Ausgabe 
29.5.1906 Zweites Blatt
 
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anhaltender Beifall.) Alsdann beschloß das Haus an den Münster des Innern eine Interpellation betr. die H u n g e r s n o t zu richten Md zu fragen, ob die Regierung die Bekämpfung der Hungersnot ftrrtsetzcn »volle und ob ifor bekannt sei, daß die Tätigkeit von Privatpersonen, die der Bevölkerung Hilfe ziftcil werden lassen wollen, von den Lokalbehörden verhindert werde. Das HauS ging sodann zur Beratung der Agrarfrage über. Professor Petrajetzkh schlug vor, eine Kommission von 88 Mitgliedern zur Vorberatung der Frage zu wählen. Der Präsident teilte mit, daß alle Anträge morgen gedruckt verteilt werden würden.

Die gesamte liberale Presse Rußlands zieht scharf gegen die (gestern von uns mitgeteilten) Erklärungen des Premierministers los, während die gemäßigten Blätter die Sachlage lucniger pessi­mistisch betrachten. Doch ist die Meinung ungeteilt, daß dem M i n i stc r i u m , dem ein derartig scharfes Mißtrauens­votum von der gesamten Duma in derbster Form zuteil ge­worden, kein langes Leben beschieden sein dürfte. Alle Deputierten! haben ihre Wahlkreise davon verständigt, daß die Regierung ihre Wünsche unberücksichtigt gelassen habe, und bitten, dieser Mit­teilung die größte Verbreitung zu geben. Die Konsequenzen sind dadurch unabsehbar. Zunächst werden große A g r a r u n r u h e n befürchtet. Die Bauerndeputicrten sind besonders stark aufgebracht und wagen gar nicht resultatlos in die Heimat zurückzukehren. Nach der Erklärung Go-remykins hofft fetzt niemand mehr auf eine Amnestie, von der auch tatsächlich nichts mehr verlautet.

Trotz offizieller Versicherungen verlautet, daß die Auf­lösung der Reichsduma unmittelbar bevorsteht. Die Garnison von Petersburg hat Befehl erhalten, das Sommerlager nicht zu beziehen. Ein Petersburger Korrespondent meldet, daß eine Auflösung unvermeidlich erscheint. Der Zar wird wahr­scheinlich im Laufe des Juni die Abgeordneten nach Hause schicken und für längere Zeit nicht wieder zusammenbcrufen. Unter solchen Umständen ist die Gefahr einer allgemeinen Er­hebung wieder näher gerückt. Ueberall arbeiten die Leiter der revolutionären Partei fieberhaft, um einen neuen Ausbruch der Revolution herbeizuführen. Man glaubt, daß das aufgeregte Volk vorher den Versuch machen werde, die Gefangenen zu befreien. Politische Miorde sind nach wie vor an der Tagesordnung und dürften in der nächsten Zeit noch häufiger werden.

In Sewastopol wurden anläßlich des Krönungstages zahlreiche Bomben geworfen, sechs Personen ge­tötet und 54 verletzt. Unter den Getöteten und Verletzten be­finden sich keine politischen Persönlichkeiten. Nach amtlicher Fest­stellung war ein Bombenanschlag gegen den Festungskomman­danten General Nepliujew gerichtet. In Warschau standen am 27. vier Schüler zusammen und betrachteten einen Re­volver. Dabei entlud sich ein Schuß, auf dessen Knall 12 Kv- saken herbeieilten und auf die Schüler schossen, von denen zwei getötet wurde-.'. Die Eltern der Erschossenen benachrichtigten, klageführend beit Dumapräsidcnten und die Abgeordneten von dem blutigen Vorgänge.

Die Geld raub er eien aus dem Lande dauern fort. Im Gouvernement Lublin überfielen 14 Bewaffnete den Kassieret der Zuckerfabrik, Klutschkowitze, und zwangen ihn, 7000 Rubel auszuzahlen. Während der Plünderung gab der Gutsbesitzersohn Kleniewki mehrere Gewehrschüsse ab und verletzte sechs Räuber, einer wurde verhaftet. Auf der Chaussee zwischen Plotzk und Gosthnin überfielen 50 Bewaffnete die Gcldpost. Sie e r s ch o s s c n den Postillon und einen Bedeckungssoldaten, einen zweiten ver­letzten sie. Die Soldaten schossen zurück und retteten das Post- geld In Warschau wurde ein O b e r s ch u tz m a n n erschossen.

Preußisches Herrenhaus.

Berlin, 28. Mai.

Der Entwurf über den Erwerb des Kalisalz­bergwerks der Gewerkschaft Hercynia durch den Staat wurde angenommen.

Eine Petition auf Aenderung dc§ preußischen AuS- führungsgcsetzes zum Schlachtvieh- und Fleischbeschangesetz veranlaßte den Landwirtschastsminister v. Podbielski git der Feststellung, die Entwicklung der letzten neun Monate habe seine Politik in der Frage der Fleischversorgung des Landes gerechtfertigt erscheinen taffen. Die Nichtöffnung der Grenzen habe zu einer starken Vermehrung der Fleisch­produktion und zu einem wesentlichen Sinken der Vieh preise geführt. Zur Zeit seien die Viehp reise in den angrenzenden Ländern erheblich höher als bei uns.

Jßcer und Flotte.

Paris, 28. Mai. DerMatin" veröffentlicht ein Interview mit dem Marineminister Th o in s o n über die Entwickelung der französischen Marine. Thomson spricht sich energisch dafür aus, daß Frankreich neben Torpedos und Unterseeboten auch große Panzerschiffe bauen müsse. Frankreich müsse im Bau der Panzerschiffe bis 1919 mit Deutschland gleichen Schritt halten. Es müsse 20 neue Panzer bauen und gleichzeitig seine bisherige Ueber- legcnheit auf dem Gebiete der Unterseeboote ufiv. bewahren. Dazu sei bis 1919 ein Durchschnittsetat von 350 Millionen nötig. Diese Ziffer bedeute keine große Ueberlastung und sei 1900 schon um 25 Millionen überschritten worden.

Der Stäpelläüf des LinienschiffesSchlesien"?

Danzig, 28. Mai.

Auf der Schichauwerft hatten sich zu dem Stapellauf des LinienschiffesE" zahlreiche Gäste versammelt. Der Kais er wurde empfangen von den» Staatssekretär v.Tirpitz u.a. Oberpräsident Graf Zedlitz hielt die Taufrede, in der er ausführte, das Schiff sei berufen zu dienen und zu herrschen: dienen soll es dem Kaiser und dem Vater­lande, die Flagge Deutschlands zeigen auf allen Meeren, der Heimat Fleiß und Arbeit vertreten auf dem großen Arbeits­felde des Weltmarktes und in jedem Deutschen, wo im Welt­meere er sich auch befinde, das Gefühl wecken und stärken, ein Schutzbefohlener von Kaiser und Reich zu sein. Wenn aber der Kriegsherr einst aufrufe zum Kampf und zur Ver­teidigung des Reiches, dann möge es seiner Pflicht gedenken, der Lorbeer schmücke seine Flagge, der Sieg kröne den Kampf. Dte Herzogin Pleß taufte das Schiff auf den Namen Schlesien". Um 2 Uhr 40 Min. ist der Kaiser nach Berlin abgereist._______

Ausland.

Madrid, 28. Mai. Die Finanz-Delegierten der Mächte, welche an der Konferenz von Algeciras be­teiligt waren, mit Ausnahme der Vertreter Marokkos und der Vereinigten Staaten, sind in der Bank von Spanien unter den» Vorsitz des Herzogs von Almodovar zusammengetreten. Die französischen Vertreter waren Regnault und Dupaffeur, der Direktor der Bank Pay Bas. Die deutschen Vertreter waren die Herren v. Glasenapp, Fischel und Geheimrat o. Mendelssohn. Es wurde nur über die Frage des Sitzes der Bank gesprochen. Die deutschen Vertreter be­kämpften die Wahl von Paris. Gestern nachmittag fand eine zweite Sitzung statt unter dem Vorsitz des Direktors der Bank von Spanien. In dieser Sitzung wurde Paris als Sitz der Marokkobank gewählt und eL wurde

beschlossen, daß dort die Statuten redigiert werden sollen. Infolgedessen sind die Delegierten gestern von hier nach Paris abgereist. Die Statuten der marokkanischen Staatsbank werden auf dem französischen Handelsgesetz beruhen. Der Ausschuß für die Abfassung der Statuten werde wahr­scheinlich seine erste Sitzung am nächsten Donnerstag in Paris abhalten.

Wien, 28. Mai. Kaiser Franz Josef hat in den letzten Tagen seines Ofenpester Aufenthalts einen leichten Schlaganfall erlitten, der indessen ohne merkliche Folgen vorüberging.

Tanger, 28. Mai. Ein sehr bekannter Franzose, ein Angestellter der algerischen Bank, wurde durch Senfe des Anghera-Stammes ermordet, als er sich auf einem Spazier­ritt etiva eine Stunde von der Stadt entfernte.

Hauptversammlung des Vogelsberger Höhenklubs.

(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)

)( Schotten, 28. Mai.

Gestern fand di» Hauptversammlung des Vogelsberger Höhen- Klubs, womit die Feier des 2 5jä hrigen Bestehens dieses Vereins verbunden wurde, unter zahlreicher Beteiligung der Mit­glieder statt. Als Ort der Versammlung, die in der Regel in den einzelnen Städten des Gebirges abwechselnd ftattfindet, war dies­mal das Klubhaus des Hohe ro t hs ko p fes gewählt worden. -

Um 11 Uhr pünktlich wurde die Hauptversammlung mit der Feststellung des Stimmenverhältnisses der vertretenen Zweig- bercine und mit der Prüfung der Vollmachten durch den Präsi- beitten des Vereins, Forstmeister Diefenbach ans Schotten, eröffnet. Sodann wurde über die Tätigkeit des GesamtvereinZ im abgelaufenen Vereinsjahre berichtet. Im Anschluß hieran machte der Präsident interessante Mitteilungen aus der Geschichte des Klubs, über die Gründung am 2 2. Juni 1881 zu Schotten und seine Entwicklung. Sehr bald hatte er sich als durchaus lebensfähig erwiesen. Schon innerhalb des ersten Jahres erfolgte die Gründung von 17 Zweigvereiuen. Nach dem im Jahre 1890 vollzogenen Anschluß des Gießener Vogesen- Klubs als Zweigverein Taufstein des V. H. K. ist nunmehr eine fest begründete Stabilität i::i Bestand der Zweigvereine ein» getreten. Er besteht zurzeit aus 20 Zweigvereinen, die mit Aus­nahme von Altenstadt, Darmstadt und L i ch sich auf das eigentliche Verciusgebiet konzentrieren: in deren eigenstem Interesse ist eine weitere gedeihliche Entwicklung des V. H. K. gelegen. Umfassend ist die Tätigkeit des Klubs gewesen, vieles ist erstrebt, vieles erreicht worden. Von Anfang betrachtete eS der in Schotten seßhafte Zentralausschuß als seine wesentliche Aufgabe, eilten gemeinsamen Mittelpunkt für die über das ganze Vereinsgebiet ausgedehnten Zweigvereiue zu schaffen. Zunächst geschah dies durch Veranstaltung eines gemeinsamen Ausflugs nach dem .Hvherothskopf. Als H o he ro t h s ko Pffe ft , all­jährlich gefeiert am ersten So.mtag im Juli, ist dieser Ausflug zu einer dauernden Einrichtung und zu einem gern und zahlreich besuchten wahren Volksfest des ga nzen Bogelsbergcs geworden. Der Berg ist von allen Seiten leicht zu erreichen, wie er denn auch wegen seiner herrlichen Aussicht von jeher der besuchteste Punkt des eigentlichen hohen Vogelsberges war. Diesem Umstande Rechnung tragend, errichtete man 1883 auf dieser Höhe ein UnterkunftsHauS. 1895 nötigte die alljährlich steigende Frequenz zu einer Vergrößerung durch Anbau zwei weiterer Logierzimmer, 1904 wurde ein größeres Nebengebäude mit Stallungen errichtet. Nachdem nun im vorigen Jahre durch die Initiative des Gießener Z w e i g v e r e i n s Taufstein (Vogesen-Klub) und fast ganz aus dessen eigenen Mitteln' die seitherige Vorhalle in Wirtschasts- und Logierzimmer umgebaut worden ist, kann dieses Klubhaus auch den Ansprüchen verwöhn- tercr Touristen genügen. Ebenso hat der Klub eine eifrige Tätig­keit in Au bring un g von We gb e z e i ch n u n ge n in allen Teilen des Vereinsgebietes entfaltet.

An diesen Bericht des Präsidenten schloß sich eine Besprech­ung des Planes der Errichtung eines B i s m a r ck t u r m e s auf dem T a u f ft e i n. Dieser Plan ist nunmehr finanziell gesichert; die noch fehlende Summe soll durch die Ausgabe von Anteilscheinen gedeckt werden. Vorhanden sind 13 000 Mark: der Voranschlag sieht 14 000 Mark vor. Die Versammlung genehmigte eine even tuelle lieber)ebreitung der Summe in einer den Bedürfnissen der Dauerhaftigkeit entsprechenden Höhe. Sodann wurde dem Gießener Zweigverein Taufstein (Dogesen-Klubl ein Zuschuß von 300 Mk. für die Ausmöblierung des neuerbauten Schlafzimmers im Dach­stock bewilligt.

Um' 1 Uhr fand gemeinsames Mittagessen in der Festhalle statt. Hierbei brachte der Präsident ein dreimaliges Hoch auf Kaiser und Großherzog aus. Professor Röschen-Gießen toastetet auf den hochverdienten Zentralaussck'. Baumeister Wegner- Fulda überbrachte die Grüfte des Zentralausschusses des Ver­bandes deutscher Tourist en-Vereine.

Sodann übergab Zahnarzt Dr. Jäger- Gießen, Vorsitzender des Zweigvereins Taufstein (Vogesen-Klub! die von seinem Verein ausgebaute Vorhalle an den Gesamtverein. Der Präsident des V. H. K. nahm die schöne Gabe mit herzlichen Worten des Dankes entgegen. Leider verhinderte die regnerische Witterung den geplanten Gang nach dem Taufstein. Desto behaglicher war es in der Festhalle des Klubhauses, wo die Versammlung bis 5 Uhr in bester Stimmung weilte.

Ans Stadt und Lased.

Gießen, den 29. Mai 1906.

~ ** Personalien. Der Großherzog haben den Stationsoerwaltcrn Wilh. Prötz zn Balduinstein und Lottis Meyer zu Echzell die unkündbare Anstellung in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft verliehen. Ferner wurde der Lokomotivführer Aug. Klein zu Betzdorf, den Zugführern Friedr. Spengler ztt Launsbach und Wilh. Schneider zu Gießen; dem Telegraphisten Alb. Gürtler zu Gießen, sowie den Weichenstellern 1. Klasse Hch. Weber zu Odenhausen, Hch. Botz zu Lumda, Em. Schmitt zu Kesselbach und Christian Kraft zu Wallenrod die unkündbare Anstellung itt der Hessisch- Preußischen Eisenbahngemeinschaft verliehen.

** Sittlichkeitsve rbrech en. Bei einer hiesigen Arbeiterfamilie hatte ein italienischer Arbeiter Kost und Logis gefunden. Vor etwa 8 Tageir vergriff sich der Italiener an dem fünfjährigen Kinde seiner Logislente und letztere behielten den Unmenschen weiter im Hause, anstatt sofort Anzeige zu erstatten. Erst als der Italiener am vorigen Sonntag heimlich verschwand, ohne seür Kostgeld zu bezahlen, wurde die Polizei vom Vorfall in Kenntnis gesetzt. Wegen eines gleichen Verbrechetts wurde gestern attch gegen einen 18jäh­rigen Burschen von hier Anzeige erhoben. Dieser soll sich verflossenen Samstag morgen an einem Kind ver­gangen haben. Die Mutter des Kindes verhandelte zuerst mit den Eltern des Täters und letzterer verduftete noch am gleichen Mittag. Bis Anzeige erstattet wurde, war der Täter schon zwei Tage fort, er hat sich aber heute morgctt freiwillig der Polizei gestellt und bestreitet ent­schieden die Tat.

** Unfall. Am verflossenen Samstag abettd wollte der 14 Jahre alte Sohn des Arbeiters Schulz vom Fenster der im 3. Stock befindlichen elterlichen Wohnung aus einen aus dem Dach liegenden Ball herunter holen.

Der Junge stürzte hierbei herunter in den Hof und trug so schwere Verletzungen an Kopf und Beinen davon, daß er in die Klütik gebracht werden mußte.

** Besltzwechsel. Tic Restauration zum Gam- 6rinu5, von Albold, Kirchstraßc, ging für 48 000 Mk. in den Besitz des Joh. Gerlicher, Hannnstraße, über. Das in der Löwengaffe liegende früher Metzger Franz Sch inidtsche Haus Nr. 12 kaufte für 6700 Mk. Gemüse­händler A inend (nicht Appel) in der Wolkengasse.

Uc6er d a S S ü d d d e u t s ch e M ä n n c r - Qu i n t e tt, daS heute im Neuen Saalbau konzertiert, schreibt der Kölner Stadtanzeigcr u. a.:

DasSüddeutsche Koschat-Lieder-Quintett ist in der Flora ein regelmäßig und gern gegebener Gast. Wenn der Kölner, der auf musikalischem Gebiete, besonders in gesanglicher Hinsicht, durch Leistungen ersten Ranges verwöbnt ist, einem Sänger-Quintett derarNg znjubett, ivie es am Samstag abend der Fäll ioar, so muß daS ein musikalisches Ereignis sein. Und das wer es auch. Es ist nicht die Dualität des einzelnen Sängers, welche die Stärke dieses süddeutschen Quintetts ausmacht nein, es ist der Ensemble- Vortrag dieser Künstler, die mit dem Herzen zu fingen wissen, die den Intentionen unseres Volksliedes, insbesondere des Tirolers, gerecht werden, die uns bis zu Tränen zu rühren vermögen und ein herzhaftes Lachen hervorzaubern können. Sie batten den Zu­hörer in Bann uom ersten bis letzten Akkord, so daß dia in Konzert- säleu oft schmerzlich vermißte Ruhe des Publikums in der Flora musterhaft war.

)( Allend orf a. d. Lda., 28. Mai. Gestern abend wurde hier die Gründung eines Turnvereins be­schlossen. Vorläufig haben sich 15 Turnlustige zum Eintritt bereit erklärt.

8. Bad Salzhausen, 28. Mai. Dem durch den gesteigerten Besuch unseres Bades reger gewordenen Verkehr entsprechend wurd'e heute hier eine Postagentur er­öffnet.

8. Schotten, 28. Mai. Gestern fand hier in dem GasthausZur Krone" eine Wahlkreisversammlung des Bundes der Landwirte statt, wobei der Vorsitzende des Bundes der Landwirte Dr. Rösicke über die wichtigsten Tagesfragen referierte. Der Besuch der Versammlung war durch die ungünstige Witterung beeinflußt.

R. B. Darmsta dt, 28. Mei. Die Ernennung der Lotterie-Einnehmer der preußischen Klassen­lotterie im Großherzogtum Hessen ist vollzogen und die Namen werden demnächst veröffentlicht werden.

sd. Darmstadt, 29. Mai. (Eig. Drahtbericht.) Zwei jugendliche Strafgefangene, Gotta und Knoll, die vorher in einer Besserungsanstalt untergebracht waren und wegen verschiedener Vergehen zu drei und fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden waren, schlugen gestern abend in der Strafanstalt für Jugendliche den 51 jährigen verheirateten Oberaufseher Platz mit einem kleinen Handbeil, das sie sich bei einer Hausarbeit zu verschaffen gewußt hatten, nieder. Sie schlossen Platz, der bewußtlos war, in der Zelle ein und versteckten sich in einer Bodenkammer. Sie wurden aber bald entdeckt und fest genommen. Platz, der rechts gelähmt ist, wurde in das Krankenhaus geschafft. Sein Zustand ist be­denklich, es mußte noch in der Nacht eine Schädeloperation ausgeführt werden.

Israelitische Neligionsgemeinde.

Holtesdienft in der Synagoge (Südautage).

Mittwoch, den 30. und Donnerstag, den 31. M a i 1906-

Wochenfest.

1. Tag. Vorabend 7.45 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Predigt.

Nachmittags 4 Uhr.

2. Taq. Vorabend 9 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Nach­mittags 4 Uhr. Festesatlsgang 9.15 Uhr.

Israelitische Religionsgesellschaft.

(Sottest) fett ff.

Mittwo ch, den 30. und Donnerstag, den 31. Mai 1906.

Wocheufest.

1* Tag. Vorabend 8.00 Uhr. Morgens 8.00 Uhr.

Predigt.

Nachmittags 4.00 Uhr.

2. Tag. Vorabend 9.10 Uhr. Morgens 8.00 Uhr. Nach- rnittags 4.00 Ubr. Festesausgang 9.15 Uhr.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 30. Mai 1906: Wolkig, zeitweise heiter, trocken. Nach kühlerer Nacht Temperatur am Tage wenig verändert.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

Gcrlehtssaal.

sd. Beleidigung du r ch den Schriftsatz eines R e ch t s a n w a l t s. Jin Frühjahr 1904 waren, wie schon vorher so häufig, dasOsfenb. Abendblatt" und dieOffenb. Zeitung" in Fehde geraten, bei der sich die Gegner gegenseitig in ziemlich ener­gischer Weise ztt Leibe gingen. Die Folge der Polemik war eine Beleidigungsklage des Redakteurs derOff. Ztg.", Anton Beer, gegen den Artikelschreiber imAbendblatt", Abg. Scheide­rn a n n. Letzterer ließ durch Rechtsanwalt Dr. Katz in Frankfurt Widerklage wegen Beleidigung gegen Beer erheben. In dem betr. Schriftsatz führte Tr. Katz attS:In Nr. 59 wiederholt er diese Beschimpfungen, die nur der Ausfluß einer momentanen S i n tt e s v e r w i r r n n g sein können, in ungeheuerlicher Weise". Mit diesem Satz war Beer gemeint, der nun den Rechtsanwalt wegen Beleidigung verklagte. Das Schöffengericht in Offenbach verurteilte Tr. Katz wegen Beleidigung zu 2 5 Mark G eld- (traf e. Heute verhandelte die T a r m st a d t e r Strafkammer über seine Berttftt n g. Die Strafkammer verwarf die Berufung und beließ es bei dem Urteil des Schöffengerichts. Dr. Katz war wegen Beleidigung nach § 185 des Strafgesetzbuches zu bestrafen, der Schutz des § 193 war ihm zu versagen.

Gießener Strafkammer.

Gießen, 28. Mai-

Unter der Anschuldigung des Vergehens gegen das Viehseuche n.g esetz hatten sich die G e rn ei n d e s ch ä fe r von M ü n st e r und W e 11 e r f e l d H. S., H. D., sowie der Handels­mann M. F. aus Hainchen zu veranttrvrten. F. hatte einige mit Räude behaftete Schafe den Herden der Schäfer zngefühtt, trotzdem er wissen mußte und nach Ansicht des Gerichts auch wußte, daß sie mit einer Krankheit behaftet sind. Wächrend V. die verdächtigen Schafe alsbald zurückwies, aber von einer An­zeige, absah, ließ S. die Schafe bei seiner Herde, bis diese ganz durchseucht war. Er machte zwar den Schafbesitzern davon Anzeige, die die Tiere nach und nach abschlachten ließen, bis dies dein Bürgermeister aufsiel, der die Anzeige erstattete, worauf die Ab­schlachtung des Restes der Herde behördlicherseits verfügt wurde. F. wurde zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt, S. erhielt die Minimalstrafe von 1 Monat, während cs bezüglich des V. zu Frei­spruch kam.

Durch das hiesige Schöffengericht wurde der Handels­mann I. L. von Alsfeld wegen Beleidigung c i n e s S ch u tz - manns zu 80 M k. Geldstrafe verurteilt. Die Handels­leute haben die Gepflvgenheit, auf dem Wege vom Markt nach