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Nr. 176 Zweites Blatt
8r14dnt tLzNch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gfefomt fiamllicnblättcr“ werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^tsfilch« tanbroltt4' erscheint monatlich einmal.
LES. Jahrgang
Monrag 30. Juli 1906
RotatiorrSdrnck und Verlag der Brühl*schM
UnwersitLtSdruckeret. 9L Lange, Dtetze».
Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schnlftr.U.
Tel. Nr. 6L Telegr^Adr. r Anzeiger Gtetze«,
General-Anzeig«, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Potttische Lagesscharr.
Abg. Cuno.
Folgendes über den neugewähltcn Abgeordneten für Hagen-Schwelm Cuno, dürste von allgemeinem Interesse sein, was die tat hol. Berliner „Germania" mitteilt:
Oberbürgermeister Willi Cuno wurde 1860 geboren als Sohn des verstorbenen Verwaltungsdirektors der städtischen Gaswerke in Berlin, Rndoli Cuno, des langjährigen Vorsitzenden des Wabl- vereins der Fortschrittspartei im dritten Berliner Reichstagswahl- krcis. W. Cuno ivnrde 1887 Gerichtsassessor, trat 1888 als Hilss- nrbetfcr bei der städtischen Verwaltung in Berlin ein und wurde 1889 Magistratsassessor. Als Leiter der Versammlungen der Armen- kommissionsvorsteher kam er mit den Chrenbeamten der Armenverwaltung in Fühlung, die ihm beim Scheiden von Berlin eine besondere Ehrung bereiteten. Bei Errichtung des Gewerbegerichts wurde Cuno Vorsitzender der Baukammer und zeigte sich hier besonders bemüht, den Schädigungen der Arbeiter durch den damals blühenden Bauschwindel entgegenzutreten. Ebenso war er auch in der Gewerbedeputation und Liesbaudeputation tätig. Als die Frage der Dezentralisation der städtischen Verwaltung auS Anlas; der Eingemeindungs-Bestrebungen angeregt wurde und sür die LirmemVerwaltuna zunächst praktisch erprobt werden sollte, wurde Cuno Leiter des Armenamts Moabit, dessen äußere und innere Gestaltung ihm zu verdanken ist, wie er namentlich auch der Verbindung der Armenpsisge und Wohltätigkeit in diesem Bezirk seine Aufmerksamkeit zuwendete. 1898 trat Cuno als Stadlrat in den Dienst der Stadt Königsberg. Man erinnert sich dort gern seiner gemeinnützigen Tätigkeit im Handmerkerverein und Waldeckvcrein. Seit 1901 ist er Erster Bürgermeister der Stadt Hagen. Beachtung sand kürzlich die unter seiner Führung vollzogene Gründung des kommunalen Elektrizitätswerks „Mark". Im Ausschuß des Deutschen Vereins sür Armenpflege, des Verbandes deutscher Gewerbegerichte und des Zentralausschusses sür Volks- und Jugendspiele hat er rege Tätigkeit entfaltet und ist auch vielfach literarisch tätig gewesen.
Rußland am Scheidewege.
Zur Auflösung der Duma schreibt die „Nordd. Allg. Zig.* in ihrer politischen Wochenrundschau:
Das wichtigste in die vergangene Woche fallende Ereignis von unmittelbarer politischer Tragweite ist die Auslosung des ersten russischen Reichsparlaments. Durch die Maßnahme der Regierung, die im Gegensatz zu dem Gebaren der Duma dem russischen Volke und der gesamten Welt bewies, daß die monarchische Gewalt aus dem öffentlichen Leben Rußlands noch keineswegs ausgeschaltet war sind die revolutionären Elemente, die sich bereits als Herren der Situation suhlten und aufführten, offenbar so überrascht worden, daß sie augenblicklich lahm gelegt waren. Ob es ihnen gelingen wird, sich mm zu sammeln und ernstere Erschütterungen des Stacits- körpers herbeizusühren, muß die Zukunft lehren. Bleibt das Heer treu, was zu bezweifeln kein Anlaß vorliegt, so werden Auflehnungen gegen die Staatsgewalt erstickt werden. Sehr möglich ist, daß in ziemlich iveiten Kreisen die unfruchtbaren Deklamationen der Duma Enttäuschung und Ernüchterung hervorgerusen haben, und daß diese Kreise, namentlich die oberen und mittleren, unter Festhaltung ihres Verlangens nach (Erneuerung des russischen Staatswesens durch Sicherstellung emeS modernen konstitutionellen Regiments sich um die Regierung scharen werden, die keineswegs gesonnen ist, bie Verheißung konstitutioneller Regierungsweise zu brechen. Mur vollständige Verkennung der allgemein gültigen staatsrechtlichen Grundsätze vermag in der Auslosung der Duma einen Staats- streich" zu erblicken, von dem allein dann gesprochen werden könnte, wenn die Institution der Volksvertretung beseitigt worden wäre. In welcher Weise sich die monarchistische Macht sich mit den im russischen Volke lebendia gewordenen Bedürfnissen eines modernen [Staatswesens auseinanoergesetzt, ist unseres Erachtens allein Sache per russischen Nation, zu der selbstverständlich auch das Herrscherhaus gehört. Schon aus diesem Grunde sind wir der Meinung, daß das Ausland sich vor einer einseitigen Partei- nahine zurückhalten solle.
Das rAsj. Ministerium für Handel und Industrie versendet an Behörden und Vertreter der Industrie Entwürfe von ArbeitergeseHen zur Begutachtung. Die Entwürfe behandeln die Regelung der Arbeitsvertrages, Maximalarbeitszeit, Einführung der Kranken- und llnsallversicher- ung, Errichtung von .Versicherungssparkassen, Plläne zur Schaffung von gesunden Ärbeiterwohnungen sowie Vorschriften über die Beaufsichtigung der Fabrikanlagen und besondere Jndustriebehörden.
Das Räuberunwesen nimmt inzwischen namentlich in Polen seinen ungehinderten Fortgang. So wurde cun 28. Jüli der Zug von Czenstochau nach Herby (Polen) von Revolutionären überfallen. ' Sie erschossen den General Zukath, Kommandierenden .Der Grenzwache, den General Westenring, Chef des Zolkbezirkes Warschau, und bei; Kassierer Deminienko, berf_16 0 00 Rubel Bankgelder bei sich hatte. Der Zoll- aufsener Nisielew und vier Soldaten wurden verletzt. Oberst Brzezicki, die Schaffner und andere Mitfahrende wurden ührer Barschaft beraubt. Die Räuber befanden sich als Passagiere im Zuge und brachten diesen mittelst Notbremse zum Stehen. Es handelt sich um Revolutionäre, die rote Flaggen mit sich führten. Sie sind natürlich entkommen, ferner wurde an demselben Tage auf der Warschauer en erb ahn bei Pruszkow der von Alexandrowo kommende Personeuzug um 8 Uhr abends von einer bewaffneten Bande angehalten. Die Bande zahlte etwa 50 Mann.
nnnULte Es heißt, daß chr über
100 000 Rubel und ein ausländisches Wertpaket in die
” 0 6 g e f a llen sei. Die genaue Summe ist nicht fest- gestellt, da bie betreffenben Dokumente mit verschwunden sind. Dee ganze Besatzung des Weichseldampfers „Kurier" wurde in Warschau verhaftet, da der Verdacht besteht, daß der. Dampfs von der Bande benutzt worden ist. - Am abenö 5^ im Stadtgarwn zu Warschau eine Pamk aus. Es sielen mehrere Schüsse, durch die eine Person getötet und vier verletzt wurden.
. i)en der Warschauer Tochtergesellschaft
der Dresdener Gardinen- und Spitzenmanufaktur Louis Korber wurde ein Revolverattentat verübt. Körber tft schwer verwundet.
Petersburg wurde eine Druckerei von Bewaffneten überfallen, welche den Verwalter und .tze anderen Angestellten der Druckerei festhielten, eine von , ihnen nntgebrachte Matrize des Wiborger Aufrufs stereotypierten und aus der Rotationsmaschine in 1500 00 Exemplaren druckten. Während dies gescyah, wurde in einer gegenüber der Druckerei liegenden Kapelle Gottesdienst abgehalten, dem eine große Menschenmenge beiwohnte, die -wn vrelen Polizisten überwacht wurde. Trotzdem erfuhr «ner Polizei den Vorfall ex ft, nachdem die Belvaffneten spurlos vexjchÜMnden waren. “
In dem Dorfe Tscherepowka im Kreise Pruskurow fand 'infolge der Verhaftung der Urheber von Unruhen ein Zusammenstoß zunschen Bauern und Dragonern statt, wobei 12 Dragoner durch Steinwürfe und Stockschläge verletzt, 5Bauern getötet und eine Anzahl verletzt wurden.
In Poltawa ereigneten sich ernste Militär- unruhen. Infanteristen des Skeskoschen Regiments, die einige Arrestanten abführen wollten, ivurden von Kosaken beschossen, wobei mehrere Beteiligte getötet und andere schwer verwundet wurden.
In S e b a st 0 p 0 l sprach das Marine-Kriegsgericht das Urteil über die wegen der militärischen Unruhen zu Ende des vorigen Jahres unter Anklage gestellten Matrosen. Die vier Hauptangeklagten wurden zum Tode verurteilt, einer zu lebenslänglicher, 32 zu Zwangsarbeit von verschiedener Dauer. 50 Matrosen erhielten Gefängnisstrafen, sechs wurden freigesprochen. Sonst laufen aus Sebastopol beunruhigende Gerüchte über bie auf hoher See befindliche Flotte ein. Es heißt, Matrosen hätten beschlossen, die von dem Kriegsgericht verurteilten Kameraden zu befreien. Hierbei ist zu bemerken, daß die Matrosen von der Auftösung der Duma noch keine Kenntnis haben.
Zwischen Armeniern und Tataren ist es, nach Meldungen aus Schuscha, erneut zu offenen Feindseligkeiten gekommen, während deren die Stadt Schuscha zwei Tage lang aus 21 Geschützen beschossen und in Brand gesetzt wurde. Jetzt haben nach einem dem Statthalter zu- gegangenen Telegramm die kämpfenden Parteien die Feindseligkeiten eingestellt und je fünf .Vertrauensmänner gewählt, von denen die Bedingungen für einen dauerhaften Frieden festgestellt werden sollen._____________
Deutscher Reich.
Berlin, 29. Juli. Rian meldet aus Odde, 29. Juli: Der Kaiser hat Odde heute früh verlassem
— Der Kaiser hat endgiltig als Termin für die Enthüllungsfeier des Landgrafendenkmals in Homburg den 16. August festgesetzt.
— Der Bundesrat beschloß die Einfuhr von Pökel, fleisch fortan noch zu gestatten, wenn an dem Fleisch die zugehörigen Lymphdrüsen noch vorhanden sind, damit eine völlig einwandfreie Untersuchung dieses Fleisches gewährleistet werden könne.
— Wie die ,Deutsch-eo. Korresp." behauptet, soll das in der Nähe von Liebau im Kreise Landeshut liegende, 1810 säkularisierte ehemalige Zisterzienserkloster Grüßau dem KleruS zur Errichtung eines Männerklosters überlassen werden. Außerdem schweben Verhandlungen über die Gründung eines Klosters in Petersdorf bei Hirschberg und wegen einer Niederlassung von Franziskanern in Schreiber- hau in Schlesien.
— Nach den Aufstellungen des neuen Etatvoranschlags sind zum Ausbau der geplanten weiteren Hafenanlagen des Kiautschougebietes 5 190 000 Mk. erforderlich. Von dieser- Summe wird der eine Etat des Schutzgebietes die erste Rate fordern.
Kiel, 28. Juli. 280 Volksschullehrer Deutschlands sind hier eingetroffen. Die erste Fahrt führt sie zum Kriegs- Hafen. Der deutsche Flottenverein trägt die Kosten in Höhe von 18 000 Mk. Seeoffiziere empfingen die Gäste. Eine Matrosendivision stellte die Musik.
Aachen, 28. Juli. Heute früh gegen 3 Uhr wurde der Vorsitzende Schemmer der Ortsgrupe des christlich- sozialenMetallarbeiterverbandes in Wuersolen aus dem Beite heraus von zwei Gendarmen und einem Polizeidiener verhaftet und nach dem Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Er wird beschuldigt, aus Anlaß des Streiks in der chemischen Fabrik von Moritz Honigmann einen Straßenauflauf veranlaßt zu haben.
Karlsruhe, 28.Juli. Die Zweite Kammer hat heute mit 28 gegen 27 Stimmen den Gesetzesvorschlag des Zentrums auf Aufhebung der Paragraphen 16 b und 16 c des Gesetzes vom Jahre 1874 (M ißbrauch der geistlichen Amtsgewalt) angenommen.
Stade, 29. Juli. In der heutigen Konferenz der nationalliberalen Delegierten des 18. Wahlkreises wurde einstimmig Brauereibesitzer Senator Reese zum Kandidaten für die Ersatzwahl zum Reichstag erklärt. Ein Vorschlag der Freisinnigen, abwechselnd einen freisinnigen und einen nationalliberalen Kandidaten gemeinschaftlich zu nominieren, wurde abgelehnt. Die Freisinnigen stellten in emer Konferenz in Osterholz heute wieder den Lehrer Otto-Charlotten- bürg auf.
Ausland.
London, 28. Juli. Obwohl die Regierung sich be 5er gestern angekündigten Reduktion des diesjährigen Flottenbauprogramms auf den Verzicht auf das aller- überflüssigste beschränkt hat, obwohl diese Reduktionen zweitens im einhelligen Einverständnis mit den Marinemännern der Admiralität erfolgt ist, und obwohl sie drittens nur provisorischen Charakter trägt, insofern sie je nach dem Ausfall der Haager Konferenz eventuell wieder wett gemacht werden soll, 0 erhebt fast die gesamte oppositionelle Presse gegen die Regierung den Vorwurf, daß sie die für die Machtstellung Englands unentbehrliche maritime Suprematie leichtfertig aufs Spiel setzte und den Bestand des Reiches ge- ährde. Dies geschieht natürlich lediglich aus Gründen parteipolitischer Agitation. Aehnlich zu beurteilen sind die in den Blättern beider Parteien enthaltenen Andeutungen, daß es jetzt, wo Großbritannien die Initiative zur Ein- chränk,lng maritimer Rüstungen ergriffen habe, an den übrigen Großmächten sei, seinem Beispiel zu olgen und ihre Schiffbau-Programme ebenfalls zu reduzieren. Die materiell geringfügige britische Reduktion ift nur mit Rücksicht darauf erfolgt, daß die englische Kriegsflotte schon in ihrem heutigen Bestände nicht blos jeder einzelnen
fremden ungeheuer überlegen; sondern auch jeder im Bereich der politischen Wahrscheinlichkeit liegenden Flottenkoalition gegen England mehr als gewachsen ist. Der Abstrich von etwa 25 Prozent der trotzdem geplanten Schiffsneubauten darf also kemeswegs als englisches Beispiel einer positiven Nüstungseinschränkung hingestellt werden.
— Gestern abend fand eine R i esen demonstration der kons. Partei statt. Der frühere Ministerpräsident Balfour hielt eine Rede, in der er ausführte, daß die liberale Regierung im Begriffe sei, ein schweres 23er- brechen in Südafrika zu begehen. Die Gewährung voll, ständiger Autonomie an die Kolonien Transvaal und Ocauje wäre ein Anschlag gegen die Sicherheit des britischen Reichs. Vor kurzer Zeit seien die Buren die Feinde des Landes gewesen und jetzt wollten die liberalen Theoretiker ihnen weitgehende Autonomie gewähren. Käme dies zu stände, so wurden die Liberalen das englische Besitztum in Südafrika aufs Spiel setzen. Andere Mitglieder der konser- vativen Opposition hielten Reden in ähnlichem Sinne. Die Versammlung nahm eine Resolution an, .worin die südafrikan. Politik der liberalen Regierung in scharfen Ausdrücken ge* tadelt wurde.
Paris, 29. Juli. Heute wurde hier ein Mann namens Large verhaftet. Die Verhaftung wird mit dem vorjährigen Attentat auf den König von Spanien in Verbinduna gebracht.
Konstantinopel, 28. Juli. Die Pforte hat die von der Kammer der Insel Samos geforderte Absetzung des Fürsten Bithynos bewilligt. Dieser hat die Weisung erhalten, morgen die Insel zu verlassen.
Melilla, 28. Juli. Truppen des Prätendenten erlitten eine vollständige Niederlage. Mehrere Stämme haben sich dem Sultan unferroorfen, es stehen aber neue Kämpfe bevor. Wie die Besiegten erklären, wurden sie von den Mauren von Quebdana verraten, welche sich bei Llguz gelagert hatten, dann aber zu den Truppen des Sultans übergegangen waren, die sich des ganzen Lagers, sowie eines Geschützes bemächtigten. Der Häuptling Chaldi ist seinen Wunden erlegen.
Ans StaOt nno Lnno.
Gießen, den 30. Jull.
* * In Audienz empfangen wurden am Samstag von S. K. H. dem Großherzog u. a. Pfarrer Römheld von Wingershausen und Hoflieferant Moder von 23ab. Nauheim.
* * Personalien. Der Schreibgehllfe Louis Stein zu Nidda wurde zum Steuerkommissariatsgehilfen ernannt.
— Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu setzende Lehrer stelle an der Gemeindeschule zu Heeg- heim. Mit der Stelle ist Organisten- und Lektorendienst verbunden. Dem Fürsten zu Psenburg und Büdingen in Büdingen steht das Präsentationsrecht zu.
” Aus dem Militär-Wochenblatt. Zum Lehrkursus vom 25. Juli bis 28. August bei der Jnfanterie- Schießschule wurden kommandiert: Hauptmann v. Kam ecke und Oberleutnant Busse vom Jnf.-Regt. Nr. 116.
* • Bei dem Preisausschreiben des Fassadenwettbewerbs zur Gewerbeschule erhielten Preise: den 1. und einen 3. Architekt Conrad Schuhmacher, den 2. Architekt Ludwig Müller und einen weiteren 3. Preis und Diplom Architekt Ingenieur Paul Müller, sämtlich aus Gießen.
* • Das Oktroi im Jahr 1905/6 erbrachte im ganzen 124 013,85 Mk., gegen 123195,67 Mk. im Jahre vorher, also eine Mehreinnahme von 878,18 Mk. Die Rückvergütung betrug 13 545,62 Mk. gegen 14133,69 Mk. Demnach stellt sich die Reineinnahme gegen das Jahr vorher um 14405,25 Mk. günstiger. Das Einkommen verteilt sich im Einzelnen wie folgt: Aus Schlachtvieh 37 308,50 Mk. (1904/5:38109,51 Mk.), Fleisch, Fleischwaren und Wild 5497,81 Mk. (7 004,10 Mk.), Brennmaterialien 41219,80 Mk. (39547,99 Mk.), Mühlenfabrikate und Hafer 6 758,56 Mk. (5 496,10 Mk.), Getränke 33,229,18 Mk. (33 037,97 Mk.), Bezettelungen wurden ausgestellt 1905/06 31 502 Stück gegen 32 658 in 1904/5. Im Einzelnen am Walltor 2825 Stück, am Neuwegertor 3767 Stück, am Selterstor 12 633 Stück, am Neustädtertor 12 277 Stück. Wegen Uebertretungen der Oktroivorschriften wurden 85 Anzeigen erhoben gegen 98 im Jahre vorher.
• • Ein Ständchen brachte gestern vormittag dem hier seit einigen Jahren wohnenden Geheimen Kirchenrat Dekan v. Stock im Hotel Lenz am Bahnhof, der auf der Fahrt nach Lang-Göns begriffene Posaun euch o r aus Stockhausen, bar. Dekan D. Stock hat in Stockhausen bei Lauterbach nahezu 50 Jahre als Pfarrer gewirkt.
ü. Hungen, 30. Juli. (Eig. Drahtmeldung). Heute nacht wurde auf der Grllbe Friedrich eingebrochen und das zur Lohnauszahlung bestinimte Geld gestohlen. Es handelt sich um 6—7000 Mk.; da der Direktor abwesend ist, war die genaue Feststellung des gestohlenen Betrags bis jetzt nicht möglich. Es ist nach der ganzen Sachlage anzunehmen, daß der Dieb mit den Verhältnissen bekannt ist.
(X) Hungen, 29. Juli. Eine heutige Versammlung der Vertrauensmänner des Bundes der Landwirte im Wahlkreise Hungen—Lich beschloß, als Kandidaten zurLand- wirtschaftskammer den 2. Präsident der zweiten Kammer, Bürgermeister Köhler-Langsdorf aufzustellen. Die diesbezügliche Agitation im Wahlkreise wird vom Bund der Landwirte unternommen werden. Ferner wurde beschlossen, die Aufstellling von zwei Kandidaten zum landwirtschaftlichen Provinzial-Jlusschuß zu vertagen bis nach der TLahl der Wahlmänner für den Vertreter in der Landwirtschaftskammer.


