Ausgabe 
1.3.1906 Erstes Blatt
 
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Donnerstag 1 Marz 1906

156. Jahrgang

Erstes Blatt

A

Ire Keutige Kummer umfaßt 8 Seiten

Landtag

von

legen bleiben auf der Basis der

fol- mir

gebrauchte Phrasen, gutgemeinte Festrede Hörer zu ernüchtern, mit herzlicher Wärme Dann erhob sich der des Parketts sitzende

die allmählich in jedes Biedermeiers als Prunkstücke übergegangen sind, die Frau Bayrhommer sprach die Verse und sehr, fast allzu lebhafter Bewegung, an der Ecke einer der vordersten Reihen Oberbürgermeister, um in kurzen

Worten den Kaiser zu feiern als Friedenserhalter und Schirm­herrn des Handels, der Industrie und der Landwirtschaft. Er schloß mit einem dreifachen Kaiserhoch, worauf von den Der-

beschall, bedeutender u. Mneralwafjer-

rst per L Slpnl L fj. chüge, kaulionsiähige ;9 zu verpachten.

.'lelOtoiüeii iml. 01848 vener Anzeiger erb.

vezngsvret», monatlich 7öPl., viertel­jährlich ML. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich Go PI.; durch diePoslMk.2.viertel- sährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für tue TageSnummer bis vorntillags 10 Uhr, Zeilenpreis: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Plg.

Verantwortlich <üt den poltL und allgem. Teil: P. Witt ko; tüt .Stadt und ßantr uird Gerrchtssaal*Ernst peß, {ür den An- zeigenteil: HanS Beck.

taslischen, ruhmberauschten Hitzkopfs zum Leben, und die dann durch das alsbaldige schöne Erwachen aus der wohl wieder- halb somnambulen Verstörtheit verwischt wird.

Die Verkennung das Dichters durch seine Zeitgenossen ist bezeichnend für jene Zeit selbst, sie birgt ein tragisches Element in sich: die Jahre des tiefsten Niedergangs alt­preußischer Waffenehre und der völligen Versumpfung des deutschen Nationalbewußtseins ließen einen Dichter von so lauterer vaterländischer Gesinnung nicht zu Worte kommen! Andererseits erklärt sich die Tatsache wohl auch daraus, daß der Glanz dieses Sternes von dem des Weimarer Doppel­sterns weit überstrahlt wurde. Aber auch unsere Zeit, die wahrlich keinen.Schiller und noch weniger einen Goethe auf­zuweisen hat, ist Kleist nicht in dem ihm gebührenden Maße geneigt. Man pflegt ihn nur bei außerordentlichen Anlässen auf die Bühne zu bringen, lobt ihn, empfiehlt ihn den Pri­manern und höheren Töchtern und geht dann zur Tages- ordnung über.

Tas volle Aufgehen des Herzens, der reine Genug wird beim erstmaligen Hören oder Lesen dieses Schauspiels, das von so intimem Charakter ist wie etwa eine Schubert'sche Sonate, kaum je möglich sein. Deshalb wäre die mehrfache Wiederholung der Aufführung dieses Werkes recht wünschens­wert. Denzerbrochenen Krug' haben wir ja in unserem Stadttheater in den letzten Jahren wiederholt gesehen. Aber auch die anderen Stücke des Jdealrealisten Kleist sind nicht nur für eine kleine Gemeinde da.TaS Käthchen von Heilbronn' undDie Hermannsschlacht' sollten unserem Publikum gleichialls nicht vorenthalten bleiben.

Welches seltene Antlitz trug die gestrigeAufführung vor einem das Theater wohl bis aufs letzte Plätzchen füllenden Publikum in Festtoilette: Die Damen vielfach in lichten, leuchtenden Farben, die Herren schwarzberockt, die Offiziere in Extrauniform. Das alte Haus war so schmuck und feierlich als möglich hergerichtet. Tannenguirlanden kündeten 'chon am Eingänge von einem außerordentlichen Festabend, und im Saale selbst zogen sie sich m reicher Fülle zwischen bunten

w Eeneral-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

R. B. D a r m st a d t, 28. Febr.

Die zweite Kammer der Stände ist heute vormittag IOV2 Uhr zur Wiederaufnahme ihrer Derhandluugen zusammengetrcten

Am MmifteNischc: Staatsminister Ewald, Fm an Minister Gnauth, Präsident Braun, Geh. StaatSrat Krug von Nidda, Geh. 9!at Wit brand, Ministerialräte Frhr. Biegeleben, Becker. ~ ,, ,

Glückwuuschkuudgebung für bad Kaiserhaus.

Präsident Haas hält vor Eintritt in die Tagesordnung

put und Schutte am Veib liegen geblieben. JReuter, Raplflneig.9. 8* «ft Mhoisttaveb.

0 Sektion (liessen f D. fit Oe. A.-V.

7^ Donnerstag, k>den1.Märt 06 \ abends ® 83/t Uhr

rtra9 N Tr. Zöckier. .erinncruugen

würden sie, am Anfang wenigstens, volle Häuser schaffen, aber noch sind sie nicht einmal vom Bundesrat genehmigt.

Die Lage ist demnach recht kritisch. So sehr sich die Reichsregierung anscheinend von der Steuerkommission lenken laßt, so drohend ist die Zeitfrage. Man wird nicht fertig werden. Als die Kommission Blatt um Blatt vom Blumensträuße fallen ließ, stand die Neichs- taasauflösung drohend im Hintergrund. Nun bemüht man sich, neue Steuerquellen zu finden und die Summe zu komplettieren. Dumit schwindet die eine Gefahr, aber es droht die andere: die Versandung. Werden wir das gleiche Schauspiel erleben, wie im letzten Sommer?

'bslgeuPi?^ediug.

Angebote Uh^u,l9*

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Fom Reichstag.

Die kurze Pause, die in den Neichsta^sverhandlungen aus Anlaß der Festlichkeiten im Kaiserhause cingctreten ist, hätte gut benutzt werden können zur Vorlegung einiger Fragen. Zunächst oie: wohin steuern wir in der Steuer­frage? Es ist anzunehmen, daß sich nicht einmal die Mit­glieder der Steuerkommission darauf eine klare und bündige Antwort geben können, denn die Zerfahrenheit hat einen geradezu erschreckenden Umfang angenommen. Niemand weiß, was daraus werden soll. Der Strauß des Herrn v. Stengel, der ja durchaus nicht im besten Geruch stand, ist bis auf ein paar traurige Blüten entblättert, und mit Bienenfleiß haben die Volksvertreter andere Blümlein zusammen getragen, deren Duft die nötigen 200 Mill, auf­bringen soll. Es steht wohl fest, daß das Plenum nicht ohne weiteres auf diese Vorschläge eingehen totrb, daß es also Kämpfe geben muß und Reden in Hülle und

Das Haus erklärt sich darauf dem Antrag des Wahlaus­schusses entsprechend für die Giltigkeit der Wahl des Abg. Dr. Glässing-Darmstadt. .

Nachdem darauf eine Anzahlzur vorläufigen Beratung im Plenum" gestellte Anträge und Vorstellungen in üblicher Weise dem zuständigen Ausschuß überwiesen, genehmigte die Kammer

.MAT. S > »I

Wappen um alle Säiilen und Brüstungen. An Licht fteilich hatte man mehr gespart als nötig war.

Dankbar aber war da§ Festpublikum. Den ganzen Abend über gab es gar lebhaften und intensiven, den Herzen entspringen­den Beifall, aus dem wohl auch bei diesem oder jenem der Stolz über die Tatsache, daß ein solcher Dichter zu den unserigen gezählt hat, und das späte Mitgefühl mit dem tragischen Lebensende des unglücklichen Sohnes einer unglücklichen Zeit sprechen mochte. Gewiß ist Kleists dramatische Technik nicht vollkommen, das Zerschneiden der fortlaufenden Hand­lung in kleine Episoden, das allemal durch den Zwischen­vorhang markiert wird, wirkt störend und beeinträchtigt das Bestehen einer gleichmäßigen Stimmung; gibt etwas viel Kanonendonner, Flintengeknatter, Säbel- und Sporengeraffel, alles Zutaten, die mit Recht von der modernen dramatischen Technik zum alten Eisen getan sind. Wie unendlich hoch aber steht trotzdem dieses Bühnenstück mit seinem markigen, kräftigen Dialog über den Werken der Mehrzahl unserer heutigen Dramatiker!

Doch sei der Reihe nach berichtet. Der von unserer Regimentskapelle mit Bravour gespielten Weber'schen Jubel- ouverture folgte zunächst ein Prolog, von Herrn Direttor Steingoetter verfaßt und von Frau Bayrhammer ge­sprochen. Eine ansprechende Gelegenheitsdichtting, die nicht sowohl sich aiiszeichnet durch hohen und kühnen GedankenfluJ, als vielmehr den Empfindungen, die diese Kaiserhausfesttage in vielen unter uns wachriefen, einen schwungvollen, form­schönen Ausdruck verlieh und es glücklich vermied, durch ab-

«rschetvt t»«Nch außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien» blätter viermal in der

Woche betqeleflt. Rotationsdruck v. Ver­lag der Brü h l'schen Univerf.-Buch-u.Stem- bruderet. R. Lange. Redaktion, Erveditto« und Druckerei:

Schulstraße 7.

Redaktion est® 112 Verlag u.Exved.e^^öl Adresse für Deveichen:

Anzeiger Gießen.

gerbe Ansprache:

Meine fe^rr geehrten Herren Kollegen! Ich kann es nicht versagen, ehe wir in die Verhandlungen eintretcn, emcs frohen Festes zu gedenken, das gestern in unserem Kaiserhause begangen tvmben ist, eines Festes, das in der Brust ;edes echten deutschen Patrioten freudige Gefühle erregt. S. M- der Stotler und I. M. die Kaiserin haben gestern den Tag feterltch begangen, an welchem sie vor 25 Jahren den Ehebund geschloßen haben und sich zu der Ehe vereinigt haben, die eine vorbildliche, eine musterhafte für ganz Deutschland geworden ist. Am gleichen Tage hat ein prinzlicher Sohn mit einer deutschen Furstentooster den Ehebund eingegangen, bet für alle Zeit ein gesegneter Jein möge. War es auch der Wunsch des ftoiserpaares,, daß diese Feier den Clnrakter einer einfachen internen Familienfeier trage, so läßt es sich das deutsche Volk doch nicht nehmen, das ge­wohnt ist, Freud und Leid mit seinem Kaiserhause und seinen Fürstenhäusern in herzlichem Einvernehmen zu tragen, an Diesem Tage das Fest mitzufeiein und herzliche Glückwünsche dem Lrlbcr- hochzeitspaare sowohl wie dem jungen prinzltchen Ehevaar darzu- bringen. Mit ganz besonderer Liebe und Verehrung bluten alle Pa­trioten an diesem Tage in ganz Deutschland zu dem überhaupt bc^ Reichs, in dessen kräftiger Hand die Leitung der Geschicke unsres Vaterlandes gelegt ist, und zu der herrlichen, echt deutschen jrau empor, die gestern in eine 25 jährige gesegnete Ehe zuruavlicken konnten. Meine Herren, auch wir vereinigen uns zu den wärmsten «ckwünfchen, die ww sow"hl d-.m ^--serpaar wie dem. mnden El>epaar darbringen. Ich bin über?,eugt, das; sie alle herz­lichen Anteil an dieser schönen Feier nehmen und mtt mir sich in dem Wunsche vereinigen, das; Gottes reicher Segen allezeit auf unterem Kaisevpaar und aus dem jungen Ehepaar^ ruhen möge. (Bravo!) Meine Herren, ich bitte Sie, wenn Sie mit meiner Ausführung einverstanden sind, sich von Ihren Platzen zu erheben. (Geschieht.) Q1,_. ~

Das Haus hat sich bei dieser Anwrache von den Platzen erhoben und ermächtigt den Kammerpräsidenten, die Gesinnungen der Liebe und Verehrung der Kammer dem Kaiserpaar telegra­phisch zu übermitteln. (Die Sozialdemokraten verweilten in­zwischen im Foyer und betraten unmittelbar nach Beendigung dieser Kundgebung in corpore den Sitzungssaal.) ~

Präsident Haas teilt darauf ein Schreiben des ^taats- ministeriums mit, worin mitgeteilt wird, daß der Gropherzog den Justizminister Ewald zum Staats-Minister und den Geh. Rat Brann zum Präsidenten des Ministeriums des »jnnern

Nun liegen die Dinge aber so: der Etat muß gesetz­mäßig bis zum 1. April fertig gestellt fein. Er ist aber mit der Reichsfinanzreform verwachsen, und setne Erledigung ist nicht denkbar ohne vorherige Verabschied­ung der Reform. Dvch es ist nicht die geringste Aussicht dafür vorhanden, daß die Finanzreform bis zum 1. April Zustande kommt. Die Kommission steckt noch zu aller­tiefst in der Angelegenheit und sie hat, was noch schlimmer erscheint, jeden leitenden Faden verloren. Dur­ans ergibt sich, daß auch der Etat liegen bleiben muß, und daß wieder ein Notgeseh auf der Basis der bisherigen Finanzgesetze eingebracht werden muß. Das hatte sich die Neichsregierung ohne besondere geistige Anstreng- ringen selber sagen Tonnen, als sie den Reichstag erst Ende November zusammentreten ließ- Entweder mußte der heurige Etat noch auf der alten Basis aufgebaut werden, oder man mußte für die nötige Zeit zur gründlichen Durch­beratung der Finanzreform sorgen.

Nun hängt bekanntlich nicht allein der Etat von den .neuen Steuergefetzen ab, sondern vor allem auch die B-^ willigung der neuen Marineforderungen. Man wird nicht an die Beratung dieser Forderungen Herangehen können, ehe man weiß, wie die Finanzreform aussallt. Gewiß besteht bei der Reichstagsmehrheit die Absicht, den Wunschzettel des Herrn v Tirpitz zu genehmigen, aber man hat zu bedenken, daß die Minderheit auch noch da ist. .Wenn es bis jetzt glückte, auck bei sehr schlecht besetztem Hause Heinere Vorlagen durchzudrücken, ohne dag die Frage nach der Beschlußfähigkeit gestellt wurde, so darf man dar­aus noch nicht folgern, daß bei den Flotten- und Steuer- fraqen das Gleiche möglich ist. Im Gegenteil, die augerste Linke wird alle .Hebel in Bewegung setzen, die Schaffung von Steuern zu verhindern, die ihr nicht gefallen.

Nun kann man kaum mehr damit rechnen, daß die Steuerfrage vor Ostern erledigt wird. Die Flotten forder­en gen bleiben ganz bestimmt bis nach Ostern liegen. Man weiß aber wohl, daß es nach Ostern immer recht schwierig war, ein beschlußfähiges .Haus zusammenzubrmgen. ^etzt, zur besten Parlamentszeit, gibts in Berlin Sitzungstage, an denen ein knappes Dutzend von Reichsboten den Saal bevölkert und Plenum spielt. Wie soll das erst nach Ostern werden? Zur Beschlußfähigkeit des Reichstags gehören nahezu 200 Mitglieder.

Nun wird von den Diäten gesprochen. Es darf aber gewiß nicht damit gerechnet werden, daß der , Reichstag nach Ostern Diäten oder Anwesenheitsgelder erhält. Gewiß

Men.

2^5:

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S'i&SS»

ohne Debatte die Regierungsvorlage, betreffend den Anschluß der Stadt Vad-Nauheim an das staatliche ElettrtettätSwert Bad- Nauheim. ., . _

Die Besprechung der Anfrage des Abg. Bahr, das Vorgehen der Behörden bei Untersuchung des Kindsm 0 r d e s in H erg crsha u sen , wird wegen Verhinderung des 2U)gJ Bähr vertagt.

«infrage wegen Verseuchung von Fluffen.

Auf die Anfrage der Wgg. Horn, v. Brentano und G^n. in betreff der Verseuchung des Rhein ström es und des Maines verliest Präsident Brau n eine längere Regierungs­erklärung, worin mitgeteilt wird, daß das Reichsamt deö ^nnern von den verschiedenen Bundesstaaten Berichte über die m Rede 'tehende Frage eingefordert habe. Es sei als festgeUellt rube- tracbten, daß die Ursache der Verunreinigung des Mainstrvmrs von'Aschaffenburg abwärts in den Abwassern der Papierfabriken zu suchen fei. Es komme nun vor allem auf die <yrnge cm, welche Mittel zur Beseitigung des Mißstandes, zur Anwendung gebracht werden müßten. Die Regierung werde eine Prüfung dieser Mittel und die Maßnahmen zum Sck-utze des Fischereigeweroes rn dre

23ege leiten

Abg. Horn beantragt Bcsinechung der Anfrage und dankt der Regierung für ihr Eritgegenkommen. ,

Abg Ulrich geht des Längeren auf die Angelegenheit em und stellt das Verlangen, daß die Regierung frum bcS

Fischereigewerbes energisch eintteten und auch schon mit »ufe von Polizeivorfchriften die Fabrken anhalten solle, nur genügend geklarte Abivässer in den Mainstrvm abzuleitcn.

Minifterialvräs. Braun gibt barauf ein Gutachten von sach­verständigen über diese Frage ab, welches auf Deranlaffun^ der preußischen Regierung aufgestellt wurde In diesem nnrv gesagt, daß die Schädlichkeit von Abwä,iern der Cclluloidfabriken für F-ische und sonstige Lebewesen im Waffer ganz außer Frage stehe Mit bloßen Verordnungen, so bemerkt der Präsident dem Abg. Ulrich gegenüber, die Fabriken zur Klärung der Llbwasser an­zuhalten, sei wenig getan. Es sei notwendig, eine gründliche Prüfung der event. in Anwendung zu bringenden Mittel vorzu- nchmen. ~ n .

Abg. v. Brentano dankt der Regierung für die bujage auf Erwägung von Mitteln zur Mhilfe,

Abg Neinbart verlangt, daß auch für den Rhcinstwn« die Fabritoesitzer durch gesetzlick>e Maßregeln angehalten werden sollten, eine Klärung ihrer Abwässer vor der Mlettung m den Rhein zu veranlassen. Der Rhein werde namentlich von Marni- heim her auch durch die dortigen Petroleumlager verseucht, die Jischereiinteressen würdeii durch das ichnelle Absterben der Fische aufs schwerste geschädigt.

Die Anfrage des Abg. Uebel und Gen. bett, die Verun­reinigung der Weschnitz, beantwortet Präsident Braun dahin, daß gegenwärtig eine Untersuchung des Schlammes der Weschnitz stattfinde. Das Ergebnis biejer Untersuchung müsse ab* gewartet werden, bevor die Regierung weitere Lrmitte unternehmen könne: sie habe aber die feste Absicht, energisch siür die Beseittg- jing des beklagten Uebelstandes einzutreten.

Abg Nebel bemerkt, daß er durch die Erklärung der Re­gierung befriebigt sei und dafür seinen Dank ausspreche. Er hoffe, daß die zu treffenden Maßnahmen von Erfolg fern werden und daß die Regierung auch auf die Verbessenmg btt Verhältnisse im La n darob en bei Lorsch bedacht fein werde.

Kafteler Angelegenheiten.

Es folgt die Beratung über den Antrag Schrttitt und Gen.> betteffend die Verlegung der Eisenbahnwerkstätte von K a st e ( Nach kurzer Begründung durch den Anttagsteller teilt

Staatsminister Ewald den darüber zwischen der Negierung und der Eisenöahnverwaltung stattgehabten -Lchrlltwemsel mit. Es sei von einer Verlegung der Werkstätte nach Statton Kurve die Rede, die noch auf hessischem Gebiet liegt. Doch sei die Regierurrg für die Beibehaltung der Werkstcrtte m Kastel tiN- getreteiL Die Entscheidung darüber stehe aber noch aus.

Auf Antrag Tr. Schmitt wird bis zum Abschluß der Ver­handlungen die Sache von der Tagesordnung abgesetzt.

Ein Antrag Dr. Schmitt und Gen. verlangt, die Kämmet wolle beschließen, beim Reichspostamt dahin zu wirken, daß Amöneburg mit feinen fast 2000 Einwohnern eine eigene Postagentur erhält und daß im Verkehr zwischen Kastel und

®diriin Qe-

Gietzenev Stcr-tthecrLer. Prinz Friedrich von Homburg. Schauspiel in 5 Akten von H. v. Klei st.

Die Silberhochzeit unseres Kaiserpaares konnte nicht würdiger in unserem Stadttheater begangen werden als durch die ?lufführunq von KleistsPrinz von Hornburg', diesem echt vaterländischen Schauspiel mit dem Hintergrund hohcnzollernschcr Siegesgeschichte und mit der Verherrlichung der Achtung deutscher Fürsten vor der Unbeugsamkeit des Gesetzes. Man erfreut sich gern immer wieder an dem gol­denen Kern glühender Vaterlandsliebe, und hoher dichte^cher Bcgelller-.ing, der Heinrich von Kleist eigen war. Des Schau- spiels Vorgänge gruppieren sich um den Großen Kurfürsten, für dessen Heldengestalt unser Kaiser bekanntlich oft eine be­sondere Verehrung bekundet hat.

Eine der köstlichsten Prophezeiungen deutscher Dichtung von der Abwendung großer vaterländischer^ Stürme (auch die jetzt fast ein Jahrhundert nach dem Entstehen des Schau- viels aus freilich recht unvolkstümlichem Anlaffe uns um­dräuenden Stürme merben hoffentlich sich abwenden lassen), von des Vaterlandes Ausbau und Erweitenmg unter Enkels Hand wand Kleist bald nach dem unglücklichen Frieden zu Tilsit im Jahre 1807 in sein Drama vom Prinzen Friedrich von .^>011 - u Man verglich vor etwa einem Jahrzehnt zuweilen E TmÄ ffle.lt. Welch- Idee , D°rt die stete Sucht der Wirkung auf di- Meissen, hohlklmgcndeS <M)oS, raum je der Versuch einer Churaktenltck oder gor leel,scher Vertiefung - hier zarteste dichterische Femhe.teu eme mchi für jedes "luge sofort erkennbare vielveraitc.tc Piychologie. Sie verlangt freilich zu voller Würdigung die Aufmerksamkeit eines s-sttägigen Gemütes, das auch Mit dem .l.igc der ~icbe hiun-rgichaum mub über einige Härten m der Sprache w.e Lber die einmal geradezu kraß erscheinende Pemlichkei der Situation unheldiichen. sinuverwirrten Bettelns bu aber seelisch begründet i|t durch die allerdings N-iMnemch- üche, jedenfalls absichtlich unantike brennende ^iebe des phon-

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in Steinberg.

rarzes Capes el6U rannn A. B. geilem aföSkalhkyverlaufcht 'er Wetreijenbe wird