Ausgabe 
29.10.1906 Erstes Blatt
 
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finit Landungstruppen sofort nach Tanger zu befördern. ^Spanien hat bereits ein Kriegsschiff ab gesandt.___________

Cirre^rklärnng der hessischen Regierung zum Fall

Eisinert.

anttl.Darmst. Ztg." schreibt offiziös: ,

Zu der Bestätigung des Beigeordneten Eißnert rn Offenbach sist in der Presse neuerdings vonUnstimmigkeiten im Ministerium", wie insbesondere davon die Rede, daß m dieser Furage die Stimme des einen Ministers nicht durchzudringen vermocht habe gegen die Stimmen seiner beiden Kvllegen und Man ihn einfach majorisiert habe. Wir sind zu der Mitteilung 'ermächtigt, daß auch diese Behauptung falsch ist. Es liegt ^keine Abstimmung und keine Majorisierung vor. Me Ministerialvorständc sind vielmehr über die Entscheidung dickes Falles einer Meinung gewesen, nachdem man die durch feie grundsätzliche Stellung der Sozialdemokratie gegenüber der «beste^ndcn Staatsordnung gegebenen und nicht verkannten Be­denken im vorliegenden Falle für minder schwerwiegend als die «Erwägung glaubte ansehen zu sollen, daß Kraft Gesetzes tue Anhänger keiner politischen Partei von der Bekleidung des Amtes ieines Beigeordneten ausgeschlossen sind. Es würde demnach Nicht angängig sein, von vornherein und in iedem Falle eine für dieses Amt gewählte Person bloß um deswillen abzu- lehnen, weil dieselbe einer Partei angehört, deren Tendenzen idie Regierung verwirft. Eine solche Wlehnung würde Mit der von dem Gedanken der Selbstverwaltung beherrschten Stadte- ordnung nicht im Einklang stehen. Es sei daher lediglich nach rSagc der Verhältnisse des vorliegenden Falles zu Prüfen (gewesen, ob die gewählte Persönlichkeit geeignet sei, bei der Ver- pvaltung der städtischen Geschäfte in einer dem Gemeindewohle entsprechenden, dem Staatswohle nicht zuwiderlaufenden Weise imitzuwirken. Der Besorgilis, daß die Bestätigung des Gewählten i wegen seiner Parteizugehörigkeit eine Gefährdung staatlicher Inter­essen zur Folge haben werde, habe die Erwägung gegenübergestan- ben, daß der Gewählte in seiner Stellung als zweiter unbesolde­ter Beigeordneter neben zwei besoldeten Beigeordneten nicht wohl in die Lage kommen werde, wichtiae staatliche, insbesondere polizeiliche Funktionen auszuüben. Nach Art. 1 des Gesetzes foom 26. Mai 1894 stehe die Vertretung des Bürgermeisters den besoldeten Beigeordneten zu. Die obere Leitung und Beaufsichtig­ung des gesamten Geschäftsganges der städtischen Verwaltung liege dem Bürgermeister ob, er entscheide nach Anhörung der Stadtverordnetenversammlung darüber, welche Zweige der städti­schen Verwaltung die Beigeordneten zu verwalten haben und wie Die Stellvertretung, soweit dies nicht gemäß Art. 1 des Gesetzes geschehen, zu regeln sei. Nachdem überdies der unbestritten per­sönlich einwandfreie Gewählte der Regierung gegenüber auf Be­fragen unter anderem die Versicherung abgegeben habe, daß er sein Amt nach den bestehenden Gesetzen führen und dieses Amt, falls er hierbei mit seiner Ueberzeugung in Widerspruch gerate, niederlegen werde, so habe kein zureichender Grund mehr vorgelegen, aus dem ohne Verstoß gegen den Geist der Städteordnung der Bestätigung hätte wider­raten werden können.

Uebrigens wird der Fall Eißnert demnächst auch das Gericht beschäftigen. Die Worms. Ztg. teilt nämlich mit:

In eigener Sache. Unser politischer Redakteur Herr Hans v. Trützschler hat gegen den verantwortlichen Redakteur der Wormser Volkszeitung Herrn Freiherrn Ferdinand v. Reitzen stein der gerichtlichen Klageweg beschritten. Es handelt sich um den entstellenden LeitartikelDer Streit um den sozialdemokratischen Beigeordneten von Offenbach" in der gestrigen Nummer der Volkszeitung.

Dazu bemerkt die Worms. Volkszig.:

Wir sehen der Verhandlung mit Vergnügen entgegen und hoffen, daß die W. Ztg. vielleicht auf diesem Wege Ort und Ge­legenheit finden wird, ihre persönlichen Verdächtigungen zurück­zunehmen, denn der sonst übliche Weg scheint diesem Blatte .nicht bekannt zu sein.

Lagesschart.

Statt polnischer chinesische Landarbeiter.

Die Polenfrage ist für Deutschland bekanntlich auch eine 'Landarbeiterfrage. Es kann nicht überraschen, daß seitens h,er Führer der poln. Bewegung der Gedanke erwogen wird, einen Generalstreik der polnischen Land- larbeiter vorzubereiten, um den preußischen Gegner zu ^schädigen. Bei dem immer größer werdenden Mangel an deutschen Landarbeitern würde die ostelbische Landwirtschaft zweifellos empfindlich getroffen, itoenn die polnischen Ackersleute, und zwar nicht nur die aus Preußen, sondern auch die russischen und galizischen -Polen in Zukunft darauf verzichteten, bei deutschen Be­sitzern Landarbeit zu verrichten. Es ist indessen nicht an- zunehmen, daß es zu solchem Streik kommt, und zwar aus dem Grunde nicht, weil es um die polnischeKriegs* taffe" schlecht bestellt wäre, wenn die Millionen ausblieben, die durch die polnischen Landarbeiter als Entlohnung von den deutschen Besitzern entnommen werden. Erst recht aus­geschlossen ist natürlich die Möglichkeit der Entschädigung so großer Arbeitermassen während eines Streiks, da es an jeder Organisation fehlt. Ist doch auch der Generalstreik in Rußland gescheitert, obwohl dort wenigstens von den Anfängen einer Organisation gesprochen werden konnte. Also bis zur Boykottierung der ostdeutschen Grundbesitzer durch die polnischen Landarbeiter dürfte es noch gute Wege

haben. Die Möglichkeit allmählicher Verringerung bcr- Zahl dieser Arbeiter besteht allerdings in der Richtung, als auch die polnischen Tagelöhner mehr und mehr der besser be­zahlten Jndustriearbest im Westen Deutschlands sich zu­wenden, eine Tendenz, die durch die geistigen Leiter der polnischen Bewegung begreiflicherweise gefördert wird.

Betreffs der Leutenot auf dem Lande brachten nun die letzten Tage eine Meldung, der jedenfalls der Reiz der Neuheit eigentümlich ist. Es heißt, die agrarischen Vereine Westpreußens wollten bei ihrer Landwirtschafts- kammer vorstellig werden, sie möge int Verein mit den anderen preußischen Berufskammern die Regierung ersuchen, zeitweilig die Einführung von Chi.nesen für Ver­wendung bei landwirtschaftlichen Arbeiten zu veranlassen. Wenn das zutreffen sollte dieDtsche. Tagesztg." bestreitet es, dann ist auf Berücksichtigung dieses Verlangens seitens der preußischen Regierung schwer­lich zu rechnen. Die Kulis, die sich Amerika vom Halse hält, die nur unter dem Zwange verhängnisvoller Ar­beiternot auf Samoa zugelassen wurden, diese mindestens eine volkshygienische Gefahr bedeutenden Gelben dürfen auf keinen Fall, auch nicht zeitweilig, über die deutsche Grenze gebracht werden, mögen sie noch so billige Ar­beiter fein.

*

Ein Ministerium von Journalisten

Noch nie sind in einem Ministerium der dritten französischen Republik die Männer der Presse so zahl­reich vertreten gewesen, wie in dem, das C smeneeau jetzt gebildet hat. Von den zwölf Inhabern von Minister-Porte­feuilles sind sechs, also genau die Hälfte, frühere Redakteure, und unter den übrigen sechs ist kein ein­ziger, der nicht, ohne Journalist von Beruf zu sein, fleißig an Zeitungen mitgearbeitet hätte. Clemeneeau war be­kanntlich erst praktischer Arzt, bevor er in die Politik da­durch hineingelmtgte, daß man ihn zum Maire seines Stadtviertels wählte. Am 1. Januar 1880 gründete Cle­meneeau das BlattLa Justiee", mit Pelletan als Chef­redakteur, und als der Fall Drehsus Frankreich in zwei Lager gespalten hatte, trat er mit der eigens für diesen Zweck geschaffenen ZeitungL'Aurore" für den beschuldig­ten Kapitän ein.

Wie sein Freund und Gönner Clömeneeau, so begann auch Stephen P i ch o n , der n eue Minister des Auswärtigen, seine Laufbahn mit medizinischen Studien. Er gab sie auf, um in die Redaktion eines längst verschollenen Blättchens einzutreten, und von dort holte ihn Clemeneeau nach der Justiee" herüber, um fortab seine Hand schützend über ihm zu halten. Ueberhaupt bringt Frau Pich on, die jetzt die Aufgabe haben wird, fremde Souveräne und deren Bot­schafter an ihrer Tafel zu bewirten, hierzu wenigstens eine Vorbedingung mit: kulinarische Erfahrung und Tradi­tion. Denn sie ist eine Tochter eines Restaurateurs, dem das Restaurant Maison-Doree gehörte, der eleganteste Mit­telpunkt der Lebewelt des Pariser Boulevards.

Der Marineminister Thomson verdankt seine poli­tische Karriere Gambetta, an dessen Blatte er als Redakteur tätig war, und B a r t h o u, der das Ministerium der öffent­lichen Arbeiten übernommen hat, vertauschte früh den Ad- vokatenberuf mit dem des Schriftstellers, um sich an der Redaktion derJndependance des Pyrenees" zu beteiligen. Viviani, dem das Arbeitsministerium an bet traut worden ist, hat seine ersten Schritte auf dem Boden der Politik unter der Protektion Millerands gemacht, an dessen Blatte er als Redakteur angestellt war. Und der neue Kultusminister Brian d leitete ehemals den politischen Tell der berüch­tigtenLanterne" Rocheforts.

Das sind die sechs Exredakteure im Kabinett Clemen­eeau. Von ihren Kollegen schrieb' der Fincmzmi.ni.ster Caillaux als Professor an der Schule der politischen Wissenschasten manche finanzpolitische Broschüre. Am we­nigsten hat sich wohl der neue Kolonialminister Millies- Laeroix bisher mit der Presse befaßt. Er, der nunmehr der Flotte Frankreichs gebietet, hatte einst ein Mode- wareng eschäst, ehe er sich der Politik zuwandte, von den Mitbürgern seiner Vaterstadt Dax in die Kammer ge­sandt und später in den Senat gewählt wurde.

Wioftffor Wurgeß

von der Columbia-Universität Newyork, erster Inhaber der Theodore Noosevelt-Professur an der Berliner Universität, hielt am Samstag seine Antrittsrede. Erschienen roaren der Kaiser, die Kaiserin, Prinz August Wilhelm, Kultusminister Studt, der amerikanische Botschafter. Burgeß, von der Studentenschaft mit anhaltendem Trampeln begrüßt, brachte zunächst einen Brief Roosevelts zur Verlesung, worin Roosevelt der Universität Berlin die herz­lichsten Grüße und Wünsche übermittelt, die historisch ge­wordene Freundschaft zwischen den Vereinigten

liebliche Luise, aber ihr mehr auf den Salon gestimmter Ton paßte, ebenso wie ihre allerdings recht kleidsame Gewandung, doch nicht für die Jnspektorstochter. Weniger Sympathie erweckte wieder Herr K o st. Ich glaube zwar, daß es mecklen­burgische Junker recht übler Sorte gibt, aber auch so üble? Seine Gattin wurde von Frl. Schuster, wenn auch nicht ganz unmamtiert und ungewunden, so doch auch nicht uner­freulich, als eine gutherzige Dulderin in wunderbarer Toilette gespielt. Frau Bons als die resolute Gattin des geistig verdumpsten Jochen deckte ihre Rolle ebenso wie das zweite Druwäppel-Paar, dargestellt von Frl. Hamann und Herrn Greeff, der übrigens ein ganz tüchtiger Liebhaber zu werden verspricht.

Die Vorstellung ging unter Herrn Bakoss Leitung trefflich zusammen. In demSBräfig* dürfte die Direktion ein weit wertvolleres Zugstück besitzen, dem manche Wieder­holung beschieden sei, als in den Stücken der Herren Kadel- burg, Schönthan, Koppel-Ellfeld e tutti quanti. P. W.

Das neue Schauspielhaus in Berlin.

Nach einer beispiellos kurzen Bauzeit von 240 Tagen ist tu Berlin das neue Schauspielhaus sertiggestellt worden. Das Gebäude liegt in Berlin W. an der Einmündung der Mvtzstraße in den Nollendorsplatz.

Am Freitag, dem 26., fand die Eröffnung des Schauspiel­hauses und am Samstage die des darin befindlichen Mozart- faale9 statt.

Der neue Theaterbau führt uns architektonisch leider nicht weiter und ist abseits von den wirklich ernsten neueren Archi- tekturbestrebungen eittstanden. So völlig im Zweck verfehlt, wie die neue Berliner komische Oper ist das neue Schauspielhaus freilich nicht, die Proportionen sind im Innern gut, die Platz­anordnung übersichtlich, .Hör- und Sehverhältnisse günstig.

Doch die Ausstattung des Raums ist nicht banmeisterlichen Geistes, sondern im schlechten Dekorationsgeschmack. Tapezier­künste herrschen vor, Posamenten hängen als kleinliche Abschluß­kante am Rand des ersten Ranges; der Vorhang mit Palmetten, Pfauenfederrr und glitzernden Glaskugelketten ist in ethnogra-

phicher Carousssel-Manier, im Foyer fallen buntkitschige Male­reien auf die Nerven. Keine Ausgestaltung merkt man, sondern nur das Zerrbild wahlloser überladener Auspuherei.

Bessere Qualitäten hat das Vestibül in Marmor und Bronze und Deckenbeleuchtung aus mattglühenden Glas-Kabochons.

Die Fassade ist mehr geklebt und zusammengesetzt als ge­gliedert. Nach dem Nollendorsplatz wälzt sic sich viel zu schwer­fällig für die enge Mietshausnachbarschaft als starrendes Boll­werk, mit Pantherwagenbekrönung auf den Seitenpfosten, vor.

Reiner ist die Seitensassade, hinter der der Mozartsaal liegt. Mit weißsprossigen langen Fensterleisten mit weich gerundeten Ausbuchtungen wird Anmut erreicht, nur stimmen die beiden Gesichter des Baues gar nicht zusammen,

*

Der Kun st wart. Rundschau über Dichtung, Theater, Musik, bildende und angewandt' Künste. Herausgeber Ferdi­nand Avenarius. Verlag von Georg D. W. Callweh in München. (Vierteljährlich 3.50 Mk., das einzelne Heft 70 Pfg.) Der Kunstwort" ist mit dem Oktober in das zwanzigste Jahr seines Bestandes getreten und er hat dieses Jubiläum zum Anstoß genommen, um in einer neuen verbesserten und verfeinerten Ausstattung zu erscheinen, die sich bis auf die Tertschrist erstreckt. Und das gefällige Aeußere ist abermals nur ein Zeichen ver­besserten Gehaltes. Die Beiträge sind kürzer, dafür aber mannig­facher geworden und die Kunstbeilagen erscheinen jetzt in einer Verviellältigungstcchnik, die kaum mehr etwas zu wünschen übrig läßt. Wer von den Herstellungspreisen von KUpferdrncken. Stein­drucken, Farbendrucken etwas weiß, der weiß auch, daß bei kleineren Auflagen ost nicht einmal ein einziges der beigelegten Blätter für den Preis geboten werden könne, den ein ganzes Kunstwart"-Heft kostet, und wer ferner weiß, daß derKunst- wart" stets den materiellen Wert seiner Darbietungen in dem gleichen Verhältnisse erhöht hat, wie seine Abnehmerzahl ge­stiegen ist, der wird verstehen, wenn derK mftwart" mit dem Stolze wahrhafter Vescheideuheit es seinen bisherigen Freunden überläßt, die Agitation für ihn von Mensch zu Mensch mit Ernst zu betreiben oder aber zu unterlassen. Wir haben, so ost sich die Gelegenheit dazu bot, dem selbstlosen Unternehmen das Wort geredet und wir können auch heute zu seiner Empfehlung nichts anderes tun, als mit Nachdruck zu wiederholen, daß es in deut­schen Landen und auch sonst nirgends eine zweite Zeitschrift gibt, die mit dem gleichen Erfolg der künstlerischen Erziehung dient.

Staaten und Deutschland, die Verdunste ber Männer deutscher Geburt und Abstammung um die Union hervorhebt. Der Gipfel des Austausch? der Kultur zwischen beiden Ländern sei die Errichtung der Rooseveltprofessur. (Händeklatschen, Trampeln.) In der Rede selber sagte Burgeß unter anderm: Die größte Bürgschaft des Frieden? und der Wohlfahrt Europas sei nicht durch Verträge und Bündnisic zwischen ihnen gegeben, sondern durch das deutsche Reich und das deutsche Heer. (Beifall.) Die Begründung der Professur er­mögliche cs, Fragen von allergrößter Wichtigkeit der gründ­lichsten und freundschaftlichsten Ueberlegung zu unterziehen, die auf diplomatischem Wege kaum berührt werden dürften. Die Interessen der vereinigten Staaten und der Welt könnten nicht besser gefördert werden als durch starke teutonische Einwanderung in Südamerika, wodurch die Be­siedlung des riesigen Kontinents mit kulturfähigen Menschen gesichert sei. Burgeß teilte mit, er werde über die Ver- fasslmgsgeschichte und das Verfassungsrecht der Vereinigten Staaten lesen, ferner, daß die preußische Regierung für das Museum zur Aufnahme amerikanischer Lehrmittel, der Porträts der Roosevelt-Professoren usw. einen Raum zur Verfügung stellte. Er habe bereits drei Porträts und andere Gegen­stände mitgebracht. (Anhaltender Beifall.)

Der Rektor, Profesior Kaftan, brachte ein Hoch auf den Kaiser aus und Präsident Roosevelt.

Kaum hatte der Rektor geendet, als der Kaiser das Wort ergriff und mit weithintönender Stimme etwa fol­gendes sagte:

Kommilitonen! Anknüpfend an das eben vernommene Schreiben des Präsidenten Roosevelt fordere ich euch auf, um un­serem Dank für das bewiesene Wohlwollen, für die Worte der Anerkennung und Freundschaft für das deutsche Volk und die hiesige Universität auszusprecht^, einzustimmen in den Ruf: Theodore R o o o s e v e l t, der Präsident der vereinigten Staaten Hurra, Hurra, Hurra 1"

Die Studenten, die, als der Kaiser zu sprechen begann, vorwärts drängten, stimmten in das Hurra ein.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 29. Okt. 1906.

* * In Audienz empfangen wurde von Sr. K. H. dem Großherzog am SamStag u. a. Kreisbauinspektor Fischer von Alsfeld.

Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoh. der Großherzog haben dem Obersten a. D. Ochwadt, seither Kommandeur des 5. Großh. Infanterie-Regiments Nr. 168, das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, dem Hauptmann v. Pir sch er, Lehrer an der Feldartillerie-Schießschule, seither im 2. Großh. Feldartillerie- Regiment Nr. 61, das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen und dem in Diensten der Gandenberger'schen Maschinenfabrik Georg Goebel in Darm­stadt stehenden Buchhalter"und Bureauvorsteher Karl Becker zu Darmstadt das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem Werkführer Joh. Bergner zu Wolfskehlen das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift »Für treue Arbeit* am Bande des Philipps-Ordens ver­liehen.

* * Lehramtspersonalien. Se. Königl. Hoh. der Groß Herzog haben den Obrrlehrer Ludw. Schäfer an der Real- und Landwirtschaftsschule zu Groß-Umstadt, z. Zt. Leiter der höheren Bürgerschule zu Ober-Ingelheim, zum Oberlehrer an dieser Schule mit dem AmtstitelRektor*, den Lehramtsaffessor Ludw. Horst an der Real- und Land­wirtschaftsschule zu Groß-Umstadt zum Oberlehrer an dieser Anstalt, den Lehramtsassessor Dr. Ludw. Spilger an der Realschule und dem Progymnasium zu Astzey zum Oberlehrer an dieser Anstalt und den Lehramtsaffessor Herrn. Roden­hausen, Leiter der höheren Bürgerschule^ zu Schlitz, zum Oberlehrer an dieser Anstalt mit dem Ai^itstitelRektor* ernannt. <

- Von der oberhess. Feldbereitzigung. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den FekdbereinigungS- kommissär für die Provinz Oberhessen mit den? Amtssitze zu Friedberg, Gustav Spanier, zum Ministerialse^'etär bei dem Ministerium des Innern ernannt. k ,

** Die Viehseuchen sind in unserer Plrovinz fort­gesetzt im Ab nehmen begriffen. In den letz^^ Wochen trat die Schweineseuche oder Schweinepest/' ote den Sommer über in den Kreisen Alsfeld und Lauterbach herrschte, nur noch in Burg-Gemünden auf, mehr y)er°Tr,et?et ist noch der Schweinerotlaus, und zwar il1 Ut|n)e, Grüningen, Lang-Göns, Gießen, Langsdorf, H Ettingshausen, Kirtorf, Burg-Gemünden, Dauernhei

Inhalt dcS ersten Novemberheftes: Was gestaltet das hinter Theaterlebcn? Von Erich Schlaikjcr.- Weimar und Jena. ~0It Karl Lamprecht. Der Musikunterricht in den LehrlingSanst a^n- Von Franz T. Schoenhuber. -- Mcuniers religiöse BildN^5^- Von Georg Treu. Kunst und Industrie (Schluß). Von Lpl6* drich Naumiann. Lost Blätter: Ausl Wolfgang Kirchbr^ltzs Schriften., Rundschau: Die Kulturarbeit der Zeitung SKcr=' standcspoesie Nene ErzählungenGoethes Briefe in f£ciflÜrcr Auswahl" Berliner Theater Münchner Theater MM Reger alsl Kvmponift fürs Haus- Leipziger Musikleben FL)'- das Melodram Der Ausbau der Breslauer Domtürme -4~ Zweiter Kongreß für protestantischen Kirchenbau Von Sink* für FarbenFür unsere Leserinnen". Bilderbeilagen: (Soir* stantin Meunier, Der Gerichtete: Der verlorene Sohn: Ecc»^ homo: Leichnam Christi; vier Mbildungen zu dem Aufsatzee' BreÄauer Domtürme. Notenbeilagen: Mar Neger, Aus mcip nem Tagebuche; Rudolf Schüller, Ein Ständchen.

DaS Novemberheft der NeuenRund schau lS. Fische^'' Verlag, Berlin^ bringt neben dem Schluß deS T-riedrich Huch?' schen Romans Müo ein Zwischenspiel von 53entart» Shaw,'Son1 Zuan in der Hölle", daS in Form eines Dialogs zwische^ Don Juap, Donna Anna, dem Kvmthur und dem Teufel atlV modernen Probleme der Kultur und Moral geistreich durchnimnck 1 und zu einem positiven Schlüsse führt. Otw Julius B i e rj * b aum hat eine reizende Novelle mls der Zeit des zweites EmpireDie Liaisons der schönen Sara". Albrecht Wirth gibt; einen Ueberblick. über den Stand der Weltpolitik, Richard - Meyer einen Essai über gewisse Typen äußerlicher Repräsentativ^ n in der Wissenschaft (anschließend an Lazarus' Memoiren), Kun Singer eine Studie über Venedigs Reflexe in Kunst nnd Dicht- ung, Oskar Bie Aphorismen in Kunst, Natur und Lektüre vor : seiner Sommerreise.

Berlin, 28. Okt. Heute mittag fand die Feier der Ent­hüllung des an der Rousseau-Insel im Tiergarten errichteten 1 Denkmals für den Komponisten Albrecht Lortzing statt» Als Vertreter des Kaisers war der Generalintendant Exzellenz, v. Hülsen, erschienen. Nach mrisikalischen Erträgen aus ben\ Werken Lortzings hielt der Oberregisseur des königl. Operirhauses, ] Dröscher, die Weiherede. Hülsen legte im Auftrage des Kaisers einen Lorbeerlranz nieder. Ihm folgten Vertreter der Stadt Ber­lin, der Sohn des Kvmponiften, viele Deputationen fremder; Städte, von Theatern, SSercinen und Berliner Innungen.