Ausgabe 
21.12.1906 Drittes Blatt
 
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Nr. 300 Drittes Blatt 156. Jahrgang

Freitag 21. Dezember 1906

Erscheint tvglich mit VuSnahme de« Cormtaga.

DieLietzener KamilienblStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hesfische tanörotrt erschevu monaUich einmal.

Giehener Anzeiger

Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen UntversttälSdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion. Expedition u. Druckerei: Echulstr.7.

Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießett.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen.

Aus S.aor uno aatto.

..1/28 Uhr abds.

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LiirgejanSt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden 2LrtifeI übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gestalten Sie mir, auf den Artikel imGieß. Anz." Nr. 298, 3. Blatt, überschrieben:B 0 l k s s ch n l l e h r e r u n d Staats­beamte und die neue Regie rnngsvor läge in H e s s e n" zurückziikommen. Wenn der Herr Arnkeljchreiber viel­leicht bezwecken wollte, mit seinen Ausnihi ringen dein Pnbliktlin

Gießen, den 21. Dezember 1906.

** Handelsrichter. S. K. H. der Großherzog ernannte für die Zeit vom 1. Janu-Lt 1907 bis 31. DeK. 1909 die Kommerzienräte Heichelheim, Muller, Schirmer und Georgi in Gießen zu Handelsrichtern, den Fabritanlen Herm. Eichenauer unb den Kaufmann Max Friedberger zu Ergänzungsrichtern bei der Kam­mer für Handelssachen.

** Dekorierte Hebamme. S. K. H. der Groß­herzog haben der Gemeindchebanrme Elisabethe Katha­rina Kindlein in Falken-Gesäß die Silberne Medaille des Ludewtgs-Ordens mit der InschriftFür langjährige treue Dienste" verliehen.

/\ Butzbach, 20. Dez. Eine eigenartige Weihnachts- freitde machte eine Darmstädter Firma etwa 40 hiesigen Geschäftsleuten, indem sie dieselben zu verklagen beab­sichtigt auf Abnahme von Adreßbüchern, bic vor etwa drei Jahren der Firma in Auftrag gegeben waren, aber erst dieser Tage zur Ausgabe gelaugten. Unsere hiesigen Kaufleute durften sich nach der Rieinung der Firma in der Zwischenzeit andere Adreßbücher nicht beschaffen, da ja schon

beim Sammeln der Aufträge vor brci Jahren ein .dem- nächstigeS* Erscheinen in Aussicht gestellt war. Man ist hier sehr gespannt auf den Außgang der anhängig gemachten Klage.

g. Bad-Nauheim, 20. Dez. Ms Schuttskal für die hiesigeHöhere Bürgerschule" ivuiba vor einem Jahre das Haus der Vorsteherin der höheren Mädchenschule gemietet. Da sich aber die Räumlich leiten ars zu klein erwiesen, wurde in der letzten SladroLrordnetenb^rsamm- lung der Bau eines eigenen Gebäudes beschloßen. Als Platz für die neue Schstie ist das städtische Grundstück neben dem alten Friedhof vorgesehen. Der Bau soll im Jahre 1908 vorgenommen werden, sodaß das neue Schut- lotal Ostern 19u9 bezogen werden kann. Gleichzeitig wurde in dieser Sisuug bestimmt, daß den Lehrern an der hiesigen Stadtschule lunstig chr Gehalt pränume- rando ausgezuhlt wird.

Friedberg, 20. Dez. Unser ältester Einwohner Johannes Bech stein ist im Alter von 90 Jahren gc Horb en.

----- Frankfurt, 20. Dez. Der Bericht der SUiien Theater > Aktiengesellschaft über das EtatSjahr 1905/06 bezeichnet das Endresultat als befriedigendtrotz der im Vergleich zu den früheren Jahren unverhältnis­mäßigen Belastung des Ausgabebudgets und trotz mancherlei ungünstigen Einwirkungen". Nach dem Bericht von Intendant Jensen hat das Jahr im Opernhaus durchaus günstige Resultate ergeben: Die Tagesemuahmea sind erheblicher aus­gefallen, als im Voranschlag angenommen war; auch für das bevorstehende Jahr hat das Abonnement eine sehr bedeutende Steigerung erfahren. Intendant Claac vom Schauspiel­haus bezeichnet das Jahr 1905/06, dessen Einnahmen sich ungefähr auf der Hohe des Vorjahrs hielten,nicht als ein schlechtes, wenn auch die finanzielle Abrechnung sich nicht in dem Grad günstig gestaltet hat, wie dies früher der Fall war*. Der Ausgabenetat war hoch und bie Einnahnten haben diese Erhöhung nicht ausgeglichen. Letzteres wird damit erklärt, daß die Eröffnung neuer Unternehmungen stattsand, die durch ihre leichten Neizmittel die größeren Massen, sowie auch das bessere Publikum, heranzogen und eine bemerkens­werte Konkurrenz bildeten*. Auch hat es an besonderen Zug­stücken in dieser Spielzeit gefehlt. Immerhin ist ein Betriebs» gewinn, wenn auch nicht in der Höhe der Vorjahre zu kon- Uaticren. Alexis Müller ist nach fünfzigjährigem Wirken an der Frankfurter Bühne anSgeschieden. Es wird eine jährliche Pension von Akk. 1800 in Vorschlag gebracht. Ferner heißt es im Bericht deS Aufsichtsrats an die General­versammlung, daß der Vertrag des Intendanten Emil Claar am 31. Oktober 1910 ob läuft, an welchem Tag er auf eine mehr als dreißigjährige Tätigkeit in Frankfurt zurückblicken wird. Der Aufsichtsraterachtet es als Erfüllung einer Pflicht, anzustreben, daß Herrn Claar bei seinem Aus­scheiden in Anerkennung seiner Leistungen und Verdienste eine Pens ion zngesichert roerbe', und hat beim Magistrat die Bewilligung zu einer Pension von 5000 Mk. aus Gesell- schaftSmitteln nachgesucht. Ter Magistrat hat seine Genehmigung gegeben und der Aufsichtsrat stellt dementsprechend einen Antrag.

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Iie Aer.iner SUtrlipoiizei.

Man schreibt uns aus Berlin, 20. Dezember:

Die mehrtägige Verhandlung gegen Karl Schneidt, den Herausgeber der »Zeit am Montags, wegen Beleidigung von Kriminalbeamten hat zu einer Verurteilung des Angeklagten zu zwei Monaten Gefängnis geführt. ES mag sein, daß Schneidt, der als Publizist einen schneidigen Ton liebt, die Institution der Sittenpolizei scharf herunter gemacht hat, aber unzweifelhaft ist es dem von ihm auf- gebotenen Zeugenapparat gelungen, den Nachweis zu führen, daß Beamte bei der Ueberwachung des sich nicht des besten Rufes erfreuenden Hotels Negendank ihre Befugnisse über­schritten haben. Man wird gewiß dagegen nichts einzuwenden haben, daß die Polizei solche Quartiere, in denen der freien Liebe Vorschub geleistet wird, nicht duldet, aber anderseits dürfen Geheimagenten in ihrem AmtSeifer nicht so weit gehen, unschuldige Passagier?, männlichen und weiblichen Geschlechtes, durch Visitationen zur Nachtzeit oder Sistierungen auf einen bloßen Verdacht hin zu beläirigen. Noch dazu erscheint nachgewiesen, daß der neue Besitzer deS Hotels Negendank eifrig bemüht war, sein Unternehmen von dem üblen Rufe zu befreien, der ihm von früher her auhaftete. Endlich muß man noch in Rücksicht ziehen, daß von den in Berlin eintreffenden Fremden nur ein verhältnis­mäßig kleiner Teil in den ersten Hotels o^ufteigen pflegt, die Masse aber in billigen Logis Unterkunft sucht. Nun kann man aber von den Fremden unmöglich verlangen, daß sie eine genaue Kenntnis der anrüchigen Hotels besitzen.

Sowohl der Prozeß gegen den .Hauptmann von Köpenick" wie der gegen Karl Schneidt haben bewiesen, wie notwendig eine durchgreifende Reform der preußischen Polizei ist. Was speziell den Fall Schneidt brrrifft, so wi-o die Oeffentlichkeit auch davon den peinlichen Eindruck erhalten, daß mit zweierlei Maß gemessen wird. Die eleganten Ab­steigequartiere Berlins, wo die vornehme Welt ihre Orgien feiert, werden unbehelligt gelassen, jene Hotels aber, in welchen die Lebewelt der misera plebs contribuens verkehrt, erfreuen sich der liebevollsten Beaufsichtigung burdtf die Polizeiorgane. Wenn man em Großreinemachen in den Augiasställen Spree- Athens veranstalten will, so kehre man mit dem eisernen Polizeibesen rücksichtslos!

Markte.

Butzbach, 20. Dez. Ter heutige Schwei nemarkt war außerordentlich schwach befahren, nur 3 Handelsleute waren mit Ferkeln erschienen. Lon einem Handel und Preisäuderunqen kann daher nicht berichtet werden. Ter Ärome r markt war dagegen gut frequentiert und auch die Platzgeschäfte der für die Saison in Betracht kommenden Branchen süid mit dem heutige« sog. Weilmaclusmarkt fehr zmrieden gewesen.

Bcrgcffen Eie nicht, daß Weihnachten devorsleht unb daß als bestes Weihnachtsgejch.nk sich eine Oaiv-Füllieder erweist, welche von Mk. 12.60 aufwärts, der Grüße der Goldfeder entsprechend, käuflich ist. Es gibt nichts Brauchbareres, weit jedermann täglich sich einer Jeder bedienen muß. Es gibt auch nichts Dauerhafteres, weil sie lebenslänglich oorhält. Es gibt überhaupt nichts, dessen sich der Beschenkte angenehmer erinnert, als der Gabe eurer Caws- Füllfeder. Nachahmungen sind zahlreich, aber jeder Händler von guiem Aule wird Ihnen eine Caw verkaufen, wenn Sie Caw ver­langen. Man beachte beim Kaufen, daß der Halter den Namen Caw trägt. Bezug durch Papiergeschäfte. Illuslr. Katalog gratis.

Sand in die Augen zu streuen, so sind sie hierzu aUerbnigs ge­eignet unb deshalb mochte ich seine Darlegungen einer näheren Betrachtung würdigen. Bemerken will ich, daß ich über die Ver­hältnisse der seminaristisch gebildeten Lehrer an den höheren Lehr-, anftalten au wenig unterrichtet bin, um auch auf sie eingehen zu können. Im Eingang des fraglichen Artikels th zunächst der großen Summe von 700 000 Alk. für Wohnungsgelbzmchüste die kleine Summe von 220 000 Mk. für Au'besserung der Mehrer usw. gegen­übergestellt. Dabei vergißt ober der Herr Einsender ganz, daß die Mehrer, Schnlverwalter und Schulgehilfen schon seither eniroeocr freie Wohnung (und zwar recht schöne Wohnung) inne hatten, ober Wohnnugsgeldziischiiß erhielten, ber als entiprechend burchauS be­zeichnet werden muß. Das, was jetzt erst dem größten Teil der StaalSbeainten werden soll, war ihnen (den Lehrern) also schon längst zugebilligt, ganz abgesehen von der Naiuralbesoldung der Lehrer auf dein £anbe (HauSgärteu usw.). Alles dies muß bei . cm Gehalt inbetracht gezogen werben. Cb bann noch der Unter­schied, auch nach der Annahme der Regierungsvorlage, jo groß ist, wie er geschildert wird, mochte ich bezweifeln. Was die An>beste- ruiig ber jüngeren definitiven Lehrer betrifft, so will ich zugesiehen, daß eine solche vielleicht am Platze wäre. Aber bie Herren mögen fiel) mit den jüngeren Staatsbeamten trösten, benen es auch nicht bester ergeht. Wer erhält denn überhaupt WohnungSgeldDoch nur die angeft eilten Staatsbeamten. Bis aber em Staats­beamter zur Anstellung kommt, wird er mindestens 30 Jahre alt, meisleus aber älter. Und vorher erhält er reinen Pfennig Woh- nnngsgeld I Was sodann bie Berechnung des Tageseinkommens an­langt, 10 hinkt dieselbe und zwar ganz gewaltig. Ter Herr Einsender hätte auch die geprüften Aspiranten für den Staatsdienst anfnehmen, unb sie den Schulverivaltern gegenüberstellen sollen, er wäre baiur vielleicht zu einem anderen Ergebnis gelangt, besonders meiin man berücksichtigt, daß em Schulverwalter freie Wohnung ober Woh­nungsgeld erhalt, der Aspirant aber nichts. Ter Vergleich mit dem Arbeiter klingt ja sehr schön, entspricht aber "»acht den Tat­sachen. Wenn ber Herr Einsender mit vorurteilsloieni'Ange die Verhältnisse prüfen würde, würde er mit ferner Turchschnius- berechnung vielleicht ein anderes Resultat erzielen.

Unb nun bie stärkste Behauptung in der ganzen Erklärung l Ein Staatsbeamter in der GehaitSIlasse von 240u0 Alk. soll in den fünf ober sieben teuersten Grien Hessens 942 Alk. Wohnungs- geldzufchuß erhalten l Woher denn? ES sind vorgesehen 8 Proz. uom Höchstgehalt, also von 4000 Mk., macht 820 Alk. pro ^ahr und mehr nicht. Wenn mich ber Herr Einsender eines besseren belehren kann, würbe mich dies sehr freuen. Ich glaube es aber nichtl Cb die Anwendung des Ausdrucksbittere Not" gerecht­fertigt war, überlaste ich nach meinen AuSstthrungeti der Beur­teilung des Publikums. Tie um Schluffe des Artikels verblümt ausgesprochene Bule an die Zweite Stänbekaininer wird hoffentlich einen negativen Erfolg zeitigen, mbem diese sich dadurch besser unterrichtet zeigt über die Verhältnisse des ^ehrersiandes, wie bei Herr Einsender dies zu Jem scheint ober fein will. (Bergt, auch die Rubrik ,SUrdie unb Schule".)

Univerntats-Nachrichten.

Dem ordentlichen Pro'etzor an ber techniichen Hochschule zu Karlsruhe Oberbaurat R. B a u m e 1 ft e r würbe in Anbetracht seiner großen Berbiensle als Hochschullehrer unb tm bejonberen wegen semeS hervorragenden Wirkens auf dem Gebiete des Städte­baues an der Charlottenburger Hochschule die Würde eines Dr. Ingenieur ehrenhalber verliehen.