Erstes Blatt
Nr. 74
156. Jahrgang
Mittwoch 38. Marz 1906
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Anzeiger Gießen.
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Z)ie heutige Kummer umfaßt 12 Seiten.
politische Lagessehan.
DeS Kaisers Mittelmeerfahrt.
Zu den widerspruchsvollen Meldungen über die Mittelmeerfahrt Kaiser Wilhelms II. schreibt heute einer unserer Berliner Mitarbeiter:
Wir wissen mit Bestimmtheit, daß eine Mittelmeerfahrt ge- plant wpr, jetzt aber als aufgegeben gelten kann. Man hatte id Berlin angenommen, die Verhandlungen in Algeciras mürben um die Mitte deS März, wenn nicht abgesckstossen, so bod) m günstiger Richttmg entschieden sein, und so war der Beginn der Fahrt des Kaisers auf einen der ersten Tage des April festgesetzt. Alle Vorbereitungen waren getroffen, das Gefolge des Kaisers war bestimmt, — da traten infolge des Sturzes des Kabinettes Rouvier eine Verschiebung der politischen Lage und eine Stockung der Konferenz-Beratungen ein. Es liegt auf der Hand, daß unter diesen Umständen der Antritt der Kaiserfahrt zunächst wieder ungewiß werden mußte. Und seit einigen Tagen kann cs als sicher angesehen werden, daß die Mittelmeerfahrt des Kaisers diesmal ausfällt. Damit dürste denn auch der für die zweite Hälfte des April in Aussicht genommene Gegenbesuch Wilhelms II. am spanischen Hofe um ein Jahr verschoben worden sein. Im Einklang hierzu steht die Tatsache, daß der Kaiser sich beim Fürsten Max Egon Fürstenberg zur Aucrhahnjagd für Ende April in Donaueschingen angesagt hat.
Ra8 Makonneu.
Nach einem Telegramm aus Dschibuti ist Ras Ma- fonnen, der „abessinische Löwe", mie man ihn nannte, Vizekönig von Harrar, gestorben. Er war ein Vetter des Kaisers Menelik und eine Hauptstütze dieses Herrschers. Als Gouverneur von Harrar kam er in engen Verkehr mit Ausländern, und dies hatte zur Folge, daß ihm hauptsächlich die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten anvertraut wurde. In dem Kriege mit Italien zeichnete er sich durch persönliche Tapferkeit und durch strategisches Talent ans und man mißt ihm den Hauptauteil an der Niederlage der Italiener bei Adua zu. 1899 wurde er beauftragt, eine gefährliche Revolution niederzuwerfen, an deren Spitze der Vizekönig von Tigre, ein Sohn des früheren Kaisers Johannes, stand." Der Feldzug bot große Schwierigkeiten. Der Kampf blieb unentschieden, aber cs gelang Makonneu trotzdem, seinen (Skalier zu zwingen, sich unter Bedingungen zu unterwerfen, die die Integrität des Reiches und "die Souveränität Meneliks gewährleisteten. 1902 wohnte Ras Makonnen als Gesandter Meneliks. der Krönung König Eduards bei. Er war eine der interessantesten Erscheinungen in dem Festzuge. Man glaubte, daß er nicht viel älter als 40 Jahre sein könne. Sein Staatskostüm erregte Aufsehen. Weiße Seide mit Goldverzierung herrschte vor. Dazu kamen europäische Schuhe und ein gewaltiger schwarzer Filzhut. Man erzählte sich, daß Ras Makonnen wegen der Kinderlosigkeit des Kaisers diesem auf dem Thron folgen werde, aber ec war zu klug, um den Titel eines Thronfolgers anzunehmen, da ein solcher Titel in orientalischen Ländern zu leicht Gefahren mit sich bringt. 1901 wurde er Vizckönig von Tigre, gegen den Ras Makonnen, wie bemerkt, zum Schutze der Herrschaft Meneliks gekämpft hatte, verhaftet, und Ras Makonnen erhielt, einen großen Teil der Territorien von Tigre zugcwiesen, weil er mit einer Schwägerin des aufrührerischen Ras verheiratet war. Der Verstorbene erfreute sich in Abessinien eines großen Ansehens und großer Beliebtheit. Auch die Europäer wußten ihn zu schätzen. Seine große Charakterstärke und seine schlauen diplomatischen Anlagen verstand er in der Unterhaltung mit Ausländern durch ein liebenswürdig melancholisches Wesen zu verschleiern. Er besaß das unbedingte Vertrauen seines Herrschers, dem es nicht leicht fallen wird, unter der Zahl derjenigen, die auf den Thron Einspruch zu haben glauben, einen dem Verstorbenen ebenbürtigen Mann zu finden.____________________________________________________
Sie Marokko-Konferenz.
Am Dienstag vormittag — so wird uns heute privater- /eits aus Algeciras gemeldet —, während die Redaktionskommission zur weiteren Beratung des österreichischen Amendements im Hotel Reina Cristina tagte, teilte der amerikanische Delegierte White einen von ihm redigierten Vorschlag inbezug auf die Kontrollfunttion des diplomatischen Korps in Tanger mit. Dieser Vorschlag enthält eine Umformulierung des österreichischen Amendements, worin das diplomatische Korps mit Unterstützung des Generalinspektors als oberste Aufsichtsbehörde des marokkanischen Polizeikorps bestellt wird. Er fand alsbald die Zustimmung des Herrn v. Radowitz und des Herrn Revoit. Mit dieser'Ueberwindung der Hauptschwierig--, keit war das Eis gebrochen. Der fertige Kommissionsentwurf ging ans Plenuin.
W. T.-D. meldet aus Algeciras, 27. März:
Während der heutigen Sitzung bcr Redaktionskommission gelang cs auf Grund der von amcrit’anijrher Seite vorgeschiagcnen Fassung eine glückliche Lösung für die bestehenden Differenzen über die Frage der Bcanssichtig'.mg der Polizei zu finden, welche alle Aussichten hat, die Zustimmung des Plenums zu finden. Auch die Frage der Bankanteile ist in befriedigendem Sinne geregelt worden.
Nach einer „Standard"-Meldung aus Tanger werden die Beschlüsse der Konferenz über die Polizeifrage von den Marokkanern mit großem Unwillen vernommen. Der Maghzen hat begonnen, ein neues Polizeikorps zu organisieren, um dcu europäischen Mächten zuvorzukommen.
Rußland.
Wie aus Brjansk telegraphiert wird, erfolgte gestern in der dortigen technischen Schule eine Bomben- Explosion. Ter Rektor hat deswegen die Schüler der vier obersten Klassen von der Anstalt ausgeschlossen.
Nach Meldungen ans Sewastopol beabsichtigt der dortige Gouverneur sämtliche Juden einschließlich derjenigen, welche im Besitz des NiedcrlassungSrechtes sich be- sinden, aus zu weisen.____________________________________
Deutsches Reich.
Berlin, 27. Mär;. Der Kaiser hörte heute die Vorträge des Generalleutnants Grafen von Hülsen-Haeseler und des Admirals Auchsel.
— DnS dem Reichstage zugegangene Notgesetz, daS für die Monate April und Mai, in denen der Etat für 1906 noch nicht fertig fein wird, die budgetmäßige Grundlage für die Fortführung der Verwaltung festlegt, enthält auch die Bestimmung, daß der Reichskanzler eine Anleihe von 200 Millionen flüssig machen darf.
Dresden, 27. März. Die Erste Kammer hat gleich der Zweiten Kammer die Heranziehung des landwirt- s ch a f t l. Betriebsvermögens zur E r g ä n z u n g s st e u e r beschlossen.
Karlsruhe, 27. März. Die Schulkommission der 2. Kammer hielt heute eine Sitzung ab, in welcher der Staatsminister v. Tusch eine Erklärung folgenden Inhalts abgab: Die Regierung ist bereit, bei Annahme der Sätze des Entwurfs 1400 Mk. bis 2600 Mk. eine weitere Besser- ung der Gehaltsbezüge der Lehrer bei der allgemeinen Gehaltsrevision eintreten zu lassen und unter Ausschluß einer nochmaligen Besserung bei der Revision des Gehaltstarifs jetzt schon über die Sätze des Entwurfs hinaus- zugehen.
Straßburg, 27. März. Der Ausschuß für die Errichtung eines Kaiser Wilhelm-Denkmals in Straßburg beschloß, die Beitrage, die im Laufe der Jahre 1888—1905 aus dem Dispositionsfonds dcL Statthalters zur Verfügung gestellt worden waren, insgesamt 160000 Mark abzu- lehnen.________________________________________
Ausland.
London, 27. März. Eduard de Ncusville aus Frankfurt a. M. überreichte heute dem Lorbmayor die Denkschrift '■c§ deutschen Komitees für die Herbeiführung einer engeren Freundschaft zwischen England und Deutschland. Ter Lorb.nayor ver; .djcne Herrn de Neusville, daß die herzlichen Gefühle, die in der Denkschrift zum Ansbcuck kämen, ebenso herzlich in England eriuibeti würden, wo der Wunsch, in sehr freundlichen Beziehungen mit Deutschland zu stehen unb zu wirken, allgemein gehegt werde.
— Das Oberhaus nahm heute in zweiter Lesung die Bill an, durch welche in Strafsachen ein BerufungZ- g e r i ch t s h o f eingesetzt wirb.
Barrow i. Furneß lEngl.), 27. Mürz. Der peruanische Kreuzer „Almirante Grau", der einer der schnellsten Kreuzer der Welt werden soll, ist hier heute in Gegenwart von englischen, französischen, russischen unb japanischen Offizieren vom Stapel gelaufen.
Paris, 27. März. Das Kriegsgericht in Nantes beschäftigte sich heute mit dem Falle bc§ Hauptmannes De Croy, der sich geweigert hatte, mit seinen Truppen an einer Jnventürausna hme teilzunebmen. Der Hauptmann gab zu, daß er mit Wissen gegen die militärischen Vorschriften gehandelt habe, daß es ihm aber unmöglich gewesen sei, sich gegen seine Ucberzeugung den militärischen Pflichten unterzuordnen. Trotzdem wurde er mit 4 gegen 3 Stimmen freigcsprochen. Tie Urteilsverkündung wurde von den Anwesenden mit Hochrufen begrüßt. — Der Kriegsminister teilte im heutigen Miniflerrate mit, daß Hauptmann De Croy zur Disposition gestellt wird. Der Freispruch hat großes Aufsehen erregt und inan ist allgemein der Uebcrzeugung, daß derselbe die Kampagne zu Gunsten der Abschaffung der Kriegsgerichte bedeutend fördern wird.
— In Laurac kam cs bei der Inventnraufnahmc zu ernsten Zwischenfällen. Als die Truppen in die Kirche eindrangen, wurden sie von den darin befindlichen Personen mit allerlei Geschoflen bombardiert. Ein Hauptmann erhielt durch einen gegen ihn geschleuderten Stuhl ernste Verletzungen und mehrere andere Offiziere und Mannschaften wurden ebenfalls durch Wurfgeschosse oder Stockhiebe verwundet. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenoinmen. Einige wurden sofort vor das Schwurgericht gestellt, zwei erhielten je 2 Monate Gefängnis. Gegen den Pfarrer und den Vikar ist gerichtliche Untersuchung eingeleitet.
Bukarest, 27. März. Gestern Abend haben Stubenten- Demonstrationen stattgefunden, weil im National- Theater ein französisches Stück aufgeführt wurde, was die Studenten nicht dulden wollten. Die Demonstration artete in einen blutigen Straßenkamps aus, wobei Studenten von Revolvern Gebrauch machten. Militä.r mußte mit der Waffe vorgehen, wobei zwei Demonstranten getötet und 3 00 verletzt wurden. Auch eine große Zahl Soldaten wurde verwuudet.
Konstantinopel, 26. März. Als Mörder Redwan Paschas verhaftete vier Ruthen leugnen die Tat. Sie behaupten, sie feien Tabakschmuggler unb zufällig bei der Verfolgung verhaftet worden.
Washington, 27. März. Die Marinekommission dcS Repräsentantenhauses beschloß, den Bau eines Linienschiffes vom größten Typ, dessen Tonnengehalt der Marinesekretär bestimmen soll, und den Bau von drei Torvedobootsrerstörern au befürworten, ferner die
Verausgabung van einer Million Dollars nach dem Ermessen des Mariuedepartements für Unterseeboote, sodann 1 250 000 Dollars für ein Trockendock in Bremerton am Puylfound und 1 400 000 Dollars für ein Schwimmdock an der atlantischen Küste.
9t erot) ort, 27. März. Der Bezirksanroalt Jerome erhielt vorn Gerichtshöfe de§ Stadtgefängnisses -den Befehl, gegen mehrere hervorragende Personen, die zu dem Versicherungswesen in Beziehung stehen, Haftbefehle zu vollstrecken.
Las Unglück Von CourrttLrcs und dic französischen Ausstände.
In Billy Montigny ist e§ den Rettungsmannschaften gelungen, des Feuers foroeit Herr zu werden, daß sie auf die andere Seite gelangen konnten. Hier bot sich ihnen ein entsetzlicher Anblick. Haufen von Leichen, verkohlt unb in Verwesung übergegangen, lagen übereinander. Die Leichen werden mit Chlor überschüttet und zu tage gefördert.
Tie deutschen Rettungsmannschaften, deren Tätigkeit beendet ist, verabschiedeten sich von der Gesellschaft in CourrißreS und kehren nach Deutschland zurück. Die Bergungsarbeiten werden von den französischen RettungS- mannschasten fortgesetzt.
Die Bergleute nehmen in größerer Zahl die Arbeit wieder auf. Man glaubt, daß sich bei der Adil immnnq die große Mehrheit gegen die Fortsetzung deS Ausstandes auSsprechen wird.
Aus SfaOt Mtto LanS.
Gießen, den 28. Marz.
♦* Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den cvangel. Pfarrer und Kirchenrat Eduard Koch zu Frän- tlsch-Crumbach auf fein Nachsuchcn unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt. — Entlassen wurde der Gefangenenaufseher am Gan» beszuchthaus Manenschloß Hch. Walther auf fein Nach» suchen.
” Von bcr landwirtschaftlichen Haupt ge- n offen sch ast für Obcrbcss.en. Uninr der Ueberschrist „3um Fall Hirschel" geht unS rm geschätzter, sich selbst als zuverlässig bezeichnender Seite eine längere Auslassung zu, nach der die gerichtliche Untersuchung auf Grund einer Anzeige deS ersten Dircktors S ch l e n f c erfolgt fei. Dieser habe den zweiten Direktor, Hirschel, wegen Unterschlagungen unb etwaiger anberer damit im Zusammenhang stehender Delikte bei der Staatsanroaltschaft zu Gießen angezeigt. Die Leute, die in Hirschels Handlungen lediglich ein verspätetes Abliefern von Genossenschaftsgeldern erblickten, hätten insofern recht, als Herr Hirschel alles Geld .ii die Genossenschaftskassc zurückgebracht hatte.—Im Gegensatz hierzu geht uns von einer anderen Seite, die ebenfalls icmen Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit zuläßt, eine Mitteilung zu, daß c.m Montag in Hungen eine Sitzung deS Genoss e n s ch a f t s v o r st a n d e s stattgefunden habe, in der daS Vorgehen beS Herrn Schlenke mißbilligt unb Herrn Hirschel ein Vertrauensvotum erteilt wurde. Unterschlagungen oder dergleichen habe sich Hirschel nicht zu schulden kommen lassen, er sei vielmehr öfters daS Opfer feiner Gutmütigkeit gewesen und umgangen worben. Weiter beschloß die Versammlung, die Genossenschaft nicht aufzulösen, da hierdurch ein Defizit bis zu 20000 Mark entstehen könnte, während eine gewissenhafte Wetterführung den bisherigen Gewinn vergrößern müßte. — Die „Deutsche Volksmacht" schreibt in ihrer neuesten Nummer unter der Ueberlchrist »Zur Aufklärung" folgendes:
Im Publikum kursieren die merkwürdigsten Gerüchte wegen ■Hier Untersiichungssache gegen den Direktor Hirschel, hauptsächlich hcroorgerulen durch einen sensationell ausgebaujchten Attikel der „Kleinen Presse".
Zur Beruhigung der vielen Freunde des genannten Herrn unb im Interesse bet genossenschaftlichen Sache sei hiermit konstatiert, bas; gegen denselben lociter nichts vorliegt, als baß eine Unter- snchlmg durch das Landgericht geführt wird, weil gegen ihn eine offenbar von Radffucht diktierte Denunziation eingelansen ist, die gcrichtsseitig untersucht werden muß.
Sowohl der V o r st a n d als der 2l u f s i ch t s r a t der Land- ivirtschaftl. Haupt-Genossenschaft haben genaueste Keiintnis von der Vorgängen und stellten sich einstimmig auf den Standpunkt, baj H er vn Hirschel nichts vorzu werfen sei.
Wer Herrn Hirschel kennt, weiß, daß derselbe einer unehren« haften vandlmig nicht fähig ist und bitten wir deshalb, den lächev- lich übertriebenen Klatschereien fein Gehör zu schenken.
•• Stad tt Heater. Die gestrige Llufführung von Lessings „Nathan der Weise" darf als recht gut bezeichnet werden. Herr Wittmann setzte als Nathan feine ganze Kraft ein und c3 gelang ihm auch, uns die prächtige Gestalt des alten Juden vortrefflich vor Augen und Ohren zu führen. Ter Tempelherr des Herrn Lütt jo Hann war eine ausgezeichnete Leistung. Die Wärme seines Tones, baä lebhafte Spiel unb die Leidenschaftlichkeit, in der er doch stets klug maßzuhalten verstand, drangen zu Herzen und man darf dem jungen Künstler — wenn fein Streben und fein Fleiß dieselben bleiben — getrost eine gute Zukunft prophezeien. Garnicht dagegen befriedigte der Sultan Saladin beS Herrn Steinmann. Man vermißte bei ihm so ziemlich alles. Tie Figur, bie bei guter Darstellung so sympathisch wirken kann, ließ vollslänbig kalt. Frl. Donecker als Recha wußte ihrem Spiel viel Innigkeit unb Weichheit zu geben, unb der geschwätzigen Taja wurde Frau Millar ganz gut


