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20/12/1906 Drittes Blatt
 
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Nr. 299 Drittes Blatt

156. Jahrgang Donnerstag 20. Dezember 1906

Erscheint täglich mit Ausnahme des Lonning».

DieSiehener ZamilienblStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der ^rfflsche Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Gießener Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Brühk'fchen Universilälsdruckeret. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7.

Tel. Nr. 6L Telegr^Adr. i Anzeiger Gießen.

General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigebiatt für den Kreis Siegelt.

politische Tagesschau.

Die Ausführungen des ital. Ministers des Aeußern, Tittoni, in ver ucuieni|cl)cn stammet tugi. unsere gestrigen ,,Auslands"-Meldunaen) werden, wie das Depeschenbureau Herold meldet, an Berliner amtlichen Stellen mit großer Befriedigung begrüßt. Sie bilden eine willkommene Er­gänzung zu den Reden, die seinerzeit Fürst Bülow im yteicijßLage und die jungst Baron Aehrenthat vor der österr. und ungarischen Delegation über das gleiche Thema gehalten haben. Sehr erfreut ist man zumal darüber, daß Tittoni selbst darauf hingewiesen hat, die Loyalität Italiens gegen­über den beiden anderen Dreibundmächten müßte die un- oedingte Voraussetzung bilden für das freundschaftliche Ver­hältnis des apenninischen Königreichs zu den anderen Staa­ten. Für besonders beachtenswert wird erklärt, daß Tittoni die tendenziösen Ausstreuungen, als ob Deutschland gegen Has Abkommen Italiens mit Frankreich und England hm- sichtlich Abessyniens irgendwelche Schwierigkeit bereitet hätte, ausdrücklich dementiert hat.

Wie es scheint, hat man in Italien in der letzten Zeit gelernt, den Wert des Dreibundes höher einzuschatzen, als dies seit Jahren der Fall war. Offenbar gelangte man durch verschiedene Vorfälle zu der Ueberzeugung, daß sich Frankreich davor hüten werde, Italiens Kolonialbestreb- nngen anders als rein platonisch zu unterstützen. So hat sich Frankreich bei der Lösung der Marokkosrage den Löwen­anteil zu sichern gewußt, wahrend Italien sich damit be­scheiden mußte, bei der Konferenz von Algeciras mitzutun, ohne sich nennenswerte Vorteile verschaffen zu können. Da­gegen ist Italien allerdings mit Frankreich und England an dem Bau der Abessinischen Eisenbahnen beteiligt, aber der Vertrag hängt solange in der Luft, als Kaiser Menelik seine Zustimmung verweigert. Dies sind nur einige Bei­spiele für die Tatsache, daß Italien von seiner Freundschaft mit Frankreich nicht den mindesten Nutzen ziehen kann, während es von dem Bündnis mit Deutschland und Oester­reich-Ungarn wenigstens soviel profitiert, daß es weder einen kriegerischen Konflikt zu befürchten hat, noch seine Rüst- ungen auf eine Höhe zu treiben braucht, welche mit seiner Finanzkraft nicht im Einklänge steht. Aus diesen Erwäg­ungen heraus hat wohl Minister Tittoni das hohe Lied des Dreibundes gesungen. Hoffentlich wird die Rede Titto- nis bei den Italienern selbst ein nachhaltiges Echo finden!

Uno ftaito«

Sprechstunden bei incüi.it . .<« 1 UVv uornu, *.a?VrL Uhr abds.

Gießen, den 20. Dezember 1906.

In der juristischen Staatsprüfung, die in Darmstadt in der zweiten Hälfte des Monats Oktober stattfand, haben von 22 Referendaren, die sich dieser unter- zogen, 18 bestanden. Die 4 Zurückbleibenden müssen nach gesetzlicher Bestimmung ein ganzes Jahr warten, bis sie sich zu diesem Examen wieder melden können.

Fleischpreise. Man schreibt uns aus dem Vogelsberg: Kaum sind die Preise für die fetten Schweine etwas herabgegangen, so schnellen sie auch wieder in die Höhe. Seither war ein Rückgang der Preise bis zu 46 Pfg. für das Pfund Lebendgewicht erfolgt, jetzt ist die Erhöhung wieder bis auf 60 und 52 Pfg. geschritten. Am wenigsten geniert jetzt den Landbewohner diese Preiserhöhung, da überall hier die Hausschlachtungen erfolgen. Die Fleisch, teuerung macht sich beim Wildbret gar nicht bemerkbar, wohl aber bei dem Verkaufspreis der fetten Gänse. Alljährlich sindet um diese Zeit vor Weihnachten der Verkauf von Mast­gänsen auf dem Lande statt. Früher wurde für das Pfund 50 Pfg. bezahlt, jetzt aber 60 Pfg.

i. Grün berg, 19. Dez. Den besten Beweis für den Wohlstand einer Gegend bilden die Kasseneinlagen der Be­völkerung. Diese Einlagen haben in den letzten Jahren eine namhafte Steigerung erfahren. Die gute Ernte, die Höhe der Viehprcise, die Milchlieferungen an die Molkereien und dergl. find hier die Wohlstandsquellen. Die Tage vor Weih- nachten dienen den Kaffengeschäften und bringen unserer Stadt auch gegenwärtig einen recht regen Besuch. Daß unsere Geschäfte, insonderheit die mit speziellen Weihnachtsartikeln, den Wohlstand der Umgegend spüren, darf sicher angenommen werden.

-j- Laubach, 20. Dez. Mit Genugtuung muß eS begrüßt werden, wenn einzelne Berufene sich finden, weitesten Kreisen der Bevölkerung das Verständnis für die tausend­fältigen Vorgänge in der Natur in Form von Belehrung und Anregung zu erschließen. Zu diesen Berufenen gehört Physiker Dähne auS Dresden, der am 17. und 18. d. MtS. zivei Experimentaloorträge, die sich eines Besuches von über 200 Personen zu erfreuen hatten, selbst aus der Umgegend waren Pfarrer, Lehrer und Bürgermeister in großer Zahl herbeigekommen, im Saale des »Solmser £of* abhielt. Die beiden populären Experimentalabende über die interessantesten Erscheinungen auS dem Gebiete der elektrischen Fernkräfte und der Farbenlehre in ihren Anwendungen auf die Photographie in natürlichen Farben gehören zu dem besten, was in dieser Richtung gezeigt werden kann. Die leicht verständlichen, fließenden, überaus belehrend und an­regend wirkenden Vorträge waren von einer Reihe pracht­voller Experimente begleitet, die Redner mit spielender Sicher- heit zur Ausführung brachte. Lebhafter Beifall der auf- merksamen Zuhörer wurde dem Vortragenden zu teil.

B. B. Darmstadt, 18. Dez. Die im vorigen Jahre in Darmstadt gegründete Schutzmannschule für das Groß- herzogtum Hessen hielt in der Zeit vom 22. Oktober bis heute wiederum einen Unterrichtskursus ab, an dem 21 Schutzleute inib zwar 4 von Darmstadt, 10 von Mainz, 3 von Worms, 2 von Bad-Rau heim, 1 von Gießen und 1 von Alzey teilnahmen. Heute vormittag ivurde mit der Prüfung be- qonncn, zu der sich Regierungsrat Freih. v. Starck als Ver­treter Großh. Kreisamts Darmstadt, Bürgermeister Dr. Sutor- Alzey und Polizeiamtmann Herberg-Gießen einfanden.

Während des Unterrichtskurses erteilten Unterricht in den beigefügten Fächern 1. Staats- und Verwaltungsrecht: Regie­rungsrat Dr. Kratz, 46 Stunden. 2. Gewerbepolizei: Polizeirat Dr. Obstfelder - Mainz, 32 Stunden. 3. Strafrecht I. Teil (Reichs-Strafgesetzbuch, mit Ausnahme der Uebertretungen): Polizeiamtmann Emmerling, 81 Stunden. 4. Bürgerliches Recht: Regierungsassessor Heß, 46 Stunden. 5. Gerichts­verfassung, Strafprozeßordnung, Kriminalistik: Polizeiassessor Krämer, 56 Stunden. 6. Allgemeine Dienstvorschrift, Straf­recht II. Teil (Uebertrctung des Retchs-Strafgetzbuchs, Polizei- strafgesetz und strafrechtliche Nebengesetze): Polizei-Inspektor Bischoff-Worms, 89 Stunden. 7. Schön- und Rechtschreiben: Zeichner Simon, 80 Stunden. 8. Rettungs- und Kranken- beförderungsdienst: Oberleutnant a. D. Lotheißer, Stabsarzt Dr. Ramboldt und Führer Kreiter: 13 Stunden. 9. Turn­unterricht : Turnwart Hofferberth, 15 Stunden. Von Professor Dr. Dannemann-Gießen wurden an vier Nachmittagen Vorträge über Kriminalpsychologie und Psychiatrie tn gemein­verständlicher Darstellung gehalten. AuS der Prüfung ging hervor, daß die Prüflinge auf allen vorerwähnten Gebieten gut unterrichtet sind, denn die gestellten Fragen wurden durchschnittlich mit Sachkenntnis beantwortet und legten Zeugnis davon ab, daß die Teilnehmer großen Nutzen von dem Unterricht gehabt haben. Im Anschluß an vorstehende Prüfung fand nun noch in der Turnhalle der Turngemeinde Darmstadt eine praktische Prüfung der Schüler im Sanitäts­dienst und im Turnen statt. Die Resultate über den Schön- unb Rechtschreibeunterricht lagen in Heften vor. Der Vor­sitzende, Regierungsrat Dr. Kratz, machte zum Schlüsse noch die einzelnen Noten bekannt. 7 Prüflinge erhielten die 9lote 2, 6 Prüflinge die Note 8 und 8 Prüflinge die Note 4.

X. WormS, 17. Dez. Auf Veranlasiung des KreiS- amts wurden die preisgekrönten Entwürfe zu Klein­wohnungen, die aus dem im vorigen Jahre vom Hesi. Zentralverein für Errichtung billiger Wohnungen veran­stalteten Wettbewerb heroorgegangen sind, in Osthofen und Pfeddersheim ausgestellt. In beiden Orten fanden Ver- jammlungen statt, in denen LandeswohnungSinspektor Gretzschel die auf Hebung des ästhetisch-künstlerischen Geschmackes im Bauwesen, namentlich beim Kleinwohnungsbau, gerichteten Bestrebt» igen erläuterte und gleichzeitig die soziale Seite der Wohnungsfrage beleuchtete. Der starke Besiich und der mit den Vorträgen erzielte Erfolg hat gezeigt, welches große In- tereffe den Bestrebungen des Vereins entgegengebracht wird, wie damit auch ein Fingerzeig gegeben wurde, daß die Pro­pagierung dieser Bestrebungen auch auf dem Lande zweck­mäßig ist. Denn gerade auf dem Lande entstehen in der Hauptsache kleine Häuser, bei deren Errichtung in den letzten Jahrzehnten eine schematische Bauweise Platz gegriffen hat.

Sitzung de» Provinzial-Ausschusses.

Gießen, 19. Dezember.

Dem ersten Gegenstand der TagesordnungUnter­haltung der Lahn auf der preugischchessischen Landes­grenze" lag folgender Tatbestand zugrunde. An der Grenze der Gemarkungen Fronhausen und Friedelhausen ist durch mangelhafte Unterhaltung der Lahnstrecke das preußische User angegriffen und erweitert, das hessische hingegen ver­landet worden. Es wurde von Großh. Kulturinspektion Gießen ein Projekt zur Beseitigung dieses Mißstandes auf­gestellt, dessen Kosten sich auf 6500 Mk. belaufen. Der Staat erklärte sich bereit, von diesem Betrag zwei Drittel zu übernehmen und das Großh. Kreisamt stellte an die Freiherr Adalbert von Nordeck zur Rabenausche Nachlaß­verwaltung als Inhaberin der Gemarkung Friedelhausen das Ansinnen, das Übrige ein Drittel zu übernehmen. Zur Begründung wurde angeführt, die Verschiebung des Layn- bettes sei dadurch veranlaßt worden, daß die Userverland­ungen in der Gemarkung Fricdelhansen nicht ausreichend alljährlich beseitigt und der Uferabbruch nicht ordnungs­mäßig verbaut worden sei. Darauf ging eine zusagende Erklärung nicht ein, vielmehr beantragte der Vertreter der Nachlaßverwaltuna, dieses Ansinnen abzulehnen. Der Kreis- ausschuß des Kreises Gießen beschloß jedoch in seiner Sitzung vom 29. September d. I., dem Ansinnen beizurreten und die Nachlaßverwaltung für schuldig zu erkennen, zur Ausführ­ung des Projekts den ungedeckten Teilbetrag der gesamten Ausführungskosten bereit zu stellen. Der Vertreter der Nachlaßvenvaltung verfolgte gegen diese Entscheidung Rekurs an den Provinzial-Ausschuß. Diesen stützte er darauf, daß es sich bei den vorgesehenen Arbeiten nicht um Jnstandhaltungs-, sondern um Neßulierungsarbeiten handele. Sei dies aber der Fall, so könne ein Anlieger des Flusses nur insoweit in Anspruch genommen werden, als ein materielles öffentliches Interesse vorliege. Wenn der Anlieger aber mit Recht in Anspruch zu nehmen sei, so müsse er wenigstens vorher gehört werden. Außerdem beanstandete der Vertreter die Höhe der Kosten. Ter Pro- vinzial-Ausschuß beschloß heute, zunächst an Ort und Stelle Einficht zu nehmen.

Sodann fand die Verhandlung über die Kosten des Geländeermerbs für die Nebenbahn LaubachMücke statt. Diese Kosten waren von der Stadt Laubach sämt­lich vorgelegt und dann den einzelnen Gemeinden nach Maßgabe einer von ihr in Gemeinschaft mit Großh. Kreis- amt Schotten aufgestellten Bcrechliung wieder angefordert worden. Während dieser Berechnung von den Gemeinden und Gemarkungen Solms-Ilsdorf, Klein-Eichen, Larden- bad), Laubach, Stockhäuserhof, Flensungen, Ilsdorf, Kirsch­garten, Merlau und den Vertretern der in den Gemar- fungen Merlau, Flensungen, Ilsdorf, Kirschgarten, Weik- tartshain und Lauter gelegenen selbstälidigen fiskalischen Gemarlungsteile zugestimmt ivurde, verlangten die Ge­meinden Altenhain, Bobenhausen II, Freienseen, Gonters- lirchen, Groß-Eichen, Höckersdorf, Ruppertsburg, Sellnrod, Wetterseid, Wohnfeld, Ruppertenrod, Wettsaajen, Stock- hause'.l und Weickartshain sowie die Obersörsterei Feld-

Drücken für die Gemarkung Petershainerhof und die Gräfl. Solms-Laub ach'sch e Reiitkammer für die Laubacher Wald­gemarkung I und II und Flensungerhof teils eine Herab- etzung des ihnen angesonnenen Beitrags, teils eine Be- reiung von demselben, Aum teil auch waren sie mit dem Beitrag einöerftanben und bestanden nur auf einer stärkeren Heranziehung der Stadt Laubach. Die Sache gelangte ur Entscheidung an den Prooinzialausschuß, der zunächst von den beteiligten Kreisausschüssen der Kreise Alsfeld, Gießen und Schotten motivierte Gutachten einforberte. Nachdem diese eingegangen waren, konnte heute zur Sache verhandelt roerben. Die Parteien waren fast sämtlich er-- chienen. Nach längerer unb eingehender Verhandlung wurde die Beschlußfassung ausgesetzt.

Schließlich war noch über das Gesuch beS Heinrich Klehm zu Heegheim um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft zu entscheiden. Dieser will an einer neuen Straße eine Wirtschaft für den Durchgangsverkehr einrichten. Der Gemeinderat verneinte die Bedürfnisfrage und der Kre»S- ausschuß des Kreises Büdingen lehnte das Gesuch ab. Der an den Prooinzialausschuß eingelegte Rekurs deS Vertreters des Gesuchstellers war ohne Erfolg, denn auch dieser konnte ich von dem Vorhandensein eines Bedürsnisies in seiner heutigen Sitzung nicht überzeugen. Er wieS daher den Gesuch- steüer kostenfällig ab.

vermischtes»

"EinejungverheirateteFrau namens Cathe­rine Neil wurde von der Newyorker Polizei unter dem Verdacht, ihren Gatten, dem sie erst vor wenigen Wochen angetraut war, auf geheimnisvolle Weife ermordet zu haben, verhaftet. Sie war mit ihrem Gatten auf der Hochzeitsreise in einem Hotel in Greenwich, einer kleinen Stadt in Connecticut, ab­gestiegen. Es waren kaum 10 Minuten vergangen, daß das junge Paar in dem Hotel eingetroffen war, als die Frau zu dem Wirt kam und ihn bat, nach einem Arzte zu senden, da ihr Mann ohnmächtig geworden sei. Der sofort herbei« geholte Doktor konnte nur den Tod deS Mannes konstatieren. Die junge Frau erklärte, daß sie zu ihrer Mutter zurückkehren wolle und verließ mit allen Zeichen der tiefsten Erschütterung daS Hotel. Als der Arzt den Toten nochmals genau unter­suchte, bemerkte er einen ganz kleinen Blutfleck unter dem linken Auge. Es stellte sich heraus, daß der Mann mit einer langen Nadel, die bis in baß Hirn getrieben war, getötet worden war. Erne der Frau des Ermordeten gehörende Hutnadel wurde auf der Erde gefunden. Genaue Nachforschungen der Polizei ergaben, daß Neil, der ein wohlhabender Schmied war, seine Frau vor ungefähr vier Wochen heimlich geheiratet hatte. Mit Rücksicht auf seine Familie wollte er die Ehe nicht öffentlich bekannt geben. Die junge Frau hatte ihn fortwährend gequält, ihr durch Bekanntgabe der Heirat die ihr gebührende Stellung zu ver­schaffen. Neil war jedoch nicht dazu zu bewegen, der jungen Frau nachzugeben, und machte am Tage vor seinem Tode ein Testament, in dem er seine Schwester zur Unioersalerbin einsetzte. Es scheint, daß die Frau durch diese Tat ihres 'Mannes sich auf9 bitterste gekränkt fühlte und blutige Rache an ihm zu nehmen beschloß. Andererseits ist es eigenartig, daß sie sich den Nachforschungen nicht entzog, sondern im Hause ihrer Mutter in Newyork blieb, wo die Verhaftung erfolgte.

DaSunbergeignetbe* Schwein. In dem Dorfe N. in Hannover war einem Anwohner ein Schwein zugelaufen. Am andern Tage erließ der Ortsvorsteher eine Bekanntmachung, die öffentlich angeschlagen wurde. Dieser Ukas des Ortsgewaltigen lautet:

Das underzeignelde Schwein, eine Sau mit zwei schwarzen Ohren, die an 300 Pfund schwer, ist am Dienstag abend hier, bei Christian Sussrian zugelaufen. Der Eigenthümer kann es nach Meldung bei den Underzeignetden und bei Erstattung der Futterkasten an Suffrian in Empfang nehmen.

91, 12. Dez. 1906.

Der Gemeindevorsteher (folgt Name).

DaS beste aber ist, daß das Schwein abgeholt wurde oon einem Fremden, dem es nicht gehörte, und daß tags darauf der wirkliche Besitzer sich einstellte. Nun ist das Schwein fort und gegen «das underzeignelde" ist die Klage auf Erstattung eingereicht worden.

Gerichtssaat.

Berlin. 19. Dez. Die Straskammer deS Landgerichts ver­urteilte den 'Redakteur der »Zeit am 'Montag", Kars S ch n e i d t, ivegen Beleidigung der Berliner Sittenpolizei zu zwei Atonaten Gefängnis.

Landau (Pfalz), 19. Dez. Die Strafkammer verurteilte den Winzer Thirolj oon Maikammer wegen Lergehen gegen das Weingesetz durch Ueberstreckung des Verkaufsweins mit Wasser zu 1000 Alk. Geldstrafe oder 100 Tage Ge­fängnis.

Franken 1ha l, 19. Dez. Gegen die Hochstabler Ge­brüder Will, die in Süddeutschland große Betrügereien verübt haben, wurde heute vor der hiesigen Strafkammer verhandelt. Bei x3ol)(um Will lautete das Urteil auf eine Gesamtzuchthausstraie von 10 Jahren, 2400 bezio. 900 Alk. Geldstrafe und 10 Jahre Ehr­verlust, bei Jakob Will auf eine Gelängnisstra'e von 6 Jahren und bei Josef Will auf eine solche von 5 Jahren 6 Monaten; bei Jakob und Josef Will wurde außerdem auf o Jahre Ehrverlust erkannt.

Märkte.

[ ] Marburg, 18. Dez. Im Jahre 1907 finden hier folgende Märkte statt: 4. Februar, 25. Marz, 1. Mai, 2. Juli, 1. Etiober, 19. November und 31. Tezember Krammärkte. 21. März und 12. September Pferdcmärkte. 21. Februar, 14. Marz, 18. April, 16. Mai, 20. Juni, 11. Juli, 8. August, 5. September, 10. Oktober und 28. November Schwememarkte.

Limburg n. o. L., 19. Dez. F r u ch t m a r k t. Turch- schnlttspreise pro Dialter. Roter Weizen (Nassauischer) 15.00 Mk., weißer Weizen 00.00 Alk., Korn 12.30 Mt., Gerste 00.00 Alk., Hafer 0.00 Alk. Erbsen 0.00 Mk» Kartoffeln 0.00 Alk.