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Redaktion. Expedition u.Druckerei: Schulstr.7.
Del. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Siebe*.
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politische Lagesscha«.
Die Reichstagswahlen in Darmstadt und Hannover.
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führen, bah wir in Deutschland unseren natürlichen B e r b ü n d c l e n erblicken. Meine eigenen Beziehungen zu Deutsch- land waren mehr akademisch als diplomatisch. Lassen Sie mich zwei Eindrücke wiedergeben, die ans diesem akademischen Der- hältnis bervorgehen.
Was den deutschen Professor betrifft, so ist er nicht, wie wir zu glauben geneigt und, aus anderem geistigen Stoff ge- gemacht als bic akademischen Lehrer unseres Landes. Ja, eine gewisse Schnelligkeit und Anstelligkeit findet man hier häufiger als drüben. Ter Unterschied zwischen dem deutschen und brn amerikanischen Professor bestehl hauptsächlich darin, daß jener schwerer und ausdauernder arbeitet als wir, und vor allem darin, daß sie drüben schon mit zehn Jahren anfangcn tätig und ernstlich zi: arbeiten und nie mehr auihören, so lange sie leben. Tas bringt den besonderen Gelehrtentyp hervor. Ter deutsche Gelehrte begnügt sich mit seiner Arbeit, ist nicht ehrsüchtig, dem kommer-ziellen, dem diplomatischen, dem Hofleben der Großstadt fern,, bei seinen Ausgaben glücklich und zufrieden damit, der Genosse großer Bücher und großer Gedanken zu sein.
Tie Volksbildung in Deutschlaick besitzt eine Ausdehnung, die man anderswo nicht kennt. So sah ich z. B. die Aufführung von drei Shakespeareschen Dramen an einem Tage in verschiedenen Theatern Berlins angekündigt, und alle diese Theater iverdcn vom Publikum stark besucht: und in einem Berliner Zirkus,
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^ros. Peabody über Deutschland.
Daß Professor Peabody, der „AuStauschprofesfor von drüben", aus Berlin als aufrichtiger freund Deutschlands nach Amerika zurückgelehrt ist, hat er nach der Rückkehr bei feinem ersten öffentlichen Auftreten bewiesen. Im „20th Century Club", bcip geistigen Mittelpunkt Bostons, hat er seine Eindrücke in einer bedeutsamen Rede vor einer aufmerksamen Zuhörerschaft dargelegt. Den Berichten der Bostoner Blätter entnimmt die .Newyorker Siaats-Ztg." einige Auszüge aus der Rede:
Prosessor Peabody wandte sich zunächst gegen das weitverbreitete Bo rur t e il, als ob Deutschland der Störensried unter den Nationen märe. „Gin Hauptgrund," sagte er, „für die weitverbreiteten Verdächtigungen Deutschlands ist in der außerordentlichen und vielleicht nie vorher dagewesenen kommerziellen Entwicklung, welche dieses Land während der letzten ‘25 Jahre durchgemacht hat, zu suchen; diese Entwicklung hat, wie das Wachstum von Städten wie Frankfurt und Hamburg zeigt, weite Gebiete, die einst dem Landbau dienten, in wahre Wälder von rauchenden
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Ss können noch Schülerinnen in ««-»'Mafien ausgenommen werden. Weifinäh-n nnd Sticken auch Nachmittags. Der Schneidcrknrius tue Damen, w-.ch- fd>on Srialjnmg im Schneidern haben, findet an ,w°. Vornnitage« statt. ?!»mcldnngen im Schnliokalc von 10 bi. 1- Nq».
£,. 51öser. Obcrlchrerm.
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Die sozialdemokratische Presse sieht den Ausgang dec Reichstagswahlen sowohl in Darmstadt als in Hannover als ihr sehr günstig an. Demgegenüber muß festgestellt werden, daß ein sozialdemokratischer Sieg wenn auch da wie dort wohl möglich, aber keineswegs sicher ist. Die bürgerlichen Parteien verfügten in Darmstadt am Mittwoch über mehr als 16 000 gegenüber mehr als 13 000 soz. Stimmen, in Hannover 1903 über eine Stimmenzahl von 24234 gegenüber 27 381 sozialdemokr. Stimmen. Nun werden ja freilich wohl in Darmstadt angesichts der außerordentlichen Heftigkeit der Fehden zwischen den beiden bürgerlichen Gruppen manche von den Korellschcn Wählern am Stichwahltage mißgestimmt zu Hause blieben, andere vielleicht zu den Sozialdemokraten übergehen. Zweifellos aber befinden sich unter den Korellwahlern diesmal sehr viele, die früher nationalliberal gewählt haben, und diese werden nun ganz gewiß Dr. Stein wählen. ?luch viele Freisinnige werden wohl dem Rationalliberalcn ihre 'Stimme geben. Aber unter den Nationalsozialen wird wohl mancher Berthold wählen. Immerhin ist es wohl möglich, daß am nächsten Freitag mehr als die Hälfte der Korell-Wahler auf feiten Steins zu finden sein wird.
^n Hannover sind die bürgerlichen Aussicyten ge- rmaer. Es hatten dort 1903 aber von 71995 Wahlberechtigten nur 53 867 gewählt, also nur 75 Proz., 18128 Wähler waren ivahlsäumig. Man nimmt wohl mit Recht an, daß damals die Sozialdemokratie fast alle ihre Leute an die Urne gebracht hat; folglich werden die Wahlsäumigen größtenteils im bürgerlichen Lager zu suchen sein. Zählt man nun die Hälfte der Stimmen der Wahlsäumigen den bürgerlichen Kandidaten zu, so ergibt sich eine Stimmenzahl von 33 ^98. Tas wären sonach fast 1000 Stimmen mehr, als der Sozialdemokrat 1903 erhalten hat. Bekanntlich Hal auch im kreise Dieburg.Offenbach Herr Dr. Becker 1903 nut einer Mehrheit von 1600 Stimmen gesiegt, obwohl der Hret§ seit 1881 sozialdemokratisch vertreten war und Herr Ulrich 1898 schon bei der Hauptwahl mit 3000 stimmen Mehrheit über sämtliche bürgerliche Parteien siegte. Dieses erfreuliche Ergebnis war dadurch herbeigeführt worden, daß, : während 1898 nur 65 Prozent aller Wahlberechtigten wählten, 1 im ' Fahre 1903 88,3 Prozent ihrer Wahlpflicht genügten.
Wenn also die bürgerlichen Wähler in Darmstadt und Han- ‘ UODCr ihre Pflicht tun, dürften die bürgerlichen Siege nicht
ausgeschloffen sein.
Pfarrer Korell erläßt folgende Danksagung an seine Wähler:
Der 25. April hat mich nickt in die St ick,wähl gebracht. Meine persönliche Aufgabe 'für Die Rcimstagsersatzwahl 1906 ist erlebtet, ich lege meinen Auftrag zurück in die däube des
Der „vereinigten Liberalen". Uebrig bteibt mir nur die Li licht, Dani, herzlichen Dan? allen meinen Wählern zu lagen, datz ne mir ihr Vertrauen geschenkt hckeu.____________ ______—.
in dem eine große Anzahl einfacher Leute ein Eintrittsgeld von 10 oder 15 Cents bezahlt hatte, erregte ein Clown durch dramatische Nachahmung von Charakteren aus Schillers „Stabalc und Liebe" und den „Räubern" wahre Lachsalven. Man denke sich einen amerikanischen Zirkus, der dem Bildungszustande seines Publikums die ausgclassenkomischeit Nachahmungen eines „Hamlet" ober eines „Macbeth" zu muten würde. Ties ist also der Hintergrund geistiger Allgemeinbildung, auf dem die höhere Gelehrsamkeit Deutschlands beruht und Stärkung und Auffrischung findet. Hier ist der Kulturtypus, der in so mancher Hinsicht dem unserigen gleicht — natürliche Verwandte durch geistige und sittliche Ab- tammung, von einem Schlag und in der Hauptsache mit denselben Zielen: Frieden verbürgend durch ihren Wohlstand und Forlschrut verbürgend durch ihre Ideale".
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Schornsteinen verwandelt. Dadurch kommt Deutschland zweifellos in rege Konkurrenz mit Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Vorn Standpunkt des unparteiischen Beobachters aus kann mail aber in dieser Entwicklung des deutschen Handels nur einen großen Vorteil für den Fortschritt der Zivilisation und eine der besten Garantien für den Frieden sehen. Die lebende Generation in Deutschland sieht ihre Hoffnung im industriellen Fortschritt und im dauernden Wachstum des Handels. Erscheint es nicht, von unserer Seite des Wassers aiis gesehen, lächerlich, dieses Wachstum als eine Gefahr iür den Frieden zu beklagen und habet selbst diesen Frieden zu gefährden durch die Androhung von Zollrepressalien mit Verweigerung der Rezi- rroÄÜät ? Emen weit ernsteren Grund zu Befürchtungen stehl man in der Militärmacht Deutschlands, und ich für meinen Teil muß gestehen, daß ich zu jenen altmodischen Leuten gehöre, die in der Vermehrung des Heeres und der Flotte keine glaub- lafle Prophezeiung des Weltfriedens sehen. Es gibt sedoch gewisse Umstände, welche in Deutschland diesen Militarismus unvermeidlich machen. Wir haben da ein Land ohne natürliche Grenzen, aber mit der drohenden Macht Rußlands an der einen unb mit Frankreich und seinen uiwernnrbten Wunden auf der andern Seite; im Innern neigen die große polnische Bevölkerung, die sich niemals völlig assimiliert hat, so wie die grolle Aiasse der Sozialdemokraten zum "Aufruhr. Unter diesen Umstanden finden die starke Hand und der starke Arm dort ihre Rechtfertigung In einem Grade, für den es bei uns keinen Vergleich gibt . . .
Was aber bei diesen Erscheinungen m Deutschland am meisten verdacht und Mißverständnis heroorruit, ist die Ansicht über den Charakter des Kaisers, der einen so großen Emflus; auf kbe Regierungshandlung im Reiche ausübt. Viele Menschen scheinen »u alanben, daß er eine herausfordernde, ehrsüchtige, skrupellose, vorschnelle Persönlichkeit sei, ein Mann, dessen bloße Existenz schon rnie Bedrohung der Kulturwelt bedeute. Lassen Sie mich daran zinnern, daß der deutsche Kaiser ein Menschenalter hindurch seinem riplke den Frieden gewahrt, und daß er vor em paar Monaten bei der Reichstagseröffnung öffentlich verkündet hat, bau es fern <cfter Entschluß und seine heilige Pflicht sei, den orteben zu erhalten. Wenn man ben beulschen Kaiser kritisiert, muß man ferner bedenken, daß er augenblicklich die b e d e u t e n d st e g e lstlge E r s ck e i n u n q ist, welche die Aufmerksamkeit der We t erregt. Niemand, ber nut ihm in Berührung kommt, kann sich diesem Eindruck entziehen. Seine Vielseitigkeit, die außerordentliche We it e s eiues Wissens und die L cich tigkett, mit bet e7 sich über alles unterrichtet, sind ein Quell immer neuen Staunens. Ich habe einen P lysikpro e o Ingen hören, der K a i s e r wisse mehr über P H y, l k u n Elektrizität als irgend cm anderer M e nf ch, den t c kenne • ich habe einen Anatomi eprofes j o r ganz d a - selbe übe?die Kenntnisse deS Kaisers in der Physiologie sagen hären und was Theologie und Philosophie betrat, kann
lolen R^tur entfernt ist. Daneben ist dieser merkwürdige Mensch den höchsten sittlichen Idealen zugewandt. Er Hal groszzugiae An- sLten eine Eiholuiig bilden edle Gespräche über grope Gegen- ' ? Pb e3 bef er i)t, daß em Volk von einer so bedeutenden
Sinnlichkeit Geleitet wird, ober ob cs besser ist, wenn em König Versonlichkelt geiei e , und das Regieren lernen Ministern • LiniP--[\mU9;näfrf>9nirht entscheiden, aber cs ist schwer in einem so tebeu°enbe™ Seifte unb stet- wachen Sewisten eine Drohung für tcu Nann°m?ch mdjt'non bem Bilde beS KaiferS wegwenben
, r v ifhünen würdigen und frauenhaften Charakter der ohne auf ben fronen, wuraige G§ ift von größtem Wert |ur Ä*i s^ch7 r'Ta iA e'ii jeren europäischen sE ^was anderes zu sehen als
Ichwi^ig, m emem s ch n nnberen Nationen nur anraicn
jm Muster dem o 'o^en gegenwärtigen Entwicklungs-
»>iv glücklich überlieferte Z inuy die Hoffnung jedes
Äle/°UeFw ^Äk^erwaLch^ der °Zuf.«n^^°,,?e dn^n
S.Toinrcra^^^ Un>> tot«,' ^I-Hkn caalt P 's h5fU:n ir nhd) i
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Bio«!*'
Eines hat das WaUcrgebnis mit unbestreitbarer ^cutUd>tcit erwiesen - der cni schied en sozial gc r 1 t c t c Xtbe- raliSmuS bat festen Bvden m ber Wählers charr des Wahlkreises Da r m stadt-Grss> - Ge r au. Don 1900 fteifinnigen Ltinimen ist die Zahl der „Dcreuuaten liberalen" auf 5800 gestiegen Sie find schon nach diesem ersten Versuche zweifellos mit die stärkste der sogenannten bürgerlichen 'Bartern: die Reaktion und die Sozialdemokratie, denen ich eme beträchtliche Zahl Stimmen abgenommcn habe, können nt<ht mehr über die „vereinigten Liberalen" spötteln. _ _
Die Wahlzisfern zeigen Jedem, der sehen wul, daß das Ma'idat nur durch den Liberalismus erobert werden kann, den von links Stimmen gewinnt und festhält.
Ich höre, daß hie und da Enttäuschung vorhanden ist, weil wir nicht in die Stickuvahl gekommen sind. Run? auch em mow'cher Baum fällt nickt am einen Hieb. Wir haben aber durch ben*25. April geradezu die Pflickst, mitzuwirken an den großen Ausgaben des Liberalismus in unserem deutschen Baterlande Liberale! Organisiert Euch! 2lrbcitet, daß die Freiheit und Wohlfahrt und durch sie dos Vaterland steige. Glückaufs
Handel nnd Verkehr, Volkswirtschaft.
Berlin, 27. April. In ber heute abgehaltenen Versammlung der Centrale für SpirituSverwerlung unb ber zugehörigen Sprit- iabrifen wurde mit weit überwiegender Mehrheit der Anfchlns; an das neue Spirit uSfyndrkat geneljmigt. Einer kleinen A 'zahl von Fabriken, die heute wegen meist formeller Schwierigkeiten noch mcht in ber Lage waren, schon definitiv ihren Beitritt zu erklären, wurde für ihre endgültige Entscheidung eine kurze Nachfrist geivatn't.
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Nr. 99 Drittes Blatt IS«.Jahrgang Samstag Ä8.April 1906
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Ustsßsch« cavdwttt" erscheint monatlich einmal UM V W V V iS
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