Ausgabe 
29.10.1906 Erstes Blatt
 
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g^n, Geiß-Nidda, Niedci-Mockstadt, Büdesheim, Kirch-Göns, Wohnbach, Weckesheim, Ober-Rosbach, Rieder-Weisel, Dom» vssenheim, Maar, Lauterbach, Schlitz, Laubach, Ulfa, Freien­seen, Herchenhain, Volkartshain und Oppenrod. Der Mauschbrand herrschte tu Rudlos, Wallenrod, Holzmühl, Mittel-Seemen, Schotten, Eschenrod, Altenhain, Eichelsdorf, Seibertenrod; neu wurde er sestgestellt in Trais-Horloff, Bellersheim und Steinheim. Milzbrand trat noch auf in Echzell, Rieder-Wöllstadt und Bermuthshain, neu fest­gestellt in Grüningen.

* Fußsteige frei! Wir verweisen auf die heutige Be­kanntmachung des Großh. Polizeiamts, die einige Bestimmungen über den Straßenverkehr ins Gedächtnis zurückruft, gegen die gar ost gefehlt wird. Es ist nämlich im Interesse der Cwmög- lichung des ungehinderten Fußgängerverkehrs auf den Fußsteigen das Befahren der Fußsteige mit Fuhrwerken jeder Art (auch Handwagen und Fahrräder) ausgenommen, soweit hierdurch der Fußgängerverkehr nicht gehindert wird, die Beförderung von Kindern und Kranken in Kinder- und Krankenwagen bei Strafe verboten. Außerdem ist untersagt das Stehenbleiben, wodurch der freie Verkehr gehemmt wird, sowie das Tragen von Gegenständen, die geeignet sind, andere zu belästigen (z. B. Metzgerbollen, Marktkvrben usw. . Gerade diese Rücksichtslosigkeiten sollten ebenw wie das lästige Ausschütteln von Teppichen usw. auf die Straße nicht erst durch Strafanzeigen verhindert zu werden brauchen.

** Der Rad-KlubGermania" Gießen, gcgr. 1899, begeht am 10. Rov. d. I. das Fest seiner B ann erw e.ih e. Weitgehende Einladungen sind ergangen, um die Feier, die in der Turnhalle stattfindet, recht würdig zu gestalten. Den gesang­lichen Teil hat der Bauer'sche Gesangverein in liebens­würdiger Weise überrwmmen, während der Radfahrer-Ver­ein Wetzlar seine gesamte Kunstfahrer-Mannschaft zur Ver­fügung gestellt hat. Dias sportliche Programm umfaßt einen Begrüßungskunst reigen, ein Rad-Polo 2 gegen 2, ferner ein Künstfahren, 4 Fahrer auf 4 Mdern, 4 Fahrer auf 2 Rädern und 4 Fahrer auf nur 1 Rad. Da auch die Humoristica ver­treten ist, verspricht die Feier sehr genußreich zu werden. Alles weitere ist ans den später erscheinenden Programm und An­zeigen zu ersehen.

** Volksversammlung. Auf Einladung des hiesigen deutschen Vereins spricht Reichstagsabg. Raab-Hamburg am Dienstag int Einhorn. (Siehe die Anzeige!)

* Au§ der Schule. Ein Schüler erzählte die Umkehr des »Verlorenen Sohnes" mit diesen Worten: Da schlug er um sich (statt: in sich!) und sprach: Wie viel Tagelöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben!

? Saasen, 26. Oft. Der Kriegerverein wird im Laufe des nächsten Jahres das Fest seiner Fahnenweihe begehen. Die Vorbereitungen zu dem Feste sind bereits im Gange. Die Fahne, die das neue Grobherzogliche Wappen erhält, ist bei der Firma Georg HiSgen (Inh. Hermann HiSgen) in Lich schon bestellt worden.

O Atzbach, 28. Oft. Mit Recht wendet man den alten erhaltenswerten Fachwerkhäusern, vor allem solchen mit Inschriften oder auch sonst durch malerische Eigen­art der Bauformen sich auZzcichnenden älteren Bauten unserer Landgemeinden erneute Aufmerksamkeit zu. So ist an dem inmitten deS Dorfes gelegenen, im Jahre 1680 erbauten »Schul- und Gemeindehaus^ folgende interessante lateinische und deutsche Inschrift zu lesen (erstere mit Chrono- gramm):

1. Qaas Mara quas ignis fervensque refrigerata Des pacis fertilitas lo(?)tibi restituit. Ao. 1680.

2. Was der verderbliche Krieg und Feuer hat verheeret. Solche? hat des Friedens Frucht unS wiederum bescheret.

Job. Casimir Konding D.

Reich an alten merkwürdigen Bauten ist ganz besonders die durch ihr vormaliges Prämonstratenser Kloster berühmt gewordene benachbarte Gemeinde Dorlar. Am dortigen Platze bei der Linde befindet sich eine im 15. Jahrhundert errichtete merkwürdige Durchfahrt, sowie vis-L-vis der alten Schule ein aus dem 14. Jahrhun dert stammender Torbogen und anderes mehr.

p. Aus dem Hüttenberg, 26. Okt. Bei der Durch­wanderung unserer Hüttenbergischen Ortschaften fällt eS auf, daß die in früheren Jahren erbauten Wohnhäuser mit von Malern hergestellten Blumensträußen geschmückt sind, in denen die Farben rot, blau, grün vorherrschen. Ein Ver­gleich mit der Kleidung dieser Gegend zeigt, daß diese Farben auch in den zum Schmuck getragenen Kleidungsstücken als sehr beliebt gelten. Viele alte Wohnhäuser unserer Gegend tragen in die Balken eingemeißelte Inschriften, die, in neuerer Zeit aufgefrischt, den Nachkommen von wichtigen Ereignisien berichten. In keiner Inschrift fehlt die Wiedergabe einer Stelle der heiligen Schrift. Im Hüttenberg trifft man auch noch echte Fachwerkgebäude an, die besonders für jeden AltertuinSfreund interessant sind. Leider kann man aber be­obachten, daß man vielfach das Holzschnitzwerk, die Figuren, Köpfe, Trauben und daS Rankenwerk malerischer Holzbauten mit Bewurf und Tünche bedeckt und so dem Gebäude seine Schönheit nimmt. Die vermeintliche Vornehmheit des aus dem holzarmen Süden stammenden SteinbaueS läßt also dem Besitzer sein HauS, das in feinem altertümlichen Gewandte eine Zierde bedeuten würde, zum nüchternen Wohnkasten ver­unstalten. Hoffentlich trägt dieser Artikel dazu bei, daß in unserem Hüttenberg, aber auch in der weiteren Umgegend, die schönen, alten, »Rurtrierschen" Holzbauten noch lange in ihrem Originalkleide erhalten bleiben.

g. Bad-Nauheim, 28. Okt. Heute nachmittag tagte im großen Saale der Turnhalle eine stattliche Versamm­lung, in welcher der Sekretär deS Freisinnigen Landes­vereins, Herr Albert Kuhlmann, einen Vortrag hielt. Stadto. Fritz eröffnete die Versammlung des freisinnigen Vereins vom Großherzogtum Heffen und gab hierauf Herrn Kuhlmann das Wort. Der Redner verbreitete sich über das Thema »Die gegenwärtige politische Lage unseres Vater­landes^. Als Hauptpunkte seiner Disposition find hervorzu­heben die Zölle, Industrie, Landwirtschaft, Fteischnot, Steuer­erhöhung. Ganz besonders betonte er, daß die Fleischpreise in unseren Nachbarländern, wie Frankreich, Holland, Däne­mark 2C. gegen die unserigen um circa 30 Pfennig tiefer ständen. Der vorhandenen Fleischnot sei nur dadurch zu steuern, daß man darauf hinwirke, daß die Grenzen geöffnet würden. Was die Steuererhöhung anlangt, so findet der Redner es als eine Ungerechtigkeit, daß die Fahrkartensteuer eingeführt wurde. Viele Leute umgehen diese Steuer da­durch, daß sie sich einfach Viertektaffe-Billcte lösen. Auch gegen die Zigarettensteuer wendet er sich. Die Hauptsache sei, daß man die Erbschaftssteuer etwas mehr ins Auge fasse. Die Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall aus­genommen. Nach einer Diskussion dankte Stadtrat Fritz hierauf dem Redner für seinen intereffanten Vortrag und schloß die Versammlung.

w. Wetzlar, 25. Okt. Herrlich vollendet steht nun­mehr in dem Vorort Niedergirmes die neuerbaute EhristuS- kirche da, zu der am 6. August 1905 der Grundstein gelegt wurde. Tie bisherige Kirche war baufällig und genügte dem Bedürfnis der fortwährend wachsenden Gemeinde nicht mehr, die zurzeit rund 1800 evangelische Einwohner zählt. AlS Bausonds war ein Kapital von 70 000 Mk. vorhanden. 60 000 Mk. flössen auS dem Gelde, das die Stadt Wetzlar bei der am 1. April 1903 erfolgten Eingemeindung von Niedergirmes erhalten hatte. 7000 Mk. gibt daS Königl. Konsistorium aus provinziellen Mitteln und 3000 Mk. bringt die evang. Gemeinde durch kirchliche Umlagen auf. Als Tag der Einweihung ist Sonntag, 4. November bestimmt.

s. Biedenkopf, 25. Okt. Zur Freude aller Haus­frauen haben unsere Stadtverordneten die Einrichtung eines Wochen markte? beschlossen. Vorbehalllich der Bestätigung des Bezirksausschusses Wiesbaden soll der Markt jeden Freitag morgen auf dem hiesigen Marktplatze abgehalten werden.

Zur Selbstmordstatistik im Großherzogtum Heffen.

Nachdruck verboten.

Von den 19186 Selbstmorden, die im Jahre 1904, dem letzten Jahre, für bas die offizielle Statistik Zahlen auf­weist, im Deutschen Reiche vorkamen, entfielen 297 auf das Großherzogtum Hessen. Das bedeutet gegen die Vorjahre wenn auch keinen beträchtlichen, so doch immer­hin erfreulichen Rückgang, denn den 306 Selbst­mordfällen im Jahre 1903 und obige 297 im Jahre 1904 gegenüber, ein Abschwiuden der Selbstmörderzahl, die sowohl im ganzen Deutschen Reiche dort betrug die Zahl 1903 12 730 als auch in den meisten Einzclstaaten zu konsta­tieren ist. Die meisten Selbstmorde kamen natürlich in dem größten jdieutschen Bundesstaate, in Preußen, vor, nämlich 7290, die wenigsten in dem der Bevolkerungs- zahl nach kleinsten Ländchen, in Schaumburg-Lippe, nämlich 6. Ein richtiges Bild von der Häufigkeit der Selbst­mordfälle erhält man natürlich erst, wenn man ih>re Zahl mit der Einwohnerzahl in Verbindung bringt. Danach entfielen im Großherzogtum Hessen auf je 100000 Einwohner 2 4,9 Selbmö r d er gegen 25,6 des Jahres 1903 und 26,7 des Jahves 1902. Wir befinden uns mit diesen Zahlen leider etwas über dem im ganzen Reiche erzielten Durchschnitt, wo 21 Selbstmörder auf obige Einwohnerzahl kommen. Immer­hin gibt es noch viele deutsche St aateu, die eine höhere Verhältnisziffer aufweisen; die höchsten Sach- sen-Altenburg und Sachsen-Koburg-Gotha mit 41,5 bezw. 41,8; die niedrigste Ziffer hat das Fürstentum Lippe aufzuweisen, das nur 12 Selbstmörder auf 100 000 Einwohner zählte.

Von den 294 Selbstmorden des Jahres 1904 in unserem Großherzogtum entfielen 245 auf das männliche Ge­schlecht und nur 49 auf das weibliche, auf je 100 männ­liche kamen 20 weibliche. Dieses ist also an den Selbst- entleibungcn weit zahlreicher beteiligt als das männliche, eine Erscheinung, die sich übrigens von wenigen Aus­nahmen abgesehen in allen Bundesstaaten wiederholt. Doch muß festgestellt werden, daß gleichfalls mit gan'z vereinzelten Ausnahmen die Beteiligungsziffer des weiblichen Geschlechts an der Selbstmord-- st a t i st i k eine steigende Tendenz zeigt. In Deutsch­land kamen 1902 26,3, 1903 27 und 1901 28,5 weibliche Selbst­mörder auf je 100000 männliche. Zu den wenigen Aus­nahmen gehört auch unser Land. Bei uns kamen im Jahre 1902 30 weiblicheFreiwillige des Todes" auf 100 männ­liche, und 1904 nur 20!

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 26. Oktober. Wissentlich falsche Anschuldigung.

Im Jahre 1903 wurden die Taglöhner K. L. III. und H. R. von Frischborn auf Veranlassung des Landwirts H. F. wegen Werfens in Strafe genommen. Im verflossenen Sommer machten sie eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, in der sie behaupteten, F. habe bei seiner zweimaligen eidlichen Vernehmung wissentlich die Unwahrheit gesagt. L. rühmte sich sogar, er habe F. mehr­malsmeineidiger Schuft" genannt, ohne daß dieser klagend gegen ihn vorgegangen sei. Die Ermittelungen ergaben, daß L. und R., die beide erheblich vorbestraft sind, mit F. und dessen Familie in bitterster Feindschaft stehen. Insbesondere hat L. den F. und deffen Angehörige bei jeder sich bietenden Gelegenheit beleidigt und zu schädigen gesucht. Die Behörde hatte keinen Anlaß gegen F. wegen Meineids vorzugehen, da seine Aussagen sich mit den der übrigen Zeugen deckten und sein Vorleben tadelssrei ist. Dagegen führte die UMersuchung zur Anklage gegen L. und R. wegen wissent­lich falscher Anschuldigung. Die Verhandlung endigte mit der Verurteilung des L. zu einer Gefängnisstrafe von 6 Monaten und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 2 Jahre' auch sprach das Gericht dem F. die Publikationsbesugnis zu. R., dem nicht nachgewiesen werden konnte, daß er die Beschuldigungen gegen besseres Wiffen erhoben hat, wurde wegen mangelnden Beweises s r e i g e s p r o ch e n.

Tierquälerei.

Der Landwirt B. T. von H e r b st e i n hat sein Pferd wieder­holt in ärgerniserregender Weise mißhandelt, weshalb er Straf­befehle über 4 Wochen bezw. 22 Tagen Hast erhielt. Da er zum Ternün am Schöffengericht nicht erschien, wurde der von ihm erhobene Einspruch zurückgewiesen. Er focht die Enlschei-dung an, blieb aber auch dem Berufungstermin fern, weshalb es bei den in den Strasbefehlen angesetzten Strafen sein Bewenden behielt.

Eine Dorfgeschichte.

Der Gastwirt A. H. von Freienseen hat gegen die Ehe­frau des W. B. wegen Beleidigung Privatklage erhoben, was von dieser mit einer Gegenklage erwidert wurde. Die Parteien hatten sich gegenseitig den Vorwurf des Meineids bezw. Anspie­lungen aus Ehebruch gemacht. Das Schöffengericht verurteilte Frau B. zu 15 Mark Geldstrafe und sprach den Widerbeklagten H. frei. Aus Berufung der Verurteilten erfannte die Strafkammer auch gegen H. auf eine Geldstrafe von 15 Mark, da er zweifellos auch ein gehässiges beleidigendes Verhalten an den Tag gelegt hat.

Vermischte-.

Fürst und Millionärin. Wie unS aus Köln gemeldet wird, bespricht man in den Kölner Gesellschafts­kreisen lebhaft die täglich erwartete Bekanntmachung der Ver­lobung der reichsten Dame der Rheinstadt, der ver­witweten Frau Oelbermann mit dem Fürsten Hein­rich von Hanau. Der Fürst steht im 64. Lebensjahre und ist das achte von den neun Kindern, die der morgana­tischen Ehe deS letzten Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. von Hessen mit Gertrude Falkenstein, der geschiedenen Frau des preußischen Leutnants Lehmann und Tochter eines Berliner WeinhändlerS, entsprossen. Er ist, als Familienoberhaupt, Besitzer der von seinem Vater gestifteten Fideikommißherr- schaften Hokowitz und Jiner in Böhmen, die einen beträcht­lichen Wert darstellen. Das Vermögen seiner künftigen Gemahlin, der Frau Oelbermann, wird auf 100 bis 120 Millionen geschätzt, und ihr Jahreseinkommen

dementsprechend auf sechs Millionen Mark. Sie ist deffen alleinige Herrin, da ihre beiden Söhne jung gestorben sind; der eine war mit einer Tochter deS in diesen Tagen verstorbenen Proseffors Simrock verheiratet.

* Kleine Tageschronik. Bei dem VrandevonCan- s a s C i t n haben 30 Personen ihr Leben eingebüßt. Außerdem wurden 60 Personen schwer verletzt. Viele Leichen besinden sich in den brennenden Gebäuden. Viele der vom Feuer Bedrohten wurden irrsinnig und erschwerten die Rettungsarbeiten der Feuerwehrleute. In Paris bat ein großes Feuer zwei bedeutende Fabriken zerstört. Der Braud war in einer Klavienabril ausgebrochen und sprang auf die daneben liegende Fabrik für Präzisionsinstrumente über. Der Schaden wirb auf 20 Millionen angegeben. Eine Frau erlitt beim Anblick der Flammen einen Schlaganfall rind starb. Der Raubmörder Schilling, der in der Nähe von Schandau ein lojähriges Mädchen ermordete, wrirde von Kamenz dem Dresdener Gefängnis eingeliefert. In Bern hat sich die russische Studeutin Taube F e^i g e I a n k e l s o n aus Mitau das Leben genommen, indem sie Schwefelsäure trank, ©i/ war erst vor Kurzem in Bern eingetroffen.

rtttiverMäts-Nachrrchten.

Den Dozenten an der Akademie für Sozial- und Handelswissen- schasten zu Frankfurt a. M. Rechtsanwalt Dr. Ganz, Ge­richts- und Handelschemiker Dr. Becker, Geschäftsführer des Instituts für Gemeinwohl Dr. Stein und Geschäftsführer deS Instituts für Gemeinwohl Dr. Klumker ist das PrädikatPro­fessor" beigelegt worden.

Dem Geh. Justizrat und ordentlichen Professor der Rechte in Halle a. S., Dr. H. Fitting, der kürzlich seinen 75. Ge­burtstag beging, ist anläßlich dieses Ereignisses eilte internationale Anerkennung und Ehrung zuteil geworden, die in ihrer Art wohl einzig desteht. Fitting wurde von der Universität zu Mont­pellier eine kunstvoll ausgestattete Adresse überreicht, in wel­cher ihm angekündigt wird, daß ihm unter dem Titel:M6- langcs Fitting" demnächst 'ein Sammelband überreicht werden soll, für den 50 Gelehrte der verschiedensten europäischen Länder Beiträge zugesagt haben.

München, 27. Okt. Der Augenarzt, Universitätsprofesfov Geheimrat Dr. August v. Rothmnnd, ist heute gestorben.

Aus Pavia ist eine Depesche eingelausen, nach welcher der Rektor der dortigen Universität Prof, der Medizin Golai den Nobelpreis von 200000 Frcs. erhalten hat.

Gr?enbahri-Aeitung.

Ein arbeiterfreundlicher Erlaß des Ministers Breitenbach wird soeben amtlich bekanntgegeben. Die Kündigung und Entlassung der zur ständigen Beschäftigung angenommenen Eisenbahnarbeiter aller Dienstzweige soll nach früheren Erlassen nur aus zwingenden Gründen vorgenommen werden, unter keinen Umständen wegen Verkehrs-Rückganges, Verminderung der Züge usw. Der Minister macht es den Eisenbahndirektionen nunmehr vereint zur Pflicht, darüber zu wachen, daß seitens der Inspek­tionen und äußeren Dienststellen danach versahren werde und daß solche Arbeiter im allgemeinen nur dann entlassen werden, wenn sie sich grober Verstöße gegen die Dienstpflichten schuldig machen ober wenn sie dauernd dienstunfähig werden. Im letzteren Falle sollen die Dienstvorsteher aber gleichzeitig dafür sorgen, daß wegen Wahrung der den Arbeitern gegen die Betriebskranken­kasse oder aus Grund des Unfall- usw. Versicherungs-Gesetzes zustehenden Ansprüche die nötigen Schritte getan werden. Um die Direktionen in die Lage zu versetzen, sich dauernd über das seitens der Dienststellen in dieser Hinsicht geübte Verfahren zu unterrichten, bestimmt der Minister, ba'ßjür bie Beschweiche, welche ben Arbeitern über ihre Entlassung zusteht, bie Eisenbahn­birektionen zuständig sein sollen. Von diesen sofort in Kiaft zu setzenden Verordnungen ist allen Arbeitern in zuverlässiger Weise Kenntnis 31t geben.

Handel und Verkehr, Volk-Wirtschaft.

Dortmund, 27. Okt. In der heutigen Generalversamm­lung der Harpen er Bergbau-Akt.-Ges. wurde der Ge­schäftsbericht und die Bilanz für 1905/06 genehmigt. Die per 1. November zahlbare Dividende wurde mit 11 Prozent genehmigt. An Stelle des verstorbenen Aufsichtsratsmitgliedes, Geh. Kommerzienrats Michel-Mainz, wurden Geh. Kommerzien­rat Hedderich-Darmstadt sowie Kömmerzienrat Oswald in den Aufsichtsrat gewählt. Was die B e w e g u n g derBerg- arbeiter anbetrifst, so ist nicht anzunehmen, daß die Führe, die besonnenen Lkrbeiter zu dem Streik veranlassen werden, bc ein solcher jetzt keinen Vorteil bringen würde. Wie die Verhält­nisse liegen, ist eine Fortsetzung der Steigerung der Löhne bei anhaltender Konjunktur vorauszusetzen. An die Möglichkeit einer sofortigen 15 prozentigen Erhöhung der Löhne glaubt kein Arbeiter. Es ist aber wohl eine f r ie d li che Ver­ständigung zu erhoffen.

Märkte.

Gießen, 27. Okt. Marktbericht. Auf heutigem Wocbenmarkte kosteten: Butter pr. Pfd. 1.001.10 Mk., Hühnereier 1 St. 810 Pfg., 2 Stck. 0000 Pfg., Gänseeier 0000 Pfg., Enteneier 0 Pfg., Käse pr. Stck. 68 Pf., Käfeinatte 2 Stck. 5-6 Pfg., Erbsen p.Pfd. 18-24Pfg., Linsen p. Psd.25-40 Psg., Tauben pr. Pr.0,801,00Mk., Hühner pr.St. 1,001,60 Alk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80-2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 70-75 Pfg., Ochsenfleisch pr. Psd. 8288 Psq., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 8082 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 90100 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Psund 104 Pfg.. Kalbfleisch pr. Psd. 8490 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 6080 Psg. Weflche per Psund. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,007,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 4,005,00 Mk., Milch per Liter 20 Psg., Aepsel per Zentner 15 bis 24 Mk., in Körben 00 Pfd., Nüsse 100 Stück 30 Psg., Birnen per Psd. Mk. 0.100.15, per Ztr. 915 Mk., Zwetschen per Ztr. 5,000.00 Mk., Weißkraut per Stück 1015 Pfg., per Zentner Mk. 2.202.50. Marktzeit 82 Uhr.

Offener Brief.

Marburg, 28. Oktober

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Wie ich sehe, hast Du mich nicht ver­standen. Ich will nämlich letzt heiraten und besitze selbst wenig Baarmittel, wenn ich nun die Adresse von ihr erfahre resp. habe, kann ich mich mit ihr in Verbindung setzen und bin im Voraus überzeugt, dass sie soviel Einsicht hat und mir das Nötige mit ins Haus bringt. Hoffentlich hast Du mich verstanden. Deiner umgehenden Mit­teilung entgegensehend, verbleibe ich mit besten Grüssen [aM/10] Dein Freund

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