Ausgabe 
26.5.1906 Viertes Blatt
 
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Nr. VA% Viertes Blatt. L56. Jahrgang

Samstag 26. Mai 1906

Urlchetnt Wgltth mU Ausnahme des Sonntags.

ÄrteGießener KamilienblSIter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der CanömUt erfchemt monatlich einmal.

Gießener Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der 8rflbf*fdw UnwersrtätSdruckeret. R. Bangt, Gieren.

Redaktion.Expedition «.Druckerei^ Gckrnlltt'.I.

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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.

Münster, 27. Ober-!

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(Für den Inhalt bei unter bietet Rubrik stehenden Artikel übernimmt die 9'cboth'"i den, Vnblilum gegenüber keinerlei

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Demnächst tritt zum Schutze des Publikum? die neue Milch- verkausSverordnung für den Kreis Gießen in Kraft. Mit jedem Früh­jahr und während des größten Teiles b^r heißen Jahreszeit an­haltend, liefert mir mein Milchhändlcr eine übelrieche nb e s ch a l e M i l ch. Die von eiiligen andern Händlern bezogene Milch ist gerade so schlecht. Beim Kochen bekommt sie einen stinkenden Schmand nnb die Milch wird bläulich dünn. Sie schmeckt wider­lich und ist fast ungenießbar. Selbst vor dem Reisbrei und Pudding, die aus solcher Brühe bereitet werden, schrecken, meine acht Kinder zurück, was doch gewiß viel heißen will! Kann vielleicht jemand aus dem Leserkreis Aufklärung über die Ursache dieser gesundheits­lind polizeiwidrigci, Beschaffenheit der Milch geben und eine Aus­kunft darüber, ob die neue Verordnung eine Handhabe bietet und welche, um die Händler und Produzenten zur Lieferung einer normalen und wenigstens appetitlich riechenden und schmeckenden Milch zu zwingen?

Aus dem Berkaus des früher Grunerschen Wasserwerks an die Stadt Bad-Nauheim stehen 506 708,34 Mk. zur Ber- füquna Die Kosten für den Erwerb dieses Wasserwerks und die weiteren Aufwendungen dafür wurden jedoch seinerzeit aus den Vermögensmitteln der Hauptstaatskasse entnom­men- würde der Betrag von 506 708,34 Mk. daher zu dem Bau' des neuen Wasserwerks mit verwendet, so wäre der Grundsaü durchbrochen, wonach Bad-Nauheim lediglich aus seine eigenen Einnahmen offne Unterstützung des Staates angewiesen sein sott. Es empfiehlt sich daher, den genannten Betrag, soweit er der Hauptstaatskasse entnommen ist, wie­der den Vermögensmitteln der Hauptstaatskasse zu uber- weisen. _______________

Die Kruppenwafservrrsorgung Aad-IauSeim.

Die der 2. Kammer der Stände nunmehr zuge­gangene Regierungsvorlage lautet im wesentlichen wie folgt:

Die Versorgung von Bad-Nauheim mit Süßwasser war bis Ende der achtziger Iaffre des vorigen Jahrhunderts sehr unvollkommen. Die Stadt entschloß sich erst im Jahre 1886, der Anlage einer Wasserversorgung näher zu treten und erteilte am 20. Juni 1888 dem Ingenieur Gruner die Konzession, auf seine Kosten ein Wasserwerk auszu- fuhren und zu betreiben, wobei sie sich das Recht auf Ueber- nahme des Werks nach genau festgesetzten Bedingungen frühestens nach 15 Jahren vorbehielt. Die Eröffnung oes Betriebes erfolgte am 2. Mai 1889. Im Jahre 1899 konnten die vorhandenen Brunnen den sehr gesteigerten Bedarf nicht mehr decken; es erschien aber nicht geboten, die Genehmig­ung zur Ausdehnung der Brunnenanlage abermals entern Unternehmer zu erteilen, und Gruner erklärte sich daher bereit, das Wasserwerk zu verkaufen. Die Stadt lehnte den Ankauf ab und der Staat schloß daher mit Gruner am 25. August 1899 einen Vertrag über die Erwerbung des Werks; die Uebernahme erfolgte am 1. Januar 1900. Die Stadt machte späterhin von ihrem Recht, das Wasserwerk zu übernehmen, Gebrauch, und dieses ging daher am 1. April 1904 in ihr Eigentum über. Die Stadt lieferte anfangs das Wasser für die staatlichen Betriebe zu lOPfg., steigerte aber 1905 den Preis zunächst auf 20 Pfg. für den Kubikmeter.

in der Entwicklung ober beim Lernen zurnckbleibenbe Kinder, sowie blut­arme, sich rnattsühlende und nervöse überarbeitete, leicht erreg­bare, frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen als Kräftigungs­mittel mit großem Erfolg Dr. Hommel'S Haematogen.

Der Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Kräfte werden rasch gehoben, das Gesamt-Nervenshsteur gestärkt.

Man verlange jedoch ausdrücklich das echte ,,Dr. Hommel'S" Haematogen und laffe sich keine der vielen Nachahmungen auf­reden.

Für die jährlichen Betriebskosten der Grapen Wasser­versorgung einschließlich der Verzinsung und der Tilgung werden erforderlich: 31 _ Prozent Verzinsung des Anlage­kapitals (1867 000 Mk.l 65 345 Mk., »,(. Proz. Abschreib­ungen auf die Rohrleitungen und die Quellfassungen (1416 095 Mk.) 10 620 Mk., 12 Proz. ?lbschreibungen auf den Restbetrag (450905 Mk. 2255 Mk., Vcrwaltungskosten 3000 Mk., zusammen 81 220 Mk.

Diesen jährlichen Ausgaben stünden für den Anfang an Einnahmen gegenüber: 1. Zahlung der Stadt Bad- Nauh-im für die tägliche Lieferung von 1500 Kubikmeter nach V-rtrag 21 518 Mk, 2. Mutmaßlicher Erlös aus dem Mehrveikauf an die Stadt über die 1500 Kubikmeter hinaus 4000 Mk, 3. Zahlung der Stadt Friedberg bei einer Abgabe von täglich 1000 Kubikmeter 11980 Mk, 4. Zahlung von Landgemeinden der Ortsgruppen A, B und D mutmaßlich 7490 Mk, zusammen 47 988 Akk. Nach diesen Annahmen würde sich der jährliche Wasserverbrauch für die staatlichen Betriebe in Bao-Nauheim somit berechnen auf: 81 220 Mk. 47988 Mk. gleich 33232 Mk. Sollte jedoch die Stadt Friedberg anstatt 1000 Kubikmeter täglich 1500 Kubikmeter Wasser entnehmen und würden sich, allmählich eine größere Zahl der in Frage kommenden 29 Gemeinden anschließen, fb wäre eine Verminderung des Betrages von 33 232 Mk. auf 23 838Mk. (entsprechend einem täglichen Höchstverbrauch der staatlichen Betriebe von 1500 Kubikmeter) zu erwarten.

Es wird beabsichtigt, das neue Wasserwerk den tech­nischen S8efrteb.cn der Großh. Badedirektion zu Bad-Nau- heim anzugliedern.

Ans den Einnahmen wird eine 3^/,prozcntig e Ver­zinsung der Baukosten an die Hauptstaatskasse jähr­lich bewirkt.

Im Laufe der Jahre sind die Anforderungen an das vorhandene Wasserwerk ganz erheblich gestiegen. Die größte Entnahme am 3. Juli 1905 betrug 2821 Kubikmeter in 24 Stunden, das Werk war damit bereits an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit angenommen, ohne allen Auf­gaben, insbesondere füx das Straßensprcngen gerecht werden zu können. Nach der Eröffnung der neuen staatlichen Be­triebe, der Zentralmaschinenanlage mit dem Fernheizwerk und vor allem der Dampfwäscherei wird der Bedarf noch weiter wachsen, sodaß für die Beschaffung größerer Wasser­mengen Sorge getragen werden muß. Nach den überein­stimmenden Gutachten hervorragender Geologen ist es für die Erhaltung der Sprudel und der Trinkquellen von der größten Gefahr, andauernd Wasser in erheblichen Mengen aus dem Untergrund in der Nähe von Bad-Nauheim zu entnehmen; danach ist auch jede Erweiterung des bestehen­den Werks zu vermeiden, da es sein Wasser aus dem Seckel- graben unmittelbar nördlich von dem großen Teich schöpft. Von dem Großh Tiefbauamt in Bad-Nauheim wurden daher im Einvernehmen mit der geologischen Landesanstalt in der weiteren Umgebung von Bad-Nauheim zur Unter­suchung des Untergrundes und zur Feststellung etwa vor- haudener Grundwassermengen eine große Zahl von Bohr­ungen niedergebracht, ohne daß hierbei ein befriedigendes Ergebnis hätte erzielt werden können. Es mußte danach in größerer Entfernung ein geeigneter Wasserbezugsort ge­sucht werden; als solcher bot sich das östlich des Dorfes Lauter gelegene Quellgebiet.

Hier entsvringen an mehreren Stellen gegenwärtig 5500 Kubikmeter Wasser von vorzüglicher Beschaffenheit; die Quellen kommen aus Basalt und haben im trockenen Sommer annähernd die gleiche Ergiebigkeit, wie tvährend der nassen Jahreszeiten. Dieses Quellgebiet wurde für den Staat gesichert. Die Wasermenge von 5500 Kubikmeter über­schreitet erheblich den Bedarf der staatlichen Betriebe in Bad-Nauheim selbst in der Zukunft. Es ist daher die Mög­lichkeit vorhanden, den zwischen Lauter und Bad- Nauheimgelegenen Ortschaften die Wohltat einer verhälfttismäßig billigen Wasserversorgung zuteil werden zu lassen. Auch die Stadt Friedberg leidet rn den Sommer­monaten Wassermangel; sie ist daher bereif, von Lauter her Wasser zu beziehen. Das Wasserwerk der Stadt Bad-Nau- lteim darf, wie bereits erwähnt, schon jetzt nicht stark an­gestrengt und keinesfalls erweitert werden, da durch das Absenken des Grundwasserspiegels eine ungünstige^Ein­wirkung auf die Ergiebigkeit der Sprudel und der ^rink- quellen zu befürchten ist. Die Stadt Bad-Nauheim hat sich daher entschlossen, auch Wasser von Lauter zu beziehen Der hierüber verabredete Vertrag hegt bereit vor, danach werden der Stadt täglich bis zu loOO Kubikmeter ff rum Jahrespreis von 21518 Mark .abgegeben: em Mehr- Azug wird besonders vergütet. Mrt Friedberg wird em ähnlicher Vertrag nach den Beschlufsen der Stadtverord­netenversammlung demnächst aufgrund einer iaglichen üb. nähme von 1000 Kubikmeter und dementsprechend einer jährlichen Zahlung von 14 980 Mark zustande kommen, .'ud auch die Vereinbarungen mit einem großen Aext der Land- ^meinLnHeinen nach dem Stand der Verhandlungen ^Nfür die Versorgung von Lauter inbetracht kommen­den Landgemeindeil lassen sich in 3

1 fSip Ortsgruppe A, ine unmittelbar an der Zu leituna von Lmlter nach Bad-dkmheim hegt: h^rzu ge-

4. Trais-Horloss, 5. Utphe, 6. Berstadt, 7. Wölfersheim, 8. Södel, 9. Melbach, 10. Torheim, 11. Schwalheim, mit einer Einwohnerzahl von 6813 Seelen und einem Gesamt­wasserbedarf von 756 Kubikmeter im Tag.

2. Die Ortsgruppe B, die sich an einem besonderen bei Berstadt abzweigenden und nach Friedberg führenden Rohrstrang südöstlich des Hauptstranges befindet: es sind dies: 12. Unter-Widdersheim, 13. Ober-Widdersheim, 14. Echzell, 15. Bisses, 16. Gettenau, 17. Bingenheim, 18. Heuchel­heim, 19. Reichelsheim, 20. Doru-Assenheim, 21. Nieder- Florstadt, 22. Ossenheim, 23. Assenheim, 24. Bruchenbrücken, mit 8761 Einwohnern und einem täglichen Wasserbedarf von 919 Kubikmeter.

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3. Die Ortsgruppe D, hochgelegene Orte unmittelbar i unterhalb Lauter, die von den Höffer gelegenen Quellen von Lauter versorgt werdeu; nämlich: 25. Lauter, 26. "" *' , Bessingen. 28. Non^enroth, 29. Röthges, .

zusammen 1715 Einwohner mit einem täglichen Wasser­verbrauch von 181 Kubikmeter. Faßt man diese 3 Gruppen zusammen, so erhält man 29 Ortschaften mit 17 289 Seelen und einem täglichen Wasserbedarf von 756 und 919 und 181 gleich 1856 Kubikmeter. Rechnet man hierzu den Wasserverbrauch für die staatlichen Betriebe von 1000 Km. die Abnahme der Stadt Bad^Nauheim von 1500 Km. und die für Friedberg vorzusehende Wassermenge von 1000 Km., so wären erforderlich, falls alle die genannten Gemeinden ich anschließen würden: 5356 Kubikmeter; also nahezu die zur Verfügung stehende Quelleuschüttung. Bei dev Be­arbeitung der Entwürfe lag die Erwägung nahe, ob cs nicht ausführbar sei, auch die nordwestlich des 5)aupt- strangs gelegenen Ortschaften, wozu noch Langd hinzu­zunehmen ist, mit Wasser zu versorgen. Es kommen dafür zunächst in Frage 13 Orte mit 9577 Einwohnern und einem täglichen Wasserbedarf von 1008 Kubikmeter. Zur Versorg­ung dieser Gemeinden genügte aber einerseits das in Lauter zu gewinnende Wasser nicht, andererseits liegen viele der O.te zu hoch, um ohne Pumpbetrieb das Wasser erhalten zu können. Es muß daher den Beteiligten über­lassen bleiben, auf dem Quellgebiet bei Inheiden, das vorsorglich gleichfalls gesichert wrirde, ein eigenes Was ferm er E anzulegen. Eine Vereinigung dieser Unter­nehmung mit der Gruppenwasserversorgung Bad-Nauheim ist sachlich nicht bedingt, wegen der großen Dringlichkeit der letzteren aber -zeitlich ansgeschlosfen.

Die 2lbleilung des oberhalb der Bingmühle bei Lauter entspringenden Quellwassers ist geeignet, den Betrieb der unterhalb liegenden Triebwerke mehr ober weniger zu beeinflussen. Ueber die Höhe der dadurch chi>a bedingten Wertverminderung, namentlich aber and) darüber, wie weit abwärts überhaupt eine solche noch in Frage kommen kann, finden gegenltartig Erhebungen statt. Tenn wenn auch den Triebwerksbesitzern ein Recht auf Ent­schädigung nicht zusteht, so besteht doch die Absicht, soweit eine einigermaßen erhebliche Wertverminderung nachweis­bar ist, eine angemessene Ents ch ä digung nach billigem Ermessen eintreten zu lassen. Ein Betrag dafür ist in dem Kostenvoranschlag eingestellt.

Der über die Zuführung der Quellen von Lauter nach Bad-Nauheim bearbeitete Entlvurf enthält die Quellfassun­gen bei Lauter, die Zuleitung für die Ortsgruppe A bis nach Friedberg und Bab-Nauheun, bie Zeichnung des für die staatlichen Betriebe in Bad-Nauheim auf dem Gold­stein zu erbauenden Hochbehälters. Maßgebend für die Vor­lage ist der Voranschlag I für die Gravitationsleitung von Lauter nach Friedberg und Bad-Nauheim unter Ausnützung der im Quellgebiet vorhandenen Wassermenge von täglich 5500 Kubikmeter. Die Kosten hierfür betragen nach den gegenwärtigen Marktpreisen und den zum Terl vorliegenden Angeboten einschließlid) der Qnellankänfe: 1809 000 Mk. Nicht eingeschlossen in dieser Kostenberechnung sind die Zu­leitungen nach den Ortschaften, die Hochbel^ter und die Ortsrohrnetze für die einzelnen Gemeinden, die sich zum Anschluß an die Gruppenwafserversorgung bereit finden; diese Beträge sind von den Gemeinden selbft aufzubringen. Außerdem sind besonders veranschlagt die Baukoswn für den die staatlichen Betriebe versorgenden Hodchehalter mit 58000 Mk., sodaß im ganzen 1867 000 Mk. notwendig

MEDAILLE

KRE1S-