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29.10.1906 Erstes Blatt
 
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Nr. 254

Erscheint Iflgttd) außer SonmagS.

Dem GießenerAnzeiqer werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Sietzener Familien, blätter oierinal in der Woche beiqelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brü h l'schen Unwers.-Buch-u. Stein- druckerei. 0L Lang«. Redaktion, Expedition und Druckerei:

G ch n t st r a ft e 7.

Redaktion 113

Verlag u.Exped.e^Abl Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

Erstes Blatt

156. Jahrgang

Montag 29. Oktober 1906

wietzener Anzeiger

w General-Anzeiger ** xs*

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

BezugSpretSr monatlich7bPs., viertel« sährlich 9)lf. 2.20; durch 9(bl)ole- u. Zweigstellen inonatlich 65 Ps.; durch didPost Mk.2. Viertel­jahr!. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen sür die Tagesnuinmer bis vormittags 10 Uhr, Zeilenpreis: lokal 12 Pf^ atlSwärtS 20 Pfg.

Verantwortlich tüt den polit. und allgem, Teil: P. Witt ko- tüt »Stadt und Land^ und »Gerichtslaal'r Ernst Heß; für den An­zeigenteil: HanS B«L

Are heulrge Mmmer nmfaßt 10 Seiten.

andere

Reuters

müftten bei der

Giefzener Stadttheatev.

Inspektor Bräfig.

Der Rücktritt des Grafen Goluchowski, der zwölf Jahre hindurch die Geschicke der Habsburgischen Mon­archie in vortrefflicher Weise geleitet hat, war einer der bedeutendsten Momente auf dem Gebiete der auswärtigen P-olitik. Bezüglich der Politik seines Nachfolgers Baron Aehrenthal hat der österreichische Ministerpräsident Freiherr v. Beck die Versicherung abgegeben, daß auch in Zukunft Festhalten am Dreibund für Oesterreich-Ungarns Politik grundlegend sein wird. Auffallend neben Goluchowskis Rücktritt war auch der des gemeinsamen österr.-ung. Reichs- kriegsministers von Pitreich und seine Ersetzung durch Frhrn. v .Schönaich. Zum Landesverteidigungsminister an Stelle Schönaichs wurde der Korpskommandant Lat­sch er v. Lauendorf ernannt. Nach demBudapesti Hir- lap" beabsichtigte Pitreich, für die militärischen Mehrfor- dcrungen nationale Zugeständnisse an Ungarn zu bieten, nämlich Durchführung der Parität im auswärtigen Dienst, Regelung der ungarischen Fahnenfr.age, Einführung der magyarischen Regimentssprache und Ersetzung der deutschen durch eine ungarische Kaiserhymne in allen ungarischen Regimentern. Diese Vorschläge seien jedoch von der maß­gebenden Stelle abgelehnt worden. Der Kriegsminister Schönaich trifft am Dienstag in Budapest ein, um mit der ungarischen Regierung über den strittigen Punkt des Abkommens zwischen der Krone und der Koalition zu ver­handeln und sestzustellen, ob die Regierung verpflichtet ist, dre Erhöhung des Rekrutcnkontingents durchzusühren. Den Verhandlungen wird auch der neue Minister des Aeußern, Baron Aehrenthal, beiwohnen.

Der Rücktritt des Ministeriums Sarrien in Fra.uk- reich und die Bildung eines radikalen Kabinetts Clö-

Die Bühnenbearbeitung Bräsigs durch die Herren Gaß­mann und Kruger st ebensowenig wie die William Schirmers, die in Hendels bill gerBibliothek* jüngst heraus kam, ein dramatisches Meisterwerk, sie bleibt auch begreiflicherweise

Der freikons. Parteitag hat ferner für die polnischen Landesteile die bedingungsweise Zulassung der poln. Muttersprache in Religionsunterricht befürwortet.' .Die Zentrumpartei - -** * -

über dem Ganzen wenigstens ein Abglanz dec herzerquicken­den Dichtung Reutec's, und im Einzelnen sind viele Züge aus dem Original selbst glücklich hinübcrgerettet. So ist namentlich die Hauptfigur den Bearbeitern derartig gelungen, daß sie bei guter Darstellung höchst erfreulich wirken muß.

Und eine solche ist ihr am Sonntag durch Herrn Bakof zu teil geworden. Das »Mcssingsch", das die Gestalt dieses wunderlichen und un§ doch so lieben Kauzes, auf dec Grenz­scheide deS dickköpfigen Gewohnheits- und deS leise empoc- Itrebenden Bildungsmenschen so prächtig kleidet, beherrscht Herr B. mit sattester Dialektfärbung. Die sprachliche Seite der Figur besaß also gestern von vornherein vollen Glanz. Zudem aber sorgte Herr B. durch seine vortreffliche Maske und seine scharf pointierende Komik, dec eine tüchtige und in einzelnen kleinen leichten, so prächtig als sicher hingeworfenen Zügen künstlerisch vollkommene Beobachtung?- und Charakteri­sierungsgabe zu Grunde lag, für eine volle plastische Wirkung, für ein stark beleuchtetes Hochrelief. Inspektor Bräsig auf dem Kirschbaum (im 3. Akt, dem ergötzlichsten, einem kleinen Lustspiel für sich) erinnert an den Geisterseher auf dem Oliven- bäume in der OperetteBoccaccio", doch er weiß, daß hier alles ohne Zauberei vor sich geht und bombardiert mit seinen Kirschkernen gleichmäßig das .petrstische' und daS weltlich gesinnte Liebespaar. WaS Herrn B.'s Bräsig besonders zu gute kommt, was ihn nicht hinabdrückt auf die Stufe un- dichterischer Possenfiguren, das ist seine gänzliche Freiheit von Karrikatur, von aller Zerrbilderei. Urwüchsig, derb und lustig, dabei kindlichen Herzens, gut und gemütvoll, so wie dec Dichter ihn schuf, trat uns der liebe, prächtige Alte in der Bakof'schen Darstellung von Anfang bis zum Ende ungemein anziehend und anheimelnd entgegen. Und so ging denn so etwas wie mecklenburgischer Erdgeruch von ihm aus und

nicht umgießen. Auf der anderen Seite sind meiste Gestalten zu charakteristisch und wahr, als daß "sie auf der Bühne ihre Wirkung versagen könnten, sie denn gerade bei der dramatischen Bearbeitung und iDarstellung von besonders ungeschickten Händen ungefaßt werden. Und da dem neuesten Reuter-Dramatiker Heinrich Klenz das Lustspiel »Dörchläuchting" nach Reuters gleich­namigem Roman (Verlag von Arthur Cavael in Leipzig) nicht übel gelungen ist, so verdiente es auch die Beachtung unserer Bühnenleiter.

Fleischteuerungsresoluttonen wurden in dev vergangenen Woche in vielen deutschen Städten angenom^ men, auch bei uns in Gießen. Zur Behebung der Teuerung hat der Vorstand der rheinischen Land^ wirtsch afts kammer es sür angängig erklärt, daß wöchentlich 1000 bis 1500 Schweine aus Holland eingeführt werden. Die Kammer hält es aber für nötig, daß die Stadt« sich der eingeführten Schweine bemächtigen, damit sie nicht in die Hände der Händler fallen.

Daß der preußische Landwirtschaftsminister v. Pod^ bielski zurücktreten werde, wurde aus Anlaß einer Ber­liner Reise des rhein. Oberpräsidenten v. Schvrlemer wieder^ behauptet. Herr v. S. ist aber dort als Redner auf der Herbsttagung der deutschen Laudwirtschaftsgcsellschaft auf­getreten. Nach derDtsch. Tagesztg." gibt der Gesundheits­zustand Podbielskis zu ernsten Besorgnissen feinen Anläße

Die drei Reichstagsnachwahlen in Döbeln, Stade und Hadersleben haben den Besitzstand von 1903 wenig verändert. In Hadersleben wurde der Däne Hansenr mit doppelt soviel Stimmen, als sein freikons. Gegenkan­didat Dr. Hahn erhielt, gewählt. In Stade entfielen auf Senator Reese (Natt.) 6612, auf den Arbeitersekretär Ebert (Soz.) 6183 Stimmen, auf Gutsbesitzer Klävemann (Bund der Landwirte) 3490, auf Gutspächter v. Meding (Welfe). 1641 und auf den Lehrer Otto (Frs. Vp.) 3191 Stimmen., Der sächsische Wahlkreis brachte den glatten Sieg des So-/ ziald emo traten.

Jnbezug auf die Lohnbewegung im Ruhr­gebiet haben die Bergwerksbesitzer beschlossen, mit den Arberterausschüssen zu verhandeln. Das soll auch in Mittel­deutschland und Schlesien geschehen. DieNordd. Allg. Ztg." erklärte am Samstag zum zweitenmal, daß ihr vieL besprochener Artikel über die Verhältnisse der Bergarbeiter) keinen amtlichen Ursprung hatte und demgemäß auch nichü vom Staatssekretär des Innern oder der von ihm geleitetem Behörde beeinflußt war. Jni übrigen gehöre das Berg-, recht nicht zur verfassungsmäßigen Zuständigkeit der Reichs­gesetzgebung. Auch sei im Reichsamt des Innern ein be­züglicher Gesetzentwurf weder ausgearbeitet noch in Vor­bereitung.

Der Wiederbeginn der Aktion gegen Marokko wegen der Plünderung von Asila war ein weiterer wich­tiger Vorgang im Ausland. Asila, südlich vvn Tanger/ gehört zur spanischen Interessensphäre, das daher an einer stärkeren Betonung seines Standpunktes in der maroRan. Frage als seither nicht mehr wird vorbeikommen können. Rarsnli hat mit 500 Bewaffneten die Umwallung von Asila eingenommen und dem Vertreter des Sultans in Tangers die Mitteilung zukommen lassen, daß er Herr der Stadt, sei. Das französ. Ministerium beschloß, einen Panzerkreuzer!

menceau mit Pichon als Minister des Auswärtigen war ein zweites wichtiges Haupt^reignis der vergangenen Woche. Clemeneeau will die Politik der Aufrechterhaltung korrekter Beziehungen zu Deutschland sortsetzen. Man muß abwarten, wie sich das neue Frankreich entwickelt. Der Aufenthalt Iswolskis, des russischen Ministers des Auswärtigen, in Paris diente wohl ebenso wie Wittes Pariser Aufenthalt der dementierten Ausgabe, die große neue russische Anleihe zustande zu bringen. Das Projekt soll einem vollständigen Fiasko verfallen fein. Auch sollen Verhand­lungen zwischen Italien und Rußland zur Begebung einer russischen Anleihe bevorstehen. Ein röm. Blatt ver­sicherte, Rußland wolle eine Anleihe in Italien aufnehmen, wofür es 6 Panzerschiffe in Italien in Bestellung gebe. Dch ital. Presse aber erhebt heftigen Einspruch gegen diese Absichten. Minister v. Iswolski nahm von Paris aber wenig­stens, wie es heißt, die Versicherung aller leitenden Per- französische Regierung treu am Rus s e n-Bun d n rs festhalte und der Kabi-

c -- Schlesiens aber stellte sich direkt sönlichleiten mit, daß die f

auf Seiten Stab^wscis. Wird nun Herr v. Studt doch noch! treu am Russen-Bünt

reichen Zuhörerschaft zu teil. Wer diesen und jenen Brasig auf dec Bühne gesehen hat, z. B. Schelpec, Junckecrnann, Richard, Büller, Thomas, der wird den des Herrn Bakof zu den allecechtesten zählen.

Um diesen Mittelpunkt gruppierten sich die anderen mit auch zumeist tüchtigen Leistungen. Am glücklichsten war neben Herrn Bakof der jugendliche Herr Herrscher, dec mit seinem alten MoseS wieder einmal eine außerordentlich feine und höchst wirksame Charakterzeichnung lieferte. In Herrn Herrscher besitzen wir, was ich schon bei Beginn dec vorigen Spielzeit hecvocheben konnte, unser stärkstes Gestaltungstalent/ dem eine bedeutende Zukunft gewiß zu sein scheint. He« Gronert tat etwas zuviel in der Beweglichkeit des ,entl fahmten Windhundes" Triddelfitz, und unser wackerer Hec^ Lippert hätte als Pomuchelskopp ganz unbedenklich etwas stärker auftragen können. Der salbungsvolle Theologe Bal. drian aber wurde von Herrn Reimer ä la Celestin (Ritouche) überaus possierlich in urkomischer Maske dargestellt. Durchaus angemessen war auch Herr Ries in seiner kleinen Episoden­rolle des wortkargen Jochen, ein in der Wolle gefärbter Mecklenburger. Herr R. war übrigens der einzige, der außer Herrn Bakof den echten Mutterlaut Reuterscher Sprache hören lreß, der den Vorgängen erst den rechten Heimatston und dem Bilde erst das rechte Lokalkolorit verleiht. Die Wenigen, die sonst noch mit dem Dialektsprechen sich versuchten, taten e8

^^icher Absicht bei dem Unvermögen, den mund- artlichen Anforderungen gerecht zu werden, nicht gerade zu lhrem und der ganzen Darstellung Besten. Sie fielen wie werße Sperlinge und nicht vorteilhaft auf; man merkte die qTr»? Ergebnis verlohnte sich dieser Mühe nicht. ,7. öcc ledere, grade, markige Hawermann machte Herr Lchlottau die größten Anstrengungen und brachte es darum zu einem Achtungserfolge. Frl. Schellcnberg die in dieser ^ptelzeck noch ferne größere Aufgabe zu lösen hatte, war eine

politische Wochenschau.

Die groteske Komödie, die eine ehrsame deutsche Stadt elf Tage lang zum Gespött der bösen Welt gemacht hat, ist in der vergangenen Woche bis hart zur Peripetie ge­diehen. Am Freitag morgen wurde in Berlin der falsche Hauptmannvon Köpenick verhaftet. Nochmals durch­flutete eine gewaltige Welle des Lachens ganz Deutschland. Denn der Spumor der köstlichen Affäre ist durch die Person des Schwindlers und die näheren Umstände seiner Ver­haftung womöglich noch gesteigert worden. Wie konnten die Berliner Schusterbuben frohlocken! Ein Schuster war's, der am hellen lichten Tag den Bürgermeister samt Zu­behör verhaftete. Freilich ein Schuster und Poet dazu denn nur in einem poetisch veranlagten Gemüt konnte der Plan zu diesem genialen Schelmenstück entstehen. Aber dennoch kein Gebildeter, kein den besseren Ständen An­gehöriger, der mit den Waffen geistiger Ebenbürtigkeit seine Opfer bezwungen hätte. Sondern ein siebenmal durch- gefiebter Zuchthäusler, mit allen Pfiffen und Kniffen des Metiers wohl vertraut, doch auch gezeichnet mit all den unverkennbaren Malen des schiffbrüchigen, herabgekomme­nen Verbrechers. Ueberdies ein Kerl, der niemals in seinem ganzen Leben in Seiner Majestät Armee gebient hat. Und trotzdem ein Diktator, sobald er feine schäbige Figur mit einer, wenn auch noch so unvorschriftsmäßigen Uniform behängte! An dieser Unbegreiflichkeit nährt sich das Lachen dieser Tage reicher als an der immerhin auch ganz pikanten Tatsache, daß der Schwindler elf volle Tage lang aus dem Weichbild der Reichshauptstadt nicht entwichen und dennoch für das Auge der Berliner Polizei schier unauffindbar war. Was so knapp nach Hennig ja schließlich auch eine ganz respektable Blamage bedeutet. Kaum 400 Mark Schaden wird die Stadt Köpenick durch den Raubzug Voigts erleiden. Infolge einer Äeußerung Voigts bei seiner Vernehmung fand nochmals eine Haussuchung statt. Hierbei wurde in einem Versteck noch ein größerer Geldbetrag ge­funden, sodaß die Stadt Köpenick, die das Geld Wrückerhält, nicht sehr viel mehr als die ausgesetzte Belohnung von 1000 Mark verliert. Die genaue Summe wird sich erst im Laufe der gerichtlichen Untersuchung ergeben. Dem Kassenräuber ist bereits ein Anwalt als Verteidiger zur Seite gestellt worden. Wie berichtet wird, bat eine Verwandte Voigts den Rechts­anwalt Dr. Schwindt mit der Vertretung beauftragt

E i n Verdienst hat der Köpenicker Talmihauptmann sich unbestreitbar erworben, das, die bedenklichen Kehrseiten des militärischen Subordinatioussystems aufgedeckt und zugleich den Beweis erbracht zu haben, wie sehr der Glaube an die Möglichkeit eines absoluten Kabinettsregimes bereits in weiten Kreisen des preuß. Bürgertums in Fleisch und Blut übergegangen ist. Daß die Warnung vor dem Absolutismus nicht unberechtigt ist, hat auch der freikonservative Parteitag ergeben. In freikonservativen Kreisen mag man mit dem sie volo, sie jubeo öfters in Berührung kommen, als es dem breiten Publikum im Lande bekannt wird. Scharf nahmen die Reichsparteiler gegen die anti- konstitutionelle Richtung im Staatswesen Stellung. Gleich- fettig aber machten sie sich zu Besürwortern einer Politik, oie das allgemeine gleiche und geheime Reichs­tagswahlrecht beseitigen will. So können sie natürlich in den breiten Volks kreisen keine Gegenliebe finden.

Mit dec Aufführung des von Gaßmann und Krüger aus Reuters ,Ut mine Stromtid* zusammengestelltenLebens­bildes" desInspektors Bräfig" hat unser Stadttheater am Sonntag den Reuterverehrern und Freunden gemütvollen Humors einen sehr genußreichen Abend bereitet. Reuters Roman-Dichtungen, zu deren Bewunderern sogar die be­rühmteste Persömlichkeit unserer Tage, der Schuster-Haupt­mann von Köpenick gehört, und die man seit zwei Jahren selbst in der Meyerschen Groschen-Bibliothek genießen kann, widerstteben ja in vielem dec dramatischen Bearbeitung, viele ihrer Reize sind zu intim und zart für das grelle Lampen­licht der Bühne, und ich weiß keinen Dramatiker, der imstande wäre, nach einer Reuterschen Erzählung ein volles rundes Bühnengemälde zu schaffen. Eine echte Dichtung läßt sich eben ohne den Verlust deS größten Teiles ihrer ur­sprünglichen Poesie auS ihrer Urform in eine

Abreise wurde ihm vom Präsidenten Falliöres das Kreuz der Ehrenlegion verliehen. Wie ein Wiener Blatt schreibt, ist die Tatsache, daß Iswolski mit dem Fürsten Bülow eine Unterredung haben wird, ein sicheres Zeichen dafür, daß auch die Reise Iswolskis nach Aexlin einen politischen Charakter trägt. Da in letzter Zett wiederholt Gerüchte- aufgetaucht seien über Verstimmungen zwischen Berlin und Petersburg, so sei sicher damit zu rechnen, daß die Beziehung gen der beiden Reiche zu einander in der Unterredung zwischen den beiden Ministern zur Sprache kommen werden

Drei russische Kr iegsschiffe sind am 27. d. M. in der engl. Clyde-Bucht eingetroffen. Man glaubt, daß sie für eine Woche dort Aufenthalt nehmen werden. Dieser Flvttenbesuch soll wohl dazu bienen, den englischen Finanz- Icuten Vertrauen in bie Festigkeit des russischen Reiches einzuflößen und sie der Uebernahme des Risikos einer An­leihe geneigter zu machen.

wohl oder übel Konzessionen machen müssen? Es wird ihm > nettswechse Ibaran nichts geändert habe. Am 26. d. M. kaum etwas anderes übrig bleiben. Es heißt, der Papst solle list Herr v. Iswolski nach Berlin abgereist. Vor seiner den Erzbischof v. ^tablewski zur Anerkennung der Staats-^^""' --------* ....... ~ - - -

gemalt veranlassen. Tschirsch kysBes-uch im Vatikan wird damit in Verbindung gebracht, ob mit Recht, ist frag­lich, denn es handelt sich nur um eine preußische Ange­legenheit. Allert mgs, wie ost sind nicht bereits Gegen­stände der preußischen und der Rechtspolttik mit einander verquickt und gegen einander verhandelt worden. Aus Kreisen der röm. Staatskauzlei verlautet, daß der deutsche Staatssekretär v. Tschirschky im Gespräch mit dem päpstl. Staatssekretär Merry bei Val die Polenfrage tatsächlich in diesem Sinne streifte und daß er bie Auffassung und den Standpunkt der Reichsregierung barlegte. Merry bei Val soll zugesagt haben, der Vatikan werbe ben Polen Mäßigung anempfehlen, aber unter Schonung Stablewskis. Staatssekretär v. Tschirschkq wjrd sich nun noch nach San Ressore begeben, wo er von König Viktor Emanuel em­pfangen werben wirb.

dcarnatifches Wleiil-rwect, sie bleibt auch begreiflicherweise es wurden dem Onkel Bräsig gestern die stürmischen Bei- dm Reizen des Originals viel schuldig. Es liegt aber doch 'fallsbezeugungen einer doch ergötzten, übrigens überaus zahl-