolle. Herrn EichgrÜn war sonderlich störend wirkt. Weniger gefiel eS mir dafi er an

es von unserm Siadttheaterdireklor demnach möglichst manchen bedeutsamen Stellen weniger zu sich als zum schwer gemacht, für sich einzunehmen. Doch er kann Publikum sprach. Alles m allem aber: die respektable Leistung

mit seinem ersten Probestück zusrieden fein. Und wir eine? respektablen Künstlers, von dem w,r viel Gnies erhofien

auch. Er besitzt ein gut Teil szenischer Kultur und Routine, dürfen. Frl. Donecker ho als die Dreyerfche Buhneu- um den komplizierten Charakter des Künstler . Majors fignc des °o» Nietzsche philosophisch gezeichneten Ueberweibchens v Schleitow verständnisvoll unb nach der Absicht deS Dichters Frl. Sangora von, Frankfurter Schauspielhaiis gruiidttch in annehmbar zu erklären. Vornehmlich des Majors körper, den SSiatten gestellt. Diese Dame zeigte uns vor 22 Monaten licheS Leiden und die damit verdimdene schwere Seelen, eigentlich nicht? weiter als em ziemlich indifferentes Bock, bevreffion stellte Herr Eichgrün in den Vordergrund seiner stschchen von sonniger Heiterkeit. Frl. Tonecker dagegen war Charakteristik. Und er gab ihm auch etwas von militärischem >vcit elementarer. Sie gab dieser unbewußten Teufelm eine Air, wie er sich auch nicht ohne Erfolg um dieSiegfrieds, sehr prononcierle PMönttche Rote, etwas völlig mitreißende, natur- bemühte, die dem haltlosen Herrn mit dem großen Naw-Temperamentoolles, ^rifch-Unmsttetbarcs und vor allem Herzen nachgerühmt wird. Dreyer verlangt ja von dem einen ganz entziickenden naiv überlegenen Humor im Verkehr Tarsteller dieser vielfach zersplitterten Rolle so viele? schwer Mit dem guten, ehrlichen, dummen Frieder, dem ärmsten, mit einander Vereinbare, daß ihr auch Bauer nicht ohne Diese Szenen IM zwecken Akte gehörten gelade durch weitere? gerecht werden konnte. Bauer gab bem Major viel ihre Darstellung zu den ersreulichsten und kuncklenlch voll, von der ihm eigenen inneren Fröhlichkeit. Nicht ,° Herr endeitten de? ganzen sehr wohl gelungenen Abends Mck Eicharün Ec zeigte den Major als im Grunde verditlerl Anerkennung genannt seien noch Fr. 0. Jage man», uns verbissen, verlebt, von einem halb blasierten taedram die für die prächtige Frau Annemarie durchaus den rechten vilae befallen, wenn auch noch elastisch, so doch nicht mehr Ton traf, nur etwas, zu hastig, zu fahrig m ihren Be- fonöerlich temperamentvoll, innerlich nicht mehr sonderlich wegunge» war, »nd Herr Kober, der den guten Frieder, jugendlich. So waren denn die Liebesszenen allesamt von diesenreinen! Toren , überzeugend- wahr m vollkommeiier ihm in einen Tou leichten Abscheus vor sich selber, in den Jungenhaftigkeit ohne leglichen falschen Ton durchsiihrte.

----------- - beg übersättigten Liebes- unb Lebensverächters getaucht.

Kleine* Fenilleton. Bauer zeigte ihn unS anberS, aber auch bie Auffassung Herrn

-Die Siebzehnjährigen- von Max Dreyer. EtchgrünS läßt sich verteidigen ja mehr läßt sich recht- Herr Kost, der für das Fach der ersten Helden für diese fertigen, wenn man so auch den Eindruck erhielt, daß diesen Spielzeit am Gießener Stadttheater engagiert ist, hat sich in Mann, da ihn turbulente Smnengier nicht mehr sortreißt, Zahl beschränktes Ensemble nicht recht einfügen eigentlich kein anderer Grund zum verhängnisvollen Schritt -.....- * pom Wege treibt, als einzig die Macht der Gewohnheit.

Als Karl Moor wird am Sonntag Herr Eichgrün be­

reite :

Jetzt, da die Feiertage vorüber sind, wird der Wahl­kampf mit Leidenschaft und Erbitterung einsetzen, und die Agitation auf allen Seiten jedes zulässige Mittel für ihre Zwecke zu benutzen trachten. Man muß darauf gefaßt sein, daß die Agitation selbst vor der Person des Kaisers nicht Haltmachen wird. Wie die Konservativen schon ihrer Wählern mässe die Parole ausgegeben haben:Für Kaiser und Reich!" so erschallt aus dem soz. Lager der Ruf:Gegen das absolute Regiment!" ,

Es erscheint an der Zeit, einmal ruhig und objektiv zu untersuchen, in welchem Verhältnisse Kaiser Wilhelm II. zu den einzelnen politischen Parteien steht.

Da muß nun zunächst gesagt werden, daß der Kaiser von keiner Partei für sich in Anspruch genommen werden kann. Freilich wird es niemand dem Kaiser verargen dürfen, daß er sich, wie arte Nationalgesinnten, nicht mit der Wahl sozialdem. Volksvertreter befreunden kann, solange die Sozialdemokratie sich nicht auf nationaler, sondern auf nternationaler Grundlage hält und den Umsturz der be­lebenden Gekertschastsordnung predigt. Eine noch so ra- ) i f a le, aber den Va t e r 1 a n d s g e d a n k e n nicht verleugnende deutsche Arbeiterpartei würde sicherlich die Sympathien deS Kaisers haben. Der Kaiser denkt nicht im entferntesten daran, in jedem deut­schen Arbeiter, der sozialdemokratisch wählt, einenvater- landSlosen Geserten" zu sehen, im Gegenteil, er ist, wie viele andere Politiker, der Ueberzeugnna, daß der deutsck>e sozialdemokratische Arbeiter im entscheidenden Augenblicke viel eher die Utopieen seiner Führer aufgeben, als daß er das Vaterland, und damit Frau und Kind im Stiche lassen wird.

DaS Zentrum erfreute sich deS Wohlwollens des Kaiser?, solange eS praktische nationale Arbeit verrichtete. AlS aber die nationale Gesinnung dieser Partei in einer der wichtigsten Fragen um kleinlicher Rechthaberei willen versagte, da hat der Kaiser keine Minute gezögert, dem Vorschläge deS Reichskanzlers zuzustimmen und vertrauens- vvrt an ba« deutsche Volk zu appeflieren. Die Bestrebungen einzelner Männer deS Zentrum«, hinter den Kulissen eine Art von Nebenregierung, mit der Spitze gegen die übrigen politischen Parteien, zu inszenieren, sind natürlich nicht ohne Einfluß auf diesen Entschluß gewesen.

Keine Partei steht dem Träger der preußischen Krone nach alter Tradition näher al« die k o n s e r v a t i ve. Doch hat die« den Kaiser nicht abgehalten, die Konservativen zu maßregeln, al« sie in der Kanalfrage gegen Forderungen stimmten, deren Erfüllung im wohlerwogenen nationalen Interesse gelegen hätte. Dabei weiß der Kaiser die Ge­sinnung der Konservativen, vom Landarbeiter bis hinauf zum Beamten, durchaus zu würdigen; er schätzt sie als das Rückgrat der Erhaltung deS Staates in der bestehenden ^^irtjelm H. hält ständige Fühlung mit den bedeutend­sten Männern liberaler Parteiangehörigkeit, mögen sie Gelehrte, Kaufleute oder Großindustrierte sein. Welcher andere Monarch zieht wie der Kaiser Bankiers, Kommerzien­räte, Reedereibcsitzer, Fabrikanten an seine Tafel und be­spricht mit ihnen eingchend und rückhaltlos wichtige Port- tische Tagesfragen? Wenn diese liberalen Männer, bie mitten im praktischen Leben stehen, die Autoritäten sind im Gebiete ihres Berufes, es verständen, die öffentliche Bedeutung, die sie besitzen, in liberale Mandate im Reichs­tage umzusetzen niemand würde es lieber sehen, als Kaiser Wilhelm IL ________________