Ausgabe 
27.12.1906 Erstes Blatt
 
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Liebermann und seine Banern.

Kürzlich hatte sich der Abg. Schelde mann darauf bezogen, daß der antisemitische Abg. Liebermann von Sonnen­berg nach der antisemitischen .Hess. Volksztg." von seinen Wählern gesagt habe: .Meine Bauern sind treu >vie die Hunde, aber dreckig wie die Schweine." Lieber­mann von Sonnenberg erklärte darauf, er habe gegen diese Verleumdung die Gerichte angerufen. Die .Hess. Volksztg." erwidert nun hierauf, daß sie in dieser Bemerkung Liebernianns einen neuen Beweis seiner Gedächtnisschwäche finde.

Der vieledle Herr hat nämlich offenbar seinen guten Willen mit der Tat verwechselt, denn ec meint, daß er gegen diese i n = same Verleumdung die Gerichte angerufen M; denn davon müßte doch wenigstens unsrem seinerzeit verantwortlichen Scbrist- leiixr durch Vorladung etwas bekannt geworden sein. Locher ist dies nicht gesch^n, imb so wird uns wohl der Hauptspaß ewig versagt bleiben. Herrn v. Lievcrmimn vor dcn Sa;ranken des Gerichts ein trauliches Stelldichein zu geben. Wie beklagens­wert dies auch ist, Here o. Lieoerm<.nn htt sich, seinen Angreifer und seine Zuyörer in from.nen Wuhn gewiegt, als er Herrn Scheidemann in Aussicht stellte, einer derartigen Gerichtsver­handlung in Kassel beiwohnen zu können. Die Entrüstungspvse im Reichstag steht also einem Herrn Don den Qualitäten des Abg. Liebermann v. Sonnenberg schlecht an, der sich für infam verleumdet erklärt, vorgibl, die Beleidigungsklage angeslrengt zu haben, unb dennoch die ihm dazu gebotene Frist hat ruhlg verstreichen lassen. Jetzt sind nahezu vier Monate nach Beröfsent.ichung dcs Artikels ins Land geaanuen, oyne daß wir von einer jvlw^n Klage Kenntnis erhalten haben!"

Iom Weltznuchtsleste.

Gießen, 27. Dez. 1906.

Die Weihnachtsglocken sind verklungen, die Feiertage find verrauschti Etwas wie Bedauern regt sich in uns, daß daS schönste Fest im Jahre wieder der Vergangenheit an­gehört. Je länger uns die Zeit vor Weihnachten dünkt, desto rascher fliegt die eigentliche Festeszelt an uns vorüber mit ihrem Glanz, ihrem Chrlstbaumzauber und ihren sonstigen Freuden. Die Feiertage brachten daS richtige Weihnachts­wetter. Es fehlte ihnen nicht ihr ureigentlicher Rahmen, der Schnee, der am zweiten Festtage so reichlich fiel, daß alle Gießener Schlitten in Bewegung kamen. Wer sich trotz des heftigen Schneegestöbers hinauswagte zu einem Spaziergänge außerhalb der Stadt, dem breitete sich die ötalur gleich einem riesigen Schneefelde aus, und man fühlte sich wandelnd in einer der frostigen Landschaften des berühmten Sibirien­malers Wereschtschagin. Im übrigen waren die Festtage wohl die verschlafensten Tage des ganzen Jahres, und mancher Einsame, dem das Christfest kaum etwas anderes bot, als ein paar freie Tage, sang in seinen mehr oder minder engen vier Wänden em Loblied auf das Bett gleich dem französischen Poeten Guy de Maupassant, dessen zarteste unter seinen zahllosen Novellen ein Hymnus auf dieses wertvolle Möbel ist. Die kleine Garde war natürlich am frühesten munter und beschäftigte sich schon in den ersten Morgenstunden in der .guten Besuchs-Stube" mit den allerneuesten Spiel­sachen, von denen etliche heute schon die Weisheit lehren, daß alles im Leben vergänglich ist. Zwischendurch vergaßen sie nicht, bald von diesem, bald von jenem unter dem Chnst- baum zu naschen.

Herrlich duftet eS in allen Räumen nach Tannen und Aepfeln, nach Lebkuchen und Pfeffernüßen und bald erfüllt der arme Hase oder das Reh im Bratofen mit Wohlgerüchen die Lust. Luise oder Babette, die reichbeschenkte und deshalb aus­nahmsweise zufriedene Beherrscherin des HerdeS, hat endlich die Familienoberhäupter glücklich an den festlich gedeckten Kaffeetlsch gelotst und versucht, in das Tohuwabohu der Be­scherung Ordnung zu bringen. Mama unterhält sich mit den Töchtern über die neue Samtbluse oder sonst irgend einen wichtigen neuen weiblichen Toilettengegenstand. Papa pafft im neuen Schlafrock in der Sofaecke eine neue Weihnachts­zigarre und durchblättert die Bücher, die ihm das Christkind bescherte. Der kleine Stammhalter der Familie rangiert emsig seine neuen Eisenbahnwagen oder läßt seine marokkanische Raisuli-Truppe, das Neueste in Bleisoldaten, aufmarschieren. Ilse und Erica kochen auf der neuen Kochmaschine aus Kuchenkrümeln, Zucker, Schokolade und allerlei sonstigen schönen Dmgen ein undefinierbares Etwas.

Am Nachmittag genoß man die Feiertage zumeist wohl mit Verwandten ganz im Familienkreise. So schwamm alles tn Glück und Zufriedenheit am Feste der Liebe. Urtb vielleicht am vergnügtesten sind in diesen Tagen die Tausende glück­strahlender Paare, die vor dem heiligen Abend graziöse Karten versandten, auf denen ihre eigenen Namen prangten und da­rüber daS bedeutungsvolle: .Als Verlobte empfehlen sich . . .'

Zn der Kirche.

= Kinzenbach, 2/. Dez. Unsere Kirche war ernt letzten Sonntag bis auf dcn letzten Platz gefüllt. Man hatte die Christ­feier auf diesen Abend gelegt. Der GesangvereinFortuna" wachte sich durch Vortrag einiger Chörtz verdient. Ganz besonders fanden die vom gemischten Chor (Gesangverein und Mnderchor) borgetragenen Lieder:Es ist eine Ros' entsprungen" undJesus Christus herrscht als König" Anerkennung Die Kinder wurden mit Weihnachtsbüchlein und Lebkuchen beschenkt. Dani gebiihrt vor allem Herrn Pfarrer Knieper, der von Krofdorf herüber- gelommen war und eine erhebende Predigt hielt.

Zm Proviuzial-Siecheahaus.

Wie alljährlich batte bic Provin^, oie Stadt Gießen und eine von privater Seite bei edlen Menichensceunden veranstaltete Sammlung die Mittel geliefert, um den 300 Pfleglingen des Siechenhauses eine rechte Festsreude zu veranstalten. Für die Veteranen der Arbeit litten wieder, wie sonst, unsere Industriellen für die Feiertage reichlich Tabak und Zigarren gespendet. Am Weihnachts-Montag nachmittags 4 Uhr veriammelten sich im Ver­waltungsgebäude der Anstatt die Teilnehmer an der Feier, u. a. als Vertreter der Provinz Geheimerat Tr. Breidert, als Ver­treter der Stabt Beigeordneter Curichmann, sowie die Mitglieder d:s Kuratoriums der Anstatt Geh. Justizrat Tr. Schäfer und Professor Tr. Biermer. Man begab sich unter Führung des Direktors in den großen Ätänncröuu, in desfen Obergeschoß ein großer Saal für die Feier hergerichtct war. Hell sttahlte in dessen Mitte der Weihnachtsbaum. Wohl hundert Männer harrten der Dinge, die sich da abspielen sollten. Das Harmonium fetzte ein und ein aus den Angestellten der Anstalt zusammengesetzter Chor sang das Lied:Dies,ist der Tag", oem ilgj eine Tetta- r.iation und das Lied:Tröstet mein Volk" anschloß. Schwester Leni verlas das Evangelium der irohen Botschaft, worauf der ChorEhre sei Gott in der Höhe" anstimmte. Ein alter In­valide mit ordensgeschmückter Brust erfjoo sich aus der Mitte der Versammlung, um den Veranstattern der Bescherung, be­sonders der Verwaltung und den Schwestern im Manien aller bestens zu danken. Er verwies in ferner Rede darauf, daß wohl heute ein jeder von ihnen an seine Lieben daherrn denke und mit Wehmut bedauere, fern von der »eihiut weilen zu müssen. Es sei dies aber nicht zu ändern und mit Ergeoenhert müsse man

fein Geschick hinnehmen und Gott danken, daß man in diesem Hanse eine zweite Heimat und liebende- Fürsorge und Pflege ge­funden habe. Tirektor Markwald wünschte darauf vergnügte und fröhliche Weihnachtstage, wahrend die Schwestern die Geschenke austeilten. In älyniiciicr Weise ivielten sich hintereinander die Besserungen in der Männerbaracke und im großen Frauenbau ab. Ueberall herrschte eine gehobene und festliche Stimmung und es war rührend anzusehen, wie die rüstigeren der In­sassen eifrig bestrebt waren, den weniger rüstigen liebevoll zu helfen, ihre Geschenke fortzuschaffen. Tie in der Provinz zer­streut wohnenden Angehörigen der Bewohner der Siechenanstalt dürfen überzeugt sein, daß man den letzteren nicht nur am Weih­nachtsabend, sondern zu jeder Zeit liebevoll und human ent­gegenkommt und soviel als möglich ihre Wünsche zu erfüllen sucht.

Zn bet Kaserne.

Durch die Weihnachtsurrauber war unsere Garnison sehr ge­lichtet, aber umsomehr war man bestrebt, den von der Heiinat 6-0131 gebliebenen eine Christbescherung zu veranstalten. Nach beendetem Festgottesdienst in der Stadtkirche und in der katho­lischen Kirche wurde zu Abend gegessen. Dann flammte in den Mannschafisstuben der Wechnachtsoaum auf. Tie Offiziere hatten sich eingesunden und nach einer passenden Ansprache wurden die Gaben verteilt, die die Kompagnie für ihre Angehörigen gespendet hatte. Der Bann der militärischen Disziplin wurde aber erst gelöst, als die bereitgehattenen Fäßchen Bier angesteckt waren und die Kameraden um die langen Tische gemeinsam Platz genommen hatten. Eifrig wurden die Zigarren und der Tabak probiert, toemjc der Weihnachtsmann feinen blauen Kindern in der Kaserne gebracht hatte.

Zm Provinzial-Arresthaus wurde der Weihnachtsabend oiuu, et.xen oestgottesdtenst, bet dem der lichterstrahlende Tannenbaum nicht fehlte, begangen. _ Die Verwaltung war bestrebt, den Gefangenen durch eine verbesserte Kost eine Weihnachtsfreude zu machen.

Zu ben Vereinen.

Die Weihnachtsbescherung des i->-c,angvereins Enthu­siasmus, eines Wohltätigkeitsvereins, sand, wie man uns schreibt, am Donnerstag abend im Hotel Viktoria statt. 32 Kinder umstanden den strahlenden Christ bäum. 'Nachdem der erste Vor­sitzende den jugendlichen Sängerchor an ben Baum geiührt und dieser unter ihm Aufstellung genommen hatte, kamen unter ilSor an tritt der Vorstandsmitglieder die Kinder in den Festsaal. Während des Einzugs spielte ein Orchester von acht Mann. Hierauf kam durch den jugendlichen Gejangschoc der Choral: Brich an du schönes Morgenlicht" zum Vorttag. Einigen Begrußungsworten des ersten Vorsitzenden folgte der Choral: Kommt Ihr Hirten, Männer und Frauen". Die Festrede hielt sodann der aus Darmstadt hierher gekommene Mitgrunder In­spektor Wirthwein, deren Inhalt allen zu Herzen ging. Nun begann die Bescherung. Die Kinder erhielten Kleidungsstücke, Konfekt, Nüsse, Apfelsinen usw. 'Nach einem dritten Choral wurden die Kinder entlasten. Die Mitglieder und Gäste des Vereins unterhielten sich noch lange bei Musik, Gesangsvorträgen und Tanz aufs Beste. Von geschätzter Seite wurde zum Fonds für 190 r ein größerer Bettag gestifiet, der roieoer bei einer hiesigen Bank deponiert ist. Sehr zu bedauern ist es, daß vorbesagter Abend von der hiesigen Bürgerschaft \o schwach besucht war. Erfüllt der Verein doch nur Wohltat, u für Gießen und wäre sogar in diesem Sinne eine Vertretung der Stadt Gießen herzlich begrüßt tuorben, wenn sie zu diesem Abend, wozu alle eingeladen waren, entsandt worden wäre.

L Klein-Linden, 25. Dez. Durch Vermittelung des Direktors i. P. Pascoe wurden unserer Bürgermeisterel von Herrn 5 er n i e namhafte Geldbeträge als Weihnachtsgefchenke über­geben und der Kleinkinderfchute und zwei hiesigen Wttwen aus- gehändlgt.

S»aot uno tano«

Sprechstunden btt V.ev. a - ; jua'v. > ... . <V28 Uhr abdS. Gießen, den 27. Dezember 1906.

* Parlamentarisches aus Hessen. Die Geometer 1. Klasse hatten eine Vorstellung an die Zweite Kammer gerichtet, bei der Regierung dahin wirken zu wollen, daß die im Interesse der Kreise und Gemeinden vorzunehmenden Ar­beiten auch von den Geometern 1. Klasse ausgeführt und den KreiSvermesiungSämtern künftig die Uebernahme von Privat­arbeiten untersagt werden solle. Die Regierung hat hinsichtlich des ersterwähnten Ersuchens eine im gewissen Sinne entgegen­kommende Anordnung bereits früher getroffen irnd wegen der Uebernahme von Privatarbeiten durch die KreisvermessungS- ämter neuerdings folgende Vorschriften erlaßen:

.Arbeiten für Private dürfen von den Kreisvermessungs- ämtem nur am besonderen Wunsch der Jnteressemen und zwar aut Grund schriftlichen Auftrags derselben ausgeführt werden. Ten KreiLvermessilngsämlem ist es bei Disziplinarstrafe untersagt, sich für solche Arbeiten anzubleten oder anbieten zu lassen. Tie Ge­bühren für solche Arbeiten fließen selbstverständlich in die Staats­kasse."

Der Ausschuß beantragt deshalb, die Vorstellung für erledigt zu erklären. Zu der V 0 rstellung der Mühlen- besitzer der oberen Wetter, bett'. Erlangung einer Ent­schädigung für die ihnen aus der Anlage der staatlichen Gruppenwasserversorgung erwachsenen Nachteile wird bean­tragt, die Angelegenheit vorerst für erledigt zu erklären, da die betr. Regierungsvorlage eine eventuelle Entschädigung der Mühlenbesitzer bereits in Aussicht gestellt hat. Abg. Wolf beantragt die Erbauung einer Nebenbahn von Anden­heim nach Armsheim.

** Aus dem Bureau des StadttHeaters. In der einmaligen Aufführung von Max DreyersDie Siebzehnjährigen" wird sich der erste Held des Stadt­theaters von St. Gallen, Herr Bruno Eich grün, in der Rolle des Werner als Gast vorstellen. Herr Elchgrün ist für das nächste Jahr als erster Held in Aussicht genommen und wird seine Qualifikation außerdem noch in einer klassischen Rolle, der des Karl Moor in denRäubern" am nächsten Sonntag zu erweisen haben. DieSiebzehnjährigen", die nur einmal vor zwei Jahren von dem Frankfurter Ensemble hier gegeben wurden, sind in den Hauptrollen außer dem Gaste besetzt nut den Damen Tonecker und von Jagemanu sowie den Herrell Bakof und Kober. Die Vorstellung findet außer Abonnement statt, doch haben Dutzendbllletts und Gutscheine Gültigkeit.

x Lollar, 25. Dez. Heute morgen 3 Uhr wurden die Einwohner unseres Torfes durch Feuerlärm aus­geschreckt. Es brannte die Scheuer des Landwirtes und Bahnbedicnstetcn Karl Moos. Durch das rasche Ein­greifen der beiden hiesigen Feuerwehren gelang es trotz des Frostes und starken Windes das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Zwei Nachbar-Scheuern sind etwas angebrannt. Sämtliches Vieh, außer den Hühnern, wurde gerettet. Allem Anschein nach liegt Brandstiftung vor und, wie verlautet, ist man dcnr Täter auf der Spur.

0 Bad-Rauhe l in, 26. Dez. Vor einigen Wochen rourbc mit dem N e'u bau des Bade Hauses Nr. 9 be- gonnen. Es kommt an die Stelle der Babehäuser 7 unb 3, die im Herbst abgebrochen wurden. Vom Badehans 3 bleibt lisch der südliche Flügel zuili nächstjährigen Kurgebrauch

stehen, um im Herbst 1907 entfernt zu werden. Badehaus 1 ist jetzt vollständig nach Salzhausen transportiert und dort im Rohbau ailfgerichtet worden; im Frühjahr soll es eröffnet werden. Das neue Badehaus 9 schließt sich west­wärts an das vollendete Badehalls 8 Norb an uno erstreckt sich bis Badehails 1 nördlich vom großen Sprudel. Die Flmdamentierilngsarbeiten würben dieser Tage wegen des harten Frostes eingestellt. Hinter BadehaiiS 1 erstreckt sich an der Usa das Gelände für Badehaus 10. Hier sind die Erdarbeiten nahezu volleiidet, und es soll alsbald nut dem Fundamentbau begonnen werden. Nr. 9 soll bis Frühjahr im Rohbail vollendet fein, der innere Ausbau findet nächsten Sommer und Herbst statt, sodaß die Eröffnung un Früh­jahr 1908 erfolgen kann. Auch Nr. 10 soll bis dahin vollendet sein. Tas zwischen BadehaiiS 9 und 10 liegende Badehaus 1 wird alsdann entfernt. Nach Abbruch des BadehaujeS 3, das den Blick vom Bahnhof nach den Sprudeln und dem Parke verschloß, bieten die beiden jetzt vom Bahnhof aus einen schönen Anblick.

Friedberg, 26. Dez. Die Kreis sammel- waseumeisteret, die zwischen Friedberg und Ober-Wöll- sladt vor zirka 12 Jahren errichtet wurde, hat vor Kurzent einige bcDeutcnöe Verbesserungen durch maschinelle Ein­richtungen und Trockenanlagen erhalten, wozu der Kreistag 18 200 Mk. bewilligte. Die Neueinrichtungen sollen eine raschere Verarbeitung der Tlerkadaver bezwecken und lästige Ausdünstungen verhüten. Zwei wichtige Straßen- projekte find im Kreise geplant, nämlich Nieder-Erlen- bachDortelweil und Ober-Wöllstadt NoSbach. Das letztgenannte Projekt interessiert 6 8 Gemeinden. Die Straße würde den Gemeinden eine direkte Verbindung mit den Taunuswaldungen abgeben, wo die Orte, die selbst keine Waldungen besitzen, ihr Brenn- und Werkholz holen.

n. Rod heim b. Hungen, 24. Dez. Unter Teilnahme seiner ganzen Gemeinde wurde gestern hier die sterbliche Hülle des Bürgermeisters Georg Widders heim von Roberts häuf en zur letzten Ruhe gebettet. Mehr als 37 Jahre führte der Verstorbene die Verwaltung der Ge­meinde mit größter Gewissenhaftigkeit, wie dies auch Pfarrer Stotz von hier in seiner ergreifenden Grabrede hcrvorhob. Bureauvorsteher Schiffnie legte im Namen des Großh. Kreisamts Gießen einen Kranz an dem Grabe nieder, desgleichen Bürgermeister Schäfer von hier im Auftrage seiner Amtsgenossen, und Gemeinderatsmitglied H. Reichardt für die Gemeinde Rabertshausen. Der Verstorbene wurde hier beerdigt, weil unsere Nachbar­gemeinde, die etwa 3/i Stunde von hier entfernt liegt, einen eigenen Friedhof nicht besitzt, ein Uebelstand, der sich bei der gestern herrschenden schneidenden Kälte wieder einmal recht bemerklich machte.

-1- Frankfurt, 26. Dez. Die finanzielle Fundierung der hier für den Herbst 1907 geplanten Heimarbeit- Ausstellung ist als sicher zu betrachten. Für die Organi­sation der Arbeiten ist Dr. Petrenz berufen worden. Oertlich wird sich die Ausstellung beschränken auf das um Frankfurt herumliegende Wirtschaftsgebiet östlich des Rheins, emschl. der Gebirge Vogelsberg, Westerwald, Rhön, Spessart und Odenwald. Der Zweck der Veranstaltung ist, durch Ab­fassung von anschaulichen Einzelbeschreibungen unb durch Ausstellung von Anschauungsmaterial (Arbeitsprodukten, Karten, Bildern rc.) ein klares und objektives Bild von den wirtschaftlichen unb sozialen Verhältnissen ber Heimarbeit in dem genannten Bezirke zu geben.

§ Aus Kurhessen, 23. Dez. Die vielen kurhessischen lanb wirtschaftlichen Winter schulen werben in biesem Wmter von insgesamt 241 Schülern besucht. Es stammen hiervon 220 aus Kurhessen, 19 aus an bereu beutschen Lanbes- teileu unb 1 aus Rußlanb,

§ Marburg, 23. Dez. Der Magistrat hat eine Orbnung betreffs Erhebung einer Umsatz - undWohnungs­steuer aufgelegt.

vermischte».

* Dem Hauptmann von Köpenick soll es im Strafgefängnisse in Tegel verhältnismäßig gut gehen. Er wird tn der Schuhmacherwerkstätte beschäftigt. Seine Führung wird als musterhaft bezeichnet, auch soll die An­staltsleitung mit seinen Leistungen sehr zufrieden sein. Voigt erklärte, es gehe ihm jetzt besser, als vor dem Köpe- nicker Handstreich, wo er von Ort zu Ort gehetzt wurde. Bisher sind etwa 5000 Mark für ihn gesammelt worden und noch immer laufen Geldsendungen ein. Es ist eine große Bewegung im Zuge, um Voigts Begna­digung durchzusetzcn. Sie wird mit dem Hinweise darauf begründet, daß seine Ausweisung aus Mecklenburg ungesetzlich war. Das Gnadengesuch wird von einer- großen Anzahl hochstehender Persönlichkeiten unterschrieben werden. Voigt hofft selbst auf baldige Begnadigung.

* Weihnachtsposten und Weihnachtszüge verunglückt oder beraubt. Auf der Strecke Ostrowo- Friesland ist von einem Zuge der Postwagen nachts in Brand geraten und total eingcäschert worden. Wie cs heißt, sind 2 67 Postkolli verbrannt. Nachts ist bei starkem Nebel der Personenzug Augsburg München zwischen dcn Stationen Kissing und Mering auf einen Güterzug aufgestoßen. Es waren nngefähr 15 Wagen des Gütcrzuges von diesem abgerissen und vor der Station Mering stehen geblieben. Aus diese Wagen fuhr der Personenzug nach Rlünchen mit heftigem Stoß auf. Drei Wagen des Pcrsonenzuges utü) fcchs Wagen des Gütcrzuges sowie die Lokomotive des Pcrsonen- zngcs ivurden stark beschädigt. Ein Reisender des Per­sonenzuges, der Monteur Riffler aus München, wurde am Kopfe verletzt. Eine von Feldoevifso (Ungarn) abgegangene Post wurde zwischen Petrowa und dem Vissotal von unbekannten Tätern angegriffen. Der Kutscher und der begleitende Gendarm wurden mit Beilen er­mordet und 30000 Kronen geraubt. Die Schnee­spuren weisen darauf, daß Wallachen oder Zigeuner die Räuber gewesen sind.

Hotel Grossherzog von Hessen I empfiehlt seine Säle für grössere und hleiuere ....... 1 Festlichkeiten, --~