Ausgabe 
30.11.1906 Zweites Blatt
 
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Die ^Wietzener tfamtllenbiatter* werden dem «Anzeige, dermal wöchenllich beigelegt. Der »chefstfch« tanöwtrt erfchevu monatltd) etnmaL

150. Jahrgang Freitag 30. November 1906

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General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.

Das Annener FLngLück.

lieber die Explosion in der Roburit-Fabrik werden noch folgende Einzelheiten bekannt:

Am Mittwoch abend brach int Mischraume Feuer au§. Der Brand pflanzte sich au] den Packraum fort, wo die erste Explosion erfolgte. Der Heizer Seiler wurde durch den Lustdruck gegen das benachbarte Haus ge­worfen und war sofort tot. Der Kessel explo­dierte und der siedende Dampf strömte aus. Direktor Franke, der bei der ersten Explosion gerade den Lager­raum verließ, erlitt eine Verletzung am Kopse. Chemiker Dr. Kuntz, der aus dem Laboratorium herauskam, wurde sofort getötet. Verschiedene Feuerwehrleute wur- oen beim Löschen schwer verletzt. Mehrere Personen wurden dabei leichter verwundet. In den Lagerräumen lagerten zurzeit des Brandes ca. 600 Kisten mit je 40 Kilo­gramm Roburit. Der Meister der Wittener Gußstahlfabrik Fiermann, der zurzeit des Unglücks bei Verwandten zum Besuch war, wurde getötet, ebenso ein Schüler namens Cronefeld. Von dem Publikum, das bei dem Brande sich am Berge eingesunden hatte, wurden zahlreiche Personen bei der zweiten Explosion verletzt. Ein Arbeiter, der seinen Anzug holen wollte, wurde getötet, ein anderer Arbeiter, der die Bücher aus den Bureau- räumen zu retten versuchte, wurde von dem Lustdruck niedergeschlagen, konnte sich jedoch retten. Mehrere Leichen wurden verkohlt ausgefunden. Der Polizei­kommissar Fettkoetter aus Witten wurde ebenfalls ver­letzt, desgleichen der zweite Bürgermeister Menzel aus Witten.

Das Publikum hält an der Annahme fest, daß die Katastrophe etwa 80 Tote gefordert hat. In Witten wie in Annen und Um­gebung sind sämtliche Schulen geschlossen worden, um Raum für die O b d a ch l o )e n zu srchassen, deren Fahl au, 2000 geschätzt wird. Ein jammervolles Bild bot der Bahnhof in Annen. Hunderte von Obdachlosen kampieren in den Wartesälen. Bereits zeigt sich auf der Trümmen'tätte Diebsgesindel.

Von den Beamten der Roburit-Fabrik wird die Zahl der er­heblich Verletzten auf rund 200 geschätzt. Wie es heißt, haben neben dem explodierten Robur.t Srren^tepseln gelegen, Die durch daS Feuer in Aktion gesetzt worden waren und io bie Explosion des durch Feuer nicht expwdierbaren Roburit verursach.cn.

Kein Mensch dachte nach der ersten Explosion an eine weitere Gefahr, selbst der Betriebsleiter Dr. Kuntz scheint die .Sachlage als ziemlich unbedenklich angesehen zu haben. Denn, wie man erzählt, soll er einem besorgten Polizeibeamten die Versicherung gegeben haben, daß nichts Schlimmes mehr passieren werde, da Roburit von den Flammen nicht zur Explosion gebracht werden könne. Wenige Augenblicke später zerriß ihm die Ex­plosion den KvPf. Viele Menschen wurden von den Trümmern bedeckt, auch die Fernerstehenden lagen wie hingemäht im Straßen­schlamme. Aus den Trümmern hervor erklangen i>te letzten Weh­laute der Sterbenden und -das markerschütternde Geschrei der Verwundeten. Diakonissen und katholische Schwestern spendete« den Sterbenden Trost und leisteten, wo es not tat, ebenfalls hilfreiche Hand.

Durch die zweite Explosion wurden die Umstehenden zu Boden geworfen und größtenteils durch die in der Luft umhersliegenden Steine und (£ifenteile mehr oder minder schwer verletzt. Eine Anzahl Personen wurde hierbei ge­tötet. Um 2 Uhr morgens war die ganze Fabrik bis auf die Fundamente niedergebrannt. Auch die ungefähr 50 Meter vom eigentlichen Fabrikgebäude entfernt liegende Wohnung des Direktors Frank ist niedergebrannt. In Dortmund und Essen treffen fortgesetzt Aerzre ein, die sich in die überfüllten Krankenhäuser begeben.

In Transporten von 10 bis 20 Personen langten die Sckwerverwundeten, die zum Teil grauenhafte Verletzungen erlitten haben, an. Der getötete Betriebsleiter Dr. toutz ist furchtbar zugerichtet. Der Kopf ist vom Rumpfe ge­rissen, Lber> mmd Unterkiefer fehlen. Ein Arm ist vom Körper getrennt!wnd liegt neben der Leiche. Zahlreich sind die Gehörverletzungen, hervorgerufen durch den starken Luftdruck.

Einem Polizeisergeanten wurden Arme und Beine gebrochen, einem anderen Polizisten wurde der Unterleib aufgerissen.

Einzelne Körperteile wurden in den benachbarten Orten aufgesunden. Zahlreichen Leichen fehlen die Köpfe. Viele Häuser, die durch die erste Explosion erschüttert worden sind, sind eingestürzt.

Im Marieuhospital wurden 75 Verwundete verbunden und entlassen. Dagegen erlitten 38 Personen Schädelbrüche ober so schwere innere Verletzungen, daß die Aerzte sie für verloren erklären; sie mußten sämtlich operiert werden. Z w e i P e r s o n e n , die ihre nächsten Verwandten ver­loren Huben, sind irrsinnig geworden.

Von den schwer Verletzten liegen nach Angabe einer der Aerzte 10 im Sterben. Es verlautet, daß noch immer schwer Verletzte unter den Trümmern liegen.

Die Stadt ist wie ausgestorben. .Aus . einem großen Mert, das 800 Arbeiter beschäftigt, traten gestern nur 20 die Arbeit an. Es verlautet, daß das Roburit-Werk unter Wasser gesetzt werden soll. Oberbürgermeister tzarmann von Witten, hat in Tausenden von Exemplaren eine Bekannt­machung erlassen, in welcher es heißt, daß nach Angabe der Sachverständigen noch Explosivstoffe sich unter den Trümmern befinden, und daß es int Interesse von jeder­mann sei, sich von der Unfall,teile möglichst fern zu halten. Tie Aufregung in Witten Dauert an. Fortgesetzt begegnet man Männern nut Bündeln, notdürftig ungezogenen Frauen und Kindern. Zahlreiche Kinder laufen durch die Straßen, die jammernd ihre Ernährer suchen.

Keine weitere Gefahr!

Indessen ist jetzt die Gefahr einer weiteren Explo­sion be s c i t i g t, nachdem Deutzer Pioniere die letzten biovurit- besiände aus dem Faürttraume entfernt Haven. Bisher sind etwa 40 Tote geborgen. VieleLeichcn werd en vermißt. Wie es heißt, lagerten neben dem explodierten Roburit Spreng- tapscln, die durch das Feuer in Attion gefetzt wurden und das Explodieren des durch Feuer nicht e^Pivd urbaren piodurites ver­ursachten.

Mit wahrer Todesverachtung sind unter Leitung des Dr. Schm.dt die Bergungsurbeilen von 3 roburit vorgenvmnien ivorden, die notwendig waren, wenn weitere Explosionen. verhütet werden sollen. 50 Kisten sind in Sicherheit georacht. Noch ist es ntajt möglich, die Namen aller Toten und Verivundeten zu nennen. Fest lieht, daß eine Kutschers- und e i n e Nachtwächter-

Familie, die in Ver Fabrik wohnten, unter den Trüm­mern begraben liegen.

Tie Wirkungen in der Umgebung.

Die Explosion war 13 Kilometer weit verspürbar. Auch die der Roburitfabrik benachbarte Dampfkesselfabrik Lindner wurde zerstört. Die Eckhardsche Ziegelei ist abgebrannt.

Tie telephonische cBrbindung mit Witten war eine zeitlang gestört. In Dortmund wurden viele Schaufenster zertrümmert, sie stürzten auf die Straße, wo infolgedessen Verkehrsstörungen entftanden. In den Läden fielen die Verkaufsgegenstände um. Nicht weniger als 50 Fuhrwerke waren nötig, um die Verwun­deten in die beiden Krankenhäuser, das Diakonissenhaus und das Marien Hospital zu transportieren. Alle möglichen Fuhrwerke, deren man in der Eile habhaft werden konnte, Bäcker-, Fleischer-, Möbel- und Lastfuhrwerke würben requmert. In den Häusern ind viele Türen wie Streichholzschachteln eingedrückt worden.

Durch die Explosion wurde eine große Spiegelscheibe einer Geflügelhandlung zertrümmert und das lebende Federvieh auf die Straße geschleudert.

Auch in Witten wurde großer Schaden ange­richtet. U. a. wurde ein großes Geschäftsha us aus Glas und Eiscn vollständig in eine Ruine.umgewan­delt. Nur das nackte Etsengerüst ist stehen geblieben.

In Langendreer ist die Wand eines Tanz- saales eingestürzt.

In Huckarde ist infolge der Explosion ein Chorfenster der K i r ch e e i n g e st ü r z t.

Tie Ursache des Unglücks.

Die Ursache oer Expwftvn tonm-e u^yer n o ch nicht fest gestellt werden. Ties wird auch wohl sehr schwer möglich sein, da die Augenzeugen getötet sind. Der Schaden wird auf etwa zwei Millionen Mark geschätzt.

Von einem von der UnglückSstälte kommenden Augen­zeugen wird erzählt, daß nach Auffassung des Direktors der Roburit-Fabctt es sich um einen verbrech epi scheu Anschlag handelt.

Es heitzt neueidmgs, man habe bei der Unglücksstätte Zünd­schnüre gefuicd n und vermute deshalb Brandstiftung.

Aus Witten wird gemeldetTer verbrecherische An­schlag, der die Veranlassung zur Kätanrophe gegeben hat, soll ein Racheakt sein. Die unter den Trümmern gefundene D y - namit -Patrone, die sonst nicht im Betriebe vorhanden sem dürfen, waren mit Sprengkapseln und Zündschnur veriehen. Tiefe war gegenüber dem üblichen Gebrauch angekniffen. Die Ge- meiiide Annen hatte seinerzeit gegen die Erbauung der Roburit- Werke Einspruch erhoben. *

Tie Versicherungsgesellschaften wollen den durch die Explosion entstandenen Schaden an Feniterscheiben den Eigentümern nicht bezahlen.

Der Kaiser hat für die Hinterbliebenen der ums Leben Gekommenen, fowie für die Verwundeten 25 000 Mark gespendet.

Aus Räuden sandte er an den Obervürgermeister von Dort­mund folgendes Telegramm:

Geiii.miodmtu.u u. Scholl wird im Laufe des Tages in Meinem Auftrage die Ungluussteile zwecks Berichterstattung be» suchens WsthArn."

Deruburg als Dcbatter.

Am Donnerstag zeigte |id? cer neue Kolonialdirektor im Reichstage zum eißcn Maie ats Devatrer, und zwar mit vielem Glück. Er unterschied mit feiner Ironie dieernsthafte" tou.il! der Redner Der bürgerlichen Pa- teien von oer des ©DCiaföumuUaun Ledebour. Die letztere fertigte Dernbuig mu drastischer Ku-^e, etwa in der An ab, wie in einer Generalversammlung ein krakehliger Ak­tionär zur Ruhe gebracht iuu.D. Ga.^z im kommerziellen Milieu war es auch, als der tolonitnöircftur zur Recht­fertigung feiner Mn angegriffenen Tmkfchnften die Theorie der Rentaoilitätsbereaf.micg erörterte. Mit veroiüsiendei Gewandtheit uno Sicherheit sprang iree in feinem Element sich fühlende Finan^nann mit den Millionen um, sodaß ein großes Staunen in der Runde anhub, auch auf der Bundesratsestrade. Das Wehen eines neuen Geistes in u en Regionen des feierlich ge­messenen Beewaltungselements! Aus den Reihen der äußersten Linken orangen zuweilen spöttische Zurufe, aber der schlagfertige Kolonialdirektor, der heute fast völlig frei sprach, vrächte schnell die Lacher auf feiner Seite, und durchschlagend zugunsten der Errichtung eines Reichskolonialamls war ofsenfichtiich die Erklärung Lein­burgs, daß er 13 Stunden täglich auf feinem Ar­beit s s e f se l fitze, und trotzdem nur die wichtigsten Ein­gänge erledigen könne. Diese Pflichttreue rührte oas Audi­torium, sodap lebhafte Bravorufe zum Reoner emporhall- ten. Guten Eindruck machte ferner, daß Deruburg dasEile mit Weile!" ais das Motto feines Eifenbahnbauprogramms bezeichnete. Damit waren Dieuferlofen" Pläne Dr. Semlers beiseite geschoben, worüber die Rechte mit Genugtuung quittierte. Alles in allem: Deruburg Hai durch feine zweite, einer verständigen Kolonialwirtfchafl verheißungsvolle Perspektive eröffnenoe Programmrede sich einen weitere n Stein im Brett beim Reichstag verschafft. Man hatte den Eindruck: wenn aus den Kolonien etwuS zu machen ist, dann liegt die Initiative jetzt in den richtigen Händen, in Händen, die sich durch den öureaulraiijiqen Wust hindurchzuarbeiten wissen. Eme z e h n j ä h r i g eS ch o n z e i t" bedang sich Deruburg aller- oiug5 aus.

Aus der französischen Kammer.

Pans, 29. Nov.

In der Kammer gaben heute die Bestimmungen über den Vogelschutz Anlaß zu einer lebhaften Debatte. Tas Haus nahm den vom Ackerbauminisler zurückgewiescnen An- trag an, in welchem bie Negierung aufgejor berl wird, Den Gewohnheiten der französischen Landleute gerecht zu werden.

Ter kölinister des Aeußern, Pichon, sprach über die Regierungspolltik hmstchtlich Niarokkos. Diese Politck halte sich fern von allen Eroberungsplänen und aben­teuerlichen Absichten und lasse sich bei ber Durchführung bei Bestimmungen ber Algeciras-Alte, bie in aller Loyalität er­folgte, lebiglich von den Rechten und Pflichten Frankreichs leiten. Die zu diesem Zwecke ergriffenen Ataßiegeln seien nur ,olche der Vorsicht. Die Abfahrt ber Ariegsfchiffe

werbe morgen erfolgen. Eine iianbung m Marokko fei nicht von vornherein beabsichtigt. Tic Schiffe würben vor Tanger bleiben. Wir wollen nicht bas Inkrafttreten ber polizeilichen Maßregeln in Frage stellen. Die auS ber Akte von Algeciras sich ergebenben Pflichten, Lasten unb Vergünstigungen müssen unsere Politik leiten. Wir beabsichtigen, diesen inter­nationalen Abkommen treu zu bleiben. (Beifall.)

Iaurds führt au5, er sei beunruhigt, denn er fürchte, baß Hebe rein ftimmun g unter ben Mächten nur ober­flächlich sei. Er erblicke hierin eine schwere Gefahr.

Minister Pichon: Wir sind nicht mehr als Sie An­hänger der ErobcrimgSpolitik. Die Acte von Algeciras habe die Stellung aller Aiächte in Marokko geregelt. Auf Grund dieser Siete müsse Frankreich in der Lage sem, die Sicherheit der Europäer zu gewährleisten. Auch könne man unmöglich anderen Machten überlassen, sich an Frankreichs Stelle zu setzen zur Beschützung der französischen Staatsangehörigen. (Beifall.)

Im weiteren Verlaiife befragt Tournadö die Regierung über die Angelegenheit von drei Journalisten, welche, um einen Scherz ä la Köpenick zu machen, in Zivil in eine Kaserne eindrangen, indem sich der eine als der Unter st aatLsekretär, die übrigen als Äcdonanozfsiziere ausgaben. Der UnterstaatSsekretär im KriegSnunmerium, Chsron, erwidert, die in Frage kommenden Perfonen tönnten nicht bestraft werden. Dec Sergeant, der geöffnet habe, sei der Riemung geivesen, daß er seine, deS Redners, Stimme, erkannt habe. Es würden Ntatznahmen getroffen werden, welche verhindern sollen, daß die Kasernen so ein­fach betreten würden.

Die LuLcrpellatio» Reinhart und der vorwärts.

Im Anschluß an bie hessische Ramme r| tgung schreibt berVorwärts":

Wir verstehen ben Sianbpunkt, den die hessische Regierung mit ihrer Antwort eingenommen, ebenso wie ihre Aiifchairungen des Gegensatzes zwischen dem heutigen hessifchen Staat und der Lozial- demokiaue. Dagegen vermögen wir diepaltung der G en o f s e n, die 'üttitgtteber der »weiten Kammer sind, nicht zu iv ü r d i g e n. Alag auch der hefsifche Großherzog eine andere Stellung zur soziatdemokratifchen Bevölkerung Hefiens emnehmen als fo mancher andere Potemat zu leinenUntertanen", |o liegt doch unserer Ansicht nach Mr die Abgeordneten unserer Partei keine B e r a n l a s s u n a vor, dem Alonarchismus Konzessionen zn machen und sich offtzlell der Glückwunschadrefse anzu- I d) 11 e 6 e n.

Nevouierende Italiener in Kungen.

Aus Hungen. 29. 9u)D., wird uns geschrieben:

Die Firma Koch u. Co. in Frankfurt a. 1iJt. beschäftigte bis jetzt beim Bau der Bab-Nauhe imer Gruppenwasser- versvrgung größtenteils Italiener. Snbejfen herrschte unter biesen Acveitern ein fortwährender Wechsel, heute fmg eine Rotte an, um morgen wieder bie Arbeit niederzulegen, ja von manchen iii nur eine dmibe gearbeitet roorben. Wie dieses Mißverhältnis zu erklären ist, darüber gehen die Ansichten auseinander. Seit einem Vierteljahr besteht biefcr sortwährenbe Wechiei; ms Italiener in unserer Gegend nicht mehr zu bekommen waren, reiste der von der Finna engagierte llnter-llnternehmer, ebensalls ein Italiener, nach feiner Heimat, um Leute zu holen. Mit dieser letzten LlottL, etwa oll Mann, bauen Re Beteiligten, wie auch völlig Unbeteiligte, ja die ganze Einwohnerschaft Hungens bie f dj Um in ft en Erfahrungen gemacht. Der Führer der Kvlonne, der Unter-Uitteruehmer Appolonia, gab vor einiger Zeit zu versiehe«, daß die Arbeiter unzufrieden feien und ihm Schwierigtetten z« machen drohten. Die Bauleitung der Unternehmerjirma sah dem vorerst nut Ruhe entgegen, da sie an pänRge Unzufriedenheit gewöhnt war. Aber es kam doch atidecs: am vor.gen Samstag nachmittag kündigte der Stottern» ,ühier an, baß am Avenb ettvaS vor sich gehen iverde, worüber lebermann staunen weroe. Das wäre allerdings Warnung genug gewesen, um Vorkehrungen zu treifen, letzteres geschah inoeßen liicht. Mit Eulttttt -dec Dnntell-eit rüaie nun die ganze Mannschaft unter Führung ihres bireiteit Borge,etzten, deS Appolonia, auf das Vaubureau los, vorerst bas Haus um* jteilenb." Im Bureau felbrr sanden msöau) Illiter Handlungen gatt loegon ber Aussöhnung, die sich heuig geualtelen. Ball) oaraus reckte bie ganze GLseu,cha,t au, das Bureau uno umstellte lowohl ihren FülMr, wie oen Bauleiter wie eine Mauer Gelb, Geld" rufeird. Nicht lange und es enttoickelte sich eine orohenbe Situation. Z ä 1)n e tnir f ch end unb murrend verlangten oie Aroeiter Gelb aber es war kein Geld vorhanden! Me weit die Forderung der Leute be­rechtigt war ober nicht, b^s kann nicht angegeben lucrben. Von 0er iöauieituug wurm behauptet, Appolonia «welcher bie Aus* löhnung vorzunehmen hatte- habe schon mchc Vor.chup, als ver­dient sei. Die bLequi)itu)« der Gendarmerie oeantwortete Die Arbeiter-Rotte mit Gieichgülligkeit unb Dächein; irgend etwaS vornehme« konnten bie Gendarmen nicht gegen die ULbermacht. So stand also eine stark erregte Arbeitecrotte um ir/te Führer, welch letztere lebhait debattierte«, aber «icht vom Pi-ry getanen wurden: die Möglichkeit, an. seine Firma zu telephonieren, um bie Sache z« regem, war dem Bauleiter abgeschnttien, er bürste nicht vom Platze. n

Die Staiicuer glaubte«, wenn sie de« Bausührer aus leutem Zimmer liege«, würde er ihnen entschlüpsen, uno es waren wohl Men|chenleben draus gegangen, so erregt war b.c Swtie.

Nach etwa einer Stniide endlich liegen bie Leute einen weniger in Betracht wmmenbe« Beamten ans Telephon, aber unter uaner Bewachung, nachdem sie vorher die Ausgänge besetzt hatten. Am ^elephon ent,pan« sich «iui eme ttuZemanberietzung mit der Firma Koch u. Co. in Franisurt, wobei dieser die üoerauS ge,ahrttche vage bargeftellt rouroe; es mußte« io,ort Vuu Mk. bewilligt werben zur Entlöhnung ber Aroestcr, damit diese oorläustg aus dem Hause kamen. Vielleicht glaubte man aber i« Frankfurt an eine p e n i ck i ab e". Der Unternehmer lieg sich jeden­falls nicht erweichen.

ED)iich legten sich einflußreiche unbeteiligte Personen ins Werk unb nachdem «och zwei weitere Herren ber Firma Koch u. Eo. die Ge,al-riich!eit der Lage auSeuianoergesetzt uno die Firma für alle ent,iehmden Fvigen vermtwortiic,) gemacht hatten, ließ man sich in Franlfnrt herbei, 7DU Mk. zu bewilligen.

Wenn nun hwrburcy Befriedigung unb Ruhe unter ben Arbeitern heroorgeruse« würbe, so war bies nia-t minder bei den Unbeteiligten ber Fall (das Bureau befindet sich in einer liarf besuchte« besseren Lllrtsch st. Alle 'unwesenoen atmeten erleichierr auf. Nach weit.ren Verhandlungen eryceck Appolonia das von einer c...hc gegejcue sur Die Aroeiter, und die Gesellfchast trollte ab.

Aue Fumu toaj n. Co. in Frankfurt fanbte am Dienötag abend.